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am 8. Februar 2006
Steve Tesich Ein letzter Sommer Kein und Aber Verlag
ISBN 303695
Dieses ist ein sehr bewegender und aufwühlender Entwicklungsroman. Ich sehe ihn in der Tradition eines Werther von Goethe und eines „ Grünen Heinrich“ von Gottfried Keller, nur um zweihundert Jahre zeitversetzt in eine moderne und ganz und gar andere Welt mit einem anderen Kenntnisstand über die Bewusstwerdung des Menschen.
Drei Absolventen einer High - School erleben nach ihrem Schulabschluss einen letzten Sommer miteinander. Sie leben in einem Industrieviertel von East Chicago und stammen aus einfachen Arbeiterfamilien. Über ihre Zukunft haben sie noch keine genauen Vorstellungen. Werden sie als Arbeiter leben wie ihre Eltern? Werden sie studieren? Werden sie früh Familienväter und im gleichen Trott wie ihre Eltern dahinleben?
Larry, Bill und Danny waren richtige Kumpels in der Schule. Jetzt, in diesem letzten Sommer, gehen sie langsam eigener Wege und verlieren sich aus den Augen.
Der Hauptprotagonist, Daniel, sehnt sich nach einer ersten Liebe. Sie begegnet ihm in der Gestalt von Rachel, die er in einem Haus nicht weit von seinem eigenen Zuhause entdeckt hat. Sie lebt erst seit kurzer Zeit scheinbar mit ihrem Vater alleine dort. Er verliebt sich, sie treffen sich immer häufiger, --er ist ganz und gar entflammt. Dass sie in Rätseln spricht, ihm nie richtige Antworten gibt, Annäherungen nur flüchtig duldet, ihm gewisse Lebensweisheiten voraus zu haben scheint,--das alles macht sie nur immer interessanter für ihn. Die Beschreibungen dieser Liebesszenen sind hinreißend in ihrer verhaltenen und forschenden Suche.
Daneben erkrankt der Vater von Danny an einer schlimmen Art von Krebs, die ihn psychisch gewalttätig und geistig zunehmend verwirrt werden lässt.
Das, was Danny fühlt und denkt über die Liebe, seine Freundin, seinen Vater und seine Mutter, wird so verständlich dargestellt, dass man ganz mit ihm geht. Man fühlt mit ihm und versetzt sich in sein Denken: es ist der Übergang vom kindlichen Märchenglauben an die Unabdingbarkeit von Liebe, Freundschaft und Zugehörigkeit hin zu einer Realität, die anders aussieht. Das Leben führt zu der veränderten Einsicht, dass alles im Leben relativ ist: Trauer, Glück, Freude, Zugehörigkeit zu einem anderen, alles das ist nicht ewig und immer von Bestand. Die elterliche Liebe ist ebenso unwägbar wie die der Freunde und Freundinnen. Die Entfernung von den Eltern, wie sie langsam zu Schemen der Vergangenheit werden, das ist ganz vortrefflich und realitätsnah hier beschrieben.
Während Danny anfänglich noch an das Schicksal glaubt, so weiß er zuletzt, dass er sein Leben selbst in die Hand nehmen und einen eigenen Weg für sein Leben suchen muss--- ganz in Anlehnung an das Buch von Gorki, „ Kindheit“, das ihm während einer Zeit der Orientierungslosigkeit in die Hände gefallen war.
Dieses Buch von Tesich ist mit einer unglaublichen Spannung geschrieben.
Die Fähigkeit, den beschriebenen Bewusstseinswandel von der Jugend zum Erwachsenwerden in eine so atemberaubende Handlung zu fassen, ist für mich unübertroffen.
Schade, dass wir von diesem Autoren mehr nicht lesen werden, denn er ist bereits 1996 im Alter von 53 Jahren gestorben.
Cl.B.
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Steve Tesich war Jugoslawe, Jahrgang 42, emigrierte 14 jährig mit seinen Eltern in die USA und ist mit 53 Jahren gestorben. „Ein letzter Sommer“ ist der erste Roman von Tesich, der bisher als Verfasser erstklassiger Drehbücher bekannt wurde. Das Buch ist erstmals 1982 in den USA unter dem Titel „Summer Crossing“ erschienen.
