Kundenrezensionen


38 Rezensionen
5 Sterne:
 (18)
4 Sterne:
 (9)
3 Sterne:
 (5)
2 Sterne:
 (4)
1 Sterne:
 (2)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


69 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Empowerment
Warum sind die einen Nationen arm, die anderen reich? Dies ist eine Frage, der sich in regelmäßigen Abständen zumeist recht umfangreiche Publikationen widmen. Was dabei nicht fehlen darf, ist der Habitus: Alle bisherigen Ansätze führten in die Irre, wir zeigen nun, worauf es ankommt!

Acemoglu (Ökonom, MIT) und Robinson (Ethnologe,...
Vor 20 Monaten von FMA veröffentlicht

versus
19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anglozentrisch
Im April hatte ich das englische Original bei amazon.com gekauft und sofort mit großen Erwartungen gelesen. Auf S. 109 (im englischen Original; in der deutschen Übersetzung S. 145) begannen dann meine ernsten Zweifel an den Detailkenntnissen und dem Blickwinkel der Autoren. Einer Karte zur "Leibeigenschaft in Europa um 1800" sind die heutigen Staatengrenzen...
Vor 13 Monaten von Volkmar Weiss veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

69 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Empowerment, 9. April 2013
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (Gebundene Ausgabe)
Warum sind die einen Nationen arm, die anderen reich? Dies ist eine Frage, der sich in regelmäßigen Abständen zumeist recht umfangreiche Publikationen widmen. Was dabei nicht fehlen darf, ist der Habitus: Alle bisherigen Ansätze führten in die Irre, wir zeigen nun, worauf es ankommt!

Acemoglu (Ökonom, MIT) und Robinson (Ethnologe, Harvard) kommen zu dem Schluss, dass es auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, zuverlässige Institutionen, die wirtschaftliche Entwicklungsprozesse sichern, ankommt: "Den Schlüssel zu nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg findet man im Aufbau einer Reihe von Wirtschaftsinstitutionen - inklusiver Wirtschaftsinstitutionen - welche die Talente und Ideen der Bürger eines Staates nutzbar machen können, indem sie geeignete Anreize und Gelegenheiten bieten, dazu gesicherte Eigentums- und Vertragsrechte, eine funktionierende Justiz sowie einen freien Wettbewerb, so dass sich die Bevölkerungsmehrheit produktiv am Wirtschaftsleben beteiligen kann"

Die Weichen in Europa sehen die Autoren bereits um 1600 gestellt. Elisabeth I. in England, Philipp II. in Spanien und Heinrich III. in Frankreich regierten alle recht absolutistisch, setzten aber unter dem Druck der Verhältnisse ganz unterschiedliche Schwerpunkte. So war bspw. England weit mehr auf das Steueraufkommen aus der Bevölkerung angewiesen als Spanien, dem tonnenweise Gold aus den südamerikanischen Kolonien zufloss. Wer wie die englische Königin fordert, ist aber auch gezwungen zu beteiligen. So entwickelte sich der britische Parlamentarismus. Ebenso war England sowohl daheim als auch in Nordamerika vielmehr auf Warenproduktion und extensiven Handel angewiesen als Spanien, dem der Reichtum in den Schoß zu fallen schien. Auch von daher entwickelte sich im British Empire ein finanzkräftiges, politisch selbstbewusstes und einflussreiches Bürgertum.

In dieser Weise reflektieren die Autoren v.a. neuzeitliche, aber auch antike und mittelalterliche Geschichte und natürlich die Gegenwart sehr interessant und detailreich unter dem Aspekt der Institutionenbildung. Den inklusiven stellen sie extraktive - zentralistische - Institutionen gegenüber. Während erstere i.d.R. einen Tugendkreis" initiieren, entsteht durch letztere ein Teufelskreis". In ein System, das sich für Beteiligung öffnet, stoßen immer mehr Bevölkerungsgruppen vor; Pluralismus, Unterstützung und Entwicklung für immer mehr Menschen wird möglich. Diese können sich wiederum mit wachsender Produktivität zum Wohl der Gesellschaft einbringen. Extraktive Institutionen hingegen beschwören permanente Interessenkonflikte bis hin zu Bürgerkriegen herauf, schließen weite Teile der Bevölkerung aus. Diese beharren in Armut und Unterentwicklung und können ihr produktives Potenzial nicht entfalten.

Bezüglich der Entwicklungen in Russland und China sind die Autoren denn auch außerordentlich pessimistisch. Warum sie die Möglichkeit eines allmählichen Wandels - bei allen berechtigten Bedenken - so gänzlich ausschließen, ist allerdings - zumal im Fall des immerhin unideologisch regierten Russland - nicht recht nachvollziehbar. In anderen Entwicklungsdiktaturen - bspw. in Süd-Korea oder Taiwan - funktionierte dies ja - mit wachsender Mittelschicht - auch.

Während der Lektüre fragt man sich lange Zeit, was die Autoren denn nun eigentlich so sensationell Neues zu sagen haben. Erst gegen Ende des Buches wird deutlich, dass sie eine ganz andere Strategie im Sinn haben, als sie bereits von den USA oder anderen westlichen Ländern verfolgt wird. Weder Konzepte unter dem Slogan Wandel durch Handel" halten sie für sonderlich erfolgversprechend, noch die Durchsetzung institutioneller Reformen von oben - etwa durch politischen Druck oder indem Entwicklungshilfe oder Kreditvergabe (IWF, Weltbank) von demokratischen Wahlen, dem Aufbau von Rechtsstaatlichkeit, Sanierung der Staatsfinanzen, Abbau von Handelsschranken, unabhängige Zentralbanken usw. abhängig gemacht wird. Dgl. bzw. das mit solchen Maßnahmen Intendierte - das zeige die Erfahrung - werde letztlich von den herrschenden Eliten regelmäßig unterlaufen.

