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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die große Erzählkunst der franz. Literatur des 19. Jahrhunderts
Dass Frankreich im 19. Jahrhundert großartige Romane hervorgebracht hat, zeigt Gustave Flauberts 'Madame Bovary', das nicht umsonst als d e r Ehebruch-Roman in der Weltliteratur gilt, einer 'Effi Briest' Fontanes zum Trotz.

Um 1848 verfasst, aber erst 1857 in Buchform veröffentlicht, erzählt der Roman die Leidensgeschichte der Emma Bovary, der...
Veröffentlicht am 29. März 2008 von Riotgun

versus
51 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen unfassbar schlechte Übersetzung
An all die, die mit dem Gedanken spielen, sich dieses Buch zu bestellen:

Ich habe diese Ausgabe von "Madame Bovary" vom Kaiser-Verlag gekauft und bin sehr unzufrieden damit !!!
Da ich zur Zeit in Toulouse französische Literatur studiere und wir gerade diesen Roman von Flaubert besprechen, habe ich mir die Übersetzung gekauft.
Leider handelt...
Veröffentlicht am 25. November 2008 von K. Kramer


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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Romantik und Realismus; besser gehts nicht., 15. Januar 2001
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Roman (Taschenbuch)
Flauberts Madame Bovary gehört zu den Klassikern des französischen Realismus. Geschrieben in einer Zeit anhaltender politischer und sozialer Umbrüche beschreibt der Autor die Überwindung der Romantik, das Ende der Gefühle und stößt den Leser permanent auf den bis zum Gefrierpunkt abgekühlten Realismus. Emma ist ein Opfer falscher Gefühle. Sie übersteigert ihre angelesene, durch Ritterromane und Abenteuergeschichten angestachelte Sehnsucht nach Romantik bis zur völligen Verkennung der mediokren Realität. Alles andere, nur keine Helden umgeben sie in ihrer Lebenswelt. Ihr gutmütiger aber völlig tumber Ehemann, Salonlöwen wie Rodolphe, der Möchtegern-Großgeist Homais oder der geldgeile Lheureux konfrontieren sie und lassen ihre romantisch übersteigerten Emotionen an der Realität brutal zerspringen. Darin liegt sowohl die Größe als auch das Scheitern von Emma. Sie gibt nur um ihr Leben ihre romantischen Träume auf, sie will in dieser nach Macht, Geld und Ruhm strebenden Realität nicht leben. Flaubert gelingt es hervorragend den Realismus und die Romantik miteinander konkurrieren zu lassen. So avanciert die Landwirtschaftsausstellung zu einer stilistisch hervorragenden Verknüpfung beider Richtungen. Die völlig sinnentleerte und dümmliche Preisverleihung steht dem phrasenhaften Annäherungsversuchen von Rodolphe gegenüber. Immer schneller wird der Wechsel zwischen den Szenen, bis sich am Ende beide Perspektiven gegeneiander karikiert haben. Weitere Phänomen, wie der Bedeutung der Farben, die Zahl 2, die Kopfbdeckungen, die immer dümmliche Menschen charakterisiert, das Spiel und die Bedeutung der Jahreszeiten und der Natur fließen in diesen Roman unmerklich ein und strukturieren diesen Roman. Diese Elemente machen dieses Buch zu einem Meisterstück der Komposition eines sorgfältig aufeinander abgestimmten Romans.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Werk der Weltliteratur, 15. September 2007
Von 
Regenfisch - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary (Gebundene Ausgabe)
