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5.0 von 5 Sternen Napoleons ägyptisches Abenteuer, 24. Februar 2011
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Der Versuch Napoleons den Niedergang Frankreichs als Kolonialmacht durch die Eroberung Ägyptens und dem damit verbundenen Zugang zum Roten Meer wieder auszugleichen ist als Fiasko in die Geschichte eingegangen und wurde vom späteren Kaiser der Franzosen als derart beschämend wahrgenommen dass er einen Großteil der dieses Unternehmen dokumentierenden Staatsakten vernichten ließ. Dennoch gibt es mit den Memoiren zahlreicher französischer Offiziere und auch einigen Mitgliedern der mitgereisten 151köpfigen Kommission der Wissenschaft und Künste einige vor allem sehr lebendige Dokumentationen der Expedition. Diese Quellen hat der US-Historiker und Nahostexperte Juan Cole genutzt, um daraus einen ebenso lebendigen Einblick von Napoleons Invasion des Orients zu vermitteln.

Neben den Memoiren von französischen Offizieren, wie den schon eingangs vorgestellten Hauptmann Joseph-Marie Moiret stützt sich Cole allerdings auch die Chroniken des Zeitgenossen Abdarrahman Al-Gabarti, wodurch zu den verschiedenen Perspektiven aus dem französischen Heer auch eine ägyptisch-osmanische hinzu kommt. Die Quellen haben aber auch Coles Blickwinkel geprägt, denn er erzählt die Geschichte vor allem aus den Eindrücken und Erlebnissen der Chronisten und Zeitgenossen heraus, wobei Napoleon bis auf den Verweis auf dessen eigene Memoiren meist eine Nebenrolle zukommt. Stattdessen ist es Cole gelungen vor allem den Alltag der einfachen Soldaten, aber auch der Offiziere in Ägypten einzufangen. "Napoleon in Egypt" ist kein Versuch eine zentrale Fragestellung zu beantworten sondern lediglich eine Historiographie der Invasion Ägyptens selbst, beginnend in der Hafenstadt Toulon wo Napoleon Elemente der Britannienarmee zusammengefasst bis zur abschließenden Bewertung wie sich die Invasion Ägyptens auf Napoleons spätere Politik ausgewirkt hat.

Was zunächst noch nicht offensichtlich zu Tage tritt, Cole hebt den imperialen Charakter des Unternehmens hervor, habe Napoleon trotz anfänglicher Beteuerungen doch schlussendlich versucht eine Kolonie für die Republik zu erobern, die ihr als Sprungbrett nach Indien hätte dienen können. Und dabei stellt Cole etwas überraschendes fest, nämlich dass Napoleon Bonaparte der General der Republik beim Versuch Ägypten zu erobern vor allem auf den islamischen Klerus gesetzt hat. Die Untersuchung Napoleons "Kolonialpolitik" dürfte übrigens durch den aktuellen Bezug geprägt sein, immerhin haben die USA nach unterschiedlichsten Erklärungen die Invasion des Iraks ebenfalls mit dem Argument gerechtfertigt das irakische Volk zu befreien, wie Napoleon es einst gegenüber den Ägypten verlautbaren ließ. Wie schon Außenminister Talleyrand sollten dann auch die Minister George W. Bushs den Widerstand unterschätzen den die Bevölkerung ihren "Befreiern" entgegenbringen würde.

Was Cole allerdings konstatiert, die Chroniken Al-Gabartis, so hilfreich sie für eine Darstellung der osmanisch-ägyptischen Perspektive auch sein mögen, beziehen sich vor allem auf die Sicht der ägyptischen Mittel- und Oberschicht. Die aus einfachen Bauern bestehende Mehrheit der Bevölkerung, welche zwischen die Fronten geriet und oftmals vor den Franzosen floh, schweigt. Dennoch ist Cole der Kontrast durch ein sehr facettenreiche französische Perspektive und der von Al-Gabarti geprägten ägyptisch-osmanischen sehr gut gelungen. Insgesamt hat Cole so eine große Gesamtperspektive geschaffen die zugleich erstaunlich detailreich wirkt. Erzählerisch ist es Cole gelungen einen sehr guten Ausgleich zwischen den Berichten der Zeitgenossen und der Rahmenhandlung zu finden.

Fazit:
Eine hervorragende Beschreibung Napoleons Ägypten-Feldzugs, die sich durch ein detailreiches großes Gesamtbild genauso auszeichnet wie eben eine auch auf die kleinen Dinge bedachte Schilderung des Alltags der französischen Armee.
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5.0 von 5 Sternen Der Lockruf des Orients. Napoleon in Ägypten, 10. Dezember 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Ägyptenexpedition von 1798/99 nimmt eine Sonderstellung unter Napoleons Feldzügen ein, war sie doch das einzige militärische Unternehmen, das den Korsen über die Grenzen Europas hinausführte. Anfang Juli 1798 landete ein französisches Heer von etwa 54.000 Mann in der Nähe von Alexandria. Nach einem strapaziösen Marsch Richtung Süden erreichten die Franzosen Kairo, die Hauptstadt der osmanischen Provinz Ägypten. In Sichtweite der Pyramiden schlug die technologisch überlegene französische Armee die ägyptischen Truppen. Am 24. Juli 1798 zog Napoleon in Kairo ein. Ein Jahr lang hielt er sich in Ägypten und im Nahen Osten auf. Die seit jeher vom Hauch des Exotischen umgebene Ägyptenexpedition ist vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil sie als Geburtsstunde der modernen Ägyptologie gilt. Zu Napoleons Heer gehörte auch ein Stab von etwa 150 Wissenschaftlern, die mit der Aufgabe betraut waren, die Altertümer Ägyptens zu erforschen. Die wissenschaftlichen Erträge des Ägyptenfeldzugs erwiesen sich schon bald als bedeutsamer und langlebiger als die französische Herrschaft am Nil, die schon 1801 wieder endete.

Der amerikanische Historiker Juan Cole blendet in seinem Buch über den Ägyptenfeldzug den wissenschaftlichen Teil der Expedition aus. Ihm geht es um die politischen und militärischen Dimensionen des Feldzuges, den er - im Gegensatz zu vielen anderen Autoren - nicht allein aus französischer, sondern auch aus ägyptischer Perspektive untersucht. Cole greift hauptsächlich auf Memoiren und andere Selbstzeugnisse von Franzosen und Ägyptern zurück. Es gibt eine Vielzahl von arabischsprachigen Quellen, die zeigen, wie die Einheimischen die französische Invasion erlebten und deuteten. In dieser Kombination der beiden gegensätzlichen Perspektiven, in der Spiegelung der unterschiedlichen Wahrnehmungen von Eroberern und Eroberten liegt die große Stärke des Buches. Allerdings wäre es ratsam gewesen, wenn Cole gerade die französischen Quellen in einem separaten Kapitel näher charakterisiert und einer kritischen Analyse unterzogen hätte. Die vielen Memoiren von Teilnehmern und Augenzeugen der napoleonischen Kriege und Feldzüge kann man nicht "einfach so", d.h. unreflektiert benutzen. Fast alle diese Quellen sind lange nach Napoleons Sturz und nach den Ereignissen, über die sie berichten, entstanden. Daher muß man sie mit Vorsicht benutzen. Es wäre ein Trugschluss zu glauben, die von Cole verwendeten Memoiren französischer Offiziere und Soldaten könnten ohne Weiteres ein objektives und wahrheitsgetreues Bild vom Ägyptenfeldzug liefern.

Im ersten Kapitel behandelt Cole die Vorbereitung des Feldzugs und die Motive, die die französische Regierung - das sogenannte Direktorium - zu dem Entschluss bewogen, das zum Osmanischen Reich gehörende Ägypten zu erobern. Die Motivlage war komplex: Eine wichtige Rolle spielte der Wunsch, eine neue Kolonie zu erwerben, um den "überschüssigen Energien des französischen Volkes" ein neues Betätigungsfeld zu erschließen. Die Wahl fiel auf Ägypten, das aus Sicht der französischen Führung ein großes wirtschaftliches Entwicklungspotential zu besitzen schien. Ägypten, am Landweg nach Asien und Indien gelegen, wurde auch deshalb ausgewählt, weil sich das Direktorium von der Kontrolle über den Vorderen Orient und den östlichen Mittelmeerraum einen entscheidenden Vorteil im Konflikt mit Großbritannien, dem Hauptfeind der Republik, erhoffte. Napoleon selbst sprach 1797 davon, dass die Eroberung Ägyptens Voraussetzung für einen Sieg über Großbritannien sei. Weitere Motive kamen hinzu. Das Direktorium, beunruhigt über Napoleons wachsende Popularität, wollte den siegreichen Feldherrn des Italienkrieges von Paris - und von der hohen Politik - fernhalten. Napoleons lebhaftes Interesse an der Eroberung Ägyptens spielte denen in die Hände, die seinen Aufstieg mit Unbehagen verfolgten und ihm ein neues Kommando fern der Heimat geben wollten. Schon damals bemüht, seinen militärischen Unternehmungen den Anstrich einer von hehren idealen getragenen Mission zu verleihen, entwickelte Napoleon eine weitere Rechtfertigung für die Eroberung Ägyptens. Nach der Landung in Alexandria stilisierte er sich zum Befreier und Modernisierer, der gekommen sei, um die Ägypter von ihren vermeintlich "tyrannischen" Herrschern zu erlösen und an die europäische Zivilisation heranzuführen.

In den Kapiteln 2 bis 12 zeichnet Cole anschaulich und farbig nach, wie die Franzosen in Ägypten Fuß fassten, wie sie eine fragile Herrschaft errichteten und wie sie mit der einheimischen Bevölkerung umgingen. Von Anfang an stand die Expedition unter keinem guten Stern. Die logistisch schlecht vorbereitete Invasion erfolgte zur denkbar ungünstigsten Jahreszeit, nämlich im Hochsommer. Etwa 1.500 Soldaten kamen auf dem anstrengenden Marsch von Alexandria nach Kairo ums Leben. An Land konnte Napoleon einige beachtliche Siege erringen, die aber nahezu entwertet wurden, als der britische Admiral Nelson Anfang August 1798 die französische Flotte bei Abukir vernichtete. Die Franzosen beherrschten allenfalls einige größere Städte, aber nicht das flache Land, wo immer wieder Rebellionen aufflammten, deren Niederschlagung die begrenzten Ressourcen der Armee über Gebühr beanspruchten. Die Stadtbewohner, besonders die Einwohner Kairos, begegneten den selbsternannten "Befreiern" zunächst verständnislos und schließlich feindselig. Mit den revolutionären Parolen der Franzosen, die das Land am Nil in eine Republik umwandeln wollten, konnten die Ägypter überhaupt nichts anfangen. Kulturelle Missverständnisse und Verständigungsprobleme waren an der Tagesordnung. Die meisten Franzosen sahen in den Ägyptern die Verkörperung orientalischer Barbarei und Rückständigkeit. Napoleons Versuche, die französische Herrschaft durch den Aufbau einer Verwaltung nach europäischem Vorbild, die Einberufung einer Art von Parlament und die Kooperation mit der muslimischen Geistlichkeit zu stabilisieren, trugen nur bescheidene Früchte. Das Vorhaben, die Ägypter über Nacht auf eine höhere Zivilisationsstufe zu heben, war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Verblüffend sind die Parallelen zu heutigen Versuchen, muslimischen Völkern westliche Wertvorstellungen und Institutionen aufzupfropfen.

Bald empfanden die Ägypter die französische Herrschaft als anmaßend und übergriffig. Repressionen gegen Rebellen, die drückende Steuerlast und vandalenhafte Eingriffe in das Stadtbild Kairos führten schließlich dazu, dass im Oktober 1798 ein landesweiter Aufstand losbrach. Nur mit brutaler Gewalt konnte Napoleon Kairo halten. Etwa 3.000 Aufständische fanden den Tod. Da sich Sultan Selim III. unterdessen entschlossen hatte, Ägypten zurückzuerobern, zog Napoleon mit dem Großteil seiner Truppen nordwärts nach Palästina, wo er sich bis Mai 1799 aufhielt. Im August reiste er nach Frankreich ab. Damit endet Coles Buch, obgleich die Reste der Orientarmee noch bis 1801 in Ägypten blieben. In militärischer und politischer Hinsicht erwies sich die Ägyptenexpedition als Fehlschlag. Es gehört zu den Ironien der Geschichte, dass das Debakel Napoleons Popularität keinen Abbruch tat und den weiteren Aufstieg des Korsen nicht verhinderte. Wie Cole abschließend feststellt, ist der Feldzug trotz allem historisch bedeutsam. Er war der erste neuzeitliche Versuch einer westlichen Macht, eine Teilregion des Orients zu unterwerfen und umzugestalten. Damit steht Napoleons Ägyptenexpedition am Beginn einer nunmehr zweihundertjährigen Konfliktgeschichte, die gekennzeichnet ist vom westlichen Streben nach politischer und kultureller Hegemonie über den Orient und vom Bemühen muslimischer Völker und Staaten, sich dieses Hegemoniestrebens zu erwehren.
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Napoleon's Egypt: Invading the Middle East
Napoleon's Egypt: Invading the Middle East von Juan Cole (Audio CD - August 2007)
EUR 24,37
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