Ähnlich würde es sich mit klassischen Ansätzen auf der gesellschaftlichen Mikroebene verhalten. Hier bringen die Autoren die üblichen Beispiele für gescheiterte Projekte: Bauholz im Wert von vielen Millionen USD für Unterkünfte in Afghanistan wird von der Bevölkerung als Brennholz verheizt, weil die Balken zu stark sind. Das indische Gesundheitswesen - insbesondere im ländlichen Bereich - leide unter der schlechten Arbeitsmoral des medizinischen Personals. So stehen Menschen oft vor Ambulanzen, in denen niemand zu finden ist und nehmen alternativ kostspielige private Heiler in Anspruch. Man führte weiträumig Stechuhren für Krankenschwestern ein - mit dem Ergebnis, dass diese regelm. zerstört wurden.

Ein modernes Erfolgsmodell stellt hingegen für die Autoren Brasilien dar. Lula da Silva hatte bereits 1979 als Gewerkschaftsführer im Scania Konzern für den Auftakt einer Streikwelle bzw. -bewegung gesorgt, die die Militärdiktatur nachhaltig erschütterte. Es folgte die Gründung der Arbeiterpartei und ein ständig wachsendes Maß der Beteiligung an kommunalen Regierungen. Von Anfang an zeichnete sich die brasilianische Arbeiterbewegung durch eine integrative Zielstrebigkeit aus. Man setzte weniger auf Klassenkampf als darauf, unterschiedlichste Entscheidungsträger und Bevölkerungsgruppen zu gewinnen und einzubinden. So wuchs eine pluralistische Beteiligung von unten her; Politik wurde zielgerichteter und effektiver, zusätzliche Checks and Balances" entstehen. Es wurde sichergestellt, dass finanzielle Mittel nicht versickerten, sondern zum Wohl der Bevölkerung und letztlich auch der Wirtschaft (Bildung, Infrastrukturprojekte) eingesetzt wurden.

Solche Prozesse - zumal von außen - in Gang zu setzen, ist - das sehen die Autoren realistisch - natürlich nur bedingt machbar; es hänge von vielen Faktoren ab. Soweit war denn allerdings Max Weber auch schon. Statt der Frage, warum sich Volkswirtschaften so unterschiedlich entwickeln, steht man dann vor der Frage, warum sich inklusive Institutionen in verschiedenen Ländern so unterschiedlich gut und schnell entwickeln.

Im hinteren Teil des Buches gibt es dann aber doch noch einige konkrete Hinweise. Kritisch äußern Acemoglu und Robinson sich zum Nation Building im Irak und Afghanistan, Militär- und Wirtschaftshilfe für Pakistan und Ägypten. Alles sei zu sehr auf die dortigen Eliten ausgerichtet, nicht auf Empowerment und politische Einbindung aller gesellschaftlichen Schichten und Ethnien, die Unterstützung von Grassroots Movements. Statt der Regierung in Kairo weiterhin 1,3 Mrd. Dollar Militärhilfe zukommen zu lassen, sollte das Geld besser für den zivilgesellschaftlichen Aufbau genutzt werden. Dies könnte über ein Gremium, in dem sämtliche Bevölkerungsgruppen vertreten sind, und das über den Einsatz der Mittel - bspw. für Soziales, Bildung, Gesundheit - entscheidet, geschehen.

Das Buch wird von vielen Seiten in hohen Tönen gelobt. "Dieses Buch werden unsere Ur-Ur-Urenkel in zweihundert Jahren noch lesen", schreibt etwa George Akerlof, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. Nachvollziehbar sind solche Hymnen nur bedingt. Zwar ist es zweifellos spannend zu lesende Wirtschaftsgeschichte, in der Konsequenz aber eher eine dünne Suppe. Die 15jährige Forschung, die die Autoren als Vorarbeit zum Buch veranschlagen, fand wohl v.a. in Bibliotheken statt, weniger in der gesellschaftlichen Gegenwart der Emerging Markets oder gar im Feld der Entwicklungshilfe.

Das zu Lateinamerika und Nordafrika Gesagte bspw. wirkt letztendlich doch sehr vom grünen Tisch aus gedacht. Die Einbindung der ärmeren Hälfte der Bevölkerung in einem Land wie Brasilien, Empowerment, wie es den Autoren vorschwebt, geschieht nicht automatisch durch Beteiligungshaushalte oder Regierungskoalitionen einer Arbeiterpartei, deren Aktivisten zumeist bereits den etwas gehobeneren Schichten entstammen. Es gilt die "Kultur der Armut" aufzubrechen - Menschen überhaupt erstmal in die Lage zu versetzen, sich über den täglichen Überlebenskampf hinaus gesellschaftlich engagieren zu können. Hier wurde in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern mit Programmen - wie bspw. PROGRESA in Mexiko, oder FOME ZERO in Brasilien - in den letzten Jahren Beeindruckendes erreicht. Das bedeutet aber eben doch engagierte Arbeit auf der gesellschaftlichen Mikroebene, mit der einzelnen Familie, mit dem einzelnen Menschen.