1848 traten Freunde des noch recht unbekannten Schriftstellers Gustave Flaubert an ihn heran und beschworen ihn, doch mal etwas aus und über das Alltagsleben zu schreiben. Flaubert nahm sich diesen Ratschlag zu Herzen und stolperte beim Lesen der Zeitung über einen Bericht über eine gwisse Delphine Delamare, die mit ihrem Leben als Ehebrecherin nicht zurecht kam und sich deshalb umbrachte. Flaubert griff diesen Stoff auf und ihm gelang nach 5-jähriger Arbeit ein Werk der Weltliteratur.
Mit Kühle und journalistischer Genauigkeit zeichnet er das Leben der Emma Bovary auf. Diese heiratet, naiv an die Ehe als Erfüllung ihrer Träume glaubend, den Provinzartz Charles Bovary. Er selbst war gerade Witwer geworden und verliebt sich unsterblich in Emma. Diese merkt schnell, das die Realität nichts mit den Frauenfiguren in den von ihr geliebten Gesellschaftsromanen zu tun hat. So sehr sie sich auch bemüht- ihr Ehemann wird ihr immer verhasster. Schließlich flüchtet sie sich in Affären, doch auch diese finden ihr Ende und werden reizlos. Zunehmend erkrankt Emma psychisch, selbst die Geburt ihrer Tochter Emma verhilft ihr nicht aus dieser tiefen Depression. Sie tätigt Frustkäufe und als der Gerichtsvollzieher ihre Teppiche und kostbaren Stoffe pfänden will, fast sie einen endgültigen Entschluss.
"Madame Bovary" gilt als Mutter der Frauenromane und nach der Lektüre kann ich mir lebhaft den Aufschrei der bourgoisen Gesellschaft Frankreichs vorstellen. Ebenjene Gesellschaft war Flaubert von Grund auf verhasst. Die Szene der Landwirtschaftsversammlung verdeutlicht mit welcher Ironie und Satire Flaubert das Bürgertum in Szene setzt.
Mit "Madame Bovary" schreibt Flaubert auch ein Stück Erziehungskritik. So wird Emma in einem schöngeistigen Kloster erzogen und darf oder kann in ihrem weiteren Leben diese Leidenschaft nicht weiter ausleben. Was soll denn ihren Geist befriedigen? Emma wurde ohne Mutter und nicht sehr fürsorglich aufgezogen. Sie übertragt ihre Erziehung weiter auf Bertha und diese wird es wieder tun. Ein Muster, das sich bis heute hält.
Stilistisch und ihnaltlich gesehen ist der vorliegende Roman ein Kunstwerk und gehört verdient zur großen Weltliteratur.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen fordernde Lektüre, zeitlos brisant, 24. April 2013
Emma Rouault, eine junge, ein wenig verträumte Frau mit der Sehnsucht nach einem romantisch erfüllten Leben wie in einem der Romane, denen sie so verfallen ist, heiratet den biederen Landarzt Charles Bovary in der Hoffnung auf ein beschauliches und gesellschaftlich interessantes Leben. Schon bald aber nimmt ihr die erdrückende Enge dieser Ehe die Luft zum Atmen. Sie flüchtet sie sich in die berauschende Scheinwelt der Literatur, dann strebt sie immer mehr den Verheißungen aus den Büchern von Leidenschaft, Glück und Erfüllung nach und sucht Gleiches in wechselnden Abenteuern mit Liebhabern. Doch auch hier findet sie nicht, was sie sucht, keine Liebe, kein Glück und nur wenig Lebensfreude. Ihr Leben gerät nach und nach aus der Bahn und wir als Leser erleben ihren Niedergang, ihr Leiden und ihre verqueren Erlebnisse mit. Der Roman „Madame Bovary“ führte nach seinem Erscheinen 1856 zum Skandal, geradezu zeitlos brisant ist er bis heute geblieben.

Mit beinah medizinisch unbeteiligtem Blick beschreibt Gustav Flaubert das Leben und den Untergang einer so unsympathischen wie aufregenden Frau, phlegmatisch, leidend, melancholisch und gelangweilt, bisweilen hysterisch, aber immer von der Unruhe und dem Wunsch getrieben, doch noch ihre Erfüllung zu finden. Prägnant werden ihre Befindlichkeit ebenso wie die Sitten- und Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts dargestellt – und diese beiden Sphären könnten kaum ambivalenter sein. Man mag Emma nicht, Teile ihres Denkens und
Handelns, vor allem ihr Wunsch nach Individualität und Erfüllung, kann man aus heutiger Sicht aber sicherlich nachvollziehen. Und diese Elemente waren es (neben dem sittenwidrigen und von Flaubert so offen angesprochenen Ehebruch durch die gelangweilte Frau) sicherlich, die zu Zeiten des Erscheinens dieses Romans zu solch pikierten und entrüsteten Reaktionen in der Leserschaft und unter den Rezensenten führten.

Flauberts Figuren sind keine, mit denen man mitfühlt und mitlebt, eher noch empfindet man ihnen gegenüber Distanz und nur sehr wenig Sympathie und Verständnis. Trotzdem ist es spannend, in die Abgründe der Psyche zu blicken, in Abgründe, die vor Flaubert kaum jemand anzusprechen wagte.

Der Schreibstil dieses Romans ist – vor allem verglichen mit so manchen anderen Werken, die als „Klassiker“ geführt werden – im Grunde sehr flüssig und gut lesbar, an vielen Stellen erstaunlich modern, was aber mit Sicherheit auch der Übersetzung zugutegehalten werden kann. Was „Madame Bovary“ dennoch zu einer anstrengenden Lektüre macht, das ist weniger der Stil der Erzählung, sondern vor allem das Unbehagen, das einen als Leser angesichts der geschilderten Welt, der Tristesse und der Larmoyanz überkommt. Langweilig ist diese Lektüre phasenweise - und eigentlich müsste man diese Empfindung loben, denn Flaubert versteht es meisterlich, auch diese Facette, eine der grundlegenden Facetten Emma Bovarys Leben und Charakter, deutlich zu machen – in seinen Beschreibungen, aber vor allem auch im Grundton des Romans, in der evozierten Atmosphäre und in der völligen Freudlosigkeit der dargestellten Figuren.

Lange habe ich an diesem Buch gelesen. Und ich kann nicht sagen, dass ich es persönlich sehr mochte. Dass und warum es als Klassiker gilt, das kann ich sehr gut nachvollziehen und auch deutlichst unterschreiben. Dieses Buch ist nicht schön und ganz gewiss keines meiner Lieblingsbücher. Aber es ist gut, so qualvoll und schleppend die Lektüre teilweise auch ist.

Sehr gut fand ich ergänzend zur Lektüre das vom Fischer-Verlag dargebotene Material im Anhang, ein erklärendes Nachwort und ein ausführliches Glossar. Ebenso positiv hervorzuheben ist die schöne und wertige Gestaltung dieser Taschenbuchausgabe.
Dafür gibt es einen Extrastern. Mit den drei Sternen, die ich für Buch und Geschichte der Madame Bovary an sich vergeben würde, sind das summa summarum 4 Sterne und die Erkenntnis, dass Klassiker-Lektüren, auch wenn sie mitunter anstrengend sind, sehr erhellend sein können. Ich persönlich werde aber wohl auch weiterhin eher unter den deutschen, britischen und russischen Klassikern fündig, was meine Lieblinge angeht.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sinnliche Lektüre mit Tiefgang, 16. September 2001
Zu Flauberts Tiefsinnigkeit haben meine Vorgänger auf dieser Seite schon genug Zutreffendes geäußert. Eins sei noch hinzugefügt: Madame Bovary ist ein überaus sinnliches Buch. Jede Geste, jede Szene, jeder Geruch ist mit einer unvergleichlichen Beobachtungsgabe und Liebe zum Detail geschildert und lässt die Welt des Romans wirklich werden. Was die Handlung an (seltenen) Längen aufweist, würzt Flauberts Schreibkunst wieder mit Kurzweil. Zu Recht ein Klassiker.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Erwachen aus einem Traum, 17. August 2006
Mit älteren Büchern hat man ja gern seine Probleme (und ich bin da keine Ausnahme). Das Buch erschien 1857 und gehört zur Weltliteratur. Dem Urteil kann ich mich unbedenklich anschließen. Trotz einer Länge von rund 450 Seiten ist das Werk leicht und interessant zu lesen. Die Thematik fand ich außerdem interessant. Irgendwie kann man sich gut (besonders als Frau) in den Charakter hineinfühlen. Es gibt keine perfekten Charaktere. Alle haben ihre Macken (die einen mehr - die anderen weniger) und das macht sie menschlicher. Zudem bin ich mir sicher, dass das Buch immer noch nichts von seiner Aktualität verloren hat und sich viele wiedererkennen werden. In dieser Frau, die diese Leere in ihrem Leben spürt und nach etwas anderem hungert. Die immer und immer wieder versucht diese Leere mit etwas zu füllen und immer tiefer und tiefer sinkt. Bis sie vor einem Abgrund steht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Madame Bovary, c'est moi." soll Flaubert gesagt haben., 6. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...Aber Flaubert ist ein Mann und damit frei. Meint er die Träume und Eitelkeiten? Sieht er sich auch als narzistische Persönlichkeit? Ich weiß es nicht.
Nach außen erscheint der Roman als Geschichte einer Ehebrecherin. Da wird Liebe und/oder Anrüchiges vermutet, Romantik und Spannung. Spannend ist es auch, vor allem in der zweiten Hälfte.
Ich habe mich lange geärgert, warum Flaubert seine Emma Bovary so allein gelassen hat. Warum er ihr keine beratende Frau an die Seite gestellt hat, keine Mutter, Schwester oder Freundin. Er hat Emma benutzt. Benutzt , um ein Gesellschaftsbild zu zeigen. Nicht die große Gesellschaft. Nein ihm reichte der dörflich/kleinstädtische Mikrokosmos. Wie er die Natur der Menschen schildert, die alle (ausnahmslos) die Anderen nur benutzen, um selber weiter zu kommen, wie und was immer dieses "Weiter" auch sein mag. Hier wird eine Gruppe Menschen beobachtet, die Emma bei ihrem zielstrebigen Weg in den Untergang begleiten. Die einen machen die Augen zu, aus Erschöpfung, Bequemlichkeit oder klerikaler Vernagelung. Die anderen lassen sie sehenden Auges ins Unglück laufen, aus Gleichgültigkeit oder, wer weiß, für was es noch einmal gut ist. Für mich ist das eigentlich die schlimmste Gruppe. Die letzte Gruppe sind die aktiven Selbstsüchtigen. Die bewussten Verführer.
Dies alles beschreibt Flaubert mit Witz und Humor, mal mit Charme, mal mit Spott und Biss, gesellschaftskritisch, im Detail genau, psychologisch stimmig und mit Tiefgang.
Es gibt in diesem Buch keine Helden und auch eigentlich keine Sympathieträger. Es gibt zwei Verliererinnen: Emma, deren Leben traurig endet. Und Berthe, ihre Tochter.
Und dennoch ist es ein gelungenes Buch, lesenswert, empfehlenswert, sprachlich bestechend. Happy End kann jeder.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hörspieleffekt, 14. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary (Audio CD)
Die Gestaltung als Hörspiel ist gelungen. Zum Beispiel wirken die Überlappungen von Gesprächen sehr echt.
Die Musik gibt die Seelen- und Gefühlslagen der Betroffenen gut wieder, nervt aber irgendwann durch Beibehaltung des harmonischen und melodischen Stils.
Hervorragende Sprecher und Sprecherinnen in allen Rollen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Zerfall einer anmutigen Göttin im hintersten Eck der Provinz, 15. Mai 2011
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary (Taschenbuch)
Madame Bovary - verheiratet mit dem Arzt Charles Bovary, bewohnt sie bis an ihr Lebensende die Einöde in Frankreichs Provinz. Sie träumt von dem magischen Ort Paris, ihren ritterlichen Romanhelden und sucht Befriedigung in der Liebe, die ihr ihr Mann nicht geben kann. Sie wird von den Männern viel umworben, sie ist ein Anziehungspunkt und eine Augenweide. Bald beginnt sie Affären mit Léon und Rodolphe. Dabei fühlt sie sich wie beflügelt, frei und dennoch trägt sie Verantwortung für ihren Ruf, ihren Mann und ihr gemeinsames Kind. Letztendlich wird sie von Unmengen an Schulden heimgesucht und gibt sich dem Gift hin, um ihrem Leben ein Ende zu setzen...

Flauberts Roman erregte viel Aufsehen, da er - so der Untertitel des Buchs - "ein Sittenbild der Provinz" aufweist, einen Maßstab an Moral und Werten, der für die damalige Gesellschaft maßgebend war und eingehalten werden musste, wenn man nicht verstoßen werden wollte. Doch Emma Bovary durchbricht diese Regeln, sie schafft ihr eigenes Leben, um vollauf befriedigt zu werden, um der Gesellschaft zu trotzen, um sich den eigenen Freuden hinzugeben. "Madame Bovary" ist eine Revolution, ein klassisches Werk, das dennoch in der heutigen Zeit stets aktuell ist und die unermüdlichen Bedürfnisse der Menschheit wiederspiegelt, die, unter gegebenen Umständen zu Problemen führen und letztendlich ins Verderben.

Empfehlenswertes, epochales Meisterwerk, vier Sterne für die Einzigartigkeit, die Niederschrift des Unsagbaren, selbst wenn es etwas langatmig geschrieben ist auf 400 Seiten.

~Bücher-Liebhaberin~
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Plüschig, 17. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary (Gebundene Ausgabe)
Das Buch beginnt mit der Exposition des künftigen Gatten von Madame Bovary, eines trotteligen und strebsamen jungen Mannes, der unter Mutters Pantoffel steht. Er besteht seine Medizinprüfung erst beim zweiten Anlauf durch Auswendiglernen und übernimmt sodann eine Arztpraxis in der tiefsten nordfranzösischen Provinz, einem von Apfelbäumen und Nebeln geprägten Landstrich, der die Erinnerung an impressionistische Bilder wachruft: "Durch die Latten der Laube und weithin leuchtete der Bach, der sich in schnörkeligen Windungen in den flachen Wiesen hinwand. Der Abenddunst schwebte um die noch kahlen Pappeln und löste die Linien ihrer Äste zu weichem Violett auf, duftig und durchsichtig wie ein feiner Schleier."
Charles verguckt sich in die Tochter eines seiner Patienten, Emma, ein holzclogstragendes Bauernmädchen. Die verträumte ehemalige Klosterschülerin heiratet ihn, hat jedoch unbestimmte höhere Erwartungen, einen Hang zur Träumerei über das mondäne Leben, der kleinbürgerliche Trott setzt ihr zu. Ihr Mann beginnt sie schon nach kurzer Zeit, ungeachtet seiner selbstlosen Liebe, anzuwidern. Auch das Verhältnis Emmas zu ihrer neugeborenen Tochter ist distanziert, nur in Anfällen von Selbstmitleid benutzt sie das Mädchen als Projektionsfläche für ihre Sentiments.
Emmas egoistische Sehnsucht - die sie übrigens alles andere als sympathisch macht - ist dem Streben einer Landpomeranze nach dem Erfolg in einer Glamour-TV-Show vergleichbar. Sie treibt sie in die Hände zweier Liebhaber, einer ist ein Provinz-Playboy, sein Nachfolger ist ein Kleinstadtträumer, Emmas männlicher Pendant sozusagen.
Madams Bovary Schmachten und ihre Tete-a-tetes bewegen sich in ihrer Plüschigkeit an der Grenze der Erträglichen: "Wenn es irgendwo auf Erden ein Wesen gab, stark und schön und tapfer, begeisterungsfähig und liebeserfahren zugleich, mit einem Dichterherzen und einem Engelskörper, ein Schwärmer und Sänger, warum war sie ihm nicht zufällig begegnet?" Oder: "Das Bett war aus Mahagoni und sehr groß. Zu beiden Seiten des Kopfkissens hingen, rotseidene, weitbauschige Vorhänge herab. ... Sie sagten "unser Zimmer, unser Teppich, unsere Stühle", wie sie "unsere Pantoffeln" sagten, wobei sie die meinten, die Leon Emma geschenkt hatte: Pantoffeln aus rosa Atlas mit Schwanflaumbesatz."
Die Handlungsdynamik zu Beginn der Geschichte ist eher bescheiden, da die Frau Bovary hier noch nicht festgelegt ist, noch ist ihre Stimmung bloß vage romantisch und spröde. Nur die souverän gezeichneten melancholisch-humorigen Milieuskizzen des Provinzlebens, die an "Die toten Seelen" erinnern, helfen über die Erzähllängen hinweg. Ab etwa der Mitte liest sich der Roman einigermaßen und zum Ende hin zunehmend spannend und ergreifend, gleichwohl bleibt er in seinem Gesamtverlauf kein ausgeprägter "page-turner".
Die überspannte und kitschige Attitüde Emmas wirkt unangenehm. Eher schon empfindet der Leser Mitgefühl für ihren (dem Forrest Gump nicht unähnlichen) Ehemann. Am meisten bewegte mich jedoch das Schicksal von Hippolyte, eigentlich einer Randfigur, einem harmlosen und arbeitsamen Dorftrottel, der aus einem Jux des Ortsapothekers zu einem chirurgischen Eingriff überredet wird, tierisch leiden muss und ein Bein verliert.
Das wahrgenommene Missverhältnis zwischen der Schlichtheit Emmas überkandierter Sentimentalität und der Ausführlichkeit ihrer Schilderung machen es mir schwer, diesen ansonsten proper geschriebenen Roman vorbehaltlos zu empfehlen. Daher nur vier Sterne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Madame Bovary - c'est moi", 3. Januar 2011
Fünf Jahre feilte Gustave Flaubert (1821-1880) an seinem Gesellschaftsroman 'Madame Bovary' und schuf eines der buntesten Sittenbilder des Frankreichs Mitte des 19. Jahrhunderts. Flauberts Unterfangen bestand nicht nur in einer Schilderung der verhängnisvollen Ereignisse um den Niedergang der Emma Bovary, die auf der Suche nach dem unerreichbaren, für sie aber zur erstrebenswerten Wirklichkeit gewordenen Ideal vollkommener Liebe und Hingabe erst ihre bürgerliche, dann gleichsam ihre Existenz schlechthin zugrunde richtet. Flaubert stellt sich ebenso den Anforderungen seiner eigenen hohen Ansprüche, mit Verarbeitung dieses ''sujet moderne'' eine vollkommene künstlerische Komposition zu erschaffen, und dabei seinem Hang zur romantisierenden Darstellung sozusagen mit den Mitteln des realistischen Romans beizukommen.

Die unheimliche Fülle an Manuskriptentwürfen, immerhin knapp viereinhalbtausend Seiten, dokumentieren seine manierliche Arbeitsweise, ausgiebige materielle Recherchen und belegen den schließlich geglückten Wandel hin zum realistischen Stil. Seine Sprache aber verliert bei diesem umfangreichen Versuch der Selbstheilung keinesfalls an Eindringlichkeit, und vor uns liegt ein Werk, das ebenso großzügig wie freimutig die satte Palette der künstlerischen Sprachgestaltung ausschöpft. Gerade weil Flaubert es jedoch trotz allem immer versteht, distanziert neutral zu schildern und gleichsam fähig ist, die Geschehnisse kunstvoll seziert vor dem Leser auszubreiten entsteht eine bewusste, allgegenwärtige Distanz zu Geschehen und handelnden Personen, welche Flaubert letztendlich Empörung und Prozess einbrachte. Thematisch zentrale Stellung nimmt die Darstellung von Emmas Gefühlsleben als illusionäres Bewusstsein ein, das lebenslang den frühgeprägten literarischen Klischees von Liebe und Tugend verhaften bleibt:

Die junge Emma, Tochter eines gut situierten Bauern, erlebt die '"Erziehung ihres Herzens"', hin zu Lyrik und der Poesie romantischer Scheinwelten, fern der herrschenden bürgerlichen Wertenormen in der Abgeschiedenheit eines Klosters. Begünstigt wird die Ausbildung dieses phantastischen Bewusstseins durch Tagträume und die Lektüre sentimentaler Romane. Der sich daraus ergebende Lebensentwurf verweigert sich der Realität und gibt sich frei und fatalistisch der Unwirklichkeit der Ideale hin, ihr Leben begeht Emma in ständiger Verwechslung von Schein und Wirklichkeit.

Schon bald nach vollzogener Heirat mit dem Landarzt Charles Bovary, erfährt Emma die drohende Ungenügsamkeit von Ehe und Provinz. Ständig erhofft die sich vom Schicksaal betrogen wähnende Emma von Leben und Liebe Größeres, Ereignisreicheres, und die wachsende Divergenz zwischen idealisiertem Lebensentwurf und erlebter Wirklichkeit treibt sie schließlich bis zum Äußersten. Nach Ehebruch, Verschuldung durch erfolglose Stillung eines durch Prunksucht hervorgerufenen, heftigen Bedürfnis nach materieller Befriedigung ihrer seelischen Bedürfnisse, wird Emma Bovary unaufhaltsam, endlich von der Ausweglosigkeit ihrer eigenen Situation erfasst, in den tiefen Abgrund des Schicksals gezogen.
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Madame Bovary (Le Livre de Poche)
Madame Bovary (Le Livre de Poche) von Gustave Flaubert (Taschenbuch - 31. Oktober 2002)
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