Kundenrezensionen


56 Rezensionen
5 Sterne:
 (33)
4 Sterne:
 (13)
3 Sterne:
 (3)
2 Sterne:
 (3)
1 Sterne:
 (4)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


47 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegende Familiengeschichte!
Marion Brasch ist bisher vor allem den Berlinern bekannt, denn dort ist sie Radiomoderatorin bei "radioeins". Nun hat sie die Geschichte ihrer Familie aufgeschrieben, die zu DDR Zeiten nicht unbekannt war: der Vater stellvertretender Kulturminister der DDR, die drei älteren Brüder alle mehr oder weniger bekannt als Schriftsteller und Schauspieler, allen voran...
Veröffentlicht am 24. Februar 2012 von Büchervampir

versus
25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bewegendes Porträt einer Künstler-Familie in der DDR
Mit ihrem Debütroman "Ab jetzt ist Ruhe" gelingt Marion Brasch ein berührendes Porträt einer extrem talentierten und eher glücklosen Künstler-Familie in der DDR.

Die Eltern von Marion und ihren drei Brüdern sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus den englischen Exil nach Ost-Berlin gezogen. Der Vater - ein überzeugter Kommunist -...
Veröffentlicht am 22. Februar 2012 von Ruth Justen


‹ Zurück | 1 26 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

47 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegende Familiengeschichte!, 24. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
Marion Brasch ist bisher vor allem den Berlinern bekannt, denn dort ist sie Radiomoderatorin bei "radioeins". Nun hat sie die Geschichte ihrer Familie aufgeschrieben, die zu DDR Zeiten nicht unbekannt war: der Vater stellvertretender Kulturminister der DDR, die drei älteren Brüder alle mehr oder weniger bekannt als Schriftsteller und Schauspieler, allen voran der Dramatiker Thomas Brasch.
Braschs jüdische Eltern lernen sich im Exil in London kennen und gehen zurück nach Ostberlin, gründen eine Familie, der Vater möchte seine politischen Ideale verwirklichen und beginnt eine Karriere als Politiker. Die Ehe zerbricht, die Söhne revoltieren gegen die DDR, scheitern und zerbrechen, Marion Brasch bleibt die kleine Schwester, um die sich immer alle bemühen und die einen anderen Weg gehen möchte.
Mit unglaublicher Leichtigkeit beschreibt sie ihre durchaus traurige und dramatische Familiengeschichte, ganz persönlich und wahnsinnig bewegend, in einer wunderbaren Sprache. Es kommen viele bekannte Menschen darin vor, klar, bei einem Menschen, der mit dem Kulturbetrieb verbunden ist, aber keiner wird mit Namen genannt. So kommt das Buch nicht wie eine Biografie rüber, sondern als das, was es ist, ein wirklich wunderbares Buch, ein Stück Zeitgeschichte und vor allem eine berührende Familiengeschichte. Marion Braschs Name wird sicher bald über Berlin hinaus bekannt sein. Für mich eine der schönsten Familiengeschichten der letzten Jahre.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Familiengeschichte, 5. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
Der Debütroman der Radiomoderatorin Marion Brasch ist keine Biographie, es ist ein leichtes, humorvolles, teils schmerzliches, teils ironisches, aber vor allem bewegendes Buch über ihre bekannte Familie.

Ihr Vater war stellvertretender Kulturminister der DDR, der nach dem 2. Weltkrieg fasziniert war von der Idee, ein besseres Deutschland aufzubauen. Er war sehr linien- und prinzipientreu und das verlangt er auch von seiner Familie. Als die Söhne nacheinander anfangen, sich dagegen aufzulehnen, kommt es fast zum Bruch. Vater Brasch verliert seine Stellung, die Familie muss umziehen, die Mutter erkrankt an Krebs, die Brüder entfremden sich von der Familie. Dazwischen Marion - immer auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Die Zerrissenheit der Familie überträgt sich auch auf sie und ist ihr ständiger Begleiter.

