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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer hat eigentlich Zeit für so etwas?, 19. August 2006
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Encyclopedia of Fantastic Victoriana (Gebundene Ausgabe)
Klar wissen wir noch, wer Goethe war. Und Balzac kennen wir natürlich auch. Und Dickens und Bronte werden wir auch nicht vegessen. Neben der hohen Literatur hat das 19. Jahrhundert aber auch eine ungewöhnliche Menge von eigentlich Trivialem hervorgebracht. Und eigentlich hat diese Form von Literatur, Untehaltungsliteratur und auch Pulp Fiction genannt, im Allgemeinen keine hohe Haltbarkeitsdauer.

Aber spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stoßen wir auf scheinbar oberflächliche Erzählungen und Romane, die dennoch für unsere heutige Kultur prägend geworden sind und immer wieder zitiert, benutzt, verfremdet werden. Es geht um Autoren wie Jules Verne (20.000 Meilen unter dem Meer), H. G. Wells (Die Zeitmaschine), Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes), Mary Shelley (Frankenstein) und Bram Stoker (Dracula). So stammen wohl die größten Mythen der heutigen Zeit wohl im wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert.

Jess Nevins ist bisher dadurch bekannt geworden, dass er zwei Kommentarbände zu einem Comic geschrieben hat. Nämlich zu "League of Extraordinary Gentlemen" in dem er für jedes Bild schreibt, welche historischen Personen, Erzählungen und Werke diesen Comic von Alan Moore zugrunde liegen. Wer den Comic kennt, in dem die wichtigsten literarischen Helden des späten 19. Jahrhunderts gemeinsam gegen die ebenfalls literarischen Bösewichte antreten, ahnt schon, dass es auch in diesem Buch in dieser Enzyklopädie eigentlich um nichts anderes geht.

Auf gut 1.000 Seiten wird der Inhalt der Trivialliteratur des 19. Jahrhunderts zusammengefasst, es wird die Geschichte von berühmten Charaktären erzählt, es wird auf Autoren eingegangen und auf die Wirkung der Bücher. Vielfach werden Beziehungen zwischen den Werken aufgedeckt, und oft merkt man, dass der heute so bekannte Klassiker nur der Höhepunkt einer ganzen Gattung von Romanen war. Man merkt auch, dass ein Klassiker wie Dracula dadurch entstanden ist, dass er bereits auf vielfältiger Bearbeitung des Genres vor Stoker aufbauen konnte.

Vieles kennt man. Aber gerade dadurch, dass Nevins die Spuren der bekannten Werke in die Vergangenheit zurückverfolgt, lernt man noch viel über unbekannte Bücher hinzu. Nicht immer geht der Autor dabei freundlich mit den Werken um. Er unterscheidet stark zwischen Werken, die heute noch lesbar sind ("aged well") und Werken, die in der damaligen Zeit zwar erfolgreich waren, aber nicht wirklich in die heutige Zeit passen.

Das alles geht natürlich über die klassische Bildung hinaus, es gehört nicht zu dem allgemeinen Fundus, den man wirklich wissen müßte. Dennoch finde ich es lohnend, sich mit den Ursprüngen unserer Trivialliteratur zu beschäftigen. Und irgendwie werden wir den meisten der genannten Protagonisten und Geschichten noch einmal im Medium Film und Fernsehen begegnen.

Geordnet ist das ganze übrigens alphabetisch nach den Namen der jeweilgen Protagonisten (also zum Beispiel Dracula bei D). Das Buch ist ein Hardcover mit Format knapp unterhalb Din A4, ohne Illustration, aber mit schönen Schriftbild.

Ja, das Lesen hat mich viel Zeit gekostet. Hat sich aber gelohnt.
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The Encyclopedia of Fantastic Victoriana
The Encyclopedia of Fantastic Victoriana von Jess Nevins (Gebundene Ausgabe - 30. Oktober 2005)
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