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am 19. Oktober 2007
"Tagwesen! Was ist? was ist man nicht? Eines Schatten Traum. Der Mensch!
Sobald aber Glanz, gottgegebener, kommt, ist strahlend Licht bei den Menschen, freundlich ihr Dasein."
(Pindar, Pythische Ode VIII, 94ff)

Wie die Welt zum Schein wird, lässt sich mit Nietzsche fragen und wir finden heute eine Trias von Virtualität, Illusion und Wirklichkeit. Deutet man diese Trias im Sinne der Abschwächung, wird Virtualität zum stärkstes Modus des Seins, die Wirklichkeit zum Schwächsten und einzig die Illusion vermag die Welten zu verbinden. Glaubten wir mit Benjamin noch daran, dass die Bilder reine Abbilder der Wirklichkeit sind und keine Aura der Ursprünglichkeit ausstrahlen, müssen wir im digitalen Zeitalter uns auf eine andere Position begeben. Der Kampf des Realen gegen die Abbildung ist verloren, Sein ist nicht mehr Dasein, esse est computari könnte man in Abwandlung von Berkeleys Wort sagen und damit wird Sein zur informationstechnischen Berechenbarkeit, damit wird die Virtualität zum Maßstab des Seins.

Nun muss man diese psycho-historischen Vergleichsmuster nicht fortführen, aber es wird damit klar, dass das einloggen in einen Cyberspace zur philosophischen, ja theologischen Infragestellung der Alltagswelt wird. In-der-Welt-sein wird transformiert in Im-cyberspace-sein und wir finden uns wieder im second life. Wenn wir uns hineinversetzen in die Höhle Platons und dort, Licht im Rücken, uns selbst und die Welt als Schatten wahrnehmen, dann wird klar, warum Sokrates aufbrach ins Phos, ins Licht. Zwischen dem materiellen und dem geistigen mag man auch hier im Cyberspace unterscheiden, sowie Platon und Leibniz es taten. Unsere love affaire mit dem PC entzieht sich nicht einer erotischen Anziehungskraft einer Idee, wie wir sie aus dem Symposion oder aus dem Phaidros kennen, wie auch aus der Poltiteia. Sokrates verließ die Höhle und ging ins Licht und ging ins Reich der Ideen und der Formen. Unsere Cyberwelt ist eine Welt von In-FORM-ationen, die wir mit Hilfe der Logik und der Mathematik begreifen und so reizt der Vergleich mit einem platonischen Ideenhimmel. Cyberspace - kybernain bedeutet führen - und man erinnert sich an das Zweigespann in Platons Phaidros, welches nur schwer zu lenken war, wollte doch das eine Pferd sich von dem Sinne nach göttlicher Software leiten lassen, dass andere den irdischen Bestand festhalten. Ließen wir uns von der göttlichen Software leiten, wären wir in der Lage "plötzlich ein Schönes von wunderbarer Art" zu erblicken (Platon, Symposion, 210e). Und so sieht man, dass der Mensch zwei Welten angehört, die sich in der Logik begegnen. Spinnen wir diesen Gedanken weiter, auf zur Neuzeit, finden wir die Leibniz Monaden, die nichts anderes bedeuten, als die Übersetzung der platonischen Formen in ein logisches Kalkül. Wir stellen fest, dass Monaden und Körper zwei unzertrennbare Welten sind, dieses Heraklitsche Zwei in Einem. Damit erscheint die Welt real und doch virtuell und möglich. Wie in prästabilierter Harmonie folgen diese Cyberwelten einem göttlichen Gleichklang, denn als Nutzer ist man in der einen UND in der anderen. Himmlische Weisheit der Philosophen wird damit zur Information, der platonische Eros beschäftigt sich mit dem Informationsmanagement. Wo wir auch sind, virtuell können wir uns überall befinden und damit mutiert die reale Welt zum bekannten globalen Dorf, eigentlich zu einer Telepolis einer gigantischen Netzverbindung. Der Mensch wird zur Nachricht, von der göttlichen Ewigkeit wechselt er zur künstlichen Intelligenz, weil die Entwirklichung der Welt sein Selbstbild verändert. Der Mensch im global village ist wie in der Noosphaere des Teilhard de Chardin beinahe eine Ein-Geist-Struktur, eigentlich im technischen Hirn einer virtuellen Welt selbst..

Diese virtuelle Welt ist entbunden von Zeit und Raum, die Geschwindigkeit über Kabel ist Licht, die Gegenwart ist All-Gegenwart, die Materie wird Metaphysik, die Welt ist Schein und doch ist die Scheinwelt voll von Kriegen, Überbevölkerung und Hunger. Die Gnosis kehrt zurück, Geist vs. Materie, Reinheit vs. Unreinheit und die mystische Glanz des Cyberspace korrespondiert mit der Apokalypse der wirklichen Welt. Technische Speicherung und vernetzte Unsterblichkeit ist vom Bewusstsein eines sterblichen Leibes entkoppelt. Allgegenwart, Ewigkeit (Zeitlosigkeit) sind Merkmale einer ewigen Stadt auf Erden mit theologischen Grundzügen. Die Welt wird damit technisch zum Schein, der theologische Gesichtspunkt bleibt. (Prediger, 1,9: Es gibt nichts Neues unter der Sonne)

Peter Sloterdijk ist in seinem Buch WELTFREMDHEIT dem Phänomen der Weltflucht nachgegangen. Wo bin ich? und Wer bin ich? scheinen Fragen der Gegenwart zu sein. Die erste Frage muss sich der Höhlenidee entledigen. Wir sind nicht im Behältnis einer Höhle, sondern einer Offenheit ausgesetzt, ja ausgesetzt in diese unsere Welt und damit dem verborgenen Sinn unterworfen, die verfestigte Welt zum Schein werden zu lassen. Mobilmachung in Permanenz erleichtert den Verlust des Selbst an die Macht des Faktischen, als Empfindung im Strom der Kommunikation nur mitgerissen zu werden.

Die Ideen im Cyberspace fordern eine neue Debatte über den Realitätsbegriff. Virtualität, Illusion und Wirklichkeit sind zueinander zu betrachten. Die Romantik erzeugte Träume. Die Neurologie entdeckt den Solipsismus neu und auch das Ich.
Ist die Welt ein Traum? Kant würde sagen, sie kommt in ihrer Ganzheit niemals zur Anschauung. So können wir die anschauliche Welt zum Schein werden lassen. Lesen Sie Pindar oben noch einmal.
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