Mit viel Witz und Humor erzählt die Autorin über ihre Kindheit und Jugend, die unprätentiöser verlief als man erwarten würde. Es ist leicht und flüssig geschrieben und daher auch schnell zu lesen. Aber die Geschichte bewegt - und lässt den Leser so schnell nicht mehr los. Da es als Roman verfasst wurde, bleiben die meisten Figuren namenlos, werden nur umschrieben. Ihre Brüder sind nur der ältere, mittlere und jüngere Bruder. Das fand ich anfangs etwas befremdlich, aber man gewöhnt sich daran, unterstreicht das doch die eher objektive Schilderung der Geschichte. Der Leser soll nicht durch Namen abgelenkt werden. (Wer sich dafür interessiert, wer hinter den namenlosen Personen steckt, kann das schnell rausbekommen - und wenn nicht, stört es auch nicht weiter.) Überhaupt wirkt der Roman auf den ersten Blick recht distanziert. Aber das war wahrscheinlich der einzige Weg, die Geschichte der Familie Brasch dem Leser näher zu bringen.

Es ist nicht leicht, über einen biographischen Roman zu urteilen. Es gibt dort keine schwachen Charaktere, keine fehlende Plausibilität. Trotzdem hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle etwas mehr gewünscht - wobei ich nicht einmal genau sagen kann, worin dieses "Mehr" besteht. Ich hatte nur ab und zu den Eindruck, als fehle etwas. Aber das ist nur subjektiv.

"Ab jetzt ist Ruhe" kann ich trotzdem jedem interessierten Leser nur empfehlen.Es vermittelt einen Eindruck vom Leben in der DDR und regt zum Nachdenken an. Es ist ein Buch, was man so schnell nicht vergessen wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


33 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein mit großer Leichtigkeit erzählter Roman, 27. Februar 2012
Von 
carrie62 - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
In ihrem Roman erzählt Marion Brasch nicht nur die Geschichte ihrer Familie.
Sie bringt dem Leser auf berührende und gleichzeitig sehr kritische Weise die Geschichte dieses kleinen Landes DDR nahe.
Ein Land, welches nicht wenige Menschen, die dort lebten, gleichzeitg hassten und liebten - ganz besonders viele Intellektuelle.
Das tragische Scheitern an diesen inneren Widersprüchen zeigt Marion Brasch auf sehr eindrucksvolle Weise am Beispiel ihrer drei Brüder.
Und obwohl nicht nur diese drei Brüder, sondern auch Vater und Mutter bereits tot sind, ist "Ab jetzt ist Ruhe" kein trauriges Buch.
Im Gegenteil: Man staunt, mit welcher Leichtigkeit die Autorin erzählt.

Wenn es damit den hohen literarischen Ansprüche mancher Feuilletonisten nicht entspricht,
so erreicht es sicher die Herzen der unbefangenen Leser.
Und hoffentlich auch die Herzen vieler junger Leser.
Eben weil es in einer so leicht zugänglichen Form geschrieben ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ganz toll, 13. Oktober 2014
Von 
Frau Feder "Blume" (Eggern bei Heidenreichsein) - Alle meine Rezensionen ansehen
Leicht und nicht seicht, spannend, denn ich wollte von der ersten bis zur letzen Seite wissen, wie es weitergeht. Besonders fasziniert hat mich die gerade herauserzähle Sprache, ohne Verschnörkelung und künstlichem literarisch sein wollen. Schon lange nicht so ein Lesevergnügen gehabt und ich lese sehr viel.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bewegendes Porträt einer Künstler-Familie in der DDR, 22. Februar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
Mit ihrem Debütroman "Ab jetzt ist Ruhe" gelingt Marion Brasch ein berührendes Porträt einer extrem talentierten und eher glücklosen Künstler-Familie in der DDR.

Die Eltern von Marion und ihren drei Brüdern sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus den englischen Exil nach Ost-Berlin gezogen. Der Vater - ein überzeugter Kommunist - wird immerhin stellvertretender Kulturminister der DDR. Seine Kinder hingegen rebellieren mehr oder weniger stark gegen seine strikte Auslegung des Kommunismus. Der älteste Bruder verlässt sogar die DDR. Mit jeder öffentlichen Auflehnung der Kinder fällt der Vater ein Stück mehr in Ungnade des Regimes. Dennoch bleibt er bis zuletzt überzeugt, dass die DDR für eine gerechte Gesellschaftsordnung steht.

Die Autorin wächst als Jüngste von vier Geschwistern auf. Ihre drei Brüder sind jeder auf seine Art außergewöhnlich begabt. Thomas und Peter Brasch feiern als Schriftsteller und der mittlere Bruder Klaus als Schauspieler Erfolge. Marion bleibt immer die kleine Schwester, um deren Gunst sich alle drei Brüder streiten, und doch wird sie nie ganz ernst genommen. Eine nicht ganz einfache Familienposition für Marion, die umso schwieriger ist, als die drei Brüder mehr und mehr selbstzerstörerische Züge erkennen lassen. Alle drei können aus ihrer Kreativität keinen dauerhaften Lebensmut gewinnen und verfallen zunehmend ihren Süchten. Und so beerdigt die Autorin ein Familienmitglied nach dem anderen.

"Ab jetzt ist Ruhe" ist in zweierlei Hinsicht ein reizvoller und bewegender Roman. Zum einen gewährt er eine Innenansicht in die Brüche innerhalb der DDR-Gesellschaft. Marion Brasch urteilt nicht, sie beschreibt die Leiden und Freuden einer Gemeinschaft, die doch mal alles besser machen wollte. Zum anderen schildert der Roman die Geschichte einer ganz besonderen Familie, reich an Begabung und scheinbar arm an Glücksgefühlen. Ein literarisches Meisterwerk ist das Debüt jedoch nicht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der Sicht der kleinen Schwester, 31. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
Marion Brasch hat mir mit ihren Debütroman "Ab jetzt ist Ruhe" unglaublich genussvolle Lesestunden beschert.
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes: Es ist die Geschichte einer Familie jüdischer Abstammung in der DDR, aus der Sicht der "kleinen Schwester" erzählt. Eine Familie, die es nicht ganz so einfach hatte, trotz der Privilegien, die sie genossen hatte, denn der Vater war ein hoch angesehener Funktionär.
Warum diese Familie so war wie sie war, was deren Mitglieder bewegt hat, mit welchen Konflikten sie leben mussten und mit welchen Vorurteile sie konfrontiert wurden, erfahren wir in diesem wunderschönen Buch von Marion Brasch.
Aber auch sehr viel Schönes lesen wir, denn nicht alles war negativ, nicht in dieser Familie, auch nicht in der DDR.

Marion Brasch schafft es mit ihrem Erzählstil, dass der Leser in ihre Geschichte eintaucht. Man fühlt mit dieser kleinen Schwester und man kann sich sehr gut ihre Welt vorstellen.
Man begleitet sie auf ihrem Weg, der sie immer wieder zu ihrer Familie zurückführt, auch wenn sie sich oft das Gegenteil gewünscht und vorgenommen hat.

Während der Lektüre dieses Buches habe ich oft gelacht, dann wurde ich mal traurig, mal habe ich Hoffnung daraus geschöpft, mal war ich entsetzt und dann wieder solidarisch.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, es fiel mir immer sehr schwer, Pausen während der Lektüre einzulegen. Es ist ein Buch, das eine (hauptsächlich) wahre Familiengeschichte erzählt, und das mich gefesselt und berührt hat, weil ich gespürt habe, dass die Melancholie in dieser Familie das überwiegende und gemeinsame Gefühl im Laufe deren Werdeganges war.

Etwas Interessantes in diesem Buch ist die Tatsache, dass die Meisten der Figuren keinen Namen bekommen haben.
Mir hat es Spaß gemacht, immer wieder zu überlegen, wer sich hinter der Beschreibung der Charaktere versteckt... und man erlebt so manche Überraschung...

Dieser Roman hat bei mir Eindruck und gleichzeitig eine Leere hinterlassen. Er hat mich auch etwas traurig und nachdenklich gemacht...
So ähnlich wie nach einem schönen Film, nach dessen Ende man noch lange im Kinosaal sitzen bleibt, den Abspann sehend, mit der Hoffnung, dass noch etwas kommt, das einem sagt, die Geschichte ist doch nicht zu Ende, aber irgendwann sind die Lichter an und man merkt, man ist ganz allein und das Leben geht weiter.
So kann ich den Moment beschreiben, nachdem ich die letzte Seite gelesen und das Buch zugeklappt habe.

