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65 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles, schwieriges Buch.
Ja, es ist ein dickes Buch. Und schwierig ist es. Und man versteht sicherlich nicht alles.
Aber: es macht Spaß es zu lesen. Wenn man wirklich Freude an Sprache und dem hat, was man daraus machen kann, dann lohnt sich das Buch. Nirgends steht geschrieben, dass man ein Buch von vorn bis hinten durchlesen muss (womöglich in einem Zug - es müsste schon...
Veröffentlicht am 17. Juli 2007 von Logos Sophos

versus
116 von 123 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Wenn nur jemand mal sagen würde, dass das Buch so verdammt lustig ist."
Das Buch ist in jeder Hinsicht eine extreme Herausforderung. Es hat was von einem sehr komplexen Spiel. Ohne umfassende Anleitung ist dieses "Spiel" nicht spielbar. Aus der eigentlichen Lektüre erfährt man nicht einmal (oder habe ich nicht erfahren), dass die Handlung den 16. Juni 1904 abdeckt und es morgens um 8 Uhr an zwei unterschiedlichen Standorten, mit dem...
Veröffentlicht am 16. Oktober 2011 von jrgela


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116 von 123 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Wenn nur jemand mal sagen würde, dass das Buch so verdammt lustig ist.", 16. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ulysses. Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist in jeder Hinsicht eine extreme Herausforderung. Es hat was von einem sehr komplexen Spiel. Ohne umfassende Anleitung ist dieses "Spiel" nicht spielbar. Aus der eigentlichen Lektüre erfährt man nicht einmal (oder habe ich nicht erfahren), dass die Handlung den 16. Juni 1904 abdeckt und es morgens um 8 Uhr an zwei unterschiedlichen Standorten, mit dem ersten Teil des Buches im Martello Tower von Sandycove, und dann, mit dem zweiten Teil, in Dublin, in der Eccles Street 7, beginnt. Selbst für seine engen Freunde hat Joyce ein Schema, das "Gorman-Gilbert-Schema" angefertigt, um denen das Lesen zu erleichtern. Hierin ordnet er den Kapiteln Organe, wissenschaftliche Disziplinen, Farben, Symbole sowie Techniken zu, und bringt all das in Zusammenhang mit den handelnden Personen.
Ja wirklich in jeder Hinsicht weicht der Roman von einer klassischen Erzählung ab. Es geht um die Abbildung einer Realität, die wahrscheinlich mehr mit der Person James Joyce zu tun hat, als mit der Stadt Dublin und dem zeitlichen Rahmen in dem sie angesiedelt ist. Der schlecht sehende, zeitweilige sogar blinde Joyce orientiert sich in Dublin über Empfindungen, Gedankenfetzen des Augenblicks und über die Sprache. Und gerade die verwendete Sprache, macht es eher nur für den englischsprachigen Raum verständlich. Selbst da muss man wohl noch mit der irischen Idiomatik vertraut sein, um vollends einzutauchen, denke ich. Der Roman spiegelt wider, was sich in der Wahrnehmung, in den Köpfen, im Denken der Hauptdarsteller abspielt. Das Denken ist begrifflich sehr einfach und vor allem sehr schnell. So ist der Text nicht wirklich schwierig, aber hoffnungslos vielfältig und verworren. Hinter diesen Beobachtungen und Gedankenfetzen sind dann Analysen der Sprache, der geschichtlichen Begebenheiten der Zeit, der Religionen und Politik, des menschlichen Verhaltens und zwischenmenschlicher Beziehungen verborgen. Er schildert selten Beobachtungen, alles läuft scheinbar im gelesenen Moment ab. Der Leser ist unmittelbar dabei. Er könnte mitdenken und mithandeln, wenn er sich dazu in der Lage fühlt. Am Ende des Buches wird man dann belohnt, dass man diese "abstruse Denksportaufgaben", wie Joyce seinen Roman selbst bezeichnete, wahrscheinlich nach Wochen und vielen Unterbrechungen (bei mir war jedenfalls so) irgendwie bewältigt hat. Sozusagen im "höchsten Level" angekommen entsteht beim berühmten "inneren Monolog" dann doch noch eine Art Lesegenuss.
Aber, ich gebe ganz ehrlich zu, ich habe diese Denksportaufgabe nicht wirklich bewältigt, ich bin doch eher an ihr gescheitert. Nachdem ich zum Anfang vieles doppelt und nach Internet Recherche dann manchmal auch dreimal gelesen habe, habe ich nach drei-vierhundert Seiten, dann immer öfter nicht mehr zurückgeblättert, um dann sogar einiges zu überspringen.
Zweifellos hat Joyce hier ein literarisches Meisterwerk geschaffen, mit dem er sich, wohl auch verdient, seine erträumte Unsterblichkeit gesichert hat. Zumindest sind wir ihm gehörig auf den Leim gegangen, könnte man mit einem Schmunzeln sagen. Jedenfalls scheint es ein hervorragendes Übungsfeld für Studenten der Literaturwissenschaften, sicher auch noch für andere Wissenschaftsdisziplinen zu sein. Aber, so merkwürdig wie sich das jetzt vielleicht auch anhört, es ist kein gutes Buch, denn man erfährt durch Internet und Sekundärliteratur wesentlich mehr darüber, als durch Lesen des Textes selbst. Auch darüber, welches Potential in diesem Text eigentlich steckt. Und vor allem ist das gesamte Drumherum wesentlich interessanter, als der eigentliche Roman, denn die Struktur ist bekanntermaßen "abgekupfert", wenn auch genial, und die eigentliche Geschichte beschreibt lediglich den banalen Alltag an exakt abgebildeten real existierenden Standorten. Mir fehlt, was die Verbindung zwischen Autor und Leser herstellt. Bezeichnen wir es ruhig gemeinhin als Phantasie. Ich pralle von diesem Buch ab. Vielleicht lassen sich in dieser Abgrenzung ein paar Schlüpflöcher erahnen, aber ich kann nicht eindringen. Auch Joyce' Wunsch: "Wenn nur jemand mal sagen würde, dass das Buch so verdammt lustig ist." bringt mir persönlich keine anderen Erkenntnisse.
Größte Hochachtung habe ich vor dem Übersetzer. Ich denke, das war eine fast nicht zu bewältigende Aufgabe. Wenn es nur darum gehen würde, hätte diese, so weit ich das überhaupt beurteilen kann, wohl fünf Sterne verdient. Es gibt viele Gründe, die sicher meinen Horizont bei weitem übersteigen, warum man wahrscheinlich erstrecht dem Roman fünf Sterne geben müsste. Aus meiner subjektiven Sicht allerdings sind es höchstens drei Sterne, aber meine Beschränktheit sollte keine Maßgabe sein.
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65 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein tolles, schwieriges Buch., 17. Juli 2007
Ja, es ist ein dickes Buch. Und schwierig ist es. Und man versteht sicherlich nicht alles.
Aber: es macht Spaß es zu lesen. Wenn man wirklich Freude an Sprache und dem hat, was man daraus machen kann, dann lohnt sich das Buch. Nirgends steht geschrieben, dass man ein Buch von vorn bis hinten durchlesen muss (womöglich in einem Zug - es müsste schon eine lange Fahrt sein ;-).
Ich lese hin und wieder ein Stückchen, um mich aufzumuntern, weil es einfach Spaß macht.
Man nehme einfach die Szene mit der Katze und mache sich ein eigenes Bild:

