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TOP 1000 REZENSENTam 11. November 2014
Ja, man hat den Eindruck, manches schon gelesen zu haben, was in diesem Buch steht - aber selten so prägnant formuliert.
Ja, Byung-Chul Han ist ein Meister der Verknappung, manche mögen auch sagen, der Ausdünnung - aber er kommt ohne Umschweife auf den Punkt. Das macht seine Essays so lesbar – und populär.

Dabei ist das alles keine gefällige Kost. Sie regt zum Mitdenken an, auch zum Widerspruch.
Dass, zum Beispiel, „die Freiheit des KÖNNENS mehr Zwänge erzeugt als das disziplinarische SOLLEN“, wird nicht jeder sofort bejahen, aber es lohnt, darüber nachzudenken, und diese Aussage auf die eigene Arbeitswelt und das eigene Verhalten darin zu beziehen.

„Freiheit ist ein Beziehungswort“. Knapper kann man Freiheit kaum definieren. Und das tut erst einmal gut bei dem falschen Pathos mit dem der Begriff Freiheit in der Politik und in den Medien für die verschiednen Interessen verwendet wird.
Byung-Chul Han erweitert diese Definition dann mit: „Freiheit heißt, sich miteinander realisieren. Die Freiheit ist ein Synonym für die gelingende Gemeinschaft“, bis hin zur Aussage: Die individuelle Freiheit, die heute eine exzessive Form annimmt, ist letzten Endes nichts anderes als der Exzess des Kapitals selbst“.

Wer möchte auch leugnen, dass immer mehr Menschen zu „sich selbst ausbeutenden Arbeitern ihres eigenen Unternehmens“ werden. Was aus sozialer Sicht prekäre Arbeitsverhältnisse sein können, ist „der Ersatz der Fremdausbeutung durch die Selbstausbeutung“. Dass diese Selbstausbeutung eine ‚klassenlose‘ wäre, wie Byung-Chul Han meint, ist aber nicht nachzuvollziehen. Dafür liegen doch zu große Welten zwischen der jeweiligen ‚Ausbeute‘.

Manches erscheint zu sehr als Momentaufnahme, wie ein Stillleben, nicht als Prozess. Gerade weil heute statt der einen Freiheit viele Freiheiten bestehen , wechseln diese einander immer schneller ab und werden zu einem Ablauf zeitlich begrenzter Moden, die jeweils auch die Verhaltensmuster der betroffenen Menschen ändern. Dies dürfte meiner Meinung nach auch bei dem „digitalen Panoptikum“ der Fall werden, wie Byung-Chul Han den Bereich nennt, in dem die Preisgabe persönlicher Daten im Internet aus innerem Bedürfnis heraus, also im Doppelsinn ‚zwanglos‘, erfolgt.

Manche vom Autor dem Neoliberalismus zugeordnete Attribute sind allerdings fast gleichlautend auf andere Systeme übertragbar und in diesem Sinn ‚nichts Neues‘: zum Beispiel die Feststellung, dass „das Individuum auf sich selbst so einwirkt, dass es den Herschaftszusammenhang in sich abbildet, wobei es ihn als Freiheit interpretiert“. Das scheint doch eher eine durchgängige Überlebensstrategie (oder Selbsttäuschung) der Menschen zu sein, egal in welchem System.

Auch die Tatsache, dass Verschulden ein Herrschaftsinstrument ist, und zwar seit Jahrtausenden,
hat zuletzt David Graeber schon eindrucksvoll beschrieben. Aber es stimmt natürlich: auch in dieser Beziehung hat der Neoliberalismus Bestehendes auf die Spitze getrieben und eine neue globale Herrschaftstechnik entwickelt. Die Menschen empfinden die Schulden, die ihnen als Staatsschulden aufgebürdet werden, als ihr eigenes Verschulden, das sie akzeptieren müssen, um nicht aus dem vermeintlichen Paradies vertrieben zu werden.

Ein schmales Buch mit vielen Anregungen, zum Mit- und zum Weiterdenken.
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am 24. Juli 2015
Der deutsch-koreanische Philosoph bietet im Buch „Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken” ein knappes Essay, in welchem er auf eine klare und verständliche Weise die Grundthese des Neoliberalismus widerlegt, die vielfach propagierte Reduktion auf das Ich bringe mehr Freiheit mit sich. Im Unterschied zum klassischen Marxismus (aber mit gewissen Parallelen zum Neomarxismus von Zizek), führt er aus, der Schritt von der Ausbeutung durch Dritte zum Modell einer raubbauhaften Selbstausbeutung sei der definitive Sieg der unerbittlichen Ausbeutung. Des Individuums durch das Kapital. In der Tat ermöglicht die Selbstausbeutung und die Propagierung der andauernden Selbstoptimierung eine absolute Effizienz der Ausbeutung, welche durch Dritte nicht möglich wäre. Die propagierte Freiheit ist somit bloß eine Fassade einer absoluten Unfreiheit. Die heute allgegenwärtige Elektronik und „intelligenten“ Mobiltelefone sind hierbei nichts anderes als ein zusätzliches Element der individuellen Versklavung.
Das sozialkritische Essay analysiert das Thema mit zahlreichen Querverweisen zu Marx, Heidegger, Adorno und Foucault, indem auch verschiedene Ideen des früheren Buches des Autors „Müdigkeitsgesellschaft“ und „Duft der Zeit: Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens“ aufgegriffen werden.
Einziger Wehmutstropfen, wie so oft bei Werken vergleichbarer Ausrichtung, ist die pars destruens jedoch überzeugender als die pars construens. Dennoch liest sich das Buch überaus angenehm und interessant und ist, wie die anderen Werke, zu empfehlen.
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am 24. Juni 2016
- zusammengeklaut / kein neuer gedanke
- schlechte vergleiche und plumpe schlussfolgerungen
(: 'die herrschende macht' wird immer wieder als bipolares verhältnis zwischen subjekt und einem äußerlichen machthaber dargestellt der uns kontrollieren will, uns für seine zwecke psychologisch infiltriert; ' gleichzeitig ist das herrscher/ untergebener-verhältnis aufgelöst und intrinsisch ins subjekt verlagert: macht ihm trotzdem möglich die ganze zeit im tonus von die 'die bösen anderen' zu sprechen. hier wär es spannend gewesen mal wirklich nachzudenken. + ich warte darauf dass Han einmal Baudrillard zitiert, von der er schon im ganze buch 'Müdigkeitsgesellschaft' zusammengeklaut hat ohne ihn einmal zu erwähnen. Bsp. 'Der unmögliche Tausch' 2000, S 81 über Verhältnis zwischen Herr und Sklave: 'Er hat ihn nicht etwa getötet [der Sklave den Herrn] um Herr zu werden (das wäre die Revolution) er hat ihn absorbiert, während er voll und ganz Sklave blieb, und sogar in einem noch stärkeren Maße servil: Sklave seiner selbst.' ... kommt das bekannt vor??
- 'In ihrem Buch Gefühle in Zeiten des Kapitalismus gibt Eva Illouz überhaupt keine Antwort auf die Frage, warum Gefühle grade in Zeiten des Kapitalismus eine solche Konjunktur erleben' – Doch!! und zwar ausführlich in mehreren Kapiteln hergeleitet und plausibel gemacht. Wie kommt er dazu so ekelhaft von oben herab zu lügen?
- punchline schreibstil, der inhaltlich so reduziert, dass man gar nicht mehr weiß wo man eigentlich mit der kritik anfangen soll

insgesamt einfach nur ägerlich
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am 14. Juli 2015
"Psychopolitik" ist leider eine Enttäuschung. Statt eines Beitrags zur dringend notwendigen Analyse derjenigen Mechanismen, durch die das Subjekt in seinem Unbewussten der zeitgenössischen Herrschaft unterworfen ist (weiter als diese selbstverständliche Bestimmung geht im übrigen Hans Begriff "Subjekt" nicht), erhält man eine recht flache Reproduktion Zizek'scher Denkfiguren (an einigen Stellen angereichert durch Foucault, Agamben - aber auch die finden sich schon bei Zizek). Wirklich produktiv wird Han selbst in seinem Denken nicht. Noch schwerer wiegt, dass ihm nicht einmal mit der Reproduktion wirklich zu trauen ist: Was etwa das Unbewusste angeht, scheint sich Han bei keinem anderen Psychoanalytiker, schon gar nicht bei Freud informiert zu haben. Anders lässt sich nicht erklären, dass er etwa ein "Psychogramm des Unbewussten" für möglich hält. Ein vollkommenes Missverständnis dessen, was man seit Freud als das Unbewusste versteht. Inhaltlich ist mit all dem gar nichts anzufangen. Es gibt hier nichts Neues, nichts halbwegs Eigenständiges. Zudem ist Hans kinderbuchartiger Subjekt-Prädikat-Objekt-Stil eine Zumutung für den Leser. Dass man ausgerechnet ihn als Star der deutschen Philosophie feiert, sagt viel aus über den intellektuellen Zustand der deutschen Gegenwartsgesellschaft. Han selbst ist letztlich ein Symptom jener Zustände, die er kritisiert.
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am 3. September 2014
Dieses Buch von Byung-Chul Han ist schlicht und ergreifend ein Ärgernis. Das beginnt beim Schreibstil, der besserwisserisch, altklug, belehrend und manchmal sogar arrogant klingt. Die Fortsetzung findet das Ärgernis in tautologischen, noch dazu unbelegten Behauptungen wie: „Die neoliberale Psychopolitik ist die Herrschaftstechnik, die vermittels psychologischer Programmierung und Steuerung das herrschende System stabilisiert und fortführt.“

Noch ärgerlicher ist aber der Inhalt des Buches. Zum einen wimmelt nur so von Trivialitäten, z.B. dass die moderne Arbeitswelt Selbstausbeutung fordere und fördere bis hin zum Burn-out. Ein Satz wie „Das Leistungssubjekt, das sich selbst frei wähnt, ist in Wirklichkeit ein Knecht“ stand sinngemäß schon tausend Mal zu lesen, z.B. in Wallensteins Tod von Friedrich Schiller: „Es denkt der Mensch die freie Tat zu tun, umsonst! Er ist das Spielwerk nur der blinden Gewalt, die aus der eignen Wahl ihm schnell die furchtbare Notwendigkeit erschafft.“ Im Unterschied zu Byung-Chul Han, bei dem der Knecht keinen Herren hat, nennt Schiller wenigstens Ross und Reiter, auch ein Grund, warum er nach mehr als 200 Jahren noch gelesen wird, was Psychopolitik von Byung-Chul Han kaum passieren dürfte. Sich frei zu wähnen, ohne tatsächlich frei zu sein, ist Kennzeichen der konditionierten Machtausübung, die Steven Lukes in „Power – A radical view“ schon vor vierzig Jahren detailliert analysiert hat.

Nun könnte man vielleicht noch akzeptieren, dass es so was gibt, wie anonyme oder verborgene Mächte, die das Individuum steuern, würde Byung-Chul Han nicht darauf bestehen, einen besseren, neuen Mechanismus der Machtausübung entdeckt zu haben. „Die smarte Macht mit freiheitlichem, freundlichem Aussehen, die anregt und verführt, ist wirksamer als jene Macht, die anordnet, androht und verordnet. […] Man unterwirft sich dem Herrschaftszusammenhang, während man konsumiert und kommuniziert.“

Die Erklärung von Byung-Chul Han, nach der die systemerhaltende Macht nicht mehr repressiv, sondern verführend ist, greift zu kurz. Sie ist nur ein Teil der Erklärung, warum der Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter so stabil ist. Denn die „verführende“ Macht kann nur die Menschen beherrschen, die sich selbst ausbeuten. Es gibt aber neben der bereits erwähnten konditionierten noch andere Formen der Macht, allen voran die repressive. Sie ist keineswegs verschwunden, wie Han suggeriert, nur wird sie nicht mehr physisch, sondern psychisch ausgeübt. So schüren Arbeitgeberverbände die Angst vor Arbeitsplatzverlusten, wenn die Löhne mehr als die Inflationsrate steigen oder wenn Mindestlöhne eingeführt werden sollen. Arbeitslose werden unter der Androhung von Leistungskürzungen gezwungen, beinahe jeden angebotenen Job anzunehmen, ob er nun ihrer Qualifikation entspricht oder nicht. Beides ist repressive Machtausübung durch Verbreitung von Angst.

Eine weitere Form von Macht, die kompensatorische (auch Belohnungsmacht genannt), die die Kernkompetenz des Kapitalismus schlechthin ist, war noch nie so ausgeprägt wie heute. Was sonst sind – neben auskömmlichen Löhnen für gut die Hälfte der Arbeitnehmer - die im Finanzsektor gezahlten Boni oder die Millionen von Dienstwagen, die deutsche Firmen ihren Angestellten zukommen lassen? Oder die Erfolgszulagen amerikanischer Hedgefondsmanager, die sich für die besten auf mehr als 1 Milliarde (nicht Million!) US Dollar belaufen.

Auch die strukturierte Machtausübung (oder Gouvernementalität), die nach Foucault die Lebensumstände der Menschen so verändert, dass sie sich freiwillig so verhalten, wie die Mächtigen es wollen, ist allgegenwärtig. Rankings, Kundenbewertungen oder Zertifizierungen, um nur einige Instrumente zu nennen, dienen alle diesem Zweck. Denn die Beurteilungskriterien setzen die Mächtigen, und die Individuen verhalten sich so, damit sie nach den Kriterien gut beurteilt werden. Hinzu kommt, dass man die verführende Macht, der Han so große Bedeutung beimisst, auch als strukturierte Macht im Sinne Foucaults auffassen kann.

Somit liefert Byung-Chul Han nur einen Teil der Erklärung dafür, warum der Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter so stabil ist. Wer nach tiefer greifenden und umfassenderen Erklärungen sucht, sollte zumindest noch in John Kenneth Galbraiths „Anatomie der Macht“, in Steven Lukes' „Power – A radical view“, in Bertrand Russels „Power“ und in Michel Foucaults „Analytik der Macht“ nachschlagen. Gut lesbar und knapp sind deren Ansätze z.B. bei Harald Trabold „Kapital Macht Politik. Die Zerstörung der Demokratie“ im Kapitel 5 zusammengefasst. Wer dort nachschlägt, wird schnell feststellen, dass die Idee der „verführenden“ Macht als Mischung aus kompensatorischer und strukturierter Machtausübung bei den zuvor genannten Autoren bereits enthalten ist.

Befremdlich mutet an manchen Stellen Byung-Chul Hans Interpretation der Realität an. So werde der heutige Kapitalismus von „immateriellen und unkörperlichen Produktionsformen bestimmt“. Das mag für ein paar Kopfarbeiter wie Universitätsprofessoren, Programmierer oder Designer gelten, nicht jedoch für die Arbeiter, die in den Fabriken der Schwellen- und Entwicklungsländer Kleider nähen oder Smartphones und Tablets zusammenbauen. Und auch in deutschen Schlachthöfen werden Schweine und Rinder nicht virtuell, sondern mit Körpereinsatz zerlegt, auf Baustellen wird nicht immateriell ein Stein auf den anderen gesetzt und auch der Müll fährt nicht ohne das Zutun von Arbeitern in die Verbrennungsanlage. Wer solchen empirischen Unsinn von sich gibt, schreibt auch Sätze wie: „Im neoliberalen Regime existiert eigentlich kein Proletariat, keine Arbeiterklasse, die vom Eigentümer der Produktionsmittel ausgebeutet würde.“ Wenn es keine Ausbeutung mehr ist, dass osteuropäische Arbeiter für weniger als 1000 Euro im Monat über 60 Stunden die Woche auf Schlachthöfen malochen und davon noch horrende Mieten für ein 8-Bettzimmer in einer heruntergekommen Pension abdrücken müssen, was bitte ist es dann? Von den Bauarbeitern aus Indien, Pakistan oder Bangladesch, die für die Kapitalisten in Arabien bei 40 Grad im Schatten arbeiten und dabei massenweise sterben, wollen wir erst gar nicht reden.

Es mag sein, dass einige digital natives, die sich als freie Selbstoptimierer noch nie mit grundsätzlichen Fragen der Machtausübung oder Steuerung von Individuen in Gesellschaften befasst haben, die Idee von der verführenden Macht faszinierend finden. Doch leider gilt für dieses Buch der boshafte Spruch, mit dem ein Prüfungskomitee einst einen Doktoranden abkanzelte: „Sie haben in Ihrer Dissertation viel Gutes und Neues geschrieben. Nur das Gute war nicht neu und das Neue war nicht gut.“ Mehr als einen Stern hat dieses Werk deshalb auch nicht verdient.
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Das Buch von dem Philosophen und Medientheoretiker Byung-Chul Han (1959- ) will den Leser sensibilisieren. Für den Autor ist der Neoliberalismus ein sehr effizientes System, dass die scheinbare Freiheit des Individuums dazu zu nutzt diese Freiheit zur höchsten Selbstausbeutung zu optimieren.

Der Autor zeigt u.a. Big Brother lagert seine Arbeit aus auf den Nutzer, der aktiv seine Daten frei Haus liefert und so mit an dem "Panoptikum" baut, durch freiwillige Selbstausleuchtung und Selbstentblößung. Aus den gesammelten Daten, dem Big Data, werden nicht nur das Individuelle sondern auch das kollektive Psychoprogramm erstellt, möglicherweise bis ins Unbewußte hinein (S.35).

Das Prinzip der Negativität, das noch den Überwachungsstaat von Orwell (1984: in der Übersetzung von Michael Walter) bestimmte, weicht dem Prinzip der Positivität. Bedürfnisse werden nicht unterdrückt sondern angeregt (S.55) Es wird suggeriert, das Leben besteht nur aus positiven Emotionen und Flow Erlebnissen. "Die neoliberale Psychopolitik ist eine smarte Politik, die zu gefallen, zu erfüllen versucht, statt (Wünsche) zu unterdrücken." (S.51)

Der Autor erklärt den neuen Spielmodus der mit "Likes", "Friends" oder "Follower" gefördert wird und dieses schnelle Erfolgs- und Belohnungssysteme generieren im Gegenzug die Bereitschaft mehr Leistung und Selbstausbeutung freiwillig zu erbringen.

Fazit: Das Buch ist eine konsequente Zusammenfassung seiner früheren Bücher und in dieser Zusammenstellung hat es mir gut gefallen.
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am 7. Dezember 2014
Ich gebe die zwei Punkte schweren Herzens, denn die Art und Weise wie Byung-Chul Han sich selbst formuliert, ähnelt einem Bohrkopf, der sich aus dem Untergrund quer hochbohrt zur Erdoberfläche des derzeitigen Denkens. Das ist ein Kompliment ja. Andererseits ist einiges in gewisserweise ein wenig plagiert und trivialisiert:

ich bin gerade auf Seite 82 angekommen, wo Hand über Big Data und korpulierenden Zahlen spricht, da Big Data additativ ist, es fügt sich selbst in der Unendlichkeit hinzu und potenzialisiert sich. Das Letzte ist natürlich als Korpulation, Selbstvermehrung, anzusehen, während die Ausgestelltheit der Daten durch ihre Transparenz pornographisch ist.
In gewisser Weise ist das originell formuliert, aber es mutet an, was Marshal McLuhan sagte: "Media is Promiscuious" (promiskuiös), was Jean Baudrillard: "Media is orgiastic" noch einmal verschärft hatte, als hätte er in einem intimen Tagebuch Charles Baudelaire den gelesen, dass die Orgie der Lyrizismus der Massen ist.
Ist das nun plagiert oder durch die andere Formulierung noch einmal originiell?

Dann gibt es eine Passage zu Michel Foucault in diesem Buch und dem, was er in seiner Vorlesung "Geburt der Biopolitik" gesagt hatte. Han stellt Foucault dar als hätte er den Neoliberalismus unterschätzt und unterstützt, als er gesagt hat, dass im Liberalismus als auch dem Neoliberalismus der Markt Freiheit produziert. Dabei ist Freiheit für Foucault genau das Paradigma mit dem Han anfängt- für Foucault ist der Begriff der Freiheit nichts anderes als ein Objekt und Sujet der Macht. Das weiß man, wenn man Foucaults "Wille zur Wahrheit" gelesen hatte, denn der letzte Satz im Buch behandelt schließlich die Ironie, dass sich die sexuelle Aufklärung, sich als Befreier sieht. Die Freiheit der sexuellen Revolution ist sich selbst gegenüber ein ironischer Begriff, eine Freiheit, die nicht ganz frei ist.

Han ist dabei nicht dumm und außerdem hat er ja auch ein Buch "Was heißt Macht?" verfasst, wo er Foucault auch genaustens und Präzise analysiert. Nur tut er es hier nicht, damit er schließlich ein originelles Paradigma hat mit dem er anfangen kann. Außerdem freuen sich doch Deutsche Intellektuelle inzwischen darüber der französischen Poststrukturalismus-Bewegung, zu der Foucault ja gehört, eins auf die Fresse zu geben. Es ist ein Kalkül durch welches Han sich selbst profiliert in der Formulierung, aber nicht ganz in den Fakten.

Im Grunde scheint Han hier auch ähnlich Peter Sloterdjikes "Du musst dein Leben ändern" oder Judith Butler, ein Text nach dem anderen auseinander zu nehmen, statt auch geschichtliche Fakten, wie Foucault. Man darf dabei berücksichtigen, dass Han auch Abschnittsweise versucht alle modernen Techniken des linguistic turn als auch die Dekonstruktion des Poststrukturalisten Jacques Derrida zur Analyse zu benutzen.

Andererseits muss man doch Arg bedenken, dass Han hier sagt, dass Foucault, wäre er nicht verstorben, seiner Definition einer Biomacht vllt. überdacht hätte zu einem Begriff der Psychomacht. Fakt ist aber, dass Foucault der Biomacht über sieben Jahre seines Lebens wohl überlegt hatte. Han hat dieses Konzept zwar auf alle Werke nach "Überwachen und Strafen" verlegt, aber selbst in "Überwachen und Strafen" steht, im ersten Kapitel: "Die Seele ist Instrument und Effekt politischer Anatomie; die Seele ist das Gefängnis des Körpers." (zumindest in der Englischen Übersetzung) ---- Wie steht das in irgendeinem Sinne dem Konzept einer Psychomacht entgegen?

Fakt ist, dass Foucaults Werke es der Geschichtswissenschaft ermöglicht haben Rassismus, Sexismus und Kapitalismus aus ganz anderen Perspektiven zu sehen, vor allem in der USA. - hierin in alle dem nichts. Deutschland hinkt den Geisteswissenschaften ungefähr 70 Jahre hinterher. Kein Wunder, wenn man, um jemand zu sein so profilieren muss wie Han es hier tut!

Dabei gefällt mir sein Stil und ich denke mir, wenn er so argumentiert, versetzt er sich auch gleichzeitig in die Position eines Fox-News-Reporter und kommt der Prolemik und Dummschwätzerei entgegen, indem er aus der Verfälschung heraus seine These dekonstruiert. Vielleicht erklärt es auch die Einfachheit der Sätze.

Nun, ich mag Byung-Chul Han und kaufe gerne seine Bücher, nur weiß ich auch ganz genau wann er mich beschummelt.
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am 24. August 2014
"Gleichwie ein Tier durch den Verlust der Augen durchaus untauglich wird, so
ist die der Wahrheit beraubte Geschichte nichts als eine unnütze Erzählung."
(Polybios, 200-120 v.Chr.)

Wer den Berliner Philosophen Han (1959- ) schon häufiger gelesen hat, wird seinen kurzweiligen Abriss durch den Neoliberalismus kennen. Der Leser weiß dann von den Gründen der Müdigkeitsgesellschaft, kennt die Vorteile der Muße als Duft der Zeit und weiß davon, dass jede Form der Transzendenz mit der Transparenz dem Ende zu geht. Er weiß davon, dass diese Zeit jenseits der Disziplinarkultur liegt, dass alle Biopolitik in die nächst Stufe geführt wird und das Bernard Stiegler in seinem ausgezeichneten Buch über den Weg in die Psychopolitik das Fernsehen ausmachte als Treiber einer passiven Jugendkultur, die sich berieseln lässt, anstelle zu handeln. Hans Psychopolitik beginnt jenseits des Fernsehens, dort, wo die digitale Welt ihre Kommunikation hat. In den sozialen Medien wird die Psyche als neues Zentrum der Produktivkraft entdeckt.

Über all diese Sichtweisen und Veränderungen handelt dieses Buch. Es geht über den passiven Teil des Verhaltens hinaus und begreift genau die digitale Kommunikation als aktive, freiwillige Selbstaufgabe einer inneren Struktur und Haltung hin zu dem Primat der Selbstveröffentlichung der eigenen Persönlichkeit unter Betrachtung aller Medien im sozialen Austausch.

Diese Freiwilligkeit ist eine gesteuerte Freiwilligkeit, die, honoriert von Likes, Freunden und Followern, im Prinzip dem neuen Menschen seine Freiheit nimmt, ihn animiert, sich zu veröffentlichen und im Falle falscher, konsensfreier Aussagen diszipliniert im Panoptikum seiner selbst mit dem Entzug (Bann) der Token des Lobes, den Likes und Favs und der Aufkündigung digitaler Freundschaften (Bannoptikum, Z.Bauman).

All diese Veröffentlichungen und Bewertungen formen einen gestreamlineten Menschen, dem eine - hinter einem BIG DATA Algorithmus liegende - vorhersagbare Zukunft angedient werden soll. Dataismus wird zum neuen Zauberwort, in dem allein in der Methode des Sammelns, sprich Addierens einer Erzählung der Esprit genommen wird. Denn Hegels Logik folgend, braucht jede Vernunft einen Schluss und der liegt nicht in dem Ende, dem noch alles hinzufügen ist, sondern in dem Ende, das auch das Ende einer Erzählung ist.

Nichts liegt also ferner, als in dem Jetzigen eine individuelle Wahrheit, ein Subjekt zu entdecken. In allem, was nur aus Zahlen erwächst, ergibt sich nur ein Zählen. Es braucht eben mehr, wenn es um es ums Erzählen geht und darin liegt nunmehr Wahrheit und Individualität. Also weg vom quantified self hin zu einer publicatio sui (vgl. Foucault).

Wer sich gern in dieser Zeit den kritischen Gedanken Hans annehmen möchte, der ist richtig hier und greift zu. Er spürt vielleicht wieder jenseits aller kurzen Affekte, dass ein Gefühl von Dauer im Glauben an sich selbst sich einstellen kann. Geführt von einer Narration des Lebens, weniger geführt von einer Addition von Erlebnissen ohne Zusammenhang.
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am 25. Januar 2016
Dieses Buch entblößt schonungslos den "Geist" unserer aggressiv-kapitalistischen Zeit. Han schaut mit präzisem holistischem Blick auf die Zusammenhänge zwischen Staatsstruktur und individueller Belastung, benennt, erläutert und verortet diese. Am Ende des genialen Buches freut man sich, ein Idiot zu sein. Warum? Das musst du schon selbst lesen. Fünf Sterne reichen gar nicht aus für dieses Buch.
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am 27. Mai 2015
Das Buch ist ein MUSS für jeden denkenden Menschen. Wohin steuert die Menschheit? Sollen wir nur noch zu fergesteuerte Marionetten des aus den Ufern geratenen Grosskapitals degradiert werden?. So geht es jedenfalls nicht, wenn der Mensch seine Würde behalten will. Wie heißt es doch in § 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland? Alle wissen es!
Hans-Otto Farfsing - Kaiserslautern
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