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1.0 von 5 Sternen Tim ohne Struppi, 27. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Networks Without a Cause: A Critique of Social Media (Taschenbuch)
Am Buchrücken beschreibt ein befreundeter Kollege Lovink so:
"Geert Lovink is our Tin Tin. ... In place of Tin Tin's trusty dog Snowy, he takes with him a quick wit and independent mind".
Vom Stil ist das Buch eine bizarre Mischung aus deutscher Nietzsche Imitation a la Sloterdijk, den Französischen Denkern Virilio und Bourdieu und dem blogger-slang. Oder anders ausgedrückt: Es ist die neueste Ausgabe des postmodernen Geschwätzes. Z.B. wirft der Autor mit Sätzen wie den folgenden um sich:
"The post-enlightened position is not exactly in fashion. We cannot live the Nietzschean lifestyle and expect wide endorsement."
Was ist ein "Nietzschean lifestyle"? Wie hängt der wieder mit "post-enlightened" zusammen? Leben wir wirklich in so aufgeklärten Zeiten? Ist es wirklich so unchic nicht aufgeklärt zu sein?
Lovink nimmt bei jeden zweiten Satz das Wort "kritisch" in den Mund. Geschwätz war aber noch nie eine Kritik der herrschenden Verhältnissen. Es hat natürlich auch nichts mit einer Theorie zu tun. Eine Theorie macht verifizierbare Aussagen was der Fall sein kann und was nicht. Derartiges kommt in diesem Buch an keiner Stelle vor. Er entwirft auch keinerlei Utopie wie ein sinnvolles Social-Network jenseits von Facebook aussehen könnte.
Manche Aussagen sind einfach blanker Unsinn: "With the rise of search engines, it is no longer possible to distinguish between patrician insights and plebeian gossip".
Wenn ich zu meinem Fachgebiet der Mathematik und Statistik etwas wissen will, dann suche ich auf google-scholar und nicht auf youtube. Und wenn ich mir ein Video über die bescheidenen Mathematik-Kenntnisse der einstigen Österr. Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer anschauen will, dann suche ich auf youtube und nicht unter scholar. Wenn man die führenden Autoren eines Gebietes kennt, kann man direkt auf der homepage nach den Publikationen suchen. Da ist der Spreu vom Weizen bereits sehr gut getrennt. Wenn man auf youtube "Muddy Waters" eingibt, bekommt man auch kein amateuristisches Gitarrengeklimper. Man muss nur wissen, wer der Muddy Waters war.

Die Vermischung von Erhabenen und Trivialen ist auch keineswegs eine Erfindung des Internet-Zeitalters. Sie findet sich auch in mittelalterlichen Kompilationen. Die mittelalterlichen Autoren haben alles kopiert, was ihnen an echten und falschen antiken Quellen gerade unter die Finger kam. Von diesen Zusammenstellungen wurden wieder neue angefertigt. Es war eine von keinerlei Copyright Überlegungen eingeschränkte Copy&Paste Kultur. Es war allerdings der Reproduktionsvorgang technisch ziemlich mühsam und auf eine kleine soziale Gruppe beschränkt.

Lovink klopft sich heftig auf die Schultern, weil er 2011 seinen Facebook Account geschlossen hat. Ein kritischer, scharfsinniger Mensch hätte - für sich als Person - nie einen eröffnet. Wenn er Facebook als sein Feld für ethnologische Studien betrachtet hat, dann war die Schließung gegen alle Regeln der Ethnologie-Zunft. Es haben Forscher schon unter wesentlich unwirtlicheren Umständen ihre Studien betrieben. Die Ethnologische Perspektive kann man aber auf Grund des Buches ausschließen. Es kommen keine empirischen Studien vor. Es sind die beiläufigen Aufzeichnungen eines durch die Welt Eilenden. Für genaue theoretische oder empirische Arbeit fehlt Tim ohne Struppi die dafür notwendige Muse.
Mit Verlauf des Buches habe ich mir die auch nicht mehr genommen und immer größere Teile überblättert. Das Signal-Rausch-Verhältnis ist zu gering. Man frägt sich, ob überhaupt jemals ein Signal vorhanden war oder ob der Autor nur durch blaues Rauschen auffallen will.

P.S.: Man könnte sich auch die Frage stellen, ob es einen Tim ohne Struppi überhaupt geben kann.
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Networks Without a Cause: A Critique of Social Media
Networks Without a Cause: A Critique of Social Media von Geert Lovink (Taschenbuch - 21. Februar 2012)
EUR 22,95
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