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TOP 1000 REZENSENTam 9. April 2013
Warum sind die einen Nationen arm, die anderen reich? Dies ist eine Frage, der sich in regelmäßigen Abständen zumeist recht umfangreiche Publikationen widmen. Was dabei nicht fehlen darf, ist der Habitus: Alle bisherigen Ansätze führten in die Irre, wir zeigen nun, worauf es ankommt!

Acemoglu (Ökonom, MIT) und Robinson (Ethnologe, Harvard) kommen zu dem Schluss, dass es auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, zuverlässige Institutionen, die wirtschaftliche Entwicklungsprozesse sichern, ankommt: "Den Schlüssel zu nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg findet man im Aufbau einer Reihe von Wirtschaftsinstitutionen - inklusiver Wirtschaftsinstitutionen - welche die Talente und Ideen der Bürger eines Staates nutzbar machen können, indem sie geeignete Anreize und Gelegenheiten bieten, dazu gesicherte Eigentums- und Vertragsrechte, eine funktionierende Justiz sowie einen freien Wettbewerb, so dass sich die Bevölkerungsmehrheit produktiv am Wirtschaftsleben beteiligen kann"

Die Weichen in Europa sehen die Autoren bereits um 1600 gestellt. Elisabeth I. in England, Philipp II. in Spanien und Heinrich III. in Frankreich regierten alle recht absolutistisch, setzten aber unter dem Druck der Verhältnisse ganz unterschiedliche Schwerpunkte. So war bspw. England weit mehr auf das Steueraufkommen aus der Bevölkerung angewiesen als Spanien, dem tonnenweise Gold aus den südamerikanischen Kolonien zufloss. Wer wie die englische Königin fordert, ist aber auch gezwungen zu beteiligen. So entwickelte sich der britische Parlamentarismus. Ebenso war England sowohl daheim als auch in Nordamerika vielmehr auf Warenproduktion und extensiven Handel angewiesen als Spanien, dem der Reichtum in den Schoß zu fallen schien. Auch von daher entwickelte sich im British Empire ein finanzkräftiges, politisch selbstbewusstes und einflussreiches Bürgertum.

In dieser Weise reflektieren die Autoren v.a. neuzeitliche, aber auch antike und mittelalterliche Geschichte und natürlich die Gegenwart sehr interessant und detailreich unter dem Aspekt der Institutionenbildung. Den inklusiven stellen sie extraktive - zentralistische - Institutionen gegenüber. Während erstere i.d.R. einen Tugendkreis" initiieren, entsteht durch letztere ein Teufelskreis". In ein System, das sich für Beteiligung öffnet, stoßen immer mehr Bevölkerungsgruppen vor; Pluralismus, Unterstützung und Entwicklung für immer mehr Menschen wird möglich. Diese können sich wiederum mit wachsender Produktivität zum Wohl der Gesellschaft einbringen. Extraktive Institutionen hingegen beschwören permanente Interessenkonflikte bis hin zu Bürgerkriegen herauf, schließen weite Teile der Bevölkerung aus. Diese beharren in Armut und Unterentwicklung und können ihr produktives Potenzial nicht entfalten.

Bezüglich der Entwicklungen in Russland und China sind die Autoren denn auch außerordentlich pessimistisch. Warum sie die Möglichkeit eines allmählichen Wandels - bei allen berechtigten Bedenken - so gänzlich ausschließen, ist allerdings - zumal im Fall des immerhin unideologisch regierten Russland - nicht recht nachvollziehbar. In anderen Entwicklungsdiktaturen - bspw. in Süd-Korea oder Taiwan - funktionierte dies ja - mit wachsender Mittelschicht - auch.

