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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voilà, ein Essayist
Über die Autobiographie von Bob Dylan: „Chronicles"
Dieses Buch war vom großen Schweiger nicht zu erwarten gewesen. Nicht von, nicht über ihn und schon gar nicht so. Bob Dylan hat bereits mit dem ersten Band seiner dreibändigen „Chronicles" eine bemerkenswert unverschlüsselte, ungeschwätzige und uneitle Autobiographie...
Veröffentlicht am 26. November 2004 von freddyornot

versus
16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dylan hören ist besser als Dylan lesen
Ohne zu übertreiben wird man Bob Dylan als eine epochale Gestalt der modernen Populärmusik bezeichnen können. Seine Songs wurden zu Hymnen einer ganzen Generation, und dass, obwohl er zeitlebens so sang, als habe er gerade die vierte Kehlkopfoperation hinter sich. Was liegt da näher, als dem Geist von "Tamborine Man" oder "Blowin in the Wind" in einer...
Veröffentlicht am 22. Januar 2009 von euripides50


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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Voilà, ein Essayist, 26. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Chronicles (Rough Cut) (Gebundene Ausgabe)
Über die Autobiographie von Bob Dylan: „Chronicles"
Dieses Buch war vom großen Schweiger nicht zu erwarten gewesen. Nicht von, nicht über ihn und schon gar nicht so. Bob Dylan hat bereits mit dem ersten Band seiner dreibändigen „Chronicles" eine bemerkenswert unverschlüsselte, ungeschwätzige und uneitle Autobiographie vorgelegt, die Dylan vor allem als Essayisten von großer Hellsicht präsentiert.
Dylan hat Stil und Würde. Seine Sprache ist geradeheraus und präzise. Seine Begeisterungsfähigkeit gebiert Pathos, das Luthers Einsicht folgt, „wes das Herz voll ist, dem läuft das Maul über". Kein abschätziges, frivoles, gar skandalträchtiges Wort über Freunde, Weggefährten und Kollegen. Kein Altmännergeschwätz und Bettgeschichten über Liebschaften, Verflossene und Ehefrauen. Stattdessen Lob, Verständnis und Bewunderung, da und dort galante Komplimente, im äußersten Fall ein „I had other things to do" (Ich hatte anderes zu tun). Da und dort Namedropping über Idole und Lesefrüchte. Und Dylan bleibt, was er immer war, diskret, beinahe ängstlich darauf bedacht, seine und die Privatsphäre seiner Familie zu schützen. Manche haben das mit Paranoia zu erklären versucht. Man könnte es auch, nach einem seiner Songs nennen: „Dignity", Würde.
Und doch ist dies nicht das Buch eines feigen Schmeichlers, sondern eines hellsichtigen Mannes, der sich in aller Bescheidenheit falsche Bescheidenheit nicht leisten wollte. „To live outside the law you must be honest" (Um außerhalb des Gesetzes zu leben, musst du aufrichtiug sein) heißt eine Zeile in dem Song „Absolutely Sweet Mary". Er wusste, was er an sich hatte: „Picasso had fractured the art world and cracked it wide open. He was revoltionary. I wanted to be like that" (Picasso hatte die Kunstwelt aufgebrochen und weit gespalten. Er war revolutionär. So wollte ich sein.). Weil er stets wusste, auf welchen Schultern er stand, griff Dylan beherzt nach den schönsten Früchten ganz oben am Baum. Und er offenbart sich als jemand, der seine Grenzen kennt. Über den Song „What was it you wanted" von „Oh Mercy" schreibt er: „Maybe a couple of years earlier I might have rejected it, never finished it. Not now, though" (Vielleicht ein paar Jahre früher hätte ich den Song zurückgewiesen, nicht beendet. Freilich nicht jetzt.) Nun, der Mann hat annähernd tausend Lieder geschrieben.
Ohne Umschweife, ohne Vorwort, ohne überhaupt über den Titel „Chronicles" hinaus zu erklären, worum es geht, steigt Dylan ein. Erstes Kapitel „Markin' up the score". Im Deustchen mit sinnreichem Mehrsinn. Score einmal als die Partitur zu verstehen, die Dylan freigibt. Oder als die Zeche, die er abzeichnet. Oder auch: „Worum es hier geht". Es geht um seinen ersten Plattenvertrag, um den großen CBS-Produzenten John Hammond, der Dylan den ersten Vertrag gab. Und es geht um das winterkalte New York, das einen jungen Romantiker in Coffee Houses und Musikclubs empfängt, der Clausewitz liest und Fellini Filme schaut. Vier weitere Kapitel, eines über Dylans Genese als Songwriter,„The Lost Land" (Das verlorene Land), die Begegnung mit Woody Guthrie.
Dann die Zeit nach dem Motorradunfall, sein Mißbehagen um die Protestbewegung, die Belagerung seiner Familie durch sogenannte Fans und die Entstehung des eher „kleinen" Albums „New Morning" (Neuer Morgen), das dem Kapitel auch den Namen gibt. Kein Wort über die großen drei „Bringing it all Back Home",„Highway 61 Reviseted" und „Blonde and Blonde". Und Abschätziges über seine Alben dazwischen. Er spricht über eine anregende aber inkompatible Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Archibald MacLeish. Und er wiederholt erneut: „All I'd ever done was sing songs that were dead straight and expressed powerful new realities. I had little in common with and knew even less about a generation that I was supposed to be the voice of" (Alles was ich jemals getan habe, war, grundehrliche Lieder zu singen, die machtvolle neue Wirklichkeiten ausdrückten. Ich hatte wenig gemein mit und wusste noch weniger über die Generation, deren Stimme ich angeblich war.)
Dann „Oh Mercy" (Gnade), die Zusammenarbeit mit dem kanadischen Produzenten Daniel Lanois für die Aufnahmen von „Oh Mercy" in New Orleans, dem wirklich alten Amerika. Mit hinreisenden Geschichten umrankt, nicht garniert, die Dylan als großartigen Romancier vorstellen, der seinen ersten Roman noch zu veröffentlichen hätte. Dann wieder zurück in New York, 1961, im Kapitel „River of Ice" (Eisfluss). Seine Liebe zu Suze Rotolo und seine Epiphanie über einige Songs von Bertholt Brecht und Kurt Weill. Seine Entdeckung, dass es jenseits des Folksongs eine Welt zu entdecken gilt, die eine zeitgemäße künstlerische Sprache erfordert. Dylan würde liefern und wächst zum mächtigsten Songwriter des letzten Jahrhunderts.
Das alles ist lesenwert über die Person Bob Dylans hinaus, weil Dylan so ein hinreisender, präziser, Bild-reicher Schreiber ist. Jemand der die lange Form der „Chroniken" als fünf Essays über Kunst, die Medien und die wahren Werte beherrscht. Nicht der große Rätsel-Schamane, sondern ein kenntnisreicher, gebildeter Mann, der die Widersprüche nicht auflöst, sondern in einem Bild zusammenfasst, so dass wir sie erkennen können.
Diese Besprechung basiert auf dem amerikanischen Original
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Charmant-ehrlich & mit messerscharfer Intelligenz beschreibt ein Mann sich und seine Welt selbst!, 28. Juni 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Chronicles: Vol. 1 (Taschenbuch)
Obwohl ich mir eigentlich geschworen habe, beim Rezensieren nur auf Tonträger und Filme einzugehen, möchte ich hier einmal eine kleine Ausnahme machen.

Der Grund dafür liegt darin, dass ich den teilweise eher nicht so tollen Kritiken überhaupt nicht zustimmen kann.
CHRONICLES (Vol. 1, der 2. Teil soll angeblich (?) bald folgen) ist die interessanteste und "lyrischste" Biographie, die mir bislang jemals untergekommen ist. Gut, kein Wunder eigentlich - nicht erst seit gestern gilt Bob Dylan als mindestens ebenso guter Schreiber wie auch Musiker.
Dass es ihm aber gelungen ist derart authentisch, intelligent und witzig über sich und Teile seines Lebens zu erzählen, war dann meines Erachtens aber auch nicht unbedingt zu erwarten.

Dylan beschreibt viele Erinnerungen aus seiner Frühzeit als Musiker, als er nämlich eigentlich noch gar kein bekannter Vertreter dieser "Gattung" war: kitschige Popmusik, uralte Folkplatten, Idol Woody Guthrie, eiskalte Winter in New York... und nicht zuletzt natürlich auch viele Menschen, denen er dort und auch später noch dabei über den Weg gelaufen ist. Mit viel (wenn auch geschickt verpacktem) Charme und Raffinesse beschreibt er das Äußere von Menschen, die ihm offenbar wichtig waren und sind, so dass ihr tiefstes Inneres (soweit man das als Leser halt sagen kann) dabei "splitternackt" und ungeschönt (und eben gerade dadurch erst richtig SCHÖN) zum Vorschein kommt.
Und auch sich selbst öffnet der gute Mr. Dylan ein wenig. Schon alleine durch den Prozess des Schreibens findet eine Art Selbstöffnung und -offenbarung statt, die einen das ganze Buch hindurch begleitet.
Und das Buch ist schnell gelesen: Es fiel mir wirklich schwer, das Buch wieder aus der Hand zu geben, wenn ich einmal damit begonnen hatte!

Natürlich erzählt der große BOB auch von anderen Zeiten. Von den Achtzigern zum Beispiel und wie es sich anfühlte "Oh Mercy" aufzunehmen, nachdem ihn die halbe Welt praktisch für musikalisch-klinisch tot erklärt hatte... Und dabei machte es Mr. Dylan offenbar nicht einmal gar so viel aus, wenn sich sogenannte Fachmänner und Experten Sorgen um seine Karriere machten. (Er schafft es, das zu sagen, ohne jemanden heruntermachen zu müssen!) Entwaffnend ehrlich und sprachlich wirklich gekonnt (aber nicht unnötig "geschönt") sagt die matte Ikone, was sie sich denkt...

Tja, man braucht sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn man - so wie Bob Dylan - die Fähigkeit besitzt, ein echtes Schreibtalent zu sein. Man kann mit Sprache - auch ohne 99mal f... zu sagen (oder es aufzuschreiben) - provokant sein, authentisch, offen, humorvoll, galant und ehrlich.
Er ist schon ein abgebrühter Fuchs, dieser Bob Dylan! Er weiß was er will. Und er macht's einfach. Und wenn ihm die Welt dabei zuhören und zusehen möchte (und ihm Geld dafür in den Hut wirft), kann's ihm eigentlich nur recht sein...

Ich denke, umgekehrt wär's auch der Welt (mir vor allem!) sehr recht, wenn Mr. Dylan sich dazu entschließen kann ein CHRONICLES Vol. 2 nachzuliefern.
Darauf würde ich mich wirklich sehr freuen, genauso wie aufs neue Album, das im Juli erscheinen soll!

FORTSETZUNG UNBEDINGT ERWÜNSCHT!

Fazit: Die beste Biographie, die ich je gelesen habe - da ziehe ich bescheiden meinen Hut und bedanke mich für die vielen schönen Bilder, die mir Herr Dylan mit seiner Sprache in den Kopf gesetzt hat. THANK YOU, MR. DYLAN!!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zehn Jahre danach, 30. Juli 2014
Von 
Christian Günther - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Chronicles: Vol. 1 (Taschenbuch)
Zehn Jahre ist es her, dass Bob Dylan endlich mal eine Art Autobiographie vorlegte; zehn Jahre her, dass ich sie erstmals las (und mir bald darauf als Audiobook von Wolfgang Niedecken noch einmal vorlesen ließ - von wem auch sonst? wer wäre für den Job prädestinierter in Deutschland?). Unter dem Titel "Chronicles" prangt in kleineren Lettern der Hinweis: Volume one. Aha. Daß "Volume two" nun nicht gleich 2005 oder 2006 folgen würde, war nicht zu erwarten, aber so sachte ist es doch langsam an der Zeit. In Ermangelung der sehnsüchtig erwarteten Fortsetzung und das Buch als rundum gelungen in Erinnerung, widmete ich mich erneut den 300 Seiten.

Das Faszinierende an "Chronicles" ist, daß man wahrhaft ein wenig den Menschen hinter dem Mythos zu erkennen glaubt, gerade weil einem eine ganz andere Person begegnet, als man erwartet hatte. Nichts schrulliges, nichts sonderlich kauziges tritt da zu tage, kein Typ, der in kryptischen Umschweifen mit jedem Satz den Nebel nur noch mehr verdichtet und den Mythos ausbaut. Im Gegenteil. Dylan plaudert anekdotisch einige Momente seines Lebens durch. Momente, die man in Kenntnis seiner Biographie (aus der nun wahrlich im Übermaß existierenden Literatur über ihn) und in Kenntnis seines Werkes wohl kaum als Leser ausgewählt hätte. Da schienen doch andere Jahre, andere Alben, andere Personen und andere Schlüsselmomente wesentlicher, als die hier von ihm beschriebenen. Und das ist dann schon wieder typisch Dylan; und es ist wie häufig genauso brillant.

Hätte er die Produktion von "Blonde on blonde" ausführlich beschrieben oder das Schreiben von "Blowin' in the wind" oder das eindrucksvolle Rückmelden als prägender und nach wie vor relevanter Songwriter mit dem Album "Time out of mind" oder die Beziehung zu Joan Baez, dann hätte er Erwartungen erfüllt und - so er es gewollt hätte - dank seiner Wortkraft durch geschicktes Ausschmücken der Ereignisse sein eigenes Denkmal poliert. Dylan erzählt aber die Entstehung von "New morning", eines nun wahrlich nicht von allen geliebten Albums, was in seiner Diskographie auch historisch keinen allzu berühmten Platz einnimmt, und er erzählt von Songs, die nicht gelangen, die verworfen wurden oder bestenfalls erst Jahre später im Rahmen seiner "Bootleg Series" doch noch veröffentlicht wurden. Und er berichtet von Begegnungen mit Menschen, die er nur einmal traf, deren Namen er nicht mal weiß; zum Teil seltsame Gestalten, die ihm aber für einen Moment ein paar entscheidende Gedanken bescherten, ohne ihm unbedingt besonders sympathisch gewesen zu sein. Prominente Namen tauchen hingegen kaum auf.

Er hat damit alles richtig gemacht. Zum einen, weil nur so das Buch den Leser wirklich überraschen kann; und zum andern, weil man merkt: dieser Typ steht nicht jeden Morgen auf und denkt darüber nach, dass er eine lebende Legende ist. Dass er entgegen dessen, was der Titel suggeriert, ganz und gar nicht chronologisch vorgeht, geschweige denn lückenlos sein Leben durchpflügt, erscheint ebenfalls kaum als Makel. Er erzählt halt etwas aus seinem Leben; sprachmächtig und dennoch lakonisch, was ihm einfällt, nicht sortiert nach Zeit oder vermeintlicher Wichtigkeit oder Ausschlag für seine Karriere, einfach so und überaus angenehm. Und Dylan verkneift sich nicht etliches derart atmosphärisch darzustellen, dass man eher meint, einen auf das jeweilige bezogenen Essay zu lesen statt einer Musiker-Autobiographie. Es macht alles so verflixt Lust auf mehr. Was war in den Lücken? Und wie entstand vielleicht doch das ein oder andere Überwerk? Und was denkt er über zu Welthits gewordene Coverversionen?

