Kundenrezensionen


18 Rezensionen
5 Sterne:
 (10)
4 Sterne:
 (5)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:
 (2)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben in unterschiedlichen Zivilisationen
Mit dem Roman „Americanah“ von Ch.Adichie findet erneut nach Taiye Selasi und Ayana Mathis eine farbige Schriftstellerin den Weg in die Öffentlichkeit. Er wird Furore machen!

Ch.Adichie stammt aus Nigeria und hier beginnt auch ihre Erzählung von Ifemelu und Obinze, einem Paar zu Beginn ihres Studiums in Nsukka und Ibadan. Die Ereignisse...
Vor 5 Monaten von cl.borries veröffentlicht

versus
12 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ermüdend
Die Kurzbeschreibung dieses Romans machte mich neugierig.

Hier noch einmal zur Erinnerung:

"Die große Liebe von Ifemelu und Obinze beginnt im Nigeria der neunziger Jahre. Dann trennen sich ihre Wege: Während die selbstbewusste Ifemelu in Princeton studiert, strandet Obinze als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren kehrt Ifemelu als...
Vor 3 Monaten von Nessa veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

20 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben in unterschiedlichen Zivilisationen, 3. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit dem Roman „Americanah“ von Ch.Adichie findet erneut nach Taiye Selasi und Ayana Mathis eine farbige Schriftstellerin den Weg in die Öffentlichkeit. Er wird Furore machen!

Ch.Adichie stammt aus Nigeria und hier beginnt auch ihre Erzählung von Ifemelu und Obinze, einem Paar zu Beginn ihres Studiums in Nsukka und Ibadan. Die Ereignisse beginnen um das Jahr 1990.

Adichie beschreibt das Leben einer gebildeten Schicht in Lagos/ Nigeria. Fröhlich und heiter geht es da zu. Doch die Dozenten an den Universitäten streiken, denn die Arbeitsbedingungen und das Geld sind ständiger Anlass für Konflikte. Der Trend der besser gestellten Familien geht dahin, ihre Kinder in Amerika studieren zu lassen. Das aber kostet Geld!

Ifemelu schafft den Sprung nach Amerika. Dort muss sie sich als Kindermädchen, Kellnerin oder mit anderweitigen Dienstleistungen durchbringen, denn ihr Stipendium würde für das tägliche Leben nicht ausreichen.
Für die Liebenden schien die Zukunft gesichert, wenn sie erst ihr Studium beendet hätten. Doch es kommt alles anders!

Die Liebe zwischen Ifemelu und Obinze bildet den Tenor in einem Werk, das allumfassend Rassenproblematik, Leben in Nigeria, Amerika und England umfasst. Die Liebe zwischen den beiden ist tief und sieht sich zahlreichen Anfechtungen ausgesetzt. Um sie gestaltet sich ein Gesellschaftsbild, das aufschlussreiche Einblicke in die Fragen von Bildung, Aufstieg und Leben im Westen wie in der dritten Welt bietet.
Menschen schwarzer Hautfarbe sind in Afrika Gleiche unter Gleichen in Amerika hingegen mehrheitlich Nachfahren von Sklaven. Das alleine schon erzeugt eine je eigene Identitätsbildung.

Ifemelu verliert durch eigene Schuld den Kontakt zu Obinze, der seinen Weg über England zurück nach Lagos in Nigeria nimmt und nach Jahren als erfolgreicher Geschäftsmann dort arbeitet. Auch Infemelu kehrt aus Amerika zurück in die Heimat, wo man diese Rückkehrer „Americanah“ nennt!

Atemlos liest man sich durch die Seiten dieses opulenten Werks, das immer neue Einblicke in die Lebensstrategien einzelner Protagonisten gestattet.

Die Autorin ist eine blendende Erzählerin. Ihre Dialoge sind eindringlich und facettenreich. Es entsteht ein emphatisches Bild verschiedener in Afrika oder Amerika lebender Menschen schwarzer oder auch weißer Hautfarbe. Die Kinder aus den gebildeten Schichten farbiger Herkunft müssen sich in Amerika der Hautfarbe wegen einem schwierigen Verfahren von Anpassung, Unterwerfung und eigenem Durchsetzungsvermögen stellen. Yale, Princeton und Harvard als Eliteuniversitäten sind die Stationen, in denen sich Afrikaner und Afroamerikaner mit besonderer Begabung ihrem Studium widmen. Der Abschluss an diesen Universitäten bietet zwar ungeahnten Möglichkeiten des Aufstiegs; doch in der Realität sieht das Leben der Studenten zuweilen sehr dramatisch aus. In ihren Studentenjobs sehen sie sich als Toilettenputzer oder müssen als Escortmädchen arbeiten, was häufig mit unerträglichen Avancen der Auftraggeber verbunden ist. Dass dabei die Würde Schaden nehmen kann ist eine der Ursachen, die zu Identitätskrisen und Enttäuschungen mit lang anhaltenden Folgen kommen mag.

Voller Enthusiasmus starten Adichies Romanfiguren ins Leben, bis sie zuletzt mit den Einschränkungen nicht erfüllbarer Liebeserlebnisse oder Lebenspläne zurecht kommen müssen

Ein vielfarbiges Gesellschaftspanorama und nachdenkenswerte Eindrücke beleben eine Geschichte, die gesellschaftspolitische Aspekte mit dem ganz alltäglichen Leben verbindet. Nebenbei ist der Roman ein hinreißender Liebesroman: “Er nahm auf dem Tisch ihre Hand in seine, und zwischen ihnen wuchs eine Stille, eine uralte Stille, die sie beide kannten. Sie war in dieser Stille, und sie war in Sicherheit.“
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Afrikanisches Haar als Metapher für Rasse, 16. April 2014
Von 
Buchdoktor - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ifemelu stammt aus Nigeria und lebt seit über 10 Jahren in den USA. Aufgewachsen ist sie mit einem anglophilen Vater und in der Überzeugung, das wahre Leben würde an anderen Orten stattfinden. Nun hat sie sich durchgebissen, ist auch eine „Americanah“ geworden, eine in die USA ausgewanderte Afrikanerin. Obwohl sie sich als populäre Bloggerin und Stipendiatin der Universität Princeton den Traum vieler Nigerianer von der green-card erfüllen konnte, will Ifemelu nach Nigeria zurückkehren. Ihre Entscheidung zelebriert sie mit dem Besuch in einem afrikanischen Friseursalon, um sich die Haare neu flechten zu lassen. Die Gedanken der Kundin im Haarsalon schweifen zurück zu ihrem Start in den USA und den wichtigsten Menschen in ihrem Leben: ihrem Jugendfreund Obinze, ihrem Partner Blaine, ihrer Tante Uju und deren Sohn Dike. Ifemelus neue Frisur markiert wie ein radikal veränderter Haarschnitt die Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt.