Während der Lektüre fragt man sich lange Zeit, was die Autoren denn nun eigentlich so sensationell Neues zu sagen haben. Erst gegen Ende des Buches wird deutlich, dass sie eine ganz andere Strategie im Sinn haben, als sie bereits von den USA oder anderen westlichen Ländern verfolgt wird. Weder Konzepte unter dem Slogan Wandel durch Handel" halten sie für sonderlich erfolgversprechend, noch die Durchsetzung institutioneller Reformen von oben - etwa durch politischen Druck oder indem Entwicklungshilfe oder Kreditvergabe (IWF, Weltbank) von demokratischen Wahlen, dem Aufbau von Rechtsstaatlichkeit, Sanierung der Staatsfinanzen, Abbau von Handelsschranken, unabhängige Zentralbanken usw. abhängig gemacht wird. Dgl. bzw. das mit solchen Maßnahmen Intendierte - das zeige die Erfahrung - werde letztlich von den herrschenden Eliten regelmäßig unterlaufen.

Ähnlich würde es sich mit klassischen Ansätzen auf der gesellschaftlichen Mikroebene verhalten. Hier bringen die Autoren die üblichen Beispiele für gescheiterte Projekte: Bauholz im Wert von vielen Millionen USD für Unterkünfte in Afghanistan wird von der Bevölkerung als Brennholz verheizt, weil die Balken zu stark sind. Das indische Gesundheitswesen - insbesondere im ländlichen Bereich - leide unter der schlechten Arbeitsmoral des medizinischen Personals. So stehen Menschen oft vor Ambulanzen, in denen niemand zu finden ist und nehmen alternativ kostspielige private Heiler in Anspruch. Man führte weiträumig Stechuhren für Krankenschwestern ein - mit dem Ergebnis, dass diese regelm. zerstört wurden.

Ein modernes Erfolgsmodell stellt hingegen für die Autoren Brasilien dar. Lula da Silva hatte bereits 1979 als Gewerkschaftsführer im Scania Konzern für den Auftakt einer Streikwelle bzw. -bewegung gesorgt, die die Militärdiktatur nachhaltig erschütterte. Es folgte die Gründung der Arbeiterpartei und ein ständig wachsendes Maß der Beteiligung an kommunalen Regierungen. Von Anfang an zeichnete sich die brasilianische Arbeiterbewegung durch eine integrative Zielstrebigkeit aus. Man setzte weniger auf Klassenkampf als darauf, unterschiedlichste Entscheidungsträger und Bevölkerungsgruppen zu gewinnen und einzubinden. So wuchs eine pluralistische Beteiligung von unten her; Politik wurde zielgerichteter und effektiver, zusätzliche Checks and Balances" entstehen. Es wurde sichergestellt, dass finanzielle Mittel nicht versickerten, sondern zum Wohl der Bevölkerung und letztlich auch der Wirtschaft (Bildung, Infrastrukturprojekte) eingesetzt wurden.

Solche Prozesse - zumal von außen - in Gang zu setzen, ist - das sehen die Autoren realistisch - natürlich nur bedingt machbar; es hänge von vielen Faktoren ab. Soweit war denn allerdings Max Weber auch schon. Statt der Frage, warum sich Volkswirtschaften so unterschiedlich entwickeln, steht man dann vor der Frage, warum sich inklusive Institutionen in verschiedenen Ländern so unterschiedlich gut und schnell entwickeln.

Im hinteren Teil des Buches gibt es dann aber doch noch einige konkrete Hinweise. Kritisch äußern Acemoglu und Robinson sich zum Nation Building im Irak und Afghanistan, Militär- und Wirtschaftshilfe für Pakistan und Ägypten. Alles sei zu sehr auf die dortigen Eliten ausgerichtet, nicht auf Empowerment und politische Einbindung aller gesellschaftlichen Schichten und Ethnien, die Unterstützung von Grassroots Movements. Statt der Regierung in Kairo weiterhin 1,3 Mrd. Dollar Militärhilfe zukommen zu lassen, sollte das Geld besser für den zivilgesellschaftlichen Aufbau genutzt werden. Dies könnte über ein Gremium, in dem sämtliche Bevölkerungsgruppen vertreten sind, und das über den Einsatz der Mittel - bspw. für Soziales, Bildung, Gesundheit - entscheidet, geschehen.

Das Buch wird von vielen Seiten in hohen Tönen gelobt. "Dieses Buch werden unsere Ur-Ur-Urenkel in zweihundert Jahren noch lesen", schreibt etwa George Akerlof, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. Nachvollziehbar sind solche Hymnen nur bedingt. Zwar ist es zweifellos spannend zu lesende Wirtschaftsgeschichte, in der Konsequenz aber eher eine dünne Suppe. Die 15jährige Forschung, die die Autoren als Vorarbeit zum Buch veranschlagen, fand wohl v.a. in Bibliotheken statt, weniger in der gesellschaftlichen Gegenwart der Emerging Markets oder gar im Feld der Entwicklungshilfe.

Das zu Lateinamerika und Nordafrika Gesagte bspw. wirkt letztendlich doch sehr vom grünen Tisch aus gedacht. Die Einbindung der ärmeren Hälfte der Bevölkerung in einem Land wie Brasilien, Empowerment, wie es den Autoren vorschwebt, geschieht nicht automatisch durch Beteiligungshaushalte oder Regierungskoalitionen einer Arbeiterpartei, deren Aktivisten zumeist bereits den etwas gehobeneren Schichten entstammen. Es gilt die "Kultur der Armut" aufzubrechen - Menschen überhaupt erstmal in die Lage zu versetzen, sich über den täglichen Überlebenskampf hinaus gesellschaftlich engagieren zu können. Hier wurde in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern mit Programmen - wie bspw. PROGRESA in Mexiko, oder FOME ZERO in Brasilien - in den letzten Jahren Beeindruckendes erreicht. Das bedeutet aber eben doch engagierte Arbeit auf der gesellschaftlichen Mikroebene, mit der einzelnen Familie, mit dem einzelnen Menschen.

Die Bedeutung von sinnvollen Institutionen ist letztlich eine Binsenweisheit; Bedingungen der Entstehung, Möglichkeiten der Etablierung u.a. von der Neuen Institutionenökonomik vielfältig erforscht. Die Kritik an der "Top-down"-Strategie ist sowohl bei Easterly als auch bei Sachs oder Stiglitz zu finden; das Plädoyer für "Bottom up" gewiss nicht neu - aber immerhin: die Publikation - zumal von Cambridge und Harvard aus - stellt einen zusätzlichen, gewichtigen Argumentationskatalog für diesen sehr sinnvollen Ansatz dar.
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32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. November 2013
Im April hatte ich das englische Original bei amazon.com gekauft und sofort mit großen Erwartungen gelesen. Auf S. 109 (im englischen Original; in der deutschen Übersetzung S. 145) begannen dann meine ernsten Zweifel an den Detailkenntnissen und dem Blickwinkel der Autoren. Einer Karte zur "Leibeigenschaft in Europa um 1800" sind die heutigen Staatengrenzen unterlegt, das Gebiet der gesamten heutigen Bundesrepulik Deutschland war demnach 1800 ein Gebiet mit Leibeigenschaft, Österreich in den heutigen Grenzen ohne. Das ist erstens völlig falsch, und zweitens fehlt den Verfasser - auch auf den anderen Karten des Buches - irgendwie jeder Sinn für Historische Kartographie, denn Österreich war um 1800 ein Staat mit völlig anderen Grenzen als heute. - Mit der Rezension hatte ich gewartet, in der vergeblichen Hoffnung, die mir jetzt ebenfalls vorliegende deutsche Übersetzung würde diese groben Fehler korrigieren.

Der Inhalt läßt sich kurz zusammenfassen: Die demokratischen inklusiven Institutionen sind in England entstanden und haben sich von dort über die Welt ausgebreitet. Wo diese Institutionen nicht oder noch nicht eingerichtet worden sind, da läuft die Wirtschaft schlecht und die Menschen sind arm. Die unabhängigen Entwicklungen zu konstitutionellen Monarchien, die in Sachsen, Preußen, Württemberg, Schweden, den Niederlanden und anderswo stattgefunden und bis 1900 zu blühenden Staatswesen geführt haben, werden von den Verfassern nicht erwähnt.

Am wertvollsten im Buch sind die Ausführungen über die Unterschiede zwischen Nordkorea und Südkorea und ihre Ursachen. Aber auch hier fehlt die Verallgemeinerung, zu welchen Folgen sozialistische Planwirtschaft und egalitäre Umverteilungsideologie im allgemeinen führt. 1913 standen Sachsen, Böhmen und wahrscheinlich auch Schlesien wirtschaftlich vor Bayern, das nach 1945 mit freier Wirtschaft und Millionen Heimatvertriebenen, insbesondere aus dem Sudetenland, die anderen Gebiete abgehängt hatte, die bis 1990 zum Ostblock gehörten.

Sehr zutreffend stellen die Verfasser fest: Es ist also nicht nur die Denk- und Schöpferkraft seiner Bewohner, die große Unterschiede in der Wirtschaftskraft schafft, siehe IQ and the Wealth of Nations (Human Evolution, Behavior, and Intelligence), sondern es sind auch die Ideologie und die aus ihr abgeleiteten Institutionen.

Die Verfasser verstehen Geschichte als linearen Fortschritt. Demzufolge ist ein Oswald Spengler im Literaturverzeichnis eine Fehlanzeige.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Januar 2014
Dieses Buch ist ein schönes Buch über die Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung sehr vieler Länder dieser Erde. Und ja, England hat uns den wirtschaftlichen Segen gebracht. Aber wie genau? Die Beantwortung dieser Frage lassen die Autoren offen. Mir zeigt, wenn dieses Buch wirklich so erfolgreich in den USA war, dass die US-Amerikaner weniger Geschichtsverständnis und weniger Geschichtskenntnisse haben, als vermutet.
Ich möchte meine Kritik differenzieren:
1. Es wird in diesem Buch immer wieder von Institutionen gesprochen. Leider werden weder eine Definition gegeben, was Institutionen im Sinne der Verfasser sind, noch wird besprochen, welche Einrichtungen diese Institutionen verkörpern. Daher ist es m.E.n. für die Verfasser sehr einfach, andere Theorien zu kritisieren, da diese viel konkreter sind. Die Lücke, die die Verfasser (bewusst?) gelassen haben, wird vom geneigten Leser selber gefüllt, so dass die Theorie von Acemoglu und Robinson Sinn – für den Leser – bekommt.
2. Dieser Sinn muss jedoch angesichts der fehlenden Informationen hinterfragt werden. Ansatzweise (ca. ' Seite) gehen die beiden Autoren auf die notwendigen Einrichtungen ein, jedoch um das Buch – nach immerhin fast 550 Seiten – damit zu beenden. Mir fehlen hier deutliche Bezüge zu bestehenden Institutionen; z.B.: Welche Einrichtungen vertreten heute die o.g. These? Welche Inhalte fehlen bedeutenden Institutionen in den USA, Europa, Japan, China etc.? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit Einrichtungen und Institutionen geschaffen werden können? Wie können Monopolbildungen nachhaltig verhindert werden?
3. Ich hatte gehofft, dass die beiden Autoren im Laufe des Buches den Gegenwartsbezug herstellen werden. Dies ist jedoch nicht geschehen. Es ist – genau betrachtet – ein Geschichtsbuch. Deshalb müsste das Buch korrekterweise „Warum Nationen scheiterten“ heißen.
Die Geschichten über die Historie diverser Nationen geht von West nach Ost und von Norden nach Süden und durchläuft alle Zeitepochen. Das ist sicherlich gut gemacht – und deshalb ist dieses Buch auch so lang und manchmal auch langweilig.
Die geschichtlichen Ereignisse von Belang, die wirklich einen zeitnahen Bezug hätten, wurden gar nicht (BRD – DDR) oder nur sehr oberflächlich (Südkorea – Nordkorea) angesprochen. Gerade die deutsche Geschichte hätte wunderbar – und ganz konkret – als Vorlage und Beispiel dienen können. Die beiden Autoren haben es jedoch versäumt darauf Bezug zu nehmen um ihre These mit klaren Beispielen zu belegen. Hierbei hätte nicht nur die (DDR-) Wende in der jüngsten Geschichte herangezogen werden können, sondern auch der Wandel nach dem 2. Weltkrieg. Wie gesagt: Es hätten wunderbare Beispiele – und zwar ganz konkret, mit all ihren Fehlern und aller Kritik – wissenschaftlich hinsichtlich der These aufgearbeitet werden können.
4. Dieses Buch liefert daher nichts wirklich Neues. Die unklare Bedeutung der Begriffe inklusive bzw. exklusive Institution wurde bereits in der Französischen Revolution griffiger beschrieben. Damals lautete die Formel für inklusive Institution: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“. Hinsichtlich dieser Definition wäre es noch notwendig gewesen zu hinterfragen, wie das Fehlen dieser Grundsätze auf den Menschen, auf dessen wirtschaftlichen Handeln und seiner Selbstständigkeit auch in politischen Fragen, wirkt.
Ergo: Ein schönes und auch sicherlich gutes Geschichtsbuch, jedoch m.M.n. kein Buch, was eine neue These auch zwei ruhenden Beinen präsentierte. Dafür ist es zu oberflächlich.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Oktober 2014
Einige der hier beschriebenen Dinge stellen interessante Denkansätze dar.
Die beschriebenen Entwicklungswege der post-kolonialen Staaten Afrikas und der Teufelskreis waren durchaus lesenswert.
Viel mehr leider auch nicht.
Statt Fakten liest man endlose Wiederholungen. Keine vergleichenden BIPs, keine sonstigen handfesten und belegbaren Vergleichsmöglichkeiten.
Da werden pluralistische Demokratien, sprich inklusive politische und wirtschaftliche Systeme zum Ideal stilisiert, möglicherweise zu Recht. Dem MIT-Professor fällt nicht auf dass das Zweiparteiensystem seiner hochgelobten USA, wo quasi nur einheimische Millionäre für das Amt des Präsidenten kandidieren können, gar nicht so inklusiv ist, im Vergleich zu Deutschland zum Beispiel. Für das Scheitern vieler Staaten gibt es immer die selben Antworten (extraktive Organisationen).
Für das Scheitern Guatemalas ist nicht etwa der von der CIA initiierte Militärputsch verantwortlich.
Für das Scheitern Kongos auch nicht der von der CIA initiierte Mord an Lumumba.
In Vietnam natürlich nicht das Steinzeit-Bombardieren durch die USA.
Und natürlich ist auch in Cuba nicht das Handelsembargo Schuld.
Dass alle "reichen" Länder in der gemäßigten Klimazone liegen ist Zufall.
Dass das zugegebenermaßen inklusive Wirtschaftssystem der USA zu Reichtum und Wohlstand für viele(nicht alle) führt, ist nachvollziehbar. Längst ist aber klar, dass dieser Wohlstand auf dem Rücken der Anderen aufgebaut ist. Mittlerweile ist erwiesen, dass die Welt nicht wie die USA leben könnte. Alle Resourcen wären in kürzester Zeit erschöpft.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Januar 2014
Mir war noch nie so klar, warum Nationen scheitern, wie nach dem Lesen dieses Buches - sehr einleuchtend. Ich habe es übrigens sehr gerne und bis zum Ende gelesen! Seit dem Lesen dieses Buches sehe ich unseren Sozialstaat und Stuererhebungen mit viel wohlwollenderen Augen. Obwohl ich Europäerin bin, finde ich alles aus den USA, was mit Wirtschaft und Unternehmensführung zusammenhängt genial. Ich finde auch dieses Buch genial und es wäre wünschenswert, wenn es viel gelesen werden würde. Es öffnet die Augen, und man erkennt - wo Gefahrenpunkte liegen. Ich schaue mir Politiker jetzt durch eine andere Brille an - durch eine menschliche Brille und nicht mehr durch eine Parteibrille. All dieses Geschwätz von.... "Kein Armer hat das Recht einem Reichen das Geld weg zu nehmen. Der Reiche weiß wie man mit Geld umgeht, der Arme nicht."....ist oberflächlich und falsch!. Im besten Falle hat der Reiche seinen Umgang mit Geld lernen dürfen und es wäre wünschenswert, jeder kann es lernen. Wenn man sagt: Breite Schultern tragen mehr - sollte man es so verstehen, dass es möglichst vielen Menschen gut geht und nicht nur einem oder einer kleinen Schicht!!! Die geschichtlichen Rückblicke sind so interessant und es gibt so viel zu entdecken in diesem Buch....Danach sehen Sie die Welt anders....
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Februar 2014
Wenige Bücher haben mich so beeindruckt, wie dieses. Ob Arabischer Frühling, Nordkorea, Unruhen in der Türkei oder Ukraine - alles wird wesentlich besser verständlich, wenn man dieses Buch gelesen hat. Die Theorie von extraktiven (vielleicht wäre der Ausdruck "ausbeuterisch" besser) und inklusiven Institutionen, die den Interessenausgleich in der Bevölkerungsmehrheit suchen, ist wirklich einleuchtend. Auch die Widerlegung anderer Theorien "Afrikaner sind so arm, weil es zu heiß zum Arbeiten ist..." oder "Die ... sind aus kulturellen Gründen nicht in der Lage... " oder "Die Führungselite muss nur richtig ausgebildet werden" oder "Die Länder müssen nur machen, was der IWF sagt." usw. ist überzeugend.

Leider ist das Buch nicht schön geschrieben. Viel zu lang, viele Wiederholungen, die Inkas und andere Beispiele werden "bis zur Ohnmacht breitgetrampelt". Es würde reichen, die ersten und die letzten Kapitel zu lesen. Schade ist auch, dass nur sehr wenige positive Beispiele genannt und analysiert werden, dabei wäre das doch viel interessanter, als zu erfahren, wie und aus welchen Gründen jeder einzelne afrikanische Staat im Chaos bzw. in Korruption untergeht.

Auch hätte mich interessiert, ob die beiden amerikanischen Autoren nicht auch z.B. Investmentbanken zu den extraktiven und damit wirtschaftsgefährdenden Institutionen zählen müßten. Auch wurden die Fälle Irak und Afghanistan nur flüchtig behandelt. Warum sind die USA so kläglich gescheitert? Wollten die USA vielleicht gar nicht, dass sich demokratische Strukturen ausbilden? Mit autoritären Regimen kann man viel einfacher Deals machen... Das letzte Kapitel Empowerment ist sehr wichtig zum Verständnis. Leider ist dieses auch sehr kurz geraten. Vielleicht wollen die Autoren ja noch ein weiteres Buch schreiben, das eher in die Zukunft blickt.

Bei allen Schwächen ist das Konzept der Autoren so wichtig, dass man das Buch unbedingt (zumindest teilweise) lesen sollte.
Ein absolutes Muss.
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21 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Fünfzehn Jahre lang haben die beiden Wirtschaftswissenschaftler geforscht, welche Faktoren das wirtschaftliche Wachstum von Staaten vorantreiben und ob mit Kenntnis dieser Kriterien Wirtschaftswachstum gezielt unterstützt werden kann. Acemoglu und Robinson gehen dazu weit in die Geschichte zurück, um Umbruchphasen zu analysieren, in denen sich ähnliche Gesellschaften völlig unterschiedlich entwickelten. Als Beispiel dienen ihnen Aufstieg und Fall Roms und Venedigs, die Industrielle Revolution in England, der unterschiedliche Weg Nord- und Südkoreas, die Besiedlung von Nord- und Südamerika durch die jeweiligen Kolonialmächte aus völlig unterschiedlichen Motiven und schließlich die Frage, warum sich die wirtschaftliche und politische Entwicklung Botswanas von der anderer südafrikanischer Staaten unterscheidet. Drei Theorien warum Staaten verarmen werden überprüft und schließlich als alleinige Ursache ausgeschlossen – geographische Lage und Bodenbeschaffenheit, kulturelle und religiöse Ursachen, sowie die Selbstbedienungsmentalität korrupter Eliten. Nach Ausschluss dieser Hypothesen analysieren die Autoren die Geschichte zahlreicher Beispielstaaten.

Wirtschaftlich erfolgreiche Staaten haben in Umbruchphasen wirkliche Reformen durchgeführt, anstatt nur einen herrschenden Clan durch einen anderen zu ersetzen. Gemeinsame Merkmale wirtschaftlicher Musterschüler sind nach Acemoglu/Robinson Reformen, pluralistische Staatsformen, die durch Gewaltenteilung und Rechtssicherheit für Ordnung und Sicherheit sorgen, sowie Leistungsanreize schaffen, indem sie für ihre Bürger Infrastruktur und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bereitstellen. Wirtschaftlich erfolgreiche Staaten haben nicht die Bereicherung einzelner zum Ziel, sondern die Weiterentwicklung des gesamten Staates. Diese Merkmale werden am Beispiel diverser Länder aufgezeigt. Als Negativ-Beispiel eines Staates, der den Herrschenden Wohlstand und der arbeitenden Bevölkerung Armut bringt, werden die ehemaligen Zuckerrohr-Imperien genannt. Mit Sklavenarbeit auf Zuckerrohrplantagen wurde zwar Profit erzielt; Leistung und Innovationen lohnten sich jedoch nicht, wenn der Einzelne durch den Staat oder Grundbesitzer jederzeit ausgeplündert werden kann.

Mit großem Interesse habe ich über die Entwicklung Botswanas gelesen, dessen damaliger König bereits im 19. Jahrhundert einen eigenen Weg einschlug, weil ihm das Wohlergehen des Staates wichtig war und nicht die persönliche Bereicherung. Auf der Basis der Stammesrechte wurden schon damals moderate Reformen eingeleitet, von denen das Land noch heute profitiert, indem Gewinne aus dem Diamantenverkauf dem Staat zugute kommen. Weiterer Grund für Botswanas heutige Musterrolle in Afrika (das Land erzielt im subsaharischen Afrika das höchste Pro-Kopf-Einkommen) ist die frühzeitige Entscheidung für nur zwei offizielle Landesssprachen, die die Einigung diverser Volksstämme zu einer Nation bewirkte.

Warum Nationen in der Gegenwart scheitern belegen Acemoglu/Robinson u. a. am Extrembeispiel der heruntergewirtschafteten ehemaligen Kolonie Simbabwe. Eine koloniale Vergangenheit sehen die Autoren als Teufelskreis, aus dem speziell afrikanische Staaten sich nicht mehr lösen können.

Skeptisch wird jeder Leser des Buchs die kommende wirtschaftliche Entwicklung Chinas sehen, das mit einer schwachen Justiz und daraus resultierender mangelnder Rechtssicherheit für den Einzelnen, fehlender Kontrolle des Staates durch eine freie Presse, sowie seiner engen Verknüpfung zwischen (korrupten) Parteikadern und Wirtschaft gleich mehrere der im Buch genannten Kriterien für das Scheitern einer Volkswirtschaft aufweist.

Auch wenn die Autoren als Wirtschaftswissenschaftler eine teils trockene Sprache benutzen, habe ich das Buch wegen der vielen konkreten Beispiele mit Gewinn gelesen. Da ich stärker pädagogisch/sozial interessiert bin, fand ich die Konzentration auf die Historie etwas zu einseitig. Das Buch empfehle ich historisch und politisch interessierten Lesern, besonders denen, die dem „Lernen aus der Geschichte“ positiv gegenüber stehen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Oktober 2014
Ich versuche seit langem zu verstehen, warum es manche Länder zu Wohlstand schaffen und andere nicht. Alle bisher gelesenen Theorien zur Rolle geographischer Faktoren (Jared Diamond, David S. Landes, Michael Mitterauer u.a.) und kultureller Faktoren (Max Weber u.a.) waren sehr interessant, konnten aber viele offene Fragen zur Wirtschaftsgeschichte nicht schlüssig beantworten.

Wir nehmen heute viele entscheidende Voraussetzungen für unseren Wohlstand (Pluralismus, Gewaltenteilung, unabhängige Justiz und Medien, relativ faire Wettbewerbsbedingungen in der Wirtschaft, Schutz des Eigentums etc.) als normal hin.

In Wirklichkeit liegt es aber in der Natur des Menschen, dass absolute Macht (seien es einzelne Personen oder Eliten) diese Macht benutzen, ihre Bevölkerung zum eigenen und Clannutzen auszubeuten, Wiederstand durch Terror und/oder Korruption zu brechen, niemandem Rechenschaft abzugeben und die Macht dauerhaft mit allen Mitteln zu sichern.

Das solcherart beherrsche Wirtschaftssysteme der ausgebeuteten Bevölkerung keine umfangreichen Anreize zu initiativreichem Wirtschaften geben, sollte eigentlich klar sein. Wenn ich aber die Entwicklungshilfeansätze der letzten 50 Jahre sehe, ist das absolut nicht so.

Die alles entscheidende Frage ist, wie und warum es einzelnen Gesellschaften in den letzten 300 Jahren gelang aus dem Teufelskreis von ausbeuterischen Herrschafts- und Wirtschaftssystemen auszubrechen.

Dazu gibt das vorliegende Buch schlüssige und verständliche Antworten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Mai 2015
leicht zu lesen und auch für Nichtökonomen sehr verständlich geschrieben.
Vor allem die Vergleiche der geographisch sehr naheliegenden Städte Noales in Arizona und Noales in Mexico oder der Vergleich Nord- mit Südkorea ist sehr eindrücklich.
Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. August 2013
Nach anfänglicher Begeisterung (ca. die ersten 80 Seiten) habe ich das Buch mittlerweile gelangweilt wieder zur Seite gelegt (Position 3642 von 9136). Der Grund: Die Autoren ergehen sich in endloses und und langatmiges Geschwafel.

Tatsächlich gibt es in diesem Buch keine wirklich neuen Erkenntnisse zu finden. Wer sich mit Marx beschäftigt hat (oder es musste....) und dessen extreme und teils verwirrte Ansichten für den Moment ausblendet, der findet hier nichts wirklich Interessantes oder Neues.

Insgesamt ein Buch, welches man nicht wirklich lesen muss....oder nur in den USA. Hier möchte ich mich unbedingt einer anderen Rezension anschließen, welche ich zu diesem Buch für die englischsprachige Ausgabe gefunden habe:

....Die Geschichtskenntnisse, welche die Theorie mit Beispielen unterfüttern sollte, zumal jene von Europa, sind derart mangelhaft und anglozentristisch, dass man den Autoren gerne Nachhilfestunden bei studentischen Hilfskräften der Geschichtswissenschaften in Kontinentaleuropa empfehlen würde. Bewundernswert ist jedoch der Mut, mit welch selbstbewusster Argumentation dies unausgegorene Gebräu vorgetragen wird. Erstaunlich, dass dieses Werk solche Wellen schlug und auf intellektualistischen Cocktailparties in den USA zum Thema wurde. Möglicherweise eignet es sich auch nur dafür.
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