Die Bedeutung von sinnvollen Institutionen ist letztlich eine Binsenweisheit; Bedingungen der Entstehung, Möglichkeiten der Etablierung u.a. von der Neuen Institutionenökonomik vielfältig erforscht. Die Kritik an der "Top-down"-Strategie ist sowohl bei Easterly als auch bei Sachs oder Stiglitz zu finden; das Plädoyer für "Bottom up" gewiss nicht neu - aber immerhin: die Publikation - zumal von Cambridge und Harvard aus - stellt einen zusätzlichen, gewichtigen Argumentationskatalog für diesen sehr sinnvollen Ansatz dar.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anglozentrisch, 19. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (Gebundene Ausgabe)
Im April hatte ich das englische Original bei amazon.com gekauft und sofort mit großen Erwartungen gelesen. Auf S. 109 (im englischen Original; in der deutschen Übersetzung S. 145) begannen dann meine ernsten Zweifel an den Detailkenntnissen und dem Blickwinkel der Autoren. Einer Karte zur "Leibeigenschaft in Europa um 1800" sind die heutigen Staatengrenzen unterlegt, das Gebiet der gesamten heutigen Bundesrepulik Deutschland war demnach 1800 ein Gebiet mit Leibeigenschaft, Österreich in den heutigen Grenzen ohne. Das ist erstens völlig falsch, und zweitens fehlt den Verfasser - auch auf den anderen Karten des Buches - irgendwie jeder Sinn für Historische Kartographie, denn Österreich war um 1800 ein Staat mit völlig anderen Grenzen als heute. - Mit der Rezension hatte ich gewartet, in der vergeblichen Hoffnung, die mir jetzt ebenfalls vorliegende deutsche Übersetzung würde diese groben Fehler korrigieren.

Der Inhalt läßt sich kurz zusammenfassen: Die demokratischen inklusiven Institutionen sind in England entstanden und haben sich von dort über die Welt ausgebreitet. Wo diese Institutionen nicht oder noch nicht eingerichtet worden sind, da läuft die Wirtschaft schlecht und die Menschen sind arm. Die unabhängigen Entwicklungen zu konstitutionellen Monarchien, die in Sachsen, Preußen, Württemberg, Schweden, den Niederlanden und anderswo stattgefunden und bis 1900 zu blühenden Staatswesen geführt haben, werden von den Verfassern nicht erwähnt.

Am wertvollsten im Buch sind die Ausführungen über die Unterschiede zwischen Nordkorea und Südkorea und ihre Ursachen. Aber auch hier fehlt die Verallgemeinerung, zu welchen Folgen sozialistische Planwirtschaft und egalitäre Umverteilungsideologie im allgemeinen führt. 1913 standen Sachsen, Böhmen und wahrscheinlich auch Schlesien wirtschaftlich vor Bayern, das nach 1945 mit freier Wirtschaft und Millionen Heimatvertriebenen, insbesondere aus dem Sudetenland, die anderen Gebiete abgehängt hatte, die bis 1990 zum Ostblock gehörten.

Sehr zutreffend stellen die Verfasser fest: Es ist also nicht nur die Denk- und Schöpferkraft seiner Bewohner, die große Unterschiede in der Wirtschaftskraft schafft, siehe IQ and the Wealth of Nations (Human Evolution, Behavior, and Intelligence), sondern es sind auch die Ideologie und die aus ihr abgeleiteten Institutionen.

Die Verfasser verstehen Geschichte als linearen Fortschritt. Demzufolge ist ein Oswald Spengler im Literaturverzeichnis eine Fehlanzeige.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Geschichtsbuch, 1. Januar 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist ein schönes Buch über die Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung sehr vieler Länder dieser Erde. Und ja, England hat uns den wirtschaftlichen Segen gebracht. Aber wie genau? Die Beantwortung dieser Frage lassen die Autoren offen. Mir zeigt, wenn dieses Buch wirklich so erfolgreich in den USA war, dass die US-Amerikaner weniger Geschichtsverständnis und weniger Geschichtskenntnisse haben, als vermutet.
Ich möchte meine Kritik differenzieren:
1. Es wird in diesem Buch immer wieder von Institutionen gesprochen. Leider werden weder eine Definition gegeben, was Institutionen im Sinne der Verfasser sind, noch wird besprochen, welche Einrichtungen diese Institutionen verkörpern. Daher ist es m.E.n. für die Verfasser sehr einfach, andere Theorien zu kritisieren, da diese viel konkreter sind. Die Lücke, die die Verfasser (bewusst?) gelassen haben, wird vom geneigten Leser selber gefüllt, so dass die Theorie von Acemoglu und Robinson Sinn – für den Leser – bekommt.
2. Dieser Sinn muss jedoch angesichts der fehlenden Informationen hinterfragt werden. Ansatzweise (ca. ' Seite) gehen die beiden Autoren auf die notwendigen Einrichtungen ein, jedoch um das Buch – nach immerhin fast 550 Seiten – damit zu beenden. Mir fehlen hier deutliche Bezüge zu bestehenden Institutionen; z.B.: Welche Einrichtungen vertreten heute die o.g. These? Welche Inhalte fehlen bedeutenden Institutionen in den USA, Europa, Japan, China etc.? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit Einrichtungen und Institutionen geschaffen werden können? Wie können Monopolbildungen nachhaltig verhindert werden?
3. Ich hatte gehofft, dass die beiden Autoren im Laufe des Buches den Gegenwartsbezug herstellen werden. Dies ist jedoch nicht geschehen. Es ist – genau betrachtet – ein Geschichtsbuch. Deshalb müsste das Buch korrekterweise „Warum Nationen scheiterten“ heißen.
Die Geschichten über die Historie diverser Nationen geht von West nach Ost und von Norden nach Süden und durchläuft alle Zeitepochen. Das ist sicherlich gut gemacht – und deshalb ist dieses Buch auch so lang und manchmal auch langweilig.
Die geschichtlichen Ereignisse von Belang, die wirklich einen zeitnahen Bezug hätten, wurden gar nicht (BRD – DDR) oder nur sehr oberflächlich (Südkorea – Nordkorea) angesprochen. Gerade die deutsche Geschichte hätte wunderbar – und ganz konkret – als Vorlage und Beispiel dienen können. Die beiden Autoren haben es jedoch versäumt darauf Bezug zu nehmen um ihre These mit klaren Beispielen zu belegen. Hierbei hätte nicht nur die (DDR-) Wende in der jüngsten Geschichte herangezogen werden können, sondern auch der Wandel nach dem 2. Weltkrieg. Wie gesagt: Es hätten wunderbare Beispiele – und zwar ganz konkret, mit all ihren Fehlern und aller Kritik – wissenschaftlich hinsichtlich der These aufgearbeitet werden können.
4. Dieses Buch liefert daher nichts wirklich Neues. Die unklare Bedeutung der Begriffe inklusive bzw. exklusive Institution wurde bereits in der Französischen Revolution griffiger beschrieben. Damals lautete die Formel für inklusive Institution: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“. Hinsichtlich dieser Definition wäre es noch notwendig gewesen zu hinterfragen, wie das Fehlen dieser Grundsätze auf den Menschen, auf dessen wirtschaftlichen Handeln und seiner Selbstständigkeit auch in politischen Fragen, wirkt.
Ergo: Ein schönes und auch sicherlich gutes Geschichtsbuch, jedoch m.M.n. kein Buch, was eine neue These auch zwei ruhenden Beinen präsentierte. Dafür ist es zu oberflächlich.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen absolut schlüssige Theorie der Gesellschaftsentwicklung, 5. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich versuche seit langem zu verstehen, warum es manche Länder zu Wohlstand schaffen und andere nicht. Alle bisher gelesenen Theorien zur Rolle geographischer Faktoren (Jared Diamond, David S. Landes, Michael Mitterauer u.a.) und kultureller Faktoren (Max Weber u.a.) waren sehr interessant, konnten aber viele offene Fragen zur Wirtschaftsgeschichte nicht schlüssig beantworten.

