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Kundenrezensionen

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"Doktor Faustus" erzählt die Geschichte eines Paktes, eines Paktes zwischen dem genial veranlagten Komponisten Adrian Leverkühn und dem Teufel, der es ihm erlaubt, im quasi orgiastischen Zustand ein Meisterwerk nach dem anderen zu kreieren. Der zu zahlende Preis ist hoch: "Du darfst nicht lieben" (334). Erzähler des Romans ist der Humanist und Freund Leverkühns seit Kindestagen Serenus Zeitblom, ein bodenständiger Lehrer der Altphilologie. Doch Zeitblom thematisiert nicht nur die Tragödie seines Freundes zwischen den Jahren 1885 und 1940, sondern ebenso die Tragödie seiner Zeit, der Zeit der Niederschrift seines Berichts, welche am 23.5.1943 beginnt. In Einschüben kommentiert Zeitblom die zeitpolitische Situation und ergeht sich in düsteren Vorahnungen: "Es ist aus mit Deutschland, wird aus mit ihm sein, ein unnennbarer Zusammenbruch, ökonomisch, politisch, moralisch und geistig, kurz allumfassend, zeichnet sich ab, - ich will es nicht gewünscht haben, was droht, denn es ist die Verzweiflung, ist der Wahnsinn" (234).

Ist der Roman schlussendlich nur eine Metapher? Steht Leverkühn, das künstlich-geistige Genie, stellvertretend für das deutsche Volk, welches sich, gelockt durch das Versprechen von Größe und Ruhm, dem Satan aus Braunau am Inn anvertraut hat? Der Text bietet hierfür einige Anhaltspunkte, so zum Beispiel Leverkühns Bericht über seine erste Begegnung mit einer Dienerin des Teufels in Gestalt einer Prostituierten, den Zeitblom, sofern wir seinen Worten glauben schenken dürfen, nach dem Tod Leverkühns in dessen Nachlass vorfand: "Neben mir stellt sich dabei eine Bräunliche [...] Esmeralda, die streichelt mir mit dem Arm die Wange" (192). Die Betonung liegt hier wohl auf "Bräunliche".

Brillanter Höhepunkt des Romans ist Leverkühns Gespräch mit dem Leibhaftigen höchstselbst, in dem der Pakt geschlossen wird, dem ein philosophisches Duell auf höchstem Niveau vorangeht. Auch diesen Teil seines Berichtes hat Zeitblom nach eigenen Angaben dem Nachlass des Freundes entnommen. Zunächst die Existenz seines diabolischen Gegenübers leugnend, kontert dieser: "Du siehst mich, also bin ich dir. Lohnt es zu fragen, ob ich wirklich bin? Ist wirklich nicht, was wirkt, und Wahrheit nicht Erleben und Gefühl? Was dich erhöht, was dein Gefühl von Kraft und Macht und Herrschaft vermehrt, zum Teufel, das ist die Wahrheit" (325f.). Stärke und Macht gleich Wahrheit; dieses Credo hat auch der Bräunliche aus der österreichischen Provinz gepredigt.

Doch tut man dem Roman unrecht, würde man ihn nur auf diese Parallelen hin betrachten. Thomas Mann hat die deutsche Sprache auf ein Niveau gehoben, welches bis dato nie erreicht wurde und wohl auch nie mehr erreicht werden wird. Allein seine Darlegungen der Leverkühnschen Kompositionsart, angelehnt an die Zwölftonmusik Arnold Schönbergs, sind atemberaubend. Man hat zeitweise wirklich das Gefühl, die beschriebene Musik, das Ineinandergleiten der Töne, hören zu können.

Unerreicht bleibt auch Manns Fähigkeit, die Charaktere seiner Romane gleichsam nachfühlbar und miterlebbar zu charakterisieren, so dass beim Lesen greifbare Bilder in der Vorstellung des Lesers entstehen. Vorbildlich gelungen ist dies bei Nepomuk, Leverkühns von allen geliebter Neffe, "ein Elfenprinzchen" mit seiner "zierlichen Vollendung der kleinen Gestalt mit den schlanken, wohlgeformten Beinchen; der unbeschreibliche Liebreiz des länglich ausladenden, von blondem Haar in unschuldiger Wirrnis bedecktem Köpfchens, dessen Gesichtszüge, so kindlich sie waren, etwas Ausgeprägt-Fertiges und Gütiges hatten, sogar der unsäglich holde und reine, zugleich tiefe und neckische Aufschlag der langbewimperten Augen von klarstem Blau" (608f.). So zum Leben erweckt, ergreift das tragische Schicksal des Kindes, welches Zeitblom vom ersten Kapitel an andeutet, umso mehr.

Und am Ende der Aufzeichnungen, mehr als fünf Jahre nach dem Tod Leverkühns, steht auch das Ende all dessen, wofür unser humanistischer Bildungsbürger in seinem Leben gestanden hat. Nicht so sehr der Zusammenbruch des Nazi-Regimes, welchen er eher begrüßt, sondern der absolute moralische Ruin, der für immer mit der deutschen Nation verbunden bleiben wird: "Man nenne es finstere Möglichkeiten der Menschennatur überhaupt, die hier zu Tage kommen, - deutsche Menschen, Zehntausende, Hunderttausende, sind es nun einmal, die verübt haben, wovor die Menschheit schaudert, und was nur immer auf deutsch gelebt hat, steht da als ein Abscheu und als Beispiel des Bösen" (635).

Fazit: Roman und Zeitdokument. Thomas Mann schrieb "Doktor Faustus" im amerikanischen Exil zwischen den Jahren 1943 und 1947. Ergebnis war und ist nichts weniger als ein Meisterwerk der deutschen Literatur.
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am 15. April 2014
Thomas Mann ist immer wieder eine Neu-Entdeckung für mich.

Er sollte jedem Deutschen in die Hände gelegt werden. Erstklassig geschrieben und
voller Psychologie. Wo sind die heutigen Schriftsteller mit dieser Qualität?
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am 19. Januar 2016
Ein sprachlich und psychologisch hochrangiger Roman. Gerne lese ich das Werk zum wiederholten Male. Immer wieder entdeckt man Neues oder bisher wenig Beachtetes. Ein intellektuelles Vergnügen!
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am 25. April 2014
Was soll ich über mein Lieblingsbuch sagen? Dass Leverkühn und Zeitblom bestimmende Charakterseiten von Mann selbst sind?
Dass es auch als ein erschütterndes Zeugnis einer Selbstanklage gelesen werden kann? Das es nicht ganz leicht zu lesen ist, da ich es für mich als Hörbuch verfasse, weiß ich wovon ich rede. Dass hier jemand sich in seine tiefsten Tiefen gewühlt hat? Zumindest in sehr tiefe...? Man muss die Mannschen Sätze genießen können und "...ich bitte wieder ansetzen zu dürfen" ...komisch finden können, jene Art des Schreibens, welches die Endloslinienführungen der Gedanken als ironisches Stilmittel einsetzt, sonst wird man nicht viel davon haben.
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am 31. Januar 2013
Ich bin wohl kinästhetisch veranlasst, wenn es ums Lesen geht. Daher habe ich absichtlich nach Roman-Versionen aus den 50er, 60er Jahren gesucht wegen dem steiferen Papier und Lederbund. Man muss sich aber an der etwas anderen Typographie damals gewöhnen. Sie ist schon etwas Anspruchsvolles für meine Augen. (Eine Freundin von mir hat eine aktuellere Fischer-Version. Daher erlaube ich diese Anmerkung.;oP)
Das Buch habe ich noch nicht bis Ende gelesen. Ich habe den Eindruck, es ist keine leichte Kost, obwohl es viel Spaß macht, wenn man sich auskennt in den Szenerien, beispielsweise dort, wo man selbst studiert und großzügig mit Termini umgeht, auch gerne bei spaßhaften, alltäglichen Themen. Dann fühlt man sich als Student trefflich parodiert, dass man auflachen muss. Wie gesagt muss man sich Zeit nehmen als Leser, um die Neckerei seitens des Autors zu genießen.
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am 9. November 1999
Die Geschichte des Adrian Leverkühn auf seinem Lebens- und Leidenswege immer zwischen Genie und Verteufelung. Wer Faust gelsen hat, sollte sich auch die Zeit nehmen, Thomas Manns Bearbeitung des Faust-Stoffes zu lesen.
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am 29. Dezember 2007
Verglichen mit der fabelhaften Gert-Westphal-Lesung ist dieses auf ein Drittel gekürzte, eigentlich aber gedankenlos von den Bearbeitern zusammengestrichene Hörspiel bereits nach fünf Minuten eine Hörqual: Un-emotionale, offenbar missverstandene, schlimm heruntergeleierte Texte im Stil einer Abiturientenklasse der 70er Jahre.
Der Thomas-Mann-Kosmos, der stets tragisch-abgründig, aber auch komisch und Dickens-haft malerisch ist, wurde offenbar weder von der Regie noch von den Sprechern begriffen. Alle offenbar in der überkomnenen Lehre befangen, dass Monotonie irgendeine Tiefe vorgaukelt.
Der ständige Wechsel der Kanäle scheint einer nachhaltigen Begeisterung für das Phänomen "Stereo" geschuldet, ist aber schon nach kurzer Zeit eine Störung und wirkt nach Ablauf einer CD wie eine ärgerliche Marotte.
Die kurzen Musik-Intermezzi sollten eigentlich auf Mahler und später Mahler hinweisen, erinner aber eher an den Hessischen Rundfunk und die Augsburger Puppenkiste.
Schade, dass saftige, deftige, wirklich große Literatur immer wieder in die Fänge schmalschultriger, miesepetriger Germanisten fällt.
Leider alles sehr langweilig.
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am 30. Juni 2000
Eine Parabel auf das Deutschland der Nazi-Ära und gleichzeitig die Verteidigung der Philosophie Nietzsches gegen den Mißbrauch jener Zeit. Um den Doktor Faustus nicht nur oberflächlich genießen zu können, sind profunde Kenntnisse im Bereich der Musik Wagners, Beethovens und Webers, der Philosophie Nietzsches und Kierkegaards, sowie der Biographie Nietzsches von Vorteil.
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am 11. Juli 2014
Gert Westphal liest Thomas Mann und ich kenne keinen Besseren Interpreten für diesen Dichter. Eine schwere Entschlüsselung des Inhalts, aber lohnenswert und in einer rauschhaft vielfarbigen deutschen Sprache. Die Lieferung kam ganz pünktlich in meinem Hotel an und die CD's waren neu, wie ja auch bestellt. Ich danke für die schnelle reibungslose Hilfe.
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am 18. Juli 2014
Super Buch! Endlich auch als E-Book. Schade das diese hochwertige Literatur immer weniger Freunde findet. Das sollte eigentlich Pflichtlektüre in den Schulen sein.
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