Kundenrezensionen


20 Rezensionen
5 Sterne:
 (9)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:
 (5)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:
 (4)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus der Büchse der Pandora entkommen: "Das Kapital hat sich selbständig gemacht..."
Der Autor geht zunächst auf die kuriose Geschichte in dem Buch SZ-Bibliothek Metropolen Band 1: Cosmopolis ein. Der Leser erfährt danach, dass der Name des Spekulanten von dem römischen Wachposten kommt, der nach Gefahren und Missgeschicken Ausschau hielt (speculari).
Der Autor verfolgt dann die Geschichte des Geldes und der Finanzen in den letzten...
Veröffentlicht am 17. August 2011 von Jürgens- Bücher

versus
57 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen extrem klug und wichtig, aber fast unlesbar wie eine Diplomarbeit
Der Inhalt müsste Pflichtlektüre für Staatsbürger sein. Ungeahnte, längst vergessene Zusammenhänge erhellend.
ABER DER SPRACHSTIL mit einerseits....Aufzählungen, komplizierten Verschachtelungen um nach zehn Zeilen wieder ins andererseits...zum einen....zum anderen...u.s.w. zu gelangen - und die zu Wiederholung neigende...
Veröffentlicht am 24. Juni 2011 von Dr.Livingstone


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus der Büchse der Pandora entkommen: "Das Kapital hat sich selbständig gemacht...", 17. August 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Der Autor geht zunächst auf die kuriose Geschichte in dem Buch SZ-Bibliothek Metropolen Band 1: Cosmopolis ein. Der Leser erfährt danach, dass der Name des Spekulanten von dem römischen Wachposten kommt, der nach Gefahren und Missgeschicken Ausschau hielt (speculari).
Der Autor verfolgt dann die Geschichte des Geldes und der Finanzen in den letzten vierhundert Jahren und läßt dabei auch Gedanken von Marx, Kant, Dantes Hölle, Platon und Aristoteles einfließen.
Kritisch betrachtet er die heutigen Finanzgeschäfte:"Die Akteure des Kapitals operieren nicht mit bekannten Qualitäten, sondern versuchen, eine kontingente Zukunft danach zu bewerten, wie der Markt sie selbst gegenwärtig bewertet. Dies macht scheinbar verlässliche Größen wie Angebot und Nachfrage- und deren stabilisierende Kraft- nicht nur unkenntlich, sondern unerkennbar."(S.153)
So entstehen Preise, die sich allein über die Erwartung künftiger Preise konstituieren. "Sie repräsentieren keine zugrunde liegenden "Fundamentalien", sondern zirkulieren als höchst wirksame Wertgespenster."(S.157)
Da das ausgeglichene Spiel von Angebot und Nachfrage verkehrt wurde, entstehen Blasen, runs, bust und booms, aber auch Finanzpanik oder euphorischen Eskalationen, gefördert u.a. vom Massenwahn, Herdenverhalten und blinden Nachahmungstrieben.
Ferner zeigt er, dass Emotionen, dilettantisches Tun, Spielerverhalten, Gier und schlicht mangelnde Vernunft oft die Auslöser von großen Einbrüchen an den Finanzmärkten waren. Für ihn ist dann der Markt weder effizient noch rational, sondern schlicht ahnungslos.

"Es kommt immer anders, als man denkt." Schreibt der Autor und es überrascht ihn keineswegs, dass sich hellsichtige Börsenmakler und Trader zuweilen in stoischen Exerzitien versuchen und einander das Buch von Seneca Briefe an Lucilius / Epistulae Morales ad Lucilium (Sammlung Tusculum) empfehlen."(Seite 173)

Fazit: Anspruchsvolles Buch zur Entwicklung der Geld- und Finanzwelt, mit feinen witzigen Untertönen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