Wir nehmen heute viele entscheidende Voraussetzungen für unseren Wohlstand (Pluralismus, Gewaltenteilung, unabhängige Justiz und Medien, relativ faire Wettbewerbsbedingungen in der Wirtschaft, Schutz des Eigentums etc.) als normal hin.

In Wirklichkeit liegt es aber in der Natur des Menschen, dass absolute Macht (seien es einzelne Personen oder Eliten) diese Macht benutzen, ihre Bevölkerung zum eigenen und Clannutzen auszubeuten, Wiederstand durch Terror und/oder Korruption zu brechen, niemandem Rechenschaft abzugeben und die Macht dauerhaft mit allen Mitteln zu sichern.

Das solcherart beherrsche Wirtschaftssysteme der ausgebeuteten Bevölkerung keine umfangreichen Anreize zu initiativreichem Wirtschaften geben, sollte eigentlich klar sein. Wenn ich aber die Entwicklungshilfeansätze der letzten 50 Jahre sehe, ist das absolut nicht so.

Die alles entscheidende Frage ist, wie und warum es einzelnen Gesellschaften in den letzten 300 Jahren gelang aus dem Teufelskreis von ausbeuterischen Herrschafts- und Wirtschaftssystemen auszubrechen.

Dazu gibt das vorliegende Buch schlüssige und verständliche Antworten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In der Kürze liegt die Würze!, 8. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (Gebundene Ausgabe)
Acemoglu und Robinson legen mit ihrem Werk "Warum Nationen scheitern" ein Buch vor, welches sich auf 543 Seiten durch die - vor allem - neuere Geschichte der Menschheit arbeitet und zum größtenteils auch in der Geschichte bleibt.

Zunächst wenden sich die Autoren gegen drei anerkannte Thesen, die ebenfalls versuchen zu erklären, warum es reiche und arme Nationen gibt:
Erstens die Geographie-Hypothese, die besagt, dass die Unterschiede durch klimatische Bedingungen zustande kommen, beispielsweise durch die unterschiedlichen Möglichkeit in der Domestizierung von Tieren und der Möglichkeit des Ackerbaus - ein Vertreter dieser Richtung wäre beispielsweise Jared Diamond.
Zweitens die Kultur-Hypothese, die die Ursprünge der Unterschiedlichkeiten auf, wie schon gesagt, die Kultur reduzieren. Beispielsweise kann hier die "Protestantische Ethik" von Max Weber herangezogen werden, die als Grund für den Reichtum der protestantischen Länder angesehen werden könnte.
Und drittens die Ignoranz-Hypothese, die behauptet, dass es an den Regierenden liegen würde, die einfach nicht wüssten, wie es besser ginge.
Diese drei Hypothesen widerlegen die Autoren mit historischen Beispielen, die eindeutig aufzeigen, dass es in jedem Bereich der Erde reiche Nationen gibt/gab und die drei Hypothesen nicht zutreffend seien.

Bis hierhin haben wir in etwa 100 Seiten hinter uns und es kommen noch fast 450 Seiten. Auf denen wird das ausgelegt, was im letzten Kapitel auf den Seiten 503-543 endgültig zur Sprache kommt; der Weg bis dahin ist sehr anschaulich beschrieben, allerdings hätte man vieles davon auch weglassen können. Aber gut, kommen wir zur Lösung des Problems: Inklusive Institutionen! Diese Institutionen sind sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Natur und zeichnen sich dadurch aus, dass sie von der breiten Bevölkerung getragen werden und keine Bevölkerungsgruppe ausgrenzen/ausnutzen/o.ä.
Die Lösung für die beiden Autoren liegt damit darin, dass die Länder, die arm sind, ihre extraktiven Strukturen abwerfen und inklusive Institutionen schaffen. Das Problem hierbei ist allerdings, dass die an der Macht befindlichen Eliten kein Interesse daran haben die bestehenden Strukturen zu ändern, da diese sie bereichern.
Das Problem des extraktiven Wachstums ist die, dass sich dieses zum einen der "schöpferischen Zerstörung" verschließt und somit technologisch rückständig wird (beispielsweise der Süden der USA im 19. Jahrhundert). Zum anderen hat dieses Wachstum schlicht und ergreifend seine Grenzen und kann nicht auf ewig wachsen.

Soweit einmal kurz zum Inhalt des Buches - ich möchte jetzt an dieser Stelle meine eigentliche Rezension/Kritik darstellen und kurz aufzeigen, warum das Buch meiner Meinung nach nur 3 Sterne verdient hat:

1) Der Inhalt des Buches ist logisch und nachvollziehbar, den Inhalt an sich finde ich sehr gut und hätte 5 Sterne verdient, wie ich finde. Warum? Das Buch argumentiert geschichtlich und zeigt auf diese Art und Weise Entwicklungen auf, die zum jeweiligen Status quo geführt haben. Weiterhin gehen die Autoren auf die gesellschaftlichen Begebenheiten ein und zeigen somit auf, warum extraktive Institutionen herrschen - wegen der herrschenden Elite und ihrer Macht und ihrem Einfluss über die Medien.

2) Warum also nur 5 Sterne? Das Buch arbeitet sehr historisch, aber man merkt an diesem Punkt, dass die Autoren keine Historiker sind - mir dreht sich als Student der Geschichtswissenschaft der Magen um: keine Fußnoten zu finden, nur "bibliographische Essays" am Ende des Buches, die in etwa so lauten: "Die Stellen zu XY haben wir aus folgenden Büchern: [...]". Für mich persönlich ist das ein echtes Problem, vor allem, was die historischen Teile angeht: Es wird immer wieder von Situationen geredet und dargestellt, aber woher das im einzelnen nun wirklich ist, keine Ahnung. Das ist für mich locker einen Stern Abzug wert, leider... Das macht das Buch unglaublich unwissenschaftlich in meinen Augen, egal, welche Rezensionen das Buch aus der Fachwelt bekommen hat.

3) Die Karten sind natürlich ein Witz; Darstellung der Leibeigenschaft von 1800 mit den Grenzen von heute... Wie kommt man denn auf so eine schwachsinnige Idee?!

4) Warum keine Definitionen der Begriffe? Ein Methodologischer Teil hätte dem Buch gut getan und das ganze auch deutlich besser gemacht - welche Institutionen jetzt genau gemeint sind, das ist nicht klar. Natürlich handelt es sich um politische und wirtschaftliche Institutionen - aber Beispiele aus der Gegenwart wären eigentlich mal recht schön gewesen.

Ob die Erkenntnisse des Buches jetzt so neu sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen - eine andere Rezension verweist hierbei auf Adam Smith. Habe ich nie gelesen, werde ich aber vielleicht noch. Wie dem auch sei: Für mich war das ganze jetzt auch nicht das Allerneueste, aber logisch herunter geschrieben, verschenkte Zeit war es nicht, aber nun ja, ich hatte mir mehr erwartet - vor allem ob dieser schieren Anzahl an positiven und überschwänglichen Rezensionen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich habe meine Meinung über den Sozialstaat und Steuererhebungen geändert, 9. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (Gebundene Ausgabe)
Mir war noch nie so klar, warum Nationen scheitern, wie nach dem Lesen dieses Buches - sehr einleuchtend. Ich habe es übrigens sehr gerne und bis zum Ende gelesen! Seit dem Lesen dieses Buches sehe ich unseren Sozialstaat und Stuererhebungen mit viel wohlwollenderen Augen. Obwohl ich Europäerin bin, finde ich alles aus den USA, was mit Wirtschaft und Unternehmensführung zusammenhängt genial. Ich finde auch dieses Buch genial und es wäre wünschenswert, wenn es viel gelesen werden würde. Es öffnet die Augen, und man erkennt - wo Gefahrenpunkte liegen. Ich schaue mir Politiker jetzt durch eine andere Brille an - durch eine menschliche Brille und nicht mehr durch eine Parteibrille. All dieses Geschwätz von.... "Kein Armer hat das Recht einem Reichen das Geld weg zu nehmen. Der Reiche weiß wie man mit Geld umgeht, der Arme nicht."....ist oberflächlich und falsch!. Im besten Falle hat der Reiche seinen Umgang mit Geld lernen dürfen und es wäre wünschenswert, jeder kann es lernen. Wenn man sagt: Breite Schultern tragen mehr - sollte man es so verstehen, dass es möglichst vielen Menschen gut geht und nicht nur einem oder einer kleinen Schicht!!! Die geschichtlichen Rückblicke sind so interessant und es gibt so viel zu entdecken in diesem Buch....Danach sehen Sie die Welt anders....
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3.0 von 5 Sternen Erfolgreiches Wirtschaftsmodell USA - reichlich unkritisch und unpolitisch bewertet, 3. November 2014
Die Wissenschaft sucht schon lange nach Gründen für den Aufstieg bzw den Niedergang von Imperien, sei es der Verfall des Römischen Weltreiches oder aktuell die Herausforderung der USA-Hegemonie durch China.

Faktoren wie geografische Lage, Klima und Kultur bieten nach Acemoglu/Robinson keine überzeugenden Erklärungen, was sie einleitend am Beispiel der Grenzstädte Nogales/USA und Somora/Mexiko eindrücklich zeigen. Die Unterschiede bei Wachstum und Wohlstand zwischen den beiden Städten bzw. Nord- und Südamerika allgemein haben ihre Basis in unterschiedlichen Wirtschaftsinstitutionen, die durch politische Prozesse in der nordamerikanischen Siedlergesellschaft und von den Konquistadoren in Südamerika geprägt wurden.

Das zentrale Erklärungsmuster fassen die Autoren in die beiden „Idealtypen“ inklusive bzw. extraktive Wirtschaftsinstitutionen, die jeweils mit einem bestimmten politisch-gesellschaftlichen Herrschaftssystem verbunden werden.
Der „inklusive Typ“, der sich mit der Glorreichen Revolution in England herausgebildet hat und so auch die Voraussetzung der späteren Industriellen Revolution bildet, ist gekennzeichnet durch Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus, der durch geschützte Eigentumsrechte Anreiz für wirtschaftliche Innovationen bietet. Letzlich ist dieses erfolgreiche System nach Auffassung der beiden Autoren der liberale Verfassungsstaat auf marktwirtschaftlicher Grundlage.
Erfindungen und Fortschritte bei Herstellungsverfahren bewirken einen Strukturwandel der Wirtschaft, der im Buch "schöpferische Zerstörung" genannt wird. Herrscher, deren Reichtum auf extraktiven Wirtschaftsinstitutionen gründet, unterbinden aus Angst, ihre Machtbasis zu verlieren, Innovationen und hemmen dadurch zum eigenen Schaden Fortschritt und Wachstum.

Das erfolgreiche inklusive Modell ist letztlich nichts anderes als das westlich-kapitalistische Wirtschaftssystem, wobei die Autoren diese Begriffe vermeiden und alternativ die Bezeichnung „inklusive Wirtschaftsinstitutionen“ verwenden, vermutlich um ideologisch weniger Angriffsflächen zu bieten.

Mit einer Vielzahl von Beispielen aus verschiedenen Jahrhunderten und Kontinenten wird die Auswirkung der beiden Wirtschaftsformen auf Wachstum und Wohlstand „belegt“ und als Fazit fast penetrant nach jedem Beispiel wiederholt. Da sich die Prozesse selbst verstärken, bildeten sich im Laufe der Geschichte durch Tugend- oder Teufelskreise die eklatanten Unterschiede zwischen armen und reichen Nationen und die Ursachen der Weltungleichheit. Zwar räumen die Autoren ein, dass unter autoritäter Herrschaft auch das extraktive Wirtschaftsmodell Wachstum bewirken kann, jedoch wird dieses – auch im aktuellen Fall von China – als nicht nachhaltig beurteilt.

Mögliche Reform-und Veränderungsprozesse sind vom gesellschaftlichen Kräftespiel abhängig, was zumindest einen politischen Handlungsspielraum bietet. Zentral für langanhaltendes Wirtschaftswachstum ist aber immer der Aufbau von Institutionen und Rechtssicherheit, um Privatinitiativen für Innovationen und Unternehmen zu fördern. Aus dieser Perspektive üben im Schlusskapitel die Autoren auch eine radikale Kritik an den Programmen des IWF und der allgemeinen Entwicklungspolitik mit ihren Modernisierungsprogrammen, da diese letztlich vorhandene extraktive Strukturen nicht grundlegend verändern, sondern nur die Machtposition der jeweiligen Eliten stärken. Wirkliche Veränderungen erfordern Empowerment, d.h. zivilgesellschaftliches Engagement von Organisationen unterstützt von kritischen Medien.

Dass Institutionen, also Herrschafts- und damit verbundene Wirtschaftssysteme, ein wichtiger Faktor sind, warum Nationen bzw. Staaten sich im Laufe der Geschichte erfolgreich entwickelt haben wird auf fast 600 Seiten überzeugend dargestellt und belegt. Aber die Vielzahl der Länder-Beispiele wirkt sehr selektiv und teilweise oberflächlich.

Für die Ursachen der Industriellen Revolution in England und Europa gibt es wesentlich detailliertere Analysen, die pauschale Erklärung sind für Acemoglu/Robinson jeweils vorhandene oder fehlende inklusive Wirtschaftsinstitutionen, andere Faktoren werden tendenziell vernachlässigt. Die Autoren beurteilen korrupte und machtbesessene Staatsführer zwar kritisch, fragen aber an keiner Stelle, warum z. B. diese in Zeiten des Kalten Krieges bzw. bis heute trotzdem geduldet und von den Supermächten oftmals hofiert werden. Dass trotz erfolgreichem Wachstum auch die innergesellschaftlichen Unterschiede zwischen Arm und Reich zunehmen ist kein Thema. Erfolgreiche Staaten sind mächtige Staaten und haben sich in der Geschichte häufig mit überlegener Militärtechnik kriegerisch durchgesetzt, der Machtaspekt wird im Buch - obwohl im Untertitel genannt - nur wenig und wenn in der fernen Vergangenheit angesprochen. Reichtum und Wohlstand der Nationen beruhen vor allem auf überlegenden Wirtschaftsinstitutionen, "Ausbeutung und Eroberung" bzw. "ungleicher Tausch im Welthandel" scheinen keine nennenswerten Faktoren zu sein, warum manche Nationen reicher werden und andere scheitern. Das Stichwort "Globalisierung" taucht gerade einmal (S.61) im Zusammenhang mit der amerikanischen Geschichte des 19. Jh. auf. Müsste eine Theorie, warum Nationen scheitern, nicht auch die starken Veränderungen der internationalen Beziehungen und Politik berücksichtigen?

Für die „Unterentwicklung“ in vielen Staaten machen die amerikanischen Professoren oft die europäischen Kolonialstaaten verantwortlich, die für den lukrativen Sklavenhandel oder Rohstoffe die lokalen Machtstrukturen mit extraktiven Wirtschaftsinstitutionen aufgebaut oder gestärkt haben. Was die jüngere Geschichte anbelangt, so sind die Autoren bezüglich US-Interventionen und Mechanismen des Weltmarktes weit weniger kritisch bzw. sprechen diese Einflüsse nicht an. Ihre Länderbeispiele – Länderstudien kann man das nicht nennen – verbleiben meist im nationalstaatlichen Rahmen, Interessen der Global Player – seien es Staaten oder Konzerne – scheint es nicht zu geben. Konkurrierende theoretische Ansätze werden nicht diskutiert, krititisiert wird lediglich die Modernisierungstheorie von S.M. Lipset aus den 60-iger Jahren. Die Theorie der Unterentwicklung bzw. Dependenz-Theorie und die Forderungen nach einer neuen Weltwirtschaftsordnung werden nicht angesprochen, fachwissenschaftlich bietet der umfangreiche Band wenig Neues.

Acemoglu/Robinson erheben den Anspruch eine Theorie „der Ursachen des Erfolgs und des Scheiterns von Nationen“ (S. 14) zu entwickeln, diese wird aber im Buch nicht zusammenhängend dargestellt. Dies wird am ehesten noch im Vorwort zur deutschen Ausgabe (S. 11-20) geleistet, die weiteren 500 Seiten wiederholen diese Erkenntnisse mit vielen Beispielen, wobei auch sinnvolle Differenzierungen vorgenommen werden. Beeindruckend ist die Menge an Literatur, die im Werk verarbeitet wurde und durch Anhang mit Literaturverzeichnis und Register dokumentiert wird.

Um die zentrale Aussage der Autoren zu erfassen und beurteilen zu können, ist es m.E. fast ausreichend, Vorwort sowie Kapital 1 und 15 zu lesen.
Das hochgelobte Buch ist durchaus lesenswert durch anschauliche historische Beispiele incl. 16 Seiten Fotos - viel Geschichtswissen wird wieder aufgefrischt oder ergänzt, die Bedeutung von Institutionen für wirtschaftliche Entwicklung wird einleuchtend dargestellt, aber der "große theoretische Wurf" ist es nicht.
Das fett hervorgehobene WARUM auf der Titelseite lässt auch nach der Lektüre
viele Fragen offen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sehr wichtiges Buch., 2. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (Gebundene Ausgabe)
Wenige Bücher haben mich so beeindruckt, wie dieses. Ob Arabischer Frühling, Nordkorea, Unruhen in der Türkei oder Ukraine - alles wird wesentlich besser verständlich, wenn man dieses Buch gelesen hat. Die Theorie von extraktiven (vielleicht wäre der Ausdruck "ausbeuterisch" besser) und inklusiven Institutionen, die den Interessenausgleich in der Bevölkerungsmehrheit suchen, ist wirklich einleuchtend. Auch die Widerlegung anderer Theorien "Afrikaner sind so arm, weil es zu heiß zum Arbeiten ist..." oder "Die ... sind aus kulturellen Gründen nicht in der Lage... " oder "Die Führungselite muss nur richtig ausgebildet werden" oder "Die Länder müssen nur machen, was der IWF sagt." usw. ist überzeugend.

Leider ist das Buch nicht schön geschrieben. Viel zu lang, viele Wiederholungen, die Inkas und andere Beispiele werden "bis zur Ohnmacht breitgetrampelt". Es würde reichen, die ersten und die letzten Kapitel zu lesen. Schade ist auch, dass nur sehr wenige positive Beispiele genannt und analysiert werden, dabei wäre das doch viel interessanter, als zu erfahren, wie und aus welchen Gründen jeder einzelne afrikanische Staat im Chaos bzw. in Korruption untergeht.

Auch hätte mich interessiert, ob die beiden amerikanischen Autoren nicht auch z.B. Investmentbanken zu den extraktiven und damit wirtschaftsgefährdenden Institutionen zählen müßten. Auch wurden die Fälle Irak und Afghanistan nur flüchtig behandelt. Warum sind die USA so kläglich gescheitert? Wollten die USA vielleicht gar nicht, dass sich demokratische Strukturen ausbilden? Mit autoritären Regimen kann man viel einfacher Deals machen... Das letzte Kapitel Empowerment ist sehr wichtig zum Verständnis. Leider ist dieses auch sehr kurz geraten. Vielleicht wollen die Autoren ja noch ein weiteres Buch schreiben, das eher in die Zukunft blickt.

Bei allen Schwächen ist das Konzept der Autoren so wichtig, dass man das Buch unbedingt (zumindest teilweise) lesen sollte.
Ein absolutes Muss.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2.0 von 5 Sternen Überbewertet, aber nicht ganz schlecht., 11. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Einige der hier beschriebenen Dinge stellen interessante Denkansätze dar.
Die beschriebenen Entwicklungswege der post-kolonialen Staaten Afrikas und der Teufelskreis waren durchaus lesenswert.
Viel mehr leider auch nicht.
Statt Fakten liest man endlose Wiederholungen. Keine vergleichenden BIPs, keine sonstigen handfesten und belegbaren Vergleichsmöglichkeiten.
Da werden pluralistische Demokratien, sprich inklusive politische und wirtschaftliche Systeme zum Ideal stilisiert, möglicherweise zu Recht. Dem MIT-Professor fällt nicht auf dass das Zweiparteiensystem seiner hochgelobten USA, wo quasi nur einheimische Millionäre für das Amt des Präsidenten kandidieren können, gar nicht so inklusiv ist, im Vergleich zu Deutschland zum Beispiel. Für das Scheitern vieler Staaten gibt es immer die selben Antworten (extraktive Organisationen).
Für das Scheitern Guatemalas ist nicht etwa der von der CIA initiierte Militärputsch verantwortlich.
Für das Scheitern Kongos auch nicht der von der CIA initiierte Mord an Lumumba.
In Vietnam natürlich nicht das Steinzeit-Bombardieren durch die USA.
Und natürlich ist auch in Cuba nicht das Handelsembargo Schuld.
Dass alle "reichen" Länder in der gemäßigten Klimazone liegen ist Zufall.
Dass das zugegebenermaßen inklusive Wirtschaftssystem der USA zu Reichtum und Wohlstand für viele(nicht alle) führt, ist nachvollziehbar. Längst ist aber klar, dass dieser Wohlstand auf dem Rücken der Anderen aufgebaut ist. Mittlerweile ist erwiesen, dass die Welt nicht wie die USA leben könnte. Alle Resourcen wären in kürzester Zeit erschöpft.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