Zum Plot. Es geht um drei Freunde, die im Jahre 1969 in einem Arbeitervorort von East-Chicago leben. Dort leben der Ich-Erzähler Daniel, der korpulente Billy und der schreckliche Larry. Sie haben die Highschool besucht, den Abschluss gemacht und glauben, dass jetzt das Leben vor ihnen liegt. Es folgt der Sommer der Entscheidungen, denn sie wollen aus diesem Kaff und aus diesen miesen Verhältnissen raus. Natürlich wollen sie auch nach Möglichkeit als Freunde zusammen bleibe. Doch wie so oft im Leben, trennen sich ihre Wege schneller als erwartet, denn die Interessenerweisen sich als zu unterschiedlich und es zeigt sich wieder einmal, der eigentliche Zusammenhalt war die Schule.
Der fette Billy findet eine rundliche Freundin und beide wählen das gemütliche und behagliche Leben in East Chicago. Er sucht einen Job, der ihm nicht viel abverlangt.
Larry, der zwischenzeitlich ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau hat, macht sich über Nacht aus dem Staub. Er wählt die Revolte und kommt später als heimatloser Mensch zurück.
Und Daniel bleibt bei seiner Familie. Seine schöne, exotische anmutende montenegrinische Mutter und sein vergrämter Vater haben sich einmal sehr geliebt, leben aber jetzt in ständigem Zoff miteinander. Und in diesem letzten Sommer seiner Jugend, muss Daniel seinem Vater zusehen, wie dieser schrecklich leidend, langsam an Krebs stirbt.
Und in diesem Sommer verliebt sich Daniel erstmals unsterblich, in Rachel. Es ist eine kraftvolle, Liebesgeschichte, die das Leben des Helden Daniel gänzlich verändert.
Und als dann plötzlich der Tod des lebenswilligen Vaters vor der Tür steht, wird alles harmonisch und man merkt wie sehr sich diese Eltern doch lieben.
Und man erfährt das Geheimnis dieser Ehe. Es ist ein Schlüsselerlebnis von bleibender Erinnerung im Leben der Eltern. Der Vater hat die Mutter einmal gesehen, wie sie einen anderen Mann anlächelte, ein Lächeln das sie ihm so nicht geschenkt hatte. Und sie reflektiert über die vielen verschiedenen Arten der Liebe. Eine Liebe die es als großen Überbegriff gar nicht gibt. Es ist letztlich ein Roman über die Liebe. Daniel fürchtet, dass Rachel vielleicht auch einmal einen anderen Mann so anlächeln könnte, dass sich das Schicksal seines Vaters und seiner Mutter wiederholt.
Und er kommt aus diesem Sommer, mit den unterschiedlichsten Empfindungen zwischen dem Tod seines Vaters und nicht erfüllter Sehnsüchte wie ein neugeborener Mensch hervor. Er weiß, er muss weg. Und in Anlehnung an Maxim Gorki endet das Buch mit dem Satz, „und so ging ich in die Welt hinaus“.
Berühmte Autoren wie Salters und Fox haben über das Erwachsen werden wunderschöne Geschichten geschrieben. Und auch dieses Buch „Ein letzter Sommer“ ist ein absolutes Meisterwerk, ein schönes, bewegendes Buch, unglaublich behutsam und von sprachlicher Feinheit. Die intensive Liebesgeschichte zwischen Rachel und Daniel und die erbarmungslose Sterbebeschreibung, das ist ganz großartige Literatur. Das Buch wird einen großen Weg machen und wer dieses aufrichtige, wunderbare und spannende Buch liest, der wird begeistert sein. Die atemlose Spannung der ganzen Geschichte erzeugt eine unglaubliche Sogwirkung.
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am 26. Mai 2006
Wie fühlt man sich, ausgekippt aus dem sicheren Hafen einer aufgezwungenen Schulzeit, die uns nicht nur für eine bestimmte Zeit Perspektive und Sinn gibt, sondern auch dafür sorgt, dass wir uns in dieser Gesellschaft arrangieren und Verbündete suchen. Diese Zeit und das Abnehmen aller Entscheidungsfreiheiten endet einmal und entlässt uns in eine andere Welt, die unsere Eltern vielleicht gerne die "harte Alltagwelt" genannt haben. Und plötzlich scheint da garnichts mehr zu passen. Ich glaube, solche Entwicklungsphasen kennen wir alle aus eigener Erfahrung.

Drei Freunde verlieren sich in einem Sommer aus Augen und Sinn, gerade abgegangen von der Schule scheinen sie plötzlich so gar nichts mehr gemeinsam zu haben, ihre unterschiedliche Entwicklungsziele driften derart auseinander, ein weiteres Zusammensein scheint ganz naturgemäss unmöglich. Dieser Abschied bleibt zwar eigentlich im Hintergrund, zieht sich aber immer wieder klar sichtbar durch alle übrigen Handlungsstränge dieser grossartig und einfühlsam geschilderten Geschichte.

Wir erleben vor allem Daniel, der hier als Icherzähler auftritt und so deutlich sein Erleben schildert, seine erste Liebe in Rachel findet, die selber so unaufhörlich auf dem Weg ist und immer wieder gestört wird: 'So vieles zerrt an mir'!
Die sehr vielschichtigen Gegebenheiten im Leben von Daniel:
-die Mutter, die von einem andere Leben träumt, aber ein anderes Danielbild vor sich herträgt;
-der Vater, der schliesslich an Krebs stirbt und dessen Sterben so vieles in Bewegung bringt;
-Larry und Billy, die beinahe wütend nach einer anderen Perspektive für sich suchen, dabei aber merken, dass sie sich ähnlich zufrieden zu geben drohen, wie einmal ihre Eltern;
-schliesslich Daniel selbst, der sich selber in all dem zu finden sucht, seine Liebe im Fokus und doch schon eingebunden in Erwartungen anderer.
Er bewältigt dies schliesslich, indem er für all diese Menschen um ihn herum Tagebücher verfasst, wohl vor allem, weil er seine eigene Geschichte noch nicht fassen kann und die der anderen für viel interessanter hält.

Steve Tesich nimmt sich all dieser Thematik an, führt uns quasi zurück in unsere eigene Suche nach dem ganz eigenen Sinn, Platz und Weg im Leben. Die sehr lebendig geschilderte Entwicklung und der so vereinfachte Zugang macht dieses Buch zu einem Genuss. Tessin stellt hier wieder sein grosses Talent unter Beweis und es macht zugleich etwas wehmütig, dass es nicht mehr von ihm zu lesen geben wird ' mit dem, was er auf dieser Welt abgeliefert hat, müssen wir also zufrieden sein.
Da hat jemand wohl nicht einfach nur ein Handwerk beherrscht sonder auch noch etwas mehr über das Leben verstanden.