Ich danke Marion Brasch für dieses Buch.
Ein Buch, das sie für ihre Tochter geschrieben hat und das wir auch lesen dürfen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familien und Zeitgeschichte spannend und berührend erzählt, 27. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
bin ungefähr gleicher Jahrgang wie MB und mich hat dieses Buch gerade auch durch ihre Authentizität und Auseinandersetzung mit ihrer Familie und der DDR in all ihren Widersprüchen wie auch schönen Erlebnissen gefesselt, Sie hat nicht nur als Radio1 Moderatorin eine reiche Sprache sondern auch im Schreiben, das hat mich sehr berührt und ich hab dieses Buch mehrfach weiter verschenkt.
Wer sich für das Leben in der DDR, wer sich für besondere Familiengeschichten über die Zeit bis zum Erwachsenwerden, wie verhalte ich mich in Widersprüchen,.... wirklich interessiert - dann bitte lesen! Das ist Marion Brach so wunderbar gelungen, dies nach etlichen Jahren so berührend, spannend und kompromisslos und literarisch anspruchslos festzuhalten! Danke Marion Brasch! Großes Kompliment!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verwirrendes Familienleben im Dunstkreis einer einseitigen Ideologie, 5. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
In einem lockeren, leichten und teilweise selbstironischen Ton hat Marion Brasch einen einnehmenden Familienroman über ihre Familie verfasst.

Ihr Vater ist als jüdischer Junge mit einem Kindertransport vor den Nazis nach Großbritannien geschickt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte er ausgerechnet zurück nach Ostdeutschland. Aus dem gläubigen Katholiken mit jüdischen Wurzeln war ein überzeugter Kommunist geworden. Die Mutter stammte aus Wien, wo man zum jüdischen Großbürgertum gehörte. Die Familie hat in England den Weltkrieg überlebt. Über die Heirat mit dem Kommunisten war Marions Mutter, die elegante Erscheinung der '"Oma London"', nicht gerade begeistert.

Marion Brasch war ein Nachzüglerkind. Die drei älteren Brüder sind früh schon wach und kritisch dem kommunistischen System gegenüber. Zwei von ihnen wurden bekannte Schriftsteller, einer Schauspieler. Der älteste verließ die DDR und brachte den Vater damit in ernste Schwierigkeiten.

Marion tummelt sich zwischen den von ihr bewunderten Brüdern und einem Vater, der zermürbt von den schwierigen politischen Balanceakten und dem frühen Tod von Marions Mutter einen cholerischen und autoritären Eindruck abgibt. Er hatte verschiedene hohe Ämter in der DDR inne, die ihm Privilegien brachten. Doch wirklich glücklich war er mit dem Sozialismus, wie er dort praktiziert wurde, wohl nicht.

Marion Brasch schreibt mit trockenen Humor über lakonische Einsichten und wurschtelt sich durchs Leben. Sie versucht weitgehend, es dem Vater recht zu machen und geht zunächst den Weg einer angepassten, sozialistischen Arbeiterin. Innerlich spürt man ihre kritischen Reflexionen über ein System, das auch ihr nicht geheuer erscheint. Weitgehend auf sich selbst gestellt ist sie mit sechzehn Jahren eine Halbwaise, die sich Freunde und Freundinnen sucht, mit denen sie altersgemäße Vergnügungen teilt. Eindrucksvoll ergeht sie sich in den Beschreibungen des sozialistischen Alltags und in Betrachtungen des chaotischen Familienlebens, in dem viel Streit und Zoff herrschte. Die Brüder waren begabte Künstler, die als starke Persönlichkeiten beschrieben werden. Über dem Leben aller aber lag die Dunstglocke eines vertrackten Systems, in dem Terror, Einseitigkeit und Bevormundung herrschte.

Mit Spannung folgt man den Jahren des Umbruchs in der ehemaligen DDR und bekommt Einblicke in das Leben dieser jungen Frau, die eigensinnig ihren Weg sucht. Gegen Ende der Erzählung hin werden ihre Worte knapper. Sie sind klar und ruhig. Der Satz, mit dem sich die Mutter am Abend von den Kindern verabschiedete, "ab jetzt ist Ruh" klingt lange nach. Über ihn findet die Autorin versöhnliche Worte zu ihren Brüdern, die sie doch lebenslänglich als kleine Schwester behandelt hatten, die man eh' nicht so ernst nahm.

Ein gelungenes, äußerst differenziert und feinfühlig beschriebenes Familienleben finden wir in dieser Geschichte, die in ihrem Gesamteindruck noch lange nachhallt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erstaunlich reifes Debüt mit bewegenden Erinnerungen an das Leben in der DDR, 28. März 2012
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
Zum zehnjährigen Todestag von Marion Braschs Bruder, dem Multitalent, dem großen Lyriker und Dramatiker Thomas erschien 2011 im Arche Verlag das Buch "Kinder der Preußischen Wüste". In diesem weit gefächerten, leider recht mittelmäßigen Buch kommt Marion Brasch überhaupt nicht vor. Das hätte möglicherweise der Auslöser für das Schreiben dieses Debütromans gewesen sein können, doch Marion Brasch hat in einem Interview gesagt: "Meiner Tochter wollte ich die Geschichte erzählen". Vielleicht ist deshalb der Untertitel doch, je nach Sinnverwandtheit, eher eine beschönigende Umschreibung.

