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am 9. April 2014
Ich kann mich noch an jenen Zischtigsclub mit Peter Baumann erinnern, als über Sterbebegleitung diskutiert wurde. Peter Baumann ist damals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er einer Frau geholfen hat, sich zu töten. Ich kann mich noch an die Diskussionsrunde erinnern, aber auch daran, dass ich sehr bald weggezappt habe. Hat mich das Thema nicht interessiert? Ich glaube, ich wollte die Sache mit dem begleiteten Suizid gar nicht so genau wissen und für mich war auch die Meinung gemacht: Ich bin für das Leben und für alle, die die Leute am Leben erhalten, die den Suizidwilligen wieder Freude am Leben machen. Die anderen waren mir eher suspekt.
Wenn man mir die Lektüre der Texte von Peter Baumann nicht empfohlen hätte, wäre ich auch jetzt wieder am Thema vorbeigeschlichen. Ein Thema, das eigentlich Alltag ist. Jeden zweiten Tag springt eine oder einer unter den Zug. Warum wählen so viele diesen für alle Beteiligten brutalen Ausgang? Weil man nicht anständig sterben darf? Und die anderen Suizide? Man muss die herumgebotenen Zahlen mit Vorsicht anschauen. Ist der Motorradfahrer, der gegen einen Brückenpfeiler donnert mitgezählt? Der Bauer, der sich vom Silo „herunterfällt“? Und all jene Kranken, die einfach aufgehört haben zu essen und zu trinken? Alle zusammengezählt sind es mehrere zehntausend jedes Jahr. Wir alle kennen jemanden, der mehr oder weniger kaschiert aus dem Leben geschieden ist. Wir gestatten es aber uns und den anderen nicht, frei und anständig zu sterben. Alle mischen sich ein, die Religion, der Staat, die Meinungsmacher. Die Regierungen des Wallis und der Waadt z.B. haben beschlossen, gemeinsam ein Spital zu bauen, für Walliser und Waadtländer. Nun, da schon alle Hürden genommen sind, kommt eine starke Walliser Gruppe, die verlangt, dass die Regeln, die in der Waadt für die Sterbebegleitung gelten, in diesem Spital, das auf Waadtländer Boden zu stehen kommt, nicht für die Walliser gelten dürfen. Scheitert daran das ganze Projekt? Werden sterbewillige Walliser Patienten „repatriiert“ werden müssen, damit sie „natürlicher“ sterben können? Das Sterben, eine Staatsangelegenheit?
Peter Baumann hat sich mit seiner ganzen Kraft zeitlebens für die Freiheit zum Sterben eingesetzt. Das hat ihm eine gerichtliche Verurteilung eingebracht und viel Misstrauen in der Bevölkerung. In den Texten, die nach seinem Tod (ein „natürlicher“ Tod) von Jakob Weiss herausgegeben worden sind, präzisiert Baumann seine Gedanken und wir entdecken, dass er alles andere als ein Todesengel war. Er liebte das Leben und wünschte sich das Lebensglück für seine Patienten. Man entdeckt auch einen genauen, gewissenhaften Peter Baumann, der mit sozusagen wissenschaftlicher Genauigkeit den Todeswunsch seiner Patienten zu erfassen suchte. Seine Protokolle von den Gesprächen mit Todeswilligen sind äussert eindrücklich und längst nicht immer ist er bereit Sterbehelfer zu sein. Erinnerungen und Ueberlegungen von Familienangehörigen und Freunden runden das Bild des engagierten Arztes und Therapeuten ab.
Und am Ende bleiben die Fragen, für die Baumann für sich einige Antworten gefunden hat. Aber sind sie tatsächlich für viele von uns auch gültig? Wenig Probleme gibt es heute für jene Patienten, die sich zu Tode hungern, wenig Probleme ebenfalls für schwerkranke alte Menschen. Für sie hat man Lösungen gefunden, sich einigermassen würdig vom Leben zu verabschieden. Aber eine schwer depressive Person? Darf sie sterben? Sie wird in aller Regel als unzurechnungsfähig erklärt, hospitalisiert und ein Suizid verhindert. Baumann hat dafür gekämpft, die Entscheidung über den Suizid den Aerzten zu entreissen. Er hat nach Methoden gesucht, die einen Suizid ermöglichen, ohne auf rezeptpflichtige Medikamente zurückgreifen zu müssen. Der Mensch solle frei sein, auch gegenüber dem Zeitpunkt des Todes.
Geht dabei nicht eine anthropologische und kulturelle Dimension vergessen? Die allermeiste Zeit der Menschheitsgeschichte haben die Menschen ums Ueberleben kämpfen müssen. Nicht nur als Individuen, sondern auch als Gruppen. Erst seit wenigen Jahren und nur in wenigen Ländern stellt sich die Frage nach der Freiheit zu Sterben. Peter Baumann greift zwar einmal diese Dimension auf und erwähnt die Religion, die, wenn man die jüdisch-christliche Bibel betrachte, gar nicht so antisuizidal eingestellt sei und zitiert biblische Suizide als Beleg. Mit Leichtigkeit könnte man jene biblische Zitate finden, die genau das Gegenteil behaupten würden. Heilige Bücher eignen sich nicht für derartige Beweisführungen. Die Religionen, mit wenigen Ausnahmen, haben mit den Gesellschaften die Tabuisierung des Suizides mitgetragen. Man kann darin durchaus eine Jahrtausende alte Weisheit sehen, vielleicht etwas sperrig heute, aber immerhin bedenkenswert. Kann man aufgrund von Einsichten, die nur wenige Jahrzehnte alt sind und durchaus plausibel erscheinen, eine sehr alte Idee, ein sehr altes Tabu einfach so kippen? Ich kann mir nur einen sehr langsamen Prozess vorstellen. „Freier Suizid für alle“ kann kein Programm sein. Zu viele junge Menschen nehmen sich heute das Leben, aus einer momentanen Regung heraus und es ist sicher richtig, alles zu versuchen, das zu verhindern.
Peter Baumann hat aus seinen Erfahrungen als Arzt argumentiert, hat mit einem wissenschaftlichen Instrumentarium gearbeitet, hat die Vernunft zum Leitstern gemacht. Aerzte waren immer an der Spitze des Fortschritts, sie haben nicht nur medizinisch sondern auch gesellschaftlich die Gesellschaften weitergebracht. Oder sie meinten es zumindest. Der französische Orientalist Gilles Képel etwa weist darauf hin, dass fast in allen Ländern des Nahen Ostens die Köpfe des Islamismus nicht etwa die Theologen sind, sondern Aerzte. Sie sehen sich an der Spitze des Fortschritts, der gesellschaftlichen Erneuerung. Peter Baumann steht da allerdings an einem ganz anderen Ort. Er analysiert zwar als Arzt die Gesellschaft, die er als Arzt verändern will. Gleichzeitig sägt er am eigenen Ast sozusagen, er möchte die Definitionsmacht der Aerzte aufbrechen und den Menschen die Freiheit über ihr Leben geben.
Das Buch mit den Texten von Peter Baumann regt also zu ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid an und dafür darf man den Mitschreibenden und dem Herausgeber dankbar sein. Die Lektüre ist ein Gewinn.
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Ich lernte einmal eine Frau kennen, die hatte schon7 Suizidversuche hinter sich. Meist wurde sie dann für eine Zeit in eine psychiatrische Klinik gesteckt. Nachdem sie wieder aus der Klinik kam ging sie zu ihrem Psychiater, dieser verschrieb ihr Antidepressiva. So ging es über Jahre. Im Laufe der Zeit wurde aus einer Frau, die anfangs noch als Fremdsprachenkorrespondentin gearbeitet hatte, eine müde, unbewegliche Person, die nur noch am Küchentisch saß und rauchte, abends schaute sie dann noch das Vorabendprogramm an und nach einem festen Plan nahm sie ihre Tabletten und schlief ab 20Uhr. Sie hatte keine Idee mehr, was sie anfangen könnte. Sie interessierte sich für nichts. Andere Menschen interessierten sie nicht. Sie interessierte sich auch nicht für irgendwelche Ereignisse auf der Welt.
Wenn ein solcher Mensch zu der Bilanz kommt, mein Leben ist doch völlig sinnlos, ich will dies Leben nicht mehr leben, kann man dafür nicht ein gewisses Verständnis aufbringen?
Im letzten Jahr hat ein Flugzeugpilot, der Suizid beging, dabei über 100 unschuldige Menschen mit in den Tod gerissen. Das will Baumann auf jeden Fall vermeiden. Auch wenn sich jemand vor den Zug wirft, das ist doch nicht einfach danach vorbei. Wie viele Lokführer, die das mehrfach erlebt haben, können irgendwann ihren Beruf nicht mehr ausüben, weil sie traumatisiert wurden. Auch Polizisten, die unmittelbar nach einem schweren Unfall gerufen werden, stehen in der Gefahr, das bald nicht mehr zu verkraften.
Der Arzt hat für das menschliche Leben eine Garantenpflicht. Wenn ein Patient in einer sog. Patientenverfügung nichts anderes bestimmt, dann ist es Aufgabe des Arztes, alles zu tun, einen Menschen, der in einen bedrohlichen Zustand kommt, am Leben zu erhalten.
Ich weiß nicht wie oft es vorkommt, dass ein unheilbar Kranker mit einem Arzt spricht und ihm offenbart, dass er sterben möchte, aber ihm die geeigneten Mittel dazu fehlen, auch wenn der Arzt, die schlechte Prognose, die den Fall betrifft, kennt und teilt, er darf weder aus menschlichen noch aus ärztlichen Erwägungen etwas unternehmen, das den Tod des Patienten herbeiführt. Sonst muss er mit einer sowohl standes-, als auch strafrechtlichen Verfolgung rechnen.
Baumann empfindet diese Gemengelage als unwürdig. Er hält uns ein leidenschaftliches und brillantes Plädoyer für die Freiheit, auch über seinen Tod und den Zeitpunkt desselben, in eigener Verantwortung zu entscheiden.
Ich gestehe, dass ich in diesen Fragen nicht völlig unvoreingenommen bin. Einer meiner Brüder hat nach einer längeren, nicht lebensbedrohlichen Krankheit, den Weg des Suizides gewählt. Man könnte das unter den Begriff 'Bilanzselbstmord' fassen, frei übersetzt, 'ich sehe in diesem Leben so keinen Sinn mehr und möchte so nicht weiter leben'. Das ist aber eine Mutmaßung, weil er dazu keine Äußerung hinterlassen hat.
Baumann sah seine Aufgabe darin, Menschen die Mittel zu nennen, die für einen Suizid tauglich sind und die sie sich möglichst ohne das Rezept eines Arztes beschaffen können. Lachgas ist z.B. ein solches Mittel, man kann die Flasche im Baumarkt erwerben, ich glaube sie wird z.B. zum Füllen von Luftballons verwendet. Der Suizid mit Autoabgasen funktioniert seit der Einführung des Katalysators nicht mehr. Das Schlafmittel Pantobarbitural ist nicht mehr gebräuchlich und wird heute nur noch verwendet, wenn Tiere eingeschläfert werden.
Ein solches Buch löst selbstverständlich kontroverse Gefühle und Reaktionen aus. Man hat den Autor in der Schweiz auch unter eine Strafanzeige gestellt. Nicht wegen des Buches, das dürfte wohl so wie auch hier, durch die Meinungsfreiheit gedeckt sein.
Ich bin noch nicht sehr alt, und aktuell auch nicht lebensbedrohlich erkrankt. Ich finde die Überlegungen, über die Freiheit, sein Leben in eigener Verantwortung zu beenden, berechtigt.
Eine Gefahr sehe ich allerdings, es darf daraus niemals, die verordnete Pflicht zu sterben, wenn diese Existenz anderen Menschen einmal Mühe bereitet ,werden. Es gibt viele Menschen, die werden aufgrund der Segnungen der Medizin sehr alt. Dann kommen sie manchmal in einen Zustand, es gibt keine Verwandten mehr, die greifbar sind, es kümmert sich niemand mehr. Sie kosten eine Menge Geld und Ressourcen personeller Art, die ambulante Pflege alter Menschen, wird von den Kranken- und Pflegekassen, nach einem Minutenschlüssel berechnet. Dieser enthält aber nicht die Zeit, die die Pflegekraft aufwenden muss um in der Innenstadt einen Parkplatz zu finden. Es gibt auch keine Zeit für die persönliche Zuwendung der Pflegekraft und trotzdem leisten viele Pflegekräfte ihre Arbeit mit großem Engagement, mit Empathie und der notwendigen Professionalität und sie halten sich zum Wohle der Patienten auch nicht immer an die Zeitvorgaben.
Für mich ist das Buch, das der Autor aufgrund eigener Erkrankung, nicht mehr selbst beenden konnte, ein mutiger und wichtiger Diskussionsbeitrag. In unserem Land, hat der Gesetzgeber erst im letzten Jahr, die Gesetzeslage verschärft. Damit hat er möglicherweise einen Anstieg von Verzweiflungstaten in Kauf genommen. Ich halte es für wichtig, über die letzte Freiheit am Lebensende zu diskutieren und auch darüber zu streiten. Die Argumente des Arztes sind aus seiner eigenen Berufserfahrung, überzeugend dargestellt. Es ist ein Buch, das aufgrund seiner sprachlichen Güte, Freude bereitet, sich mit einem so schwierigen Thema auseinander zu setzen.
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