Danke Steve Tesich, wo immer du jetzt auch bist.
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am 6. Dezember 2009
Zu Beginn der 1960er Jahre schließen 3 Freunde in East Chicago die High School ab. Es ist der Abschluss einer unbeschwerten Zeit, in der man wusste, was man als nächstes tat, wo man hingehörte, in der man eben Dinge hatte, an die man sich klammern konnte. Das ist jetzt vorbei, denn nun müssen die 3 sich überlegen, was sie in Zukunft machen wollen. Während für die beiden Freunde der Hauptfigur Daniel, gleichzeitig auch Erzähler der Geschichte, die Dinge, wenngleich auch unter der Oberfläche, in eine bestimmte Richtung laufen, ist sich Daniel seiner Zukunft und sich selbst nicht ganz so sicher. Vor allem nicht, als er sich in die etwas geheimnisvolle Rachel verliebt. Seine Unerfahrenheit in Liebesdingen, lässt in ihn oftmals an sich, an Rachel, an allem zweifeln. Das wird noch verstärkt, da sie sehr starken Stimmungsschwankungen zu unterliegen scheint und Daniel dann erst recht nicht weiß, was er nun tun soll. Mal ist er so wütend auf sie, dass er von ihr fern bleiben will, später würde er sie dann am liebsten heiraten, damit sie immer sein bleibe. Er hofft sehr sich durch sie irgendwie von seinen Eltern loslösen zu können, vor allem von seinem Vater. Die Beziehung zwischen ihm und Daniel ist von Beginn an zum Reißen gespannt und auch seiner Mutter gegenüber ist er distanziert. So ist das eben in diesem schwierigen Alter. Aber auch hier scheint er zu versagen, denn als sein Vater erkrankt, wird die Kluft zwischen den beiden noch größer, anstatt kleiner. Seinen Freunden gegenüber benutzt er die Krankheit seines Vaters als Ausrede dafür, dass sie sich weniger sehen, dass er sie vernachlässigt, doch natürlich ist das nicht der Grund.
Ich muss sagen, dass das Buch eigentlich recht vielversprechend anfängt und man eine tiefergehende Geschichte eines jungen Mannes kurz vor dem Erwachsenwerden erwartet. Es geht um zerbrechende Freundschaften, um die erste Liebe, um Verlust, um Identitätsfindung, um (Un)Treue, eben um die Dinge die einen aus der Bahn werfen können, vor allen in so jungen Jahren. Meiner Meinung nach flacht "Ein letzter Sommer" aber recht schnell ab. Es dauerte nicht lange bis ich dachte, dass ich das alles schon mal irgendwo gehört, gelesen, gesehen habe. Die drei Freunde, von denen einer der ruhige Typ, einer der aufsässige Typ und der dritte der nachdenkliche Mix aus beidem ist. Dann das geheimnisvolle Mädchen, das nie so recht mit der Sprache rausrückt und für Daniel des Öfteren nur in Rätseln spricht...aber Ok, das ist nicht mal allzu schlimm, denn man kann ja nicht von jedem Buch erwarten, dass es das Rad neu erfindet. Hinzu kommt aber noch, dass auch vieles vorhersehbar ist. Rachels Geheimnis, so wird es im Klappentext genannt, zum Beispiel dürfte eigentlich jedem aufmerksamen Leser schon nach wenigen Seiten klar sein. Will sagen: Der Autor schafft es nicht über fast 500 Seiten zu überzeugen. Aber natürlich gibt es auch Dinge, die mir an dem Buch gut gefallen haben. So ist die Hauptfigur kein Sympathieträger, der völlig selbstlos alles meistert, was sich ihm in den Weg stellt. Er hadert, er zweifelt, er kämpft. Und wenn er mehr mit seinen eigenen Problemen zu tun hat, als seinen kranken Vater im Krankenhaus zu besuchen, so ist das vielleicht ethisch eher weniger vertretbar, aber zumindest macht ihn das menschlich. Steve Tesich mochte diesen Daniel und das merkt man. Auch die eine oder andere Nebenfigur ist sehr interessant, so zum Beispiel Daniels Mutter, die, ähnlich wie Rachel, auch sehr "mysteriöse" Seiten an sich hat oder zu haben scheint.
Es ist wieder eins von denen Büchern, von denen ich niemals jemandem abraten würde. Allerdings würde ich es auch nicht unbedingt verschenken oder ungefragt empfehlen. Es ist quasi das buchgewordenen Mittelmaß. Steve Tesich hat es locker und leicht lesbar verfasst, das ist gut, mehr aber auch nicht. Die Geschichte selbst hat einige gute Kapitel, ist aber ebenfalls nichts Besonderes. Mir fehlt einfach irgendwo die Substanz, ich hätte gern von allem ein bisschen mehr gehabt, so ließ es mich über zu weite Strecke zu unberührt. Daher sind für mich 3 Sterne vollkommen passend.
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am 24. Oktober 2005
Ein vielschichtiges Buch, das dem Leser verdeutlicht, dass zu viel Nähe den Wunsch nach Distanz und Flucht auslösen kann; ferner, dass es "die" eine Liebe und "den" einen Charakter nicht gibt. Ich habe das Buch an einem Wochenende verschlungen und werde es gerne noch mal lesen. Der Autor hat die drei Freunde und ihre zaghaften Schritte raus ins Leben gut dardestellt
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am 12. April 2007
Da ich fasziniert von "Abspann" war, habe ich mir auch "Ein letzter Sommer" von Steve Tesich gekauft. (Mehr ist von Steve Tesich leider nicht erhältlich.)

"Ein letzter Sommer" beginnt als vermeintlich lockere Erzählung über die Situation eines Jungen, der knapp vor seinem Schulabschluß steht und sich Gedanken über den letzten Sommer vor dem "Erwachsensein" macht. Was, wenn der Autor nicht Steve Tesich wäre, einfach unerträglich wäre. Der Sommer beginnt und Spannungen, Konflikte, Situationen tauchen langsam auf, die die "heile Welt" gefährden. Die Sprache wird auch von Abschnitt zu Abschnitt dichter und farbenreicher, bzw. dunkler. Dazu eine Liebesgeschichte (die sich bis auf knapp vor Schluß unvorhersehbar entwickelt), eine Eltern - Sohn Beziehungsgeschichte, eine Suche nach dem "Ich"...

Grandios !
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am 24. Februar 2008
Es gibt die Bücher, die verändern etwas, eine Veränderung die man nicht sofort spürt, sie passiert eher Stück für Stück, dafür mit großer Stetigkeit.
"Ein letzter Sommer" gehört zu den Geschichten, die die Kraft haben, den Leser zu bewegen, vor allem emotional.
Ich weiß nicht genau, ob das Buch traurig oder witzig ist, vermutlich beides, denn die Stimmungen sind so wankelmütig wie ein Kahn auf hoher See. Ein große Ausstrahlung besitzt der Roman vor allem durch seine Bildsprache. Es werden einfach nur wunderbare Motive gefunden, so dass ich manchmal von den Seiten aufgeblickt habe und durch die wellende Gardine aus dem Fenster schaute.
Zusätzlich hebt sich das Buch durch ein weiteres Merkmal von der Masse ab:
Es ist lebendig. Ich konnte jederzeit die Wut, Enttäuschung und Kraft der Hauptperson spüren und ich muss sagen, seit Hesses "Demian" und "Narziß und Goldmund" habe ich keinen Roman gelesen, in dem soviel von mir selbst steckt. Ein großartiger Spiegel.
Die Thematik des Suchens ist nach wie vor höchst aktuell, vielleicht sogar mehr denn ja. Die Welt gaukelt einem soviele Freiheiten und Sehnsüchte vor, dass sie manchmal beengend wirken und es einem Menschen schwer machen zwischen Nebensächlichkeit und Wichtigem zu unterscheiden.
Ich hoffe das noch viele solcher Romane folgen, Geschichten die den Menschen aufwühlen und berühren, solange bis es heißt:
Und so ging ich in die Welt hinaus.
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am 4. Juni 2007
Steve Tesich Ein letzter Sommer List TB

ISBN 3548606784

Dieses ist ein sehr bewegender und aufwühlender Entwicklungsroman. Ich sehe ihn in der Tradition eines Werther von Goethe und eines ? Grünen Heinrich? von Gottfried Keller, nur um zweihundert Jahre zeitversetzt in eine moderne und ganz und gar andere Welt mit einem anderen Kenntnisstand über die Bewusstwerdung des Menschen.

Drei Absolventen einer High - School erleben nach ihrem Schulabschluss einen letzten Sommer miteinander. Sie leben in einem Industrieviertel von East Chicago und stammen aus einfachen Arbeiterfamilien. Über ihre Zukunft haben sie noch keine genauen Vorstellungen. Werden sie als Arbeiter leben wie ihre Eltern? Werden sie studieren? Werden sie früh Familienväter und im gleichen Trott wie ihre Eltern dahinleben?

Larry, Bill und Danny waren richtige Kumpels in der Schule. Jetzt, in diesem letzten Sommer, gehen sie langsam eigener Wege und verlieren sich aus den Augen.

Der Hauptprotagonist, Daniel, sehnt sich nach einer ersten Liebe. Sie begegnet ihm in der Gestalt von Rachel, die er in einem Haus nicht weit von seinem eigenen Zuhause entdeckt hat. Sie lebt erst seit kurzer Zeit scheinbar mit ihrem Vater alleine dort. Er verliebt sich, sie treffen sich immer häufiger, --er ist ganz und gar entflammt. Dass sie in Rätseln spricht, ihm nie richtige Antworten gibt, Annäherungen nur flüchtig duldet, ihm gewisse Lebensweisheiten voraus zu haben scheint,--das alles macht sie nur immer interessanter für ihn. Die Beschreibungen dieser Liebesszenen sind hinreißend in ihrer verhaltenen und forschenden Suche.

Das, was Danny fühlt und denkt über die Liebe, seine Freundin, seinen Vater und seine Mutter, wird so verständlich dargestellt, dass man ganz mit ihm geht. Man fühlt mit ihm und versetzt sich in sein Denken: es ist der Übergang vom kindlichen Märchenglauben an die Unabdingbarkeit von Liebe, Freundschaft und Zugehörigkeit hin zu einer Realität, die anders aussieht. Das Leben führt zu der veränderten Einsicht, dass alles im Leben relativ ist: Trauer, Glück, Freude, Zugehörigkeit zu einem anderen, alles das ist nicht ewig und immer von Bestand. Die elterliche Liebe ist ebenso unwägbar wie die der Freunde und Freundinnen. Die Entfernung von den Eltern, wie sie langsam zu Schemen der Vergangenheit werden, das ist ganz vortrefflich und realitätsnah hier beschrieben.

Danny weiß zuletzt, dass er sein Leben selbst in die Hand nehmen und einen eigenen Weg für sein Leben suchen muss--- ganz in Anlehnung an das Buch von Gorki, ? Kindheit?, das ihm während einer Zeit der Orientierungslosigkeit in die Hände gefallen war.

Dieses Buch von Tesich ist mit einer unglaublichen Spannung geschrieben.

Die Fähigkeit, den beschriebenen Bewusstseinswandel von der Jugend zum Erwachsenwerden in eine so atemberaubende Handlung zu fassen, ist für mich unübertroffen.

Schade, dass wir von diesem Autoren mehr nicht lesen werden, denn er ist bereits 1996 im Alter von 53 Jahren gestorben.
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am 19. Januar 2007
Vorbei die unbeschwerten Tage unserer Kindheit. Erinnern wir uns noch daran: an die (fast) sorglosen Sommertage unserer Jugend, die scheinbar nie zu Ende gehen wollten? Bei der Lektüre von Steve Tesichs Roman "Ein letzter Sommer" denken wir daran zurück, mitunter auch mit Wehmut. Schon allein deshalb muss man Steve Tesichs (1942-1996) posthum in deutscher Sprache veröffentlichten Roman zu den "bemerkenswertesten Stücken der amerikanischen Gegenwartsliteratur" (Stuttgarter Zeitung) zählen. Auch Elke Heidenreich ("Lesen!", ZDF, 01.11.05) ist begeistert: "Man liest mit atemloser Spannung (...) Es ist ein absolutes Meisterwerk."

Zum Inhalt: Für den 18jährigen Ich-Erzähler Daniel Price sind im East-Chicago des Jahres 1969 die unbeschwerten Tage gezählt. Gemeinsam mit seinen Freunden Larry und Billy schließt er die Highschool ab. Was nun? Neben der ersten ganz großen (unglücklichen) Liebe zur flatterhaften Rachel sieht sich Daniel mit der tödlichen Krebskrankheit seines Vaters konfrontiert. Seine bisher scheinbar so übersichtliche und geordnete Welt gerät aus den Fugen. Daniel sieht sich plötzlich einem "Nebel von Problemen" ausgesetzt, "der sich langsam um mein Leben legte". Aber erst wenn dieser "letzte" Sommer vorbei ist, wird er begreifen, wie es tatsächlich um das Leben bestellt ist: "Alles war eine Frage des Verhältnisses, Liebe, Freiheit, einfach alles." Am Ende geht Daniel, ausgerüstet mit einem ganz neuen Selbstbewusstsein, von zu Hause fort - hinaus in die Welt.

Der vor allem mit seinem Roman "Abspann" berühmt gewordene Steve Tesich, welcher auch das Drehbuch für die Verfilmung von John Irvings "Garp und wie er die Welt sah" schrieb, hat mit "Ein letzter Sommer" einen sowohl heiteren als auch traurigen Abgesang auf die Kindheit verfasst. Dabei gelang Tesich eine "Mischung aus tief empfundenem Schmerz und trockenem Humor" (taz, 17.12.05). Wir lachen und weinen mit - und fühlen eine Träne im Knopfloch.
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TOP 1000 REZENSENTam 7. Februar 2011
Mir hat "Der letzte Sommer", wie man an meiner Bewertung sehen kann, nicht besonders gut gefallen. Zwischedurch habe ich noch überlegt, ob ich 3 Sterne vergeben werde, aber das wäre letztlich nicht angebracht. Zwar ist das Buch sprachlich gut geschrieben, aber sonst fehlt es an allen Ecken und Kanten. Vor allem fehlt der Geschichte ein Spannungsbogen. Durch die knapp 500 Seiten habe ich mich daher eher durchgequält. Hinzu kommt, dass der Roman eine wirklich miese Stimmung verbreitet. Offenbar hat der Autor die Welt von der Perspektive des Leids gesehen. Die Figuren sind in diesem verstrickt, sehen für sich keine Zukunft oder, besser gesagt, wollen gar keine sehen. Sie lassen sich einfach treiben. Die Schule hatte ihnen bisher eine gewisse Struktur gegeben, die mit dem Abschluss wegbricht. Dass man danach neue, interessante Dinge mit seinem Leben anstellen könnte, kommt den Figuren gar nicht in den Sinn. Einzige Ausnahme ist der aufständige Larry, der unbedingt weg will, sich durch seinen Hass aber selbst wieder die Zukunft raubt. Billy hingegen will alles so halten, wie es bisher gewesen ist. Da das nicht geht, versinkt auch er im Nichts. Im Zentrum aber steht Daniel, der in seiner fast krankhaften Anbetung der geheimnisvollen Rachel gefangen ist. Warum das so ist, ist mir schleierhaft, denn Rachel ist unterkühlt und erwidert Daniels Liebe offenbar nicht. Was ihr Geheimnis ist, kann der Leser ziemlich früh ahnen. Jedenfalls wird hier eine Beziehung als Liebe verkauft, die nur zerstörerisch ist. Ich habe sie dem Autor nicht abgekauft. Dann lässt sich Daniel noch von seinem tyrannischen Vater zerfressen, der an Krebs erkrankt ist und im Sterben liegt. Auch er hat das Leben hassen gelernt. Wenn man eine Depression bekommen möchte, sollte man mit diesem Roman anfangen. Wer mit seinem Leben Besseres vorhat und keine Zeit für Langeweile hat, sollte etwas anderes lesen.
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