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am 21. Februar 2010
"Der Mann, der hineinkam, trug eine Militäruniform. Eine U.S.-Militäruniform. Er grüßte die Leute im Truck, und sie grüßte zurück, und da war mir klar, dass wir gar nicht Gefangene irgendwelcher Terroristen waren - ich war ein Gefangener der Vereinigten Staaten."

Der neue Roman "Little Brother" von Cory Doctorow berichtet über die düstere Vision eines modernen Überwachungsstaats, wie er jederzeit auch in unserer heutigen Zeit entstehen könnte.

Marcus Yallow und seine Freunde sind ganz normale Teenager. Sie gehen auf die High School in San Francisco und beschäftigen sich nebenbei leidenschaftlich mit Technologie. Als Terroristen einen Anschlag auf die Bay Bridge verüben, verändert sich das Leben der vier Freunde schlagartig. Während ihre Mitmenschen ohne Rücksicht auf Verluste nach einem sicheren Ort suchen, wird Darryl, Marcus' bester Freund, schwer verletzt. Marcus, Vanessa und Jose suchen Hilfe für ihren Freund und finden sich kurze Zeit später in einem wahr gewordenen Albtraum wieder.

Sie werden von seltsamen Männern entführt, doch wie sie entsetzt feststellen müssen, sind dies keinesfalls Terroristen. Die Männer und Frauen gehören zum Department of Homeland Security. Marcus und seine Freunde sind Gefangene der Vereinigten Staaten!

Auf qualvolle und erniedrigende Weise wird Marcus von der Heimlandschutzbehörde verhört und gefoltert. Schnell steht für die eifrigen Beamten fest, dass der Hobbyhacker ein potenzieller Al-Quida Terrorist ist und so scheuen sie keinen Versuch alles über ihn herauszufinden. Von seinen Freunden und der weltlichen Zivilisation getrennt, sterben seine Hoffnungen schnell. Als ihm schließlich die Möglichkeit geboten wird, frei zu kommen, ergreift er diese sofort. Doch die Freiheit fordert einen hohen Preis. Er muss Dokumente unterschreiben, die bescheinigen, dass Marcus sich freiwillig hat festnehmen lassen und auch die Befragungen mit seinem Einverständnis stattgefunden haben.

Marcus ist frei. Doch die scheinbare Freiheit hält nicht lange an. Kaum ist er wieder auf freiem Fuß, muss er feststellen, dass sich San Francisco in einen Überwachungsstaat verwandelt hat. Die Homeland Security wacht eisern über die Stadt. Die Freiheit musste der Sicherheit des Volkes weichen. Die Bewohner von San Francisco haben kein Recht mehr auf Privatsphäre, stattdessen muss man der DHS alles preisgeben. Wer nicht kooperiert wird als Terrorist eingestuft.

So erklärt Marcus der DHS den Krieg. Frei nach dem Motto "Traut keinem über 25!" kämpft die Jugend für ihre Freiheit und Marcus wird schnell zum heimlichen Drahtzieher und Oberhaupt dieser Freiheitsbewegung.

"Little Brother" konnte mich auf voller Linie überzeugen. Obwohl die Inhaltangabe bereits vielversprechend war und ich mich aufs lesen gefreut habe, war ich doch skeptisch, ob es Cory Doctorow gelingen würde, dieses heikle Thema gelungen umzusetzen. Dies, das kann ich an der Stelle bereits verraten, hat er auf gelungene Weise geschafft.

Marcus und seine Freunde kämpfen mit der modernen Technologie gegen niemand anderes als die Regierung selbst. Wie nicht anders zu erwarten kommen immer wieder Begriffe aus der Technologie vor, welche jedoch verständlich erklärt werden, sodass man auch ohne Wissen über die Computerwelt dem Geschehen gut folgen kann. Doctorow schafft es, dass man als Leser selbst paranoid wird und sie über die Überwachungstechniken des Staates Gedanken macht. Die vermeintliche Zukunftsversion scheint gar nicht so abwegig zu sein und gerade in der Zeit in der wir leben, ist der Gedanke gar nichts so abwegig, dass auch die eigene Stadt bald zu solch einem Überwachungsstaat wird.

Cory Doctorow schreibt sehr umgangssprachlich, wobei alles andere jedoch auch nicht gepasst hätte. Gleichzeitig mischt sich in diese Jugendsprache jedoch immer wieder auch Fachvokabular, sodass deutlich wird, dass der Autor ganz genau weiß, worüber er berichtet. So wird aus Marcus' Sicht immer wieder geschildert, wie man diverse Überwachungen umgehen kann. Im Anhang findet man kurze Berichte eines Hackers und eines Sicherheitsexperten, die noch einmal deutlich machen, dass 'Little Brother' gut durchdacht ist und keinesfalls auf Hirngespinsten aufgebaut wurde.

Alles in einem hat mich der Roman wirklich beeindruckt. Ich selbst hätte nicht damit gerechnet, dass mir das Buch so gefallen wird, geschweige denn, dass es mich tatsächlich so mitnimmt. Mir fällt es schwer, den Roman in eine bestimmte Richtung einzuordnen, geschweige denn eine Vermutung zu äußern, wem dieses Buch gefallen könnte. Ich kann trotzdem jedem nur empfehlen, sich dieses Buch zu kaufen. Es ist eindrucksvoll geschildert und reißt jeden unwiderruflich mit. Ich hatte den Roman innerhalb von zwei Tagen durch, weil ich ihn einfach nicht aus der Hand legen konnte. Abgesehen davon, dass "Little Brother" Unterhaltung der Extraklasse bietet, regt er gleichzeitig auch zum nachdenken an. Wie weit ist unsere Zivilisation von diesem düsteren Überwachungsstaat entfernt? Und wie weit darf eine Regierung für die Sicherheit des Volkes gehen?

"In dem Moment wusste ich, dass ich nicht weglaufen durfte.
In dem Moment wusste ich, dass ich bleiben und kämpfen musste."

FAZIT
Ein sehr eindrucksvoller Roman über einen Überwachungsstaat in der heutigen Zeit. Der Roman regt zum nachdenken an und behandelt nicht nur ein sehr aktuelles sondern auch ein sehr heikles Thema.

NOTE
8 / 9 Punkten
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am 10. Juni 2010
Ich habe das Buch zunächst meinem Sohn empfohlen, da ich es bei Focus als Empfehlung für Jugendliche seines Alters (14) entdeckte! Als er das Buch dann kaum mehr aus der Hand legte, war auch mein Interesse geweckt. San Franzisco in naher Zukunft nach einem verheerenden Terroranschlag als komplett überwachte Stadt und ein paar Computerkids versuchen die Freiheit gegen die Maßnahmen der eigenen Regierung zu retten. Bedrückend ist, wie real das Szenario teilweise wirkt. Der Schreibstil ist der Zielgruppe (Jugendliche) angepasst, aber auch mir gefällt das! Es werden viel technische Details beschrieben (z.B. Verschlüsselung, etc.), aber keine Angst auch das ist verständlich und unterhaltsam!

Insgesamt sehr aktuell, sehr spannend und deswegen klasse Unterhaltung, nicht nur für die Primärzielgruppe!
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am 6. April 2010
Marcus Yallow ist ein Siebzehnjähriger, der in San Francisco lebt, mit seinen Freunden "Harajuku Fun Madness" spielt, und über exzellente Computerkenntnisse verfügt. Seinen "SchoolBook", ein modifizierter Laptop, der eigentlich nur für die Nutzung der Schulsoftware vorgesehen ist, hat er längst gehackt. Marcus, der im Netz den Codenamen "W1n5st0n" (gesprochen: Winston) trägt, wird in der Anfangsszene zum Schulrektor gerufen, über den er mehr weiß, als diesem lieb sein kann, weil Marcus/W1n5t0n ein Kind jener Generation ist, die mit Computern groß geworden ist, die also mit spielerischer Selbstverständlichkeit Technik und ihre Hintergründe verinnerlicht hat. Er ist, davon abgesehen, in dieser Hinsicht ziemlich talentiert. Aber nicht alle Hacks, die ihm der Rektor vorzuwerfen versucht, hat Marcus auch tatsächlich veranstaltet. Beweisen kann er ihm keinen.

Die Schule wird überwacht, aber da Gerichte die Gesichtserkennung gekippt haben, gibt es nunmehr "Gangerkennung": Die Software hinter den Videokameras versucht, die Gehweise der Schüler ihren Profilen zuzuordnen. An diesem vergleichsweise simplen Beispiel zeigt Doctorow gleich anfangs, wie sinnlos solche (genau genommen biometrische) Überwachung ist: Um trotz der "Gangerkennung" die Schule verlassen und gemeinsam mit drei Freunden einen "Harajuku Fun Madness"-Hotspot finden zu können, packt sich Marcus einfach ein paar Kieselsteine in die Schuhe. Minuten später stehen sie an der Bay Bridge, und dann ändert sich plötzlich alles: Was die Kids zunächst für ein Erdbeben halten, entpuppt sich als Terroranschlag - Bomben zerreißen die Brücke, es gibt viele tausend Tote. In Minutenschnelle sind die Army und das "Department for Homeland Security" (DHS) auf dem Plan. Marcus und seine Mitschüler werden festgenommen, verschleppt und anschließend tagelang verhört und gefoltert, weil sie zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Als sie in die Freiheit zurückkehren, hat sich die Bay Area in eine streng überwachte Zone verwandelt. Aber Daryll, Marcus' bester Freund, wird nicht wieder freigelassen. Und die Kids, die interniert waren, werden mit starken Drohungen davon abgehalten, über ihre Erlebnisse zu berichten. Auch Darylls Vater muss lange Zeit glauben, sein Sohn wäre beim Anschlag umgekommen.

Marcus aber will beides nicht hinnehmen, weder die Tatsache, dass Daryll verschollen bleibt, noch die Sippenhaft einer ganzen Stadt, in der plötzlich jeder zum Terrorverdächtigen geworden ist. Er ruft das "Xnet" ins Leben, ein für Überwachung unzugängliches Parallel-Internet, und organisiert den Widerstand, indem er, zum Beispiel, Leute dazu bringt, RFID-Tags zu "jammen": Die Transponderchips, die fast alle Autofahrer hinter der Scheibe haben, um die Brückenmaut unbar zahlen zu können, werden im Vorbeigehen verfälscht, wodurch plötzlich alle Bewegungsmuster "auffällig" werden. Schritt für Schritt hebelt er jene Mechanismen aus, die scheinbar auf die Spur der Terroristen führen sollen, aber eigentlich selbst nur eine Form von Terror darstellen.

"Little Brother" ist einerseits ein klassischer Heldenroman, die Geschichte eines Underdogs, der eher unfreiwillig zum Anführer wird, der die Werte, die für die Gesellschaft eigentlich essentiell und, vor allem, unveräußerlich sein sollten, auch in der vermeintlichen Ausnahmesituation gegen Regierung und insbesondere das DHS aufrechtzuerhalten versucht. Andererseits und in der Hauptsache aber zeigt das Buch den Widersinn des Kampfes oder gar "Krieges" gegen den Terror, der so, wie er organisiert ist, ein Hase-und-Igel-Rennen ohne nennenswertes (Fahndungs-)Ergebnis darstellt - vor allem ohne eines, das auch noch irgendwie im Verhältnis zum Aufwand steht. Alle Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen, mit denen wir real - also außerhalb der fiktiven Romanwelt - konfrontiert werden, sind bestenfalls Makulatur, organisiert und durchgeführt von Leuten, die Sicherheit - die ohnehin niemals gewährleistet werden kann - nur suggerieren und dabei aktiv Grundrechte demontieren. Anhand von vielen Beispielen zeigt Doctorow, warum technische Strategien, die beiden Seiten bekannt sind, nur "Verdächtige" entlarven, aber so gut niemals Täter.

Er wählt als Anschlagsziel - der Anschlag selbst und seine Initiatoren spielen im Buch kaum eine Rolle - absichtlich ein "weiches" Ziel, um zunächst zu zeigen, dass die umfassende und auch von Laien leicht zu umgehende Überwachung z.B. des gesamten Flugverkehrs komplett widersinnig ist; die hiermit angeblich erkaufte Sicherheit gibt es nicht: In jüngster Zeit haben, am Rande bemerkt, viele Experten demonstriert, dass auch die inzwischen an einigen Flughäfen installierten "Nacktscanner" nur ein lächerliches Hindernis für Leute darstellen würden, die tatsächlich die Absicht haben, Anschläge zu verüben. Aber, und das ist wesentlich: Von diesen Leuten gibt es weit weniger, als uns glauben zu machen versucht wird. Eine Terrorfahndung, die, wie der Autor vorrechnet, mit einer "Sicherheit" von 99 Prozent Täter ermittelt, generiert aus "nur" einer Million Menschen zehntausend (!) potentielle Täter, aber tatsächlich ist vielleicht einer von diesen zehntausend auch wirklich ein Terrorist - und nicht einmal das ist wahrscheinlich. Die Systematik, die uns so verkauft wird, arbeitet also tatsächlich mit einer Fehlerquote von mehr als 99,99 Prozent. Auf ähnliche Weise sind fast alle Fahndungsmethoden strukturiert. Der Generalverdacht, unter dem wir allesamt seit 9/11 stehen, und der weltweit dazu geführt hat, dass Menschen in ihren Grundrechten, in ihrer Freiheit beschnitten wurden, ist die falsche Strategie. Davon abgesehen hat er die Terroristen zu Siegern gemacht, weil sie indirekt erreicht haben, dass wir aus Angst auf etwas verzichten, das wir eigentlich für unverzichtbar hielten, nämlich unsere Freiheit. Vor dem Hintergrund der Tatsache (und es ist eine Tatsache!), dass Terroranschläge faktisch eine nur äußerst geringe Bedrohung für den einzelnen darstellen, steht das Opfer, das wir hier erbringen, in keinem Verhältnis zum Nutzen - der eben sowieso sehr fragwürdig ist. Denn gerade "weiche" Ziele kann man niemals auch nur annähernd absichern. Selbst mit einer flächendeckenden Rund-um-die-Uhr-Überwachung nicht.

Der zwar etwas geradlinige, aber sehr mitreißende Roman vermittelt quasi nebenbei viele Hintergrundinformationen zur Struktur des Internets, zur Kryptographie (die, wie viele schon wieder vergessen haben, in den Neunzigern von der US-Regierung als "Waffe" verboten war), zu Mustererkennung und Rasterfahndung. Im Ergebnis zeigt er, dass das Gießkannenprinzip, nach dem die Fahnder vorgehen, viel zu grob und zu simpel ist, um jemanden, der eine entsprechende Absicht hat, auch im Vorfeld zu ertappen. Er beweist, dass Überwachung als Prävention sinnlos ist und nicht einmal der Aufklärung dient. Vor allem aber klagt er an, dass unsere Regierungen und damit auch wir alle hinnehmen, eine trügerische Sicherheit bei gleichzeitigem Verzicht auf verfassungsmäßige Rechte zu erkaufen. Der Kampf oder sogar Krieg gegen den Terror ist ein Krieg gegen das eigene Volk.

"Little Brother" ist sicher kein literarisches Meisterwerk, aber ein wichtiges und erhellendes, davon abgesehen sehr spannendes Buch zu einem Thema, das keinen kalt lassen sollte. Es ist eine Warnung und eine Anklage, ein Manifest gegen Überwachungs- und Sicherheitswahn, und es sollte als Denkanstoß vor allem von all jenen gelesen werden, die unsinnige Floskeln wie "Wer nichts zu verbergen hat, muss auch nichts befürchten" auf den Lippen führen und damit das Fundament für eine Welt legen, in der Freiheit nichts mehr bedeutet.
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am 25. Juni 2010
Der Jugendroman "Little Brother" von Cory Doctorow handelt vom 17-jährigen Marcus, eigentlich ein ganz normaler Junge. Er besucht die High School, interessiert sich für Technik und ist ein großer Fan von einem japanischen Online-Spiel mit Reality Elementen. Als er mit seinen Freunden versucht, das neueste Rätsel des Online-Spieles zu lösen, passiert es: Seine Heimatstadt San Francisco wird Schauplatz eines terroristischen Anschlags. Zur falschen Zeit am falschen Ort, verdächtigt man Marcus und seine Freunde, etwas mit dem Attentat zu tun zu haben. Sie werden von der Heimatschutzbehörde festgenommen und auf eine geheime Insel gebracht. Marcus und zwei seiner Freunde werden nach einer Woche wieder freigelassen, doch der vierte Freund bleibt verschwunden. Da erklärt Marcus der Heimatschutzbehörde den "Krieg" und manipuliert die neu eingeführten, übertriebenen Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen. Hilfe bekommt er von der von ihm gegründeten Online-Community XNet. Werden sie es schaffen, den immer noch verschollenen Freund wieder zu sehen? Oder wird Marcus sich und seine Freunde ins Unglück stürzen? Hat Privatsphäre in Amerika eine Zukunft?

Der Roman schildert anschaulich die Gefahren, die von Technik ausgehen können. Es wird erklärt, wie alltägliche Gegenstände, wie z.B. Kreditkarten, missbraucht werden können, um in die Privatsphäre des Einzelnen einzudringen. Man erfährt auch viel über die Funktionsweise des Internets und z.B. Kryptographie. Allerdings ist das Buch auch sehr politisch und der Erzähler vertritt zum Teil recht extreme Ansichten. Dennoch regt es zum Nachdenken an und ist sehr spannend. Mir hat das Buch sehr gefallen und ich würde es jedem ab ca. 13 Jahren empfehlen, ihr werdet es nicht bereuen!
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am 22. Februar 2010
"Ich habe ein Recht auf meine Privatsphäre" meint Marcus, 17 Jahre alt, ein begeisterter Gamer und Hacker. Und spricht mir damit aus der Seele. Wann ich wohin gehe und warum, geht nur mich etwas an. Doch in einem Staat, in dem Paranoia und ständige Angst vor Angriffen herrscht, sieht das schon ganz anders aus. Das muss auch Marcus auf schmerzhafte Weise lernen...

Was wie ein ganz normaler Schultag anfängt, wird schon bald zu einem Albtraum. Ein Bombenanschlag zerstört die Bay Bridge in San Francisco, als Marcus und seine Freunde gerade ganz in der Nähe sind. In Panik fliehen sie zusammen mit den Menschenmassen, die sich in den nächstgelegenen U-Bahnschacht drängen. Kurz darauf werden sie von militärisch wirkenden Personen aufgelesen. Doch helfen wollen die ihnen nicht; stattdessen ziehen sie ihnen Säcke über den Kopf und fesseln ihre Hände. Irgendwo abseits vom Festland werden sie tagelang verhört; man verdächtigt sie, an den Anschlägen beteiligt gewesen zu sein. Marcus wird gezwungen, sämtliche Passwörter für sein Handy und den Laptop preiszugeben, er bekommt kein Essen und darf mit niemandem reden. Erst als man keine konkreten Anhaltspunkte für seine Beteiligung findet, lässt man ihn gehen, mit dem Verspechen, ihn genauestens zu beobachten.

Zuhause angekommen, muss er feststellen, dass sich San Francisco in einen Überwachungsstaat verändert hat. Überall sind Kameras, von jedem Einwohner wird registriert, wann er wohin geht und wenn etwas daran ungewöhnlich wirkt, werden sie stundenlang verhört. Größere Menschenansammlungen werden mit Gewalt auseinandergetrieben. Jeder verwandelt sich in den Augen der Homeland Security in einen potentiellen Terroristen; die persönliche Freiheit ist zweitrangig bei dem Versuch, die Täter zu finden. Marcus und seine Freunde wollen sich damit aber nicht abfinden und beginnen, die staatliche Überwachung zu sabotieren...

Doctorow thematisiert in seinem Buch ein wichtiges Thema: wie weit die Einschränkung der persönlichen Freiheit und dem Recht auf Privatsphäre im Angesicht potentieller Terrorgefahr gehen darf. Ein wichtiges Buch, das sprachlich sehr gut umgesetzt wurde. Über die Bombenanschläge erfährt man nichts Genaueres, dafür konzentriert sich der Autor sehr auf die technischen Raffinessen, mit denen Marcus die Überwachungstechniken unterwandert. Wer also ein bisschen Nachhilfe in Verschlüsselungstechniken braucht, ist hier gut bedient. Glücklicherweise überwiegen die technischen Beschreibungen aber nicht, so dass sich die Geschichte trotz dieser Einwürfe sehr spannend liest und nicht ins Stocken kommt. Ein super Buch!
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am 15. November 2011
Markus ist 17 und geht in die High School in San Franzisco. Es ist das Jahr X. Der Staat, die Schule alles wird überwacht, überall gibt es Spionagekameras, das Schulnetbook ist mit Spionagesoftware und Filtern gespickt. Natürlich versuchen die meisten Schüler, dies zu umgehen . Als Markus für eine elektronische Schnitzeljagd mit seinen Freunden die Schule schwänzt gerät er in ein Bombenattentat. Anstatt seinem verletzten Freund zu helfen, werden die Freunde von der Heimatschutzbehörde verhaftet. Markus wird physisch und psychisch gequält. Als er entlassen wird, wird er verpflichtet, niemanden etwas zu erzählen. Sein verletzter Freund ist verschwunden. Markus will ihn retten und gegen den Überwachungsstaat gegenangehen.
Mir gefiel das Buch gut, das einzige was ist nicht verstanden habe waren die offenen Wlan im Zeitalter von LTE und Co. Was ich gut fand ist, dass die Jugendlichem im Buch (es gibt auch Ausnahmen) gegen die Unterdrückung angehen und die Behauptungen des Staats hinterfragen.
Im Prinzip ist es eine moderne Version von Animal Farm, die Rechte werden von der Heimatschutzbehörde einfach geändert und die Grundrechte 'zur Sicherheit' außer Kraft gesetzt.

Jana von MexxBooks BuchClub
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am 11. September 2010
Little Brother ist die Geschichte des 17-jährigen Marcus, der in nicht allzu ferner Zukunft Zeuge eines terroristischen Anschlag in San Francisco wird und daraufhin zusammen mit Freunden vom Department of Homeland Security (DHS) verhaftet und gefoltert wird. Nach seiner Freilassung beginnt er eine Guerillakampagne gegen den Überwachungsstaat, der mit dem Totschlagsargument der Sicherheit immer mehr in die Privatsphäre seiner Bürger eingreift.
Neben einer äußerst spannenden, wendungsreichen Geschichte hat mich das Buch insbesondere durch die pfiffig eingeflochtenen Exkurse zu Sicherheitskonzepten und -technologien beeindruckt, die meist auch vollkommen real und tatsächlich vorhanden sind. Selbst der unbeleckte Leser kann verstehen, warum Kryptografie funktioniert und warum welche Daten auch schon heute meist unbemerkt gesammelt werden.
Man überdenkt unweigerlich nach der Lektüre sein eigenes Nutzungsverhalten im Internet und wird zumindest angeregt, sich mit brennenden politischen Themen anzufreunden.
Überaus wichtiges Buch, besonders für die junge Generation absolut empfehlenswert.
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am 27. März 2009
die Story:
Marcus Yallow, 17-jähriger Computerfreak und Schüler einer Highschool in San Francisco, schwänzt mit ein paar Freunden die Schule, als auf die Bay Bridge ein Terroranschlag verübt wird, bei dem über eintausend Menschen ums Leben kommen.

Darauffolgend übernimmt das Department of Homeland Security (DHS) die Ermittlungen. Marcus ist mit seinen Freunden zur falschen Zeit am falschen Ort und wird als Verdächtiger vom DHS inhaftiert und einige Tage auf Treasure Island festgehalten. Er wird unwürdig behandelt und darf seine Bürgerrechte nicht wahrnehmen.

Zudem wird die Stadt vom DHS mittels Kameras und RFIDs umfassend elektronisch überwacht. Kalifornien ist auf dem Weg in einen Sicherheits- und Polizeistaat.

Nachdem Marcus wieder frei ist, beschließt er, seine Freiheit und Kontrolle über sein Leben, seine Würde und seine Privatheit gegen das DHS zu verteidigen und zurückzugewinnen. Mit vielen anderen Gleichgesinnten seiner Generation codiert er die RFIDs anderer Leute heimlich um, verwirrt so die Überwachungssysteme und baut ein Computernetzwerk auf, in dem er und andere anonym und privat kommunizieren können. Obwohl über dieses Netzwerk letztlich nichts weiter passiert, als dass eben kommuniziert wird und dass Treffen arrangiert werden, nimmt die DHS das Netzwerk als Bedrohung wahr, einfach deshalb, weil es von ihr unkontrollierte Kommunikation und Organisation erlaubt. In einer unzweifelhaft bewegenden Auflösung gelingt es am Ende mit Hilfe der Presse, dass auf Veranlassung des Gouverneurs das DHS seine Berechtigung, in Kalifornien zu agieren, verliert.

Dass am Ende alles gut wird, liegt daran, dass eine halbwegs intakte Öffentlichkeit und eine funktionierende Presse existiert, dass das Vertrauen in die Freunde, mit denen Marcus aufgewachsen ist, gerechtfertigt ist, und dass die Gewaltenteilung und Demokratie in den USA nach wie vor funktioniert, denn es ist der Gouverneur von Kalifornien, der auf Druck der Öffentlichkeit das DHS aus Kalifornien verweist und rechtstaatliche Verfahren wieder durchsetzt.

Beurteilung:
Der Plot wird aus der Perspektive Marcus erzählt, der nach der entwürdigenden Erfahrung mit dem DHS einen klaren Feind hat. Um den Rahmen des Ganzen im Kopf zu behalten, muss er zuweilen bei aller Berechtigung seines Furors - und vielleicht auch der Leser - daran erinnert werden, dass bei dem Anschlag auf die Bay Bridge über tausend Menschen umgekommen sind. Marcus Psychologie ist nicht überkomplex, man könnte ihn als einen Geek bezeichnen, der jedoch ausgesprochene Sozialkontakte pflegt, sogar Raum für eine Liebesgeschichte findet sich im Plot. Marcus entstammt als Einzelkind einem bürgerlichen Milieu. Er ist sehr selbstbewusst und besitzt viel Selbstvertrauen, kann eine Menge, vor allem mit Computern, ihm steht die Zukunft offen.

Der Plot lehrt unausgesprochen eine Idee, die auch hier im Umgang mit der DHS gilt: Wer etwas kann, kann es schaffen - vorausgesetzt er hat etwas Glück und er trifft die richtigen Entscheidungen.

Zum Ende hin wird der Plot zuweilen unwahrscheinlich und damit unglaubwürdig. Undercover-DHS-Schüler tauchen auf, auch Fotos und Videos als Beweise gegen das DHS, die der Presse zugespielt werden. Gleichwohl ist der Plot von Anfang bis Ende geradlinig erzählt. Zum Teil kann man ihn als Anleitung zur Bewahrung der eigenen Privatheit lesen, zum Teil klärt er über die Gefahren eines Sicherheitsstaates auf - der Roman besitzt ein aufklärerisches Moment, und ist allein deshalb empfehlenswert.
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Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen? Check. Schnüffelei in elektronischen Daten? Check. Abhören von Telefonanrufen? Check. Ortung über Handys und Rfid Chips? Check. Alles im Zeichen der Terrorbekämpfung, wobei erstmal jeder solange schuldig und verdächtig ist, bis seine Unschuld bewiesen ist? Check. Eine anonyme Gruppierung, die Technik dazu nutzt um gegen die Staatsgewalt zu kämpfen? Check. Eine über dem Gesetz stehende Behörde, die ungeschoren und weltweit auf private Daten der Bürger zugreifen kann? Check!!!

Die leicht fiktive Welt im Buch Little Brother und die reale Welt unterscheiden sich nicht mehr so grundlegend, vermutlich sind auch wir nur noch den einen großen Terroranschlag davon entfernt, uns endgültig unserer eh nur noch auf dem Papier existierenden Freiheit berauben zu lassen. Und wir werden das vermutlich nicht nur dulden, sondern sogar darum bitten.

Ähnliches geschieht in Cory Doctorows Little Brother. Der 17jährige Marcus Yallow, ist ein Technikfreak und Nerd, der totale Überwachung schon aus seiner sehr speziellen Schule gewohnt ist, und ist damit schon ganz gut auf die bevorstehenden Ereignisse des Buches vorbereitet.

Marcus und seine Freunde werden Zeuge, wie ein Terroranschlag auf die Bay Bridge verübt wird und geraten in die Fänge der Heimatschutzbehörde, wo sie als Terroristen festgehalten und an Folter grenzenden Verhören ausgesetzt werden. Marcus kommt wieder auf freien Fuß und nimmt den Kampf mit dem allmächtig erscheinenden Gegner auf, wobei die Technik gleichzeitig sein bester Freund und größter Gegner ist. Aber nicht alle Mitmenschen sind auf seiner Seite und verkaufen ihre Freiheit lieber für eine vorgegaukelte Sicherheit, als für ihre Rechte aufzustehen.

Little Brother ist ein Jugendbuch, und daher auch sehr verständlich geschrieben. Es ist bis unters Dach vollgestopft mit so viel teils nützlichem, teils nerdigem Wissen, das es sich unbedingt auch für Erwachsene lohnt. Es werden auch nebenbei viele Tips gegeben, wie man sich gegen Überwachung schützen kann und Doctorow, der zu den einflussreichsten Personen im Internet gezählt wird, weiß, wovon er spricht.

Das Thema könnte, im Zuge der schon wieder von den Medien und Politik obsolete gehandelten Überwachungsaffäre seitens der NSA, kaum aktueller sein und ich würde mir wünschen, dass die Menschen sich etwas mehr so verhalten würden, wie die Freiheitsstrebenden in diesem Buch. Stattdessen herrscht hier Gleichgültigkeit, solange wie man nur seine Tiefkühlpizza auf den Tisch bekommt und dabei Big Brother schauen kann und zeitgleich Bulls*** in sein Facebookprofil schreibt.

Doctorow zeigt hier sehr schön und teilweise auch recht realistisch auf, wie unsere Welt in ein paar Jahren aussehen könnte, wenn die Menschen weiterhin die Füße still halten und die sich immer stärker ausbreitende Überwachung mit einem Ich-hab-nix-zu-verbergen-Schulterzucken ertragen.

Wenn Orwells 1984 als Anleitung genutzt wird, könnte man viele Ideen aus Little Brother ebenfalls nutzen, um sich zu wehren. Noch ist es vielleicht nicht zu spät. Ein wichtiges Buch.
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am 20. Dezember 2010
Nach einem Terroranschlag auf San Francisco sind Marcus und seine Freunde zur falschen Zeit am falschen Ort und werden vom Department of Homeland Security (DHS) als potentiell Verdächtige aufgegriffen. Tagelang werden sie unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen an einem geheimen Ort festgehalten und immer wieder verhört. So gibt es zum Beispiel "Vergünstigungen" wie Nahrung und frische Luft nur gegen die Preisgabe persönlicher Daten, wie z.B. Passwörter. Auch letztendlich freigelassen werden die Unschuldigen nur, wenn sie Dokumente unterschreiben , in denen sie versichern, freiwillig anwesend gewesen zu sein. Und unter der Androhung, sie für den Rest ihres Lebens hinter Gitter zu bringen, wenn sie irgendwas erzählen. Natürlich schweigen Marcus und seine Freunde. Aber Marcus hat sich geschworen, es ihnen heimzuzahlen. Und Marcus ist ein ziemlicher Computer-Crack. Innerhalb kürzester Zeit hat er ein geheimes Netzwerk, das XNet, aufgebaut und eine Menge Mitstreiter gewonnen. Doch das DHS ist ihm auf der Spur... Wem kann Marcus noch vertrauen? Alles wird inzwischen überwacht: wer wann wohin mit der U-Bahn fährt, wird mithilfe elektronischer Fahrkarten verfolgt. Barzahlung ist so gut wie nirgends mehr möglich. Jeder Bürger ist per se erstmal verdächtig, Freiheit zählt nichts, Kontrolle ist alles. Lehrer mit einer eigenen Meinung werden durch solche ersetzt, die mit dem DHS konform gehen. Jeder bespitzelt jeden. Das öffentliche Leben kommt praktisch zum Erliegen, da man alle naslang angehalten und kontrolliert wird. Wird es Marcus gelingen, das DHS zu diskreditieren?

Dieses Buch hat mir nicht nur sehr gut gefallen - ich finde, es ist auch ein unglaublich wichtiges Buch, gerade in der heutigen Zeit (ich sage nur "Nacktscanner"). Es öffnet einem die Augen, was in nicht allzu ferner Zukunft Wirklichkeit sein könnte. Welches Recht haben andere, sei es die Regierung oder sonst wer, alles zu überwachen? Und mit welchem Erfolg? Heiligt der Zweck immer die Mittel? Oder zählt die persönliche Freiheit nicht doch mehr? Kann die Verfassung ausser Kraft gesetzt werden, um Terror zu bekämpfen? Oder ist das auch schon Terror gegenüber den Bürgern? Wie gläsern muss jeder einzelne noch werden? Wie Marcus sagt, ist das "als würde man nackt in einem gläsernen WC mitten auf dem Marktplatz sch... müssen - und man müsste schon ziemlich pervers sein, um das gut zu finden!".

"Little Brother" hat mich zum Nachdenken über solche Dinge gebracht und ganz nebenbei noch einige Dinge (Krypto / Web of Trust / Man-in-th-middle) einfach und für alle verständlich erklärt - und dafür liebe ich dieses Buch! Eines der besten, das ich seit langem gelesen habe!
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