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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die faszinierende Geschichte einer außergewöhnlichen Frau
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Die Deutsch-Jüdin Marie Jalowitz ist beim Tode ihres Vaters 1941 gerade 19 Jahre alt geworden, lebt in der Reichshauptstadt und lehnt es nach reiflicher Überlegung ab, den Judenstern zu tragen und irgendwann in ein Lager abtransportiert zu werden. Die selbstbewusste, hübsche Frau beschließt in den Untergrund zu gehen, entzieht sich der...
Vor 14 Monaten von Jouvancourt veröffentlicht

versus
1 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hochmut kommt vor dem Fall
Unglaublich, dass man in so einer Situation noch so eingebildet bleiben kann und auf seine hochbürgerliche Herkunft baut. Aber das liegt wohl an der Berlinerin…
Vor 12 Monaten von MariaLeonore veröffentlicht


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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die faszinierende Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, 5. März 2014
Von 
Jouvancourt (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
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Die Deutsch-Jüdin Marie Jalowitz ist beim Tode ihres Vaters 1941 gerade 19 Jahre alt geworden, lebt in der Reichshauptstadt und lehnt es nach reiflicher Überlegung ab, den Judenstern zu tragen und irgendwann in ein Lager abtransportiert zu werden. Die selbstbewusste, hübsche Frau beschließt in den Untergrund zu gehen, entzieht sich der Zwangsarbeit bei Siemens in Spandau und kommt bei den seltsamsten Menschen in Berlin unter. Sie wird an einen alten Macho verkauft, der unter Syphilis leidet, aber zu keiner Beziehung mehr fähig war, was sie sehr begrüßt hatte. Dann wollte sie unbedingt einen Chinesen heiraten oder gar über Bulgarien nach Palästina fliehen. Immer wieder überlebte sie durch die Hilfe von Künstlern oder lebte auch mit einem holländischen Fremdarbeiter zusammen. Vier furchtbare Jahre voller Angst überlebte sie versteckt im Machtzentrum des politischen Apparates und nur ihr außergewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit retten ihr das Leben. Freunde und Feinde, Vertraute und Verräter gab es um sie herum und nur ihr feines psychologisches Gespür halfen ihr, diese Menschen um sie herum zu unterscheiden und mit dem Leben davon zu kommen.

Marie wuchs in einer jüdischen Familie in Berlin auf, ihr Vater war Anwalt. Nach der Befreiung 1945 blieb sie in Berlin und wurde Professorin für Antike Literaturgeschichte an der Humboldt-Universität. Sie starb 1998 in Berlin. Vor ihrem Tode besprach sie für ihren Sohn, der heutige Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin, 77 Tonbänder mit ihrer Lebensgeschichte.

Ihre Erzählung ist nüchtern, beschreibt hinreißend genau den Alltag in der Hauptstadt, bewertungsfrei, mal sarkastisch, mal humorvoll, aber immer spannend. Sie holt den Leser zurück in diese Welt des 3. Reichs, skizziert die Menschen um sie herum mit all ihren Zwängen, ihrem Glauben und ihren Alltagssorgen. An die 20 Wohnungen hatte sie im Krieg bezogen und war in dieser Zeit immer an Berlin gefesselt. "Sondere Dich nicht ab von der Gemeinschaft!" sagte ihr Vater immer wieder zu ihr. "Aber das, was da degradiert war, in Auflösung begriffen und zum Tod bestimmt, das war nicht mehr meine Gemeinschaft. Ich wollte nicht mehr dazugehören!" Man spürt in ihren Wörtern, in den Zeilen ihrer Biografie, dass sie mit viel Leichtigkeit gelebt hatte. Die Angst vor dem Lager, dem Sterben spürt man, aber sie bringt es selten zum Ausdruck. Sie war eine Art Überfliegerin, die mit dieser gefährlichen und anormalen Situation grandios umgehen konnte!

War es Zufall oder Fügung, dass ausgerechnet sie den Krieg überlebt hatte?

Eine wunderbare Biografie einer starken Frau, die sich fast freudig liest. Man lebt mit ihr mit und freut sich über das Schicksal, das es gut mit ihr meint!

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert, 10. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Schon immer hat mich die Frage bewegt, wie Menschen den Nationalsozialismus konkret erlebt haben. Die geschichtlichen Eckdaten kennen wir alle, aber wie gestaltete sich das Leben unserer Großeltern im Detail?

Dieses Buch schildert in beeindruckender Weise wie sich eine junge Frau, Jüdin noch dazu, im nationalsozialistischen Berlin behauptet und überlebt. Neben der Bewunderung für ihren Lebenswillen und die Kraft, die sie immer wieder aufgebracht hat, hat mich eins besonders gefesselt: die bizarre Mischung, einen wehrlosen untergetauchten Menschen auszubeuten, während man ihn zugleich unter Gefahr für das eigene Leben vor der Gestapo versteckt und versorgt. Zugleich überzeugter Nazi und Unterschlupfgeber für eine "illegale" Jüdin zu sein, das muss man erstmal unter einen Hut kriegen... Und die Protagonistin kämpft somit nicht nur gegen das politische System, das sie und ihresgleichen vernichtet, sondern auch mit den Marotten und Unverständlichkeiten des persönlichen Umfelds.

Es ist ein ganz wertvolles Buch mit interessanten Erkenntnissen, die ich so anderswo noch nie gefunden haben. Ich konnte nicht auf hören zu lesen und kann das Buch nur wärmstens empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrückliches Zeitdokument, 14. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Marie Jalowicz Simon (1922-1998) wurde als Tochter eines jüdischen Anwalts in Berlin geboren. Auf der Flucht vor der Gestapo war sie gezwungen, unterzutauchen. Als eine von 1.500 Berliner Juden (von insgesamt 160.000) konnte sie sich vor der Deportation retten und überlebte. Nach der Befreiung 1945 blieb sie in Berlin und wurde Professorin für Antike Literatur- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität. Kurz vor ihrem Tod gab sie der Bitte ihres Sohnes Hermann Simon, Historiker, nach und sprach die Geschichte ihres Überlebens auf 77 Kassetten, die für dieses Buch transkribiert wurden.

Meine Meinung:

Was für eine ungewöhnliche, mutige, ehrliche, ungeschönte Geschichte! Ich habe Marie Jalowicz’ Erinnerungen mit Staunen, Faszination und immer unterschwelligem Grauen vor der Zeit, in der sie untertauchen musste, gelesen. In ihrem Buch gibt sie auch Einblicke in ihre Kindheit inmitten einer großen jüdischen Familie im Berliner Stadtzentrum, von ersten überstürzten Auswanderungen vieler Verwandter und Bekannter und ihre Zeit als Zwangsarbeiterin bei Siemens, bis sie schließlich keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Flucht in den Untergrund.

Ihrem unerschütterlichen Überlebenswillen, ihrem Mut, ihrer Findigkeit und Anpassungsfähigkeit ist es ebenso wie der Hilfe zahlreicher Personen zu verdanken, dass sie das Nazi-Regime überleben konnte. Und nicht zuletzt einer großen Portion Glück, das vielen anderen untergetauchten Juden nicht beschieden war.

Fazit:

Jeder weiß, dass es versteckt lebende Juden gab, wer aber wissen will, wie das Leben der jüdischen Untergetauchten, genannt “U-Boote”, wirklich aussah, sollte Marie Jalowicz Simons’ Erinnerungen lesen. Ein eindrückliches, spannendes, erschreckendes Zeitdokument.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überleben inmitten des Feindes, 6. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Berlin, 22. Juni 1942. Die Gestapo steht quasi schon „vor der Tür“, da geht der Kampf Maries ums nackte Überleben in seine gefährlichste Phase. Die damals 20ährige Jüdin taucht unter. Von nun an „illegal“. In Berlin, in der Hauptstadt des gnadenlosen Verfolgers und „Ausrotters“.
Ein halbes Jahrhundert später erzählt Simon ihre Geschichte in eigenen Worten.

„Was Felicitas mit ihm besprach, konnte ich nicht hören. Aber nachträglich wurde mir klar, dass sie mich für 15 Mark an ihn verkauft hatte“.

Wobei jener „Gummidirektor“, dem Felicitas eine wilde Geschichte auftischte, damit Marie bei ihm zunächst unterkommen konnte, ein fanatischer Nazi war. Vielleicht aber gar keine dumme Idee, zunächst „in der Höhle des Löwen“ sich zu verstecken. Denn dort würden die Häscher wohl nicht als allererstes nach ihr suchen.

Eine Strategie, die Simon nicht das letzte Mal anwenden wird, unter anderem wird sie versuchen, in einer Polizeikaserne Unterschlupf zu finden. Ein durchaus gewagter Versuch, der aber wieder einige Zeit an Ruhe bringen könnte, anders, als bei den Artisten, die an sich bereits unter kritischer Beobachtung standen.

Egal was und wie, Marie sucht ihren Weg, denn nur eines ist ihr im Kopf: „Ich muss es einfach nur überleben“. Und das wird sie, das ist dem Leser natürlich klar. Und sogar späterhin ihren Schulfreund wiedertreffen und diesen heiraten!

In ganz einfacher Sprache, in keiner Form literarisch bearbeitet, in den Worten, wie sie ihr kamen, weiß Marie Jalowicz Simon von diesen drei Jahren dicht und spannend zu erzählen.

Die Geschichte des ständigen Versteckens, des „sich Herauswindens“ aus engen Situationen, des immer wieder einen neuen Ort zum Untertauchen suchen, neue Wege angehen und überlegen, dem allem zu entkommen, ist es, die dem Buch seine eindrückliche Nachwirkung gibt.

„Ich hatte gelernt, mich an eine abnorme Situation anzupassen und darin zurechtzukommen. Aber immer wieder war ich außer mir vor innerem Aufbegehren und schrie stumm: „Freiheit““. Während sie bei Siemens als Zwangsarbeiterin arbeitet.

Aus erster Hand, unverfälscht, erhält der Leser einen Einblick nicht nur in ein ständiges Versteckspiel unter Einsatz des eigenen Lebens, sondern auch einen Eindruck der Atmosphäre einer ganzen Zeit inmitten des dritten Reiches. Mit dem Mut derer, die Marie halfen, mit der Sorge vor jenen, deren scharfen Augen kaum etwas entging, immer mit der Sorge des Verrats behaftet. Später oft im Bombenhagel auf Berlin, im Bunker, auf der Hut vor all den anderen, denen man nicht immer ausweichen konnte.

Eine Geschichte, die nur Dank des Sohnes Maries der Nachwelt nun erhalten bleibt, der seine Mutter zum Sprechen brachte und all die Worte auf Tonband aufnahm. Beeindruckend und intensiv zu lesen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das darf nie wieder geschehen!, 15. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Die Zeitzeugen aus dem abgründigsten, schlimmsten, katastrophalsten und abscheulichsten Abschnitt deutscher Geschichte sterben aus. Schon bald wird niemand mehr aus eigenem Erleben von dieser Katastrophe berichten können. Weder Opfer noch Täter. Dieses Buch wird einen wichtigen Beitrag leisten diese Schrecken nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Heute vergeht kaum ein Jahr ohne Wahlen.
2014 wird es vor allem die Europawahl sein, die uns beschäftigt und uns leider auch Wahlplakate mit üblen, primitiven
Nazi-Parolen beschert.
Wer auch nur eine Millisekunde Freude, Sympathie oder gar Zustimmung beim lesen derartiger Parolen empfindet, sollte schnellstens dieses Buch zur Hand nehmen und sich in seinen Gedanken und Gefühlen gemeinsam mit Marie Jalowicz auf den Überlebenskampf durch die Jahre der Nazi-Dikatur begeben.
Es ist erschütternd zu lesen, wie viele Leben am seinen Faden hingen, wie die absolute Mehrheit der Deutschen bereitwillig dem Krieg und der Massenvernichtung Folge leisteten, bereitwillig und ohne jeglichen Gewissens dienten. Umso wertvoller erscheint der Lichtblick, dass es wenige Menschen gab, die trotz aller Gefahren für die eigene Familie und das eigene Leben den Mut aufbrachten Menschen wir Marie Jalowicz zu helfen.
Ich bin mir sicher, das wird helfen niemals, niemals, niemals in die Falle dieser braunen Rattenfängern zu tappen.
Diese Buch ist sehr empfehlenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochinteressant und spannend!, 26. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr persönlicher Tatsachenbericht einer jungen Frau, die in Berlin untertauchte, um der Deportation, KZ und Vergasung zu entgehen. Viele wussten, was den Juden bevorstand, die "abgeholt" wurden. Die meisten zuckten die Achseln, aber manche halfen auch. Die unterschiedlchsten Menschen, gebildete und ungebildete, uneigennützig oder auch eigennützig, versteckten Marie, versorgten sie mit Essen usw. Ein Kaleidoskop deutscher und jüdischer Charaktere, was man damals auseinander dividierte. Und sie zählte sie wieder zusammen und konnte damit nach der Befreiung weiter in Deutschland, in der DDR leben und wurde eine angesehene Wissenschaftlerin und Universitätsprofessorin.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frechheit siegt, 10. März 2014
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
„In einer abnormen Situation darf man sich nicht normal benehmen. Man muss sich anpassen.“
Worte sind eine starke Kraft, und Sätze wie dieser können Leben retten. Zum Beispiel das Leben der Jüdin Marie Jalowicz Simon. Sie hat die Naziherrschaft überlebt, weil sie in Berlin untergetaucht war.

Marie Simon hat sich der abnormen Situation angepasst, und sie brachte die nötigen Charaktereigenschaften mit, um brenzlige Begegnungen mit der Ordnungsmacht und das Leben in der Illegalität zu überstehen.
Dazu gehörten Überlebenswillen, Kampfgeist und die Bereitschaft, unmoralisch zu handeln.
„Moralische Bedenken hatte ich nicht. Ich wollte leben, und das ging nun mal nicht anders.“

Die wichtigste Eigenschaft jedoch war schlicht und ergreifend Frechheit.
Die Frechheit, den gelben Stern einfach nicht zu tragen. Die Frechheit, denjenigen gegenüber, vor denen sie eigentlich Angst haben sollte, selbstbewusst aufzutreten. Die Frechheit, Polizisten die Unsinnigkeit der zahlreichen Verordnungen, die den Alltag der Juden reglementierten, vor Augen zu führen. Die Frechheit, sich als Nachbarin auszugeben und zu behaupten, die gesuchte Marie Simon sei schon deportiert worden. Die Frechheit, falsche Papiere zu besitzen. Die Frechheit, sich nicht umbringen zu lassen.

Nur nicht auffallen, war die Devise. Wie? Zum Beispiel, indem man die Stürmerkarikaturen mit ihren Merkmalen, anhand derer die Leute meinten, Juden sofort erkennen zu können, für sich nutzte.
„Wenn eine Person alle diese Merkmale hat, denkt man sofort: Ach, ein Jude. Wenn ein Jude nur eins von diesen zehn charakteristischen Merkmalen hat, fällt er in einer Gruppe mit neun germanischen Typen aber gar nicht auf. Erst wenn zehn Juden mit je einem solchen Merkmal zusammen sitzen, sind sie unverkennbar eine jüdische Gruppe.“
Das machte den Kontakt zu jüdischen Gruppen gefährlich, und Marie Simon hat sich daher für einen anderen Weg entschieden.

Dabei war es hilfreich, dass Marie Simon zwar über einen hohen Bildungsgrad verfügte, sich gleichzeitig aber auch mühelos in anderen gesellschaftlichen Schichten bewegen konnte.
Diese Anpassungsfähigkeit kam ihr oft zugute, denn die meisten Menschen, die ihr geholfen haben, kamen aus der Arbeiterschicht.

Allerdings war das für Marie Simon nicht gerade einfach. Denn sie identifizierte sich sehr stark mit ihrem bürgerlichen Elternhaus und war stolz auf ihre höhere Bildung. Über die Angehörigen der Arbeiterklasse machte sie sich lustig; sie sah auf sie herab .

„Wieder einmal haderte ich mit meiner Entscheidung, auf der Seite der Armseligen, der Ausgebeuteten, der Unterdrückten oder, christlich gesprochen, der Mühseligen und Beladenen zu stehen. Diese Milieu gefiel mir einfach nicht.“

Marie Simon machte kein Hehl aus ihren Abneigungen.
Zum Beispiel gegen ein Kind, das sie nicht leiden konnte, weil so „viele jüdische Kinder ermordet wurden“ - als ob dieses kleine Kind dafür verantwortlich war.
Besonders belastet war ausgerechnet Maries Verhältnis zu der Frau, die am meisten für sie getan hatte.
„Sie wollte mich armselig, abhängig und leidend haben, um mich dann tröstend streicheln zu können.“
Diese Vorbehalte und abfälligen Gedanken machten mir Marie Simon nicht besonders sympathisch.

Genau das sehe ich als die besondere Stärke dieses Buches.
Nur allzu oft sind die Protagonisten solcher Überlebensgeschichten allzu einseitig positiv gezeichnet und werden zu Heldinnen und Helden stilisiert, die immer nur gut, gerecht und moralisch einwandfrei handeln. Allzu oft sind sie verklärt weichgezeichnet.
Dass ein Opfer per se gut ist und keine negativen Eigenschaften haben darf, ist positive Diskriminierung und genauso realitätsfern wie die Annahme, dass Täter per se schlecht sind.
In Wirklichkeit ist kein Mensch immer nur gut oder nur schlecht. Wir alle haben unsere dunklen und unsympathischen Seiten, die gerade in Notsituationen zutage treten. Wir alle haben aber auch gute Seiten, die manchmal unvermutet zum Vorschein kommen.

Durch diese differenzierte Darstellung und den Mut, auch die unsympathischen Eigenschaften der Protagonistin zu zeigen, hebt sich dieses Buch positiv von ähnlichen Werken ab.
Und es übermittelt eine wichtige Botschaft, die heute immer noch genauso aktuell ist wie damals.

„Es lohnt, nicht im Takt mitzumarschieren. Es hat sich auch gelohnt, all die Ängste und Widrigkeiten auf mich zu nehmen. Denn das Leben ist schön.“
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5.0 von 5 Sternen Ungeschminkter Überlebenskampf im Hitlerdeutschland,, 24. März 2014
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Es geht in diesem Buch um die Wahrheit, nur um die Wahrheit, schonungslos, so wird der Alltag einer untergetauchten Jüdin in Berlin geschildert.

Marie Jalowicz Simon erlebt durchaus anständige Kollegen in Rüstungsbetrieben, sie blickt den Menschen ins Herz und erlebt Güte überall. Aber eben auch diesen unversöhnlichen Hass allen reichen Juden gegenüber. Sie differenziert und skizziert dadurch eine gleichgeschaltete, aber doch mitfühlende Gesellschaft.

Sie macht sich im Unterrock davon aus einer Untersuchung, entgeht dadurch der Deportation, sie findet Unterschlupf bei Freunden, Feldarbeitern, Prostituierten - eher am Rande der Gesellschaft wurde es für sie hilfreich.

Sie trifft Chinesen, Bulgaren, Holländern, sie lebt mit unterschiedlichen Nationalitäten zusammen, sie ist ein starker Charakter, durchaus egoistisch, auf sich alleine fixiert, nur so kann sie überleben. Nicht zu viel Vertrauen, nur bei wenigen und gezielt.

Faschistischen Männer zupasse zu sein, es war wohl das Ekelhafteste, sie ging durch alle Tiefen und berichtet wirklich ungeschminkt von einem brutal harten Alltag, dessen gnadenlose Flexibilität und wetterwendisches Glück gelebt wurde, wie man es sich heute nicht mehr vorstellen kann.

Ich konnte mir bislang nicht vorstellen, dass man Kontakt mit Fischen aufnimmt, die Verbindung mit ihnen in der Wohnung des Gummidirektors sucht, der ihr stolz ein Hundehaar von Führers Hund präsentiert, ein Krüppel, aber umso fanatischerer Nazi, der ihr gesteht, nicht das Bett mit ihr teilen zu können, grässlich und doch war dieses Geständnis ein Himmelsruf. Wie ein 18- bis 23 jähriges Mädchen fühlt, das in einem Todesumfeld improvisieren muss, unvorstellbar für uns heute.
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4.0 von 5 Sternen Mit viel Glück überlebt - und doch gezeichnet, 6. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Marie Jalowicz hat als junge Frau jahrelang ein Leben gelebt, das man sich heute in Deutschland kaum noch vorstellen kann: Eine tägliche Angst, von der Gestapo aufgegriffen und in ein Vernichtungslager deportiert zu werden. Bei „einfachen Leuten“ hat sie viel Unterstützung und Hilfe erfahren, war diesen aber auch ausgeliefert. Das bedeutete auch sexuellen Missbrauch und Nötigung: Es begann mit dem Mann der Geliebten ihres Vaters, setzte sich fort mit „Gastgebern“ und Beamten, die ihren Pass als gefälscht erkannten bis hin zu Soldaten der Roten Armee. Dazu ein Schwangerschaftsabbruch unddie jahrelange tägliche Todesangst.
All das wird in einem merkwürdig nüchternen Tonfall berichtet, was mich manchmal etwas irritiert hat. Erst im Nachwort des Sohnes ist mir der Grund dafür klar geworden: Vielleicht kann ein Mensch nach solchen traumatischen Erlebnissen nur dann ein halbwegs normales Leben führen, indem das alles ganz tief vergraben wird. Marie Jalowicz hat nach Kriegsende zwei seelische Zusammenbrüche erlebt und über ihre Erlebnisse kaum gesprochen. Dem Sohn ist es gelungen, seine Mutter kurz vor ihrem Tod zu den Tonbandprotokollen zu bewegen, die die Grundlage des Buches wurden. Aber diese innere Distanz war wohl für Marie die einzige Möglichkeit, mit ihren Erlebnissen umzugehen.
Manchmal geht das Buch nach meiner Meinung etwas zu sehr ins Detail. Gerade am Anfang werden zahlreiche Personen und Namen (wie kann man sich die alle ein Leben lang merken?) genannt, die für das Verständnis nicht unbedingt notwendig sind. Die Aussage mancher Passagen wird auch nicht ganz klar. Trotzdem: Lesenswert!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gutes Buch, das aber auch traurig macht!, 31. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Geschichte ist sehr gut erzählt und man hat das Gefühl mit dabei zu sein. Es macht sehr nachdenklich und traurig, was mit den jüdischen Menschen geschehen ist. Gut, dass Marie überlebt hat! Ein sehr lesenswerts Buch.
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Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945
Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 von Marie Jalowicz Simon (Gebundene Ausgabe - 3. März 2014)
EUR 22,99
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