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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Sport-Star als Opfer politischer Willkür
Wie schon für "Phi Phi Island" hat Josef Haslinger auch für sein neues Buch "Jáchymov" ein Sujet gefunden, das auf wahren Ereignissen beruht. Vor bereits vielen Jahren lernte Haslinger die Tochter des Bohumil Modrý kennen, die ihm die ungeheuerliche Lebensgeschichte ihres Vaters erzählte.

Modrý war Tormann der erfolgreichen tschechischen...
Veröffentlicht am 24. August 2011 von Wolfgang S.

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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen abgeflacht...
Vor allem gegenüber seinem beeindruckenden Roman 'Opernball' (welcher weiland auch im 'Literarischen Quartett' einstimmigen Beifall fand), muß man ein wenig enttäuscht eine gewisse Abflachung in Haslingers neuestem Werk 'Jachymov' registrieren.
War es Haslinger in seinen vorangehenden Werken sowohl inhaltlich als auch stilistisch trefflich gelungen,...
Veröffentlicht am 7. Januar 2012 von Ernst Reuter


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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Sport-Star als Opfer politischer Willkür, 24. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie schon für "Phi Phi Island" hat Josef Haslinger auch für sein neues Buch "Jáchymov" ein Sujet gefunden, das auf wahren Ereignissen beruht. Vor bereits vielen Jahren lernte Haslinger die Tochter des Bohumil Modrý kennen, die ihm die ungeheuerliche Lebensgeschichte ihres Vaters erzählte.

Modrý war Tormann der erfolgreichen tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft der späten 1940er Jahre. Durch verschiedene Umstände verspielte die Mannschaft ihren guten Ruf innerhalb des politischen Regimes, worauf ein Exempel statuiert wurde. Beinahe alle Spieler wurden verhaftet und für Jahre weggesperrt, zum Teil unter Folter oder sonstigen unmenschlichen Bedingungen. Modrý musste im gefürchteten Uranbergwerk Jachýmov mit bloßen Händen mit dem radioaktiven Uranerz hantieren. Er wurde zwar vorzeitig freigelassen, aber seine Rehabilitierung erlebte er nicht mehr: er war schon bald seiner Strahlenkrankheit erlegen.

Auch im Roman "Jáchymov" wird dieses Drama seines Lebens sachlich erzählt, erweitert durch die offensichtlich eingehend recherchierte Erfolgsgeschichte des tschechischen Eishockeyteams. Das Ganze ist allerdings eingebettet in eine recht konstruierte, fast akademisch wirkende Rahmenhandlung, in der die Tochter Modrýs - hier eine Tänzerin - einem Verleger die Vatergeschichte erzählt. Durch diesen Kunstgriff schafft der Autor noch mehr Distanz zum Sujet, als diesem gut tut: der Verleger und die Tänzerin bleiben seltsam blutleere Figuren, die in Kontrast zu der grauenvollen Geschichte eines Einzelnen stehen, der von politischer Willkür zerbrochen wird.
Vielleicht fehlt in "Jáchymov" das Quäntchen Subjektivität und emotionaler Betroffenheit, das Haslingers "Phi Phi Island" so unvergesslich machte...? Dennoch: "Jáchymov" ruft auch in all seiner Nüchternheit schmerzhaft in Erinnerung, was Menschen anderen Menschen antun können.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen interessant und verstörend, 18. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Taschenbuch)
josef haslinger beschreibt in "jachymov" die geschichte des tschechischen eishockey-spielers bohumil modry in form eines unbearbeiteten manuskriptes, das die tänzerin und tochter des eishockeyspielers auf drängen des wiener verlegers anselm findeisen verfasst. die rohfassung des manuskriptes erzählt vom frühen und kurzen ruhm modrys und seiner mannschaft und von dessen tortur, als er in die schusslinie der kommunistischen justiz gelangt, die ihn und sein ganzes team aus politischen gründen abschiesst, zu 15 jahren zuchthaus verurteilt und durch die zuweisung in das uranbergwerk jachymov, wo er völlig ungeschützt und unter unmenschlichen bedingungen strahlendes material für die sowjetische atomindustrie abbauen muss, seinen frühen tod verursacht. umrahmt wird das manuskript vom kennen- und einander mögen lernen der tochter und des verlegers, der ebenfalls ein emigrant, allerdings aus ostberlin, ist, ohne dabei in eine schmalzige liebesgeschichte abzudriften.

das buch wirkte auf mich in seinen manchmal seitenlangen aufzählungen von spielergebnissen und aufstellungen des eishockeyteams zuerst stellenweise hölzern und unbeholfen geschrieben. dann kam aber der moment der erkenntnis: die stellen, die so wirken, sind ja die erstfassung des manuskriptes, das der verleger in händen hält und gerade liest. hier täte eine optische abgrenzung des manuskriptes zum übrigen text in form einer anderen schriftart oder kursiv-setzung recht gut. vielleicht aber hat haslinger diese verstörung der leserInnen absichtlich herbeigeführt und will damit zeigen, wie nahe das banale am dramatischen liegt.

dabei ist der inhalt des manuskriptes verstörend genug: es ist nicht nur eine weitere darstellung der politischen willkür, der selbst von der staatsspitze geehrte persönlichkeiten, wie eben modry und sein weltmeister-team in den kommunistischen nachkriegs-satellitenstaaten schnell und unvorhersehbar zum opfer fielen, wenn es opportun war: es steht, wie alle diese erzählungen, die fast jeder aus dem persönlichem umkreis kennt, exemplarisch für das schlechte in den menschen, das, wenn es das geeignete substrat findet, zum organisierten staatsterror werden kann. daher ist jedes buch, das sich mit dieser thematik befasst und so in erinnerung behält, zu begrüssen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jachymov, 19. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Gebundene Ausgabe)
Heute, genau wie in der Zeit der k&k-Monarchie, ist Jáchymov oder St. Joachimsthal, so der deutsche Name, ein Kurort, der wegen seiner gesundheitsfördernden Therme gut besucht ist. Aus diesem Grund weilt auch der Verleger Anselm Findeisen hier. Noch am Tage seiner Ankunft trifft er auf eine Frau, die, so stellt sich bald heraus, die Tochter von Bohumil Modry, ist, einem ehemaligen Weltklasse Eishockey-Torhüter. Nur sucht sie keine Erholung. Sie möchte den Ort sehen, an dem ihr Vater einst unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt war und schließlich daran zu Grunde ging.

Am Anfang etwas verwirrend erzählt Josef Haslinger die Geschichte von Modry, seiner Tochter und die von Jáchymov. Wenn man sich allerdings an Haslingers Art zu erzählen gewöhnt hat, liest man eine spannende Familiengeschichte mit höchst tragischem Ausgang.
Ich finde es erschreckend, wie willkürlich in diesem jungen kommunistischen Land Strafen verteilt wurden, teils ohne Beweise und faire Gerichtsverfahren. Einer hat etwas gehört, der es von einem gehört hat und schon sitzt man 20 Jahre oder länger im Gefängnis.

Packend lässt Haslinger ein Stück Nachkriegsgeschichte lebendig werden. Er wühlte sich durch Prozessakten und persönliche Aufzeichnungen, was das Buch authentisch macht, auch wenn es sich im Großen und Ganzen um einen Roman handelt. Und zwar um einen extrem gut lesbaren. Als störend könnten höchstens die zahlreichen Spielberichte von verschiedenen wichtigen Eishockeyspielen empfunden werden. Aber mal ehrlich, es geht hier um einen Eishockeytorwart, da wäre ich enttäuscht wenn das sportliche ganz wegfallen würde.

Ich habe 'Jáchymov' verschlungen und war sehr begeistert von diesem Buch. Sehr lesenswert!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die literarische Auseinandersetzung mit den diktatorischen Regimes des 20. Jahrhunderts ist noch lange nicht zu Ende, 18. Oktober 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Gebundene Ausgabe)
Er heißt Anselm Findeisen (ein Name der auch von Martin Walser stammen könnte) und er ist Verleger. Er leidet unter fortschreitendem Morbus Bechterew und wird von seinem alkoholkranken Arzt Dr. Wachsmann zu einer Kur in das tschechische Radonbad Jachymov geschickt. Dort begegnet er im alten Kurhotel einer Frau, die in dem Roman fortan "die Tänzerin" genannt wird. Sie erzählt ihm von der dunklen und verbrecherischen Geschichte dieses Ortes, an dem während der kommunistischen Diktatur nach dem Krieg Tausende von politischen Gefangenen zur Zwangsarbeit verurteilt waren dabei starben oder, vor der Strahlung ungeschätzt, ihre Gesundheit ruinierten. Der Vater der Tänzerin, ein tschechischer Eishockeystar, der schon vor dem Krieg und auch danach als Nationaltorwart Welt- und Europameisterschaften gewann, hatte, nachdem er politisch in Ungnade gefallen war, lange Zeit dort in den Stollen arbeiten müssen.

Anselm Findeisen ist von der Geschichte der Tänzerin sehr berührt, zumal sie ihn dazu zwingt, eigene Erfahrungen in der DDR zu reflektieren, bevor er floh und will sie davon überzeugen, ihre Geschichte aufzuschreiben, damit er sie veröffentlichen kann. Die Tänzerin ist zurückhaltend, doch der Leser weiß schon bald, dass sie an einem solchen Manuskript schreibt, denn Haslinger fügt es immer wieder in die aktuelle Handlung ein.

Und so wird die Lebensgeschichte von Bohumil Modry erzählt, dem berühmten und in der Bevölkerung vor und nach dem Krieg beliebten Torwart der tschechischen Eishockeynationalmannschaft. Es ist nicht nur eine Geschichte des tschechischen Eishockeys, sondern vor allem eine literarische Abrechnung mit einem unterdrückerischen System, das nicht nur in der CSSR Menschen in Lager steckte, die in ihrer Unmenschlichkeit den Lagern der zuvor besiegten Nazis nicht nachstanden.

Man spürt dem Roman auf fast jeder Seite ab, dass Josef Haslinger hier eine authentische und wahre Geschichte erzählt, die ihm die leibliche Tochter Bohumil Modrys schon vor vielen Jahren erzählt hat, als er sie traf. Es ist ein Roman, der berührt, der wütend macht und der zeigt, dass die literarische Auseinandersetzung mit den diktatorischen Regimes des 20. Jahrhunderts noch lange nicht zu Ende ist. Warum viele Schriftsteller in der letzten Zeit nicht mehr mit der Kennzeichnung wörtlicher Rede arbeiten und ihre Lektoren ihnen das durchgehen lassen, bleibt mir allerdings unverständlich.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch, das mit beklemmender Wucht Vergangenheit und Gegenwart verbindet..., 10. September 2011
Von 
goldmarie (lestumzuleben.blogspot.com/) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine zufällige Begegnung im alten Kurhotel von Jáchymov bringt eine grausame Vergangenheit ans Licht: Blanka Modra, Tochter des Eishockeystars Bohumil Modry, erzählt dem Verleger Anselm Findeisen die Lebensgeschichte ihres Vaters.
In den 1950er Jahren holt der Torwart mit der tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft zwei Weltmeistertitel und eine olympische Silbermedaille.
Wenige Jahre später wird er vom kommunistischen Regime verhaftet, des Hochverrats beschuldigt, verurteilt und ins Arbeitslager von Jáchymov gebracht, wo er zum Uranabbau in den Minen gezwungen wird.
Modry stirbt letztlich an den Folgen der Verstrahlung - nur wenige Jahre nachdem er schließlich zu seiner Frau und seinen Kindern zurückgekehrt ist.

"Jáchymov" erzählt von der Hilflosigkeit einer tschechischen Familie vor der politischen Willkür eines kommunistischen Regimes, von der Machtlosigkeit des Einzelnen, von Wut, Angst, Hoffnung und Verlust.
Josef Haslinger arbeitet in seinem neuen Roman eine wahre Begebenheit auf: die Geschichte einer Tochter, die das Schicksal ihres Vaters und die Erinnerung daran nicht loslassen.
Ein weiteres interessantes Thema, das in Jáchymov aufgearbeitet wird, ist die Erkrankung des Verlegers Findeisen: Morbus Bechterew, eine rheumatische Wirbelsäulenerkrankung, die den Bewegungsapparat stark einschränkt. Die Kur des Verlegers im ehemaligen Jáchymov ist ein guter und schlüssiger Ausgangspunkt für die Geschichte.
Der Roman ist interessant erzählt und weist trotz der berichtähnlichen, sachlichen Sprache keine Längen auf.
Einzig die traumhaften Sequenzen der Tänzerin empfand ich zum Teil als verwirrend und konnte den Bezug zur Geschichte nicht ganz herstellen.
Lieber hätte ich noch mehr über ihre Persönlichkeit erfahren und davon, wie das Leben ihres Vaters ihr eigenes geprägt hat.
Außerdem ist es mir ein Rätsel, warum viele Autoren / Verlage meinen, eine direkte Rede nicht als solche kennzeichnen zu müssen. Das erschwert den Lesefluss enorm!

Abgesehen davon: Ein gelungenes Buch, das schockierende, vergessene Ereignisse mit einem sensiblen Roman verknüpft.
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4.0 von 5 Sternen Tragische Geschichte, 17. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Taschenbuch)
Ich habe das Buch gelesen, nachdem ich den dort genannten Lehrpfad durch das Gelände der Uran-Bergwerke von Jáchymov abgewandert hatte. Der Roman beruht auf einer wahren Begebenheit und schildert das Schicksal des tschechischen Eishockey-Torwarts Bohumíl Modrý in den 1940er und 1950er Jahren. Ohne wirklichen Grund - ihm wurden Emigrationsabsichten unterstellt - gerät er in die Mühlen der stalinistischen Justitz und kommt nach verschiedenen Gefängnisaufenthalten schließlich als Zwangsarbeiter in die Uran-Bergwerke von Jáchymov / St. Joachimsthal im böhmischen Erzgebirge. Die dort erlittenen Torturen bleiben nicht folgenlos.
Manchmal etwas ermüdend für einen Leser, der kein Eishockey-Freak ist, sind die langen Passagen zur tschechischen Eishockey- und Vereinsgeschichte. Die Darstellung der politischen Geschehnisse ist aber hochinteressant und wirft Licht auf ein besonders tragisches Kapitel der mitteleuropäischen Nachkriegsgeschichte, das für die meisten Menschen wohl immer noch im Dunkeln liegt.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen abgeflacht..., 7. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vor allem gegenüber seinem beeindruckenden Roman 'Opernball' (welcher weiland auch im 'Literarischen Quartett' einstimmigen Beifall fand), muß man ein wenig enttäuscht eine gewisse Abflachung in Haslingers neuestem Werk 'Jachymov' registrieren.
War es Haslinger in seinen vorangehenden Werken sowohl inhaltlich als auch stilistisch trefflich gelungen, zeitgeschichtliche Themen in Gestalt des Romans zu vermitteln, so scheint scheint der Romancier in 'Jachymov' zu sehr am protokollarisch-dokumentarischen Urmanuskript zu haften.
Holzschnittartig und handwerklich nicht ausgereift wirkt der Versuch, das zeitgeschichtlich brisante Protokoll über das Schicksal eines durch politische Intrigen in Ungnade gefallenen Eishockeyspielers und dessen Familie in der stalinistisch/poststalinistischen CSSR romanhaft zu sublimieren.
Die Geduld des Lesers wird strapaziert durch das Aufzählen tabellarischer Sportergebnisse der jeweiligen Eishockeymannschaften wohingegen dem Interesse an den Emotionen der blutleer erscheinenden Protagonisten nicht ausreichend nachgegangen wird.
Daran ändert leider auch der missglückte Versuch nichts, die spröde geratene Erzählschiene mit verwirrenden Phantasmagorien poetisch zu durchbrechen.
Schade, denn aus dem berührenden zeitgeschichtlichen Dokument einer politisch-gesellschaftlichen Drangsalierung hätte der talentierte Autor mehr daraus machen können.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wieder eine Tragödie, bleiern und beklemmend, 27. August 2011
Von 
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mir scheint, das Thema ist jetzt zunehmend dran. Nach Öffnung des Eisernen Vorhangs ist eine ganze Generation herangewachsen und die damals Beteiligten und Betroffenen verlieren ihre Sprachlosigkeit. Selbstverständlich gibt es jetzt Bücher und Filme, die alle lesenswert sind - von Uwe Tellkamps Der Turm" bis hin zum vor zwei Jahren verstorbenen Fußballtrainer Jörg Berger Meine zwei Halbzeiten". Filmtitel wie Das Leben der anderen" sind jetzt präsent und grade jetzt erscheint ein neuer Film über DDR - Zwillinge, die sich am Balaton 1988 verlieben und eine abenteuerliche Flucht erleben. Aber auch andere seltsame und unglaubliche Begegnungen hat man jetzt mehr und mehr. Der Grund ist einfach: es wächst zusammen, was zusammen gehört. Und so habe ich neulich Fluchtgeschichten aus erster Hand gehört, die mich tief bewegten. Wer also in den Siebzigern die Flucht plante, der musste (und wusste es) sein Leben riskieren. Und es ist komisch, wie lange wir hier die Situation hinter der Mauer so wenig beachteten, ja, sogar manchmal positivierten, in dem wir dachten, lass die mal den Sozialismus üben, vielleicht klappt es ja. Haslinger nimmt sich nun Verbrechen der stalinistischen Ära an, von denen sicher kaum einer was gehört hat; und zwar die nahe Tschechoslowakei, die wir in unserer Jugend vor allem wegen ihres Eishockeys bewunderten - aber auch dem Prager Frühling mutlos zusahen. Jáchymov ist ein Radon - oder Radiumsol-Heilbad, das älteste der Welt, spezialisiert auf Rheuma, insbesondere der unheilbaren Krankheit Morbus Bechterew, die einen vor Schmerzen sogar bewusstlos werden lassen kann, ich kann auch ein Lied davon singen. In (vormals Sankt Joachimsthal), diesem Heilbad" fanden auch "politische Umerziehungsmaßnahmen"" statt. Dazu gehörte, dass die Häftlinge in den Stollen des Uranbergbaus mit bloßen Händen radioaktive Erz sammeln mussten, und das dadurch der nahe Tod lauerte, ob vor Hunger, oder die Sträflinge waren körperlich so geschunden, dass kein weiterleben möglich war.
Haslinger beschreibt die Nachkriegsgeschichte der tschechoslowakischen Eishockeynationalmannschaft, die in den späten Vierzigern und Fünfziger Jahren Weltmeister und Olympiasieger waren. Haslingers Hauptfigur ist der Torwart Bohumil Modry, dessen Geschichte exemplarisch erzählt wird. Müßig zu sagen, dass es auch ganz andere Sportler oder unbequeme Menschen gegeben hat, deren Geschichte wahrscheinlich genauso aufgeschrieben hätte werden können. Der Gulag Jáchymov
zermürbt über Jahre den tschechischen Supertorwart, der auch Angebote hatte, in Canada Profi zu werden. Seine Tragik besteht darin, dass er dabei war, als flüchtig mal kurz, bei einem Gastspiel der Mannschaft in der Schweiz, intern kurz abgestimmt wurde, ab man im Westen bleibt. Mordry steht zu seinem Land und wird trotzdem verhaftet. Das Ende ist klar. Es wird zwar nach fünf Jahren amnestiert, stirbt aber dann an den Folgen der Verstrahlung. Seine Tochter, die Tänzerin, erzählt nun von dem, was sie weiß, was sie an Unterlagen gefunden hat und der an Morbus Bechterew erkrankte Verleger Anselm Findeisen, hört zu, notiert, ermuntert sie, die Chronik dieser Leidensgeschichte aufzuschreiben. Das Buch ist nicht leicht zu lesen.
Es gibt keine wörtliche Rede und manchmal ist es schwer zu verstehen, wer grade redet, und warum so plötzliche Brüche vorkommen, die einen stutzen lassen.
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7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht richtig gelungen..., 28. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Jáchymov: Roman (Gebundene Ausgabe)
Romanbiographie Bohumil Modrys, des Tormanns der tschechoslowakischen Eishockeynationalmannschaft der dreißiger und vierziger Jahre. Der Star des Teams wird, ohne es zu wissen, in ein Netz von Intrige, Paranoia der Mächtigen und Haß verstrickt und zu 15 Jahren Haft verurteilt, die er zum Teil in den Uranminen des Erzgebirges, im Lager Jáchymov, verbringt. Durch die radioaktive Verstrahlung kontaminiert, stirbt er bald nach seiner vorzeitigen Entlassung mit gerade 47 Jahren.
Die Geschichte wird erzählt als zufälliges Zusammentreffen von Modrys Tochter, einer Tänzerin, und dem Kleinverleger Anselm Findeisen, der sie drängt, die Geschichte ihres Vaters aufzuschreiben. Ich bin mit dem Buch nicht glücklich: auf der Umschlagseite steht Roman. Ein Roman ist ein episches Kunstwerk, eine fiktionale Erzählung. Damit werden die vielen historischen Details entwertet; ich weiß nicht, ob sich das wirklich so zugetragen hat oder ob es sich um eine Erfindung des Autors Haslinger handelt. Der Kern des Buches ist die Ohnmacht des Individuums in einer totalitären Gesellschaft und die Kreaturen und Zustände, die ein solches Umfeld hervorbringt. Das hätte ein so bedeutender und hervorragender Autor wie Haslinger sowohl in einer Biographie, die der historischen Genauigkeit verpflichtet ist, als auch Roman, in dem der Autor seiner Phantasie freien Lauf läßt, herausarbeiten können. Das Leben Bohumil Modrys hätte für beide Formen genügend Stoff geboten. Die vorliegende Mischform aber, die er ganz am Anfang und am Schluß auch noch poetisch machen wollte, ist aus meiner Sicht nicht geglückt.
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Jáchymov: Roman
Jáchymov: Roman von Josef Haslinger (Gebundene Ausgabe - 5. August 2011)
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