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am 11. März 2001
Goethe schrieb in "Dichtung und Wahrheit" über die biblische Josephs-Geschichte, diese natürliche Erzählung sei höchst anmutig, nur scheine sie zu kurz. Man fühle sich berufen, sie ins Einzelne auszumalen. 160 Jahre nach Goethe, der den Roman schreiben wollte und dann nicht schrieb, hat sich Thomas Mann an dieses Unternehmen gewagt. 1926 begann er in München, die knappe biblische Erzählung von Jaakob und seinen zwölf Söhnen auszuspinnen; am 6. Februar 1943 sandte er von Pacific Palisades aus seinem Verleger das Manuskript des letzten Teils. Das Buch wurde zur Tetralogie. Es ist eine Darstellung der Urvorkommnisse des Menschenlebens, von Liebe und Haß, Segen und Fluch, Bruderzwist und Vaterleid, Hoffahrt und Buße, Sturz und Erhebung. Das erste Buch der Tetralogie sind "Die Geschichten Jaakobs". Thomas Mann erzählt die biblischen Geschichten und Geschehnisse Jaakobs anders als das 1. Buch Moses nicht chronologisch. Gleich zu Anfang wird von einer Begegnung Jaakobs mit seinem Lieblingskind Joseph auf den Weiden Hebrons am Brunnen erzählt. Joseph ist Jaakobs elfter Sohn, der ältere aus seiner Ehe mit Rahel. Benjamin folgt dann als zwölfter. Joseph wird am Brunnen als etwa 17-Jähriger vorgestellt, der Vater ist daher beinahe schon ein Greis. Was Jaakob in seinem Leben widerfuhr, sein Bruderzwist mit Esau, der Streit mit dem Zwillingsbruder um das Erstgeburtsrecht, sein listiger Betrug, die Flucht nach Haran, der Dienst bei Laban und dessen Töchter Lea und Rahel, Jaakobs Erwerbssinn, der ihm Reichtum bringt und die erneute Flucht, diesmal vor Laban, die Versöhnung mit Esau, das Blutbad zu Sichem, der Kindersegen, das späte Kinderglück mit Joseph und Benjamin, schließlich der Tod Rahels, alle diese Geschichten Jaakobs werden bei Thomas Mann später erzählt in der Form einer großen Rückblende. Dem Autor gelingt es, den heutigen Lesern die Welt des babylonisch-ägyptischen Orients um 1400 vor Christus nahe zu bringen und die biblischen Geschichten mit unerwartetem Leben zu füllen. Spannend, amüsierend, aber auch menschlich berührend erzählen "Die Geschichten Jaakobs" von dessen Lebensweg. Aufgabe des Buches ist es - nach den Worten des Dichter - zu beweisen, daß man auf humoristische Weise mythisch sein kann. Dies ist ihm vortrefflich gelungen.
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