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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöne Museumsbroschüre, 20. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mary of Guise (Scot's Lives) (Taschenbuch)
Mittlerweile bin ich bei den Müttern meiner beiden Lieblingsfiguren - Elisabeth I. und Maria Stuart - angekommen, die ebenfalls sehr interessant sind. Elisabeths Mutter Anne Boleyn ist allerdings wesentlich bekannter und hat die Autoren (sowohl Historiker als auch Romanschriftsteller) deutlich mehr inspiriert als Marie de Guise. Eine Biographie über letztere habe ich lange händeringend gesucht.

So war ich dann sehr froh, bei Amazon.de Rosalind Marshalls "Mary of Guise" (erschienen 2001) zu entdecken, erhältlich für 7 oder 8 Euro. Die geringe Seitenzahl von 128 machte mich allerdings stutzig. Es war klar, daß man da nicht allzuviel erwarten konnte; trotzdem war ich etwas enttäuscht, als das dünne Bändchen dann
bei mir eintraf.

Mein erster Gedanke war: Museumsbroschüre. Und in der Tat fanden sich auf der letzten Seite Hinweise auf "Places to visit". Es ist also wirklich eine jener schön gestalteten Hochglanzbroschüren, die in Museen verkauft werden. Kann ein solches Werk (noch dazu in großer Schrift) viel mehr sein als eine bloße Aneinanderreihung von
Daten und Fakten? Natürlich nicht.

Daß diese Broschüre trotzdem lesenswert ist, liegt einfach daran, daß besagte Fakten interessant sind!

Marie de Guise, geboren 1515, ältestes der 12 Kinder von Claude de Guise und seiner Frau Antoinette. Angeblich war die Ehe der Eltern eine Liebesheirat - sehr ungewöhnlich für das 16. Jahrhundert. Mutter Antoinette soll sehr energisch gewesen sein, und bei einem Blick auf ihr Porträt, das im Buch ebenfalls abgebildet ist ([...] glaubt man das sofort! Wirklich eine furchterregende Erscheinung... 12 Kinder waren nicht ungewöhnlich, wohl aber, daß "nur" zwei als Kleinkinder starben - 10 überlebende Kinder hatten nur wenige Ehepaare.

Marie heiratete mit 19 den Herzog von Longueville - ob aus Liebe oder nicht, weiß man nicht, aber die Ehe scheint glücklich gewesen zu sein - daß Marie den letzten Brief ihres Mannes bis zu ihrem eigenen Tod aufbewahrt hat, spricht dafür. Der erste Mann stirbt früh, wahrscheinlich an den Pocken, und läßt Marie mit einem kleinen Sohn (Francois) zurück. Sie ist mit 21 Witwe und bringt kurz nach dem Tod ihres Mannes einen zweiten Sohn (Louis) zur Welt, der aber bald darauf stirbt.

Mit 23 heiratet Marie den schottischen König James V. Sicher war sie nicht begeistert von der Aussicht - aus dem sonnigen Frankreich in das karge, kalte und rückständige Schottland, weg von der Familie, auch ihren Sohn Francois mußte sie zurücklassen. Der Briefwechsel, den Marie mit ihrer Mutter Antoinette und ihrem Sohn Francois geführt hat, ist zum Großteil erhalten, und wenn man Zitate daraus liest, dann könnten diese Briefe ebensogut von heute stammen.

Über Maries Ehe mit James V. ist nur wenig bekannt. Er scheint ein widersprüchlicher Charakter gewesen zu sein, ein großer Frauenheld (er hatte eine ganze Reihe unehelicher Söhne, von denen die meisten auch auf den Namen James hörten), ein begeisterter Turnierkämpfer, aber auch melancholisch und mit 30, nach einer verheerenden Niederlage gegen die Engländer, bereits ein gebrochener Mann. Wie es Marie de Guise an seiner Seite ging, kann man nur vermuten; beklagt hat sie sich nie - auch den Tod der beiden gemeinsamen Söhne (James und Robert, ein Jahr bzw. zwei Tage alt, gestorben in derselben Woche) hat sie verkraftet - und den ihres Ältesten Francois, der mit 15 gestorben ist. Bewunderswert tapfer, würde man heute sagen, aber für ihre Zeit nicht ungewöhnlich.

James V starb nach besagter Niederlage, das 6 Tage alte Baby Mary Stuart wurde Königin - und damit hat Marie de Guise die politische Bühne betreten. Sie mußte Schottland für ihre kleine Tochter regieren, aber offenbar mußte sie nicht nur, sondern wollte auch - immerhin war es für sie eine Chance, politische Macht auszuüben. Keine leichte Aufgabe in Schottland, das in ständigem Hader mit seinem Nachbarn England lag und von religiösen Spannungen und Clan-Streitigkeiten zerrissen war.

Es traten auch noch zwei Heiratskandidaten auf, aber Marie de Guise hat beide zurückgewiesen - sehr klug von ihr. Ihre Tochter war weniger geschickt - sie hat (nacheinander natürlich) die Söhne BEIDER Bewerber geheiratet, die sie ins Unglück gestürzt haben. Was war das Wichtigste in Marie de Guises Leben? Ihre Tochter, die Religion und die Loyalität zu Frankreich. Für Mary Stuart hat es sich verhängnisvoll erwiesen, daß sie nicht in Schottland aufgewachsen ist und später ein Land regieren mußte, daß sie kaum kannte.

Aber für Marie de Guise, die Schottland vor allem als treuen Satellitenstaat von Frankreich gesehen hat und die ihre Tochter vor den Engländern in Sicherheit bringen wollte, war es naheliegend, das kleine Mädchen in Frankreich aufwachsen zu lassen.

Ebenso wie Mary Stuart ist Marie de Guise mit 44 gestorben - woran, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Sie war schwer krank - Rosalind Marshall vermutet eine Herzkrankheit. Was immer es war, es ist sicher durch Streß verschlimmert worden.

In dem Film "Elizabeth" (der sehr frei mit der Wirklichkeit umgeht) wird Marie de Guise (gespielt von Fanny Ardant) vergiftet, aber das Gerücht, Marie de Guise sei vergiftet worden, ist jedoch erst in den letzten Jahren aufgekommen - ihre paranoiden Zeitgenossen, die nahezu jeden frühen / plötzlichen / nicht völlig geklärten Todesfall auf Gift zurückgeführt haben, haben keinen solchen Verdacht geäußert. Man darf wohl annehmen, daß sie eines natürlichen Todes gestorben ist.

Ich habe lange zwischen 3 und 4 Sternen geschwankt. Ein bißchen dreist ist es ja schon, ein dünnes Bändchen als "Biographie" zu verkaufen. Aber wie gesagt, der Lebenslauf der Figur ist einfach spannend, und Rosalind Marshall versteht sich darauf, dem Leser komplizierte Sachverhalte leicht verständlich zu präsentieren.

Deshalb habe ich mich dann für 4 Sterne entschieden, auch aus Gründen der Fairneß - die Autorin kann ja nichts dafür, daß ich gern einen richtigen Wälzer gelesen hätte, und da die Seitenzahl bei Amazon.de korrekt angegeben war, hätte ich nicht mehr erwarten dürfen.

Knappe 4 Sterne - und die Hoffnung, daß sich Historiker in Zukunft eingehender mit dieser interessanten Persönlichkeit befassen.
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Mary of Guise (Scot's Lives)
Mary of Guise (Scot's Lives) von Rosalind K. Marshall (Taschenbuch - Juni 2001)
EUR 11,57
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