Fashion Sale Hier klicken calendarGirl Prime Photos Sony Learn More sommer2016 designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen47
4,5 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:39,00 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 17. Juni 2016
...Besitzer, Nutznießer, ... einer Th.Mann Gesamtausgabe.
Mit aller Bestimmtheit will ich versichern, dass es keineswegs aus dem Wunsche geschieht, meine Person durch diese Rezension in den Vordergrund zu schreiben.
Ich überlese die vorstehenden Zeilen und kann nicht umhin, ihnen eine gewisse Unruhe und Beschwertheit anzumerken ...
KURZ: Der (zukünftige) Leser pflegt nicht, Gesamtausgaben stets bei sich zu haben.
Diese dada ist optimal.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. April 2010
Die fiktive Künstlerbiographie Doktor Faustus, an der Thomas Mann von 1943 bis 1947 mit Unterbrechungen im amerikanischen Exil gearbeitet hat, bestimmt als Epochenwerk auch seinen letzten Lebensabschnitt. Er selbst bezeichnete die Lebensgeschichte des Tonsetzers und Komponisten Adrian Leverkühn als sein Lebens- und Geheimwerk. Versetzt mit einer Vielzahl musiktheoretischer und kunstphilosophischer Betrachtungen, wird die Künstlerbiographie zu Manns Verarbeitung des Faschismus in Deutschland und Europa.

Doktor Faustus - Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freund.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Dezember 2013
endlich habe ich mich auch an den faustus gewagt- es ist genau das eingetreten, was ich evrmutet hatte- ich hab seitenweise überblättern müssen, weil mir das verständnis für viele ausführungen nicht ankam. es ist ein großes buch, in dem der autor faktisch sein credo als mensch, aber auch vor allem als künstler schreibt, es geht um die kunst, um weltsichten, um ansichten, einsichten, um familie und und und und vor allem auch um deutschland, um die nationalsozialistische katastrophe der heimat deutschland.

die geschichte um den künstler, der mit dem teufel paktiert, um sein leben und seine lebensumstände, einschließlich der personen, mit denen er es zu tun bekommt, ist hervorragend komponiert und ausgeführt. vor der sprachbeherrschung und der bisweilen zu vermutenden sprachbesessenheit des autors, der immer wieder deutsche wörter und begriffen erschafft, die man so noch nie gehört hat, kann man sich als literaturinteressierter nur verneigen. das macht einfach spaß, solchen genialisch gedrechselten sätzen zu folgen, die zergehen auf der zunge wie schweizer schokolade.

besonders die philosophischen und musiktheoretischen analysen und ähnliche in diesem buch verarbeitete problemdiskussionen sind für mich einfach zu hoch gewesen. da fehlen mir einfach die grundlagen und das verständnis. thomas mann wollte ja unbedingt alles, was er zu diesen themen zu sagen hatte, in diesem buch mit verarbeiten, ging er doch davon aus, dass dies sein letztes werk sein könnte. insofern sind diese ihm wichtigen themen alle reingepackt worden - was für mich manchmal die lektüre unlesbar macht (siehe zwölftonmusik) aber egal. es gibt außer diesen genug seiten, die einen packen können.

und gepackt hat mich vor allem der tod des knaben nepomuk. ich kenne keine tragischere schilderung eines kindtodes in der literatur, mir hat es die tränen in die augen getrieben. unglaublich intensiv dieses leseerlebnis. und bedrückend zugleich, wenn man weiß, dass der autor faktisch hier seinen lieblingsenkel sterben läßt. mann war immer auch irritierend.

wer sich mit dem teufel zusammentut, der muß damit rechnen, dass er alles, was er liebt, verliert. der pakt im buch ist so gestaltet, dass leverkühn nicht lieben darf. somit wird ihm wohl auch das glücklichsein in einer beziehung verwehrt. thomas mann wird bewußt gewesen sein, dass er durch sein gelebtes künstlertum eigentlich recht lieblos durch die zeiten gekommen ist- nicht, dass er selbst nicht geliebt wurde, aber wie und wen konnte er lieben? seiner eigenen familie stand er doch recht distanziert gegenüber. insofern scheint der roman auch eine art rechtfertigung zu sein. einige personen seiner familie wird man hier im buch erkennen, eingeschlossen den "zauberer" selbst. vor allem hat er seiner schwester carla ein denkmal gesetzt, soweit ich erkannt habe.

fazit- für viele sicher schwierig zu lesen, wahrscheinlich noch schwieriger zu verstehen. lohnenswert allemal für interessierte. die "buddenbrooks" finde ich persönlich als roman viel besser.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 20. Februar 2015
Es ist der vierte große Roman von Thomas Mann. Er schreibt über Deutschland, über Politik, Kultur, Kunst und Philosophie, über Psychologie und Soziologie, über Sprache und Autorentum, über Musik und Religion. Der Romanist düster und nicht leicht verständlich. Aber es lohnt sich. Vielleicht Manns bester Roman.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. März 2015
Dieser Roman ist neben einem faszinierenden musik- und kunstwissenschaftlichen Essay vor allem die Geschichte der Tragödie des deutschen Volkes und ein Versuch, deren Gründe zu finden. Der Leser spürt, wie sehr Thomas Mann unter der Katastrophe des Nationalsozialismus persönlich gelitten hat. So ist "Doktor Faustus" derjenige seiner Romane, bei dem er am wenigstens Distanz hält: In keinem anderen seiner Werke öffnet er sich dem Leser so sehr wie in diesem.

Vielschichtig und vor dem Hintergrund von eindrucksvoll gezeichneten literarischen Figuren zeigt Thomas Mann Wechselwirkungen von Kunst, Kultur, Moral und dem Gang der Geschichte auf. Die Kühnheit der Konstruktion, den Faust-Mythos mit dem Schicksal eines Künstlers und zugleich symbolisch mit dem der Deutschen zu verknüpfen, macht seinen letzten vollendeten Roman zu seinem größten.

Will man den "Doktor Faustus" verstehen, sollte man idealerweise zuvor "Buddenbrooks" und "Zauberberg" lesen, da viele der im "Doktor Faustus" aufgebrachten Gedanken Weiterentwicklungen aus seinen früheren Romanen sind.

Zur Kindle-Edition lässt sich sagen, dass diese - vor allem im Vergleich zu anderen Kindle-Büchern - sorgfältig bearbeitet und sehr gut lesbar ist. Dem Verlag S. Fischer ist zu danken, dass er sich moderneren Medien nicht verschließt.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. August 2009
Um in geniale Sphaeren der Komposition vorzudringen, geht der Tonsetzer Adrian Leverkuehn den Pakt mit dem Teufel ein. Die Passagen, in denen die Sprache seines schon dem Irresein verfallenen Geistes beschrieben wird schnueren dem Leser die Luft ab, so dicht und intensiv wie nur Joyce im "Portrait" rauscht der Teufel persoenlich durch das Werk und die Schilderung der Hoelle ist so perfekt gelungen, dass man selbst fast an sie glauben koennte. An diesen Stellen blitzt schon die Diktion des Arno Schmidt durch. So weit war Thomas Mann. Einige Kitschigkeiten und Laengen in diesem grossartigen, in wunderbar konservativ-klassischer Sprache verfassten Roman gibt es auch, wie die ausschweifende und suessliche Schilderung des Knaben Nepomuk (Echo), der alsbald einer vom Satan verursachten Meningitis zum Opfer faellt. Dennoch, ein riesiger, grosser Roman, der gottlob so einiges an Seitenhieben auf den von 33-45 und darueberhinaus regierendes Poebel enthaelt, voller erfrischender Religionskritik (die sicher auch Sloterdijk absegnen koennte) und Musiktheorie. So gross war Thomas Mann, dass er es sich auch erlauben konnte, seine eigene Stellung in der Kunst herauszustreichen, vielleicht ob dieser durchaus zu rechtfertigenden Hochnaesigkeit ein Grund fuer Nabokov, veraechtlich vom "Grossschriftsteller" zu sprechen. Wegen seiner Modernitaet gefaellt mir der Zauberberg noch besser. Duch em umfangreichen Anhang in Art eines Lexikons ist das Buch eine wertvolle Quelle zu wichtigen Personen der Zeitgeschichte.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. Oktober 2014
Mit "Doktor Faustus" hat Thomas Mann, der große Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger von 1929, sein ehrgeizigstes und anspruchsvollstes Romanprojekt in Angriff genommen. Anders als bei "Buddenbrooks", "Zauberberg" und den Joseph-Romanen, die ursprünglich nur als kleine Erzählungen geplant waren und sich erst während des Schreibens, gleichsam unter der Hand, zu großen Romanen entwickelten, wusste Thomas Mann bei seinem von 1945 bis 1947 entstandenen Alterswerk von Anfang an, was er wollte: Den großen Roman über die deutsche Tragödie schreiben. Und diese Aufgabe hat Thomas Mann bravourös gemeistert.

Die deutsche Tragödie - das ist das große Thema des Romans. Wie konnte es in Deutschland, einer alten Kulturnation mit glanzvoller Geschichte, zu Hitler und zu den Schrecken des "Dritten Reichs" kommen? Thomas Mann hatte bereits 1945 in dem berühmten Vortrag "Deutschland und die Deutschen" versucht, hierauf eine Antwort zu geben, und hier wird das Thema nun eingehend in Romanform abgehandelt. Thomas Manns These, dies vorweg, ist, dass bestimmte Eigenheiten der deutschen Kultur und der deutschen Tradition, insbesondere der Irrationalismus und die Musik, verkörpert in der deutschen Romantik, an sich zum Besten und Edelsten der geistigen Welt gehören, aber dann gewissmaßen durch "Teufelslist" zum Bösen ausgeschlagen sind.

Thomas Mann liebte, das ist bekannt, die Musik über alles, insbesondere die Musik Richard Wagners. Schon in "Buddenbrooks" und im "Zauberberg" steht die Musik für das Irrationale, das Verführerische, die Flucht vor der Welt und den Kontrast zum platten bürgerlichen Leben. Was lag daher für Thomas Mann näher, als seinen Roman über die die "deutsche Tragödie" zugleich als Musikerroman zu gestalten? Und was lag näher, als für den großen, exemplarischen Roman über Deutschland an die alte und urtümlich deutsche Sage vom Dr. Faust anzuknüpfen?

Doktor Faustus ist in dem vorliegenden Roman der Komponist Adrian Leverkühn, welche 1885 geboren ist. Aus der geistigen Erstarrung der Zeit um 1900, als eine schöpferische kompositorische Tätigkeit nicht mehr möglich erscheint, weil alle Mittel schon aufgebraucht sind und Leverkühns überscharfer und kritischer Intellekt ihm die Unmöglichkeit zeigt, noch auf die altgebrachte tonale Weise zu komponieren (also in Dur- und Molltonarten), flieht Adrian Leverkühn in einen Teufelspakt der eigenen Art: Er infiziert sich bewusst mit Syphillis, um sich zu begeistern, zu enthemmen und eine ganz neuartige, geniale Musik zu schaffen. (So wird gewissermaßen Adrian Leverkühn zum Schöpfer der Zwölftonmusik, was deren wirklichen Erfinder Arnold Schönberg dazu veranlasste, die Einfügung eines klarstellenden Vermerks in Thomas Manns Roman zu verlangen.)

Das gesamte Leben Adrian Leverkühns von der Kindheit, seinem Studium und seiner Karriere als großer Komponist bis zum Zusammenbruch 1930, als er in Geisteskrankheit verfällt, wird von seinem Freund, dem Gymnasiallehrer Serenus Zeitblom, in der Rückschau erzählt. Serenus Zeitblom schreibt, das ist die Grundidee des Buchs, seine Biographie über Adrian Leverkühn in den Jahren 1943 bis 1947. Dies ermöglicht dem Autor, nicht nur seine eigenen, Serenus Zeitblom zugeschriebenen, Gedanken in das Buch einzufügen, sondern als Parallelhandlung zum Leben Adrian Leverkühns auch zeitgeschichtliche Ereignisse vom Kaiserreich bis zum zweiten Weltkrieg zu verarbeiten. (Auch der Bombenkrieg kommt vor, was zeigt, wie absurd die Behauptung ist, dass der Bombenkrieg in Deutschland bis in die jüngste Zeit "tabuisiert" worden sei.) Die geistige Situation der Zeit wird charakterisiert durch die Werke Adrian Leverkühns, der in seinen Kompositionen zivilisatorische Errungenschaft bewusst verleugnet und schließlich in seinem letzten Werk, dem Oratorium "Doktor Fausti Weheklag" , Beethovens 9. Sinfonie mit ihrem Hymnus auf die Humanität demonstrativ "zurücknimmt". Es ist eine inhumane, das Zivilisatorische bewusste verleugende, Zeit, die immer deutlicher hervortritt - in den Diskussionsabenden, an denen Serenus Zeitblom ab 1918 in München teilnimmt und in denen die geistigen Grundlagen des Faschismus und des heraufziehenden Nationalsozialismus artikuliert werden, aber auch in den furchtbaren Handlungssträngen, in denen Adrian Leverkühn, so wird insinuiert, erst einen jungen Mann und dann ein Kind in den Tod schickt - weil er beide liebt, aber der Teufel hat ihm die Liebe verboten. Um ihn herum muss Kälte sein - die Kälte ist eines der zentralen Motive des Buchs.

Adrian Leverkühn ist, das muss klargestellt werden, kein Bösewicht, kein Schurke. sondern eine hochbegabter, ein hoch bedeutender, ein einsamer und zutiefst gefährdeter Mann, ein Mann, der nur eben einen furchtbar falschen Weg gegangen ist. Serenus Zeitblom, der Altphilologe, der Bewunderer der klassischen antiken Kulter und Gegner alles Irrationalen und Dämonischen (was ihn veranlasst hat, 1933 vorzeitig aus dem Schuldienst zu scheiden), liebt seinen Freund Adrian Leverkühn abgöttisch, so wie Thomas Mann Deutschland liebt, das ihn doch vertrieben und ausgebürgert hat. Ja, das Buch ist "trotz allem" ein Bekenntnis zu Deutschland. Im letzten Satz des Buchs fasst Serenus Zeitblom das Schicksal seines Freundes und das Schicksal Deutschlands ausdrücklich zusammen: "Gott sei Eurer armen Seele gnädig, mein Freund, mein Vaterland".

Das Buch ist ungeheuer vielschichtig angelegt. Es hat tausend Bezüge zur Philosophie, zur Musiktheorie (wo sich Thomas Mann teilweise der Hilfe Theodor W. Adornos bedient hat, dessen "Philosophie der neuen Musik" wertvolle Anregungen für "Doktor Faustus" lieferte), zur Theologie, zur deutschen Gesichte und vielem anderen mehr. In der Figur des Hallenser Theologieprofessors Ehrenfried Kumpf - wie der klassische Faust studiert auch Thomas Manns Leverkühn zunächst Theologie - liefert Thomas Mann ein famoses Luther-Porträt. Luther spielte in Thomas Manns Verständnis eine wichtige Rolle in der deutschen Geistesgeschichte.

Thomas Mann, das hat er selbst bezeugt, hat das Buch mit großer Leidenschaft geschrieben. Das Bekenntnis zur deutschen Kultur zu verbinden mit einem klaren Bekenntnis zur westlichen Demokratie und mit einem klaren, unzweideutigen Nein zum Nationalsozialismus, war ihm wichtig. Zumal ihm das Bekenntnis zur Demokratie und zur westlichen Zivilisation nicht in die Wiege worden gelegt war, sondern er sich dies über längere Zeit erarbeitet hat. Bis zum Ersten Weltkrieg (vor allem in den "Betrachtungen eines Unpolitischen") feierte er die Überlegenheit des - vor allem durch Luther verkörperten - deutschen Sonderweges, der deutschen "Kultur" mit ihrer Liebe zur Musik und ihrer "Sympathie mit dem Tod" gegenüber der vermeintlich oberflächlichen westlichen, "römischen" (also vom antiken Erbe und dem Katholizismus geprägten) "Zivilisation", deren abstoßende Verkörperung für ihn der "Zivilisationsliterat" in Gestalt seines Bruders Heinrich Mann war. (Ganz ähnlich argumentieren heute Putin und seine Paladine.) Um diese geistige Tradition geht es auch in Doktor Faustus, nur wird sie hier nicht mehr positiv, sondern als geistesgeschichtliche Grundlage des Nationalsozialismus verstanden. Der Teufel ist im ganzen Buch präsent - im Leben Adrian Leverkühns, damit aber auch in der deutschen Geschichte. Der persönliche Auftritt des Teufels - Thomas Mann hat hier eine eigentümliche Vision verarbeitet, die er als junger Mann in Italien hatte und die auch schon in den "Buddenbrooks" erwähnt wird - ist der literarische Höhepunkt des Buchs. Nicht nur Adrian Leverkühn, sondern auch Deutschland ist einen Teufelspakt eingegangen - darum geht es letztlich.

Natürlich enthält "Doktor Faustus", wie bei Thomas Mann nicht anders zu erwarten, auch zahlreiche autobiografische Bezüge, bis hin zur Verarbeitung des tragischen Lebensschicksals seiner Schwestern. Mitunter hat das Buch, vor allem, wenn Serenus Zeitblom selbst spricht, aber auch einen leicht parodistischen Einschlag. Man könnte sogar sagen, dass die Einführung des biederen, langweiligen, pedantischen Serenus Zeitblom das Stilmittel ist, mit dem Thomas Mann den düsteren Stoff in einer für den Leser erträglichen Weise aufbereitet. Entgegen weitverbreiteten Gerüchten liest sich das Buch gut: Es ist mit durchgehender feiner Ironie und unbeschreiblicher Eleganz und Präszision geschrieben. Seine Neigung zu langen Schachtelsätzen parodiert Thomas Mann in der Gestalt des Serenus Zeitblom selbst auf liebenswürdige Weise.

Fazit: Einer der große Romane des 20. Jahrhunderts und eine der großen Auseinandersetzungen mit den geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus.
11 Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. März 2015
mir fällt ein Urteil sehr schwer. Für mich sind manche Passagen, insbesondere die rein biographischen des Adrian Leverkühn und wenn der Erzähler seine Eindrücke aus der Zeit, wann er seine Erinnerungen niederschreibt ( 1943-45 ), mit einfließen läßt, recht gelungen. Andere Passagen über philosophische und auch musikalische Gesichtspunkte waren für mich ehrlich gesagt zu hoch und ohne Hintergrundwissen und Sekundärliteratur nicht zu verstehen. Für Leser mit Interesse und insbesondere viel Zeit ist es sicher interessant und lohnenswert, sich näher mit dem Werk zu beschäftigen. Für den "Normalleser" gibt es sicher besseres von Thomas Mann wie z.B. die Josephsromane.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 4. April 2008
Über das Gesamtwerk Thomas Manns soll es über 20 000 fachwissenschaftliche Veröffentlichungen geben. Eine erkleckliche Anzahl beschäftigt sich mit Doktor Faustus. Es ist hier nicht der Ort, diesen eine weitere hinzu zu fügen.
Es geht ausschließlich um die Bewertung der Umsetzung dieses Großromans in eine Hörbuchfassung (10 Audio-CDs je 80 Min., der hörverlag, München).
Zwei wesentliche Gruppen von Hörern sind zu unterscheiden:
1. Leser, die sich mit dem Originalroman bereits vertieft auseinandergesetzt haben.
2. Hörer, die sich über eine zwangsweise verkürzte Fassung ein erstes Bild von diesem epochalen Roman machen wollen.
Es ließe sich trefflich streiten, ob die Auswahl der Romansequenzen wirklich gelungen ist. Selbst der Leser, der die Vielschichtigkeit des Textes kennt, findet in dieser Fassung nicht immer gleich den rechten Faden. Dem nicht vorbelasteten Hörer wird dies noch schwerer fallen.
Vorteilhaft gegenüber reiner Vorlesung ist die hörspielartige Umsetzung. Sie lässt Passagen mit Zwiegesprächen oder Gesprächsrunden auch durch folienhafte Hinterlegung mit zurückhaltenden Umgebungsgeräuschen plastischer werden. Auch können die typisch Mann'schen Montage- und Perspektiv-Techniken hörbar und der Kolportageansatz der Erzählerfigur Zeitblom deutlicher gemacht werden.
Die Auswahl der vielen nötigen Stimmen ist leider nicht so differenziert, dass die handelnden Figuren nach Hörpausen anhand ihrer charakteristischen Stimmlage sofort wieder identifizierbar sind.
Das Spiel, denselben Sprecher häufig von der rechten auf die linke Box und zurück zu schalten, verwirrt. Das ist nicht Sinn einer Stereofunktion, springt man doch während eines Gesprächs nicht wirklich ständig von einer in die andere Ecke eines Raumes. Hier wird Dynamik suggeriert, wo sie fehl am Platz ist.
Das größte Problem sind die Musikeinspielungen. Natürlich haben sie in einem Roman über den Musiker Adrian Leverkühn eine zentrale Bedeutung. Sie dienen einerseits der emotionalen Klammerung in einer stark gekürzten Fassung andererseits der Illustration von Stimmungen, Szenen, Handlungssträngen. Musik hat in diesem Roman immer auch literarische Funktion, geht es auch um den Übergang von der Spätromantik in die Moderne, von z.B. Beethoven zur Zwölftontechnik Arnold Schönbergs. Th. Mann bedient sich einer Leitmotivtechnik.
Der Komponist des Hörbuches schafft aber eine absolute Musik, die in weiten Teilen einen Gegensatz zum Text herstellt. Wirklich störend wirkt besonders ihre Dominanz und Aggressivität durch Lautstärke, wenn sie zwischen die Szenen regelrecht hineinblafft und aus der Konzentration auf das Hörerlebnis der Stimmen aufschreckt. Für den mit dem Roman Vertrauten wird das phasenweise zum Ärgernis.
Es bleibt die grundsätzliche Frage, ob es sinnvoll ist, ein so umfangreiches, komplexes, auch wissenschaftlich so differenziert interpretiertes Kunstwerk in ein zusammengeschnittenes Hörbuch zu pressen.
0Kommentar|12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Februar 2016
Thomas Manns kritischer Blick von außen und seine Sorge um die zurückgelassene Heimat, machen diesen Roman, der sich als musiktheoretische Betrachtung tarnt, in Wahrheit aber Deutschland und die Deutschen analysiert, zu einem Meisterwerk der Nachkriegsliteratur!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden