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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lohnenswert auch für alle, die sonst kein Interesse an Comics haben ..., 7. Februar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB (Gebundene Ausgabe)
Vorab: ich befasse mich seit geraumer Zeit mit dem Thema Kriegsgefangenenschaft im 2. Weltkrieg und habe in der Vergangenheit schon eine Reihe von Erinnerungsberichten gelesen. Die Verzweiflung, die Wut und auch die Verachtung (z.B. von kollaborierenden Gefangenen oder dem deutschen Personal) ist mir aber noch nie so deutlich ins Gesicht gesprungen, wie in diesem Comic ...

Tardi berichtet von seinem Vater, einem französischen Unteroffizier, der im Mai 1940 gefangenengenommen wurde und die folgenden viereinhalb Jahre in einem deutschen Kriegsgefangenenlager in Hammerstein (Stalag II B) in Polen verbrachte. In den 80er Jahren hielt Tardi seine Erinnerungen an die Zeit der Gefangenschaft in 3 vollgeschriebenen Schulheften fest, die seinem Sohn wiederum fast 30 Jahre später als Quelle für seinen Comic dienten.

René Tardi, der sich 1935 freiwillig zur Armee gemeldet hatte, muss vor dem Krieg ein idealistischer junger Mann gewesen sein, die Erfahrungen der Niederlage und der Gefangenschaft, insbesondere der Hunger und die Tristesse des Lageralltages brechen ihn aber mit der Zeit und machen ihn zu einem mürrischen und nur noch von Bitterkeit und Abscheu seinem Land gegenüber geprägten Mann.

Bitter, traurig, trostlos ist auch die Stimmung, die Tardis Zeichnungen transportieren. Sie sind (fast) alle vollständig in Schwarz-weiß gehalten, was die Trostlosigkeit von Tardis Lage noch unterstreicht. Man erfährt viel über den Alltag in Gefangenschaft, über das ständige Denken an Essen, über Fluchtpläne (die allerdings nicht ausgeführt wurden), über die Verachtung der Kollaborateure, über die "Freizeit" im Lager und Kontakte mit dem deutschen Lagerpersonal. Nach 200 Seiten endet der Band plötzlich im Januar 1945 als die Gefangenen nach Westen evakuiert werden sollen ("Ende des ersten Teils") ... ich hoffe, dass es noch einen zweiten Teil geben wird, in dem Tardis Erlebnisse auf den vermutlich folgenden Evakuierungsmarsch geschildert werden in den letzten Tagen des Dritten Reiches.
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5.0 von 5 Sternen Akribisch und kunstfertig, 23. Februar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB (Gebundene Ausgabe)
Unglaublich mit welcher Hartnäckigkeit, Akribie und Kunstfertigkeit Jacques Tardi die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte aufarbeitet. Nach Comics über die Pariser Kommune von 1871 (“Die Macht des Volkes“) und vor allem über den ersten Weltkrieg – am beeindruckendsten wohl das Mammutwerk “Elender Krieg“ – widmet er sich der Geschichte seines Vaters René, der den Großteil des Zweiten Weltkriegs in einem deutschen Gefangenenlager in Pommern verbrachte.

Grundlage des zweibändigen Comics sind drei Schulhefte, die der 1986 verstorbene René Tardi seinem Sohn hinterließ. Jacques Tardi bricht in seiner Erzählung zu einer Reise auf. Als kleiner Junge begleitet er seinen Vater bei seinen Erlebnissen, die er in seinen wenigen Tagen als aktiver Soldat der französischen Armee und danach fast fünf Jahre als Kriegsgefangener hatte. Obwohl der 1946 geborene Jacques Tardi während des geschilderten Zeitraums noch gar nicht auf der Welt war, funktioniert der erzählerische Kunstgriff mit dem kleinen Jacques, der seinem Vater naive Fragen stellt oder freche Kommentare abgibt, sehr gut.

Tardi gestaltete seine schwarzweißen Comicseiten, in denen er gelegentlich als Effekt rote Farbflächen einsetzt, genau wie in “Elender Krieg“ in Form von drei sehr breiten untereinander angeordneten detailreich ausgeführten Einzelpanels. Das triste Grauen, das Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg erlitten haben, wurde in manchem Film allzu harmlos komisch dargestellt und steht zwangsläufig natürlich im Schatten des Grauens der Konzentrationslager. Auch daher war es dringend nötig, dass Tardi äußerst akkurat aufzeigt, wie grausam bei seinem Vater die verlorenen Jahre der Kriegsgefangenschaft verlaufen sind und wie viel Elend etliche Generationen im letzten Jahrhundert durch die zwei Weltkriege erleiden mussten.
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5.0 von 5 Sternen Der französische Spiegelman, 23. September 2014
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Rezension bezieht sich auf: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB (Gebundene Ausgabe)
Die Monströsität von Auschwitz, der sich Art Spiegelman in seinem grandiosen Werk "Maus" nur in einer metapherartigen Verfremdung nähern konnte, obwohl es sich um die Erzählung seines Vaters Wladek handelte, macht Vergleiche mit anderen graphic novels schwer.
Dennoch möchte ich Tardis Umsetzung der Erzählung seines Vaters René über seine jahrelange Gefangenschaft in einem hinterpommerschen Stammlager dem Werk Spiegelmans an die Seite stellen - auch wenn dessen verstörende Wucht freilich unerreichbar bleibt.

Im Vorwort erklärt Tardis Frau Dominique, wie stark beide Familien - und die tausender und abertausender anderer Franzosen- von den beiden Weltkriegen geprägt wurden: die Großeltern von den zermürbenden Materialschlachten, die Eltern vom Dahinhungern als Kriegsgefangene, die Kinder als Leidtragende von gebrochenen heimgekehrten Großvätern und Vätern.
Während aber die Großväter selbstbewußt ihr vierjähriges Durchharren rühmen konnten, wollte von den schliimmen Erfahrungen ihrer Söhne niemand etwas wissen. "Sie blieben stumme, verkannte Opfer jenes Krieges und der beschämenden Kollaboration des Vichy-Regimes, das sie als Geiseln in der Hand des Feindes gelassen hatte (...)"

Die grauenhaften Erfahrungen des Ersten Weltkrieges hat Tardi, geprägt durch die Erzählungen seines Großvaters, bereits mehrfach in grauschwarze Bilder gepackt - am gelungensten in der Episodenerzählung "Grabenkrieg", eine hoffnungsloser als die andere.
Die Kriegsgefangenenzeit seines Vaters ging er erst später an - gestützt auf dessen Erinnerungen in "drei vollgeschriebenen Schulheften", bereichert um zwar laienhafte, doch recht aussagekräftige, teils drastische Zeichnungen. René Tardi, wiewohl kein Künstler, verfügte offenbar über einiges zeichnerische Talent.

Der Kunstgriff, Tardi als etwas aufsässigen Jungen, der sich mit seinem Vater unterhält, durch dessen Erinnerungen marschieren zu lassen, funktioniert erstaunlich gut. Kindheit und Gugend René Tradis werden als Rückblicke erzählt, während der ältere René mit seinem Panzer durch eine Ruinenlandschaft mit zerstörtem Kriegsgerät pirscht, vorbei an Pferdeleichen (ein Zitat aus der "grande guerre"), an Grabkreuzen, an erschossenen Radfahrern, immer im Gespräch mit seinem hinterherschlendernden minderjährigen Sohn Jacques.Die Schrecken des Krieges kommen so eindrücklich zur Darstellung, obwohl der aktive Kriegseinsatz Renés, nachdem der "drôle der guerre" beendet war, lediglich 12 Tage dauerte.
Aber auch diese zwölf Tage, mehr oder weniger als Chaos einer zerbrechenden Front erlebt, zeichnet Tardi beeindruckend detailliert: den vom Zug auf die Schienen rutschenden Panzer, der den Waggon zum Entgleisen bringt, die Stuka-Angriffe auf entsetzt fliehende Zivilisten, die einsame Pirsch des nur von zwei Männern besetzten Panzers.

Dann die Gefangennahme, die Zugfahrt im Viehwaggon - das Loch in den Bodenbrettern zur Verrichtung der Notdurft mußte sich die Gefangenen erst schaffen -, Durchgangslager und Ankunft im Stalag IIB, das, von einem Arbeitseinsatz abgesehen, der ältere Tardi erst 5 Jahre später wieder verlassen sollte.
Die Zeit im Lager, über mehr als 100 Seiten erzählt, trübe, hoffnungsarm, demütigend, bleibt dennoch als Geschichte packend. Nicht nur, daß Tardis Zeichnungen fast wie ein Schwarzweißfilm vor einem abrollen (wobei ich es immer wieder erstaunlich finde, wie wenig die Sprechblasen dabei stören, wie in allen "Tardis"), die Erzählung, weiterhin vom jungen Jacques beobachtet und kommentiert, ist so reich an Details, daß Langeweile nicht aufkommt.

Der Band endet mit der Evakuierung des Lagers im Januar 1945. Mit Spannung warte ich auf den zweiten.
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Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB
Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB von Jacques Tardi (Gebundene Ausgabe - 2. Oktober 2013)
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