86 von 98 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles harmonisch, oder was?, 26. Januar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Vogl beleuchtet die Wirtschaftstheorie auf eine Weise, wie es lange nicht mehr geschehen ist. Er kann es, weil er sich eine Literaturkenntnis erworben hat, die in dieser Breite bei den meisten Vertretern des Faches leider längst fehlt. Aus verständig ausgewählten Werken der Wirtschaftstheoriegeschichte destilliert er ein knapp 200 Seiten messendes Konzentrat, das es in sich hat. Die Theorieentwicklung wird darin als Versuch der Auflösung eines immer wieder aufkommenden widersprüchlichen Eindrucks dargestellt. Die Theorie der Wirtschaft handelt einerseits von der Wohlfahrt sichernden Warenproduktion und wunderschönen und leicht verstehbaren Harmonien; die erlebbare Wirtschaft durchläuft dagegen auch immer wieder wenig harmonisch wirkende, offenbar schwer zu erklärende Perioden der Stagnation oder gar des wirtschaftlichen Niedergangs. Aristoteles sah dies als Folge davon, dass die Wirtschaft nicht mehr nur auf die im Gleichgewicht zu erzeugende Gütermenge zur Befriedigung des natürlichen Bedarfs der Polis gerichtet war. Darüber hinaus wurde für den auf Gelderwerb gerichteten Handel produziert. So wie die Befriedigung des Bedarfs endlich war, hatte das Streben nach Geld kein Harmonie sicherndes Maß und keine Grenze. Im Zeitalter der ökonomischen Klassiker glaubte man, den Widerspruch durch Harmonie störende externe Ereignisse gedanklich überbrücken zu können. Heute sind zur Schließung der Lücke zwischen dem Denken und dem Wahrnehmen von Wirtschaft sublimere Ideen üblich, aber eben keineswegs überflüssig. Vogl zeigt, wie die moderne Neoklassik die Einheit von Denken und Sehen dadurch herstellt, dass sie das Gleichgewicht und die Harmonie - statt als Beschreibung der Wirtschaft - nur noch als Modell betrachtet, das eine über vollkommene Märkte zu verwirklichende Möglichkeit gesellschaftlicher Wirtschaft darstellt. Die pessimistische, von Marx ausbuchstabierte Konsequenz der Klassik, dass Ökonomie nicht als Reproduktion von Natur, sondern als Reproduktionsprozess des Kapitals zu verstehen ist, in dem sich die Kapitalisten als Kapitalisten und die lohnabhängigen, eigentumslosen Arbeiter als weiterhin eigentumslose Arbeiter reproduzieren, wird dabei aufgelöst. Es geschieht durch Ökonomisierung des Haushaltes, die ihn zum Humankapital produzierenden Unternehmen werden lässt. Damit eröffnen sich für Haushalte und Unternehmen in den Grundzügen gleiche Bedingungen. Es gelten vor allem in Güter erzeugenden Unternehmen und Humankapital hervorbringenden Haushalten die gleichen Kalküle für die Investition und die daraus sich ergebenden Möglichkeiten zum Beispiel der Spekulation. Die soziale Harmonie erscheint so als Herausforderung, das Modell der Wirtschaft in die Wirtschaftswirklichkeit zu transformieren und sie entfesselt einen Prozess der Entwicklung von Instrumenten, mit denen es gelingen könnte, die Ungleichgewicht und Krise bergende Unsicherheit bei den Investitionsentscheidungen in berechenbare Wahrscheinlichkeiten aufzulösen. Die Mathematisierung der ökonomischen Theorie versprach, die besten Dienste zu leisten. Der Glaube daran, dass, was man richtig rechnen kann, auch richtige Handlungen begründen können muss, hat noch immer Überzeugungskraft ausgestrahlt. Das Vertrauen in diese Annahme führt direkt zu der vom Nobelpreis gekrönten Formel von Black, Merton und Scholes. Schon lange nicht mehr, so kann man bei Vogl sehen, hat eine Gleichung so energisch die Institutionen der Wirtschaft in so kurzer Zeit verändert wie diese. Dass sie in eine Reihe von heftigen - nur durch bislang ungeahnte und in ihrer Wirkung noch nicht abschließend zu bewertende Staatsinterventionen abgewehrte - Finanzmarkterschütterungen führte, hat freilich den Zauber der Berechenbarkeit gesellschaftlicher Harmonie verblassen lassen. Das hat der von Mandelbrot aufgestellten Behauptung, das Gleichgewicht der Ökonomen gehöre nicht zu den möglichen Lösungen eines freien Marktes, neuen Auftrieb gegeben. Statt Annäherung an die Harmonie einer gesellschaftlichen Wirtschaft ohne Klassen zu ermöglichen und nur durch Begabung und Leistung begründete Einkommensunterschiede zuzulassen, lösen Marktpreise hiernach systematisch prozyklische Instabilitäten aus. Dies sind nicht nur vom Finanzmarkt ausgehende Übersteigerung der Konjunktur und ein anschließender Krebsgang mit einbrechenden Preisen. Es werden auch typischerweise die Kosten der unerfreulichen Entwicklung auf jene übertragen, die an den Entscheidungen, die zur Krise führten, weder beteiligt waren, noch von ihren Übersteigerungen profitierten.
Das Buch Vogls enthält - hierin berühmten Vorbildern ähnlich - eigentlich keine wirklich neue Theorie. Es bringt aber die Vorhandenen in einen konsistenten und überzeugenden Zusammenhang. Mit gutem Grund wird es seinen Weg in die Bücherregale finden. Es wird auch sehr wahrscheinlich eine längst nötige Diskussion um die Möglichkeiten und Leistungen der gelehrten und praktizierten Ökonomik auslösen. Das kann Überraschungen für die in Selbstgefallen erstarrte vorherrschende Lehre von Miegel, Sinn und Zimmermann ergeben. Man darf sich darauf freuen. Eine Warnung tut aber not: Das Buch ist kein Leitfaden für Laien und Anfänger im Fach. Den vollen Genuss hat nur der Leser, der über hinreichende dogmenhistorische Kenntnisse verfügt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


