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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtige Lektüre aus dem leider wirklichen Leben
Dies ist der packende Bericht einer Berliner Jüdin, die in letzter Minute der Deportation durch die Nazis entging und bis zum Kriegsende in der Hoffnung auf Befreiung in der Illegalität verbrachte, meist unter unwürdigsten Bedingungen, in Hunger und Erniedrigung. Die Hilfsbereitschaft vieler, meist sehr einfacher Menschen, die ihr kärgliches Dasein mit...
Vor 4 Monaten von Nicole Plaga veröffentlicht

versus
0 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hochmut kommt vor dem Fall
Unglaublich, dass man in so einer Situation noch so eingebildet bleiben kann und auf seine hochbürgerliche Herkunft baut. Aber das liegt wohl an der Berlinerin…
Vor 4 Monaten von MariaLeonore veröffentlicht


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtige Lektüre aus dem leider wirklichen Leben, 19. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist der packende Bericht einer Berliner Jüdin, die in letzter Minute der Deportation durch die Nazis entging und bis zum Kriegsende in der Hoffnung auf Befreiung in der Illegalität verbrachte, meist unter unwürdigsten Bedingungen, in Hunger und Erniedrigung. Die Hilfsbereitschaft vieler, meist sehr einfacher Menschen, die ihr kärgliches Dasein mit ihr teilten, erlaubten ihr das Überleben. Wir als Leser lernten dabei wieder einmal, wie sehr unsere damaligen Landsleute sich dem Nationalsozialismus verbunden fühlten und mit deren Tun - sprich Verachten, Berauben, Quälen und Morden - ohne jedes Schuldgefühl einverstanden waren. Diese Schilderung des Überlebens als Verfolgter in Nazi-Deutschland ist die unsentimentale Darstellung der furchtbaren Lebensumstände der untergetauchten Frau, die in jeder Minute der Bedrohung ausgesetzt war, erkannt, verraten und ausgeliefert zu werden, gnadenlos. Ein wichtiges Buch!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die faszinierende Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, 5. März 2014
Von 
Jouvancourt (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
*
Die Deutsch-Jüdin Marie Jalowitz ist beim Tode ihres Vaters 1941 gerade 19 Jahre alt geworden, lebt in der Reichshauptstadt und lehnt es nach reiflicher Überlegung ab, den Judenstern zu tragen und irgendwann in ein Lager abtransportiert zu werden. Die selbstbewusste, hübsche Frau beschließt in den Untergrund zu gehen, entzieht sich der Zwangsarbeit bei Siemens in Spandau und kommt bei den seltsamsten Menschen in Berlin unter. Sie wird an einen alten Macho verkauft, der unter Syphilis leidet, aber zu keiner Beziehung mehr fähig war, was sie sehr begrüßt hatte. Dann wollte sie unbedingt einen Chinesen heiraten oder gar über Bulgarien nach Palästina fliehen. Immer wieder überlebte sie durch die Hilfe von Künstlern oder lebte auch mit einem holländischen Fremdarbeiter zusammen. Vier furchtbare Jahre voller Angst überlebte sie versteckt im Machtzentrum des politischen Apparates und nur ihr außergewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit retten ihr das Leben. Freunde und Feinde, Vertraute und Verräter gab es um sie herum und nur ihr feines psychologisches Gespür halfen ihr, diese Menschen um sie herum zu unterscheiden und mit dem Leben davon zu kommen.

Marie wuchs in einer jüdischen Familie in Berlin auf, ihr Vater war Anwalt. Nach der Befreiung 1945 blieb sie in Berlin und wurde Professorin für Antike Literaturgeschichte an der Humboldt-Universität. Sie starb 1998 in Berlin. Vor ihrem Tode besprach sie für ihren Sohn, der heutige Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin, 77 Tonbänder mit ihrer Lebensgeschichte.

Ihre Erzählung ist nüchtern, beschreibt hinreißend genau den Alltag in der Hauptstadt, bewertungsfrei, mal sarkastisch, mal humorvoll, aber immer spannend. Sie holt den Leser zurück in diese Welt des 3. Reichs, skizziert die Menschen um sie herum mit all ihren Zwängen, ihrem Glauben und ihren Alltagssorgen. An die 20 Wohnungen hatte sie im Krieg bezogen und war in dieser Zeit immer an Berlin gefesselt. "Sondere Dich nicht ab von der Gemeinschaft!" sagte ihr Vater immer wieder zu ihr. "Aber das, was da degradiert war, in Auflösung begriffen und zum Tod bestimmt, das war nicht mehr meine Gemeinschaft. Ich wollte nicht mehr dazugehören!" Man spürt in ihren Wörtern, in den Zeilen ihrer Biografie, dass sie mit viel Leichtigkeit gelebt hatte. Die Angst vor dem Lager, dem Sterben spürt man, aber sie bringt es selten zum Ausdruck. Sie war eine Art Überfliegerin, die mit dieser gefährlichen und anormalen Situation grandios umgehen konnte!

War es Zufall oder Fügung, dass ausgerechnet sie den Krieg überlebt hatte?

Eine wunderbare Biografie einer starken Frau, die sich fast freudig liest. Man lebt mit ihr mit und freut sich über das Schicksal, das es gut mit ihr meint!

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absolut lesenswert, 10. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Schon immer hat mich die Frage bewegt, wie Menschen den Nationalsozialismus konkret erlebt haben. Die geschichtlichen Eckdaten kennen wir alle, aber wie gestaltete sich das Leben unserer Großeltern im Detail?

Dieses Buch schildert in beeindruckender Weise wie sich eine junge Frau, Jüdin noch dazu, im nationalsozialistischen Berlin behauptet und überlebt. Neben der Bewunderung für ihren Lebenswillen und die Kraft, die sie immer wieder aufgebracht hat, hat mich eins besonders gefesselt: die bizarre Mischung, einen wehrlosen untergetauchten Menschen auszubeuten, während man ihn zugleich unter Gefahr für das eigene Leben vor der Gestapo versteckt und versorgt. Zugleich überzeugter Nazi und Unterschlupfgeber für eine "illegale" Jüdin zu sein, das muss man erstmal unter einen Hut kriegen... Und die Protagonistin kämpft somit nicht nur gegen das politische System, das sie und ihresgleichen vernichtet, sondern auch mit den Marotten und Unverständlichkeiten des persönlichen Umfelds.

Es ist ein ganz wertvolles Buch mit interessanten Erkenntnissen, die ich so anderswo noch nie gefunden haben. Ich konnte nicht auf hören zu lesen und kann das Buch nur wärmstens empfehlen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das darf nie wieder geschehen!, 15. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Die Zeitzeugen aus dem abgründigsten, schlimmsten, katastrophalsten und abscheulichsten Abschnitt deutscher Geschichte sterben aus. Schon bald wird niemand mehr aus eigenem Erleben von dieser Katastrophe berichten können. Weder Opfer noch Täter. Dieses Buch wird einen wichtigen Beitrag leisten diese Schrecken nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Heute vergeht kaum ein Jahr ohne Wahlen.
2014 wird es vor allem die Europawahl sein, die uns beschäftigt und uns leider auch Wahlplakate mit üblen, primitiven
Nazi-Parolen beschert.
Wer auch nur eine Millisekunde Freude, Sympathie oder gar Zustimmung beim lesen derartiger Parolen empfindet, sollte schnellstens dieses Buch zur Hand nehmen und sich in seinen Gedanken und Gefühlen gemeinsam mit Marie Jalowicz auf den Überlebenskampf durch die Jahre der Nazi-Dikatur begeben.
Es ist erschütternd zu lesen, wie viele Leben am seinen Faden hingen, wie die absolute Mehrheit der Deutschen bereitwillig dem Krieg und der Massenvernichtung Folge leisteten, bereitwillig und ohne jeglichen Gewissens dienten. Umso wertvoller erscheint der Lichtblick, dass es wenige Menschen gab, die trotz aller Gefahren für die eigene Familie und das eigene Leben den Mut aufbrachten Menschen wir Marie Jalowicz zu helfen.
Ich bin mir sicher, das wird helfen niemals, niemals, niemals in die Falle dieser braunen Rattenfängern zu tappen.
Diese Buch ist sehr empfehlenswert!
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5.0 von 5 Sternen Ungeschminkter Überlebenskampf im Hitlerdeutschland,, 24. März 2014
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Es geht in diesem Buch um die Wahrheit, nur um die Wahrheit, schonungslos, so wird der Alltag einer untergetauchten Jüdin in Berlin geschildert.

Marie Jalowicz Simon erlebt durchaus anständige Kollegen in Rüstungsbetrieben, sie blickt den Menschen ins Herz und erlebt Güte überall. Aber eben auch diesen unversöhnlichen Hass allen reichen Juden gegenüber. Sie differenziert und skizziert dadurch eine gleichgeschaltete, aber doch mitfühlende Gesellschaft.

Sie macht sich im Unterrock davon aus einer Untersuchung, entgeht dadurch der Deportation, sie findet Unterschlupf bei Freunden, Feldarbeitern, Prostituierten - eher am Rande der Gesellschaft wurde es für sie hilfreich.

Sie trifft Chinesen, Bulgaren, Holländern, sie lebt mit unterschiedlichen Nationalitäten zusammen, sie ist ein starker Charakter, durchaus egoistisch, auf sich alleine fixiert, nur so kann sie überleben. Nicht zu viel Vertrauen, nur bei wenigen und gezielt.

Faschistischen Männer zupasse zu sein, es war wohl das Ekelhafteste, sie ging durch alle Tiefen und berichtet wirklich ungeschminkt von einem brutal harten Alltag, dessen gnadenlose Flexibilität und wetterwendisches Glück gelebt wurde, wie man es sich heute nicht mehr vorstellen kann.

Ich konnte mir bislang nicht vorstellen, dass man Kontakt mit Fischen aufnimmt, die Verbindung mit ihnen in der Wohnung des Gummidirektors sucht, der ihr stolz ein Hundehaar von Führers Hund präsentiert, ein Krüppel, aber umso fanatischerer Nazi, der ihr gesteht, nicht das Bett mit ihr teilen zu können, grässlich und doch war dieses Geständnis ein Himmelsruf. Wie ein 18- bis 23 jähriges Mädchen fühlt, das in einem Todesumfeld improvisieren muss, unvorstellbar für uns heute.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gutes Buch, das aber auch traurig macht!, 31. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Geschichte ist sehr gut erzählt und man hat das Gefühl mit dabei zu sein. Es macht sehr nachdenklich und traurig, was mit den jüdischen Menschen geschehen ist. Gut, dass Marie überlebt hat! Ein sehr lesenswerts Buch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindrückliches Zeitdokument, 14. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Marie Jalowicz Simon (1922-1998) wurde als Tochter eines jüdischen Anwalts in Berlin geboren. Auf der Flucht vor der Gestapo war sie gezwungen, unterzutauchen. Als eine von 1.500 Berliner Juden (von insgesamt 160.000) konnte sie sich vor der Deportation retten und überlebte. Nach der Befreiung 1945 blieb sie in Berlin und wurde Professorin für Antike Literatur- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität. Kurz vor ihrem Tod gab sie der Bitte ihres Sohnes Hermann Simon, Historiker, nach und sprach die Geschichte ihres Überlebens auf 77 Kassetten, die für dieses Buch transkribiert wurden.

Meine Meinung:

Was für eine ungewöhnliche, mutige, ehrliche, ungeschönte Geschichte! Ich habe Marie Jalowicz’ Erinnerungen mit Staunen, Faszination und immer unterschwelligem Grauen vor der Zeit, in der sie untertauchen musste, gelesen. In ihrem Buch gibt sie auch Einblicke in ihre Kindheit inmitten einer großen jüdischen Familie im Berliner Stadtzentrum, von ersten überstürzten Auswanderungen vieler Verwandter und Bekannter und ihre Zeit als Zwangsarbeiterin bei Siemens, bis sie schließlich keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Flucht in den Untergrund.

Ihrem unerschütterlichen Überlebenswillen, ihrem Mut, ihrer Findigkeit und Anpassungsfähigkeit ist es ebenso wie der Hilfe zahlreicher Personen zu verdanken, dass sie das Nazi-Regime überleben konnte. Und nicht zuletzt einer großen Portion Glück, das vielen anderen untergetauchten Juden nicht beschieden war.

Fazit:

Jeder weiß, dass es versteckt lebende Juden gab, wer aber wissen will, wie das Leben der jüdischen Untergetauchten, genannt “U-Boote”, wirklich aussah, sollte Marie Jalowicz Simons’ Erinnerungen lesen. Ein eindrückliches, spannendes, erschreckendes Zeitdokument.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Frechheit siegt, 10. März 2014
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
„In einer abnormen Situation darf man sich nicht normal benehmen. Man muss sich anpassen.“
Worte sind eine starke Kraft, und Sätze wie dieser können Leben retten. Zum Beispiel das Leben der Jüdin Marie Jalowicz Simon. Sie hat die Naziherrschaft überlebt, weil sie in Berlin untergetaucht war.

Marie Simon hat sich der abnormen Situation angepasst, und sie brachte die nötigen Charaktereigenschaften mit, um brenzlige Begegnungen mit der Ordnungsmacht und das Leben in der Illegalität zu überstehen.
Dazu gehörten Überlebenswillen, Kampfgeist und die Bereitschaft, unmoralisch zu handeln.
„Moralische Bedenken hatte ich nicht. Ich wollte leben, und das ging nun mal nicht anders.“

Die wichtigste Eigenschaft jedoch war schlicht und ergreifend Frechheit.
Die Frechheit, den gelben Stern einfach nicht zu tragen. Die Frechheit, denjenigen gegenüber, vor denen sie eigentlich Angst haben sollte, selbstbewusst aufzutreten. Die Frechheit, Polizisten die Unsinnigkeit der zahlreichen Verordnungen, die den Alltag der Juden reglementierten, vor Augen zu führen. Die Frechheit, sich als Nachbarin auszugeben und zu behaupten, die gesuchte Marie Simon sei schon deportiert worden. Die Frechheit, falsche Papiere zu besitzen. Die Frechheit, sich nicht umbringen zu lassen.

Nur nicht auffallen, war die Devise. Wie? Zum Beispiel, indem man die Stürmerkarikaturen mit ihren Merkmalen, anhand derer die Leute meinten, Juden sofort erkennen zu können, für sich nutzte.
„Wenn eine Person alle diese Merkmale hat, denkt man sofort: Ach, ein Jude. Wenn ein Jude nur eins von diesen zehn charakteristischen Merkmalen hat, fällt er in einer Gruppe mit neun germanischen Typen aber gar nicht auf. Erst wenn zehn Juden mit je einem solchen Merkmal zusammen sitzen, sind sie unverkennbar eine jüdische Gruppe.“
Das machte den Kontakt zu jüdischen Gruppen gefährlich, und Marie Simon hat sich daher für einen anderen Weg entschieden.

Dabei war es hilfreich, dass Marie Simon zwar über einen hohen Bildungsgrad verfügte, sich gleichzeitig aber auch mühelos in anderen gesellschaftlichen Schichten bewegen konnte.
Diese Anpassungsfähigkeit kam ihr oft zugute, denn die meisten Menschen, die ihr geholfen haben, kamen aus der Arbeiterschicht.

Allerdings war das für Marie Simon nicht gerade einfach. Denn sie identifizierte sich sehr stark mit ihrem bürgerlichen Elternhaus und war stolz auf ihre höhere Bildung. Über die Angehörigen der Arbeiterklasse machte sie sich lustig; sie sah auf sie herab .

„Wieder einmal haderte ich mit meiner Entscheidung, auf der Seite der Armseligen, der Ausgebeuteten, der Unterdrückten oder, christlich gesprochen, der Mühseligen und Beladenen zu stehen. Diese Milieu gefiel mir einfach nicht.“

Marie Simon machte kein Hehl aus ihren Abneigungen.
Zum Beispiel gegen ein Kind, das sie nicht leiden konnte, weil so „viele jüdische Kinder ermordet wurden“ - als ob dieses kleine Kind dafür verantwortlich war.
Besonders belastet war ausgerechnet Maries Verhältnis zu der Frau, die am meisten für sie getan hatte.
„Sie wollte mich armselig, abhängig und leidend haben, um mich dann tröstend streicheln zu können.“
Diese Vorbehalte und abfälligen Gedanken machten mir Marie Simon nicht besonders sympathisch.

Genau das sehe ich als die besondere Stärke dieses Buches.
Nur allzu oft sind die Protagonisten solcher Überlebensgeschichten allzu einseitig positiv gezeichnet und werden zu Heldinnen und Helden stilisiert, die immer nur gut, gerecht und moralisch einwandfrei handeln. Allzu oft sind sie verklärt weichgezeichnet.
Dass ein Opfer per se gut ist und keine negativen Eigenschaften haben darf, ist positive Diskriminierung und genauso realitätsfern wie die Annahme, dass Täter per se schlecht sind.
In Wirklichkeit ist kein Mensch immer nur gut oder nur schlecht. Wir alle haben unsere dunklen und unsympathischen Seiten, die gerade in Notsituationen zutage treten. Wir alle haben aber auch gute Seiten, die manchmal unvermutet zum Vorschein kommen.

Durch diese differenzierte Darstellung und den Mut, auch die unsympathischen Eigenschaften der Protagonistin zu zeigen, hebt sich dieses Buch positiv von ähnlichen Werken ab.
Und es übermittelt eine wichtige Botschaft, die heute immer noch genauso aktuell ist wie damals.

„Es lohnt, nicht im Takt mitzumarschieren. Es hat sich auch gelohnt, all die Ängste und Widrigkeiten auf mich zu nehmen. Denn das Leben ist schön.“
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen AUF DER FLUCHT: berlin, sofia, magdeburg und wieder zurück................., 7. März 2014
Von 
J. Fromholzer "fromholzer" (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 (Gebundene Ausgabe)
Diese autobiographischen "Notizen" (die Marie Jalowicz Simon auf Tonband sprach) überwältigen und ergreifen..... und wirken lange nach beim Leser. Sehr spannend ist dieses Buch darüber hinaus, man kann es kaum aus der Hand legen, liest es in einem Zug durch. Marie Jalowicz ist in Berlin untergetaucht, um der Deportation und Ermordung zu entgehen, und ist auf die Hilfsbereitschaft anderer Menschen angewiesen, die dabei jedesmal ihr eigenes Leben riskieren. Ein scharfer Blick auf die Berliner Bevölkerungsschichten, große Hilfbereitschaft im sogenannten Proletariat, Menschen, die arm sind und arm wohnen, helfen -- Denunzianten hingegen die Kleinbürger. Taucht Marie Jalowicz bei - finanziell - nur etwas besser gestellten Menschen unter, muss sie sich vor Nachbarn in acht nehmen, die sie denunzieren könnten. Das führt zu schwierigen Situationen -- in einer Wohnung darf sie sich tagsüber nicht bewegen, muss liegen bleiben, kann auch die Toilette, die sich im Hausgang befindet nicht benutzen, zu Essen hat sie vielfach nichts - in manchen Fällen auch nichts zu lesen.

Abenteurlich die FLucht mit einem Fremdarbeiter nach Sofia - und wieder zurück. Auf der Rückreise in Wien muss sie aus dem Fenster steigen, um einer drohenden Verhaftung der Behörden zu entgehen. Sie ist schlagfertig, reagiert geschickt und kaltblütig in gefährlichen Situationen, das rettet sie letztendlich in all den Jahren.

Es dauert lange, bis man das Gelesene verarbeitet hat. Gerne hätte man dann noch erfahren, wie es direkt nach dem Krieg weiter ging, aber dazu gibt es nur ein paar kurze Worte im Nachwort.

( J. Fromholzer )
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5.0 von 5 Sternen Faszinierend, 11. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein unter die Haut gehendes Stück Zeitgeschichte, faszinierend, authentisch, nachdenklich machend, und trotz des "harten Tobaks" kurzweilig und so sehr bereichernd!
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Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945
Untergetaucht: Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940 - 1945 von Marie Jalowicz Simon (Gebundene Ausgabe - 3. März 2014)
EUR 22,99
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