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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios erzählt!
Diese türkische Schriftstellerin gilt es zu entdecken. Mit dem Roman „Ehre“ legt sie dem Leser einen prachtvollen, nachdenklich stimmenden und eindrücklichen Roman über eine Familie vor. Eine Geschichte über Zwillingsschwestern und ihren Lebensläufen. Pembe und Jamila trennt das Leben. Die eine bleibt in ihrem kleinen Dorf, irgendwo am...
Vor 5 Monaten von Laurent Piechaczek veröffentlicht

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hatte mehr erwartet
Mich hat dieses Buch eher enttäuscht. Wer Romane von Khaled Hosseini kennt, findet hier viel von der Ausgangsgeschichte. Nur besser geschrieben. Auch die Struktur, eine Geschichte, aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, findet sich dort.
Alles in allem finde ich das ganze auch sehr konstruiert; vor allem die abstruse Auflösung.
Dass man hier...
Vor 2 Monaten von EsmeWetterwachs veröffentlicht


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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios erzählt!, 30. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
Diese türkische Schriftstellerin gilt es zu entdecken. Mit dem Roman „Ehre“ legt sie dem Leser einen prachtvollen, nachdenklich stimmenden und eindrücklichen Roman über eine Familie vor. Eine Geschichte über Zwillingsschwestern und ihren Lebensläufen. Pembe und Jamila trennt das Leben. Die eine bleibt in ihrem kleinen Dorf, irgendwo am Euphrat und wird Hebamme und die andere geht nach London .
In ein London Mitte der 70er Jahre. Der Punk entsteht und auch in der Familie gibt es Brüche. Brüche, die eigentlich nicht so gravierend erscheinen, aber in archaisch geprägten Familien wohl unweigerlich zur Katastrophe führen müssen. Alles bricht auseinander, nichts bleibt mehr so wie es war.
Einen wuchtigen Roman hat da Elif Shafak dem Leser vorgelegt. Sprachgewaltig und, so kam er mir vor, enorm spannend, fesselnd. Nicht im Sinne eines Krimis, eines Thrillers, nein sondern in seiner Thematik. Der Leser geht mit den Figuren und Charakteren. Viele Fäden verbinden sich und der Leser gewinnt Einblicke in die Strukturen der alte Traditionen in kurdischen Familien. Und so gestaltet sich das Lesen dieses Buches quasi wie im Flug. Alle Charaktere, mit ihren Stärken und Schwächen, konnten sich entwickeln, die Autorin gibt ihnen den Raum und die Zeit im Roman. Dadurch schafft sie es allen gerecht zu werden. Auch die eigentlich negativ besetzten haben ihren Stellenwert. Ihre Motiv werden dargestellt, ob man ihnen folgen will, steht dann auf einem anderen Blatt.
Und der Roman zeigt auch die die Ursachen der Katastrophe. Wenn vieles in einem Leben zusammenbricht, so wird auch der ein oder andere Mensch empfänglich für Einflüsterungen von der falschen Seite und verändert sich. Dieses stellt Elif Shafak in der Person von Iskender, dem Sohn, und seinem Schicksal dar. Seine monströse Tat führt, so habe ich es empfunden, aber nicht dazu, diesen jungen Mann, der für seine Tat büßt, völlig zu verurteilen. Nein, seine Entwicklung ist durch äußere Einflüsse massiv bestimmt. Ob er das alles so gewollt hat, es steht in Frage. Seine Verantwortung kann er nicht wegdiskutieren. Sein Schicksal ist gegeben, er muss damit leben.
Am Ende dieses Romans verbinden sich viele Fäden. Geschickt von Elif Shafak verknüpft. Es endet eine spannende, aufwühlende Reise durch viele Jahre und Schicksale. Überzeugend erzählt!
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Roman für Leser die hören und sehen..., 28. April 2014
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
Als ich vor 3 Wochen das Kaufleuten in Zürich besuchte, ist die Lesung mit der Autorin ausverkauft. Ca. 300 Leute passen in jenen Lesesaal, die Leserschaft: Überwiegend Frauen, vielleicht 90%, viele davon türkisch sprechend. Selten habe ich so eine beeindruckende Lesung erlebt, wie diese. Schon beim Nachhausegehen dachte ich, also wenn die so schreibt, wie sie spricht, muss das Buch eine Wucht sein. Wer die Gelegenheit hat, Elif Shafak persönlich zu erleben, dem sei wärmstens eine Lesung empfohlen. (Englisch mit Übersetzung) Das vorliegende Buch ist bereits ihr 6. Buch ( in deutscher Übersetzung / von insgesamt 12), die Autorin gehört zu den meistgelesenen Autoren der Türkei, Elif Shafak schreibt sowohl in türkisch und englisch und lebt heute mit ihrer Familie in London. Ihr vorliegender Roman wird quasi mit einem Paukenschlag angekündigt und erzählt die Geschichte, der Zwillingsschwestern Pembe und Jamila, die in der Türkei aufwachsen. Schon recht früh gibt die Autorin den Mord bekannt, um den es hier gehen wird - die Geschichte wird von hinten nach vorne erzählt, eine sehr eigenwillige aber gelungene Plotausrichtung. Ein Roman der etwas von der türkischen / kurdischen Lebens- Denkweise erzählt und gleichzeitig davon erzählen will, wenn ein Familie den Schritt in die westliche Welt machen will, wie hier nach London, was das eigentlich für so eine Familie bedeutet. Zwei verschiedene Kulturen sind es, die hier aufeinander treffen und von den Schwierigkeiten erzählt, sich dort einzuleben, trotz der eigenen Prägung.