"Die sollen nun dumm sein. Dabei verstehn sie besser, was wir sagen, als wir sie verstehn. Die da versteht haarscharf alles, was sie verstehn will. Ist auch nachtragend. Möchte wohl wissen, wie ich so wirke auf sie. Hoch wie ein Turm? Nein, springt mir doch glatt auf die Schulter.
Angst vor den Hühnerchen hat sie, sagte er spottend. Angst vor den kleinen Putputputs. Wer hat schon mal so ein dummes Pussilein gesehen wie unser Pussilein hier!
Grausam auch. Ihre Natur. Komisch, die Mäuse quieken nie. Scheinens wohl gar zu mögen.
Mrkrgnau! machte die Katze laut.
Sie blinzelte empor aus ihren gierigen, beschämt sich schließenden Augen, maunzte klagend und lang, ihm die milchweißen Zähne zeigend."

Oder dies:

"Auf dem Kackstuhl hockend, entfaltete er seine Zeitung und schlug auf den entblößten Knien die Seiten um. Irgendwas Neues und Leichtes. Keine große Eile. Ruhig noch ein bißchen zurückhalten. Unser Preisausschreiben, der Leckerbissen der Woche. Matchams Meisterstreich. Von Mr. Philipp Beaufoy, Playgoers' Club, London. Honorar in Höhe von einer Guinee pro Spalte wurde an den Verfasser überwiesen. Dreieinhalb. Drei Pfund drei. Drei Pfund dreizehn-sechs.
In Ruhe las er, seinen Drang noch unterdrückend, die erste Spalte und begann schon nachgebend, doch mit Widerstreben noch, die Zweite. Auf ihrer Mitte angelangt, gab er seinen letzten Widerstand auf und erlaubte seinen seinen Eingeweiden, sich zu erleichtern, ganz so gemächlich, wie er las, und immer noch geduldig lesend, die leichte Verstopfung von gestern ganz verschwunden. Hoffentlich ists nicht zu groß, geht sonst mit den Hämorrhoiden wieder los. Nein, gerade richtig. So. Ah! Bei Hartleibigkeit eine Tablette Cascara sagrada. Könnte alles im Leben so."

Wenn man dem Gedankenstrom des Erzählers mit dem richtigen! (er muss schon passen - das sei zugegeben, aber das ist doch immer so...) Humor folgt, dann macht die Lektüre viel Spaß, auch wenn man sie in viele kleine Portionen aufteilt.
Ich kann das "Ulysses" nur empfehlen, evtl. kann man sich ja einen Kommentar zulegen, das ist ja auch bei anderen anspruchsvollen Werken (von Homer, Goethe oder Schiller etwa) durchaus anzuraten.
"Ulysses" mit anderen Büchern zu vergleichen oder sogar Rangordnungen aufstellen zu wollen (ist besser/schlechter als "Faust" etc.), halte ich nicht für sinnvoll (aber jeder nach seiner Fasson). Es ist ein Buch, für das man Zeit braucht, man versteht es nicht, wenn man es nur einmal liest. Wem also diese (erhebliche) Anstrengung beim Lesen den Spaß verdirbt, der sollte sich das Buch lieber nicht kaufen, den anderen wünsche ich hiermit denselben!
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158 von 169 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterstück eines Autors und Gesellenstück für Leser, 30. Mai 2006
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Im zweiten Anlauf habe ich geschafft, was ich zeitweise als nahezu unmöglich empfunden habe: James Joyces 'Ulysses' Seite für Seite und Wort für Wort zu lesen. Drei Dinge haben mir dabei geholfen: Ehrgeiz, ein anstehender Irland- und damit Dublin-Besuch und Wikipedia.

