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Iron Curtain: The Crushing of Eastern Europe, 1944-1956
Format: TaschenbuchÄndern
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am 28. Dezember 2014
Über den Ursprung des Kalten Krieges wurde schon derart viel geschrieben, dass es selbst Experten schwer fällt, sich in der ungeheuren Fülle der Literatur noch zurechtzufinden. Für traditionelle Historiker lag die Schuld für den sich ausbreitenden Ost-West-Konflikt eindeutig bei der UdSSR begründet, die mit ihrem aggressiven Verhalten jeden politischen Ausgleich mit den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten unmöglich machte.
Revisionistische Geschichtswissenschaftler sahen demgegenüber Washington in der Verantwortung. Die amerikanische Außenpolitik hätte durch ihre feindselige Haltung dafür gesorgt, dass sich Moskau herausgefordert fühlte. Erst hierdurch wäre es schließlich zur Spaltung der Welt gekommen. Postrevisionistische Forscher betrachteten stattdessen die zwischen konkurrierenden Großmächten übliche Rivalität als die eigentliche Hauptursache für die sich anbahnende Auseinandersetzung.
Für die amerikanische Publizistin Anne Applebaum ist die Sowjetisierung Ostmitteleuropas, die schon im Endstadium des Zweiten Weltkrieges einsetzte, keine direkte Folge der Spannungen in den internationalen Beziehungen der Nachkriegszeit. Sie resultierte vielmehr aus dem Willen der sowjetischen Führung, die von der Roten Armee besetzten Gebiete dem eigenen totalitären System anzupassen und vollständig unterzuordnen. "Alles für den Staat, nichts außerhalb des Staates, nichts gegen den Staat", war das einst von Mussolini definierte und nun im Sinne der kommunistischen Ideologie angewandte totalitäre Grundprinzip, welches zur fundamentalen Umgestaltung der mittel- und osteuropäischen Gesellschaften führte.
Die Autorin, die ihre Arbeit in zwei zentrale Teile aufgliedert, untersucht zunächst die Formierung dieses Umgestaltungsprozesses, von dem kein Lebensbereich verschont blieb. Anschließend analysiert sie die Hochphase des Stalinismus, der als Endziel die Schaffung des "homo sovieticus" als einen neuen Menschen vorsah.

Applebaum konzentriert sich bei ihren Ausführungen auf drei Länder: Polen, Ungarn und auf die von der Sowjetunion kontrollierte Zone Deutschlands. Gelegentlich geht sie auch auf andere Staaten des Ostblocks ein; dies geschieht aber nur am Rande und dient dann lediglich der Verdeutlichung ihrer Argumentation.
Eine Gemeinsamkeit, welche die Staaten der Region miteinander verband, waren die kriegsbedingten Zerstörungen und Verwüstungen. Die Volkswirtschaften lagen danieder; die politischen Institutionen hatten aufgehört zu existieren; moralische Werte und ethische Grundsätze waren dem allgemeinen Überlebenskampf und den Gewaltorgien zum Opfer gefallen. Ganze Bevölkerungsgruppen waren ausgelöscht oder vertrieben worden; von einer Zivilgesellschaft konnte kaum noch gesprochen werden.
In dieses Chaos stießen die sowjetischen Truppen vor, die in ihrem Gefolge sowohl die berüchtigte Geheimpolizei als auch besonders geschulte Kader mit sich führten, deren primäre Aufgabe darin bestand, eine kommunistische Herrschaftsstruktur aufzubauen und die dauerhafte Hegemonie des "Vaterlandes der Werktätigen" sicherzustellen.
Die Erwartung der Kommunisten, sich ihren Machtanspruch demokratisch legitimieren lassen zu können, wurde durch frühe Wahlniederlagen zunichte gemacht. Die Menschen betrachteten die regionalen kommunistischen Parteien nicht zu Unrecht als den verlängerten Arm Moskaus, weshalb ihnen kein Vertrauen entgegen gebracht wurde.
Die örtlichen Kader hatten aber dank der Hilfe ihrer sowjetischen Hintermänner ohnehin erfolgreich damit begonnen, die für sie relevantesten Bereiche von Staat und Gesellschaft systematisch zu unterminieren und letztlich unter ihre alleinige Kontrolle zu bringen. Hierzu gehörten die Organe der inneren und äußeren Sicherheit; Jugendorganisationen, Schulen und Universitäten sowie das Radio, welches als Massenkommunikationsmittel für propagandistische Zwecke unentbehrlich war.
Danach konnten dann auch die politischen und ökonomischen Zustände im gewünschten Sinne verändert werden, ohne dass Oppositionelle noch dazu in der Lage gewesen wären, hiergegen effektiv Widerstand zu leisten.

Im zweiten Hauptabschnitt geht die Autorin ausführlich auf die Auswüchse des Stalinismus ein, die sich nach der kommunistischen Machtkonsolidierung ergaben. Ab 1948 wurde in den ostmitteleuropäischen Sattelitenstaaten der Kampf gegen potentielle, tatsächliche und eingebildete Feinde vorangetrieben. So wurde etwa der Druck auf die katholische Kirche signifikant erhöht.
Aber auch die eigenen Genossen konnten zum Opfer des Unterdrückungssystems werden, dass sie selbst geschaffen hatten. Schauprozesse nach sowjetischem Vorbild sorgten dafür, dass es Sündenböcke gab, denen man die Schuld für die vielfältigen Probleme beim Aufbau des "realexistierenden Sozialismus" anlasten konnte. In der Vorstellungskraft der kommunistischen Propaganda standen diese internen "Volksfeinde" häufig im Dienst des "westlichen Imperialismus", der angeblich alles daran setzte, den Weg in die klassenlose Gesellschaft zu verhindern.
Um eben einen solchen Weg beschreiten zu können, musste man einen "neuen Menschen" kreieren, für den das kommunistische Ideal nicht nur eine Selbstverständlichkeit war, sondern der sich gar keine Welt außerhalb der neuen Ordnung mehr vorstellen konnte. Für den homo sovieticus brauchte man eine neue Architektur, eine neue Kunst, eine neue Literatur und eine neue Bildung, die sich von bürgerlichen Maßstäben grundsätzlich unterschied. In der gesellschaftlichen Praxis musste ein derart umfassendes Programm früher oder später mit der Realität kollidieren. Der Abstand zwischen der kommunistischen Ideologie und dem erlebten Alltag wurde immer unüberbrückbarer.
Hierauf reagierten die meisten Menschen, die weder Parteifunktionäre noch aktive Widerstandskämpfer waren, in zwei Ausprägungen: Die einen betätigten sich als Mitläufer des Regimes; nicht weil sie überzeugte Kommunisten waren, sondern weil sie nicht ihre sozialen und beruflichen Existenzen riskieren wollten. Die zweite Gruppe, die sich mit dem Mitläufertum der ersten Gruppe durchaus überlagern konnte, pflegte einen passiven Widerstand, der sich oft in einer subtilen Verweigerungshaltung manifestierte. Eine komplette Indoktrinierung und Umerziehung der Menschen erwies sich jedenfalls als utopisch.

Offensichtlich wurde dieser Umstand in den Jahren 1953 und 1956, als es in der DDR bzw. in Ungarn zu Aufständen kam, die sich klar gegen die totalitären Herrschaftsstrukturen richteten. Das Proletariat wandte sich von der "Diktatur des Proletariats" ab und konnte nur durch den brutalen Einsatz der Roten Armee gestoppt werden. Trotz der allgegenwärtigen Agitation und Propaganda war es der politischen Klasse nicht gelungen, den Menschen das selbstständige Denken und Handeln ganz abzugewöhnen.
Gerade die vergleichende Perspektive, die Applebaum in ihrer Analyse durchgängig beibehält, macht die Überforderung der "kleinen Stalins" mehr als deutlich. Ohne den "großen Bruder" im Kreml wäre keiner der lokalen Parteifürsten je an die Hebel der Macht gelangt.
Kritisch bleibt anzumerken, dass sich einige sachliche Fehler in den Text eingeschlichen haben, die bei einem besseren Lektorat vermeidbar gewesen wären. Beispielsweise behauptet die Autorin fälschlicherweise, dass Erich Honecker zur "Gruppe Ulbricht" gehört habe. Dies ändert aber nichts daran, dass ihr lesenswertes Buch eine gelungene Revision des Revisionismus darstellt. Stalin und seine Bundesgenossen waren für die Installierung des "eisernen Vorhangs" verantwortlich und nicht die USA oder der Westen. Die totalitäre Unterwerfung Ostmitteleuropas ging unleugbar von Moskau aus. Anne Applebaum lässt an diesem Factum keinen Zweifel aufkommen.

Jürgen Rupp
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am 18. Februar 2013
Hervorragende Darstellung der Entwicklung der sowjetischen Hegemonie während des Kalten Krieges. Stellt eine Reihe von liebgewordenen Vorstellungen über diese Epoche in Frage.
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am 7. Januar 2015
Never before have I ever been so engrossed by such portrait of Cold War History. A truly thorough depiction of life behind the Iron Curtain which takes the reader on a first hand journey into this dangerous past. A fantastic companion for any student of history.
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