--- Zitat
„Ifemelu schlug ihren Roman auf, „Zuckerrohr“ von Jean Toomer, und überflog ein paar Seiten. Sie wollte das Buch schon seit einiger Zeit lesen in der Annahme, dass es ihr gefallen würde, da Blaine es nicht mochte. Ein preziöses Werk, hatte er es genannt in diesem leise nachsichtigen Tonfall, den er anschlug, wenn sie über Literatur sprachen, als wäre er überzeugt, dass sie in einer kleinen Weile und mit ein bisschen mehr Einsicht akzeptieren würde, dass die Bücher, die er bevorzugte, die besseren waren, Bücher geschrieben von jungen und relativ jungen Männern und vollgepackt mit Dingen, eine faszinierende, verwirrende Anhäufung von Markennamen, Musik, Comicheftchen und Symbolen, von rasch abgehandelten Gefühlen, und jeder Satz war sich stilvoll seiner eigenen Eleganz bewusst. Sie hatte viele davon gelesen, weil er sie empfohlen hatte, aber sie waren wie Zuckerwatte, die nur einen flüchtigen Eindruck auf ihrer Zunge hinterließen.“ (S. 20)
---

Ifemelus Situation als nichtamerikanische Schwarze in den USA entwickelt Chimamanda Ngozi Adichie aus deren Begegnungen mit engsten Vertrauten. Tante Uju nimmt Ifemelu bei sich in den USA auf, als die dem Chaos an der bestreikten Universität Lagos entfliehen will und anfangs nicht weiß, wie sie Miete und Studiengebühren aufbringen soll. Niemand zu Hause in Nigeria würde genau wissen wollen, unter welch unwürdigen Umständen Uju für die Anerkennung ihres nigerianischen Studienabschlusses schuftet und zugleich den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn verdient. Ifemelus Jugendliebe Obinze versucht in England mit allen Tricks die Einwanderungsbestimmungen zu unterlaufen und muss sich sagen lassen, dass allein die Flucht eines Afrikaners vor Krieg legitim ist, nicht aber die Flucht vor Korruption und Chancenlosigkeit. Ihre Beziehung zu Obinze, die Ausdruck in einem anzüglichen Spitznamen findet, bricht Ifemelu kurz nach ihrer Ankunft in den USA ab. Ein für das schwierige Verhältnis zwischen Auswanderern und Zurückgebliebenen bezeichnender Schritt. Ihr afroamerikanischer Partner Blaine, Juraprofessor in Yale, fördert und ermutigt seine Partnerin im Ivy League-Milieu der amerikanischen Ostküste.

Die Schlüsselszene im Friseursalon spiegelt die komplizierte Hierarchie der Rassen und Volksgruppen in den USA. Die Kundin als erfolgreiche Akademikerin mit Papieren tritt der Friseurin, einer Neuangekommenen ohne Papiere, entgegen. Auch Ifemelu musste lernen, dass auf der Hühnerleiter der amerikanischen Gesellschaft angesehener ist, wer länger im Land lebt oder wer sich die für einen Job nötigen „Papiere“ beschaffen kann. Ifemelu wird zur erfolgreichen Bloggerin schwarzafrikanischer Befindlichkeit in den USA. Über das liberale Paralleluniversum des politisch korrekten Amerika gibt es Entlarvendes zu bloggen. Ifemelu muss sich z. B. von wohlwollenden, karitativ eingestellten Weißen Afrika erklären lassen und deren Idealisierung von Armut dulden. Im amerikanischen Englisch, das gebildete Einwanderer für schlampig halten, darf ein schwarzer Mensch nicht schwarz und ein Übergewichtiger nicht dick genannt werden. Doch "schwarz" wurde die Einwanderin aus Nigeria erst in dem Moment, als sie in die USA einreiste. Ifemelu wird nach der politischen Bedeutung ihrer Frisur gefragt, Uju darf als amerikanische Ärztin keine Zöpfchen tragen. Ihre Patienten gestehen einer schwarzen Frau, die ihr Krankenzimmer betritt, höchstens zu die Krankenschwester zu sein, aber nicht die Ärztin. Eine Nation spricht über Michelle Obamas „Attachments“, nicht über ihren Beruf. Krauses afrikanisches Haar steht bei Adichie als Metapher für das absurde Lavieren der US-Amerikaner zwischen Ethnie und Rasse. Afrikanische Haare dürfen nicht so wachsen, wie sie es von Natur aus tun, sie müssen in schmerzhaften, gesundheitsschädlichen Prozeduren geglättet werden. Wenn Ifemelu mit ihrem krausen Haar als Kundin abgelehnt wird, erlebt sie den Friseursalon als Ort der Diskriminierung.

---Zitat
„Ich mag Amerika. Es ist das einzige Land auf der Welt, in dem ich abgesehen von Nigeria leben könnte. Einmal haben ein paar von Blaines Freunden und ich über Kinder geredet, und da wurde mir klar, sollte ich jemals Kinder haben, möchte ich nicht, dass sie in Amerika aufwachsen. Ich möchte nicht, dass sie Erwachsene mit „Hi“ begrüßen, sie sollen „Guten Morgen“ und „Guten Tag“ sagen. Ich will nicht, dass sie „gut“ murmeln, wenn sie jemand fragt, wie es ihnen geht. Oder fünf Finger heben, wenn man sie nach ihrem Alter fragt. Ich möchte, dass sie „Mir geht es gut, danke“ und „Ich bin fünf Jahre alt“ sagen. Ich möchte keine Kinder, die ständig gelobt werden müssen und einen Stern erwarten, wenn sie sich anstrengen, und im Namen der Selbstdarstellung Erwachsenen gegenüber pampig werden. Ist das schrecklich konservativ? Blaines Freunde haben das behauptet, und für sie ist „konservativ“ die schlimmste Beleidigung von allen." (S. 576)
---

Ifemelus Gefühl der Fremdheit nach langer Abwesenheit gegenüber Nigeria überrascht kaum. Sie kann die Codes ihrer Heimat noch nicht wieder entschlüsseln. Ihre Freundinnen kreisen wie Glamour Girls allein um das zentrale Thema, wie sie sich einen einflussreichen Mann angeln können. Auch ihre Jugendliebe Obinze ist wieder zurück in Nigeria – ob die Beziehung zu ihm Ifemelu leichter wieder in Nigeria Fuß fassen lassen wird?

Ein sprachlich virtuoser Roman, der seine Leser mitten in interkulturelle Paarprobleme katapultiert und aus der Distanz einer Einwanderin klarsichtig wie amüsant US-amerikanische Widersprüche entlarvt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich habe mich selbst nicht als Schwarze gesehen, ich wurde erst schwarz, als ich nach Amerika kam.", 24. April 2014
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als man im 18. Jahrhundert Theorien entwickelte, die die Menschheit anhand von äußerlichen Merkmalen wie z. B. ihrer Hautfarbe in unterschiedliche, vermeintlich biologische Rassen einteilte und danach die zu Rassen gemachten Gruppen in ein hierarchisches Verhältnis zueinander setzte, dauerte es nicht mehr lange, dass sich in deren Resultat die Weißen an die Spitze der vermeintlich menschlichen Entwicklung platzierten und der als minderwertig eingestufte Rest vielfach entmenschlicht behandelt wurde. Die USA boten dabei ein unrühmliches "Vorbild". Auch wenn sich 50 Jahre nach der Rede Martin Luther Kings vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C zwar viel zum Positiven gewandelt hat, ist der Rassismus immer noch nicht Geschichte und die Narben und Makel tief in die amerikanische Gesellschaft eingebrannt, wie es der Kongressabgeordnete John Lewis, der letzte noch lebende Redner des "Marsches auf Washington" von 1963, postulierte.

"Du siehst aus wie eine schwarze Amerikanerin.", sagt Obinze zu Ifemelu. Die beiden Teenager sind seit kurzem ein Paar. Ihre Heimat Nigeria, dieses bevölkerungsreichste Land Afrikas mit seiner heimlichen Hauptstadt Lagos, dem Einfallstor für die europäischen Entdecker und späteren strategisch wichtigen Hafen im europäisch-transatlantischen Sklavenhandel, mausert sich wirtschaftlich gerade vom armen Agrarland zum "Löwen auf dem Sprung", zum "afrikanischen Hoffnungsträger". Allerdings profitiert davon nur eine kleine Elite. "Alle sind hungrig in diesem Land, sogar die reichen Männer sind hungrig, aber niemand ist ehrlich. (...) Niemand weiß, was morgen ist!", ist das Prinzip, auf dem Nigeria beruht. Das Schulsystem ist desolat, der Unterricht fällt häufig aus. Universitäten leiden unter gekürzten Bildungsetats, Studiengänge werden eingeschränkt, Bibliotheken nicht erneuert. Die Lehrkräfte befinden sich im gefühlten Dauerstreik. Die USA, aber auch Großbritannien sind deshalb der Traum vieler junger Leute, zu denen auch die beiden verliebten Protagonisten zählen. "In ihrer Phantasie war die Landschaft, waren die weltlichen Dinge in Amerika auf Hochglanz poliert." Ifemelu hat Glück. Sie erhält ein Visum zum Studium in Amerika. Obinze verschlägt es nach London. Wird ihre Liebe über die Entfernung Bestand haben? Ist wirklich alles Gold, was glänzt? Werden die beiden im "Land der unbegrenzten Möglichkeit" die ihrige finden?

"Americanah" erzählt die Geschichte einer intelligenten, willensstarken, nigerianischen Frau ("Du siehst aus wie jemand, der etwas tut, weil er es tun will, und nicht, weil alle anderen es tun."), die, nachdem sie Afrika verlässt und nach Amerika geht, einige erschütternde Jahre in der Nähe von Elend und Erniedrigung lebt, ihren College-Abschluss macht, einen erfolgreichen Blog mit dem Titel " Raceteenth oder Kuriose Beobachtungen einer nicht-amerikanischen Schwarzen zum Thema Schwarzsein in Amerika" gründet, ein Stipendium an der Princeton University gewinnt und letztendlich doch dem Ruf des eigenen Herzen, dem Ruf der Heimat folgt. Offensichtlich sind zahlreiche eigene Erfahrungen und Erlebnisse der Autorin in das Buch eingeflossen, die sie gekonnt und souverän zu einem stilistisch wie auch inhaltlich großartigem Roman verwebt. "Americanah" ist ein Buch, das sowohl eine große Geschichte erzählt und gleichzeitig die Sichtweise, den eigenen Blickwinkel auf die Welt verändern kann. Auf den ersten Blick offenbart es zunächst eine wunderbare Liebesgeschichte. Aber der Roman thematisiert und seziert zugleich auf brillante Art und Weise diverse Einstellung zu Rasse und Hautfarbe. "Du siehst aus wie eine schwarze Amerikanerin." Obinzes Feststellung erweist sich als zu kurz gegriffen. Denn vor allem in den USA gibt es noch einen weiteren kleinen, aber feinen Unterschied: Man ist als Farbiger entweder ein amerikanischer Afrikaner oder ein Afroamerikaner. Aus einer solchen Unterscheidung entspringt eine tief sitzende Rassendiskussion im Text der in Nigeria geborenen Autorin, die heute wechselnd in ihrer Heimat und in den Vereinigten Staaten lebt. Adichie zeigt sich hier als außerordentlich selbstbewusste Denkerin und Schriftstellerin, die eine erstaunlich sensible Fähigkeit offenbart, die Gesellschaft zwar heftig zu kritisieren, ohne jedoch in spöttische oder herablassende Polemik abzugleiten. Nahezu mühelos verwebt sie hochliterarische Belletristik mit tief durchdrungener Gesellschaftskritik. Die globale, drei Kontinente umspannende Handlung beschäftigt sich zudem mit Fragen der Identität, des Verlusts, der Einsamkeit, Sehnsucht und natürlich der Liebe. Themen, die bei Adichie nicht als getrennte Einheiten aufgegriffen werden, sondern in einer komplexen, gegenseitigen Beziehung, einem diffizilen Geflecht stehen. Ganz so wie der oft stundenlange, aufwendige Prozess des Haareflechtens, der im Roman eine zentrale Rolle einnimmt und durchaus als Metapher verstanden werden kann.

Fazit: Ein monumentales Werk, das auch nach der großartigen Übertragung ins Deutsche durch Anette Grube nichts an seiner Eindringlichkeit verloren hat. Ein Buch, das atemlos durch die Seiten treibt und vielfach zum Innehalten auffordert, ob seiner Intensität, Schönheit, seiner Dimension und Ausdrücklichkeit. "In diesem Land kann man keinen ehrlichen Roman über Rasse schreiben. Wenn man darüber schreibt, welche Bedeutung Rasse wirklich für die Leute hat, dann ist es zu augenfällig. (...) Wenn du also über Rasse schreiben willst, dann sorg dafür, dass es lyrisch und feinsinnig ist, damit der Leser, der nicht zwischen den Zeilen liest, gar nicht merkt, dass es um Rasse geht. Ihr wisst schon, so was wie eine Proust'sche Meditation, wässrig und flauschig, und wenn man sie gelesen hat, fühlt man sich auch wässrig und flauschig." Dies bekommt Ifemelu von einem Freund zu hören. Doch man kann! Chimamanda Ngozi Adichie hat es getan.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Come in....., 9. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe Americanah in der englischen Originalversion auf dem Kindle gelesen. Ich hatte von der nigerianischen Autorin zuvor nicht gehört. Ich habe mich in vielen Jahren beruflich und privat mit dem Thema Afrika sehr intensiv befasst und ich bin oft, ebenfalls beruflich und privat in den USA gewesen. Dennoch hat mir dieser umwerfende Roman viele neue Perspektiven und Facetten dieser beiden Kontinente eröffnet.

Adichie, die ich für eine wirklich außerordentliche Autorin halte, schreibt (im Original jedenfalls) in einer lebendigen, direkten und guten Sprache. Wir reden hier nicht über Chick-Lit sondern über ernsthafte Literatur auf hohem Niveau. Sie schreibt offensiv, direkt, sie geht ins Detail, kann einen Gemütszustand, eine intellektuelle Überlegung, eine Beschämung oder raffiniert versteckten Rassismus auf eine Weise schildern, dass wir ganz nah bei ihr sind und in den Zustand des wahren Mitempfindens geraten. Für mich persönlich ist es genau das, was ich bei einem Schriftsteller suche; die große Authentizität der Charaktere, die Wahrhaftigkeit und die Nachvollziehbarkeit der geschilderten Situationen und den großen Bogen, der eine Geschichte umspannen kann und der am Ende in einer Form aufgelöst wird, die den Leser erlöst von seinen Sorgen um die mittlerweile geliebten Protagonisten.

Wirklich kraftvolle, zeitgenösssiche Literatur, die das moderne Afrika und die moderne USA präzise beleuchtet, spröde und doch intensiv fühlende Charaktere, die trotz ihrer Unvollkommenheit zu Herzen gehen und Zwischenmenschliches, das es so in allen Nationen gibt, gewiss nicht nur in Nigeria oder in den USA.
Eine absolute Empfehlung ohne irgendwelche Abstriche.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hohes Ziel, fast erreicht, 18. April 2014
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Americanah" ist die Geschichte der Nigerianerin Ifemelu, die ihrem durch Korruption und Streiks gelähmten Heimatland mit Hilfe eines Stipendiums in Richtung USA entflieht, dort unter größten Schwierigkeiten Fuß fasst, schließlich als Bloggerin zu Ansehen und Wohlstand kommt und fünfzehn Jahre später in ihre Heimat zurückkehrt.

"Americanah" ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das den Geliebten und Seelenverwandten ihres Lebens zurücklässt, den Kontakt zu ihm abreißen lässt, ohne sich innerlich von ihm lösen zu können, und ihn als seelischen Ballast durch ihre späteren Beziehungen schleppt.

"Americanah" ist eine bissige, stellenweise regelrecht verächtliche Kritik an der nigerianischen Gesellschaft, bei der es der Autorin gar nicht so sehr darum geht, dass in dem Land nichts funktioniert, weil die Herrschenden ausschließlich in die eigenen Tasche wirtschaften, sondern eher um das merkwürdige, von beinahe unterwürfiger Verehrung für alles Britische geprägte Verhältnis zur ehemaligen Kolonialmacht und die zwiespältige Sicht auf Amerika, das eigentliche Land der Träume, das man gleichzeitig für seine "Kulturlosigkeit" aber ein wenig verachten möchte.

"Americanah" ist eine Studie über die Rolle der Frau in so unterschiedlichen Gesellschaften wie denen Nigerias und der USA, über verschiedene Formen von Abhängigkeiten, und über die Zähmung widerspenstiger Haare, ein Kampf, den man eigentlich nur gewinnen kann, indem man ihn aufgibt - so spielt dann auch die Rahmenhandlung während einer vielstündige Sitzung in einem afrikanischen Frisiersalon in New Jersey.

Vor allen Dingen aber, und das ist das eigentliche Anliegen dieses Buches, ist "Americanah" eine intelligente Analyse der amerikanischen Gesellschaft, aus dem Blickwinkel einer nicht-amerikanischen Schwarzen, die in vielfältiger Weise zeigt, dass Sklaverei und Rassentrennung zwar der Vergangenheit angehören, ihre Nachwirkungen in Form von latentem bis offenem Rassismus auf der einen, überkompensierender politischer Korrektheit oder sonstigen Fettnäpfchen auf der anderen Seite aber noch lange nicht.

Und hier hat sich Chimamanda Adichie dann so viel vorgenommen, dass der Roman etwas aus den Fugen gerät. Damit sie alles unterbringen kann, was sie zum Thema zu sagen hat, und das ist ohne Zweifel eine Menge, entwickelt sich der Roman streckenweise zu einer ziemlich konstruiert erscheinende Abfolge von Situationen, in denen eine kaum noch überschaubare Anzahl von Personen (manchmal mehr Karikaturen als Personen) nur für einen kurzen Moment auf der Bildfläche erscheint, um das Stichwort zu geben für den nächsten, zugegebenermaßen brillanten Einblick in die Verhältnisse zwischen den Bevölkerungsgruppen, meist noch verdichtet in zitierte Passagen aus Ifemelus Blog. So aufschlussreich das alles ist, so wirkt es doch ein wenig synthetisch und hat letztlich zur Folge, dass sich die Lebens- und Liebesgeschichte dieser schon wegen ihrer etwas abrasiven und nicht immer nachvollziehbaren Art spannenden, wenn auch nicht immer sympathischen Persönlichkeit nicht so elegant entwickelt, wie man es ihr wünschen würde. Deswegen gibt's auch nicht die volle Punktzahl.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen interessante Positionen, 14. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Mitteilung des Lebensgefühls und der intellektuellen Positionen, die "Americanah" transportieren, scheint mir überfällig gewesen zu sein. Umso mehr habe ich mich an diesem Buch gefreut. Noch dazu ist es gut geschrieben. Ich fand sämtliche Handlungsstränge und Texte im Text interessant und spannend. Sowohl das Leben in Lagos als auch Ifemelus Lebenssituation in den USA oder Obinzes illegaler Aufenthalt in London machen die Leser mit etwas vertraut, was die meisten wahrscheinlich nicht aus eigener Anschauung kennen - und das auf literarisch anspruchsvolle und unterhaltsame Art und Weise. Ifemelus Zerrissenheit und den Druck konnte man sehr gut nachfühlen. Die Liebesgeschichte ist glaubwürdig, schön, sie schmerzt und hält den Roman zusammen.

Adichie sagt, sie sei erst außerhalb ihres Heimatskontinents darauf hingewiesen worden, sie sei schwarz. In Nigeria ist die Mehrheit schwarz, die Hautfarbe wird daher gar nicht verbalisiert bzw. problematisiert. Diese Position kennt man allenfalls umgekehrt: Über Hautfarbe nicht nachzudenken, ist ein Privileg, das nur Weiße haben, denn für sie hat ihre Hautfarbe keinerlei negative Konsequenzen. Und nun beschreibt Adichie die Erfahrungen einer selbstbewussten nigerianischen Frau, die nach Amerika geht.

In den USA erfährt Ifemelu zum ersten Mal diese Klassifzierung und den damit einhergehenden Rassisimus. Nach der anfänglichen Schockstarre und einer für sie traumatischen Erfahrung beginnt sie, in Blogs darüber zu schreiben und den amerikanischen Rassismus zu dekonstruieren.
Ich dachte zwischendurch, Adichie beschreibe hier ein doch sehr US-amerikanisches Problem. Die meisten Afro-Amerikaner kennen ihre konkreten Wurzeln in Afrika nicht, die meisten schwarzen Menschen in Europa hingegen schon. Wir haben hier auch keine schwarze Bürgerrechtsbewegung gehabt. Wir haben es in Europa mit anderen Facetten von Rassismus zu tun, aber nicht mit einer hypersensiblen political correctness, die selbst schon wieder rassistisch ist. Viele Themen, die Adichie anspricht, kennt man hier so nicht: die Sehnsucht nach einem imaginierten und dabei oft verklärten Mutterland, die Vorstellung, dass schwarze Menschen sich immer solidarisieren müssten, die unausgesprochene Regel, dass Rassismusprobleme nur auf eine Weise angesprochen werden dürfen, dass sich das rassistische Umfeld nicht angegriffen fühlt usw.
Aber letzten Endes funktionieren Rassismen überall gleich: Menschen wird eine Identität zugeschrieben, die nicht ihrem eigenen Empfinden entspricht, man lässt sie nicht selbst sprechen; die Zuschreibung klassifiziert, degradiert, entmündigt und/oder beleidigt; und sie verändert den Menschen.
Insofern ist diese Lektüre auch inspirierend, denn sie lädt dazu ein, sich auch einmal über die Verhältnisse und Erfahrungswelten schwarzer Menschen im eigenen Land Gedanken zu machen.
Solch ein selbstbewusstes Buch im europäischen Kontext würde mich sehr interessieren, aber das muss erst noch geschrieben werden.
Lediglich ein Punkt Abzug, weil Adichies Anspruch, all diese Themen in ihrer Geschichte unterzubringen, doch manchmal etwas Versatzstückartiges hat und die Romanhandlung manchmal etwas auseinanderreisst oder die Figuren künstlich, als Sprachrohre ihrer Thesen, erscheinen lässt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wunderbarer Roman, ein Stern Abzug für die deutsche Ausgabe, 13. Mai 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Americanah" ist ein grandioser Roman, in dem man sich wunderbar verlieren kann. Die Thematiken, die dort angesprochen werden, sind wichtig und nur allzu menschlich beschrieben. In vielen Charakteren kann man sich, mal mehr, mal weniger, wiederfinden.
Mehr möchte ich in diesem Moment gar nicht dazu sagen. Der eine Stern Punktabzug geht nicht auf Konto der Erzählung, sondern der deutschen Ausgabe. Der Fischerverlag hätte sich durchaus etwas mehr Zeit mit dem Lektorat lassen können, da auf diesem rund 600-Seiten-Werk beträchtlich viele Rechtschreibfehler auftauchen, gefühlt kommt auf 50 Seiten ungefähr einer und das ist meines Erachtens definitiv zu viel. Es mag kleinlich klingen, aber ich bin jedes Mal drüber gestolpert. Außerdem habe ich Zweifel, ob der englische Diskurs um "race" 1:1 mit "Rasse" übersetzbar ist. Ich denke, damit ist doch noch etwas mehr gemeint, hätte aber gerade auch keinen Vorschlag zur Alternative.

Dennoch: Lesen lohnt sich in jedem Fall, vielleicht ja auch der Griff zur englischen Originalausgabe.
Viel Spaß dabei!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Krause Haare und schwarze Haut.., 22. Mai 2014
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im Roman der Autorin die aus Nigeria ursprünglich stammt, geht es um Heimat, um Suche nach Heimat, um Rassen und - um Liebe. Auf zwei Zeitebenen erzählt uns Adichie, die Liebesgeschichte zwischen Ifemelu und Obinze, auch wenn diese verschiedene Lebenswege eingeschlagen haben. Ein Blick auf ihre Erwachsenenleben macht dies deutlich. „Ifemelu tat so, als wäre es ihr gleichgültig. Sie hatte schliesslich den Kontakt zu Obinze abgebrochen, uns es war soviel Zeit vergangen, uns sie hatte gerade Blaine kennengelernt und liess sich zufrieden auf ein gemeinsames Leben ein mit ihm ein. Doch nachdem sie aufgelegt hatte, dachte sie sehr lange über Obinze nach.“ 23 Ifemelu lebt schon seit Jahren in den US-Staaten und will nach Nigeria zurück. Wir sind In der Zeit, als die Präsidentschaftswahlen für Barack Obama als ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten anläuft, eine unglaubliche Hoffnung auch für Schwarze in den USA.

In Zeitsprüngen und Rückblenden erzählt die Autorin, wie alles angefangen hat. Wie und wo Obinze und Ifemelu aufgewachsen sind, wie sie sich kennengelernt und verliebt haben. Und wir erfahren, wie es für Ifemelu als junge Frau war, damals nach Amerika zu gehen. Jemand der sich dort etablierte und einlebte, war eine „Americanah“. Eine Americanah ist aber auch eine Frau, die in Amerika lebte und wieder zurück nach Afrika will, so steht dieser Begriff für die amerikanische Prägung als auch für die Rückkehr aus den Staaten. Wir erleben gemeinsam mit Ifemelu mit, wie es ist, sich dort einzuleben. Wie es ist dort unter erschwerten Bedingungen Arbeit zu finden. Welche Benachteiligungen das auch haben kann, wenn man ursprünglich aus Nigeria stammend, sich dort einleben und Fuss fassen möchte. Mit einer hohen und feinfühligen Beobachtungsgabe, wird hier das Leben der jungen Ifemelu erzählt, wie anfänglich z.B. durch ein Angebot bei einem Tennislehrer als Masseurin zu arbeiten. Als sie sich nach vielen Absagen sich schweren Herzens darauf einlässt, muss sie ihren eigenen Ekel erleben, nachdem sie feststellt, dass der Tennislehrer von ihr s*xuell stimuliert werden will. Das ist wie eine tiefe Erschütterung für Ifemelu und stürzt sie in eine erste Identitätskrise, als sie in den USA Fuss fassen möchte...Obwohl sie unterstützende Kontakte findet, ist es aller andere als leicht, etwas Vernünftiges für ihren Broterwerb zu finden.

Parallel zu Ifemelu wird Obinzes Werdegang in England erzählt. Mit Anlaufschwierigkeiten bekommt er ein Visum dort. Als es abläuft und er illegal versucht über Unterhändler eine Scheinehe einzugehen, wird er finanziell ausgenommen und verraten, aufgegriffen und ausgeschafft. Obwohl er immer wieder mal versucht mit Ifemelu Kontakt aufzunehmen, hat sie nie geantwortet, sie entwirft jedesmal emails, die sie jedoch verwirft. Über Jahre hinaus, verlieren sie den Kontakt zu einander und gehen getrennte Wege. Während Ifemelu in den Staaten langsam immer mehr Fuss fasst, verschiedene Beziehungen führt, scheitert Obinze kläglich. Ifemelu lernt verschiedene Männer und Arbeitsstellen kennen, denen sie mit der Zeit wieder aufkündigt. Die Männer eröffnen ihr neue Erlebnis-und Erfahrungswelten. Als sie ihren Blog „Ein paar Beobachtungen über schwarze Amerikaner von einer nicht-amerikanischen Schwarzen“ wird sie damit immer erfolgreicher, so dass sie sich eines Tages von erwirtschaftetem Geld sogar eine Wohnung leisten kann. Dort in den Staaten hat sie Kontakt zu ihrer Tante Uju und deren herzigen Sohn Dike der sie liebevoll „Coz“ nennt, auch ihre Tante macht so ihre eigenen Erfahrungen mit Arbeitsstellen und Männern, die nicht immer einfach sind. Für Ifemelu ist ihre Tante eine Stütze in ihren Anfangsschwierigkeiten, diese kämpft jedoch selbst mit einigen Problemen. Haare spielen hier eine wichtige Rolle und welchen Einfluss sie auf Schwarze dort nehmen, immer wieder klingt durch, welche Benachteiligungen man hat, wenn man krauses Haar hat. (Haar als Symbol für Nachteile) Die Autorin mäandert hier klar zwischen Rassen und Rassismus, wobei sie in einer Lesung selbst sagte, dass es in ihrem Buch nicht um Rassismuss sondern um Rassen gehe. (Was sie klar unterscheidet) So wie schwarze Frauen Haare tragen, merkt man schnell, dass es Statement und Haltung ausdrückt und viel mehr als nur eine "Frisur" ist. Ich bin mir sicher, dass Haare für schwarze Frauen eine andere Bedeutung hat, als für weisse.

Ein sehr vielschichtiger und weitläufiger Roman über die gefühlte und erlebte Benachteiligung von Schwarzen, sowohl in England als auch Amerika. Es ist eine einfühlsame und vielschichtige Darstellung, mit sehr präzisen menschlichen Beobachtungen, über Schwarze die aus Nigeria kommen, und ein neues Leben im Westen wagen wollen, mit all ihren Niederlagen und kleinen Glücken, Hoffnungen, Enttäuschungen und Sehnsüchten. Aus einer Innenansicht, werden hier vor allem die Wertungen und Vorurteile geschildert, die Schwarze in Amerika erleben. ""Und dass Weisse endlich aufhören sollten, so zu tun, als ob sie die Probleme von Schwarzen kennen würden." Mich persönlich hat dieses Buch sehr verändert, man kann sich nach der Lektüre viel mehr in schwarze Menschen einfühlen und bekommt auch einen anderen Bezug zu deren Haartracht, auch wenn das anfangs banal erscheinen mag, ist es aber nicht. Ein sehr lesenswertes opulentes Werk, das sehr gut geschrieben ist, allerdings ohne grossen Spannungsbogen aufwartet, jedoch seine Stärke in den Beobachtungen von Menschen hat, wie sie leben, lieben, sehnen und sich nach einem besseren Leben sehnen, als sie es bis anhin in Afrika hatten. Und es ist ein Buch über Heimat, wie die Autorin in einer Lesung selbst sagte, der ich beiwohnen durfte. Adichie meinte: The US is Home, and Nigeria ist HOME_HOME. Nicht zuletzt ist es auch eine feinfühlige und zarte Liebesgeschichte...

Americanah ist klar ein Frauenroman, aber darüber hinaus ist er noch viel mehr. Es ist die Darstellung wie schwarze Hautfarbe im Westen, egal ob England oder Amerika Nachteile hat, um ein neues Leben aufbauen zu wollen. Während Ifemelu freiwillig zurückkehrt, ist es für Obinze der Unfreiwillige. Was diesen Roman so besonders macht, sind seine feinfühligen Beschreibungen und wahrgenommenen Lebensmomente. Eine pralle Geschichte, die nicht zuletzt Durchhaltevermögen vom Leser fordert. Obwohl die Leben zweier Menschen, die sich in der Schulzeit liebten, völlig über viele Jahre getrennt verlaufen, gehen sie gegen Ende des Romans wieder aufeinander zu. Wie werden sich diese beiden wieder begegnen, nachdem beide verschiedene Partner hatten? Obinze mittlerweile verheiratet ist und eine Tochter hat. Nicht zuletzt erzählt Adichie davon, dass wir den Menschen, den wir einst liebten immer noch lieben und Zeit hier eigentlich keine wirkliche Rolle spielt. Ohne den Schluss verraten zu wollen, ist es doch sehr berührend, wie sich beiden gegen Ende wieder annähern, nachdem beide wieder nach Nigeria zurückgekehrt sind. Dieses Buch trägt mit Sicherheit dazu bei, dass man sich künftig in schwarze Menschen, vor allem auch Frauen besser einfühlen kann und vielleicht auch ihre Haartracht mit einem "weiteren Blick" wahrnehmen dürfte, als das bis anhin der Fall war. Wer die Gelegenheit hat, die Autorin bei einer Lesung zu sehen, sollte diese Gelegenheit unbedingt wahrnehmen. Für mich war das unwahrscheinlich bereichernd und augenöffnend. Für Leser denen das nicht möglich ist, sei der nachfolgend erwähnte Link auf youtube empfohlen.

AMERICANAH geht in unglaublichen 37 Übersetzungen an den Start und ist sehr preisverdächtig! Schon im Vorfeld hat die Autorin Preise eingeheimst und zählt in den USA zu den 20 wichtigsten Schriftstellern unter 40. Ein sehr wichtiges Buch über die Wahrnehmung von Rassen in der heutigen Zeit! Und obwohl die Autorin heute in den US und in Nigeria lebt, sieht sie sich selbst als keine "Americanah". Nicht zuletzt sei Ihr Video auf youtube erwähnt mit dem Titel: We should all be feminists", das mittlerweile über unglaubliche 1. Mio. mal angeklickt wurde.

Zitat:

"Existierten Dinge nur, wenn sie benannt wurden?" 204

Besonderheit: Das Buch hat bildenden Charakter und ist für Leser geeignet, die etwas lernen wollen oder für neues Wissen bezüglich dem Thema "Rasse" (nicht Rassismus) offen sind.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Haartracht als Metapher für Haltung und Tendenz, 24. September 2014
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die nigerianische Autorin hat zweifellos einen komplizierten Namen, aber wenn man sich in das im S. Fischer Verlag von Anette Grube ins Deutsche übersetzte Buch „Americanah“ verliebt dann kann man sich den diffizilen Namen doch möglicherweise leichter merken. Die Autorin lebt sowohl in Nigeria als auch in den USA und schreibt ihre in viele Sprachen übersetzten Romane, Gedicht und Kurzgeschichten in englischer Sprache. „Americanah“ ist ihr dritter Roman.

Americanah“, der Titel dieses Romans ist die nigerianische Bezeichnung für die Männer und Frauen die in Amerika viele Jahre lebten , erfolgreich waren, sich durchgesetzt haben mit Geld und einem Doktorhut zurück kommen und dann in Lagos in die entsprechende obere Mittelschicht einsteigen.

Chimamanda Ngozi Adichie schildert darin die Nigerianerin Ifemelu, die in den neunziger Jahren in die USA geht, in Princeton studiert und die dann versucht eine erfolgreiche Karriere zu starten. Sie verlässt dazu ihre große Liebe Obinze. Der geht nach London und erleidet als illegaler Einwanderer Schiffbruch. Diese Schilderung legt die Vermutung nahe, dass es sich im Kern um einen Roman handelt dem autobiografische Merkmale zu Grunde liegen. Das Buch beginnt jedoch damit, dass Ifemelu, mittlerweile eine im Internet viel beachtete Bloggerin im Thema Rassismus, nach 13 Jahren wieder nach Lagos zurückkehren will. Mit diesem amüsanten, lehrreichen Blog, das Denken in Rasse abzuschaffen, hat sie einen großen Erfolg. In satirischen Elementen wendet sie ihr in der Heimat bekanntes Stammesdenken auf die Amerikaner an.

Sie geht in einen Frisiersalon, in den wir im Laufe des Romans immer wieder einmal zurückkehren werden, lässt sich die für ihren Amerikaaufenthalt geglätteten Haare wieder in Zöpfe zurückverwandeln. Haare spielen als politisches Statement eine Rolle und der Frisiersalon ist ein Konstrukt für das Ein - und Ausblenden des Themas Rassismus.

Und indem sie nun die Themen Rasse und Identität fokussiert entsteht ein beachtenswerter Megaroman. Ein großer Wurf mit den Fragen nach welchen Kriterien wir uns abgrenzend bestimmen. Definieren wir uns primär nach Geschlecht, Religion, Nationalität, Alter, Herkunft oder Hautfarbe. Hier in Amerika sind es vornehmlich die Themen Hautfarbe und Haartracht. Sie merkt sehr schnell, dass die Schwarzen, die in Amerika geboren sind ganz anders behandelt werden als die Schwarzen die aus Afrika kommen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist es sicherlich auch ein explosiv politisches Buch weil man sehr viel über den unterschwelligen Rassismus in Amerika.

Es ist andererseits aber auch eine ganz große Liebesgeschichte. Ifemelu verlässt ja ihren Freund und beide versuchen außer Lande ihr Glück zu machen. Demütigungen sind da an der Tagesordnung. Wir verfolgen was macht Obinze in England, was macht Ifemelu in Amerika. Aus Scham bricht Ifemela den Kontakt zu im ab, weil sie in einem Abhängigkeitsverhältnis einmal sexistische Beziehungen zu einem weissen Mann hatte.

Obinze scheitert in England, will eine Scheinehe eingehen und wird vorm Standesamt verhaftet. In Nigeria wird er später mit nebulösen Immobiliengeschäften steinreich. Er ist mittlerweile mit einer perfekten Frau verheiratet, hat ein Kind und alles was zu einem luxuriösen Lebensstil gehört. Als Ifemelu mittlerweile mit einem amerikanischen Schwarzen verheiratet, aus Amerika zurück kommt, treffen sie sich und die große Liebe entflammt von neuem. Wie die Geschichte ausgeht verrate ich nicht.

Es ist ein amüsanter, sehr origineller Roman, der nicht nur durch die romantische Liebesgeschichte besticht, sondern besonders durch kaleidoskopartig fokussierte Vorurteile und Klischees in Sachen Rassismus und so ein abstraktes Themengeflecht in seiner Komplexität zusammenhängend vermittelt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Mit scharfem Blick und sanfter Zunge, 26. August 2014
Von 
Hamlet - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Americanah: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie stammt aus Nigeria. Dort geboren und aufgewachsen, hat sie das Land aber als Neunzehnjährige verlassen, um in den USA zu studieren. Ihre drei Romane waren für bedeutende Literaturpreise nominiert (u.a. Booker-Prize) bzw. wurden ausgezeichnet. So erhielt beispielsweise „Americanah“ den Heartland Prize for Fiction sowie den National Book Critics Circle Award for Fiction. Adichie kommt aus der nigerianischen Upperclass (Vater Mathematik-Professor), und es sind unter anderem die Erfahrungen, die deren Kinder machen, wenn sie zu Studienzwecken das Land verlassen, die sie in „Americanah“ beschreibt.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang in den neunziger Jahren in Lagos, das Militär ist an der Macht und es ist nicht die Zeit, in der man in Nigeria problemlos seine Träume verwirklichen kann. Hauptfiguren sind Ifemelu und Obinze. Die beiden verbindet eine Jugendliebe, aber sie müssen sich trennen, weil sie im Ausland studieren wollen. Ifemelu erhält ein Stipendium und geht an die renommierte Universität in Princeton, New Jersey(dort hat übrigens auch die Autorin studiert), Obinze landet als Illegaler in London, UK. Das Leben fernab der Heimat gestaltet sich für beide problematisch, was zum Großteil an ihrer Hautfarbe und den damit einhergehenden Diskriminierungen liegt. Ifemelu mag sich nicht damit abfinden und beginnt zu bloggen. Durch den Erfolg ihrer Beiträge, in denen sie den alltäglichen Rassismus thematisiert, fühlt sie sich erstmals wahrgenommen und verwirklicht ein Stück weit den „amerikanischen Traum“. Aber sie kehrt in ihr Heimatland zurück, und trifft dort wieder auf Obinze, ihre Jugendliebe, zu dem sie vor längerer Zeit den Kontakt abgebrochen hatte…

„Americanah“, das ist der Begriff, mit dem in Nigeria die Rückkehrer aus den Vereinigten Staaten bezeichnet werden – ein deutlicher Beleg dafür, dass sie nach den Diskriminierungen in den USA auch in ihrem Heimatland nicht mehr dazugehören. Adichie erzählt nicht nur von Rassismus, sondern auch von dem Aufbegehren gegen Konventionen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, gibt man sich in intellektuellen Kreisen betont liberal und anti-rassistisch – eine raffinierte Form der Heuchelei und ein weiterer Beleg dafür, dass Rassismus im Alltag noch immer präsent ist (siehe dazu auch die aktuellen Ereignisse in Ferguson).

Adichie erzählt mit scharfem Blick, aber sanfter Zunge. Eingebettet in eine Love-Story, die die Jahre überdauert, beschreibt sie die Identitätskrisen und die Entwurzelung ihrer Protagonisten, die ihr Glück im Ausland gesucht haben, schlussendlich aber um einige Illusionen ärmer und viele schmerzhafte Erfahrungen reicher in die Heimat zurückkehren.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Americanah: Roman
Americanah: Roman von Chimamanda Ngozi Adichie (Gebundene Ausgabe - 15. April 2014)
EUR 24,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen