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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Originell, authentisch, mind-opening, 27. September 2003
Von Ein Kunde
Bourdain wird sicherlich kein Nobelpreisträger. Seine Bücher werden trotzdem einmal Doku-Klassiker werden, denn sie eröffnen den meisten seiner Leser eine neue, unbekannte Welt: Auf der Suche nach dem perfekten Mahl nimmt Bourdain, seines Zeichens Koch aus New York, uns mit auf eine Reise durch die Kochkulturen der Welt. Seine ungewöhnlichen Begegnungen mit den Menschen und ihrer Lebensart vor Ort, wie zum Beispiel in Vietnam, Russland oder Portugal, machen Appetit darauf, auch selbst einmal die Welt fernab von Pauschaltourismus und Currywurst zu erkunden. Bourdains entwaffnende Ehrlichkeit und Selbstironie, sein schwarzer Humor sowie Anekdoten aus seinem Rock'n'Roll-Lifestyle Leben als Koch machen diesen Reisebericht zu einem unkonventionellen Vergnügen.
Tipp: erst Kitchen Confidential von Bourdain lesen!
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleine Unwahrheiten trüben keinesfalls das Vergnügen, 12. Dezember 2007
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Nein, ich will gar nicht bezweifeln, dass der Autor die im Buch beschriebenen Ereignisse wirklich so erlebt hat. Denn zumindest einige der Beschreibungen kann der Rezensent aus eigener Erfahrung bestätigen, so die wunderbare Beschreibung der Erlebnisse in einem japanischen Ryokan inklusive Kaiseki-Menü. Aber dennoch steckt das Buch irgendwie voller Unwahrheiten. Hier nur ein paar Beispiele:

Unwahrheit Nummer 1: Es geht um die Jagd nach dem vollkommenen Genuss.

Wo würden Sie nach dem vollkommenen Genuss suchen? Etwa irgendwo in Kambodscha, wo ihnen im Hotelzimmer die lokale Fauna nicht nur auf, sondern auch in den Körper will? Oder bei der russischen Mafia in St. Petersburg, wo Boxkämpfe immer erst nach dem blutigen KO abgebrochen werden? Mitten in der Wüste, wo es gegen Abend schrecklich kalt wird? Oder in einem fragwürdigen Restaurant an der französischen Küste, dass seit drei Tagen Kalbskopf erfolglos anbietet? Also ich würde mir es einfach machen, ein Luxushotel mit vielen Sternen suchen und dann genießen. Aber Bourdain will genau das nicht. Er will leiden. Er will die Welt sehen. Und so lesen wir viele Geschichten von Reisen an exotische und weniger exotische Orte. Aber die wählt er nicht nach dem Genussfaktor aus, sondern danach, ob man darüber gut und spannend schreiben kann. Und ob das mitreisende Fernsehteam die richtigen Bilder bekommt. In Wirklichkeit werden also ganz andere Dinge gejagt. Nämlich Erlebnisse.

Unwahrheit Nummer 2: DAS perfekte Essen hat der Autor nicht gefunden.

Der Autor reist in das Dorf in Frankreich, in dem er seine Kindheit verbracht hat. Und wie als Kind isst er dort frische Austern, direkt vom Boot. Und sie schmecken auch genauso wie in seiner Kindheit. Ich hatte ein ähnliches Erlebnis im Herbst auf Sylt, ich habe zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wieder im Lieblingsrestaurant meiner Eltern die zwei kleinen Seezungen gegessen habe. Bietet die Erinnerung an vergangenes Glück, welches dann wieder gegenwärtig wird, ein perfektes Mal? Ja, natürlich. Aber das Buch von Bourdain dürfte natürlich nicht in der Mitte schon mit dem Höhepunkt aufhören. Und so hören wir von vielen Essen, die alle DAS perfekte Essen darstellen. So zum Beispiel das Essen mit dem singenden, baskischen Männerverein in San Sebastian. Oder das Ritual um das Schlachten eines Schweins in Portugal. Perfekter als perfekt geht eben nicht.

Unwahrheit Nummer 3: In diesem Buch geht es ums Essen.

Ist eigentlich niemandem beim Lesen aufgefallen, dass der Autor kaum etwas über die Gerichte schreibt, die er zu sich nimmt? Oft erfährt man gerade nur, was gegessen wurde, und nie erfährt man genug, um die Gerichte wirklich nachkochen zu können. Dagegen erfährt man viel über die Menschen, mit denen der Autor isst, und natürlich erfährt man noch mehr über den Autor selbst. Überhaupt kann der Autor durch seine treffenden Charakterisierungen von Menschen weit mehr überzeugen als durch seine Beschreibungen von Nahrungsmitteln. Das die Frauen in St. Petersburg wunderschön, aber "weich und kuschelig wie eine Handvoll Münzen" sind, ist so eine geniale Formulierung. Es geht also um Menschen und Kulturen, das mit dem Essen ist Beiwerk.

Unwahrheit Nummer 4: Foie Gras ist schlecht für den Magen.

Ja, Saufen, Rülpsen, Fluchen und Furzen ist nicht wirklich politisch korrekt. Aber noch schlimmer ist es natürlich, Gänsestopfleber zu essen. Denn die Tiere werden ja gestopft, was sich nicht gerade angenehm anhört. Und so wird im Buch der Genuss von Gänsestopfleber durchaus zwiespältig dargestellt, früh am Morgen mit einer Magenverstimmung als Grundlage. Aber ganz im Ernst, wenn man als frankophiler Koch schon mal einige Zeit in Frankreich ist, dann isst man dieses wunderbare Produkt einfach mehrfach. Und genießt es. Und wenn man ehrlich ist, kann man über diesen Genuss auch offen schreiben.

Unwahrheit Nummer 5: Man sollte nicht im Fernsehen auftreten.

Immer wieder geht Bourdain darauf ein, wie sehr ihn doch das mitreisende Fernsehteam nervt. So wird er bewegungsunfähig im Hotelzimmer gefilmt, darf immer wieder ein Restaurant betreten und den Gastgeber neu begrüßen, und überhaupt ist immer wieder die Kamera da. Auf der anderen Seite: So professionell hier Bourdain mit viel Charme und Humor sein Buch schreibt, so professionell wirken auch seine TV-Auftritte. Und schließlich genießt er das Reisen und auch all die Katastrophen, die das Reisen an abgelegene Orte so mit sich bringt. Und da ist doch das Fernsehteam als Begleitung und das Fernsehbudget als Unterstützung ganz willkommen, oder?

Unwahrheit Nummer 6: Der Autor ist ein Küchenchef.

Gut, das ist nur eine halbe Unwahrheit. Schließlich gibt es da wirklich ein Restaurant in New York, wo Bourdain klassische, französische Küche für Fans und Touristen kocht. Aber mal im Ernst: Die Köche, die ich so kenne, haben damit ein Problem, dass im Restaurant alles drunter und drüber geht, wenn sie sich für mehr als ein paar Tage mal in den Urlaub verabschieden. Wir schafft also ein Küchenchef es, gleich einen sehr guten Reiseroman über seine weltweiten, kulinarischen Erlebnisse zu schreiben? Da scheint es mir doch noch einen zweiten Küchenchef in New York zu geben. Aber als Romanautor und Fernsehstar verdient man auch einfach besser.

Unwahrheit Nummer 7: Jeder Russe kann einen Nichtrussen unter den Tisch trinken.

Wie schon gesagt, es geht nicht ums Essen. Sondern ums Trinken. Denn neben ein paar anderen Drogen, die im Buch erwähnt werden, geht es vor allem auch um den genussvollen Missbrauch von diversen alkoholischen Getränken. Und nach all dem, was ich dort lese, müsste Bourdain als Autor die meisten Russen eigentlich schlagen können.

Ganz abgesehen von diesen und weiteren Unwahrheiten ist dies aber ein außergewöhnlich unterhaltsames und ganz wunderbares Buch, das sich zu lesen wirklich lohnt.
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A Cook's Tour: In Search of the Perfect Meal
A Cook's Tour: In Search of the Perfect Meal von Anthony Bourdain (Gebundene Ausgabe - 7. Dezember 2001)
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