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4.0 von 5 Sternen Streben nach Gleichheit führt zum Aussterben
Als ich den überaus merkwürdigen Titel dieses Werkes mit seiner doppelten Abschwächung der Aussage "Es wird Krieg geben" zum ersten Mal las, schwand ein wenig meine Hoffnung, dass uns die Systemische Evolutionstheorie tatsächlich viel Konkretes über unsere Zukunft verrät. Leider sind meine Ahnungen dann auch eingetreten. Man erhält...
Veröffentlicht am 4. Mai 2012 von Dr. R. Manthey

versus
48 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch, das letztlich an seinen eigenen Ansprüchen scheitert
Dieses Buch erhebt einen hohen Anspruch: Es geht Mersch darum, eine neue und allgemeine Theorie zu schaffen, eine komplette Theorie für den gesamten Bereich des Lebens, von der ersten Zelle bis hin zur Pleite von Lehman's, eine Theorie aus EINEM Prinzip. Mir ging es beim Lesen dann aber leider so, dass mir das Meiste schon irgendwie bekannt vorkam. Kaum etwas, was...
Veröffentlicht am 8. April 2012 von Samuel "Sammy" Burt


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48 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch, das letztlich an seinen eigenen Ansprüchen scheitert, 8. April 2012
Dieses Buch erhebt einen hohen Anspruch: Es geht Mersch darum, eine neue und allgemeine Theorie zu schaffen, eine komplette Theorie für den gesamten Bereich des Lebens, von der ersten Zelle bis hin zur Pleite von Lehman's, eine Theorie aus EINEM Prinzip. Mir ging es beim Lesen dann aber leider so, dass mir das Meiste schon irgendwie bekannt vorkam. Kaum etwas, was Mersch hier schreibt, ist wirklich neu. Neu ist nur die Verpackung, die Terminologie.

Das Grundprinzip ist folgendes: Alle (energetisch) komplexen Gebilde zerfallen mit der Zeit, es sei denn, es gelingt ihnen, Energie aus der Umwelt abzuzweigen, um dadurch die eigene Struktur zu erhalten. Das lernen schon Kinder im Biologie-Unterricht: Stoffwechsel bedeutet, dass ein Organismus der Umwelt Energie entzieht, um selbst zu überleben.
Daraus entwickelt der Autor dann einen Begriff von "Kompetenz", der genau das bedeutet: Komplexe Strukturen seien mehr oder weniger kompetent darin, den ihnen drohenden Zerfall abzuwenden, eventuell schaffen sie es sogar, den thermodynamischen Pfeil umzudrehen, und Komplexität zu steigern.

Mersch weist darauf hin (und ist nicht wenig stolz darauf), dass nur sein Kompetenz-Begriff es erlaubt, das Verhalten von den ersten Zellen und Viren bis hin zu dem der Menschen und ihren sozialen und wirtschaftlichen Strukturen zu erklären. Das mag aus der Perspektive des Autors stimmen, doch was ist mit einer derartig abstrakten Meta-Theorie gewonnen ? Ich behaupte: wenig bis nichts.

Merschs Kompetenz-Begriff hat, wie ich meine, zwei Schwächen:

***Erstens ist er so allgemein gehalten, dass er für die konkrete Anwendung oder Forschung nicht taugt. Es handelt sich hier um einen Passe-partout-Begriff, der konzipiert wurde, um alle Lebensbereiche abzudecken, als kleinster gemeinsamer Nenner alles Lebens. Doch dieser Nenner ist so klein, dass er über das Phänomen, um das es konkret geht, nichts mehr aussagt, sondern dann im Einzelfall mit Zusatzannahmen aufgepeppt werden muss, die sich aber aus dem Grundprinzip nicht ableiten lassen.
Ich meine, dass es falsch ist, bei Theorien "abstrakt" mit "gut" gleichzusetzen. In meiner Disziplin, der Psychologie, haben wir schlechte Erfahrungen mit den zwei Theorien gemacht, die für sich beanspruchten, den Menschen "aus einem Prinzip" hergeleitet zu erklären (nämlich Psychoanalyse und Behaviorismus).

Wir sind Kinder des Urknalls, sagt Mersch. Das ist entweder banal oder irreführend. Banal ist es, wenn es bedeutet, dass wir sind materielle Wesen sind. Irreführend ist es, wenn man es streng wissenschaftlich betrachtet. Wir sind Ur-Ur-(x-milliarden Mal Ur-)..Urenkel der ersten Bakterien. Im Bereich des Lebendigen gelten die physikalisch-chemischen Gesetze, plus Gesetze, die sich aus dem Vorhergehenden nicht ableiten lassen, die dem Bereich des Biologischen eigen sind. Dies sind die berühmten emergenten Eigenschaften. So wie Literatur auf den Regeln der Grammatik und des Wortschatzes basiert, und dennoch die Literaturgeschichte nicht aus Grammatik plus Wortschatz abgeleitet werden kann.

Ebenso unsinnig ist es, die sozialen oder ökonomischen Vorgänge aus dem Grundprinzip "Leben ist Kompetenz im Kampf gegen den thermodynamischen Zeitpfeil" erklären zu wollen.
Der Irrtum aller Reduktionisten ist: Weil es einen materialen Zusammenhang gibt, postulieren sie auch einen Erklärungszusammenhang: X ist Y, ergo: X ist nichts als Y.
Das Ergebnis sind Erklärungen, die nichts erklären, von der Sorte: der Mensch ist nichts als ein Tier. Klar ist der Mensch ein Tier, aber er ist ein Tier plus X. Reduktionisten wie Peter Mersch vergessen den Unterschied zwischen einer notwendigen Bedingung von X , und dem hinreichenden Grund von X. Dass ein Wesen wie der Mensch dem Thermodynamischen Zeitpfeil für eine Weile ein Schnippchen schlägt, ist eine notwendige Bedingung für dessen Existenz, aber es ist noch kein hinreichender Grund, und somit auch keine ausreichende Erklärung. Es mag sein, dass Bakterien und Unternehmen den gemeinsamen Nenner haben "Sie verhalten sich nachhaltig gegenüber ihren eigenen Kompetenzen und ausbeuterisch gegenüber ihrer Umwelt" - doch dieser gemeinsame Nenner ist banal ; er erklärt nichts, zumindest nichts Interessantes.

*** Zweitens steckt m.E. hinter dem Begriff "Kompetenz" selbst ein Denkfehler. Wenn Mersch behauptet, dass Kompetenzen vererbt werden, dann ist das nicht richtig. Organismen besitzen bestimmte, ihnen eigene Fähigkeiten, und diese geben sie weiter (in der Natur über ihre Gene, in der Kultur über Traditionen u.ä.). "Kompetent sein", heißt ursprünglich soviel wie "befugt sein", und das bedeutet: Ob ein Organismus eine Fähigkeit hat oder nicht, liegt an ihn selbst. Ob er hingegen kompetent ist, entscheidet die Umwelt. Kompetenz ist demnach Fähigkeit + Kontext.

Die entscheidende Rolle des Kontextes spielt in der Evolutionstheorie die Selektion. Mersch glaubt darauf verzichten zu können, und führt statt dessen den Begriff des "Reproduktionsinteresses" ein, den ich für sehr unglücklich halte. Denn ob sich ein Organismus reproduziert oder nicht, hängt nicht von seinem Interesse ab (alle Organismen sind darauf programmiert, ein solches 'Interesse' zu haben!), es hängt entscheidend von der Umwelt ab.

Eine gute wissenschaftliche Theorie sollte zwei Bedingungen erfüllen: Sie sollte Phänomene, die sich bisher der Erklärung entzogen, erklären können; sie sollte weiterhin verifizierbare Voraussagen machen. Die Systemische ET fällt in beiden Punkten durch. Sie erklärt (a) nichts Neues, (b) nichts Altes auf wirklich neue Weise. Kurz: sie erklärt nichts, was nicht durch bestehende Theorien schon erklärt wird. Sie erklärt schon bekannte und gedeutete Phänomen auf andere Art und Weise, aber ohne dass dadurch irgendein Erkenntnisgewinn abfiele.
Ein gutes Gegenbeispiel ist der von Mersch als bloßer "Spezialfall" seiner eigenen Theorie bezeichnete (oder besser: geschmähte) Neodarwinismus Dawkins'scher Prägung, denn dieser etwa erklärt so diverse Phänomene wie die "kin selection", "meiotic drive", "genomic imprinting" oder auch die "Springenden Gene", um die in letzter Zeit soviel Aufhebens gemacht wird.

Eine letzte Bemerkung zum Schlusskapitel des Buches. Hier sagt Mersch, dass er pessimistisch sei, was den Fortbestand der Menschheit betrifft, aber dann drängte sich mir beim Lesen der Eindruck auf, dass die letzte Chance der Menschheit darin besteht, sich Merschs Theorie zu eigen zu machen. Der Autor plädiert für ein "Mondprogramm" des 21. Jahrhundert, zur Errettung der Menschheit, in das man hauptsächlich "Mathematiker und Naturwissenschaftler" berufen solle (mit anderen Worten: Menschen wie Mersch). Mersch verkennt hier die Grundprobleme :
a) Der Menschheit fehlt es nicht an klugen Köpfen, an klugen Theorien und an technischen Lösungsvorschlägen. All das liegt seit langem auf dem Tisch. Oft genug sind sich die Experten alles andere als einig, beschimpfen sich gegenseitig als Ignoranten ... Aber selbst wenn sich alle Experten einig wären, dann gilt immer noch (b)
b) Im Grunde wissen wir alle, WAS zu tun ist. Das Grundproblem ist die Umsetzung. Was nützt das beste, von Mersch und Co. ausgetüftelte Mondprogramm reloaded, wenn es dann nicht umgesetzt wird, so wie es seit Jahren mit dem dringend notwendigen Klimaschutz passiert? Die Konferenzen scheitern nicht, weil es an klugen Köpfen fehlte !
Die Menschheit kann ihre Probleme nur kollektiv und kooperativ, also politisch lösen. Doch dazu finden sich in diesem Buch keine Anhaltspunkte.
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Streben nach Gleichheit führt zum Aussterben, 4. Mai 2012
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Als ich den überaus merkwürdigen Titel dieses Werkes mit seiner doppelten Abschwächung der Aussage "Es wird Krieg geben" zum ersten Mal las, schwand ein wenig meine Hoffnung, dass uns die Systemische Evolutionstheorie tatsächlich viel Konkretes über unsere Zukunft verrät. Leider sind meine Ahnungen dann auch eingetreten. Man erhält übrigens im gesamten Text nur einmal gegen Ende eine implizite Andeutung, was wohl den Autor zu diesem Titel geführt hat. Er erklärt dort nämlich kurz und bündig, dass beide bisherigen Weltkriege aus seiner Sicht als Folge der damaligen Bevölkerungsexplosion in Deutschland entstanden. Was diese Aussage allerdings mit dem vorangegangenen Inhalt des Buches zu tun haben soll, hat sich mir nicht wirklich erschlossen.

Wirklich konkret wird dieser Text nur, wenn es um die zukünftige strukturelle Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und deren Folgen geht. Dazu holt der Autor allerdings sehr weit aus. Ohne wirkliche Notwendigkeit für seine späteren Aussagen begibt er sich sofort in einen Spagat zwischen sehr allgemeinen Darlegungen wie dem Streben des Universums zum Wärmetod und politischen Vorgängen, deren Verfallsdatum bereits in wenigen Jahrzehnten erreicht sein wird. Zwischen diesen Erörterungen führt er den Leser in die sogenannte Systemische Evolutionstheorie ein.

Dieses Konstrukt stellt eine Verallgemeinerung der Darwinschen Evolutionstheorie dar und setzt sich das Ziel, sowohl biologische als auch nichtbiologische Evolutionen zu beschreiben. Dazu abstrahiert sie zunächst die Darwinschen Konzepte. Wenn man das in diesem Buch liest, dann hört es sich zunächst recht kompliziert an. Dabei geschieht allerdings nichts weiter, als dass alles, was man in konkreten Systemen sofort verstehen würde, nun mit abstrakten Begriffen belegt wird, unter denen man sich zunächst nichts vorstellen kann.

Natürlich kann eine solche Meta-Theorie durchaus einen Sinn haben. Der Autor preist sie auch Politikern als Richtschnur an, wenngleich er wohl selbst nicht den Optimismus aufbringen wird, um zu glauben, dass diese Leute, die zwischen Ideologien, Sachzwängen und Machtinteressen gefangen sind, jemals irgendwelchen Theorien folgen würden. Obendrein braucht man diese Meta-Theorie für die Kernaussagen des Buches nicht, wenngleich sie natürlich alle Erklärungen vereinfacht, hat man sich mit den entsprechenden Begriffsbildungen erst einmal angefreundet. Ich befürchte allerdings, dass die weniger im Lesen solcher Texte geübten Leser so weit gar nicht kommen werden, weil sie von so viel Abstraktheit abgeschreckt werden.

Wenn man jedoch bis zum 6. Kapitel vorgedrungen ist, kommt man im Folgenden zu den wirklich interessanten Abschnitten dieses Buches. Der Autor erläutert nun nämlich die Folgen, die sich aus dem Streben nach sozialer Gleichheit beider Geschlechter für die Bevölkerungsentwicklung ergeben werden. Da intelligente Frauen aus Karrieregründen nachweislich weniger Kinder gebären und Intelligenz trotz aller anders lautenden Behauptungen von Ideologen selbstverständlich vererbt wird, sinkt zwangsläufig der mittlere IQ der Bevölkerung schrittweise. Das verschärft die sowieso schon vorhandenen demografischen Probleme in Deutschland.

Sehr ausführlich geht der Autor dann auf den völlig unsinnigen, aber politisch nutzbaren "Anti-Biologismus" in linken Ideologien ein, der nach seiner Ansicht nahezu zwangsläufig in einen Totalitarismus münden muss. Kapitel 6 und 7 stellen somit den Höhepunkt dieses Buches dar. Es sind darüber hinaus die einzigen Abschnitte mit einer wirklich begründeten Aussage.

Insbesondere erklärt der Autor hier, welche fatalen Folgen wirklichkeitsfremde Ideologien haben können, wenn sie erst einmal in praktisches Handeln umgesetzt werden. Ginge es nicht um das Schicksal von Gesellschaften, könnte man über die wahrscheinlichen Ergebnisse in ihrer ganzen Absurdität nur lachen. Denn die in Deutschland seit den 1970er Jahren besonders durch den Feminismus angestoßene Entwicklung wird mit ziemlicher Sicherheit dazu führen, dass sich hierzulande Strukturen herausbilden werden, die genau das Gegenteil von dem sind, was der Feminismus einst wollte.

Bereits jetzt ist deutlich abzusehen, dass durch Migration ins Land geholte Frauen, die in stark männlich dominierten Familien leben, deutlich mehr Kinder in die Welt setzen als deutschstämmige Mütter. Damit wird sich wahrscheinlich eine Gruppe durchsetzen, die für das eigene Überleben viel robuster organisiert ist als die ursprüngliche deutsche Population.

In den folgenden Kapiteln erläutert der Autor dann die Rolle der Medien und der Wissenschaften in diesem Prozess. Nachdem er im 10. Kapitel noch einmal versucht die Vorteile des evolutionär-systemischen Ansatzes zu verdeutlichen, kommt er dann abschließend zu seinen Schlussfolgerungen für das vorher ausführlich und nachvollziehbar erläuterte Problem. Realistische Vorschläge findet der Leser nun aber leider nicht vor. Man kann beispielsweise eine Kopfgeburt mit Sicherheit nicht durch eine nächste beseitigen, wie sie etwa die vom Autor bevorzugte Idee einer "Familienmanagerin" darstellt.

Offensichtlich konnte sich Mersch beim Schreiben dieses Buches nicht entscheiden, ob er eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben oder die Anwendung seiner Theorie bei der konkreten Problemlösung zeigen sollte. Zwar bildet der versteckte Wunsch des Autors, die Vorteile seiner Systemischen Evolutionstheorie zu demonstrieren, für den willigen Leser vielleicht den roten Faden, doch das ist auch gleichzeitig eine Schwäche des Textes. Aus einer allgemeinen Theorie folgen in der Regel nur allgemeine Aussagen. Und für konkrete Situationen reichen oft die vorhandenen Möglichkeiten bereits aus.

Zu Beginn des Buches werden die sogenannten "Großprobleme" der Menschheit aufgezählt. Abgesehen von der Bevölkerungsentwicklung wird jedoch keines dieser Probleme mit befriedigender Tiefenschärfe diskutiert. Zwar kann man mit der allgemeinen Theorie des Autors all diese Probleme in einem einheitlichen Begriffssystem diskutieren, doch wesentlich neue konkrete Erkenntnisse kommen dabei nicht heraus. Seine Lösungsvorschläge für die "Großprobleme" stellen dann auch eher intellektuelle Gedankenspiele dar und besitzen deshalb kaum eine realistische Umsetzungschance.

Darüber hinaus äußert sich der Autor auch zu Theorien, die er offenbar nicht richtig kennt. An zwei Stellen taucht nämlich plötzlich die Österreichische Schule der Ökonomie auf, die allerdings keine Relevanz zur eigentlichen Aussage des Textes besitzt, der dafür aber Behauptungen unterstellt werden, die sie so niemals getroffen hat. Meine Bewertung dieses Buches orientiert sich an den beiden inhaltlich guten und erhellenden Kapiteln, obwohl es mich insgesamt nicht grundlegend überzeugt hat.
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7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine substantielle, fundierte, erhellende Streitschrift, 9. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Peter Mersch legt hier eine eigentliche Streitschrift vor. Auf der Basis der Systemischen Evolutionstheorie fährt er sowohl dem ideologischen Geschwurbel der Gender-Theoretiker, Feministen/innen, Political- Correctness-Päpsten und anderen Geistes- und Sozialwissenschwaflern an den Karren, als auch den am rückständigen Gen/Mem-Egoismus orientierten Evolutionstheoretikern wie Dawkins.

Dazu genügt ihm als Grundlage eine letztlich in physikalischen Gesetzmässigkeiten fundierte Theorie, die sehr im Einklang mit dem aktuellen Stand des Wissens im Bereich Systemtheorie, Selbstorganisation und Informationstheorie steht.

Die Kernaussage des Buches lässt sich kurz zusammenfassen: Wenn es für die Intelligentesten im Lande unattraktiv wird, selber Kinder auf die Welt zu stellen, für die Dummen aber dank Sozialhilfe attraktiv, viele eigene Kinder zu haben, dann wird die Bevölkerung zwangsläufig dümmer werden. Dieses Dümmer-Werden führt dann zu allerlei negativen Entwicklungen, die letztlich (extrapoliert) zu Wohlstandsverlusten, Unzufriedeneheit, Aufständen und Kriegen führen werden.

Mersch bemüht sich zwar im Schlusskapitel, systemisch nützliche Lösungsansätze aufzuzeigen, glaubt aber offensichtlich selbst nicht an ihre Realisierbarkeit. In einer Demokratie lassen sich Veränderungen, die kurzfristig schmerzhaft, aber langfristig notwendig sind, in der Regel nicht durchsetzen. Dazu würde es schon einer echten Krise (Krieg, Naturkatastrophe etc.) bedürfen.

Abgesehen von der konkreten Fragestellung zeigt Mersch mit diesem Buch auch expemplarisch, welchen Unterschied es bewirken könnte, wenn wir (besonders in Politik und Wirtschaft) stärker systemisch-ganzheitlich statt bloss linear denken und analysieren würden.

Das Buch ist "bloss" in einem Autorenverlag (BoD) erschienen. Solche Werke muss man meist mit viel Vorsicht geniessen. Das Lektorat eines klassischen Verlages trennt ja durchaus auch einen Haufen Spreu vom Weizen. Man wird Mersch aber gerne attestieren, dass er sowohl in der Qualität der Form (Ortographie, Schriftbild, Anmerkungen, Quellen etc.) als auch in der Aufbereitung und Logik des Inhalts jedem Anspruch an ein substantielles und hilfreiches Buch genügt. In diesem Fall ist "BoD" KEIN Hinweis auf mangelnde Qualität.

Fazit:
Das Buch entlarvt viel politische Scheinheiligkeit und grandiose Dummheiten auf Basis fundierter Grundlagen. Für alle an der Zukunft unserer Gesellschaft Interessierten sehr empfohlen. Darüber hinaus müsste man es jedem Politker als Pflichtlektüre vorschreiben. Damit sie wenigstens wissen, was sie tun.
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8 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielschichtige und umfassende Betrachtung zur gesellschaftlichen Entwicklung, 27. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zuallererst ist festzustellen, dass das neuste Werk von P. Mersch einen überaus wichtigen und sachlichen Beitrag hinsichtlich der aktuellen qualitativ-quantitativen demographischen Entwicklungen leistet, welche sich zumindest in Ihrer ganzen Breite und Tiefe nur den wenigsten Menschen derartig tief erschließt wie dem Autor. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, die auf der "Sarrazin-Welle" schwimmen beschäftigt sich Mersch schon länger als Sarrazin selbst mit diesen Entwicklungen und dürfte für diesen auch als Primärquelle gedient haben. Gegenüber seinen älteren Büchern (Beispielsweise Hurra, wir werden Unterschicht") ist das aktuelle Buch deutlich gereift und auch insgesamt thematisch umfassender", allerdings kompakt verdichtet und - zwangsweise - pessimistischer.

Bemerkenswert finde ich die Betrachtungen zur Entropieentwicklung und den Bezug zu selbstreproduzierenden Systemen (z. B. Lebewesen) im Zusammenhang mit dem entropischen Zeitpfeil des Universums. Änliche Überlegungen kenne ich auch. Sie haben dann für mich allerdings zur Erkenntnis geführt, die Frage nach dem Sinn des Lebens, den P. Mersch nicht direkt bereits im Kampf gegen die Entropie sieht (S 7: Ich empfinde die aus ihm hervorgehende Sinnlosigkeit als beinahe unerträglich."), bereits durch die Entropie selbst zu beantworten: Der Sinn allen Strebens" und aller (komplexen) nichttechnischen Systeme (Lebewesen) - und der technischen Systeme als Hilfsmittel - kann im Prinzip als "Antientropiekampf" auf lange Sicht angesehen werden. Dazu muss man alles tun, auch wenn unser Universum dem "Wärmetot" letztlich - wie natürlich auch Mersch erkennt - nicht entgeht. Doch auch dies (Wärmetot des Universums) muss keine zwangsweise finale Grenze sein.

Nach dem er eingehend die systemische Evolutionstheorie vorstellt und aufbaut, handelt der Autor in diversen Kapiteln aktuelle politische Vorstellungen ab und zeigt deren teilweise absurden Widersprüchlichkeiten und stellt die bedenklichen Entwicklungen hin zu pseudowissenschaftlichem Wunschdenken ala Gendertheorie (Kapitel 7) oder dem Antibiologismus (Kapitel 6) konzeptionell treffend vor. Auch den Medien (Kapitel 8) und ihrer Rolle wird ein Kapitel gewidmet, was die damit im Zusammenhang stehenden Themenkomplexe abrundet. Im Gegensatz zu anderen Autoren bleibt er hier sehr sachlich.

Herr Mersch geht also in seinem Werk über die klassische Evolutionstheorie heraus, in welcher im Prinzip nur Lebewesen Evolutionsakteure sind und ordnet auch sogenannten Superorganismen, d.h. Unternehmen, Organisationen und Staaten (bzw. stattlichen Gebilden) - neben Einzellern und Mehrzellern - als Evolutionsakteure in der systemischen Evolutionstheorie ein, welche bestrebt sind ihre Kompetenzen (unmittelbar und mittelbar) zu erhalten. Diese Sichtweise ist interessant und im Zusammenhang mit dem Entropiebegriff in der Tat (intellektuell) beachtlich. Allerdings gibt es auch noch "Lücken" und/oder Unklarheiten bei dieser Betrachtung. Darauf geht er jedoch nicht ein, sondern stellt die Theorie als abgeschlossen dar, was sie aber (in meinen Augen) sicher nicht ist, zumal sie nur verbal-qantitative Argumente aufbaut und aus sich keine falsifizierbaren Kausalitäten hervorbringt (wie die aus der Evolutionstheorie hervorgehende zwanghafte Notwendigkeit einer "Erbinformation", welche weitergegeben wird, und welche später als Genom eines biologischen Lebewesens inkl. des Speichers DNA ja auch entdeckt wurde). So weist der Autor zwar selbst darauf hin, dass die komplexeren Akteure der systemischen Evolutionstheorie (Superorganisation, z. B Unternehmen) mehr sind als die Summe ihrer handelnden (Einzel-)Akteure (Menschen). Er verweist dabei u. a. auf den Vergleich mit Neuronen im Gehirn (Gehirn ist mehr als Summe der Neuronen bzw. lässt sich daraus nicht erklären), was an sich absolut richtig ist und ein inhärentes Merkmal komplexer Systeme. Dennoch gibt es in meinen Augen hier Unterschiede bzw. wäre Manches zu vertiefen. Unternehmen sind natürlich komplex-chaotische Systeme, dennoch werden sämtliche Entscheidungen letztlich von einzelnen Menschen (oder seltener von Menschengruppen im Konsens) getroffen. Weiterhin sind Menschen autarke, sich selbst reproduzierende Systeme. Das sind jedoch Unternehmen nicht, die Ressource Mensch stellt für sie eine besondere Bedeutung in dem Sinne dar, dass sie quasi aktiv systemdeterminierend und passiv unentbehrlich zugleich ist. Menschen entwickeln sich autark (durch genetische Evolution) fort, Unternehmen hingegen können sich nur durch Menschen, d.h. "intelligente" Teilmengen fortentwickeln und sind von diesem in besonderem Maße abhängig, manchmal sogar von einzelnen Menschen (Bill Gates, Steve Jobs, Werner v. Siemens, Carl Benz, P.-J. Tata...). Zwar stellt auch - wie vom Autor richtig bemerkt - ein Vielzeller bzw. vielzelliger Eukariot eine extrem integrierte Symbiose ehemals einzelliger Organismen dar, jedoch schlüsselt die DNA bzw. das Genom eines Menschen eben die Reproduktion und gleichzeitige Evolutionsfähigkeit dieser Teilmengen ins sich, d.h. die Teilmengen (Zellen) sind eben nicht (mehr) autark". Unternehmen hingegen haben keinerlei Informationen bzw. autarke Strukturen, aus denen wieder ihre absolut wesentlichste Primärressource (Menschen) oder ihre generellen Strukturen hervorgehen und gleichzeitig mit dem Superorganismus evolvieren. Das ist zwar denkbar (Kybernetik, starke KI), aber aktuell eben (noch nicht) gegeben. Dieser qualitative Unterschied sollte zumindest benannt werden. Platt formuliert sind Menschen aktuell für Superorganismen eben etwas anderes als z.B. Sauerstoff für Menschen, da Sauerstoff keine Entscheidungen trifft und nicht selbständig autark evolviert. Unternehmen (und anderes Superorganismen) verfügen aktuell eben noch nicht über vollständig "entkoppelte" Kompetenzen. Dieses würde ausschließlich eine starke KI leisten oder eine Superorganisation, welche autark evolviert, was z. B. ein Computerprogramm (oder eine Maschine, welche sich selbst repliziert) eben nicht leistet, es bzw. sie repliziert sich nur 1 zu 1 und daher findet auch keine nachhaltige und vom Menschen entkoppelte Evolution statt. Vielzeller hingegen weisen eine von Einzellern vollständig entkoppelte autarke Evolution auf.

Abschließend stellt der Autor noch einige Vorschläge in den Raum (Was zu tun ist, Kapitel 11). Ich halte die meisten Vorschläge als politisch kaum umsetzbar, aber dass betont der Autor auch durchaus selbst, in dem er auf Seite 236 schreibt: "Und damit wissen Sie dann auch, warum das Buch einen so pessimistischen Titel trägt". Im Kern steht dabei besonders das "Familienmanagermodell", bei dem gut gebildete Frauen (und Männer) gegen eine angemessene Entlohnung quasi unsere Fertilitätslücke Richtung einer zusammengefassten Geburtenziffer von 1,8 (was ich für zu wenig halte) schließen und damit die gesellschaftliche Reproduktion qualitativ und quantitativ sichern. Dieser Ansatz ist definitiv sinnvoll und auch durchdachter als Beispielweise die von T. Sarrazin vorgeschlagene "Akademikerprämie" von pauchal 50.000,-€ bei Geburt.
In meinen Augen kann die Lösung aber nur radikaler ausfallen, zudem teile ich Mersch's Skepsis gegenüber stattlichen Einrichtung als in der DDR aufgewachsener und ab einem Alter von 9 Monaten in die Krippe gegangener Mensch nicht. Intelligente Individuen (und nur danach sollte gezielt selektiert werden, evtl. noch Erbkrankheiten), sollten Samen + Einzellen spenden, welche dann von Leihmüttern mit durchschnittlicher Intelligenz - allerdings bei gutem gesundheitlichem Zustand und mit einer soliden Ausbildung - ausgetragen werden. Die nachfolgende Erziehung erfolgt in stattlichen Einrichtungen, welche natürlich über ein hohes Niveau verfügen müssten. Es ist aber prinzipiell nicht undenkbar, die Aufzug von Kindern gesellschaftlich wesentlich aufzuwerten, dass wäre ein inhärenter Kern des Konzeptes. Hier sollten auch Männer mit eingebundne werden. Für die ersten Lebensjahre könnte eine spezielle Bindung an die Leihmütter ins Auge gefasst werden. Die Leihmütter könnten in dieser Zeit auch durchaus vor Ort in separaten Wohneinheiten mit "ihren" Kindern leben und der Übergang in die staatlichen Einrichtungen mit etwa 3-4 Jahren würde fließend gestaltet. Wenn 10-15% der Frauen als Leihmütter fungierten (Geburtenabstand rund 3 Jahre, insgesamt 15-20 Jahre lang) und so insgesamt rund 20% der Frauen für die gesellschaftliche Reproduktion abgezogen würden, könnten selbst bei einer Fertilität von nur 1,4 der Restbevölkerung eine Gesamtfertilität von rund 2,0 bis 2,1 erreicht werden - inklusive einem 30% Anteil genotypisch potentiell hochintelligenter Individuen. Es blieben immer noch rund 80% der Frauen und quasi alle Männer für die Superorganismen" Unternehmen verfügbar. Das ein derartiges Konzept völlig undurchsetzbar ist dürfte natürlich klar sein, was nichts daran ändert das es einen Lösungsansatz bieten würde, der noch nicht einmal die gebildeten Frauen der Wirtschaft entzieht" und dabei dennoch ein äußert gesundes Geburtenprofil aufweist.

Im folgenden Anmerkungen zu einzelnen Passagen bzw. Textstellen.

Positiv:
S. 17: Anmerkung zur realistischen Betrachtung von Kooperation und Konkurrenz gut herausgestellt, insbesondere auch, das Kooperation oft dritten schadet. Aktuell wird Kooperation viel zu stark (politisch motiviert) positiv hervorgehoben und betont.
S. 24: "Recht des Besitzenden" als Grundlage moderner menschlicher Kultur im Gegensatz zum reinen "Recht des Stärkeren" in der klassischen Evolutionstheorie, dem ist zuzustimmen. Allerdings gibt es Mischformen, auch die Evolutionstheorie gesteht dies ein (Singvögel, Pfau etc.). Dies wird von Mersch jedoch auch eingeräumt.
S. 32/33: Sehr guter Ansatz der Beschreibung der Systemhierachisierung, unabhängig von der absoluten Richtigkeit der Betrachtungen. Evolution ist in Komplexitätssteigerungen inklusive neuer evolutionärer Strategien eingebunden, siehe erste Predatoren, soziales Verhalten höherer Tiere allgemein ("Recht des Besitzenden"), heutige externe Randbedingungen durch "Superorganismen". Diese Komplexitätszunahme wird durch kl. Evolutionstheorie nur begrenzt oder auf Umwegen ("Red Queen Mechanismus") erfasst.
S. 66/68: Hier werden monokausale Erklärungen prinzipiell als äußerst problematisch dargestellt. Dies ist ohne Frage richtig und ein grundlegendes Problem der heutigen Zeit. Nahezu alle wesentlichen Probleme der Menschheit sind stark verquickt und können nicht einzeln beleuchtet oder durchdrungen werden. Beispiel: Dysgenische Tendenzen innerhalb von "Populationen" und zwischen Populationen", Überalterung, Peak Resources (inkl. Peak Oil), Klimaerwärmung, zunehmende Komplexität technischer Systeme, globale Interaktion (Globalisierung"), FIAT-System ohne reale Hinterlegung immer größerer Vermögenswerte usw.. Hier wäre auch insbesondere die extreme Diskrepanz von Theorie/Praxis in vielen (Wissens-)Bereichen zu nennen, weil intradisziplinär argumentiert wird.
S. 76: Die Hardware - Software Analogie, welche der Autor im Kapitel zum Antibiologismus auf Seite 76 einführt, kann man gar nicht genug würdigen, dass trifft es absolut. Gene geben Struktur, Leitgeschwindigkeit etc. des Gehirns vor (also die Hardware"), Software wie Bildung, Kommunikation ist nat. dennoch sehr wichtig und essentiell, beides wirkt zusammen. Und Eines ist ohne das Andere nicht viel.
S. 118/119: Interessant und gut beschreibt Mersch hier die Fortpflanzung und die dazu folgenden Evolutionskriterien der Honigbienen. Im Gegensatz z.B. zum Popper-Absatz auf Seite 146 sind die Ausführungen ausführlich und ohne zu Hilfenahme von Sekundärliteratur gut nachvollziehbar.
S. 123: Die Beschreibung des Patriarchats ist sinnvoll, allerdings spielten historisch vor allem auch Überlebensraten (von Kindern unters. Intelligenter Eltern) eine große Rolle für eugenische Effekte. Zudem gewisse Problematik (Beispiel Argumentier intergenerative eugenische Effekte über die Vererbung der männlichen Schiene) im Hinblick auf die (unsichere und sicher nur zum Teil zutreffende) Erkenntnis von Biogenetikern hin, dass Intelligenz zumindest mehrheitlich über die weibliche (X-Chromosom) "Schiene" geht, was auch die höhere Standardabweichung innerhalb der Intelligenzverteilung männlicher Individuen erklärt.
S. 125/126: Den Ausführungen zur Intelligenzsteigerung durch bessre Bildung etc. ist zuzustimmen, phänotypischen Intelligenzsteigerungen (durch bessere Bildung etc.) sind enge Grenzen gesetzt und werden oft überschätzt, in modernen westlichen Gesellschaften wird bereits ein Großteil der Potentiale gehoben (Software ist gut).
S. 145/146: Die Analogie mit Beschreibung der Unterwürfigkeit an einem Herscherhof mit modernen Gutmenschentum" ist sehr gut gelungen und zutreffend. Menschen neigen stark zum Opportunismus, oft wissen sie es aber auch nicht besser ("Des' Brot ich ess', des' Lied ich sing'")
S. 158/159: Auch die Beschreibung der Hypothese von Scarr und McCartney fehlt bei Mersch nicht. Sie geht davon aus, dass die Bedeutung der genetischen Analagen für die phänotypische Ausprägung der Intelligenz mit dem Alter zunimmt, was sich auch mit empirischen Beobachtungen deckt, weil sich Menschen ihre "Nischen" suchen. Wer bereits in der Schule Probleme mit dem Lesen und dem grundlegenden Verständnis hat, wird sich kaum in einer Bibliothek (oder in "Bibliotheksecken" des "web") oder an einer UNI wohlfühlen, sondern vielleicht eher körperlich betätigen (oder auch gar nicht und sich passiv vom TV berieseln lassen). Damit wird der Abstand zum wissbegierigen Mitschüler, der in der Freizeit Hawkins Bücher liest und später die Universität besucht kausal immer größer.
S. 160/161: Mersch zeigt hier, dass die implizite Annahme, dass alle Menschen gleich sind direkt eine Kultur des Neids bedingt. Das läst sich für Deutschland auch in der Tat sehr gut zeigen, in anderen Gesellschaften ist dies allerdings weniger ausgeprägt.
S. 172: Eine gute Analogie der Empty Slade" - Theorie mit Musikern in Gesellschaften. Nach dieser Theorie wird Musikalität (wie Alles) anerzogen, da ja Alle absolut gleich sind. Demzufolge wäre es egal, wenn alle musikalischen Menschen keine Kinder mehr hätten, da man die Musikalität ja anerziehen" kann.
S. 181: Auch hier muss man Mersch zuzustimmen. Er erkennt, dass Menschen im Allgemeinen stets reagieren, selten antizipieren und darauf aufbauend agieren, siehe Klimawandel und vieles mehr. Zudem ist selbst in westlichen und asiatischen Gesellschaften ein IQ über 110 eher selten, welcher aber für antizipatorisches Handeln zwingend ist, oft gilt heute eher "Life for the moment".
S. 205: Hier bezieht sich Mersch auf den bis vor kurzem verbreiteten Mythos, Geld könne quasi aus Geld entstehen, was langfristig nicht möglich ist (reine Dienstleistungsgesellschaft). Dies ist ein oft ignoriert Grundproblem, auch in der aktuellen Finanzkrise.
S. 216: Die Beschreibung der Wirkung der Kinderlosigkeit auf die gesetzliche Renteversicherung ist sehr gelungen, die extreme Verletzung der Generationsgerechtigkeit wird sofort deutlich.
S. 220: Auch hier muss man Mersch (leider) zustimmen, moderne "westliche" Demokratien sind in sich" nicht nachhaltig bzw. entziehen sich selbst die Grundlage, siehe auch z.B. die Wirkung der Agenda 2010. Dies trifft auch auf Teilmengen wie die Emanzipation oder (akzeptierte) Homosexualität zu.

Kritik/Anmerkungen:
S. 4: Ein Beispiel für eine herablassende" Bemerkung zur Evolutionstheorie findet sich hier: "..., obwohl sie für alle Evolutionären Entwicklungen, die über Frösche, Pfauen, Butterblumen und die Wildnis hinausgehen, letztlich nicht zu gebrauchen ist". Eine sehr pauschale Aussage, die zudem die notwendige fachlich-sachliche Distanz missen lässt.
S. 11: u.a. Dawkins Frühwerk "Das egoistische Gen" wird von Dawkins selbst als überholt oder zumindest an manchen Stellen als verbesserungswürdig angesehen, die Meinungen der Evolutionsbiologen und Biogenetiker sind hier mittlerweile humaner, dass trifft auch auf die Meme zu, die ich ebenfalls für ein sehr fragwürdiges Konstrukt halte. Eine Radikaldarstellung ist an dieser Stelle falsch, dass ist ähnlich wie wenn "Antibiologistiker" Rassenhygienebücher des 19 Jh. zur Untermauerung ihrer Thesen zitieren und als Ansicht der "Biologisten" darstellen. "The greatest Show on Earth" ist beispielsweise ein aktuelles und wesentlich differenzierteres Werk Dawkins. Auch auf Seite 20 werden Dawkins Aussagen zum Altruismus unterstellt, die so vielleicht in "Das egoistischen Gen" enthalten sind, aber später von ihm anders dargestellt werden, z. B. durch Antizipierung späterer (sozialer) Vorteile und Gefolgschaft, was nachweislich sinnhaftig ist.
S. 23: Das Recht des Besitzenden dürfte beim Menschen natürlich gesehen stark eingeschränkt bzw. gemischt auftreten mit Phasen, in denen das Recht des Stärkeren weit überwiegt.
S. 31: Die Darwin'sche Evolutionstheorie (Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl) hat mit Malthus keinen direkt Bezug bzw. nur wenige Schnittstellen. Das unter natürlichen" Bedingungen der Fertilitätsdrang höher als die "natürliche" Mortalität sein muss ist kausal zwangsweise notwendig und letztlich trivial.
S. 57: Im Ausflug zur Gier (Kapitel 5) wird mir Stellenweise das altruistische Prinzip zu wenig beachtet, obwohl der Autor sonst durchaus ausführlich darauf eingeht.
S. 65/228: Auf diversen Seiten kommt immer wieder ... ich erwähnte es bereits...", was einen leicht aufgesetzten bzw. Oberlehrerhaften Charakter hat
S. 86: Beispielhaft hier eine Satzlänge über 5 Zeilen mit x Einschüben, welche den Lesefluss unnötig verkompliziert.
S. 93ff.: Die (eventuellen) Stabilisierungstendenzen durch religiöse Fertilität unabhängig vom Intelligenzniveau fehlt hier - wie allerdings in allen Werken zur Thematik. Das müsste zumindest für Deutschland gelten, d.h. religiöse Menschen haben unabhängig vom Intelligenzniveau mehr Kinder als Nichtreligiöse, siehe auch Studie Berlin Institut für Bevölkerung zur Thematik..
S. 115: Der Begriff "Peers" im Sinne sozialer Gruppen (z.B. Jugendclique) hätte zumindest kurz erklärt werden können.
S. 126: Eine englische Quelle, z.B.: [...] ist hier wesentlich aussagekräftiger und neutraler als das deutsche Wikki
S. 126: Die Annahme einer stabilen Bevölkerung ist eher nicht realistisch, Stabilität ist generell in der Natur langfristig quasi nicht vorhanden. Man sollte grundsätzlich meiner Meinung nach geringes humanes Wachstum anstreben. Realistischerweise wird es aber immer Zyklen (auf und ab) geben.
S. 146: Der philosophische "Popper-Ausflug" ist leider sinnlos, da er nicht weiter erläutert wird. Zum Verständnis wäre Sekundärliteratur erforderlich, was nicht sinnvoll ist. Wenn Anekdoten etc. präsentiert werden, dann sollten sie auch nachvollziehbar beschrieben werden.
S. 148: Hier bin ich mir über die Deutung und vor allem die abgeleitenden Schlussfolgerungen nicht klar. Selbst wenn Eva H. die NS-Familienpolitik als - teilweise - sinnvoll erachten würde, so wäre das doch nicht prinzipiell verwerflich. Warum sollte das so sein, schließlich werden Autobahnen auch nicht grundsätzlich hinterfragt, weil Hitler sie für die schnelle Truppenverlegung vorgesehen hatte. Die Argumentation, sie habe auf keinen Fall Teilaspekte der NS-Familienpolitik oder Werte aus dieser Zeit in einem positiven Licht erscheinen lassen erschließt sich mir nicht.
S. 157: Sich selbst als Überflieger zu bezeichnen wird der Wissenschaftlichkeit des Werkes nicht gerecht, es wäre auch nicht notwendig, selbiges ebenfalls auf S. 204. Die Anmerkung, dass das Buch (wahrscheinlich) nicht kostendeckend für den Autor ist, ist deplaziert und lamentierend", da diejenigen, welche es lesen daran ja wohl keine Schuld haben.
S. 160-162: Auch hier kann man ein Anekdote zur mathematischen Genialität des Autors finden (er hat ein schwieriges mathematischen Problem als Student gelöst). Zudem ist die Kausalkette schwach, da mathematische Beweise doch i. d. R. recht eindeutig mittelfristig bewiesen werden können - was der Autor dann auch einräumt. Damit ist aber dann auch das Beispiel "Mathematikbeweis" für wissenschaftliche Zensur eben nicht sehr geeignet.
S. 176: Hier wird eine schrumpfende Bevölkerung (wiederholt) als generell positiv dargestellt, was fraglich erschient und ohne Kausalbeweis im Raum steht. Zwar gibt es aktuell sicher eine Ressourcenüberbeanspruchung" auf der Erde, jedoch ist es fraglich, ob dies zu einer absoluten Bevölkerungshöhe in Verbindung steht. Denn das hätte man ja auch in Mitteleuropa des 17 Jahrhunderts. feststellen können. Es handelt sich auch hier um ein (wie von Mersch ja sonst vollständig erfasst) qualitatives Problem. Die uns prinzipiell von der Sonne zur Verfügung stehenden energetischen Ressourcen würden noch wesentlich höhere Bevölkerungszahlen erlauben, wenn eben das technologische Niveau entsprechend ausreichend hoch wäre (es eben genug intelligente Mathematiker, Ingeneure, Agraringenieure etc. gebe). Als Extrembeispiel liese sich die Bevölkerung und Ressourcennutzung des Sonnensystems anführen, welche naturwissenschaftlich definitiv möglich ist. Wenn nat. die Masse der Bevölkerung unter IQ 90 liegt - mit fallender Tendenz - ist das in der Tat dann ein Überbevölkerungsproblem, da eine Säugetier unserer Größe ohne unsere kognitiven Fähigkeiten (und damit ohne ein entsprechendes technologisches Niveau) ganz sicher nicht eine Population von 7 Milliarden auf der Erde aufweisen würde (Schätzungen gehen von max. 10 Mio. aus). Wäre der durchschnittlich IQ der Weltbevölkerung allerdings z.B. 120, so wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Bevölkerung von 10 Milliarden aufgrund des resultierenden technischen Niveaus absolut tragbar. Demographische Quantität kann in meinen Augen niemals ohne die Betrachtung der Qualität sinnvolle Aussagen liefern.
S. 184: "Agnostikertheorie" beziehungsweise Bekenntnis als Agnostiker sehr fraglich, dann könnte man auch ein fliegendes Spagettimonster" als nicht falsifizierbar deklarieren, es wäre sogar wahrscheinlicher (als eine undefinierte übermächtige göttliche Entität), da es zumindest Spagetti ja gibt. Jede denkbare Absurdität ist nach diesem Prinzip genauso möglich wie die Existenz "Gottes". Zudem ist die Gleichsetzung einer - wie auch immer gearteten - Entität mit "Gott" sehr fraglich. Man sollte generell die Nichtfalsifizierbarkeit keineswegs auf eine Stufe mit einer wissenschaftlich falsifizierbaren (oder eben nicht falsifizierbaren) Theorie stellen.
S. 185/189: Die Kritik am Ansatz, dass letztlich DNA die zentrale Triebfeder und Reproduktionseinheit darstellt ist sehr fraglich, da eben tatsächlich intergenerativ nur DNA (bzw. das Genom eines Lebewesen mit dem Speicherbausstein DNA) reproduziert wird und sich direkt und indirekt fortpflanzt, hier hat Dawkins völlig recht, ein Körper ist eine phänotypische Ausprägung seines Genotyps + Umwelt. Nur Evolution produziert autarke Systeme, sonst nichts. Nur die (befruchtete) DNA entwickelt letztlich einen autarken biologischen Organismus (ein biologisches System), die Mechanismen dafür sind heute sehr gut bekannt, es gibt umfangreiche Fachliteratur dazu. Ein biologisches System kann nur über die DNA seine "Kompetenzen" langfristig sicher weiterreichen (neben Kultur beim Menschen, dass aber ist fragil und unsicher).
S. 196: Die Erkenntnisse der "youth-bubble"-Theorie sind richtig, im Prinzip jedoch sehr trivial. Es ist mit gesundem Menschenverstand absolut klar, dass eine Bevölkerung, welche sehr viele junge (Männer) in den 20er'n aufweist wesentlich instabiler/politischer/aktiver auftritt als z.B. das (völlig unnatürliche) Deutschland des frühen 21 Jh., welches bald ein Durchschnittsalter von 50 Jahren aufweisen wird. Das erklärt auch Vieles was z. Zt. passiert.
S. 200: Ob Harems (z. B. im Islam) im Allgemeinen wirklich "Frauenverknappend" waren, ist schwer zu sagen, da das stark von der gesellschaftlichen Durchdringung dieser Lebensform abhängt (beispielweise dürfte das nach Kriegszügen nur bedingt der fall gewesen sein). Der nat. zustand eines Patriarchats ist Frauenüberschuss aufgrund wesentlich höherer männlicher Mortalität. Man hätte es zumindest mit Quellen untermauern müssen. Es dürfte zumindest nicht zutreffen, wenn es nur einige wenige "Herscherfamilien" betrifft. Der Niedergang des Islam hing allerdings auch mit Frauenimport aus (Sub-Sahara)Afrika in Umfängen zusammen, dies weist vielleicht auf einen Frauenmangel hin.
S. 201: Informationsspeicherung und Erhalt ist (wie von Dr. V. Weiss angemerkt) nicht umsonst, Informationsbackup auf z.B. Servern braucht im Gegenteil schon heute erhebliche Mengen an Energie - Tendenz steigend. Wer schon mal in einem Serverraum war kann das spüren. Auch optische Medien sind nicht beständig. Informationsspeicherung und Verarbeitung verbraucht Energie und je komplexer die Prozesse, desto mehr.
S. 207: Das Beispiel der Aktien für nicht-reale Werte an (z.B. an Börsen) ist eher schlecht gewählt, da Marktkapitalisierung (Aktienwert*Anzahl) in der Regel durchaus an reale Kenngrößen wie Umsatz (KUV), Gewinn (KGV) usw. gebunden ist. Der Derivatemarkt mit seinen Verbriefungen auf Verbriefungen und der Möglichkeit, Underlyings (z.B. Aktien) exorbitant zu hebeln wäre das wesentlich bessere Beispiel gewesen.
S. 210: "Superorganismen" schaffen keine "Interdependenezen" aus sich heraus, da sie im Gegensatz zu Menschen eben keine Entscheidungen aus sich heraus hervorbringen (ob bewusst und/oder unbewußt ist dabei nicht wesentlich), sie sind eben nicht "intelligent".
S. 222: Das Klonen von Menschen ist heute bereits prinzipiell möglich, da auch schon andere höhere Säuger geklont wurden, es wird (?) nur aktuell nicht gemacht.
S. 232: Die häufig im Buch anzutreffende unterschwellige Kritik an stattlichen Einrichtungen zur Kindererziehung ist äußerst fraglich. Immerhin lässt sich der offensichtlich BRD-konservativ geprägte Autor nicht mehr zu Aussagen wie in "Hurra, wir werden Unterschicht" hinreisen, Gruppenbetreuung in z.B. Kindergärten wäre im Hinblick auf die epidemischen Infektionskrankheiten dort nicht wünschenswert, obwohl es eine bessere Schulung des Immunsystems gar nicht geben kann. Eine Fertilität von 1,8 ist in meinen Augen höchsten sehr mittelfristig sinnvoll, zumal nicht immer eine Fertilität von 2,05 Bestands erhaltend sein dürfte.
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8 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lektüre vorzeitig abgebrochen, 17. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mein Neffe ist so begeistert von diesem Buch, dass ich mich genötigt sah es auch anzuschaffen. Normalerweise hätten mich Aufmachung und Titel bereits ab gestossen. Weil dieser junge Mann aber in seiner ganzen Lebenshaltung so stark von diesem Werk geprägt ist, versuchte ich ihn zu verstehen. Prinzipiell ist der Versuch Evolutionstheorie auf gesellschaftliche Phänomeme anzuwenden ja auch interessant. Mich haben aber schon die ersten Kapitel so wenig angesprochen dass ich die Lektüre aufgegeben und das Buch entsorgt habe. Ich bedaure nur, dass es anderen Lebensmut und Lebensfreude raubt.
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4 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach nur! Danke!, 3. April 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sehr interessante Lektüre und wohl die einleuchtenste Erklärung des demographischen Wandels und seiner Folgen für unsere Gesellschaft. Ich habe verstanden!

Vielen Dank Peter Mersch!
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4 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein außerordentliches, bedeutsames Buch., 20. November 2011
Seine richtige Einsicht, daß anorganische, biologische, soziale und technische Evolution einen gemeinsamen physikalischen Nenner haben, nennt Mersch "Systemische Evolutionstheorie". Er steht mit dieser Einsicht nicht allein da und ist auch nicht der erste. Als Beispiel verweise ich auf: Swenson, R.: Emergent attractors and the law of maximum entropy production: Foundations to a theory of general evolution. Systems Research 6 (1989) 187-198. Die Evolution führt eben nicht einfach nur zu einer Maximierung des Energiedurchflusses, denn dann wären die Ölverschwender am Golf die am weitesten fortgeschrittenen Gesellschaften, sondern zur Maximierung des schnellsten Zugewinns an Informationsentropie bei möglichst geringen Energiekosten auf allen Ebenen. Mersch erschwert das Verständnis seiner Argumente, indem er neue Begriffe einführt, wie etwa Kompetenzspeicherung, anstatt sich konsequent auf den Begriff und das Maß Informationsentropie und seine unmittelbaren Ableitungen zu beziehen und zu beschränken.

Hat man sich aber einmal in das Denkgebäude des Verfassers eingelesen, so wird man insbesondere in den Kapiteln "Das antibiologistische Weltbild", "Geschlechterverhältnis", "Die Rolle der Medien" und "Die Rolle der Wissenschaften" durch bildhafte Sätze und Vergleiche belohnt, die man in eigenen Veröffentlichungen gern aufgreifen und zitieren möchte. Mersch ist Mathematiker und Finanzberater. Er sieht und versteht Unternehmen als Superorganismen. Als Superorganismen können sich aber auch Berufsstände, Zünfte, Gewerkschaften, Parteien, Sekten, Bürgerschaften, Vereine, Völker und manches mehr verhalten, ständig oder zeitweise.

Bei einem Vorläufer dieses Buches, siehe Evolution, Zivilisation und Verschwendung. Über den Ursprung von Autos, Banken und Mobiltelefonen, gab es zwischen Mersch und mir ein Mißverständnis, da mir der Tonfall nicht gefiel, mit dem er die Allgemeingültigkeit des Darwinismus wegzuwischen schien. Mersch hat aber richtig beobachtet: Ab einem bestimmten Punkt der menschlichen Evolution scheint der Darwinismus außer Kraft gesetzt. In meinem nächsten Sachbuch (das Manuskript liegt im Lektorat) werde ich aber die Erklärung liefern: Je höher die Informationsentropie der Strukturen ist, desto größer der Energiebedarf, der allein schon zur Aufrechterhaltung der Strukturen benötigt wird, geschweige denn zur ihrer Weitentwicklung. Deshalb geht der Zusammenbruch einer jeden Zivilisation mit dem Schwinden ihrer energetischen Grundlagen einher. Der Evolutionsmechanismus, der den jeweils Schnelleren überleben läßt, beschleunigt die Evolution in ihrem Gesamtgefüge, überfordert oder erschöpft letzendlich die Energiequellen, führt dabei zum Umschalten von positiver auf negative Selektion und erweist sich damit letztendlich als ein im Plan der Welt vorgesehener Regulations- und Selbstzerstörungsmechanismus, dem auch die biologische, technische und soziale Entwicklung der Menschheit unentrinnbar ausgeliefert ist.

Denn das Schicksal einer jeden Zivilisation wird durch ihre energetischen Grundlagen bestimmt. Seit dem 17. Jahrhundert ist durch die Nutzung fossiler Brennstoffe eine weltumfassende Industriegesellschaft entstanden. Die billige Energie hat eine nie dagewesene Bevölkerungszunahme ermöglicht. Die Aufstiegsphase war mit größeren Kinderzahlen der wirtschaftlich Tüchtigen und einem Ansteigen des durchschnittlichen IQ verbunden. In der folgenden Entwicklungsphase dreht sich das um, die Abhängigen von Sozialhilfe haben die meisten Kinder und der durchschnittliche IQ sinkt wieder, eine IQ-Lücke reißt auf. Eine positive Selektion im Sinne Darwins wird damit in der Abstiegsphase durch eine Zeit mit negativer Selektion abgelöst. Damit wird für die Art als Ganzes durch den Sturz in eine Katastrophe die Wiederanpassung an ihre energetischen Grundlagen erreicht. Diese Einsicht habe ich in aller Deutlichkeit gelesen zuerst in Das biologische Massenwirkungsgesetz. Ursache von Aufstieg und Untergang der Kulturen. Auch mein Roman Das Tausendjährige Reich Artam: Die alternative Geschichte 1941-2099 handelt davon.

Etwa um 2008 ist weltweit der Höhepunkt der weltweiten Erdölförderung überschritten worden, und die Industriegesellschaft tritt damit in ihre Allgemeine Krise ein. Der Wettbewerb der Produzenten führt dazu, daß es sich um eine Beschleunigungskrise handelt. Der Wettlauf aller in die Armut hat begonnen. In der Abstiegsphase der Industriegesellschaft wäre ein Maximum an Innovation und Kreativität gefordert, denn wenn man die Krise schon nicht meistern kann, sie dann doch wenigstens mildern möchte.

Die Entfesselung der notwendigen kreativen Kräfte wird aber durch die inzwischen herrschende Gleichheitsideologie erschwert oder gar verhindert. Denn die Massengesellschaft hat seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts in den Industriestaaten Demokratie und Sozialstaat nach sich gezogen oder Frühformen des Kommunismus. Das Gleichheitsstreben setzt vor allem im Bildungswesen an, wo die Doktrin durchgesetzt worden ist, daß Intelligenzunterschiede durch soziale Unterschiede verursacht werden und nur dadurch. Im 20. Jahrhundert hat fast überall eine Ideologie gesiegt, die den Gedanken an oder gar Forschung über die Erblichkeit von Intelligenzunterschieden als ein Verbrechen gegen die herrschende Meinung stempelt. Damit ist auch jeder Sozialpolitik, die danach streben möchte, daß mehr begabte Kinder geboren werden, die Grundlage entzogen. Die IQ-Lücke kann nicht mehr geschlossen werden. Mersch durchschaut das in seiner ganzen Tragweite.

In einer Demokratie ringen die Parteien um die Gunst der Wähler und können das nur, indem sie sich in Versprechungen überbieten. Je höher die Wahlbeteiligung ist, desto mehr Segnungen verteilt der Umverteilungsstaat, der Sozialstaat. Die Verteuerung der Energie hat führt aber dazu, daß es eigentlich nichts mehr umzuverteilen gibt, so daß an diese Stelle der Wettlauf um oder gegen die Schulden getreten ist. Wie alle politischen Ordnungen trägt damit die Demokratie ihren Selbstzerstörungsmechanismus in sich. Und Mersch sagt ja schon im seinem Titel: Ich beginne zu glauben, dass es wieder Krieg geben wird.

Wer sich durch Erkenntnis oder Teilerkenntnis aus diesem Ablauf auszuklinken versucht, läuft Gefahr, gnadenlos auskonkurriert und in den Gesamtprozeß zurückgeworfen zu werden. Das alles hatte seine Grenzen, so lange diese Zerstörung nur regional erfolgte und - ausgehend von einem niedrigen Niveau - eine Erneuerung der energetischen Grundlagen möglich war, wie das vor 1500 der Fall war. Die Entwicklung der Industriegesellschaft baut jedoch auf der Ausbeutung fossiler Energie auf, die gegenwärtig weltweit zur billigeren Hälfte abgebaut ist und sich nicht erneuern wird. Doch nach wie vor ist die Geschwindigkeit des Wandels ein Selektionsvorteil, selbst noch im Abschwung.

Mersch kann es nicht lassen, in seinem Schlußkapitel "Was tun?" Ratschläge zur Weltverbesserung und Weltrettung zu geben. Ich befürchte, keine seiner gutgemeinten Ideen, von denen er manche ja unermüdlich und zum wiederholten Male vorbringt, wird Gehör finden. Wenn er dann darüber nachdenkt, warum das so ist, vielleicht auch nicht anders sein kann und ob es nicht auch ein gesetzmäßige Erscheinung ist, eine Folge der systemischen Evolution, dann schließt sich der Kreis auch für ihn. Doch es irrt der Mensch, solang er strebt.

Leider fehlt dem Buch ein Sachregister, auch die Seitenangaben der zitierten Erstautoren einschließend.
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3 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Völker als Einheiten der Evolution bleiben unbeachtet, 24. November 2011
Von 
Ingo Bading (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Beim Lesen von Peter Mersch kann man es immer wieder begeisternd finden, wie heutzutage wissenschaftsnahe Menschen ganz unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen kommen, wenn sie vorurteilsfrei und ideologiefrei die aktuellen Ergebnisse der Wissenschaft - und zwar möglichst in einer großen Breite - zur Kenntnis nehmen und sie mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, insbesondere den demographischen in Abgleich bringen. Man nimmt dann auch dieselben Dinge als wichtig wahr (etwa hier die Äußerungen von Frank Schirrmacher). Und all das macht hoffnungsfreudig, daß sich auf diesem Weg allmählich ein neuer gesellschaftlicher Konsens herausbildet, allein dadurch, daß Menschen eben wissenschaftsnah und ideologiefrei zu einem in sich widerspruchlosen Weltbild und auch einer ihm entsprechenden Ethik zu gelangen suchen. Und das obwohl sie dabei ursprünglich oft von den unterschiedlichsten Ausgangspunkten her kommen mögen.

Zu 80 bis 95 Prozent kann man auch in diesem Buch - wie fast immer - den von Mersch geäußerten Gedanken voll und ganz zustimmen. Das betrifft ja insbesondere auch die seit dem Sozialreformer Gerhard Mackenroth im Raum stehende Forderung nach Verteilungsgerechtigkeit für kinderreiche Familien, die nur durch die Zahlung eines Erziehungsgehaltes für Mütter und Väter - und durch die effizienten Lohnforderungen einer Gewerkschaft der Eltern und prospektiven Eltern parallel zu dem derzeit gesellschaftlich eher unbewußt als bewußt aufrechterhaltenen Geburtenstreik - zu erreichen ist. (Deshalb könnte es ja auch sinnvoll sein, Mitglied der "Familienpartei Deutschlands" zu werden.)

Während nun Thilo Sarrazin in Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen Deutschland und das deutsche Volk stellt - und zwar in Einklang mit der modernen Evolutionären Anthropologie -, bezieht Peter Mersch merkwürdigerweise die Superorganismus-, bzw. Gruppenselektionstheorie der modernen Soziobiologie und Theoretischen Biologie in seinem Buch ausschließlich auf "Unternehmen". Das ist schon wirklich merkwürdig. Unternehmen sind natürlich zunächst einfach eine Folge der arbeitsteiligen Gliederung unserer Gesellschaft. Und von diesem Umstand aus zu interpretieren. Und der Evolutionäre Wirtschaftswissenschaftler Christian Cordes sagt ja auch schon, daß sogar in Unternehmen ethnozentrische oder quasi-ethnozentrische Motive wirksam sein können.

Dennoch bleibt es auffällig, daß Peter Mersch jenen Gruppen, bzw. "Superorganismen", auf deren Ebene und in deren Rahmen Jahrzehntausende lang Humanevolution stattgefunden hat, offenbar mit keinem Wort erwähnt und berücksichtigt. Nämlich die Ethnien. Es zeichnet sich heute das Wissen ab, daß das aschkenasische Judentum den durchschnittlich höchsten Intelligenzquotienten einer Ethnie weltweit evoluieren konnte, weil es vor etwa tausend Jahren eine kulturelle Fortpflanzungsschranke gegenüber dem sephardischen Judentum etablierte. Damit wird klar, daß wesentlichste Eigenschaften des Humanums (etwa Intelligenz) auch noch innerhalb der letzten tausend Jahre in dem Superorganismus "Volk", Ethnie evoluiert sind.

Zugleich wird übrigens an diesem Beispiel klar, daß sich Völker an die Lebensweise als "Dienstleistungsgesellschaft" durchaus auch genetisch anpassen können. Das aschkenasische Judentum darf man wohl - unter anderem aufgrund seiner besonderen beruflichen Spezialisierungen - schon seit etwa tausend Jahren als eine "Dienstleistungsgesellschaft" ansprechen, die eine "Parallelgesellschaft" inmitten der sie umgebenden Agrargesellschaften darstellte.

Die hier vorliegenden "gruppenevolutionären Strategien" sind insbesondere sehr gründlich von dem amerikanischen Soziobiologen Kevin MacDonald in seiner Trilogie (1994, 1998) herausgearbeitet worden (siehe als erste deutsche Übersetzung: Absonderung und ihr Unbehagen: Auf dem Weg zu einer Evolutionären Theorie des Antisemitismus. Analyse der Hintergründe des Antisemitismus"). Aber die vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms und die Auswertung der hierbei erlangten Daten weltweit und dem daraus gefolgerten
- Theorem von der "jüngsten, lokalen Humanevolution" in Verbindung mit der
- Theorie der Gen-Kultur-Koevolution, in Verbindung mit der
- Theorie von der Gruppenselektion, in Verbindung mit der
- Theorie von der auch noch beim Menschen wirksamen Verwandtenerkennung bei der Unterscheidung von Rassen und Völkern, in Verbindung mit der
- Theorie von der Kennzeichnung von Gruppenzugehörigkeit durch kulturelle Marker ("badging")
fördert ja immer mehr die Erkenntnis zu Tage, daß das, was für das aschkenasisch-jüdische Volk gilt, für alle Völker gilt: Völker sind bis heute die Einheiten der Humanevolution.

Und in Zusammenhang mit dieser Erkenntnis besteht Anlaß, Kritik und Ergänzungen zu dem Buch von Peter Mersch auf theoretisch noch etwas grundlegenderer Ebene anzusetzen. Mersch spricht ja insbesondere von "Gier". In der allgemeinen Form, in der sie von Mersch gefaßt ist (auch Neugier, also Wissenserweiterung umschließend, auch Kinderreichtum umschließend) eröffnet es sicherlich manche interessante Sichtweise auf gesellschaftliche Verhältnisse. Insgesamt scheint einem dieser Ansatz aber doch noch viel zu unscharf. Insbesondere dann, wenn es um die Ursachen von künftigen Kriegen gehen sollte. Die sind doch wohl etwas konkreter zu fassen heute, als nur aufgrund irgendeiner diffusen Gier.

Evolution von Altruismus und von Boshaftigkeit

Mersch nimmt doch auch Bezug auf die berühmte Gleichung von George Price. Also muß er doch wissen, daß Price Bill Hamilton gegenüber zum ersten mal davon gesprochen hat, daß seine Gleichungen es erlauben, nicht nur die Evolution von Altruismus zu beschreiben, sondern auch die "evolution of spite", also die Evolution von Boshaftigkeit. (Siehe "Narrow Roads of Gene Land: The Collected Papers of W. D. Hamilton Volume 1: Evolution of Social Behaviour (Narrow Roads of Gene Land Vol. 1)".)

Soweit ich das überblicke, ist diese Fragestellung insgesamt von der Theoretischen Biologie wohl noch nicht allgemein genug aufgearbeitet worden. Es sind ja hier insbesondere noch die Themen "deception" und "self-deception", sowie "cheater detection" mit zu analysieren. Also Täuschung, Selbsttäuschung und die Fähigkeit, Täuschungen zu durchsschauen. Gerne auch gesellschaftsweite Phänomene diesbezüglich. Daß diese Thematik aber den Soziobiologen voll bewußt ist, ist ja nicht nur den Werken von Kevin MacDonald zu entnehmen, insbesondere dem dritten Band "The Culture of Critique: An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements". Sondern ebenso manchen Äußerungen von James Watson, der natürlich Kevin MacDonald gelesen hat.

Oder auch veröffentlichten Gesprächen zwischen dem Soziobiologen Robert Trivers und dem Sprachforscher und kritischen politischen Kommentator Noam Chomsky. Damit sind nur wenige Beispiele genannt (die ich alle schon irgendwo auf meinen Blogs angesprochen habe). Diese Thematik deutet sich ja auch überall in dem Buch von Richard Dawkins Der Gotteswahn an. Insbesondere auch an der Stelle, an der er den Soziobiologen John Hartung behandelt. Es ist natürlich - zum Beispiel - ein Jahrtausende langes Ausnutzen der Selbsttäuschungsfähigkeiten der Völker gewesen, wenn man diesen vor allem immer nur eine "liebevolle", "gütige" Seite des biblischen Gottes gegenüber hervorkehrte, obwohl doch eine andere, grausame, vernichtende Natur desselben immer wieder überall zugleich ebenfalls durchblitzte. Auch im Handeln seiner Anhänger.

"Schurkenstaaten", "Achse des Bösen" - der Geist des Alten Testamentes

Würden alle die hier angesprochenen Themen grundlegender theoretisch auf der soziobiologisch ultimativen Ebene durchdacht werden, dann wären natürlich ebenfalls (etwa im Sinne der Ansätze von John Hartung und Kevin MacDonald) von hier aus die religiösen und okkulten Grundlagen zu analysieren, die heute noch im "unternehmerischen" Handeln von einflußreichen Lobbymächten - etwa der amerikanischen Neokonservativen - wirksam sind. Etwa beim Handeln von "Economic Hit Men" (siehe Confessions of an Economic Hit Man). Man vergleiche nur die Begrifflichkeiten "Schurkenstaaten", "Achse des Bösen". Diese sind ja eindeutig vom Geist des Alten Testamentes inspiriert. Ebenso sehr häufig die Art der amerikanischen Politik, Geheimpolitik und Kriegsführung. Und ebenso der vieler anderer Staaten (etwa Morde als Mittel der Kriegsführung, ekelhafte Verhöhnung der Mordopfer, Freude über Morde etc. pp..).

Und dann wäre eben grundlegender zu behandeln: Das Alte Testament kennt ja nicht nur die Aufforderung zum Altruismus und zu seiner Bekräftigung, ja, die Fanatisierung in seinem Sinne - nämlich gegenüber der eigenen Ethnie und Religionsgemeinschaft. Sondern es kennt auch die Aufforderung zur Boshaftigkeit, zur Vernichtung gegenüber anderen Ethnien und Religionsgemeinschaften. Womit das Alte Testament eine klar satanistische Religion repräsentiert. Für die nichtabrahamitischen Götter (und damit Religionen und Völker) ist (der jüdische, christliche und islamische) "Gott" im wortwörtlichen Sinne Satan, weil dieser ("eifernde") "Gott" alle nichtjüdischen Götter als satanisch-teuflisch kennzeichnet und dementsprechend behandelt wissen will. Das Alte Testament ist Volksverhetzung pur.

Und diese hat Auswirkungen noch heute auf das Denken etwa von israelischen Schulkindern, wir Richard Dawkins in "Gotteswahn" anhand von Studien aufzeigt.

Peter Sloterdijk: "Feindvernichtungs-Gebete"

Und aus dieser Grunderkenntnis der auch von Peter Sloterdijk behandelten und in ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung gewürdigten alttestamentarischen "Feindvernichtungs-Gebete", also der "thymotischen Energien" der Weltgeschichte (siehe Zorn und Zeit: Politisch-psychologischer Versuch (suhrkamp taschenbuch)), ist natürlich - auch - ein großer Teil jener "Gier" abzuleiten, die wir heute - etwa - bei der Umverteilung in Richtung auf dünne Eliten beobachten und die im schlichtesten und einfachsten Verständnis dessen, was Karl Marx meinte, "Ausbeutung" und "Mehrwertabschöpfung" sind. (Sarah Wagenkneckt und Oskar Lafontaine fehlt hier die Emphase, fehlen die thymotischen Energien eines Karl Marx, sonst hätte das längst schon schlagkräftiger in die öffentliche Debatte geworfen werden können.)

Aber all das ist eben nicht nur von "weltlicher", materialistischer "Gier" motiviert. Sondern diese Gier wird - - - "im Auftrag Gottes" praktiziert. Und dadurch erst erhält sie diese heutige, unglaublich mörderische und seelenmörderische, intelligenzmordende Dimension.

"Unternehmen" und Völker: Koevolution von Täuschung und Täuschungsentlarvung

Und wenn man nun weiterhin berücksichtigt, daß derartige Bosheiten anderen Ethnien gegenüber nicht mehr - wie etwa in der Antike von den Assyrern praktiziert - in aller Offenherzigkeit verfolgt werden (können), weil man damit nicht ans Ziel käme, da das von vornherein verabscheut würde, sondern unter geschickter Ausnutzung der Selbsttäuschungsfähigkeiten der menschlichen Vernunft und schon spätestens im Mittelalter über zum Teil verdeckt arbeitende Mönchs- und (Ritter-)Orden, Priesterkasten und Lobbygruppen und schließlich über Geheimdienste (über die übrigens auch schon die Assyrer verfügten) und Geheimpriesterschaften und Geheimgesellschaften, dann ist eben dieser ganze Bereich der Koevolution von Täuschung und Täuschungsentlarvung in den letzten 2000 Jahren Weltgeschichte ebenso mitzuanalysieren.

Wenn das aschkenasisch-jüdische Volk heute das genetisch intelligentste Volk der Erde ist, dann wird genau dieser Umstand eine Folge dieser Koevolution sein. Und wenn heute Völker zunehmend mehr genetisch verdummen oder verdummen sollen, dann darf das ebenfalls auf solche Zusammenhänge zurückgeführt werden. Das liegt eindeutig in der Zielsetzung des weltgeschichtlich so einflußreichen Alten Testamentes. Und ebenfalls ist die Abwehr dieser Verdummung durch Unternehmen und Völker - etwa durch die Truther-Bewegung, die Inforkrieger-Bewegung, durch investigativen Journalismus, ja, man könnte sogar sagen, durch "investigative Wissenschaft" - ein wesentlicher Teil dieses koevolutionären Prozesses.

Kevin MacDonald hat ja aufgezeigt, wie die Anpreisung auch von atheistischen Ideologien des 20. Jahrhunderts dazu verwendet worden ist, um - sozusagen - alttestamentarische Ziele zu erreichen. Und in diese Zusammenhänge gliedert sich naht- und widerspruchslos das noch heute so intensiv betriebene Propagieren des "antibiologistischen Weltbildes", das Mersch so gut herausarbeitet, ein. Auch das ist von Kevin MacDonald gründlich in "A Culture of Critique" analysiert worden.

Es ist eben zu analysieren, daß es nicht nur Unternehmensgründungen gibt zur Verfolgung von altruistischen Taten, nicht nur Unternehmensgründungen zur Verfolgung aller möglicher eher weniger zielklarer "Gier"-Phänomene, sondern eben auch sehr eindeutig Unternehmensgründungen zur Verfolgung zielklar boshafter, vernichtender Taten, sagen wir, der "Gier", boshafte Dinge zu tun. Letztere Unternehmen sind nur nicht "gar" so bekannt und arbeiten "gar" so offen wie erstere. Ja, unter diese letzteren muß die Gründung ganzer Religionsgemeinschaften und Okkult-Priesterschaften mit einberechnet werden, mit all ihren Kulten, ihren Ritualen, ihrer Kooperationsförderung untereinander und ihrer zielklaren Ausrichtung gegen andere Religionsgemeinschaften und Völker.

Mit diesen Ergänzungen ist noch nicht gesagt, daß allein schon viele Hinweise auf neue, aktuelle wissenschaftliche Literatur durch Peter Mersch beachtenswert und weiterführend sind. Im Ganzen jedenfalls ein wertvoller Diskussionsbeitrag, der ermutigen sollte, bis heute noch weniger beachtete Gebiete der Evolutionären Anthropologie einer wissenschaftlichen Analyse zu unterziehen.
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