20 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Können wir aus der Geschichte lernen?, 31. März 2013
Von 
Buchdoktor - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (Gebundene Ausgabe)
Fünfzehn Jahre lang haben die beiden Wirtschaftswissenschaftler geforscht, welche Faktoren das wirtschaftliche Wachstum von Staaten vorantreiben und ob mit Kenntnis dieser Kriterien Wirtschaftswachstum gezielt unterstützt werden kann. Acemoglu und Robinson gehen dazu weit in die Geschichte zurück, um Umbruchphasen zu analysieren, in denen sich ähnliche Gesellschaften völlig unterschiedlich entwickelten. Als Beispiel dienen ihnen Aufstieg und Fall Roms und Venedigs, die Industrielle Revolution in England, der unterschiedliche Weg Nord- und Südkoreas, die Besiedlung von Nord- und Südamerika durch die jeweiligen Kolonialmächte aus völlig unterschiedlichen Motiven und schließlich die Frage, warum sich die wirtschaftliche und politische Entwicklung Botswanas von der anderer südafrikanischer Staaten unterscheidet. Drei Theorien warum Staaten verarmen werden überprüft und schließlich als alleinige Ursache ausgeschlossen – geographische Lage und Bodenbeschaffenheit, kulturelle und religiöse Ursachen, sowie die Selbstbedienungsmentalität korrupter Eliten. Nach Ausschluss dieser Hypothesen analysieren die Autoren die Geschichte zahlreicher Beispielstaaten.

Wirtschaftlich erfolgreiche Staaten haben in Umbruchphasen wirkliche Reformen durchgeführt, anstatt nur einen herrschenden Clan durch einen anderen zu ersetzen. Gemeinsame Merkmale wirtschaftlicher Musterschüler sind nach Acemoglu/Robinson Reformen, pluralistische Staatsformen, die durch Gewaltenteilung und Rechtssicherheit für Ordnung und Sicherheit sorgen, sowie Leistungsanreize schaffen, indem sie für ihre Bürger Infrastruktur und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bereitstellen. Wirtschaftlich erfolgreiche Staaten haben nicht die Bereicherung einzelner zum Ziel, sondern die Weiterentwicklung des gesamten Staates. Diese Merkmale werden am Beispiel diverser Länder aufgezeigt. Als Negativ-Beispiel eines Staates, der den Herrschenden Wohlstand und der arbeitenden Bevölkerung Armut bringt, werden die ehemaligen Zuckerrohr-Imperien genannt. Mit Sklavenarbeit auf Zuckerrohrplantagen wurde zwar Profit erzielt; Leistung und Innovationen lohnten sich jedoch nicht, wenn der Einzelne durch den Staat oder Grundbesitzer jederzeit ausgeplündert werden kann.

Mit großem Interesse habe ich über die Entwicklung Botswanas gelesen, dessen damaliger König bereits im 19. Jahrhundert einen eigenen Weg einschlug, weil ihm das Wohlergehen des Staates wichtig war und nicht die persönliche Bereicherung. Auf der Basis der Stammesrechte wurden schon damals moderate Reformen eingeleitet, von denen das Land noch heute profitiert, indem Gewinne aus dem Diamantenverkauf dem Staat zugute kommen. Weiterer Grund für Botswanas heutige Musterrolle in Afrika (das Land erzielt im subsaharischen Afrika das höchste Pro-Kopf-Einkommen) ist die frühzeitige Entscheidung für nur zwei offizielle Landesssprachen, die die Einigung diverser Volksstämme zu einer Nation bewirkte.

Warum Nationen in der Gegenwart scheitern belegen Acemoglu/Robinson u. a. am Extrembeispiel der heruntergewirtschafteten ehemaligen Kolonie Simbabwe. Eine koloniale Vergangenheit sehen die Autoren als Teufelskreis, aus dem speziell afrikanische Staaten sich nicht mehr lösen können.

Skeptisch wird jeder Leser des Buchs die kommende wirtschaftliche Entwicklung Chinas sehen, das mit einer schwachen Justiz und daraus resultierender mangelnder Rechtssicherheit für den Einzelnen, fehlender Kontrolle des Staates durch eine freie Presse, sowie seiner engen Verknüpfung zwischen (korrupten) Parteikadern und Wirtschaft gleich mehrere der im Buch genannten Kriterien für das Scheitern einer Volkswirtschaft aufweist.

Auch wenn die Autoren als Wirtschaftswissenschaftler eine teils trockene Sprache benutzen, habe ich das Buch wegen der vielen konkreten Beispiele mit Gewinn gelesen. Da ich stärker pädagogisch/sozial interessiert bin, fand ich die Konzentration auf die Historie etwas zu einseitig. Das Buch empfehle ich historisch und politisch interessierten Lesern, besonders denen, die dem „Lernen aus der Geschichte“ positiv gegenüber stehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut
Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut von James A. Robinson (Gebundene Ausgabe - 19. März 2013)
Gebraucht & neu ab: EUR 14,48
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen