Kundenrezensionen


22 Rezensionen
5 Sterne:
 (10)
4 Sterne:
 (8)
3 Sterne:
 (3)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


96 von 99 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine phantastische Geschichtenerzählerin
Dies ist das zehnte Buch der 1932 geborenen kanadischen Schriftstellerin. Sehr viele ihrer Kollegen halten sie für die beste nordamerikanische Schriftstellerin. Bei uns wird sie kaum gelesen. So ist und bleibt sie immer noch der absolute „Geheimtipp". Den Fischer Verlag muss man loben, weil er trotzdem viel Geld für die Lizenzen gezahlt hat, sehr viel...
Veröffentlicht am 1. Februar 2005 von Carl-heinrich Bock

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kurzgeschichten
Z. T. sehr kompakt und flüssig geschrieben, aber m.E. fehlt immer eine Kleinigkeit um zur grossen Literatur zu zählen, dennoch amüsant und lohnenswert zu lesen, insbesondere, wenn man immer nur zu kurzen Lesezeiten kommt.
Vor 4 Monaten von Arens veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

96 von 99 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine phantastische Geschichtenerzählerin, 1. Februar 2005
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Dies ist das zehnte Buch der 1932 geborenen kanadischen Schriftstellerin. Sehr viele ihrer Kollegen halten sie für die beste nordamerikanische Schriftstellerin. Bei uns wird sie kaum gelesen. So ist und bleibt sie immer noch der absolute „Geheimtipp". Den Fischer Verlag muss man loben, weil er trotzdem viel Geld für die Lizenzen gezahlt hat, sehr viel Geld auch für eine hervorragende Übersetzung. Diese Erzählerin ist eine echte Entdeckung. Die Geschichten die sie erzählt sind sehr komplex, voll mit kleinsten Details, die aber im Leben der beschrieben Personen „Entscheidendes" bewirken können. Die Erzählerin ist eine wahre Connaiseuse ihrer Umwelt.
In diesem neuen Buch „Himmel und Hölle" ist in den neun Geschichten viel von Wunden, Krankheit, Tod und Verrat die Rede. Nur zwei der Geschichten enden glücklich. Die Erzählerin betrachtet die menschlichen Unzulänglichkeiten mit kritischem Auge. Die Geschichten handeln von dem Akademiker, dem Biologielehrer, von Kleinstädtern. Eigentlich haben die Geschichten kein gemeinsames Dach, kein gemeinsames Thema, aber sie sind durch die Art, wie sie erzählt werden mit einander verbunden. Alice Munro beobachtet dabei sehr gekonnt in die ehelichen „Gefühlshaushalte".
Besonders gefallen die Geschichten „Ihre Zähne", „Trost", „Himmel und Hölle", „Pfosten und Bohlen". In der Geschichte „Was in Erinnerung bleibt" schildert die Protagonistin das Gespräch zwischen einem seit Jahrzehnten verheirateten Ehepaare, über das Thema Sex. Nach Ansicht des Mannes verlieren die Frauen beim Sex ihre Autonomie. Und deshalb weist die kluge Frau, wenn sie intelligent genug ist, in ihrer Kälte alle Männer ab. Ihre Intelligenz ist ihre Kälte. Als das der Mann sagt, fällt der Frau ihr Seitensprung ein. Das bleibt so stehen. Dann sterben sowohl ihr Mann als auch ihr Liebhaber. Bei der Todesanzeige ihres Geliebten fällt ihr dann plötzlich ein, dass was sie die ganze Zeit in ihrem Leben für was gehalten hat, das ihre Autonomie bekräftigt, was ihr eigentlich Selbstbewusstsein gab, das ist ein „Gedächtnisirrtum". Sie hat die letzten Worte dieses „Liebhaber Routiniers" vergessen. Warum hat sie die ganzen Details der Erinnerung ein Leben lang anders erzählt? War ihre ganze Erinnerung vielleicht nur die „Kunst" der Selbstbelügung? So hat sie diese Erinnerungsdroge, als das wichtigste Stärkungsmittel in ihrem Leben immer bei sich gehabt.
Diese Geschichten sind schon sehr raffiniert ausgerollt. Es gibt überhaupt keine psychologischen Kommentare von Alice Munro zur Person. Die Personen werden quasi nur durch Handlungen und Entscheidungen charakterisiert. Es wird nicht erklärt, es wird einfach konstatiert.
Sie erzählt einfach in ein Leben hinein, man weiß zunächst gar nicht wo die Reise hingeht. Sie hält die bedeutenden Dinge bewusst klein. Und wenn man nach der Lektüre von einigen Seiten denkt, das war die Geschichte, dann plötzlich kommt eine Wendung und diese Wendung erfolgt dann auch noch aus der Logik heraus.
Und irgendwie, obwohl es immer wieder niederschlagende, tragische, melancholische Erzählungen verheirateter Menschen sind, die ihre Geheimnisse doch in irgendeiner Form bewahren, am Ende erscheint alles wie ein Loblied auf die Ehe.
Alice Munro ist eine Dialogschreiberin, denn viele ihrer Texte bestehen aus wörtlicher Rede. Und sie macht es großartig geschickt, dass die Grenze zwischen dem, was sie sagt und dem, was die Personen ihrer Geschichten sagen, gleitend ist.
In ihren Geschichten zeigt sie, im psychologischen, ohne zu erklären, die Psychologie. Ihre Geschichten sind raffiniert konstruiert. Diese Erzählerin kann derartig rasant erzählen, das geschieht mit einer Meisterschaft die hinreißend und zugleich zu tiefst irritierend ist.
Ich empfehle dieses Buch mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielen Gründen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


31 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine phantastische Geschichtenerzählerin, 29. Januar 2008
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Dies ist das zehnte Buch der 1932 geborenen kanadischen Autorin. Sehr viele ihrer Kollegen halten sie für die beste nordamerikanische Schriftstellerin. Bei uns wird sie kaum gelesen. So ist und bleibt sie immer noch der absolute "Geheimtipp". Den Fischer Verlag muss man loben, weil er trotzdem viel Geld für die Lizenzen gezahlt hat, sehr viel Geld auch für eine hervorragende Übersetzung. Diese Erzählerin ist eine echte Entdeckung. Die Geschichten die sie erzählt sind sehr komplex, voll mit kleinsten Details, die aber im Leben der beschrieben Personen "Entscheidendes" bewirken können. Die Erzählerin ist eine wahre Connaiseuse ihrer Umwelt.

In diesem Sonderband "Himmel und Hölle" ist in den neun Geschichten viel von Wunden, Krankheit, Tod und Verrat die Rede. Nur zwei der Geschichten enden glücklich. Die Erzählerin betrachtet die menschlichen Unzulänglichkeiten mit kritischem Auge. Die Geschichten handeln von dem Akademiker, dem Biologielehrer, von Kleinstädtern. Eigentlich haben die Geschichten kein gemeinsames Dach, kein gemeinsames Thema, aber sie sind durch die Art, wie sie erzählt werden mit einander verbunden. Alice Munro beobachtet dabei sehr gekonnt die ehelichen "Gefühlshaushalte".
Besonders gefallen die Geschichten "Ihre Zähne", "Trost", "Himmel und Hölle", "Pfosten und Bohlen". In der Geschichte "Was in Erinnerung bleibt" schildert die Protagonistin das Gespräch zwischen einem seit Jahrzehnten verheirateten Ehepaar, über das Thema Sex. Nach Ansicht des Mannes verlieren die Frauen beim Sex ihre Autonomie. Und deshalb weist die kluge Frau, wenn sie intelligent genug ist, in ihrer Kälte alle Männer ab. Ihre Intelligenz ist ihre Kälte. Als das der Mann sagt, fällt der Frau ihr Seitensprung ein. Das bleibt so stehen. Dann sterben sowohl ihr Mann als auch ihr Liebhaber. Bei der Todesanzeige ihres Geliebten fällt ihr dann plötzlich ein, dass was sie die ganze Zeit in ihrem Leben für was gehalten hat, das ihre Autonomie bekräftigt, was ihr eigentlich Selbstbewusstsein gab, das ist ein "Gedächtnisirrtum". Sie hat die letzten Worte dieses Liebhaber Routiniers" vergessen. Warum hat sie die ganzen Details der Erinnerung ein Leben lang anders erzählt? War ihre ganze Erinnerung vielleicht nur die "Kunst" der Selbstbelügung? So hat sie diese Erinnerungsdroge, als das wichtigste Stärkungsmittel in ihrem Leben immer bei sich gehabt.

Diese Geschichten sind schon sehr raffiniert ausgerollt. Es gibt überhaupt keine psychologischen Kommentare von Alice Munro zur Person. Die Personen werden quasi nur durch Handlungen und Entscheidungen charakterisiert. Es wird nicht erklärt, es wird einfach konstatiert.

Sie erzählt einfach in ein Leben hinein, man weiß zunächst gar nicht wo die Reise hingeht. Sie hält die bedeutenden Dinge bewusst klein. Und wenn man nach der Lektüre von einigen Seiten denkt, das war die Geschichte, dann plötzlich kommt eine Wendung und diese Wendung erfolgt dann auch noch aus der Logik heraus.

Und irgendwie, obwohl es immer wieder niederschlagende, tragische, melancholische Erzählungen verheirateter Menschen sind, die ihre Geheimnisse doch in irgendeiner Form bewahren, am Ende erscheint alles wie ein Loblied auf die Ehe.

Alice Munro ist eine Dialogschreiberin, denn viele ihrer Texte bestehen aus wörtlicher Rede. Und sie macht es großartig geschickt, dass die Grenze zwischen dem, was sie sagt und dem, was die Personen ihrer Geschichten sagen, gleitend ist.

In ihren Geschichten zeigt sie, im psychologischen, ohne zu erklären, die Psychologie. Ihre Geschichten sind raffiniert konstruiert. Diese Erzählerin kann derartig rasant erzählen, das geschieht mit einer Meisterschaft die hinreißend und zugleich zu tiefst irritierend ist.

Ich empfehle dieses Buch mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielen Gründen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehnsucht und Katastrophen, 14. Februar 2008
Wenn eine Erzählung aus einer Sammlung wie im Fall Der Bär kletterte über den Berg als Vorlage für einen Film dient, weist das zumeist daraufhin, dass die Geschichte so komplex und weit reichend ist, dass sie abendfüllend erscheint. Alice Munros Erzählungen splittern sich zwar in verschiedene Blickwinkel auf, sind nicht linear erzählt und doch von der Art, dass wir das Gefühl haben, den Menschen darin, seine Siege und Niederlagen begegnet zu sein. Sei es ein Mann, der miterleben muß, dass seine Frau an Alzheimer erkrankt in einem Heim unterkommt, sich in einen anderen Heiminsassen verliebt und ihn nicht mehr zu erkennen scheint, sei es die Hausangestellte, die von Teenagern hereingelegt wird, indem sie Liebesbriefe an sie fälschen, und sie auf verquere Weise ein spätes Glück findet, indem sie mitsamt ihrer Möbel zu einem Mann zieht, der sie eigentlich um Geld anpumpen wollte. Diese ironischen Seitenwege des Schicksals beschreibt Alice Munro mit einem liebevollen Blick auf ihre Frauen und läßt dabei den Schluß zu, dass Überleben im Leben möglich ist, wenn man sich darin einzurichten, sich zurückzunehmen versteht, um Katastrophen als das zu nehmen, was sie sind: Vorübergehende Erscheinungen im Unglück, denen man am besten mit Sehnsüchten begegnet.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beeindruckende Aufbereitung eines bewegenden Themas, 22. November 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Himmel und Hölle. 2 CDs (Audio CD)
Alice Munro beschreibt in dieser einfühlsamen Kurzgeschichte die Stadien der Alzheimer Erkrankung von Fiona aus der Sicht ihres Ehemannes. Die liebevolle Beschreibung des Anfangsstadiums Ihrer Erkrankung stellt schnell die Identifikation des Zuhörers mit der Hauptfigur her, lässt jedoch gleichermassen eine Objektivität zu, die unter anderem durch die Beschreibung von Fiona als naive Person herrührt. Detailierte Beschreibungen von Fionas Umfeld, und des Lebenswandels ihres Ehemannes lassen den Zuhörer näher rücken.
Eifersucht wird nie direkt angesprochen, auch wenn der Ich-Erzähler trotz seiner annähernd sachlichen Darstellungsweise dieses Gefühl stark nach aussen kehrt.
Dieses Werk ist eine wertvolle Betrachtung eines sehr schwierigen Themas, und sehr empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine leichte Kost, 27. Dezember 2006
Das Buch war mein erstes der Autorin. Ich hatte mir diesen Buch gekauft, weil Doris Dörrie bei Elke Heidenreich so sehr von der Autorin schwärmte. Besonders begeistert war sie davon, dass es A. Munro es immer wieder schafft, Kurzgeschichten wie ganze Romane wirken zu lassen.

In diesem Punkt stimme ich Fr. Dörrie voll und ganz zu. Die punktgenaue Beschreibung der Figuren macht sie schnell vertraut und nach 30 Seiten hat man das Gefühl, sie schon seit mindestens 100 Romanseiten zu kennen. Die Dichte der Beschreibungen hat mich sehr beeindruckt. Und trotzdem ist der Stil klar und präzise und der Satzbau ansprechend.

Für mich gab es in dem Buch zu viel Hölle und zu wenig Himmel: In jeder Geschichte ging es um den Tod. Auch wenn niemand starb, so war das Thema Sterben immer durchgängig präsent. Für mich hat etwas von dem im Titel versprochenen Himmel gefehlt: die guten Momente, die positiven Perspektiven für einige der Figuren. So ließ mich das Buch jedesmal ein wenig traurig zurück.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch der Gefühle..., 6. November 2013
Von 
Felix - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
"Himmel und Hölle"
durchleben die Protagonisten in den neun Erzählungen, die Alice Munro verfasst hat.
Sie schreibt über rätselhaft komplizierte Beziehungsdramen und schafft eine Welt der Gefühle, die eigentlich nur Frauen zugeordnet wird.
Das Ausbrechen aus Lebenssituationen, die nicht mehr haltbar sind, das Zurückblicken in das Vergangene und das neue Erleben des Jetzigen weiß die Autorin gut zu beschreiben.

Was immer wieder überrascht, sind die unerwarteten Wendungen in ihren einzelnen Erzählungen. Der Leser wird gefordert und mitunter herausgerissen aus seiner Vorstellung wie es eigentlich hätte weitergehen können.
Alice Munro ist eine begnadete Schriftstellerin der sehr feinfühligen Ausdrucksweise.
Sie versteht Themen der besonders berührenden Art wie Krankheit, Tod und Verlust eindrucksvoll zu beschreiben und lässt den Leser eintauchen in ein nahegehendes Leseerlebnis.

Alice Munro wurde 1931 in Ontario geboren und gehört inzwischen zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Mit ihren umfangreichen erzählerischen Werken ist sie Bestsellerautorin in ihrem Heimatland Kanada und der gesamten angelsächsischen Welt. Sie wurde u.a. mit mit dem "Man Booker International Prize" ausgezeichnet. 2013 erhielt Alice Munro den Literatur-Nobelpreis.
Heidi Zerning übersetzt seit vielen Jahren englische und amerikanische Literatur, unter anderem Steve Tesich, Virginia Woolf, Truman Capote und Alice Munro.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine leichte Kost, 27. Dezember 2006
Das Buch war mein erstes der Autorin. Ich hatte mir diesen Buch gekauft, weil Doris Dörrie bei Elke Heidenreich so sehr von der Autorin schwärmte. Besonders begeistert war sie davon, dass es A. Munro es immer wieder schafft, Kurzgeschichten wie ganze Romane wirken zu lassen.

In diesem Punkt stimme ich Fr. Dörrie voll und ganz zu. Die punktgenaue Beschreibung der Figuren macht sie schnell vertraut und nach 30 Seiten hat man das Gefühl, sie schon seit mindestens 100 Romanseiten zu kennen. Die Dichte der Beschreibungen hat mich sehr beeindruckt. Und trotzdem ist der Stil klar und präzise und der Satzbau ansprechend.

Für mich gab es in dem Buch zu viel Hölle und zu wenig Himmel: In jeder Geschichte ging es um den Tod. Auch wenn niemand starb, so war das Thema Sterben immer durchgängig präsent. Für mich hat etwas von dem im Titel versprochenen Himmel gefehlt: die guten Momente, die positiven Perspektiven für einige der Figuren. So ließ mich das Buch jedesmal ein wenig traurig zurück.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf leisen Sohlen, 27. Dezember 2009
Von 
sabatayn76 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Himmel und Hölle (Taschenbuch)
Inhalt:
Alice Munro erzählt Geschichten von interpersonellen Beziehungen, von Liebe, von Schuld, von Leiden, von Tod.

Mein Eindruck:
Die Autorin beginnt ihre Erzählungen beinahe beiläufig. Der Leser ahnt initial noch nichts von der psychologischen Wucht der beschriebenen Szenarien, die sich erst nach und nach entfalten, und den Leser schließlich ganz unverhofft bewegen, verstören, anrühren.

'Himmel und Hölle' ist keine leichte und unbeschwerte Lektüre, und ich konnte das Buch nicht am Stück lesen, denn Munros Erzählungen brauchen Zeit zum Einlesen und Zeit zum Nachsinnen. Sobald man sich jedoch auf den Stil der Autorin eingelassen hat, lebt man förmlich in ihren Geschichten und nimmt teil am Leben und Leiden der Protagonisten.

Mein Resümee:
Munros Erzählungen brauchen Zeit. Nehmen Sie sich die Zeit und erleben Sie feinsinnige Geschichten, die sich so überall zutragen könnten und genau aus diesem Grund so bewegend sind.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen wunderbare kurzgeschichten!, 22. Juni 2012
es heißt nicht umsonst, es sei schwieriger, kurzgeschichten zu schreiben, als einen roman. jedes wort muss präzise sitzen und die situation besser als viele sätze beschreiben. alice munro beherrscht diese hohe kunst ohne zweifel.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stille Wasser sind tief, 7. März 2014
Die 9 Erzählungen aus dem Jahre 2001 beginnen alle sehr ruhig und "normal" und bleiben auch so: ruhig, alltäglich, normal. Aber die Art, wie die (damals 70jährige) Autorin den Alltag ihrer jungen oder alten, verheirateten oder ledigen, praktischen oder abenteuerlustigen Heldinnen beschreibt, die Kunst, durch Auslassungen, Andeutungen, Zeitsprünge die ganze Abgründigkeit und Verlorenheit, aber auch die Freude und die Sehnsüchte und die Glücksmomente unseres Daseins zu erfassen - diese Art, diese Kunst ist das Besondere an Alice Munro.

"Hateship, Friendship, Courtship, Loveship, Marriage" - der englische Originaltitel dieses Buches erfasst mit fünf Worten (davon drei Kunstworte, die es gar nicht gibt) die ganze Bandbreite dessen, was einen erwarten kann, wenn zwei Menschen sich ineinander verlieben (oder nur einer sich in den anderen verliebt, oder der eine mehr liebt als der andere) und heiraten: Johanna deutet einer Verkäuferin an, dass sie bald heiraten wird. Diese ruft entzückt: "Oh, das ist ja wunderbar!" - "Ja, vielleicht, dachte Johanna, aber vielleicht auch nicht. Schließlich konnte sie irgendwen heiraten. Einen armseligen Farmer, der ein Arbeitstier brauchte, oder einen röchelnden alten Halbkrüppel, der eine Pflegerin suchte." (S.19). Ja, so nüchtern, realistisch, unromantisch kann Alice Munro übers Heiraten schreiben, und dann doch eine Geschichte darüber erzählen, die mich am Ende sehr bewegt und nachdenklich gemacht hat: Die ältliche, unattraktive Johanna hat sich nach einem Jahrmarktsbesuch und ein paar Briefen in den Schwiegersohn des Mannes verliebt, bei dem sie als Hausmädchen arbeitet. Die Frau des Schwiegersohns (= die Tochter ihres Arbeitgebers) ist an einer Krankheit gestorben. Der Schwiegersohn lebt allein in einem weit entfernten Dorf. Eines Tages setzt sich Johanna in den Zug, um diesen ihr im Grunde völlig unbekannten Mann zu heiraten. Schnitt: Wir (nicht aber Johanna) erfahren, dass die Briefe, die Johanna erhalten hat, gar nicht von diesem Mann stammten. Sie kommt dort an, er liegt krank mit einer Bronchitis im Bett, sie pflegt ihn gesund. Schnitt: Zwei Jahre später - aber das Ende wird hier natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es ist schon außergewöhnlich, wieviele Wendungen, Überraschungen, Irrungen und Wirrungen Alice Munro glaubwürdig (!) in einer 60seitigen Kurzgeschichte unterzubringen versteht. Und so sind alle 9 Geschichten dieses Buches: Unglaublich gut. Tiefgründig. Abgründig. Überraschend. Eben: Himmel und Hölle!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst
ARRAY(0xada58300)

Dieses Produkt

Himmel und Hölle. 2 CDs
Himmel und Hölle. 2 CDs von Alice Munro (Audio CD - 1. September 2005)
Vergriffen
Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen