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am 9. Januar 2013
Die Kunst im öffentlichen Raum findet in Zürich seit einigen Jahren verstärkt Beachtung: 2005 wurde von der damaligen Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich, der ETH Zürich sowie der Stadt Zürich ein "Leitbild für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich" entwickelt. 2006 gründete die Stadt die "Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum". Sie soll innovative Konzepte und Kunst mit gesellschaftliche Relevanz initiieren und "den aktiven Umgang mit bereits bestehenden Werken" fördern (und nebenbei, vermutlich, die Standortattraktivität steigern). Seit 2001 schon realisiert die Fachstelle Kunst und Bau (am Hochbauamt angesiedelt) mit externen Partnern zusammen städtische Projekte und berät private Institutionen. Seither sind, so Fülscher (S. 32), vermehrt zeitgenössische Werke und namhafte nationale und internationale Gegenwartskünstler vertreten. 2005, 2008 und 2010 gab es gar Kreativwirtschaftsberichte, die von Stadt und Kanton Zürich in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste herausgegeben wurden.

Basierend auf der vorgenommenen, breit angelegten Bestandsaufnahme in den Jahren 2006 bis 2010 gibt Fülscher einen Überblick über die (vorwiegend) in den letzten 150 Jahren entstandenen Kunstwerke, die den öffentlichen Raum der Stadt Zürich prägen in dem Sinne, dass sie öffentlich zugänglich und permanent installiert sind. Im auch für Kunstlaien gut lesbaren Einleitungstext (51 Seiten) spannt Fülscher dabei den Bogen von Bauplastiken am Fraumünster und Grossmünster aus dem 12. und 13. Jahrhundert über Brunnenskulpturen aus dem 16. und 18. Jahrhundert in der Altstadt über Reliefbilder an Brunnentrögen der 1920er bis 1940er Jahre bis hin zu Mosaiken an Hausfassaden aus den 1950er und 1960er Jahren. Allgegenwärtig im Stadtbild sind – wie andernorts auch – die figürlichen Plastiken und Skulpturen, zwischen 1920 und 1950 meist idealisierte männliche und weibliche Akte, die über den erotischen Aspekt hinaus wohl Anmut, Harmonie und Sorglosigkeit ausstrahlen sollen. Sie werden nach dem Krieg durch narrative Mensch- und Tierdarstellungen abgelöst (bis etwa 1960).

Besondere Erwähnung findet im Einleitungstext die kunsthistorische Bedeutung - die „zentrale Rolle“, wie sie schreibt - der Züricher Konkreten, der konstruktiv-konkreten Künstler sowie der Schweizer Eisenplastiker. Immerhin finden sich im öffentlichen Raum von Zürich jeweils mehrere Werke (meist aus den 1970er und 1980er Jahren) von Künstlern wie Max Bill bzw. Hans Aeschbacher und Gottfried Honegger bzw. Bernhard Luginbühl und Silvio Mattioli – neben vielen anderen. Indes bleibt es, abgesehen von drei kleinen Fotos, bei dieser Erwähnung.

Interessant: ihrer Bestandsaufnahme entnimmt Fülscher, dass über 400 der 1300 Werke von bloss 35 „Lokalmatadoren“ stammen. Oder dass die Dichte der Kunstwerke im Stadtraum stark mit der Sozialstruktur der Quartiere korreliert. Die Analyse offenbart ferner, dass unter den 440 Kunstschaffenden nur rund 15% Frauen sind, von denen nur etwa 100 Werke stammen.

Übersichtliches Kartenmaterial macht es dem Kunstspaziergänger leicht, die Kunstwerke im Stadtraum aufzuspüren. Die Fotos (4.5 x 3.5 cm) fallen hin und wieder leider sehr dunkel aus.

Das gestiegene Interesse an Kunst im öffentlichen Raum bringt es mit sich, wie Fülscher selbst schreibt (S. 52), dass heute Bewohner, Passanten und Touristen wissen wollen, von wem ein Kunstwerk geschaffen wurde oder in welchem Zusammenhang es aufgestellt wurde. Es mehren sich Vermittlungsangebote wie Kunstführungen, Internetseiten, Bücher und Stadtpläne. Allerdings: selbst über Werke berühmter Gegenwartskünstler wie z.B. Olafur Eliasson oder über die in Zürich beliebten „Klassiker“ (wie sie Fülscher bezeichnet) wie z.B. Henry Moores „Sheep Piece“ erfährt der Leser in diesem Band nicht mehr als den Namen des Künstlers, Titel, Schaffensjahr sowie den Ort. Von Jean Tinguelys „Heureka“ oder Max Bills „Pavillon-Skulptur“ erfährt man immerhin (im Vorwort), dass es sich um Schenkungen handelt (von wem bleibt offen) und dass sie zur Zeit ihrer Aufstellung auf erheblichen Widerstand trafen (wie äußerte sich der?). Fülscher schreibt, dass sie in ihrer Bestandesaufnahme bewusst alle 1300 Werke gleichgewichtig nebeneinander aufführe und auf eine Bewertung der Werke verzichte, um „Debatten über bestehende und neue Werke eine Grundlage zu bieten.“ Diese Argumentation ist insofern fragwürdig, als eine fundierte Debatte doch nur auf Basis von Verständnis geführt werden kann. Entwicklungslinien und Zusammenhänge in der Kunst aufzeigen oder den Entwicklungsprozess im Kunstverständnis der Bevölkerung nachzeichnen kann eine rein geographisch angelegte Bestandsaufnahme jedoch nicht leisten. Ein Verstehen bleibt hier also den Fachleuten vorbehalten; die werden denn auch mit Hinweisen beispielsweise auf das Inventar der städtischen Denkmalpflege oder eine verwaltungsinterne Datenbank am Hochbauamt des Kantons Zürich versorgt. Der interessierte Leser und Kunstlaie sei an dieser Stelle auf den wunderbaren Band „Zürich. Zeitgenössische Kunstwerke im Freien“ von Rolf Lambrigger verwiesen, der bereits viele der „Klassiker“ enthält, weil viele bereits vor 1985 aufgestellt wurden. Wer seinen Augen schon einmal Appetit auf einen Kunstspaziergang durch Zürich machen möchte, dem seien die Kunstlupe der „Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum“ der Stadt Zürich oder die 'SkulpTour Zürich’ auf dem Fachportal 'Welt der Form' empfohlen: einige der Highlights werden in diesen (kostenlosen) Webangeboten in Wort und Bild beschrieben.

Bernadette Fülscher studierte Achitektur und Kunstgeschichte und promovierte über Szenografie an der Landesausstellung Expo.02 . 2004/5 untersuchte sie am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich im Rahmen eines von der Förderagentur für Innovation des Bundes (KTI) unterstützten Forschungsprojekts die Beziehungen zwischen Stadtentwicklung, Öffentlichkeit und Kunst im öffentlichen Raum. Diese Bestandsaufnahme wurde ermöglicht durch eine großzügige finanzielle Unterstützung der Stadt Zürich sowie privater Institutionen.
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