Anlässlich meines ersten Irland-Urlaubes im nächsten Monat habe ich mir vor einiger Zeit vorgenommen, das von mir schon einmal begonnene und nicht zuende gelesene Hauptwerk von Joyce noch einmal anzugehen. Die ersten dreihundert Seiten, an die ich mich schwach erinnerte, fielen nicht schwer. An dem Punkt jedoch angelangt, an dem ich Neuland betrat, begannen die Schwierigkeiten, die ich noch gut im Gedächtnis hatte, von Neuem. Allerdings erkannte ich dieses Mal, dass Struktur und Form des Romans einer Logik folgen, die mit der antiken Vorlage Homers enger zusammenhängen mussten als ich dachte. Ich ließ mich von Sprache und Rhythmus des Buches ein Stück weit mitnehmen, bis die Probleme beim Lesen überhand nahmen. Dann unternahm ich das Naheliegende und las bei Wikipedia den entsprechenden und umfangreichen Artikel über das Werk. Und dort bestätigten sich meine Vermutungen, dass der Aufbau äußerst eng der Odyssee folgte. Jedes Kapitel orientiert sich an einem Kapitel von Homers Werk, das ich nicht gelesen habe. Figuren in Joyces Roman haben ihre Entsprechungen bei Homer. Unterstützt durch die interessanten Zusatzinformationen las ich weiter und das mit abnehmenden Anstrengungen.

Anfänglich konnte ich mich Überlegungen anderer Leser nicht entziehen, die Joyce einen großen literarischen Schelmenstreich unterstellen. Nun weiß ich endlich, dass Joyce eines der ganz ungeheuerlichen Werke der Literaturgeschichte geschrieben, konstruiert, entworfen hat.

An dieser Stelle will ich niemandem dieses Buch wirklich empfehlen. Man muss bereit sein, sich daran zu wagen. Und man muss Mut haben, sich dem Sog der Sprache hinzugeben, ohne ständig auf der Suche nach dem Sinn des Textes, nach der Logik des Inhaltes zu sein. Abschließend kann ich sagen, dass es ein großartiges Gefühl ist, nicht nur zu der wohl überschaubaren Zahl der Leser zu gehören, die sich durchgekämpft, ja an der ein oder anderen Passage auch durchgequält haben, sondern über große Strecken (aber nicht auf jeder Seite) auch den Sprachwitz, die Genialität, die Kreativität des Iren genossen zu haben.

PS: Die Übersetzung von Hans Wollschläger halte ich für hervorragend, auch wenn ich das englische Original noch nicht in Händen gehalten habe.
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73 von 80 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend, einmalig, in seiner Form unerreicht, 1. August 2006
Der Ulysses von James Joyce ist wohl einer DER Klassiker der Weltliteratur. Wobei die Handlung hier nicht mal etwas Einmaliges zu bieten hat. Die ist nämlich in wenigen Sätzen erzählt: Es ist der 16. Juni 1904 in Dublin. Wir begleiten kurz den Hilfslehrer Stephen Dedalus, größtenteils aber den Annoncenakquisiteur Leopold Bloom durch einen seiner Tage. Ein ganz normaler Tag wie es scheint. Da wird sich morgens eine kleine Niere gebraten, dann erledigt man die Post, geht zu einer Beerdigung, betrinkt sich, geht ins Bordell u. a., bis er dann schliesslich nach seiner persönliche Odyssee nachts wieder bei seiner Frau ankommt. Was dieses Buch allerdings zu etwas ganz Besonderem macht ist die Art und Weise wie Joyce dem Leser hier diese fast schon banale Geschichte schmackhaft macht. Hier gleicht in seiner Form kein Kapitel dem anderen. Beispielsweise ist hier ein Kapitel in Form von Zeitungsannoncen geschrieben, d.h. es ist eigentlich ein Fließtext den man gut durchgängig lesen könnte. Joyce hat aber kleine Abschnitte daraus gemacht und diese mit Überschriften versehen. Ein anderes Kapitel soll anhand des Wachstums eines Kindes im Bauch der Mutter die Entwicklung der Sprache symbolisieren, soll heissen: Es beginnt in Altenglisch und endet im Dubliner Slang. Oder als 3 junge Mädchen den Mittelpunkt des Kapitels bilden ändert sich sofort die Sprache in die Art eines viktorianischen Trivialromans. Und natürlich nicht zu vergessen das letzte Kapitel: Mollys (Blooms Frau) innerer Monolog, der quasi nur aus einem langen Satz ohne Punkt und Komma besteht.

Sehr eindrucksvoll dies alles. Allerdigs macht es die Lektüre nicht wirklich einfach und ich muss zugeben, dass ich es durchaus verstehe, wenn der ein oder andere dieses grandiose Werk nicht zur Gänze gelesen hat, denn neben den eben erwähnten teils recht schwierig zu lesenden Kapiteln, arbeitet Joyce sehr gern mit dem so genannten "stream of consciousness". Es werden nicht nur die äußeren Geschehnisse beschrieben, sondern auch Gedankenfetzen der Figuren werden immer wieder ohne jegliche Ankündigug eingestreut. Manchmal durcheinander, manchmal überlagernd. Sätze werden desöfteren mittendrin unterbrochen. Oft wird man erst im Laufe einiger Sätze gewahr, was denn nun Realität und was Erdachtes ist. Zur Entspannung abends nach einem womöglich anstrengendem Tag taugt dieses Buch wirklich nicht und man sollte auch nicht aus purer Neugier heraus dazu greifen. Man muss sich wirklich damit intensiv beschäftigen, manche Kapitel sind fast schon anstrengend zu nennen (dies empfand ich z.B. bei dem oben genannten Kapitel in dem sich die Sprache verändert). Was aber meines Erachtens auch dazu führt, dass der Leser eben mittendrin ist, da er alles selbst "zurechtrücken muss". Er muss selbst eine Ordnung in die Dinge bekommen. Das ist fantastisch! Für alle die sich immernoch nicht so recht trauen sei gesagt, dass es einige Quellen in Buchform oder im Internet gibt die die Lektüre des Ulysses erleichtern. Ich kann dieses Meisterwerk jedem nur herzlich empfehlen. Hier wird einem gezeigt, wozu ein Autor fähig sein kann, wieviele Facetten die Sprache, die Literatur zu bieten hat. Es war teils recht anstregend, aber es hat sich gelohnt!
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein Meilenstein der Literatur - trotzdem furchtbar., 7. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ulysses (Wordsworth Classics) (Taschenbuch)
Was ist nicht alles über "Ulysses" gesagt und geschrieben worden. Ganz dem eigenen Anspruch gerecht werdend, beschäftigt Joyce mit seiner Erzählung in ihrer Komplexität die Professoren und Literaten nun schon seit fast einem Jahrhundert. Überhaupt, versucht man sich als normaler Leser diesem Buch zu nähern, ist die Hauptbotschaft stets, dass es unheimlich schwierig zu verarbeiten/lesen sei. Erkundigt man sich, so gibt gefühlt die eine Hälfte an, "Ulysses" vorzeitig aufgegeben zu haben und selbst wer es bis zum Ende geschafft hat, betont stets die Mühe, die dazu notwendig war. Und doch: Fast genau so oft offenbart sich eine Attitüde, die das Vorwort mit "Difficult, yet rewarding" vorzüglich zusammenfasst.
In dieser Hinsicht entwickelt "Ulysses" schon durch seinen Ruf eine fast magische Anziehungskraft, eine klare Herausforderung des Leser in seiner Schwierigkeit, an deren Ende wohl eine Art Erleuchtung zu finden sei. Klar, dass dieser ewiger Meilenstein also früher oder später auf meinem Schreibtisch landen musste. Ich habe mich für die englische Version aus Reihe "Wordsworth Classics" entschieden, weil ich der Ansicht war, dass man ein so großes Werk am Besten unübersetzt konsumiert.

Es fällt mir vergleichsweise schwierig, einen groben Abriss der Handlung an dieser Stelle zu formulieren, weil "Ulysses" einfach so komplex und vielschichtig ist. Man könnte unmöglich in wenigen Sätzen formulieren, worum es in diesem Buch wirklich *geht*. Dennoch will ich es versuchen:

Dublin, der 16. Juni 1904. Stephen Dedalus, ein junger Schriftsteller und Leonard Bloom, Handlungsreisender im Auftrag einer Zeitung, verlassen ihre Heimstädten und begeben sich auf ihre eigene Reise ("Odyssee") durch die irische Hauptstadt, bis sich ihre Wege schließlich unter zufälligen Umständen kreuzen.

Es ist wirklich genug über "Ulysses" geschrieben worden. Es gibt unzählige Interpretationen, Analysen und Besprechungen, so dass ich aus meiner eher laienhaften Perspektive nicht noch eine weitere hinzufügen möchte. Vielmehr möchte ich eine Rezension aus der Sicht eines interessierten, halbwegs gebildeten Lesers ohne literarisch-akademischen Hintergrund verfassen. Und aus dieser Sicht ist "Ulysses" - man kann es leider nicht anders sagen - ganz furchtbar.
Dabei liegt es nicht daran, dass ich "Ulysses" kognitiv nicht verstehen würde - die Parallelen zu Homers Odyssee sind geschickt konstruiert und klug ausformuliert. Die Verweise auf das politisch-gesellschaftliche Tagesgeschehen sind präzise und mutig. Man kann darüberhinaus die literarische Bedeutung von Ulysses schlicht und ergreifend nicht leugnen: Die erstmalig im großen Stil praktizierte Nutzung des "Stream of Consciousness" etwa ist konsequent und beispielhaft, die Sprachexperimente kreativ und sinnig. Der Roman ist im warsten Sinne des Wortes modern, mutig und schreit praktisch aus jeder Seite "ich bin etwas besonders". Und trotzdem: "Ulysses" ist furchtbar.
Warum? Gerne glaube ich, dass Joyce jedes Kapitel, jeden Satz, jedes Bild, vielleicht sogar jedes Wort genau überdacht und mit Sinn versehen hat. Aus meiner heutigen Perspektive heraus ließt sich das ganze jedoch gefühlsmäßig wie ein nicht enden wollender Zahnarztbesuch. Irgendwo zwischen Belanglosigkeit, sprachlichen Purzelbäumen und Humor, der sich leider längst überlebt hat, kämpft man sich von Seite zu Seite und hofft auf ein gnädiges Ende. Es gab Phasen, da musste ich Ulysses einfach weglegen, obwohl meine Fahrtzeit im Zug längst noch nicht um war. Das ist mir bis dato überhaupt erst bei einem einzigen anderen Buch (Hal Duncans "Signum") passiert. Was ist aber genau so schlimm an Ulysses? Aus der Sicht eines Lesers, der unterhalten werden möchte, vor allem die Abwesenheit jeglicher aus heutiger Sicht interessanter Elemente. Spannung? Natürlich nicht. Erkenntnisse? Nichts, was man nicht schon längst gewusst hätte. Humor? Angeblich ja, und manchmal doch überraschend spritzig ("Very gratefully, with grateful appreciation, with sincere appreciative gratitude, in appreciatively grateful sincerity of regret, he declined."), aber größtenteils lahm. Anstößigkeiten? Vielleicht vor einigen Jahrzehnten zur Empörung geeignet.
Letzteres ist überhaupt das Problem von "Ulysses": Die Relativität. Alles an diesem Buch mag herausragend sein - wenn man es in den Kontext setzt. Andererseits fällt es mir als Leser schwer, Interesse oder Emotionen zu generieren, indem ich mir ständig vor Augen halte, wie das auf einen Menschen im Jahre 1925 gewirkt haben muss.

Natürlich hat dieses Buch auch Aspekte, die mir außerordentlich gut gefallen haben. Die authentische Rekonstruktion Dublins des Jahres 1904, oder etwa die in meinen Augen überraschend progressive, moderne Behandlung verschiedenster gesellschaftlicher Probleme (Antisemitismus, Rassismus, Kirchenkritik, Feminismus, etc.). Doch unter dem Strich reicht das nicht als Rechtfertigung, sich als "gewöhnlicher" Leser durch 650 Seiten Schwerstarbeit zu quälen. Oft wird diese "Schwerstarbeit" gerade als Vorzug von "Ulysses" angepriesen, eine Art literarischer "Mount Everest", was so die die Leserspreu von der literarischen Elite trennt. In diesen Worten erkenne ich allerdings nur Statusbehauptung und einen unguten Hang zur Arroganz.

Bevor ich zum Fazit komme, noch einige Worte zur Auflage, die ich in den Händen halte: Das Vorwort des britischen Professors Cedric Watts ist ausführlich und in meinen Augen treffend. Einer kurzen wie knackigen Interpretation folgt auch eine interessante Einordnung der Kontroversen aus der Zeit der Erstveröffentlichung. Wermutstropfen für Ästhetiker: Meine Version hatte in der Mitte einen üblen Schnitt/Knick, der etwa 30 Seiten entstellt hat. Das möchte ich allerdings nicht in die Wertung miteinbeziehen, da ich es für einen individuellen Produktionsfehler halte.

Fazit:

Zugegeben, mein Fazit wirkt diesmal ein bißchen widersprüchlich, irreführend. Ich räume ein, dass "Ulysses" ein wichtiges Buch ist, ein Meilenstein der modernen Literatur, in mehr als einer Hinsicht "notwendig". Und doch hat es in dieser Hinsicht mehr musealen "Lehrbuch"-Charakter, als wirklich einen "Hobby-Leser" von heute unterhalten zu können. Daher meine ganz klare Warnung: Wer Ulysses "einfach mal so" lesen möchte, soll sich das Geld, die Zeit und die Nerven sparen. Wer zum Thema "Ulysses" mitreden möchte und/oder sich für die verschiedenen beschriebenen literarischen Facetten interessiert, kann (und muss vielleicht sogar) zuschlagen.
Dennoch bewerte ich das Buch aus der Sicht des oben genannten Hobby-Lesers und kann beim besten Willen nicht mehr als 2 Sterne vergeben. Ich könnte gemäß des "Kaisers neue Kleider"-Effektes weitschweifig erklären, wie toll ich "Ulysses" verstanden habe und wie es mein Leben verändert hat - hat es aber nunmal nicht. Dafür nehme ich dann auch die negativen Bewertungen einiger verdrossener Schöngeister in Kauf.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ulysses als ungekürztes Hörbuch, 4. Juli 2004
Rezension bezieht sich auf: Ulysses. 22 CDs (Modern Classics) (Audio CD)
Was für eine großartige Möglichkeit sich einem der, wenn nicht DEM bekanntesten, und zugleich selten gelesenen Werk der Weltliteratur zu nähern, noch dazu in der Originalsprache!
Seit ich vor einigen Jahren die auf 4 CDs gekürzte Fassung von James Joyce „Ulysses" in der Lesung von Jim Norton und Marcella Riordan kennen und schätzen gelernt habe, fieberte ich einer ungekürzten Version entgegen. Wie schön, dass diese nun, anlässlich der 100. Wiederkehr des 16. Juni 1904, aufgelegt wurde. Sollte man bisher gedacht haben, dieses Buch sei Literaturwissenschaftlern mit fundierter Kenntnis der griechischen Mythologie, irischen Geschichte, klassischen Literatur und verschiedenster Sprachen vorbehalten - hiermit wird man Lügen gestraft. Norton verfügt über ein immenses Repertoire verschiedener Dialekte und Charaktere, mit dem er die Personen der Handlung greifbar macht. Marcella Riordan gestaltet das abschließende „Penelope"-Kapitel, den inneren Monolog der Molly Bloom, als atemberaubende literarische Tour de force.
Roger Marsh hat schon in der Vergangenheit Jim Nortons Hörbuch-Produktionen der Werke von James Joyce als Regisseur betreut: „Dubliners" und „A Portrait of the Artist as a Young Man"; letzteres in einer gekürzten Fassung. Er ist hier unter anderem mit einer klugen Auswahl von Musikstücken der Tatsache gerecht geworden, dass „Ulysses" ein ungemein musikalisches Werk ist. Viele der Opernarien und Lieder, die im Buch angesprochen werden, sind als kleine Zwischenmusiken zu hören. Auf der letzten der 22 CDs ist zudem in einem ansprechenden CD-ROM Teil unter anderem eine Sammlung von MP3-Musikdateien zu finden, ebenfalls Stücke, auf die im Text angespielt wird oder die, zum Beispiel im „Sirenen"-Kapitel, gesungen werden. Ein kleiner Höhepunkt ist ein Ausschnitt einer Lesung aus dem „Aeolus"-Kapitel aus dem Jahr 1924 - vorgetragen von keinem Geringeren als James Joyce selbst!
Neben Kommentaren der beiden Vortragenden zur Produktion finden sich im CD-ROM Teil zudem eine Kurzbiographie und Internet-Links zu James Joyce.
Aber zurück zum eigentlichen Hörbuch: „Ulysses" sollte idealerweise laut vorgelesen werden, um der Musikalität des Textes selbst gerecht zu werden und den verschiedenen Charakteren, die Joyce einführt. Einen besseren Vortrag als den hier vorgelegten kann man sich kaum vorstellen. Selbst wenn man beim ersten Hören die Hälfte oder noch weniger versteht - dem packenden Vortrag von Jim Norton und Marcella Riordan wird sich niemand entziehen können. Zusammen sorgen sie für mehr Klarheit und Verständnis als ein ganzes Regal voll erläuternder Sekundärliteratur über dieses Werk, das als größtes literarisches Werk des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden ist.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu allen Jahreszeiten, 7. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Ulysses. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Monument. Ein Denkmal. Abschreckend. Und doch ein unverzeihlicher Verlust, wenn man nie den Mut aufbringt, den Roman nicht nur zur Hand zu nehmen, sondern ihn auch zu lesen. Es gibt Werke, die reichen über die Bezeichnung Roman weit hinaus. Es genügt nicht, sie nur durchzulesen. Sie bieten einem so viel, dass man leicht manches übersieht. Hinzukommt, dass sie sich je nach Alter unterschiedlich lesen, da einem mit Fünfzig andere Stellen wichtig sind als mit Zwanzig. Und man sollte sich auch nicht dem Trugschluss hingeben, ihn je in all seinen Facetten aufzunehmen. Das ist was für die Epigonen, Analytiker, Literaturwissenschaftler, Hard-Core-Fans. Leser lehnen sich zurück und genießen. James Joyces Ulysses beschäftigt eine Heerschar Interpreten, die sich nur auf eines einigen Können, das Buch spielt in Dublin an einem Tag und der Held heißt Leopold Bloom. Und schon beginnt der Aufschrei, und es heißt: Der Held ist die Sprache, es handelt sich hierbei um einen Stream of Consciousness, einen Bewusstseinsstrom. Bei solchen Festlegungen übersieht man leicht das Vergnügen, dass der Roman einem bereitet. Allerdings nur dann richtig zuteil wird, wenn er in einer Übersetzung wie die von Wollschläger vorliegt. Kongenial wie hier das Deutsche zum Englischen findet. Dieser Tag in Dublin gibt sich geheimnisvoll, er spricht mit verschiedenen Zungen, er sagt uns: kann sein, dass ihr mich nicht sofort versteht, aber das muss nicht sein. In seiner unbändigen Kraft dürfen wir Leopold Bloom auf seiner Odyssee durch Dublin begleiten, durch dessen Sätze ungebremst das Verlangen nach Freiheit weht. James Joyce nimmt uns an die Hand und verlangt von uns, dass wir uns mit ihm treiben lassen, dass wir uns Zeit für sein Dublin nehmen, dass wir womöglich ein weiteres Mal hinreisen wollen, um mit ihm um die Häuser zu ziehen. So wie das mit alten Freunden ist. Man begegnet sich nicht nur einmal.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Sog der Worte, 12. Juli 2012
Von 
callisto (Freiburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ulysses (Kindle Edition)
Vorab Warnung vor der kindle Ausgabe, die hat eine Macke. Zitate und Gedichte fehlen, möglicherweise ein OCR Fehler. Man sollte das ebook daher unbedingt direkt beim Gutenbergprojekt herunterladen, da ist es soweit fehlerfrei auch wenn da ab und an eine 1 statt eines I steht und umgekehrt.
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Ulysses, das wohl am meisten ungelesen Buch der Welt. Schon zur Zeit seines Erscheinens spateten sich die Geister an diesem Werk. Kein Verlag wollte es veröffentlichen, bis Joyce eine Gönnerin fand, die extra für dieses Buch einen Verlag gründete. Kurt Tucholsky meinte "'Hier ist entweder ein Mord geschehen oder eine Leiche fotografiert".' Obwohl nicht ganz klar ist, ob er das Buch an sich, oder nur die Übersetzung meinte. Auch Virginia Woolf empfand das Buch als '"queasy undergraduate scratching his pimples'."
Um was nun geht es in Ulysses. Für gewöhnlich liest man in den üblichen Interpretationen etwas von Odysseus Saga, sieht detaillierte Stadtpläne, muss sich anhören, wer gerade Odysseus ist und dass sich Joyce nur locker an die Odyssee hält, blablabla. Genau DAS wollte Joyce nicht, denn Joyce hat die Kapitelüberschriften, die sich auf die Odyssee beziehen alle gestrichen, bevor er das Buch veröffentlichte. Joyce veröffentlichte das Buch mit nur drei Unterteilungen I, II und III, genau um zu verhindern, dass sich die Leser an der Odyssee aufhängen und permanent nach Parallelen suchen, denn dieses Buch ist mehr als eine moderne Odyssee, diese gibt nur ein wenig Rahmen, mehr nicht. Leider haben die meisten modernen Ausgaben diese Kapitelüberschriften wieder übernommen und ergehen sich in Odysseeparallelen.

=== Was wollte Joyce? ===
'"Ich möchte ein Abbild von Dublin erschaffen, so vollständig, daß, wenn die Stadt eines Tages plötzlich vom Erdboden verschwände, sie aus meinem Buch heraus vollständig wieder aufgebaut werden könnte.'"
'"Ich habe so viele Rätsel und Geheimnisse hineingesteckt, dass es die Professoren Jahrhunderte lang in Streit darüber halten wird, was ich wohl gemeint habe, und nur so sichert man sich seine Unsterblichkeit.'"

=== Worum geht es letztendlich in diesem Buch? ===
Das Buch erzählt die Geschichte einiger, auf vielfältige Weise miteinander verbundener Menschen, deren Wege sich mehrfach kreuzen und beeinflussen. Allen voran von:

Stephen Daedalus: Stephen Deadalus kennt man bereits aus Portrait of the Artist as a Young Man (Bildnis des Künstlers als junger Mann). In Ulysses erfährt man, wie es mit ihm weitergeht. Stephen musste aus Paris nach Hause zurückkehren, weil seine Mutter im Sterben lag. Selber Atheist weigerte er sich den letzten Wunsch seiner Mutter zu erfüllen: Niederzuknien und für sie zu beten. Vielleicht meidet er auch aus diesen Schuldgefühlen heraus seine Familie und wohnt mit dem Medizinstudenten Buck Mulligan im Martello Tower von Sandycove und verdient sich was als Aushilfslehrer dazu.

Leopold Bloom: 40 Jahre alt, eigentlich Halbjude, andererseits drei Mal christlich getauft und letztendlich Atheist oder zumindest Agnostiker. Dennoch wird er permanent mit den Vorurteilen gegen Juden konfrontiert. Seit 16 Jahren verheiratet mit der Halbjüdin Molly. Eine Tochter, 15 Jahre alt. Der einzige Sohn starb wenige Tage nach der Geburt. Seitdem krieselt es in der Ehe der beiden. Leopold findet seine Frau seit dem Tode des Sohnes irgendwie ... eigentlich weiß er das selber nicht. Er liebt sie noch, er bringt ihr das Frühstück ans Bett, sie begleitet ihn die ganze Zeit in seinen Gedanken. Immer überlegt er, was er ihr schönes kaufen könnte, was er ihr mitbringen könnte, um ihr eine Freude zu machen, dabei will sie nur eines: S*X. Den holt sich Bloom jedoch bei diversen Affären oder Prostituierten. Er hat dabei meist immer die gleiche Masche: Erst mit Briefen und Aufmerksamkeit erobern und einlullen, dann seinen Spaß haben und sich eine neue Liebschaft suchen. Selbst die Hausangestellte war vor ihm nicht sicher, daher haben er und Molly derzeitig keine.

Molly Bloom: Leoplods Ehefrau. 31 Jahre alt, Sängerin, etwas mollig. Sie braucht jedes Frühjahr einen neuen Mann, S*x ist ihr wichtig, sehr wichtig und im letzten Kapitel redet sie in Gedanken Klartext, so modern, dass man glaubt, eine Episode S*x and the City zu sehen. Da geht es wirklich ab, mal doggy style, mal'

===Der erste Eindruck, den ich von diesem Buch hatte war, ===
dass jedes Buch ein schwerer Brocken wird, wenn man
1. Jegliche Beschreibungen streicht (vor allem wo und wann sich der Leser befindet).
2. Jegliche Kapitelunterteilungen streicht.
3. Nicht gescheit formatiert und inneren Monolog kursiv druckt, Beschreibungen normal Druckt und direkte Rede in Anführungszeichen verbannt. Das Buch wirkt zunächst einfach nur grausam unformatiert.

Erst nach und nach wurde mir klar, dass es all das nicht braucht, um eine Geschichte zu erzählen. Während der Lektüre begann ich den Alltag genauer zu betrachten, meinen Gedankenfluss, die alltäglichen Gespräche und siehe da' Joyce beschreibt das alles korrekt. Alltäglich Gespräche sind tatsächlich so Sprunghaft, so chaotisch, so unzusammenhängend. Die Grenzen zwischen innerem Monolog und dem, was man ausspricht sind fließend. Die Beschreibungen der Umgebung, die eigene Wahrnehmung sind immer im eigenen inneren Monolog beinhaltet. Man sieht also die Welt durch Blooms Augen. Als Frau geht man in einigen dieser Kapitel durch Dublin und schaut durch die Augen eines Mannes. Was betrachtet er und warum? Er schaut Frauen nach, er schaut, wie sie sich die Strumpfhose richten, er ärgert sich, wenn eine Straßenbahn ihm den Blick auf eine entblößte Wade versperrt. Diese männliche Sichtweise der Welt ist für Frauen erstaunlich aufschlussreicht, denn ich glaube nicht, dass sich die Männer seit 1904 wirklich viel verändert haben.

===Anstrengend ist, ===
dass jedes der Kapitel in einem anderen Stil geschrieben ist und dieser Schreistil zum einen auf die Spitze getrieben wird und zum anderen auch noch durch den Kakao gezogen wird. Besonders gelungen ist das in dem Kapitel, in dem ein junges Mädchen am Strand über ihre zukünftige große Liebe im Groschenheftstil sinniert, Bloom zu einem mysteriösen Unbekannten, Held ihrer Träume stilisiert, mit ihm über große Distanz hin spielt, in sexuell reizt '. Und dann kommt seine Sichtweise und bringt den Leser wieder auf den Boden der Tatsachen und die ist, milde ausgedrückt, ernüchternd.