Elif Shafak erzählt hier eine gewaltige und aufrüttelnde Familiengeschichte, die einen packt, aufwühlt und nicht mehr so schnell loslässt. Die Autorin erzeugt darin eine unglaubliche Spannung, die fast schon an einen Thriller denken lässt. Eine reiche und pralle Story, die sich in viele Abzweigungen verliert und doch immer wieder zusammenläuft, das ist schon hohe Kunst was uns diese Autorin hier vorführt. Shafak hat einen Schreibstil der unter die Haut geht, sie versteht es uns darin eine fremde Kultur zu vermitteln und beherrscht ihr Handwerk. Perspektivenwechsel, Zeitsprünge vor und zurück, jeder Erzählstrang wird ganz sicher irgendwann komplettiert oder findet seine Weiterführung im nächsten. Ein Buch das betroffen macht, ja einen nicht in Ruhe lässt, dieses Buch müsste eigentlich mit einem Preis versehen werden, mein Gott was für eine Ausdruckskraft, denn dieses Buch schafft es Leser auf ganz unterschiedlichen Ebenen zu erreichen und dies mit einer unheimlichen eindringlichen, überzeugenden und aufrüttelnden Art, nicht zuletzt deswegen weil man spürt, hier schreibt jemand vom Leben, wie es sich wirklich zuträgt. Somit kommt dieses Buch extrem authentisch rüber, schon jetzt meine wärmste Empfehlung, für mich klar das Lesehighlight in diesem Frühjahr, dieses Buch schlägt ein wie eine Bombe...und ich gebe es gerne zu: Ich bin begeistert!

Die Geschichte geht über gut 50 Jahre, nämlich beginnend in der 40er Jahren bis zu den 90er Jahren, des letzten Jahrhunderts. Jamila wird als Hebamme im kurdischen Euphrat bleiben und hier ihr Leben bewältigen, während ihre Zwillingsschwester Pembe mit ihrem Mann Adem nach London geht, mit dem sie 3 Kinder haben wird. Diese sind Iskender, Esma und Yunus. Shafak porträtiert jede dieser Personen, alle vorne weg: Iskender der im Gefängnis sitzt und eine langjährige Haftstrafe absitzt und wie im Tagebuchstil von seiner Gefängniserfahrung und seiner inneren Verarbeitung zu seiner Tat erzählt. So bekommen wir von jeder Person einen Einblick in das Familienleben, dieser Familie. Leider lebt sich das Paar auseinander, Adem verliebt sich in eine Tänzerin in einem Nachtlokal und zieht aus, lässt seine Familie alleine. An allen Ecken beginnt diese Familie auseinander zu brechen. Als Pembe den Koch Elias kennenlernt, ein Mann mit Einfühlungsvermögen und Wertschätzung der Frau gegenüber, entwickelt sich eine zarte Liebe, angesichts einer bröckelnden Familie. Die Kinder sind noch zwischen 7 und 16 Jahren. Ständig schwebend hängt hier ein Damoklesschwert über dem Roman, denn wir Leser wissen, hier ist etwas Schlimmes passiert und es geht um einen Mord...Doch bis wir soweit sind, lesen wir erst einmal gute 400 Seiten, soviel braucht nämlich die Autorin, um die ganze Geschichte, des Verfalls, der Entwicklung, der Veränderung, die ganze Dramatik, die kulturelle Anpassung mit allen Schwierigkeiten, ja die ganze Romankonstellation zu erzählen, nebst dem Leben in der Türkei, vor allem eben der Zwillingsschwester Jamila, die alleine bleibt und sich dortigen Herausforderungen und Gefahren des Lebens konfrontiert sieht.