57 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen extrem klug und wichtig, aber fast unlesbar wie eine Diplomarbeit, 24. Juni 2011
Von 
Dr.Livingstone (Sanssouci) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Der Inhalt müsste Pflichtlektüre für Staatsbürger sein. Ungeahnte, längst vergessene Zusammenhänge erhellend.
ABER DER SPRACHSTIL mit einerseits....Aufzählungen, komplizierten Verschachtelungen um nach zehn Zeilen wieder ins andererseits...zum einen....zum anderen...u.s.w. zu gelangen - und die zu Wiederholung neigende Langatmigkeit
wecken den Eindruck, es handele sich um eine Diplomarbeit, bei der es überhaupt nicht darauf ankommt, dass ein Normalbürger sie liest. Das wichtige Buch ist deshalb abschnittsweise nur unter Schmerzen geniessbar, was nicht nur mit dem Thema zu tun hat. Bedauerlich angesichts der Bedeutung, die der Inhalt hat, dass zumindest Menschen mit Abitur verstanden haben sollten, wie es zu unserem Geldsystem und den aktuellen Folgen gekommen ist.

Toll, dass der Autor ein so ausserordentlich kluger und belesener Mann ist. Gilt dabei auch "schwergewichtiges Thema - schwierige Sprache"? Soll uns Inhalt vermittelt werden oder die Metabotschaft "Ich bin ein kluger Autor", der schwierige Schachtelsätze kann?
Das Lesen dieses Buches ist ein harter Job, den es, Kapitel für Kapitel, zu absolvieren gilt. Nun ja, es lohnt sich auf jeden Fall.

Ich hatte schon den Impuls, dem Verlag eine "Übersetzung" ins Deutsche vorzuschlagen. Also wer macht es? Gibt es dafür nicht Lektoren?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Gespenst des Kapitals geht um ..., 20. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Fast schon episch beginnt das erste Kapitel, in dem Vogl beschreibt, wie unmöglich es den Wirtschaftsweisen erscheint, dass der Kapitalismus kein Selbstläuferprinzip ist. Eben so, wie sich Jahrhunderte lang die Menschen nicht vorstellen konnten, dass es schwarze Schwäne gibt – bis diese dann entdeckt wurden. Heute, da es evident ist, dass sich die freie Marktwirtschaft selbst reguliert, wehren sich so genannte Experten aber immer noch dagegen, diese Tatsache einzusehen. Deshalb erklärt Vogl in seinem Buch sehr ausführlich, welche Gründe dafür sprechen, dass das kapitalistische System an sich selbst zugrunde gehen muss. Er erläutert den Mythos von der unsichtbaren Hand des Marktes, der heute noch propagiert wird. Schritt für Schritt erfährt der Leser, welche Schwierigkeiten der Glaube an diesen Mythos aufgeworfen hat. Dabei lässt Vogl keinen Zweifel daran, wie dubios ihm diese Mär erscheint. Des Weiteren befasst sich der Autor eingehend mit dem Problem des Geldes. Ein Hauptkritikpunkt dabei ist, dass Banknoten zugleich als Zahlungsmittel und Schuldscheine gebraucht werden. So wird das Finanzsystem zu einem System des Versprechens. Diese Versprechen können allerdings nie eingehalten werden, das verhindert das Prinzip der Geldschöpfung. Nicht existentes Geld, das durch die Erhebung von Zinsen entsteht, soll in der Zukunft zurückgezahlt werden, so versprichst es die Banknote als Schuldschein. Allein unser Glaube daran erhält das System aufrecht, würde jeder sofort das ihm zustehende Geld einfordern, würde das gesamte kapitalistische Prinzip sofort in sich selbst zusammenstürzen.
Gegenwärtiges Handeln zerstört Zukunft – so lautet die Prognose von Joseph Vogl. Dabei stützt er sich sowohl auf die Klassiker, wie beispielsweise Marx, als auch auf die neueste Literatur. Mit einer prägnant logischen Argumentation gelingt es dem Autor, ein wenig Licht in das diffuse System des Kapitalismus zu verbringen. Eine absolut empfehlenswerte Lektüre, allerdings nicht ganz leicht zu lesen; ein Fremdwörterlexikon kann hilfreich sein. Einen kurzen Textauszug findet ihr auf [...] unter Literatur --> unsereRezensionen :)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerhörte Ereignishaftigkeit - ein Ökonomieessay als Verbal-Viagra für Feuilletonisten, 1. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
"Und das ist der opake und wilde Überraschungsraum, in den sich unsere Gesellschaften hineinfinanziert haben". "Das" meint dabei eine vorhergehend als dernier cri bzw. neuste Kostümierung des altehrwürdigen Hegelschen Weltgeistes ausgemachte "arkanhaft gewordene Ungewissheit", "die Entscheidungen fällt", "die in ihrer Ungebundenheit, in ihrer Gesetzlosigkeit schicksalhaft werden." Und das ist der Schlußsatz von Joseph Vogls (von einer bekannten Marxsentenz titelinspiriert) "Das Gespenst des Kapitals", S. 178, und wohl auch der Beste, ein absoluter Höhepunkt.