Dieses Leben würde ohne Not fünf spannende Folgen von "Chronicles" hergeben. So unaufdringlich berichtet, macht es einfach Freude darin abzutauchen. Band zwei wäre ja schon mal ein Anfang. Bis er erscheint (wenn er überhaupt je erscheint), kann man diesen ersten Teil immer wieder mal alle paar Jahre zur Hand nehmen. Es fühlt sich ein bißchen an wie: Dylan auf der Straße treffen und sich festquatschen, unprätentiös, entspannt, absolut angenehm, und gar nicht wie ein Göttertreffen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Ergebnis freien Assoziierens, 17. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Chronicles: Vol. 1 (Taschenbuch)
Dylan wollte mit diesem Werk ganz offensichtlich keine klassische Autobiographie abliefern. Vielmehr hat er solche Fragmente seines Lebens in loser Reihenfolge aufgeschrieben, die ihm interessant genug für den Leser und gleichzeitig erinnerungswürdig für ihn selbst erschienen sind. His Bobness springt vom Beginn seiner Karriere bis in die späten 80er und wieder zurück. Erzählt von seiner Jugend, seiner Zeit in New York Anfang der 60er, vom Leben als "Protestsänger" (als den er sich selbst nie gesehen hat) und von inneren Dämonen während diverser Tourneen und Plattenaufnahmen. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir das Kapitel zur Aufnahme seines Albums "Oh Mercy" (1989), das er sich wahrlich abgerungen zu haben scheint. Ich hätte mir noch gewünscht, dass die Erlebnisse zeitlich eingeordnet werden, damit man ungefähr weiß - auch ohne eine klassische Biographie von ihm gelesen zu haben - in welchem Jahr(zehnt) er sich gerade gedanklich befindet - aber das wäre nur das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Fazit: Für Dylan-Fans ein Muss, für alle anderen aufgrund der sprachlichen Qualität aber ebenfalls durchaus lesenswert.
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16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dylan hören ist besser als Dylan lesen, 22. Januar 2009
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Chronicles: Vol. 1 (Taschenbuch)
Ohne zu übertreiben wird man Bob Dylan als eine epochale Gestalt der modernen Populärmusik bezeichnen können. Seine Songs wurden zu Hymnen einer ganzen Generation, und dass, obwohl er zeitlebens so sang, als habe er gerade die vierte Kehlkopfoperation hinter sich. Was liegt da näher, als dem Geist von "Tamborine Man" oder "Blowin in the Wind" in einer Autobiographie nachzuspüren, die der Meister selbst im hohen Alter von etwa sechzig Jahren verfasste? So habe ich es gemacht - an einem eiskalten Sonntagnachmittag legte ich "Best of Dylan" auf und begann in "Chronicles" zu lesen.
Wie es sich für eine moderne Autobiographie gehört, beginnt das Buch natürlich nicht mit der Geburt sondern mit der Ankunft Dylans in einem vereisten New York. Stimmungsvoll wird erzählt, wie die vergangenen und die künftigen Größen der amerikanischen Folkmusik sich in den Bars von Greenwich Village ein Stelldichein geben. "Songs über heruntergekommene Schmuggler, Mütter, die ihre eigenen Kinder ersäufen, Cadillacs, die auf hundert Kilometer fünfunddreißig Liter schlucken, Überschwemmungen, Feuersbrünste im Gewerkschaftssaal, Dunkelheit und Kadaver am Grunde von Flüssen" - das war nach eigener Auskunft das thematische Repertoire, mit dem der junge Barde sich den etablierten Alphatieren der Szene vorstellte. Es schien ihnen gefallen zu haben, denn ohne dass erzählt wird wie, finden wir Dylan plötzlich im Mittelpunkt einer landesweiten Hysterie, die den Künstler reichlich nervt. Dann wird es kunterbunt: Schaffenskrisen kommen und Gehen, Unfälle, Wendepunkte, harsche Zeitschnitte folgen, und dann setzt die Erzählung plötzlich wieder am Ende des Buches ein - so geht das über 300 Seiten, und wer will, kann in dieser Konzeption einen Spiegel der biographischen Tatsache sehen, dass der große Dylan immer nur um sich selber kreist. Für wirkliche Dylanfans ist das natürlich kein Problem, da sie eh schon alle hagiographisch relevanten Stationen kennen. Wer aber nur schnöde einen Lebenslauf kennen lernen will, muss ich einen Wikipedia-Ausdruck neben das Buch legen, um die einzelnen Lebensetappen auch wirklich verstehen zu können.
Mit diesem Wikipedia-Ausruck als Leitfaden kann man dann durchaus auch die Stimmungen genießen und einordnen, die das Buch immer wieder beschwört. "Jetzt ging ich erst einmal im Dämmerlicht spazieren", schreibt Dylan über seine Ankunft in New Orleans. Die Luft war dunstig und berauschend. An einer Straßenecke kauerte eine riesige hagere Katze auf einem Betonvorsprung. Ich trat näher und blieb stehen und die Katze rührte sich nicht. Schade, dass ich keine Milch dabei hatte." Stimmt, denkt der Leser. Das ist wirklich schade. Sehr oft steht Dylan auch mit den Händen in der Hosentasche am Fenster und blickt auf die Straße, döst auf dem Sofa herum, denkt sich dies und das oder trinkt ein Bier. Sehr anschaulich die Schilderungen der Szene mit ihren Bars, ihren Menschen und ihrer Musik: "Seine Musik war wie ein Tritt in die Fresse," heißt es an einer Stelle - oder: "Er sang, als stände er am Steuer eines brennenden Schiffes". Ích finde, das hat was. Weniger beeindruckend und fast ein wenig peinlich sind die Passagen, in denen Dylan als Denker und Geistmensch daherkommt. Wenn man ihm glauben kann, hat er immerhin gelesen, bis das Sofa krachte, unter anderem nach eigener Aussage "Die Lehre vom idealen Staat" von Perikles ( das Buch ist von Plato), über die Wikinger die im 14. Jhdt. in Amerika landeten ( da waren sie schon 300 Jahre wieder weg ), Einiges von Sokrates ( von dem wir keine einzige Zeile besitzen) und reichlich über Churchill, Roosevelt, Stalin und Hitler, die er alle in einen Topf wirft, denn "als Nachfahren von Alexander, Julius Cäsar, Dschingis Kahn, Karl dem Großen und Napoleon teilten sie die Welt unter sich auf wie einen Festtagsbraten." Diese Anmerkungen zeugen von einer bemerkenswerten Schlichtheit, die fast geeignet ist, das Bild des Giganten auf ein Bonsai Maß zu reduzieren. Das wäre natürlich ungerecht, denn Dylan ist natürlich kein Philosoph sondern ein Musiker. Deswegen brach ich die Lektüre des Buches nach zwei Dritteln ab und legte Dylans letztes großes Album "Modern Times" auf. Dylan hören ist eben doch weit besser als Dylan lesen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mein neues Lieblingsbuch, 13. November 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Chronicles (Rough Cut) (Gebundene Ausgabe)
Wer sich schon immer für Bob Dylan interessiert hat, MUSS dieses Buch lesen. Daneben verblasst jede der anderen Biografien, auch die wirklich guten! Natürlich, und das konnte man erwarten, befriedigt Dylan hier keine Voyeure, die sich oberflächlich für sein Privatleben interessieren. Und trotzdem, und hier liegt die hohe Kunst dieses Buchs, lernt man Dylans Innerestes kennen. Ich kann es nur so formulieren: nach all den Klischees, die man über diesen geheimnisvollen Mann gelesen hat, stellt er sich in diesem Buch als feinsinniger, netter und bescheidener Zeitgenosse dar, der nur eines nicht ertragen kann: im Übermass verehrt, vereinnamt und manipuliert werden. Er hat, so meint man herauszulesen, gar nichts dagegen, zu haben, das manhn toll findet - nur der Messias möchte er (verständlicherweise) nicht sein. Nur eines könnte er bedauern: Nach diesem Buch hat er noch mehr Fans, die ihn abgöttisch verehren werden.
Mir ging es so, dass mir schon, dass mir bereits nach 30 Seiten klar war, warum es gerade einer wie Dylan geschafft hat - ohne ein toller Gitarrist zu sein, un auch kein toller Sänger. Dylan ist eine echte Persönlichkeit, am Leben und an Menschen interessiert, ein toller Beobachter. Und er hat einen feinen Humor. Keinen, der einen laut auflachen lässt, eher einen Mutterwitz, einen sinn für das Absurde. Und er kann schreiben wie nur wenige, selbst die deutsche Übersetzung lässt einen seinen klaren, wenig aufdringlichen, humorvollen Ton spüren! Ich werde es jetzt auch noch auf Englisch lesen, so gut hat es mir gefallen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur für Fans., 12. August 2010
Kinder-Rezension
Rezension bezieht sich auf: Chronicles Volume 1 (Gebundene Ausgabe)
Das ist eine wunderbare Biographie nicht nur für Fans. Für diese jedoch ein Muss!
Dylan beschreibt einige Lebensabschnitte episodenhaft. Dies ist keine von-Anfang-bis-Ende-Alles-abgegrast Biographie.Dylan beweist auch im Roman den Mut zur Lücke. Hier werden sowohl einzelne Alltagsepisoden, als auch Schlüsselmomente (z.B. die Anfänge in New York)beschrieben.
Somit entwirft der Sänger eine Collage seines Lebens, die sowohl künstlerische Einflüsse wie Literatur, aber auch persönliche Hintergründe wie seine Frau Sarah einfliessen läßt.
Der Leser erhält einen kleinen Einblick in das abgeschirmte Dylan Universum. Figuren werden dem Leser nicht anhand von Beschreibungen und Erklärungen näher gebracht, sondern anbei erwähnt. Ein gewisses Vorwissen der damaligen Musikszene ist zwar nicht zwingend notwending, schadet aber nicht, da der Leser direkt in das New York der 60er hinein katapultiert wird. Und genau dieser Insider Blickwinkel auf die zeitgenössischen Begebenheiten und Figuren macht dass Buch auch für Musikinteressierte, die nicht unbedingt an Bob Dylan interessiert sind, lesenswert.