Wir erleben hier förmlich mit, was diese Menschen erleiden und durchleben, ihr Scheitern, ihr Verzweifeln, ihr Ringen um Glück und Zufriedenheit und doch immer wieder daneben das Scheitern, sowie die eigene Prägung die das Leben in einem für sie fremden Land auch nicht einfacher macht. Wir erfahren etwas darüber, was es bedeutet, wenn eine Frau "Schande" über ihre Familie bringt, und wie ein sogenannter "Ehrenmord" zustande kommt, und was seine Hintergründe und Rechtfertigungen sind, auch wenn für uns Westler, das alles andere als verständlich ist. Zumindest bekommen wir einen Einblick in die Mentalität, dieser Kultur. Während Adem kläglich in Leben scheitert, Pembe nur zaghaft die Liebe in ihr Leben lässt und die Gefahr ahnt, durchläuft Iskender im Gefängnis eine ganz eigene innerliche Läuterung, in Bezug auf seine Tat. Als die Schwester Jamila nach London geht um ihre Schwester zu unterstützen, kommt es zur Katastrophe, die alle ahnen und auch voraus wissen...Shafak schafft es gegen Ende den Leser nochmal völlig neu zu überraschen und ungeahnte Verläufe zu schildern, auf die zumindest ich nicht gekommen wäre. Ein heftiger Roman, der grausam und liebevoll, einfühlsam und brutal geschildert ist, und vom Aufeinandertreffen zweier Kulturen erzählen will, in dessen Mittelpunkt die Tragik eines Frauenlebens steht, die Pech hatte, das nicht zuletzt mit der Mentalität der dortigen Türkei zu tun hat, und das Thema "Ehrenmord" auf eine Art und Weise thematisiert, das man förmlich unter Spannung liest und fiebriert und mitleidet, und irgendwann zutiefst realisiert, was für eine unglaubliche Autorin Elif Shafak ist. Ihr Roman ist fantastisch geschrieben, obwohl bedrückend beim Lesen, ist es eben doch eine grossartige Erzählung von Etwas, das wir uns hier im Westen gar nicht vorstellen können. Nämlich wie sehr ungeschriebene aber gedachte "Gesetze" Menschen bestimmen und zu Taten bringen können, selbst wenn sie als irrational empfunden werden, bekommen wir Zugang in ein Utopisches Denken, das im Grunde über Menschenleben hinweggeht. Elif Shafak hat hier wirklich ein literarisches Meisterstück abgeliefert, das seinesgleichen sucht und schwierig sein dürfte, das Ganze noch toppen zu können. Meine zutiefst gehende Wertschätzung dieser wunderbaren Autorin gegenüber!

Zitat:

"Als ich sieben Jahre alt war, wohnten wir in einem grünen Haus. Ein Nachbar von uns, ein tüchtiger Schneider, schlug oft seine Frau. Abend für Abend hörten wir das Geschrei, das Schluchzen, die Flüche. Am nächsten Morgen machten wir weiter im alten Trott. Alle Nachbarn taten, als hätten sie nichts gehört und nichts gesehen. (..) Dieser Roman ist denen gewidmet, die hören und sehen."

Empfehlung. Definitiv.
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pembe Kader und Jamila Yeder - Rosarotes Schicksal und Genug Schönheit, 17. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Kindle Edition)
Klappentext
Als sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern von Istanbul nach London zieht, erhofft sich Pembe ein erfüllteres Leben. Doch in der fremdem Welt zerreißt es die Familie, die weder den Ansprüchen ihrer alten noch der neuen Kultur gerecht zu werden scheint. Pembes Tage sind düster - bis sie den weltoffenen Elias kennenlernt. Sie teilen die Liebe zum Kochen, und Elias zeigt Pembe neue Horizonte auf, geprägt von Zärtlichkeit, Rücksichtnahme und Verständnis.
In der Heimat zurück gelassen hat Pembe ihre Zwillingsschwester Jamila, die dort im Einklang mit der Natur ein einsames Dasein fristet. Jamila spürt, dass sich mit der neuen Bekanntschaft Pembes ein schreckliches Unheil anbahnt, und sie entschließt sich zu einer folgenschwereren Reise nach London.

Eigentlich sollten Pembe und Jamila Bext und Bese auf Kurdisch heißen was auf Türkisch Kader und Yeter heißt. In jeder anderen Sprache hat es die Bedeutung Schicksal und Genug. So wollte sie ihre Mutter nennen, die nach bereits 6 Mädchen wieder zwei Mädchen gebar, obwohl sie unbedingt einen Jungen wollte. Sie zürnte mit Allah. Das gefiel dem Vater der Mädchen ganz und gar nicht und beschloss ihnen den Namen Pembe und Jamila - Rosarot und Schön - zu geben. Und fortan wurden die beidem Mädchen Pembe Kader und Jamila Yeder - Rosarotes Schicksal und Genug Schönheit - gerufen. Als wären diese Namen bereits ihr Schicksal ...

Pembe heiratet Adem, der aber wollte eigentlich Jamila heiraten. Die aber wieder konnte er nicht heiraten, da sie angeblich befleckt" sei. Also willigt er ein Pembe zu heiraten, in dem Glauben, dass Pembe wie ihre Zwillingsschwester Jamila sei. Aber irgendwann müssen beide erkennen, dass es nicht das ist, was sie sich von ihrer Ehe erhofft und gewünscht haben. Adem verlässt Pembe und die drei Kinder, verfällt der Spielsucht und Roxana. Pembe, allein mit Iskender (16), Esma (15) und Yunus (10), versucht die Familie so gut es geht über die Runden zu bringen. Iskender, ihr Sultan, übernimmt die Rolle als Familienoberhaupt. Angestachelt von seinem Onkel und anderen Männern seiner Herkunft, gerät Iskender in einen Strudel aus Tradition und Kultur, der letztendlich in einem Ehrenmord" endet.

Wer hat nicht schon einmal von Ehrenmorden" gehört und sich dann gefragt ... was sind das für Menschen, die ihre Familienangehörige ermorden, nur damit die Ehre" wieder hergestellt ist, und die Schande" abgewendet wurde ...

Mich hat dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Der Autorin gelingt es in einer wundervollen Sprache mit diesem Buch einen Einblick in die Türkische/ Kurdische Kultur zu schaffen. Sicherlich kann man dieses Thema nur anstreifen, und nicht in seiner ganzen Breite in einem Buch vertiefen.

Es zeigt mir aber noch viel mehr, nämlich dass es vollkommen egal ist, welcher Kultur man angehört, dass es für ein Kind schwer ist sich in dieser Welt zurecht zu finden, wenn die Stützen (Eltern) in der Kindheit und Jugend weg brechen. Kinder die Verantwortung für eine ganze Familie übernehmen sollen sind einfach mit dieser Aufgabe überfordert. Kinder sollten Kinder bleiben können und keine kleinen Erwachsenen.

Das Buch fängt mit einer Widmung an, die mich sehr berührt hat und die mich hören und sehen lässt ...

Als ich sieben Jahre alt war, wohnten wir in einem grünen Haus. Ein Nachbar von uns, ein tüchtiger Schneider, schlug oft seine Frau. Abend für Abend hörten wir das Geschrei, das Schluchzen, die Flüche. Am nächsten Morgen machten wir weiter im alten Trott. Alle Nachbarn taten, als hätten sie nichts gehört und nichts gesehen.

Dieser Roman ist denen gewidmet, die hören und sehen."
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was bedeutet EHRE?, 21. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
Die türkisch-kurdischen Zwillingsschwestern Pembe und Jamila wachsen in einer Großfamilie auf, bei denen die EHRE über allem steht. Ihre Mutter hatte vor ihnen bereits sechs Mädchen geboren und weil sie findet, es seien nun genug Mädchen, wollte sie die Kinder kurz nach der Geburt eigentlich Bext und Bese heißen, was auf kurdisch Kader und Yeter, also Schicksal und Genug bedeutet. Doch der Vater verhindert dies und nennt die beiden schließlich Pembe und Jamila, was Rosarot und Schön bedeutet. Bereits hier wird sichtbar, was EHRE bedeutet und welchen Stellenwert ein Mann in einer türkisch-kurdischen Familie besitzt. Doch die Namen der Mutter waren unauslöschlich mit den beiden Mädchen verbunden und so waren es nun, Pembe Kader und Jamila Yeter. Diese Namen sind bezeichnend und richtig, dies wird im Verlauf der Geschichte deutlich sichtbar.

Als Jahre später Pembe, die Adem geheiratet und einen Sohn geboren hat, mit ihrer eigenen kleinen Familie nach London zieht, bleibt ihre Schwester Jamila allein zurück. Sie arbeitet in dem kleinen kurdischen Dorf als Hebamme. Beide bleiben dennoch ihr ganzes Leben eng miteinander verbunden.

Während Jamila durch ihr Leben und ihren Beruf, die Werte und Traditionen ihres Landes immer wieder miterlebt, ist ihre Schwester Pembe anders, sie erhofft sich in der Ferne eine bessere Zukunft für sich und ihre Familie, was jedoch nicht wirklich eintrifft. Stattdessen droht ihre Familie zu zerbrechen. Als Pembe schließlich den verständnisvollen Elias kennen lernt und sich ihn verliebt, ahnt ihre Schwester, dass das nichts Gutes bedeuten kann und entschließt sich nach London zu reisen.

Elif Shafak hat mir ihrem bewegenden Familienepos einer türkisch-kurdischen Familie einen Roman geschaffen, der bewegt und schockiert. Über allem steht die EHRE, das steht für diese Familie als festgeschriebenes Gesetz. Es ist der Anker ihrer kulturellen Werte, nichts und niemand darf und sollte diese Ehre beschmutzen, tut er es doch, ist ihm nicht mehr zu helfen.

Das Buch beginnt mit dem eigentlichen Ende der Geschichte, welches einen EHREnmord zum Inhalt hat, was einen sofort neugierig macht und man möchte wissen, wie es zur der Tat kam und was die Schwester des Täters so zwiegespalten zurücklässt:

„Ich habe oft daran gedacht, ihn zu töten. Ich habe ausgeklügelte Pläne geschmiedet, in denen Pistolen, Gift oder, am allerbesten, ein Schnappmesser vorkamen – eine symbolische Gerechtigkeit gewissermaßen. Ich habe auch daran gedacht, ihm aus ganzem Herzen zu verzeihen. Letztlich habe ich beides nicht geschafft.“
(Buchauszug, Seite 11)

Auch hier war mir bereits klar, dass die EHRE eine Rolle spielen muss. Diese Erkenntnisse tauchen dem Leser während des Lesens dieses Buches immer wieder auf und man merkt, wie tief verankert dieser Glaube an EHRE in den östlichen Kulturen wohl verbreitet sein muss.
Das Leben von Pembe, aber auch von ihrer Schwester sind von Beginn an, mit diesem einen Wort verbunden. Was ist EHRE wert, wenn die den einzelnen Menschen nicht sieht und ihm das Recht auf Liebe, Freiheit und Eigenständigkeit verwert. In diesem Buch erfährt der Leser es.

Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft, eindringlich und anziehend. Dem Leser gelingt es nur schwerlich das Buch wieder aus der Hand zu legen und ins eigene Hier und Jetzt zurückzukehren, so bewegend ist das Schicksal dieser Familie. Offen und ehrlich beschreibt Elif Shafak die Umstände, das Leben und Traditionen einer für uns fremden Welt. Zeitweise fühlte ich mich in Mittelalter zurückversetzt in der ein Mann das Sagen hatte und die Frau gehorchen musste. Doch dann kommt auch wieder zum Vorschein, dass nicht alle aus dieser mir sehr befremdlichen Kultur so denken und für viele auch ganz andere Werte zählen.

Die Protagonisten dieses Buches als auch die Nebenfiguren sind klar und deutlich beschrieben und dennoch bleiben sie vielschichtig und interessant. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so kommt neben Jamila vor allem auch Pembes Sohn Iskender zur Wort, der eine tragende Rolle in dem Buch spielt. Welche, will ich aber hier noch nicht verraten.

Auch die zeitliche Reihenfolge der Geschehnisse ist nicht geordnet, die Autorin springt zwischen den Jahrzehnten hin und her, was aber durch die Kapitelzweitüberschriften bzw. den Angaben von Ort und Tag für den Leser einfach zu ersehen ist. Dies stört auch beim Lesen nicht, da die Autorin es meisterlich versteht, die einzelnen Geschehnisse und unterschiedlichen Zeiten in die Geschichte so einzufügen, dass daraus ein großes Ganzes entsteht, welche dem Leser das Gefühl gibt, die Geschichte selbst mitzuerleben. Man kann somit der Geschichte sehr gut folgen.

Man bekommt tiefe Einblicke in eine Kultur, die für europäische Verhältnisse sehr befremdlich erscheint. Denn EHREnmord ist ein Thema, was in der westlichen Welt nicht vorkommt, zumindest nicht, wenn man westlich erzogen wurde. Dies ist auch der Grund, was es für viele Menschen so unverständlich macht. Wie kann man sein eigen Fleisch und Blut, seine Verwandte im Namen der EHRE töten?
In diesem Buch bekommt man einen sehr guten Einblick und auch eine Erklärung, was letztendlich zu so einer Tat führen kann. Verstehen kann man es aber dadurch als Europäer aber trotzdem nicht wirklich. Doch zumindest erkennt man die Beweggründe, auch wenn sie für uns noch so abwegig scheinen.

Ein bewegender, tiefgreifender und nachdenklich machender Roman, der keinen Leser unbewegt zurücklässt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ehre von Elif Shakar - ein unbedingt lesenswertes Buch, 17. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Kindle Edition)
Ich habe das Buch eher zufällig auf meine Kindle geladen, weil ich mit dem Ding noch nicht umgehen kann (wollte eigentlich nur einen Blick ins Buch werfen), Hab es aber nicht bereut: ein sehr berührendes Buch, ohne dabei aber rührselig zu sein. Eine einfühlsame und unpretentiöse Schilderung des Schicksals eine kurdisch-türkischen Familie, die bis an ihre Wurzeln am Euphrat zurückgeht und im englischen Exil mündet. Die Katastrophe ist von Anfang an bekannt, trotzdem ist das Buch durchwegs spannend und man erfährt sehr viel über das Leben und die Wertesysteme dieser Familie und wie und warum diese Werte das Leben selbst noch in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und im englischen Exil bestimmen. So erhält man/frau tiefe Einblicke in das Leben und Fühlen von Menschen in einer Kultur, die man heutzutage vor allem aufgrund aktueller Medienberichte vor allem mit religiösem Fanatismus, Extremismus und Terroranschlägen in Verbindung bringt. Das Buch legt Hintergründe offen und macht verständlicher, welche tiefere Problematik diesem oberflächlichen Eindruck zugrunde liegt. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hatte mehr erwartet, 24. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
Mich hat dieses Buch eher enttäuscht. Wer Romane von Khaled Hosseini kennt, findet hier viel von der Ausgangsgeschichte. Nur besser geschrieben. Auch die Struktur, eine Geschichte, aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, findet sich dort.
Alles in allem finde ich das ganze auch sehr konstruiert; vor allem die abstruse Auflösung.
Dass man hier außerdem versucht, Ehrenmorde aus Sicht des Kulturkreises ein Stück weit zu rechtfertigen, gefällt mir auch nicht so wirklich.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen es erscheint wie Realität, 7. Juni 2014
Von 
Sabine DB "Sabine DB" (Mainz Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
Elif Shafak ist eine renommierte Autorin in der Türkei. Sie lebt u.a. in London und lässt auch die Handlung ihres Buches teilweise dort spielen.

Pembe und Jamila sind Zwillingsschwestern. Die beiden sind Kurdinnen und sind sich sehr nahe.

Erwünscht waren die Mädchen von ihrer Mutter Naze nicht. Diese wollte Söhne. Die Mutter hadert mit ihrem Schicksal. Warum straft Allah sie mit 2 weiteren Mädchen? Sie hat doch schon 6.
Sie wollte die Mädchen Bext und Bese nennen, was kurdisch ist und Schicksal und Genug heisst, auf Türkisch Kader und Yeter.

Ihr Mann Berzo aber wollte Allah nicht weiter erzürnen und verkündete die Namen seiner Töchter: Pembe und Jamila, was Rosarot und Schön bedeutet.

All dies spielte sich 1945 in einem kleinen kurdischen Dorf ab. In einer Gegend, die noch nicht einmal etwas vom 2.Weltkrieg gehört hatte.

Pembe bekommt 17-jährig einen Sohn, einen Jungen, der ihrer Mutter stets verwehrt blieb.
Der Sohn wird nach Alexander dem Großen auf Kurdisch Askander, auf Türkisch Iskender genannt.

Pembe und ihr Mann Adem gehen nach London, Jamila bleibt zurück und arbeitet als Hebamme.

Pembe hat 3 Kinder und wird nie glücklich in ihrer Ehe. Adem liebte ja auch Jamila und tröstete sich mit deren Schwester Pembe in dem Irrglauben, dass Zwillingsschwestern genau gleich sind.

Im Laufe der Zeit lernt Pembe dann in London Elias kennen. Elias ist Koch und ein sehr einfühlsamer Mann. Natürlich passt das Verhältnis der Beiden nicht in die Pembes Welt.
Es kommt wie es kommen muss, ein Ehrenmord passiert.

Die Autorin schildert sehr behutsam und mit grossem Einfühlungsvermögen die Geschichte der ganzen Familie. Sie beschreibt die Personen von den Großeltern bis hin zu den Enkelkindern und deren Schicksal so exakt, dass man glaubt die Personen zu kennen.

Da sie ja selber den Weg von der Türkei nach London ging, kann sie aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen.

Mein Fazit: ein eindrucksvolles und fesselndes Buch, in dem die Geschichte einer kurdischen Familie über 3 Generationen erzählt wird.
Eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen, mit kulturellen und religiösen Zwängen und mit 2 Zwillingsschwestern, die durch ihre unterschiedlichen Lebenswege getrennt werden.

Einfach mitreissend ist das Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wow, was für ein Buch!!, 7. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
„Ehre“ von Elif Shafak beschreibt die Lebensgeschichte einer kurdischen Frau namens Pembe. Sie wird zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Jamilia als siebtes und achtes Kind einer kurdischen Familie geboren, die sich eigentlich endlich einen Sohn gewünscht hatte. Jamilia, Pembe und ihre Schwestern leben in ärmlichen Verhältnissen und lernen die Härte ihrer Kultur bereits in sehr jungen Jahren kennen. Dennoch entwickeln sich die Leben der beiden Frauen sehr unterschiedlich. Pembe geht, nachdem sie Adem, einen jungen ebenfalls kurdischen Mann, geheiratet hat, nach London, da sie sich dort ein besseres Leben verspricht. Ihre Schwester Jamilia bleibt in ihrer Heimat, wird dort Hebamme und heiratet selbst nicht. Obwohl die beiden Schwestern viele tausend Kilometer voneinander entfernt leben, haben sie doch ihr gesamtes Leben lang eine sehr innige Verbindung. „Ehre“ beschreibt diese Verbindung und die Leben der beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Inhalt:

Der Inhalt des Buches hat mich sehr berührt. Die Lebensgeschichte von Pembe, Jamilia und deren Familienangehörigen ist sehr ergreifend und stellenweise auch sehr traurig. Noch nie hat mich ein Buch so sehr berührt, wie die Geschichte der beiden Schwestern. Die Kultur, in der die beiden Schwestern aufgewachsen sind, ist für mich durch dieses Buch viel verständlicher geworden. Ich habe Einblicke gewonnen, die ich sonst niemals bekommen hätte. Einen Teil der Motive in diesem Buch kann ich nun verstehen, jedoch nicht nachvollziehen. Es geschehen einfach viele schreckliche Dinge, die den Leser erschrecken und betroffen machen. Die Autorin behandelt in diesem Buch ein wirklich schwieriges Thema, die Religion. Ich finde, sie hat dieses Thema wirklich sehr gut aufgegriffen, ohne jemanden zu verurteilen.

Schreibstil und Aufbau des Buches:

Die Autorin dieses Buches versteht ihr Handwerk sehr gut. Sie beschreibt auch die schwierigsten Situationen sehr emotional. Dieses Buch hat mich sehr gefesselt, denn ich wollte irgendwann unbedingt verstehen, aus welchen Motiven die Personen handeln. Ich wollte einfach die Gründe verstehen. Die Autorin schafft in diesem Buch auch eine gewisse Spannung dadurch, dass das Buch in einzelne Kapitel unterteilt ist, die aus Sicht verschiedener Personen immer einen Teil des großen Ganzen erzählen. Die Kapitel gehen dabei nicht chronologisch vor, sondern springen wieder zwischen den Personen und der Vergangenheit und der Gegenwart hin und her. Dieses Vorgehen führt dazu, dass der Leser erst am Ende alles zusammenfügen kann und den Zusammenhang versteht. Ich finde dies sehr gelungen, da das Buch so bis zum Ende spannend ist.

Auch der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Das Buch lässt sich sehr leicht und flüssig lesen und macht wirklich Spaß. Mit ihrer Sprache lässt die Autorin ihre Figuren richtig leben. Durch viele Dialoge ist das Buch sehr lebhaft und dynamisch. Das hat mir sehr gut gefallen.

Charakteren:

Die Charaktere in diesem Buch haben mich, wie alles andere auch, sehr überzeugt. Sie sind alle sehr realistisch. Viele von ihren sind mir auf gewisse Weise sympathisch geworden, auch wenn sie nicht immer alle so handeln, wie ich es tun würde. Ich finde die Figuren in diesem Buch allesamt sehr interessant, da sie so anders denken, als ich selbst. Sie gehören einer anderen Kultur an und haben eine andere Religion als ich, was ihr denken für mich zunächst zum Teil nicht nachvollziehbar machte. Je mehr ich über die Figuren jedoch erfahren habe, desto besser habe ich sie verstanden. Gerade durch die Charaktere in diesem Buch bekommt man einen großartigen Eindruck von dieser Kultur, die einigen von uns doch sehr fremd sein dürfte. Ich will hier gar nicht auf einzelne Figuren eingehen, denn ich fand sie alle sehr gelungen und einzigartig.

Cover und Titel:

Das Cover des Buches und auch der Titel sind sehr passend. Das schlichte Wort „Ehre“ als Titel finde ich sehr gut gewählt, denn darum geht es in diesem Buch: die „Ehre“. Die „Ehre“ ist in diesem Buch das vorherrschende Motiv für jede Handlung. Von daher finde ich diesen Titel super. Auch das schlichte Cover mit dem goldenen Titel ist sehr passend. Die Schlichtheit passt gut zum Inhalt des Buches und zeigt, worum es eigentlich geht.

Fazit:

Dieses Buch hat mich wirklich umgehauen. Ich habe lange kein so ergreifendes Buch gelesen, dass mich so sehr berührt hat. Nachdem ich dieses Buch weggelegt hatte, musste ich noch einige Zeit darüber nachdenken und das Gelesene sacken lassen. Es ist eine wirklich schwierige Thematik, die jedoch in ein wundervolles Buch verpackt ist. Obwohl die Geschichte an sich sehr traurig ist, hat mich dieses Buch doch irgendwie verzaubert. Ich kann dieses Buch also wirklich nur jedem ans Herz legen. Aus diesem Grund gebe ich diesem Buch die volle Punktzahl.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ehre" ein einmalig berührendes Buch, 28. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
„Ich habe oft daran gedacht, ihn zu töten. Ich habe ausgeklügelte Pläne geschmiedet, in denen Pistolen, Gift oder, am allerbesten, ein Schnappmesser vorkamen – eine symbolische Gerechtigkeit gewissermaßen. Ich habe auch daran gedacht, ihm aus ganzem Herzen zu verzeihen. Letztlich habe ich beides nicht geschafft.“ S.11
„Ehre“ von Elif Shafak beinhaltet die Geschichte einer kurdisch türkischen Familie. Stark mit ihren Wurzeln verbunden wandert ein Teil der Familie nach England aus und beginnt dort ein neues Leben. Sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft sind von Tragik, Trauer, Zusammenhalt und Hoffnung geprägt und ein wesentlicher Wert taucht immer und immer wieder auf: die Ehre. Sie macht Menschen aus und richtet sie ebenso zugrunde.
Der Roman beginnt mit dem Ende der Geschichte, wir erfahren von einem Mord. Es folgen Sprünge zwischen den Zeiten, wobei wir am Ende des Buches wieder am Anfang angelangt sind. Dazwischen wird eine Familiengeschichte aufgerollt und aus vielen Blickwinkeln betrachtet. Hautnah lässt uns die Autorin an Geschehnissen teilhaben, die einen emotional auf eine Achterbahnfahrt schicken. Man lernt viele Charaktere kennen, kein einziger ist nur schwarz oder weiß, alle sind überaus vielschichtig gezeichnet. Sie und der eindringliche, wunderbare Erzählstil der Autorin sind dafür verantwortlich, dass die Geschichte die Kraft besitzt, einem sehr nahe zu gehen. Das Buch ist voll von Ereignissen und Einstellungen, die einem unter die Haut gehen und stark zum Nachdenken anregen. Vielleicht kann sie sogar helfen, Mitmenschen mit ähnlicher Herkunft besser zu verstehen.
„The Times“ meinte „Ein prachtvoller Diamant von einem Roman!“. Dieser Aussage kann ich zu 100% zustimmen. Bei „Ehre“ handelt es sich um einen Schatz, den ich allen interessierten Lesern wärmstens an Herz lege.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Ehrensache, 14. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ehre (Gebundene Ausgabe)
"Es gab immer zwei Seiten, und nur zwei. Gewinnen oder verlieren. Würde oder Schande. Und wer die falsche erwischte, konnte nicht auf Trost hoffen." (S. 30)

Die Zwillingsschwestern Pembe und Jamila wachsen in einer kinderreichen Familie in einem kurdischen Dorf auf, wobei "Ehre" mit einer alltäglichen und zugleich erschütternden Selbstverständlichkeit ihre Erziehung und ihr Leben prägt. Während Jamila als ledige Hebamme in ihrem Dorf Anerkennung findet, versucht Pembe in London zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im täglichen interkulturellen Balanceakt zwischen der westlichen und der orientalischen Lebenswelt Fuß zu fassen. Als Pembes Mann die Familie verlässt und Pembe zarte Liebesbande zu einem Mann knüpft, geraten alle in einen unaufhaltsamen Strudel ihrer eigenen Überzeugungen.

"Ehre" hat mich bereits nach wenigen Sätzen in seine Geschichte eingesogen: Das Thema "Ehre" wird durch die verschiedenen Perspektiven, von denen der Roman erzählt, sehr differenziert dargestellt. Die Familiengeschichte ist höchst tragisch, durch die Einzelschicksale wird aufgezeigt, wie sie miteinander verzahnt sind, wie sich die Biographien auf die nächsten Nachkommen auswirken bzw. wie sie diese und deren Lebensweg prägen. Die Charaktere werden auf so verblüffend unterschiedliche Weise eingefangen und agieren auf so menschliche und gefühlvolle Weise, dass es mich ergreift und nicht mehr loslässt. Ich bin verzaubert und zugleich erschreckt von dieser Welt der Ehre. Auch wenn sich am Ende die Handlungsstränge zusammenfügen, so bleiben doch feine Dissonanzen und offene Fragen zurück, die im Leser nachschwingen können. Die bildhafte Sprache ist ein großer Lesegenuss und liest sich sehr leicht, das "Kopfkino" wird sofort eingeschaltet und Emotionen werden sehr nah vermittelt. Den Schreibstil der Autorin finde ich sehr nuancenreich und gehaltvoll, viele Sätze erfüllen mich und wirken in mir nach.

Elif Shafak inszeniert in ihrem Roman "Ehre" mit einer ihresgleichen suchenden Glaubwürdigkeit, Tiefgründigkeit und Menschlichkeit, die nahe geht, ein wahres Wechselbad der Gefühle, ermöglicht einen facettenreichen und lehrreichen Einblick in das kulturelle Verständnis von Ehre und zeigt deren individuelle, aber auch gesellschaftliche Konsequenzen auf. In Verbindung mit ihrer sprachlichen Ausdruckskraft ist dieses Werk eine unvergessliche Leseerfahrung, die ich jedem mehr als empfehlen kann.
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Ehre
Ehre von Elif Shafak (Gebundene Ausgabe - 1. Februar 2014)
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