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5.0 von 5 Sternen Wer wir sind
Mittlerweile wurde in den Medien sehr viel über "Die Mittagsfrau" geschrieben, etliche Rezensionen kluger Menschen, da werde ich mich auf mein persönliches Empfinden bei der Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches beschränken. Die Inhaltsbeschreibung steht auf dieser Seite weiter oben unter "Produktbeschreibung" der Amazon-Redaktion...
Veröffentlicht am 15. Oktober 2007 von Georg B. Mrozek

versus
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Rätselhaft
Jedes Leben lässt unbeantwortete Fragen zurück, das Rätsel so mancher Person bleibt ungelöst. Nur Trivialromane erdreisten sich, für alle Fragen eine Antwort und alle Rätsel eine Lösung anzubieten.
So gesehen bietet die Mittagsfrau durchaus Literatur; denn die Motive für Helenes Handlungsweise – sie lässt ihren...
Veröffentlicht am 3. April 2008 von ilruff


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210 von 238 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer wir sind, 15. Oktober 2007
Von 
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mittlerweile wurde in den Medien sehr viel über "Die Mittagsfrau" geschrieben, etliche Rezensionen kluger Menschen, da werde ich mich auf mein persönliches Empfinden bei der Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches beschränken. Die Inhaltsbeschreibung steht auf dieser Seite weiter oben unter "Produktbeschreibung" der Amazon-Redaktion.

Die Mittagsfrau als Gestalt der slawischen Sagenwelt raubt den Menschen ihren Verstand oder tötet sie. Thematisch kenne ich kein zweites Buch dieser Art, ein Buch über Frauen, so doch kein Frauenbuch, in dem zwar Männer eher von ihren schlechten oder hässlichen Seiten beschrieben werden aber nicht ohne eine Prise Humor. Es werden Tabus dieser Zeit (z.B. vorehelicher Sex, gleichgeschlechtliche Liebe, Bildungschancen für Frauen) genauso sicher gebrochen wie das damalige (und heutige?) Frauenbild sukzessive hinterfragt wird.
Besonders fesselnd erlebte ich die sprachliche Virtuosität der Autorin. Neben wunderbar poetischen Bildern rührender, ja unschuldiger und sinnlicher Zärtlichkeit, findest du genauso die beklemmende Kälte eines leidenden Inneren, einer gefangenen Seele, die mich als Leser irritiert, die aber keinesfalls bewertend daherkommt. Diesen Spagat ambivalenter Weiblichkeit finde ich ganz besonders gelungen.
Als Mann nehme ich die seelischen Tiefen einer Frau sicher nur von außen wahr, als Mensch ahne ich sie wie jeder andere empfindsame Mensch auch. Es gibt kein Gut und Böse in diesem Roman, es gibt aber die Wahrheit einer Frau in einer schrecklich frauenfeindlichen Zeit - und ich fand mögliche Antworten auf die Frage, warum ein Mensch der wird, der er ist.

Georg B. Mrozek
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Rätselhaft, 3. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Jedes Leben lässt unbeantwortete Fragen zurück, das Rätsel so mancher Person bleibt ungelöst. Nur Trivialromane erdreisten sich, für alle Fragen eine Antwort und alle Rätsel eine Lösung anzubieten.
So gesehen bietet die Mittagsfrau durchaus Literatur; denn die Motive für Helenes Handlungsweise – sie lässt ihren siebenjährigen Sohn allein am Bahnhof einer fremden Stadt zurück – lassen sich nur erahnen. Im Anfangskapitel wird mit deutlichen Hinweisen nicht gespart: Ende des 2. Weltkrieges, der Anblick verstümmelter Leichen, Vergewaltigung durch russische Soldaten, schließlich die Flucht aus Stettin, gehäuftes Unglück also und von der Krankenschwester Helene äußerlich unberührt ertragen. Im 2. Kapitel führt die Autorin zurück zur siebenjährigen Helene am Vorabend des 1. Weltkrieges, um danach stilistisch nicht gerade aufregend das Schicksal der Protagonistin über die folgenden Jahre auszubreiten. Wird diese Helene uns vertraut, womöglich liebenswert? Ich meine, so wenig wie die zwischen neurotischer Überspanntheit und Geisteskrankheit schwankende Mutter, der vergeblich liebende und elend sterbende Vater, die lesbische Schwester Martha, hinter deren gekünstelter Redeweise in den ersten Kapiteln man eher eine ältliche Tante vermutet – oder eine unfähige Autorin. Alltägliche Verrichtungen werden minutiös beschrieben, die messiehafte Sammelwut der Mutter, Rückenkraulen, banale Gedanken, viel Alltagsgeschwätz. Muss uns das interessieren? Ich gebe zu, mich interessiert es nicht; und die deutsche Geschichte des 20.Jhdts wurde literarisch schon besser verarbeitet. Bei aller Genauigkeit im Einzelnen bleiben persönliche Psyche und Zeitkolorit blass. Dass Helene und Martha die geistig verwirrte Mutter über 10 Jahre nicht ein einziges Mal besuchen, macht die beiden nicht literarisch interessanter; was man an Zeitgeschichtlichem mitnehmen kann, erinnert an braven Schulfunk. Entsprechend schülerhaft trottet die Beschreibung durch die Tage, Wochen und Jahre: Ich vermisste beim Lesen den literarischen Sinn und hätte meine Zeit lieber mit besserer Lektüre genutzt.
Erst nach mehr als 200 Seiten teilweise ermüdend banaler Beschreibungstechnik und dahin plätschernder Gespräche, nämlich mit dem Auftreten von Helenes großer Liebe fasst der Roman Tritt.
„Komm wir wollen uns näher verbergen...“ Leitmotivische Worte aus einem Gedicht Lasker Schülers kennzeichnen nunmehr die Handlung und deren Protagonistin, die beide aus dem Schweigen hinter den Worten Kontur gewinnen. Endlich.
Carl verunglückt keine 80 Seiten später tödlich; und hinter der Beschreibung eines Besuchs bei seinen Eltern scheint all das auf, was zu sagen wäre, aber ungesagt bleibt, so wie Helene allmählich verstummt.
In der Ehe mit dem machohaften Wilhelm wird sie zur Frau ohne eigenen Willen, die nur noch funktioniert. Ihren Sohn erzieht sie so gewissenhaft, aber innerlich unbeteiligt, wie sie auch den Haushalt führt und ihrem Beruf nachgeht, und es ist nur logisch, wenn sie dem liebebedürftigen Sohn ihre Hand entzieht. Julia Franck zeichnet eine Frau, die im Laufe der Jahre alles verliert, was einen Menschen zu einem lebensbejahenden Charakter ausformen kann: Liebe, materielle und seelische Geborgenheit, sexuelle Erfüllung und körperliche Unversehrtheit, Selbstachtung. Helene reagiert auf die Zumutungen des Schicksals, indem sie sich entzieht. Der gelungene Teil des Romans, beginnend mit Carls Tod, ist die Geschichte dieses Rückzugs. Ob ihr bleibt, was man gemeinhin den unzerstörbaren Wesenskern nennt, erfährt der Leser nicht. Der Mensch ist ein Rätsel. Reicht diese Botschaft aus?
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ergreifendes Epos deutscher Zeitgeschichte, 7. Februar 2008
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau, 6 Audio-CDs (Audio CD)
Man kann natürlich trefflich darüber streiten, ob zeitgenössische deutsche Schriftsteller keine anderen Themen (mehr) finden als die Zeit des Nationalsozialismus. Tatsache ist, dass diese entsetzlichste Phase deutscher Geschichte in den Nachgeborenen nachwirkt - und damit hat das Thema m. E. durchaus weiter seine Berechtigung.

Als Leser oder Hörer nehmen wir teil an der Lebensgeschichte zweier Schwestern in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Welt, in die uns Julia Franck entführt, ist grausam, gefühlskalt und deprimierend. Dabei geht es um nichts weniger oder mehr als die Liebe, sei es zwischen Eltern und Kindern, zwischen Geschwistern oder Liebespaaren.

Die "Mittagsfrau" ist eine mythische Gestalt als der slawischen Welt. Sie erscheint an heißen Tagen zur Mittagszeit und verwirrt den Menschen den Verstand, lähmt ihnen die Glieder oder tötet sie. Im Roman benutzt Helene den Mythos der Mittagsfrau, um ihren Sohn gefügig zu machen, der stets allein zu Hause bleiben muss. Sinnbildlich erleben wir in diesem Roman genau diese Lähmung der handelnden Personen, die als Konsequenz ihrer Furcht einzig im Rausch einen Ausweg sehen. Der Wahnsinn zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch.

Die Hörbuchversion wird von Julia Franck selber gelesen. Auch hier kann man darüber diskutieren, ob es (immer) sinnvoll ist, dass ein Autor seine Werke selber liest. Denn schreiben und (vor-) lesen sind zwei völlig unterschiedliche Qualitäten. Gewiss, als Autor weiß ich am besten, wo und wie ich betonen will usw. Und als zeitgeschichtliches Dokument möchte man manches vom Autor selber vorgelesene literarische Werk gewiss nicht missen. Doch eine ausgebildete Stimme hat wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Fazit: Ein bedrückendes Werk, geeignet für all jene, die hautnah mit erleben wollen, unter welchen Bedingungen Menschen in Deutschland die 30er und 40er Jahre (über-) lebt haben.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ach, wie wird mir gleich so blümerant, 9. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit Büchern, die der Deutsche Buchpreis adelt, tue ich mich im Allgemeinen sehr schwer. Treffen sie doch selten meinen eigenen Geschmack. Auch die ersten 50 Seiten dieses Buches entsprechen diesem Urteil: Schleppender Beginn und ein unbequemer Erzählstil. Allein die wunderbaren und längst vergessenen Ausdrücke (wie oben in der Überschrift) erinnerten mich an meine Großeltern, die diese noch benutzten. Vielleicht las ich sogar ihretwegen weiter und ich wurde nicht enttäuscht. Im weiteren Verlauf gewann die Geschichte an Fahrt, die Kriege offenbarten den wahren menschlichen Charakter und abstruse Dinge geschahen. Langweilig wurde es nicht.

Eine für wahr, sehr gewöhnungsbedürftige Erzählform. Dennoch: Ein spannendes Buch, das sich von den oft ziemlich braven Familienromanen abhebt.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hamburger in Buchform, 28. Januar 2010
An und für sich eine spannende Geschichte zweier Schwestern, die sich über die Zeit der 2 Weltkriege erstreckt. Ausdrucksstarke Sprache, kühl und distanziert erzählt, mit vielen Ungereimtheiten und Protagonisten, die einem über 400 Seiten hinweg immer fremder werden. Hier wird mit den gängigen Klischees gespielt; hier das kultivierte, belesene, reiche, jüdische Opfer, dort der dumpfbackige, grobe, engstirnige und politisch braun orientierte Deutsche. Wie kommt's nur, daß Helene nach dem Juden Carl sich mit einem Nazischeußsal abgibt? Das sind extreme Bilder in schwarzweiß gehalten und menschlich kaum nachvollziehbar. Warum setzt sie ihren Sohn bei Kriegsende auf einem Bahnhof ab und überläßt ihn sich selbst, um dann, nach endlosen 10 Jahren, ihn beim bösen Onkel mal besuchen zu kommen? Alles sehr weit hergeholt. In diesem Buch wurden viele verkaufsfördernden Register gezogen: Homosexualität, Wahnsinn, Inzest, Drogensucht... Gähn. Man fühlt sich ähnlich voll und leer zugleich wie nach dem Genuß eines Hamburgers. Nichts klingt nach.
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25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nie wieder Buchpreis-Bücher!, 1. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Die Mittagsfrau" war schon mein zweiter Reinfall mit einem Buch, das den Deutschen Buchpreis bekommen hat. Aber den bekommt man wohl schon, wenn man ein wenig deutsche Geschichte aufarbeitet. Am besten natürlich die Zeit des dritten Reiches.
Ich habe mich wirklich durch die über 400 Seiten kämpfen müssen, wollte aufgeben. Da ich grundsätzlich Bücher zuende lese, habe ich auch Julia Francks Erguss geschafft. Seitenweise passiert eigentlich nichts, die Geschichte dümpelt so vor sich hin. Erzählt wird das Ganze mit einer fürchterlich konstruierten, abgehackten Sprache. Die Charaktere sind oft stereotyp. Der jüdische Freund Carl ist der Traummann, der "deutsche" Wilhelm ein Albtraum. Helene will man immer zurufen: "Jetzt sag' halt mal was!!!" Ein wirklich anstrengendes Buch. Den zweiten Stern vergebe ich nur dafür, dass zum Schluss dann doch noch mal was passiert.
Mein Fazit: Wer das Buch nicht gelesen hat, hat nichts verpasst.
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21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Noch mehr Meriten!, 16. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Um "Die Mittagsfrau" kommt man ja derzeit als Leser gar nicht vorbei.
Ich habe zwei Anläufe gebraucht, um dieses Buch zu Ende zu lesen und stehe nun noch unter dem Eindruck eines sehr mächtigen Leseerlebnisses.

Zunächst einmal: Julia Franck macht es dem Leser nicht gerade leicht.
Direkt im ersten Kapitel wird der Leser mit dem vorläufigen Ende der Geschichte konfrontiert, das Ratlosigkeit und Verständnislosigkeit beim Leser wachruft. Warum lässt eine junge Frau am Kriegsende ihr siebenjähriges Kind einfach auf dem Bahnsteig stehen?

Dann taucht man ein in die Lebensgeschichte Helene Würsichs, ein zugleich schwieriges und doch auch typisches Schicksal einer Frau, die um die letzte Jahrhundertwende geboren wurde.
Julia Franck entwirft ein Lebenspanorama, in dem sich die Ereignisse zweier Kriege und der Zeit dazwischen spiegeln.
Sie lässt Helene erwachsen werden im Berlin der Zwanziger Jahre, nachdem sie eine schwere Kindheit mit einer psychisch kranken Mutter erlebt hat.
Weitere Schicksalsschläge, der plötzliche Tod ihres jüdischen Freundes und eine lieblose Ehe mit einem Nazi lassen sie abstumpfen.

Julia Franck erzählt ungeheuer wortmächtig und bildreich.
Nahezu jeder zweite Satz erzeugt beim Leser Bilder und Gefühle. Das lässt den Text manchmal ein wenig zu gedrechselt und überkandidelt erscheinen.

Dennoch ist dieses Buch zurecht eines der meistdiskutierten der Saison.
Allein die Tatsache, das eine so junge Autorin ein so reifes Buch geschrieben hat, verdient Aufmerksamkeit.

Zugleich ist es eine Geschichte, die im Leser sehr widerstreitende Gefühle auslöst und nicht gerade eine Sympathieträgerin zum Protagonisten macht.
In jedem Fall eine lohnende Lektüre!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zu wenig Sterne für ein wirklich gutes Buch!, 9. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau (Taschenbuch)
Eigentlich bin ich gerade ziemlich im Stress, aber zu sehen, dass dieses Buch bei amazon momentan nicht mehr als 3 Sterne insgesamt bekommt, kann einfach nicht so stehen gelassen werden.

Dieses Buch ist meiner Ansicht nach eine kleine, feine Liebes- und Familiengeschichte, die in die Zeit zwischen 1. und 2. Weltkrieg eingebettet ist. Sie werden jetzt sicher sagen "Öde, nicht schon wieder!", aber ich fand, dass dieses Buch gut mit einem Thema umgegangen ist, welches schon so häufig beschrieben wurde und sehr wohl noch etwas Neues beizutragen hatte. Außderdem werden teilweise auch gesellschaftliche Aspekte angedeutet, die heute wie damals noch in der Grauzone liegen und gar nicht so angeklärt sind, wie sie häufig erscheinen. Die Sprache von "Die Mittagsfrau" ist außerdem neu und irgendwie doch der Zeit entsprechend und alleine deshalb schon beeindruckend.

Ich persönlich fand dieses Buch spannend und bereichernd und 4 Sterne erhält es nur, weil 5 Sterne bei mir nur sehr, sehr gute Jahrhundertliteratur bekommen würde. Es ist aber auf jeden Fall lesens- und empfehlenswert und sollte nicht so stiefmütterlich behandelt werden.
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75 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein beeindruckendes Zeitepos, 9. Oktober 2007
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach "Liebediener" und "Lagerfeuer" erscheint jetzt der Roman "Die Mittagsfrau". Für dieses Buch, das mit zu den Favoriten des diesjährigen Deutschen Buchpreises gehört, gibt es eine überlieferte Begebenheit, die dem 1937 in Stettin geborenen Vater der Autorin in Wirklichkeit, wie dem kleinen Peter im Buch, widerfahren ist. Er wurde 1945 im Zuge der Flucht gen Westen von seiner Mutter auf einem Bahnsteig irgendwo in Vorpommern ausgesetzt wurde. Für ihn wurde dieses absichtliche Aussetzen zu einem schweren Trauma, welches ihn in seinem Leben sehr geprägt hat.

In dem Roman "Die Mittagsfrau" wird von Helene und ihrer Schwester Martha erzählt wie es zur Tragödie kam. Es beginnt in der Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit einer idyllischen Kindheit in der Lausitz und es behandelt in der Folge die beeindruckenden Frauenschicksale zwischen den zwei Weltkriegen.

Aus Bautzen brechen Martha und Helene, lebenshungrig in das Berlin der Goldenen Zwanziger Jahre auf, verlassen die im Wahnsinn kläglich dahin vegetierende Mutter. Martha geht in der Partyszene" auf. Helene wird Apothekenhelferin, sucht und findet den Traummann. Sie verliert ihn jedoch, während schon die nahende Katastrophe des Faschismus heraufzieht. Mit viel Liebe, Mühe und Aufopferung bringt sie ihren Peter durch die schweren, leidvollen Kriegsjahre und als alles überstanden zu sein schien, auf der Flucht 1945, lässt sie ihn allein am Bahnsteig zurück, kehrt nie wieder. Er wächst bei seinem Onkel und seiner Tante auf, seinen Pflegeeltern". Von dem vermeintlichen, ersehnten Wiedersehen der Mutter mit dem nun erwachsenen Jungen, an dessen siebzehnten Geburtstag, mit erzählt uns die Autorin im Epilog des Buches. Bis dahin legt sie besonderen Wert darauf, die damalige Entscheidung der Mutter nachvollziehbar zu machen, zu verstehen wieso sie so gehandelt hat, ohne das es sich ihr seinerzeitiges Verhalten zu einer Rechtfertigung im moralischen Sinne gestaltet. Erst wenn man Julia Franck folgt und die Lebensgeschichte von Helene zwischen den beiden Weltkriegen verfolgt, die von Einsamkeit, Hoffnung und Liebe bestimmt ist, dann wird deutlich warum diese brutale und radikale Entscheidung möglich war.

Es ist eine, für die damalige Zeit typisch weibliche Biographie, weil zu jener Zeit nicht zählte wie intelligent und gebildet jemand war, sondern das Lesen von Literatur war eigentlich die einzige Möglichkeit die eigene Begabung zur Weiterbildung zu nutzen. Die einzige Form der Ausbildung des Allgemeinwissens die blieb war eigentlich das Lesen von Literatur. Die Autorin berichtet über die Maßen sensuell und physisch klug
aus dem Leben einer ungewöhnlichen, faszinierenden Frau in einer schweren, entbehrungsreichen Zeit.
Julia Franck schreibt beeindruckend, spannend, packend und plastisch in einer für sie neuen Erzählperspektive, denn sie erzählt den Roman in der Ditten Person. Die Motivation dafür liegt darin, so die Autorin in einem Interview, dass es eigentlich ja um den Verlust der Sprache geht, um das aus dem Wort fallen". So war es möglich, dass ihr Schreiben eine neue Dimension erreichte, nämlich, von den autobiographischen Ursprüngen hin zum großen, ungewöhnlichen Familienroman mit bewegenden Frauenschicksalen. Ein in jeder Beziehung beeindruckendes, unmissverständliches Zeitdokument, von der Autorin mit einer stets spürbaren, tabulosen Sinnlichkeit großartig erzählt.
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38 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut gepflegte Langeweile, 11. April 2008
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Mittagsfrau: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich wollte mal sehen, wofür man so den Deutschen Buchpreis bekommt.

Stettin, 1945: Der siebenjährige Peter wird von seiner Mutter Helene zum Bahnhof gebracht. Was Peter nicht weiß: Er soll im Westen ein besseres Leben haben als bei Helene, die mit seinem Wunsch nach Zuwendung überfordert ist. Nach 30 Seiten wechselt das Buch vom personalen Erzähler Peter zum personalen Erzähler Helene. Auf über 300 Seiten wird erzählt von ihrer ausgelassenen Kindheit bis zum ersten Weltkrieg, dem Tod des Vaters und der antisemitismus-bedingten Herzlosigkeit der jüdischen Mutter; Helene zieht mit 20 mit der großen Schwester nach Berlin, homoerotischen Versuchungen folgt die Bekanntschaft mit dem Juden Carl, der nach ihrer Verlobung stirbt. Wilhelm, Ingenieur von Reichsautobahnen, heiratet sie, aber die Ehe scheitert schon vor Peters Geburt. Der Rest der Handlung bis zum Aussetzen Peters wird auf 35 Seiten erzählt.

Was ich an dem Roman mag, ist, wie sensibel und tief Julia Franck in ihre beiden Figuren und die Zeit eintaucht und wie genau sie beobachtet. Ihren Stil, der mit vielen Kommata verbundenen Hauptsätze und Vermeidung von direkter wie indirekter Rede, fand ich gewöhnungsbedürftig, obwohl sie bombensicher darin ist. "Die Mittagsfrau" hat absolut literarisches Niveau, doch die Erzählgeschwindigkeit fand ich doch sehr ermüdend. Man liest zwangsläufig immer schneller über die breitgewalzten Szenen und läuft Gefahr, Entscheidendes zu überlesen. Fraglos Literatur, aber auch viel gepflegte Langeweile.
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Die Mittagsfrau: Roman
Die Mittagsfrau: Roman von Julia Franck (Gebundene Ausgabe - 24. November 2008)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,03
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