Und letztendlich ist es auch ein gut geschriebenes Stück Literatur über das Künstlersein an sich. Nichts Neues, aber immer wieder spannend und in diesem Fall ansprechend gestaltet.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Habe es nicht aus der Hand gelassen!, 4. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Chronicles: Vol. 1 (Taschenbuch)
Normalerweise dauert es bei mir ein bisschen länger, ein Buch durchzulesen. Nicht bei diesem hier. Einfach spannend, was der Pate des Rock zu erzählen hat. Eine sehr, sehr schöne Sprache, wie gewohnt. Freue mich schon auf den zweiten Teil!
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Geschichte davor, 25. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Chronicles: Vol. 1 (Taschenbuch)
Klare Sache. Die ersten Schritte von Bob Dylan, die wohl die wenigsten kannten. Country und Folk waren natürlich die Einflüsse. Die ganzen Personen, die ihn mehr oder weniger beeinflußt haben, wie Dave van Ronk und die anderen. Wie er in NYC gelebt hat und wie er auch später immer wieder den Dreh fand sich neu in Szene zu setzen. Seine Zweifel. Das kam alles sehr echt rüber und ich verstehe ihn besser denn je, dass er kein Meinungsfüher einer Jugendbewegung sein will und wollte. Freue mich auf den zweiten Teil, wenn es denn einen geben sollte.
Das Buch hab ich schon in meinem Bekannten- und Freundeskreis weiterempfohlen.
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4.0 von 5 Sternen Typisch Dylan, 10. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Chronicles: Vol. 1 (Taschenbuch)
Muß ich denn jetzt auch noch eine Rezension schreiben?Die vorhandenen Rezensionen haben doch schon alles gesagt.Ja.Ich muß..... erst einmal wieder in die Realität zurück finden.Faszinierend wie Herr Dylan es sprachlich schafft einen einfach mitzunehmen. Mit auf eine Zeitreise, mit in sein Leben und immer in den richtigen Portionen.Er schafft es einem Leser wirklich zu vermitteln, wie er sich jeden Song erarbeitet,ja schon fast erkämpft hat.Manchmal kommt man selbst als leser ganz schön ins schwitzen wie anstrengend es sein muß einen Song zu schreiben wenn einem das wirklich wichtig ist.Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen.Und immer hat man das Gefühl er ist authentisch.Genau so war es und nicht anders.Und keinem Menschen dem er begegnet ist bleibt er Respekt schuldig.Und er ist verdammt vielen Menschen begegnet. All die namenhaften und weniger namenhaften Musiker haben ihren Stellenwert.Und doch reicht es bei mir nur zu 4 Sternen. Man wird schon auf den ersten Seiten mit Namen zugeworfen. Beispiel gefällig?Auf den ersten beiden Seiten liest man:Lou Levy,Bill Haley,Jack Dempsey,John Hammond,Jerry Vale,Al Martino,The Andrews Sisters,Nat King Cole,Patti Page,The Crew Cuts,Billie Holiday,Teddy Wilson,Charlie Christian,Cab Calloway,Benny Goodman,Count Basie,Lionel Hampton,Bessie Smith............ Solche Namenlawinen kommen häufig vor.Manchmal bekommt man schon den Eindruck das Bob Dylan jeden irgendwann einmal exestierten Folkmusiker in seinem Buch einen Platz einräumen möchte und das kann schon mal für einen Leser verwirrend sein. Ich finde auch das er manchmal einige Zeitsprünge von einem Kapitel zum nächsten macht ohne eine Zeitangabe, so das man nicht so recht weiß in welchem Jahr man nun ist. Aber nichts destotrotz bin ich natürlich schon auf den zweiten Band gespannt und freue mich wenn die Reise mit Bob Dylan weiter geht.
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Chronicles Volume One
Chronicles Volume One von Bob Dylan (Taschenbuch - 19. September 2005)
EUR 10,60
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