===Warum war das Buch damals, als es erschien, so ein Skandal?===
Weil es zu modern war und teils noch ist. Weil es gotteslästerlich ist. Weil es teils antisemitisch ist. Weil es die Welt beschreibt, wie sie war und ist. Da geht man eben aufs Klo, da wischt man sich den Hintern ab, da furzt man, da popelt man eben in der Nase, wenn man kein Taschentuch hat und legt die Popel auf einem Felsen zum Trocknen aus.
Dazu ist das Buch noch voller Anspielungen sehr eindeutiger Art in teils alltäglichen Situationen. Ich kenne keinen anderen Autor, der die Eucharistie mit der Fellatio gleichstellt, bei der geschluckt aber nicht gekaut wird'. Bei dem das Zapfen eines Bieres zum Streicheln des männlichen Fortpflanzungsorganes wird. Das Extrem bildet dann 15. Kapitel ' Circe, das schon fast in eine albtraumartige SM Welt abgleitet mit diversen erniedrigenden Praktiken, die mir teilweise selbst heute noch etwas extrem erscheinen.

===Nun werden sich wohl einige Fragen. Ja und? Um was geht es denn nun in diesem Buch?===
Was passiert? Wer Handlung erwartet, wird enttäuscht sein und sollte das Buch nicht lesen. Hier geht es hauptsächlich um Sprache, um eine wortgewaltige Beschreibung der Welt, teils mit Lauten, teils durch experimentelle Stilmittel.

Stephen Daedalus frühstückt, geht seinem Job als Aushilfslehrer nach, geht an den Strand, in die Bib, ins Bordell und zu Bloom nach Hause.

Leopold Bloom, geht Einkaufen, frühstückt (Niere), geht zum Drogeristen einkaufen, ins öffentliche Bad, auf eine Beerdigung, kurz in die Zeitungsredaktion, Mittagessen, arbeitet ein bischen, isst wieder und schreibt einen Brief, geht ins Bordell, in ein Cafe mit Stephen Deadalus, nimmt Stephen auf einen Kakao mit heim, geht schlafen.

Molly Bloom frühstückt, hat Spass mit nem Liebhaber und tut nicht so wirklich viel.

===Fazit:===
Ein Meisterwerk, auf das man sich bewusst einlassen muss, dem man sich öffnen muss, das noch heute polarisiert. Nur selten habe ich ein derartiges Flow Erlebnis gehabt wie beim lesen des 11. Kapitels '- Sirenen. Dieser Roman ist ein sinnliches Erlebnis, das hätte ich nicht erwartet. Ich hatte eher Angst ihn überhaupt anzufangen, denn die meisten, die ich auf dieses Buch ansprach meinten nur, dass sie nach wenigen Kapitel angebrochen hätten, es würde sich nicht einmal zum Grillanzünden eigenen, weil es so langatmig wäre, dass es den Kohlen den Sauerstoff zum Brennen nehmen würde.
Ich bin dennoch froh, dass ich den Mut hatte, das Buch zu lesen und ich werde es in einigen Jahren erneut lesen, denn mit jeder neuen Erfahrung, die man selber macht, wird man dieses Buch anders lesen. Meisterlich.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Einfach drauf loslesen!" Ein tolles Buch!, 30. Januar 2008
Von 
Alexander Michel (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Dieser Mann hat es geschafft. James Joyce hat einen Charakter erschaffen der ebenso denkt wie der Leser. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Joyce wagte ein literarisches Experiment in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts. Und es gelingt.
Leopold Bloom ist ein realer Mensch, der ebenso denkt, fühlt, handelt wie eine normale Person im Alltag es ebenso machen würde.
Nirgends sonst hat ein Autor derart komplex den Charakter einer Person in einem Werk beschrieben, wie in "Ulysses". Allein schon deshalb lohnt es sich, das Buch aufzuschlagen und einfach anfangen zu lesen.
Der erste Eindruck täuscht. Schon ist klar, dass man es mit komplexer, undurchsichtiger Schreibweise zu tun hat. Doch stören sollte es den Leser nicht. Wie die Gedanken in ihm schnell vorrübergehen und man darüber nicht lange nachdenkt, so sollte man es auch mit "Ulysses" anfangen. "Einfach drauf loslesen!", lautet das Motto.
Und am Ende versteht man mehr über Leopold Bloom als über sich selbst...
Ein tolles Buch zu jeder Zeit.
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sprachgewaltiges Epos, das sich dem Verständnis kaum öffnet, 30. Juni 2001
Von Ein Kunde
Ein Werk wie Joyce's kann nur zwiespältige Reaktionen hervorrufen. Auf der einen Seite die faszinierende subjektive "Echt-Zeit"-Perspektive der Wahrnehmung der Welt mit nur wenigen rein narrativen Elementen - auf der anderen Seite die sich dem Leser Seite für Seite mächtiger aufdrängende, für manche übermächtig werdende Frage, was der Autor dem Leser sagen möchte; ich habe den Eindruck gehabt, dass eine Kommunikation zwischen Autor und Leser auf der Basis dieser Erzählperspektive nicht - oder besser: kaum - zustande kommen kann. Jedenfalls zähle ich mich nicht zu den Glücklichen (!?), denen sich das Lesevergnügen und das Verständnis dieses zweifelsohne sprachlich meisterhaften Werks erschlossen hat. Sprache und Orthographie sind - auch in der äußerst gelungenen Übertragung ins Deutsche (mir stand die Übersetzung von Wollschläger zur Verfügung) zum Teil revolutionär, und von diesem Ansatz her ist das Werk sicherlich als bahnbrechend zu bezeichnen. Aber auf den Punkt gebracht: Für die meisten mutigen Leser wird das Lesen eher zu einer Tortur als zu einem Vergnügen werden. Empfehlung: Anfangen, ausprobieren, Mut haben abzubrechen (dann aber auf jeden Fall das letzte Kapitel lesen).
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Ulysses (Wordsworth Classics)
Ulysses (Wordsworth Classics) von James Joyce (Taschenbuch - 15. Januar 2010)
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