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4,5 von 5 Sternen
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am 6. November 2013
Es ist einfach unglaublich was man hier für geradezu lächerliche 20€ bekommt. Man öffnet das Paket und hat ein Buch in den Händen, so detailverliebt gestaltet, wie ich es vorher noch bei absolut keinem Produkt (und schon gar nicht bei einem Buch)gesehen habe.
Hier ist das gesamte Buch die Geschichte und das ursprünglich gedruckte Buch nur die unterste Ebene. Die zweite Ebene bildet der "Übersetzer" des Buches, der mit seinen Fußnoten wichtige Informationen über den "Autor" hinzufügt. Die dritte und innovativste Ebene sind zwei junge Menschen, die dieses Buch und dessen Autor mit, auf die Buchseiten geschriebenen Notizen, analysieren.
Zusätzlich ist das Buch mit Requisiten ausgestattet, die das Lesen und Entdecken zu einem ganz eigenen Abenteuer machen. Das sind Kopien von Zeitungsausschnitten, "echte" Zeitungsausschnitte, auf Servietten skizzierte Pläne, Postkarten, ein Dechiffrier-Gerät, usw... Das Buch ist wunderschön Gebunden und praktisch auf über 400 Seiten ganzseitig Farbbedruckt.

Mein Fazit ist also: Wer sich dieses Buch nicht kauft, verpasst das am liebevollsten gestaltete Lese-Erlebnis, seit ich denken kann und dazu ein unglaubliches Schnäppchen. Dieses Buch wird man unter Garantie niemals wegschmeißen und nur sehr ungern verleihen.

Uneingeschränkte Kaufempfehlung meinerseits!
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Das Konzept ist mehr als außergewöhnlich, denn man hat es hier praktisch mit einem Buch im Buch zu tun – es dreht sich bei “S.” nämlich alles um “Ship of Theseus”, das 1949 erschienene Werk des fiktiven Autors V.M. Straka, das der Leser in seiner Originalform im Schuber vorfindet. “Ship of Theseus” ist zugleich das letzte Werk Strakas, der das Buch vor seinem Tod nicht mehr beenden und die Veröffentlichung seines 19. Romans somit auch nicht mehr erleben konnte. Allerdings hatte es sich seine (ebenfalls fiktive!) langjährige Übersetzerin F.X. Caldeira zur Aufgabe gemacht, Strakas Werk zu beenden und mithilfe der ihr vorgelegten Manuskripte das unfertige letzte Kapitel zu vervollständigen. Wie aus Caldeiras Vorwort aber hervorgeht, weiß bis zum heutigen Tag niemand, wer sich überhaupt hinter dem Namen V.M. Straka verbirgt und es ranken sich unter den Anhängern des Autors zahlreiche Theorien, welche Person für dessen Werke in Wirklichkeit verantwortlich sein könnte. Zu diesen Hardcorefans zählt auch Eric (fiktiv!), ein an seiner Universität in Ungnade gefallener Doktorand, der sein ganzes Leben der Analyse von Strakas Werken gewidmet hat. Dieser lässt sein Exemplar versehentlich in der Uni-Bibliothek liegen, wo es die Studentin Jen (fiktiv!) findet, in das Buch hineinschnuppert und sofort davon fasziniert ist. Fortan entwickelt sich zwischen den beiden jungen Leuten ein lebhafter Austausch über “Ship of Theseus” und dessen Autor, den die beiden anhand von Anmerkungen im Buch selbst austragen.

Klingt kompliziert? Ist es auch, denn man muss sich beim Lesen stets vor Augen halten, dass man es bei “S.” mit drei verschiedenen Ebenen zu tun hat. Basis ist Strakas “Ship of Theseus”, der Roman selbst. Die zweite Ebene stellt die Übersetzerin dar, die in zahlreichen Fußnoten immer wieder auf Besonderheiten gewisser Textstellen, Eigenheiten des Autors oder Schwierigkeiten ihrer Arbeit hinweist. Die letzte Ebene sind schließlich Jen und Eric, die das Buch wie ein Notizbuch benutzen. Bevor man nun an die Lektüre von “S.” geht, muss man sich zunächst einmal überlegen, wie man dieses Projekt überhaupt lesen möchte. Ich habe für mich entschieden, jeweils zuerst ein Kapitel des Straka-Textes inklusive Caldeiras Fußnoten zu lesen und dann in einem zweiten Durchgang Jens und Erics Notizen. Dies wird aber noch dadurch verkompliziert, dass deren Randbemerkungen zu verschiedenen Zeitpunkten vorgenommen wurden und oft nur durch die Farbe der Stifte auseinanderzuhalten sind – und es dauert eine ganze Weile, bis man ungefähr weiß, in welcher Reihenfolge welche Kommentare geschrieben wurden und wie man mit “S.” umzugehen hat.

Wenn man die “Arbeit” – denn als solche muss man es eigentlich schon bezeichnen – beginnt, wird man sich vermutlich in einem seltsamen Zustand zwischen Verwirrung und Euphorie wiederfinden. Für die Begeisterung ist ganz klar die Aufmachung des Werkes verantwortlich, denn “S.” ist wirklich unglaublich liebevoll gestaltet und beeindruckt durch unzählige Details. Das fängt damit an, dass das 1949 veröffentlichte “Ship of Theseus” auch tatsächlich so aussieht, als würde es bereits seit 60 Jahren in der Uni-Bibliothek herumliegen. Der Einband ist klassisch aus Stoff, die Typografie wunderbar altmodisch und die Seiten sind völlig vergilbt und durch Kaffeeflecken und ähnliche Rückstände verunreinigt. Zudem haben die beiden Leser zahlreiche Gegenstände zwischen den Seiten hinterlassen, so z.B. Zeitungsausschnitte, Postkarten, beschriebene Servietten oder Briefe, deren Erkundung einfach wahnsinnigen Spaß macht. “S.” ist mit knapp 24 Euro wirklich nicht gerade billig, aber allein die äußere Gestaltung ist das Geld absolut wert. Vom Poststempeln auf der Ansichtskarte über den Kaffeefleck im Brief bis zu den Büchereistempeln im Einband wirkt alles ungemein authentisch und man könnte bereits Stunden alleine damit verbringen, all die vielen kleinen Details zu entdecken. Bookporn deluxe…

Die Verwirrung entsteht zum einen dadurch, dass man sich ziemlich mühsam seinen Weg durchs Buch finden muss, aber auch durch die Art von Strakas Werk selbst. Das von Doug Dorst (diesmal der reale Autor!) verfasste “Ship of Theseus” liest sich wirklich wie ein alter Klassiker und hat mich nicht selten an Kafkas “Der Prozess” erinnert – nicht nur weil der Name von Strakas Hauptfigur ebenfalls nur aus einem Buchstaben besteht: S. Dieser findet sich ohne Erinnerungen in einer fremden Stadt wieder, wird nur wenig später auf ein mysteriöses Schiff verschleppt und erlebt fortan ein sehr seltsames und surreales Abenteuer, das zudem ziemlich kryptisch erzählt wird. Dieses Mysteriöse ist in den ersten Kapiteln noch aufregend und spannend, allerdings tritt die Geschichte spätestens ab der Hälfte etwas auf der Stelle und zieht sich teilweise doch arg in die Länge. Erschwert wird das ganze dadurch, dass eigentlich niemand genau weiß, was Straka mit seinen rätselhaften Beschreibungen konkret ausdrücken wollte. An dieser Stelle kommen nun sowohl dessen Übersetzerin F.X. Caldeira, als auch Jen und Eric ins Spiel, die versuchen, Strakas Text zu entschlüsseln und die versteckten Hinweise (sofern es überhaupt solche sind) zu finden und zu deuten.

Die Problem für den Leser ist nun, dass die Analyseversuche oft kaum nachzuvollziehen sind, da sich sowohl Caldeira als auch die beiden jungen Straka-Fans bei ihren Recherchen zahlreicher externer Materialen bedienen – z.B. früherer Romane Strakas oder Lexikoneinträge (natürlich beides fiktiv!) –, die für den Leser aber nicht zugänglich sind. Anfangs ist das noch verschmerzbar, da auch Straka-Neuling Jen noch nicht so tief in die Thematik eingetaucht ist, doch wenn sie und Eric sich im späteren Verlauf ihre in wochenlangen Nachforschungen erarbeiteten Theorien über die Identität des Autors um die Ohren hauen, kommt man als Außenstehender kaum noch hinterher. Das ist sehr frustrierend, weil man bei der Lektüre selbst ungemein viel Aufwand investiert, dafür aber nur sehr wenige Informationsschnipsel als Gegenleistung erhält. Nur um mal die Komplexität von “S.” zu verdeutlichen: Das Durcharbeiten eines 50-seitigen Kapitels dauert für den geübten Leser ungefähr zwei Stunden, wobei jeweils ca. die Hälfte für den Originaltext einerseits und die Anmerkungen und Extras andererseits draufgehen. Das ist ungemein fordernd und fühlt sich wirklich so an, als würde man wie früher in der Schule an der aufgezwängten Analyse eines schwer zugänglichen Klassikers verzweifeln. Wenn das Ergebnis dieser Arbeit dann nur immer noch neue Verwirrung ist, dann ist das auf Dauer schon sehr ernüchternd.

Die Bewertung von “S.” fällt mir daher sehr schwer. Einerseits ist das Konzept von J.J. Abrams einfach überragend und verdient locker die volle Punktzahl und das Preis-Leistungsverhältnis ist hier trotz des hohen Preises wirklich sehr gut: Man bekommt nicht nur optisch sehr viel für sein Geld, sondern kann sich auch wirklich viele Stunden mit diesem außergewöhnlichen Projekt beschäftigen – vor allem wenn man es auf die Spitze treiben will und ein wenig im Internet nach weiteren Interpretationsversuchen von “S.”-Fans sucht und sich dabei in weiteren unzähligen Details verliert, die einem selbst beim Lesen gar nicht aufgefallen sind. Auf der anderen Seite bin ich vom reinen Inhalt doch recht stark enttäuscht. Ich tue mich zwar allgemein mit eher drögen Klassikern sehr schwer und man muss “Ship of Theseus”-Autor Doug Dorst auch wirklich zugute halten, dass das Werk sehr authentisch wirkt und mit sehr viel Aufwand und Liebe zum Detail geschrieben wurde. Ich habe es allerdings zum Ende hin leider tatsächlich als sehr langweilig empfunden und war von der Auflösung (sowohl des Straka-Romans, als auch der Jen/Eric-Ebene) sehr enttäuscht, weil der Schluss meiner Meinung nach ungemein unbefriedigend ausfällt. Außerdem hätte ich mir insgesamt gewünscht, dass man als Leser noch viel mehr in die Suche nach Strakas wahrer Identität einbezogen und beim Erarbeiten des Textes mehr an die Hand genommen wird. So hat die Übersetzerin z.B. in den Fußnoten jedes Kapitels einen geheimen Code versteckt, den Jen und Eric zwar immer knacken, man als Leser den Weg zur Entschlüsselung meist aber überhaupt nicht nachvollziehen kann. Wer sich wie ich z.B. total auf die Benutzung der mitgelieferten Dechiffrierscheibe gefreut hat, wird von der fehlenden Interaktivität vermutlich dann ebenfalls ein wenig enttäuscht sein.

Trotzdem würde ich “S.” jederzeit weiterempfehlen, einfach weil die Idee hinter diesem Projekt wahnsinning faszinierend, das Konzept unglaublich toll erdacht ist und ich trotz all meines Frustes immer noch mit seligem Blick durch die vergilbten Seiten blättere und mich an Flecken und schwer zu entziffernden Handschriften ergötze. Man sollte sich aber bewusst sein, dass man für diese Lektüre wirklich viel Arbeit investieren muss und dieser Aufwand leider nicht in jeder Hinsicht belohnt wird.
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am 28. Mai 2014
Abrams - als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor bekannt (Alias, Lost, Fringe Almost Human, Star Trek - und wohl auch bald vom siebten Teil der Star Wars Saga) hat hier zusammen mit dem Auto Dorst (mir bis dato unbekannt) ein neues Kapitel des 'Lesens' eröffnet. In einer Zeit, in der immer weniger gelesen wird, und wenn, dann doch bitte in digitalisierter Form auf dem Ebook-Reader, ein gewagtes Unterfangen - aber mit WAS für einem Ergebnis!!

Dieses Buch setzt neue Maßstäbe, dieses Buch geht einen neuen Weg. Ich hab es noch nicht zu Ende gelesen (mehr als ein paar Seiten gehen auch nicht pro Tag, zu ungewohnt ist diese neue Erfahrung) - und ich möchte auch so schnell gar nicht zum Ende kommen!

Ich habe das Buch inzwischen zweimal. Einmal als Zierde im Regal und einmal als Lesebuch...

Schlägt man das Buch auf, so hat man das Gefühl ein Buch vor sich zu haben, das schon durch viele Hände ging. Textpassagen sind markiert und kommentiert in verschiedenen Handschriften. Postkarten, Zeitungsartikel sind anscheinend wahllos zwischen die Seiten gelegt, wie als ob jemand das Buch als Aufbewahrungsort für Erinnerungen nutzen wollte.

Das Buch wird in einem Pappschuber geliefert, der auch notwendig ist, da man sonst leicht das 'Zubehör' des Buches verliert. Alternativ kann man die Sache auch vorsichtig einkleben (habe ich gemacht, darum auch das zweite Buch).

Meine Empfehlung: kauft unbedingt die Hardcover-Ausgabe!
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am 3. Dezember 2013
This turned out to be a very interesting and entertaining book, exhibiting creativity at its best with a peculiar concept. The engaging nature of the storytelling reminded me of Janvier Chando's The Usurper and Other Stories. Complex though S is, it is a fun read and brings story telling to a whole new level.
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am 7. November 2013
Für gerade mal 20 Euro ist dieses innovative Werk einfach ein Pflichtkauf.
Alleine das Auspacken und Studieren der diversen zwischen den Seiten versteckten Kopien, Notizen, Postkarten und weiteren Beigaben ist schon ein Vergnügen. Auch das auf alt getrimmte Buch selbst mit seinen Flecken und Kratzern ist ein Hingucker. Durch die diversen Randnotizen der anderen "Ausleiher" des Buches ist ein mehrfaches Lesevergnügen garantiert.
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am 5. August 2014
Ich muss gestehen, dass ich dieses Buch noch nicht wirklich gelesen habe. Ich komme einfach nicht dazu, weil ich stundenlang darin blättern, Dinge herausnehmen und winzige Hinweise dechiffrieren muss. Da ist dem Schöpfer von "LOST" wirklich etwas ganz großartiges gelungen. Ein Abenteuer für alle Sinne. Und alle, die das "analoge" Buch für tot erklären, werden vermutlich irgendwann von schlimmem schwarzem Rauch verschluckt...
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am 1. Januar 2014
Dieses Buch fesselt einen sofort und man kann nicht aufhören zu lesen! Wann immer man jemand davon erzählt will sich das Buch sofort ausleihen, man mag es aber nicht aus der Hand geben. Der Preis ist wirklich sehr großzügig, man kauft nämlich nicht einfach nur ein Buch sondern eine ganze Welt!
Lieferung ging auch schnell, alles tip top!
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am 9. Juni 2016
One book. Two readers. A world of mystery, menace and desire. A young woman picks up a book left behind by a stranger. Inside it are his margin notes, which reveal a reader entranced by the story and by its mysterious author. She responds with notes of her own, leaving the book for the stranger, and so begins an unlikely conversation that plunges them both into the unknown. The Book: Ship of Theseus, the final novel by a prolific but enigmatic writer named V. M. Straka, in which a man with no past is shanghaied onto a strange ship with a monstrous crew and launched on a disorienting and perilous journey. The Writer: Straka, the incendiary and secretive subject of one of the world's greatest mysteries, a revolutionary about whom the world knows nothing apart from the words he wrote and the rumours that swirl around him. The Readers: Jennifer and Eric, a college senior and a disgraced grad student, both facing crucial decisions about who they are, who they might become, and how much they're willing to trust another person with their passions, hurts and fears. S., conceived by filmmaker J.J. Abrams and written by award-winning novelist Doug Dorst, is the chronicle of two readers finding each other in the margins of a book and enmeshing themselves in a deadly struggle between forces they don't understand. It is also Abrams and Dorst's love letter to the written word.
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am 22. Mai 2014
Was für ein aufwendiges Werk einem hier für relativ kleines Geld geboten wird ist äußerst beeindruckend. Die Qualität des Buches, der diversen Inlays und allem Drumherum hat mich wirklich positiv überrascht.
Ein Buch gleicher Machart in deutsch könnte ich mir zu einem solchen Preis niemals vorstellen - daher denke ich da auch mal gar nicht weiter über Produktionsbedingungen etc. nach, sondern erfreue mich schlicht und einfach an dem, was ich bekommen habe.
Allerdings ist das Ding für mich als Deutscher nicht ganz einfach zu lesen, obwohl ich über recht gute Englischkenntnisse verfüge. Man sollte vor allem schon einen sehr großen Wortschatz besitzen, um den Hauptroman und die dazugehörigen Fußnoten einigermaßen flüssig lesen zu können. Die Anmerkungen der zwei Leser-Figuren dagegen sind meist einfach zu verstehen.
Dennoch habe ich beim Lesen mein großes Wörterbuch bei der Hand und schreibe in das eh schon vollgekritzelte Buch noch die ein oder andere Wortübersetzung rein.
S. ist ein Werk, das ich jedem empfehle, der Englisch auf Hochschulniveau spricht (darunter macht es wenig Sinn) und sich für außergewöhnliche Leseerlebnisse begeistern kann.
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am 8. Februar 2016
S ist eigentlich kein Buch. Es hat zwar alles, was ein Buch ausmacht: Einband, Schuber, Seiten, eine Geschichte (eine?), - aber es ist mehr als ein Buch.

Es passiert nur sehr selten, dass ein Medium mit dem veritablen Alter des Buchdrucks noch einmal über seine Grenzen hinaus getragen wird, ohne dass man über Cross-Media reden müsste. S hat keine Webseite, keine CD, keine App - S ist Papier durch und durch. Ein Buch - aber auch ein Spiel, ein Abenteuer, ein Rätsel, eine Herausforderung, eine Matrioschka, ein Spiegelkabinett. Der Leser ist weniger distanzierter Zuschauer als vielmehr aktiver Teilnehmer - Detektiv, Verschwörer, Voyeur, Reisender. Schwindelerregend. Und es macht süchtig; wer S kauft, sollte Zeit einplanen. So schnell legt man das Buch nicht mehr aus der Hand.

Das Konzept klingt wie aus dem Irrenhaus: Ein Buch, das vorgibt ein Buch zu sein, das 1949 geschrieben, gedruckt und von einer Unibibliothek gekauft wurde, seitdem würdig gealtert ist, und irgendwann unabhängig voneinander von zwei Studenten entdeckt wurde, die sich unbekannterweise per Randnotiz über das fiktive alte Buch ausgetauscht, sich dabei näher kennengelernt und auch kleinere Abenteuer erlebt haben. Und das Ergebnis wird dem Leser in gedruckter Form zum Nacherleben präsentiert, in geradezu aufreizender Perfektion: der alte Leineneinband, die vergilbten Seiten, die breiten Seitenränder des antiquierten Satzspiegels, die mehrfarbigen handschriftlichen Marginalien, sogar die Dinge, die sich die Studenten gegenseitig im Buch hinterlassen haben (Postkarten, Fotos, Briefe, Zeichnungen, Servietten...) - alles wirkt bestechend authentisch.

S ist ein Zaubertrick: Der Zuschauer weiß, dass nichts echt ist. Er weiß auch, dass er gerade nach Strich und Faden an der Nase herum geführt wird. Aber es sieht einfach toll aus und macht einen Heidenspaß!

S ist dabei durchaus anstrengend zu lesen, was zum einen daran liegt, dass hier eine lineare Geschichte (gedrucktes Buch) mit einer nichtlinearen (in den Randnotizen) eng verwoben ist und sich mehrere Handlungsstränge unabhängig voneinander entwickeln - nur nicht intermittierend, wie man das sonst von Büchern kennt, sondern knallhart parallel. Die "richtige" Lesereihenfolge ist streckenweise nicht klar, Vorwärts- und Rückwärtsreferenzen allgegenwärtig, als Leser ist man ständig am Blättern.
Zum anderen präsentiert das Buch seine Geschichte dem Leser nicht zum einfachen Konsum; es will erarbeitet, durchdacht, hinterfragt und verstanden werden. Einmal Lesen wird nicht reichen, und man kann es auch gut noch ein zweites mal verschlingen. Wie gesagt: Zeit einplanen!

Die Geschichte(n) selbst sind, sagen wir's ganz offen, nicht unbedingt der allerhöchste Gipfel der Literatur; da wird durchaus das eine oder andere Klischee bedient. Ein wunderbares Buch von einem spannenden Autor ist es trotzdem: Wer bemalte Servietten aus einem fiktiven Café im Text als gedruckten Beileger für das Buch produziert (und derartige Beileger gibt es zuhauf), der hat auf wundervolle Art und Weise einen an der Waffel. Und hört hoffentlich so schnell nicht wieder mit dem Schreiben auf.

tl;dr: S ist lupenreiner, Papier gewordener Irrwitz. Wunderbar. Mehr davon!!
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