Nicht, weil der Satz nun allzu viel besagt. Er sagt nämlich eigentlich gar nichts. Denn was da mit "arkanhaftem" Verbalschlonz tiefsinngemunkelt wird, hätte Franz Beckenbauer, was die ontologische "Aussageessenz" betrifft, ganz einfach hingekriegt. Etwa so: "Da geht`s vielleicht wild zu im Finanzkapitalismus, wie im Voglhäusl, blickt ma ja gleich goar nix mehr, sakrament !" (um dann natürlich sogleich entschuldigend zu seinem derzeitigen Liebslingsthema, dem "Überraschaungsraum", in den sich sein Vereins- und Seilschaftskumpel Uli Hoeneß, die Mutter Theresa von der Säbener Straße, "hineinfinanziert" hat, überzuleiten). Mit diesen eher schlichten, aber pfeilgrad bodenständig noch in dieser Welt waltenden Worten wäre zugleich auch ein Quidproquo vermieden. Namentlich das, Nicht-Wissen der kapitalökonomischen Akteure darüber, was ihr eigenes geldgierig-anarchisches DenkHandeln als nächstes an katastrophischen "Verwerfungen" sozialer und natürlicher Art hervorbingt, zu einem geschichtsträchtig waltenden Subjekt "Ungewissheit", das "Entscheidungen fällt", zu stilisieren.

Nein, der finale Satz ist so bedeutend, weil es damit der auf den vorherigen 177 Seiten des sich Essay nennenden Assoziations- und Schwafelbandwurms sehr geplagte Leser endlich hinter sich hat und eine drückende Last von ihm abfällt. Die Last, reihenweise Als-Ob-Gedanken wenigstens einen noch nur irgend verstehbaren Rest-Sinn abzugewinnen. Geht aber nicht. Was soll, eine der Wenn-dann-während nämlich-stets heimgesucht-Lieblingsstellen des Rezensenten:

"Wenn man Krisen allgemein als Verwirrung von Erfahrungsräumen und Erwartungshorizonten oder mit Blumenberg als "Erlebbarkeiten des Zeitenzerfalls" bergreifen wollte (und was ist, wenn nicht, weil das ein Galimathias ist ?, R.), so wird die krisenhafte Dynamik der Finanzökonomie durch eine Verwerfung unterschiedlicher Zeitordnungen strukturiert. Während nämlich (nach dem vorherigen wenn - dann unbedingt logisch !, R.) Finanzmärkte nach irdischer Unaufhörlichkeit streben, während ihre Subjekte sich über ihre eigene Endlichkeit hinwegträumen und das Kapital selbst danach verlangt, die obskuren Kräfte der Zeit zu besiegen und seine Hindernisse auf dem Weg in eine schrankenlose Zukunft zu beseitigen, wird dieses chrematistische Streben stets durch bemessene Dauern, fixe Termine, fällige Zahlungen, also durch die Umstände endlicher historischer Zeiträume heimgesucht." (S. 173)

denn da noch - mit oder ohne Blumenberg und Aristoteles- ins irgend durchdacht Denkbare herüber zu retten sein ?... Eben. Bei Marx hieß das wenigstens noch trocken und als Gedanke auf den kategorialen Prüfstand nehmbar: das Kapital (seine ineinander verschränkten Fraktionen" als Makro-Einheit verstanden) produziert gerade mit den Mitteln seiner Akkumulation seine Schranken, welcher systemimmanente" Widerspruch sich wiederkehrend und auf eskalierender Stufenleiter in der Krise, regelmäßig eingeleitet als Finanzkrise, manifestiert. Ist doch (wenngleich einiges Kritisches dazu zu sagen wäre) wenigstens ein klares Wort. Gerade das aber ist nicht des wissenschaftlichen Literaten Vogls Welt. Er will das Kapital - dichten, mit metaphorischen Girlanden schmücken und in Allegorien hüllen. So - unter dem "literarischen Zusammenschnitt von kanonischen Formeln älterer und neuerer Kapitalismusananlysen" (S. 14) will auch der hauptberifliche Literaturwissenschaftler Vogl es nicht halten, was schmerzlich zu Lasten des klar Gedachten geht - wird "das Kapital" zum geheimnisvoll herumwesenden Gespenst stilisiert, statt als Fetisch einer mechanisch-stumpfen sozialen Gewohnheit, mit allerdings einigen "Überraschungen" in ihrem makroblind herumfuhrwerkenden Gefolge, ent-täuscht. Seinen Text kann man nicht nüchtern denken. Den muß man mit literarischem Hochgefühl beten und singen. So - und nur so - festlich gestimmt und mit Poesie am klar Gedachten zielsicher vorbei ist man denn bereit, darüber hinwegzusehen, daß sich das seitenlange überzuckert-nervös-konfuse Gerede (was macht Vogl nur aus Minsky, man lese dazu im Original oder bei Keen, für einen enthusiastisch angerührten Brei !) von "zukünftigen Zukünften", "Zukunft und deren Zukünften", "künftigen Gegenwarten","gegenwärtigen Zukünften" in allerlei "Räumen" und "Formaten", auf den Punkt gebracht, nur auf elend platte Kalendersprüche reduziert: "Es kommt immer anders, als man denkt." (S. 170) Wieder mit Franz Beckenbauer: "Jo da schaug her, wer hätt jetzad nachad dös denkt ?" Ein Buch, so wirksam wie ein Crash - in der Tat, ein Crash, wenn nicht ein Super-GAU, jeglich kritisch zu den in Frage stehenden Sachverhalten Gedachten. Zwei, drei nette Formulierungen - ja, die gibt es tatsächlich auch - retten da gar nichts.

Was also Sloterdijk(*) in Philosophy ist Vogl in Economics. Daß an sachlicher Ökonomiekritik nichts in seinem Essay neu ist, ist sicher kein Mangel. Es spricht nichts dagegen, Bekanntes neu zu durchdenken, es zu systematisieren, zu pointieren, zusammenzufassen usw.. Wohl aber, daß durch sein "poetisches Format" Bekanntes weit unter dem Niveau des state of the debate expliziert wird. Vogl erklärt nicht wirklich sorgfältig, welchen absurden Unsinn die herrschende ökonomische Denkform z.B. in der Gleichsgewichtstheorie GLAUBT. Er kritisiert auch nicht den Wahnsinn, mit solchem Zeugs gedankenmunitioniert wirtschafts- und sozialpolitisch auf die Welt loszugehen. "Geistreich" zu sein ist ihm viel wichtiger als kategorial sauber zu explizieren. Und ein an den mittelschmalen Text anschließender vierzigseitiger Anmerkungs- und Litereraturapparat kann auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Umgang mit ganz vielen Büchern noch keineswegs bedeutet, das darin Gesagte wirklich verstanden zu haben. Für die Feuilletonschreiber von FAZ bis SZ wirkte Vogls "kapitalistische Oikodizee" **), die er mit seinem Essay weniger kritisiert denn zelebriert, natürlich elektrisierend. Ein zungenschnalzend-lobhudelnder Superlativ jagte den anderen und ein einziger klebriger Brei verschmiert das Back-Cover: "frontaler Angriff auf die dorischen Säulen der Wirtschaftswissenschaften" (ZEIT), "So pointiert, faktengesättigt und geistesgeschichtlich inspiriert kommt keine zweite Analyse unseres Wirtschaftssystems daher" (FAZ). Es gruselt einen. Ja, da haben sie sich allesamt in ihrer ureigenen Ambition wiedererkannt: genau so was verschwiemelt-schwammiges möchten sie auch schreiben. Weil das genau ihre Art des "Denkens" ist. In dem, was sie da loben, loben sie also letztlich nur ihre eigene Vortrefflichkeit. Wie grundehrlich dagegen ist die nur zu verständliche Verärgerung eines armen Studikers hier, dem Vogls "Format" als Pflichtlektüre für seine Arbit verdonnert worden war. Nachhaltiger als mit solchen exquisiten literarischen "Einfällen" kann die - allzeit und unerbittlich fällige - Kritik der Politischen Ökonomie nicht desavouiert werden. Denn solches derridasches Zeugs ersetzt nur eine gedankliche Wirrnis - die herrschende ökonomische Denkform ist eine einzige kopfverderbende Katastrophe - durch eine andere.
---------------------------------
Anmerkung:

(*) dieser Großmeister des garantiert gedankenfreien Worts hat sich als ebenfalls "Fachfremder", das Theater der postmodernen Absage an "Großentwürfe" hinter sich lassend, mit, Eigenbewerbung, "lichtstarker Optik" "grundstürzend" 2006 "Im Weltinnenraum des Kapitals" herumgetrieben und dabei u.a. zwei sich grundlegend widersprechende Theorien zum "Wesen des Kapitalismus" gleichzeitig vertreten (so man das kryptische Gegacker dazu so nennen will). Einmal, von Marx abgekupfert, daß die Profitrate (RoI) das A und O sei und deren mächtiger Hebel der Kredit (Verschuldung). Zum anderen, daß umgekehrt der Profit nur ein Epiphänomen des Kredits bzw. nur der Hebel sei, um aufgenommenen Kredit "rechtzeitig" zurückzuzahlen (zu entschulden). Welch letzterer Unsinn - er nennt sich "Eigentumsökonomik" oder sloterdijkisch "Kreditismus" - sich 2007 ff. ja wohl in üblicher prognosatischer Kraft ökonomischer Modellschustereien vollauf bestätigt hat.- Damit ist nichts gegen "fachfremden" Blick auf die Ökonomie gesagt, im Gegenteil. Schon Physiker und Mathematiker haben sich ja darüber gewundert, was Ökonomen da in ihren Modellen an Unrechenbarem zusammenrechnen wollen. Und auch Aristoteles war ja kein Ökonom und hat wahrscheinlich gerade deshalb zum "Wesen des Geldes" Bedeutenderes gesagt, als die Mainstreamökonomie und (leider) a lot of the critics zusammen. Genau das ist wiederum Vogl, S. 115 ff., durchaus entgangen. Von Aristoteles verbleiben "geistesgeschichtlich inspiriert" in seinem weiteren Text nur das Wort "Chrematistik" und daraus gebildete Adjektivierungen. Das ist das Grundübel dieses Textes: über das Kapital zu reden, ohne zu wissen, was Geld ist - das geht nicht gut aus. Wird nur - "literarischer Zusammenschnitt".

**) Auch auf die Gefahr hin, es mit dem "Format" zu genau zu nehmen: der Kern von Vogls Essay soll sein die "Frage nach der Konsistenz jener ökonomischen Glaubenssätze, für welche die Zweckwidrigkeiten, Übel und Pannen im System mit dessen weiser Einrichtung vereinbar erscheinen; oder eben nicht." (S. 29) Und da reicht es für Verständiges zur Sache beileibe nicht hin, "geistesgeschichtlich inspiriert" über den providentiellen mechanistischen Physikalismus der Ökonomie oberflächlich herumzuplaudern, den diese ja auch heute noch, und wenn die Lebenswelt dabei in Scherben geht, unbeeindruckt affirmiert. Auch die viel zu dick aufgetragene Parallelisierung des Erdbebens von Lissabon und des, sinnfällig wohl, "Finanzbebens" 2007 ff. als jeweiligen Auslösern von Glaubenskrisen dient nur dem belletristisch-literarischen Zweck, ein suggestives Bonmot: oikodizee zu generieren. Nur damit ist herzlich wenig aufgehellt, was es mit dem - in der Tat - Glauben (und damit eben Nicht-Wissen) der Ökonomie auf sich hat, der sich doch gerade nicht als Glauben, sondern als Wissenschaft vermeint. Da ist, statt zu meinen, mit dem Bonmot das Wesentliche schon gesagt zu haben, vielmehr schon zu fragen, was Ökonomen vor allem implizit - begriffslos vorausgesetzt - alles falsch denken, wenn sie Ökonomie so wie in ihren mathematisierten Modellen denken wollen, also die "Philosophie hinter der Philosophie" zu entbergen. Und warum sie deshalb bei der Erklärung ökonomischer Sachverhalte auch scheitern müssen, weil sie sie in ihrem Wesen grundlegend verfehlen (dazu böte sich die Finanzmarkteffizientheorie, deren ökonomienobelpreisprämierte Zauberformelerfinder als Probe aufs Exempel ja gleich eine grandiose Hedgefondspleite längst vor 2007 ff. hingelegt hatten, geradezu an). Hierzu jedoch - die einzige Möglichkeit, dieses falsche Denken wirklich loszuwerden - kommt von Vogl ernsthaft nichts außer begeisterten Wortspielen bzw. Versatzstücken luhmannscher Systemtheorie von wegen "gegenwärtigen Zukünften" und "zukünftigen Gegenwarten" etc., zu denen wohl eher kurzweilige SF-Romane "inspiriert" haben denn saure "Arbeit am Begriff".

*

PS: Schönes Zusammenspiel - was die rezensierende Fangemeinde im Ping forderte und damit zu befürchten war: "Was aber etwas untergeht, ist die heutige Mechanik der Staatsfinanzierung in Zusammenhang mit den Finanzmärkten zu erläutern. Vermutlich ergäbe das ein weiteres Buch." hat Vogl offenbar im Pong zwischenzeitlich wahr gemacht. Im Juni 2014 soll die Fortsetzung erscheinen. Liest man die Vorankündigung, dann ist ein wirklich nahtlos an "Das Gespenst des Kapitals" anschließendes "Format" zu erwarten. Kommt also wieder was auf bedauernswerte Studiker zu.

PPS: Das hier wiedergegebene Interview mit Vogl zu seinem Essay hat den vergleichsweisen Vorteil, dass darin in weitgehend Prosa zumindest einigermaßen zusammenhängend klar wird, was seine Kerngedanken sind und worauf er eigentlich hinaus will. Es wird darin auch überdeutlich, daß das, was offenbar für Vogl neu war (und er deshalb wohl für grundlegend neu hält)und so es durchdacht Gedachtes darstellt, alles längst (und, das ist die Kritik, besser, weil eben durchdacht) gesagt ist. Beim erreichten state of the debate, damit dem Möglichen, ist sein "literarischer Zusammenschnitt" also doppelt überflüssig: als "Zusammenschnitt", wohlwollend gesagt, oberflächlich verkürzt, als "Literatur" mit seinen wuchernden Assoziationsbrocken ungenießbar. Es gibt keine größere Lesezumutung als einen Autor, der zwar etwas sagen will, aber nicht weiß, was genau. Der "inspirierte" Einfall ist ein Reinfall.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rückkehr der Gorgonen, 16. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
"Verfügbares Kapital ist nicht mehr von reinem Spuk unterscheidbar", Fazit: "Das Gespenst des Kapitals kommt stets aus der Zukunft zurück" Chapeau, Herr Vogl! Wer wissen will, wie der Finanzmarkt tickt und was uns das alle angeht, sollte dieses Buch lesen. Weit darüber hinaus ist "Das Gespenst des Kapitals" aber zudem ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Gespensterdebatte, denn nach der endgültigen Vertreibung des olympischen Zeus sind nun die Gorgonen und Zyklopen wieder auferstanden. Vom Spiegel-Titel "Gespenst der Märkte" bis zu Slavo Zizeks "Gespenst des cartesianischen Subjekts"(in:"Die Tücke des Subjekts")tummeln sich die Monster und Vogl liefert einen glänzenden Beitrag dazu, warum dies so ist - fünf Sterne reichen hier kaum aus.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


39 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Germanisch-frankophone Schwurbelschreibe, 30. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Das Ganz erinnert stark an die Versuche von Adorno zur Musik. Und über die heißt es bekanntlich: Da, wo Adorno richtig liegt, ist er oberflächlich. Und da, wo er ins Detail geht, ist er falsch. So auch Vogl.

Seine Ausführungen zur Finanzmathematik sind, soweit man den Sinn unter diesem Literaturwissenschaftsjargon erkennnt, eben schlicht falsch bzw. wimmeln von Fehlern.

Beispiele:

(1) In der Darstellung der Black-Scholes-Formel bringt Vogl statistische Volatilität und geschätzte Volatilität durcheinander. Man darf vermuten, dass er den Unterschied gar nicht kennt.

(2) Auf derselben Seite spricht Vogl vom Schwingungsraum einer Zufallsvariablen - was grober Unsinn ist, da eine Zufallsvariable eben nicht schwingt. Damit läge nämlich ein Zusammenhang vor, der gerade in diesem Modell nicht vorliegt. Man darf vermuten, dass Vogl das Modell nicht wirklich kennt.

(3) Vogl attackiert das Black-Scholes-Modell, weil es ein Zufallsexperiment modelliert. Und argumentiert gegen die Wahrscheinlichkeitstheorie auf dem Niveau eines VHS-Seminars. Sein Punkt: Man könne keine klaren Aussagen treffen. Nun: Natürlich kann man das nicht. Das ist der Sinn von Modellen des Zufalls. Einen Spielraum zu erfassen.

(4) Vogl beruft sich auf Benoist Mandelbrot, hat dessen Ansatz aber offenbar ebenfalls überhaupt nicht verstanden. Denn auch Mandelbrot nimmt ein Zufallsmodell. Nur variiert er eben die Verteilung bzw. die Zufallsvariable.

(5) Die Brownsche Molekularbewegung bildet zwar die Grundlage für die gängigen Theorien zur Börsenkursvorhersage, wird in der modernen Finanzmathematik aber nur noch in sehr stark abgewandelter Form verwendet. Davon weiß Vogl offenbar nichts. Und falls doch, müsste er in seine Überlegungen das Lemma von Ito einbeziehen - wozu er, Vogl, aber offenbar nicht in der Lage ist.

Resumee: Wer von Mathematik nichts versteht, sollte zur Finanzwelt schweigen.

Das deutsche Feuilleton freut sich trotzdem. Endlich gibt es einen, der in einer Sprache, die so wenig verständlich ist, wie die von Adorno, Kritik an der Finanzwelt übt. Dass diese Sprache vor allem dem Zweck dient, die Gedanken zu vernebeln, stört dort ohnehin nicht weiter. Nur geht der Forderung, Vogl hätte sich bei seinen Ausführungen klarer ausdrücken sollen, an der Sache vorbei. Denn eine klare Sprache fördert den Unsinn zu Tage.

Das vielleicht schlimmste für den Fachmann: In dem Band steht nichts Neues. Die Kritik an der Finanzwelt ist so alt wie die Finanzwelt. Und es gibt mittlerweile, anders als der Autor suggeriert, fundierte Kritik. Es gibt reihenweise alternative Modelle, die mit der Brownschen Bewegung nichts zu schaffen haben bzw diese so varrieren, dass Vogls Kritik völlig ins Leere geht; Beispiel Mandelbrot.

Die Kritik an der Finanzwelt ist notwendig. Aber nicht in dieser lächerlichen Form einer germanisch-frankophonen Schwurbelschreibe.

Kleiner Pluspunkt - aber kein Stern: Mitunter macht es ja auch Spaß, den Moglern bzw. Tölpeln auf die Finger zu schauen. In diesem, aber auch nur in diesem Sinne lohnt sich das Buch auch für den Fachmann. In jedem Fall hätte Vogl ein Kapitel in Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften mißbrauchen verdient.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


22 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Profunde Bildung ..., 27. Februar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
... (von vermutlich schon einem gewissen Seltenheitswert in bestimmten Bereichen) paart sich mit Klarsicht. Von Aristoteles bis heute wird ein absolut beeindruckender Spannungsbogen über die ökonomische Geschichte gelegt. Aktuelle Gegenwart quasi als Beiprodukt. Intellektuelle Standards werden mal eben eingehalten. Überdies auch noch mit Wortwitz und wunderbar erhellenden Selbstzitaten behandelter Autoren. Eine wahrhafte Entdeckung!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Ökonomie aus dem Blick des LIteraturwissenschaftlers, 25. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Joseph Vogl hat sich seit der Finanzkrise intensiv in die Ökonomie eingearbeitet. So kommen zur Abwechslung neben den Fragen ob nun Keynes oder Marx oder Friedman Recht haben auch mal Leute, wie Platon zu Wort. Dass dies mit einer überwältigenden Sprache vorgetragen wird ist natürlich verständlich, aber setzt nur den vermeintlich mathematisch-naturwissenschaftlich korrekten wirtschaftswissenschaftlichen Ansätzen eine entsprechende Wucht entgegen. Voll zu empfehlen!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


35 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein ambivalentes Bild, 26. März 2011
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Der Autor dieses Werks, Joseph Vogl, ist Literaturwissenschaftler. Dies merkt man diesem Werk an, im Positiven wie im Negativen.

Das Positive ist sicherlich, dass Vogl eine erfrischend andere Perspektive auf das Wirtschafts- und Finanzleben hat. Dies schlägt sich unter anderem in treffenden Vergleichen und Metaphern nieder. So vergleicht er beispielsweise das Bemühen, die Vernünftigkeit des Marktes trotz scheinbar unvernünftigen Verhaltens zu rechtfertigen, mit der Theodizee und tauft sie so Oikodizee. Auch wohltuend sind seine philosophischen und historischen Ausführungen, wie er zum Beispiel Aristoteles' Sichtweise von Wirtschaft und beginnendem Finanz- und Handelswesen darstellt oder auch wie die Bank of England das ersten systematisch durch Gold ungedeckten Papiergeld herausgab; er stellt sehr schön das geradezu unerhörte und neue daran heraus.

Das Negative sehe ich darin, dass er erstens trotz großer Literaturkenntnis kein Fachmann ist, und in seiner Sprache. Es ersetzt allzuoft die Metapher, das Zitat (wesentliche Teile des Buches bestehen aus solchen) und die Freude an gedrechselten Formulierungen die präzise und klare Argumentation. Das ist zum Teil sicherlich der allgemeinen Art geschuldet wie Männer seines Faches oft gerne formulieren; zum anderen Teil verschleiert er damit aber vermutlich auch, dass sein Verständnis der Details oft ungenau ist. Gerade in mathematischeren Gefilden ersetzen Schlagworte oft eine verständliche Aufbereitung.

Insgesamt macht diese Ambivalenz das Buch zu einer zwar anregenden, aber doch nicht ganz überzeugenden Lektüre.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Das Gespenst des Kapitals
Das Gespenst des Kapitals von Joseph Vogl (Broschiert - 16. Dezember 2010)
EUR 14,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen