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TOP 1000 REZENSENTam 14. August 2006
Bei der Beschäftigung mit Leonardo stieß ich auf diese 1910 von Freud herausgebrachte Studie. Sie dient dem Ziel, anlässlich einer Erinnerung bzw. Phantasie des Meisters, wieso er nämlich zu seinem Interesse der Erforschung des Vogelflugs gekommen sei, die seltsamen "Hemmungen in Leonardos Sexualleben und in einer künstlerischen Tätigkeit" aufzuzeigen. Die besagte Erinnerung, so Leonardo, sei in ganz früher Kindheit geschehen, dass nämlich ein Geier, richtiger aus dem Italienischen übersetzt ein Milan, ganz dicht zu ihm herangeflogen sei und dann immer wieder seinen Schwanz zwischen seine Lippen gesteckt hätte. Freud interpretiert das Ganze wie eine homoerotische Fellatio-Phantasie, mindestens aber als deutlichen Anklang an die Lust, gesäugt zu werden.

Über die Lebensgeschichte Leonardos, der als uneheliches Kind von seinem in Notarkreisen lebenden Vater zunächst nicht angenommen und seiner von bäuerlichem Hintergrund stammenden leiblichen Mutter zugewiesen wurde, dann aber mit etwa 5 Jahren doch in das Haus seiner Großeltern und des Vaters sowie der Stiefmutter nach Florenz gelangt, werden die Entstehung einer überaus starken Mutterbindung und das Fehlen der Vateridentifikation in den wichtigen ersten Lebensjahren zu einem lebenslänglichen Verzicht auf sexuelle Aktivität und zu homoerotischen Anwandlungen zu seinen stets bildschönen Malerlehrlingen hin gedeutet.

Aus diesem Verzicht jedoch resultiere laut Freud andererseits die sehr starke Sublimierung durch die Kunst (eine Notar- oder Universitätslaufbahn ist ihm als "Bastard" übrigens versperrt), die aber in späteren Jahren immer stärkerer Verdrängung durch den überaus starken Wissenstrieb als andere Frucht der Sublimierung weichen muß und endlich dahin führt, dass er viele Gemälde nicht zu Ende führt, oder aber - etwa im Fall des berühmten Abendmahlfreskos - wegen der störenden Wissbegier zu langsam und daher mit Ölfarbe malt, die aber als Fresko sehr rasch abblätterte.

Das zauberhafte Lächeln der sehr jungen Mutterfiguren seiner Kindheit (leibliche Mutter und Stiefmutter, verwirklicht in der anrührenden Darstellung der Anna Selbdritt) begegnet ihm schließlich in der Mona Lisa del Giocondo wieder, deren Porträt ihn für volle vier Jahre fesselt und sich ihm so stark einprägt, dass seine letzten Gemälde (Leda, Johannes, Bacchus) dieses Lächeln ähnlich widerspiegeln.

Die Studie fand viele Kritiker, hat aber durchaus in vielen informativen Details ihren Reiz, wenn Freud's Interpretationen auch besonders in der damaligen Zeit als zu weit hergeholt und verschroben erschienen. In einer sexualfeindlichen Welt dem erhabenen Künstler Leonardo eine Fellatio-Phantasie unterzujubeln, dass war Majestätsbeleidigung und eine Attacke auf den guten Geschmack! Aber täuschen wir uns nicht: Freud hat mit solchen Studien unser Wissen um Sexualität geradezu revolutioniert. Und er betont bereits hier zu Recht, dass zwischen dem Normalen und Neurotischen nur ein schmaler Grad bestehe. Insofern ist dieses Werk auch heute noch absolut lesenswert. (14.08.06)
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am 8. März 2009
Zu Beginn seiner Metaphysik stellte Aristoteles bereits das natürliche Streben des Menschen nach Wissen und mit diesem die Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung fest. Da Vinci ist der Prototyp dieses wissensdurstigen und sinnliche Erfahrung suchenden Menschen. Mit ihm wandelte sich in der Renaissance das Diktum der religiösen Vorherrschaft in die Vorherrschaft der antiken Philosophie und Kunst. Der Drang nach Wissen und Erkenntnis erwachte in Leonardo im Zuge seiner Lebensgeschichte, die Freud (1856-1939) einzigartig und einmalig in dieser psychoanalytischen Studie entfaltet. Wenngleich da Vinci Meisterwerke der Malerei hinterlassen hat, so sind seine Forschungen und Entdeckungen von großer Bedeutung. Insbesondere die Erkundigungen über den Vogelflug sind überaus bedeutsam.

Unehelich geboren, der Liebe des Vaters in frühen Jahren entzogen, der Mutter zugewandt und doch fehlte das Gefühl von Liebe. Liebe konnte nur wachsen unter der Freigabe der Vernunft. Jede Beziehung wurde in den Prüfalgorithmus einer Vernunft gelegt und nur durch ihn in ihrer Sinnlichkeit freigegeben. Sein Leben aus der Sicht Freuds wird an einem Ereignis zur Bedeutung. In seinen Werken bezieht er nur einmal Stellung zu seiner Kindheit und berichtet von einem "Fluge eines Geiers", der (er selbst war im Säuglingsalter) auf ihn hinabstürzte, der mit dem Schwanz seinen Mund öffnete und dann gegen die Lippen stieß. Eine Kindheitserinnerung, die befremdet wegen des Inhalts und wegen der Lebenszeit, in die sie hineingelegt wird. Unschwer ist Freuds Deutung eines Sexualaktes, der Fellatio, zu erkennen und Freud nimmt so die Spur auf, um dieser Erinnerung eine Bedeutung zu geben.

Die ägyptische Mythologie wird fälschlicherweise (Übersetzungsfehler; es ist kein Geier, sondern ein Milan) bemüht, bringt aber einige Einsichten. Die Erinnerung ins Säuglingsalter zu legen, heißt, das Gestilltwerden in den Vordergrund zu stellen und damit verbunden ein Saugen und als Idee eben ein Lächeln der Mutter. Seine Liebe zu Vögeln und zu dem Vogelflug blieb, "weil er schon in der Wiege von einem Vogelflug heimgesucht worden war". Insgesamt prägt dieses Erlebnis stark die homoerotischen Neigungen des Lebens. Zum Weibe fand Leonardo erst wieder, als er die fünfzig Jahre und mehr erreichte. Hier wird das erinnerte Lächeln seiner stillenden Mutter entfaltet im Lächeln der Mona Lisa, der Anna Selbdrittt und vieler anderen Bilder, die dieses bis dahin rätselhafte Lächeln aufnehmen. Vergessen wir nicht, dass alles, zumindest vieles, an allem Leben Zufall ist.

Fazit:
Mag die Aufteilung von der prägenden Zufälligkeit der Kindheit und den Notwendigkeiten des Alters nicht geklärt sein, so scheint hier doch deutlich, das Zufall die unbekannte Rolle spielt, die auch Hamlet reichte zu mahnen, dass es mehr Dinge im Himmel und auf Erden gibt, als Schulweisheit sich träumen lässt. Zu wenig Respekt vor der Natur, so Freud, zeigt der Mensch, die mit Leonardos Worten "voll ist zahlloser Ursachen, die niemals in die Erfahrung traten".
Literatur als Zusammenspiel geheimer Wege zu sehen, heißt, sich von den Bildern Frank Zöllners und den Ideen der Kontingenz Richard Rortys bei Freud (Studienausgabe Bd. 10) einzufinden.
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am 10. März 2013
Weil grosser Forschungssinn, sehr anregend. Ich bin begeistert, würde ich nicht jedem das Buch empfehlen, ist nicht immer alles bloss schaumiger Roman.
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