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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Qualitativ hochwertig, aber keine dankbare Kost, 25. Februar 2004
Von 
Schulthe, Hendrik "pengoblin" (Rheinhessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Aus allen Himmeln (Gebundene Ausgabe)
Warmlesen muß man sich diese Geschichten, die in Episoden von Kindheit in Ostdeutschland erzählen: einem keineswegs verklärten, sondern nüchtern, klar und kühl berichteten versteckten Ostdeutschland, von dem 'Ostalgiker' ganz bestimmt nicht so gerne wissen möchten. In einer Kombination aus sorgfältig rekonstruierter kindlicher Arglosigkeit und poetischer Adoleszenz berichten die ProtagonistInnen dieser Erzählungen von der besonderen Desorientierung von Kindern im Umfeld desorientierter Erwachsener: von dem Mädchen, dessen Mutter Alkoholikerin ist und es mit einem Einkaufszettel in den "Konsum" zum Stehlen schickt, zugleich jedoch dessen jüngere Schwester mißhandelt, weil sie sich selbst um 50 Pfennig betrogen glaubt. Oder von dem Heimkind, das immer wieder ausreißt, weil es die Trennung von den Geschwistern nicht erträgt - und für diese Liebe vom System bestraft wird und daran zerbrechen muß. Oder der Jugendlichen, die schon so oft ausgerissen und beim Stehlen erwischt worden ist, daß der zuständige Polizist längst als vertrauter Bestandteil ihrer Welt erscheint. Oder der Tochter, deren alleinstehender Vater jedes Jahr zu Ostern seinen Freitod inszeniert - bis sie, nur um von ihm Beachtung zu finden, daran teilnimmt.
Nett sind diese Geschichten nicht - keine Literatur, in der man schwelgen, die man 'mögen' könnte. Gut geschrieben sind sie dagegen allemal, in sorgfältig gesetzten, beherrschten Worten: zu distanziert, um exhibitionistisch zu sein (was dem Thema guttut), zu unsentimental, um reißerisch zu wirken. Für manche Leserin, manchen Leser mag gerade dies die Wirkung noch verstärken; anderen fehlt vielleicht die eigene Berührung mit den Hintergrundmotiven Alkoholismus und Armut, um hier einen emotionalen Zugang zu finden.
Die Geschichten sind untereinander zum Teil auf nicht ganz nachvollziehbare Weise miteinander verknüpft (was stellenweise etwas irritiert, aber den Einzeltexten nicht schadet) und beziehen sich auf die ehemalige DDR (etwa zu Beginn der 70er). Dennoch sind die keineswegs relevant nur für dieses Umfeld: sie könnten auch im Ruhrgebiet oder in Italien oder in den U.S.A. angesiedelt sein - die wirklichen Themen der Erzählungen sind (leider) allgegenwärtig, und da ist es egal, ob der Supermarkt um die Ecke "Konsum" oder "Kaufhof" oder "WalMart" heißt. Überall in unserer Wohlstandsgesellschaft gab und gibt es solche Kinder, deren Welt nicht zerbrechen kann, weil sie von vornherein nie heil, nie ungebrochen und unschuldig war.
Besonders gelungen an den Geschichten ist, daß in ihnen eine Aussage sehr deutlich wird, ohne erklärt, formuliert werden zu müssen: wie wichtig und unersetzbar die gegenseitige Verantwortlichkeit der einzelnen Menschen - ob Erwachsener, ob Kind - füreinander bleibt, auch und gerade in einer Welt, in der angeblich solche Dinge selbstverständlich sind. Wer sich auf dieses Thema einlassen möchte, kann sicherlich an eingängigere, vor allem aber auch an wesentlich schlechtere Literatur geraten als an "Aus allen Himmeln".
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Aus allen Himmeln
Aus allen Himmeln von Angelika Klüssendorf (Gebundene Ausgabe - 16. März 2004)
EUR 14,90
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