Ihre erste Buchveröffentlichung "Ab jetzt ist Ruhe" soll nicht an das bekannte "Ins-Bett-bring-Ritual" aus Kindertagen erinnern, sondern sie möchte damit auch zum Ausdruck bringen, dass die Geschichte der DDR-Nomenklatur, die Geschichte des sozialistischen Regimes, all das was mit dem Leben in dem merkwürdigen deutschen Staat verbunden nun in Frieden ruhen möge. In dieser Beziehung hat der Roman in seiner Zielsetzung gewisse Ähnlichkeit mit Eugen Ruges Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" (s. meine Rezension 10.03.2012). Auch Ruge rechnet nicht ab, wenn er auch in wesentlichen Passagen kritisch mit den Überresten alter Kulturen umgeht, aber Marion Brasch erzählt eine ostdeutsche Familiengeschichte die zeitweise mit einer Prise von verklärtem Blick daherkommt und oft die scheinbar auch die Zielsetzung hat mögliche Idylle des Systems aufzuzeigen, zumindest aus dem Milieu der Funktionärsschicht. In dieser Beziehung hat die Autorin auch eine ganz andere Sichtweise wie beispielsweise Julia Frank, die in ihrem Roman "Rücken an Rücken" (s. meine Rezension19.02.2012) von brutalen, angsttraumhaften Zuständen berichtet.

Das Schicksal der Familie Brasch ist mit der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts auf äußerst schmerzliche Art und Weise verstrickt. Eigentlich schreibt man eine Familiengeschichte als Biografie, Marion Brasch hat die Bitterkeit eliminiert und als Medium die Romanform gewählt, genauer die Autografie, in der sie nun mit sensiblem erzählerischem Geschick, in heiterem Smalltalk, mit viel Humor und Leichtigkeit - obwohl es eine sehr harte und schmerzliche Geschichte ist - die bewegende, auch für sie sehr wichtige Familiengeschichte dem Leser vermittelt. Die einzig Überlebende der Familie bleibt in ihrem Schreiben sehr nah an ihrer Familie, an Eltern und Brüdern, und nutzt damit vielleicht auch bewusst die Gelegenheit rückblickend ihre Familie besser zu verstehen, die eine oder andere schwierige Szene besser zu hinterfragen.

Der Vater Horst Brasch war wegen seiner jüdischen Herkunft während der NS-Diktatur nach England emigriert, hat dort die FDJ mitbegründet. Im Exil lernte er seine aus einer sehr wohlhabenden Familie stammende Frau Gerda kennen, mit der er dann 1946 in die DDR übersiedelte. In der DDR stieg Horst Brasch schnell auf, wollte als Politiker seine Ideale verwirklichen und war für kurze Zeit stellvertretender Minister für Kultur. In der sehr ungewöhnlichen Familie nahm alles einen tragischen Verlauf. Es gab vier kluge, autonome Kinder die einen anderen Weg einschlagen als der Vater. Das zerreißt zwangsläufig die Familie.

Die beiden Brüder die Schriftsteller Thomas und Peter, genau so wie der Schauspieler Klaus sind alle sehr früh gestorben. Der 1945 geborene älteste Sohn hat die Verletzungen, die er durch das DDR Regime und die Erziehung seines Vaters erlitten hat, nie überwunden. Er war Opfer des Systems. Selbst als er staatsfeindliche Flugblätter wegen der Niederschlagung des Prager Frühlings verteilte hat der Vater seine Treue zum System über die Liebe zu seinem Sohn gestellt. Der Sohn kam ins Gefängnis, doch auch für den Vater war es das Ende der Politkarriere. Thomas, dessen berühmtester Roman "Vor den Vätern sterben die Söhne", so etwas wie eine Vorahnung war, floh dann 1976 in den Westen. Alle drei Söhne die mehr oder weniger verbissen gegen die Autorität des Vaters und die ganze Vätergeneration aufbegehrten starben früh an Drogen, Alkohol oder einer Überportion von Tabletten - "sie haben sich aus dem Leben getrunken"- schreibt Marion Brasch. Die einzige Überlebende der Familie Marion Brasch war erst 14 Jahre als ihre Mutter 1975 starb. Sie suchte als kleine Schwester die Versöhnung mit dem Vater, rebellierte nicht offen gegen das System, stieß dabei aber auf der Suche nach dem eigenen Leben im "falschen" oder "richtigen" Leben oft auch an ihre Grenzen. Der Vater, der 1989 starb, hat den Abgesang auf seine sozialistischen Ideale, an die er bis zum Schluss geglaubt hat, nicht mehr wirklich miterlebt. Dieser Vater war ein sehr strenger, autoritärer, Prinzipien treuer Mensch, eine dominierende Figur im Familienverbund, um den sich alles drehte. Dass dann doch nicht so funktionierte, wie er sich das vorgestellt hatte kann man in dem Buch lesen und weiß so weshalb die Familiengeschichte diesen Verlauf genommen hat. Die Ideale auch in den Kindern verwirklicht zu sehen war das Anliegen der Eltern. Der Entzug der elterlichen Wärme und Liebe hat in gewisser Weise auch traumatische Defizite mit sich gebracht und in der Folge zu starken destruktiven Kräften geführt, denn ihre Brüder hatten alle Bindungsprobleme, Alkoholprobleme und Drogenprobleme. Ohne rückwirkend hinterfragend zu analysieren, erzählt Marina Brasch wie sich ihre rebellischen Brüder gegen den Vater aufbegehrten, um sich so aus der Dominanz des Vaters zu befreien.

Die Autorin war in diesem "Vierer Männerverbund" das einzige Mädchen, dazu das Nesthäkchen, sie konnte sich besser schützen, der Vater war ihr gegenüber auch wesentlich großzügiger, hat sie nicht so verletzt wie die Brüder. So war ihr Verhältnis zum Vater inniger. Das bewahrte sie vor einem Absturz. Eine kleine Sucht, die sie dennoch hatte, die sie aber überwinden konnte, wird in dem Buch auch erwähnt. Man hat als Leser auch den Eindruck, dass die Autorin außerdem eher als ihre Brüder im Stande waren, Kompromisse einzugehen, das heißt einen Mittelweg zu gehen, ohne sich kompromisslos gegen die ideologischen Erwartungen des Vaters aufzulehnen. Sie war in gewisser Weise viel opportunistischer, vielleicht auch um dem Vater zu gefallen. Auch dieser Opportunismus, den sie dann später abgelegt hat, hat sie wahrscheinlich auch vor einem Absturz bewahrt.

Vielleicht war dieser Roman für die Autorin in gewisser Weise auch eine Therapie, um im Nachhineinen Risse, Brüche und Missverständnisse, die es immer wieder innerhalb der Familie gab, besser zu verstehen. Und die Autorin schreibt in einem Ton der den Leser nicht bedrückt macht und auch nicht runter zieht. Sie nutzt die Romanform, um Fakten und Fiktion zu mischen, denn einige Leerstellen füllt sie mit nicht biografischen Passagen. Für ihre Brüder, die ihr oft sehr fern und fremd waren, findet sie in diesem Roman herzliche Worte der Zuneigung, Anhänglichkeit, Sympathie und bemerkenswerten Bewunderung, aber sie lässt sie namenlos.

"Ab jetzt ist Ruhe" ist, trotz enormer Fallhöhe zwischen Erlebtem und Erzähltem, eine im unterhaltsamen Plauderton erzählte, anrührende Familiengeschichte. Damit fügt die Autorin den ostdeutschen Familiengeschichten ein lesenwerte, bewegende Variante hinzu. Eine über weite Strecken durchaus auch witzige Reflektion über Marion Braschs eigenes Leben in einem Staat den es nun nicht mehr gibt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselnder Roman, 7. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie (Gebundene Ausgabe)
Bin erst auf Seite 154 und erlaube mir jetzt schon ein Urteil: Der Roman fesselt. Auf jeder Seite. Ich mag das Buch, das ich erst seit gestern habe, gar nicht mehr bei Seite legen. Es bringt mir als Wessi die untergegangene DDR näher. Prädikat: sehr lesenswert!!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 26 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie
Ab jetzt ist Ruhe: Roman meiner fabelhaften Familie von Marion Brasch (Gebundene Ausgabe - 17. Februar 2012)
Gebraucht & neu ab: EUR 3,33
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen