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4.0 von 5 Sternen Erfrischend anders, aber nichts für die ernste Tarotarbeit, 20. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Gay Tarot (Karten)
Als Sammler von Tarotkarten habe ich mittlerweile schon alle möglichen Motive gesehen. Dass es aber sogar für bestimmte Bevölkerungsgruppen eigene Tarotsets gibt, war mir neu - ein Grund mehr, mir dieses Set mal ganz genau anzuschauen.

Was beim Betrachten der Karten sofort auffällt, ist, dass sie (wirklich) sehr schön gestaltet sind. Sie stellen (fast ausschließlich) Männer in vielen verschiedenen Alltagssituationen dar, z.B. einen jungen Tramper, eine Zirkusszene, einen Taucher, einen Koch, die aufgrund des abgebildeten Szenarios nicht selten einen eindeutigen Bezug zur Bedeutung der Karten haben. Einige Abbildungen sind natürlich eindeutig schwul inspiriert, wie beispielsweise die beiden Männer, die gerade getraut werden (V, Der Geistliche) oder der junge Mann, der sich in einem Gespräch mit seinen Eltern (vermutlich) gerade outet (XVI, Enthüllung). Wider Erwarten erfüllt das Set keine (oder zumindest nur wenige) Klischees, und es bildet (bis auf eine Ausnahme, XVIII, Der Mond) keine eindeutigen Sexszenen und auch nur sehr wenige Fetische ab. (Darüber werden sich vermutlich viele Schwule ärgern.)

Dafür gibt es aber leider einige andere Mankos. Etwas "irritierend" für Tarotkenner ist zum Beispiel die Tatsache, dass einige der Großen Arkana sowie die Hofkarten umbenannt wurden. So tauchen hier auf einmal die "III Intuition" (statt der Hohepriesterin) und "IV Der Beschützer" (statt der Herrscherin) auf. Aus dem "Teufel" wurde der "Selbsthass", was der Bedeutung der Originalkarte nicht gerecht wird, aus dem "Turm" wurde die "Enthüllung", und wer sich im normalen Tarot mit "Gericht" konfrontiert sieht, befindet sich im Schwulentarot auf einmal "Jenseits des Gerichts" - warum auch immer.

An die Stelle der Hofkarten "Page", "Ritter", "Königin" und "König" tritt im Gay Tarot natürlich die geballte "Muskelschaft" der Männer in allen Lebensphasen: der muskulöse "Jüngling", der maskuline "Mann", der geflügelte "Führer" und der ältere "Weise". Das mutet schon fast so an, als würden Frauen im Leben der Schwulen überhaupt keine Rolle mehr spielen, was wohl eher dem Wunschdenken vieler Schwuler als der schwulen Realität entsprechen dürfte. Oder haben die Herren keine beste Freundin, bei der sie sich ausheulen können, wenn die sovielte Beziehung aufgrund einer neuen Szenenbekanntschaft mal wieder in die Brüche gegangen ist?

Dass man für die Übersetzung der "guide"-Karten auf das deutsche Wort "Führer" zurückgegriffen hat (anstatt z.B. "Begleiter"), der dann gleichzeitig als Engel mit Flügeln abgebildet wird, kann ich nur als geschmacklos bezeichnen.

Zu den Abbildungen lässt sich einiges Erfreuliches, aber auch einiges eher Negatives schreiben. Besonders erfreulich ist, dass die Originalmotive der Rider-Tarotkarten teilweise geschickt mit eingebaut wurden, was bei denjenigen, die es gewohnt sind, mit dem Rider-Tarot zu arbeiten, zu einer Art "Aha-Erlebnis" führen dürfte. Die 5 der Münzen beispielsweise stellt ganz eindeutig die Situation unter dem Kirchenfenster aus dem Rider-Tarot dar, und das Rider-Motiv der 10 der Schwerter ist in diesem Set deutlich auf einem Computerbildschirm zu erkennen. Bei der 5 der Kelche, auf der ein Mann in der Küche steht und offensichtlich drei Becher hat fallen lassen, auf die er nun hinunterblickt, während zwei weitere Becher intakt hinter ihm auf der Anrichte stehen, erkennt man mit etwas Phantasie auch die Originalabbildung aus dem Rider-Tarot. Im Hinblick auf das Zielpublikum und den Wunsch, alles Weibliche möglichst zu vermeiden, wurden einige Originalmotive aus dem Rider-Tarot auch "schwul" uminterpretiert. So umarmen sich beispielsweise bei der 10 der Kelche anstelle eines Ehepaars zwei Männer unter einem Regenbogen, während zwei Kinder fröhlich herumtänzeln.

Die Kartenbezeichnung selbst (z.B. "Fünf der Schwerter") steht viersprachig auf dem oberen und unteren Rand von jeder Karte. Das ist bei vielen Karten allerdings auch die einzige Möglichkeit, zu erkennen, um welche Karte es genau geht, und das finde ich persönlich ein wenig kompliziert. Dadurch lässt sich mit vielen Karten nur schwer arbeiten, weil sie die Aufmerksamkeit zu sehr auf sich lenken. Als Betrachter ist man eher damit beschäftigt, das Motiv (fünf Schwerter) zu suchen, als sich auf die eigentliche Bedeutung der Karte zu konzentrieren.

Nur auf wenigen Karten (vor allem in der Kelchreihe) ist die Kartenbezeichnung ganz eindeutig im Bild selbst zu erkennen, so zum Beispiel bei der 3 der Kelche, auf der die drei Figuren auf dem Springbrunnen einen Kelch in der Hand halten.

Bei anderen Karten lässt sich die Kartenbezeichnung mit ein wenig Phantasie aus der Abbildung ableiten. Bei der 4 der Münzen beispielsweise sind vier runde, farbige Kameralinsen erkennbar - immerhin genauso rund wie die Münze, und auch bei der 7 der Münzen lässt der umgekippte Mülldeckel aufgrund seiner runden Form erahnen, dass es um die Münzen geht, während man die "7" ganz klein als Nummer auf dem T-Shirt des Gärtners findet. Bei der 5 der Stäbe sind fünf Eishockeyspieler zu sehen, die je einen Schläger (Stabform) in der Hand halten, und bei der 7 der Stäbe dürften die sieben eckigen Stufen der Treppe im Hintergrund die sieben Stäbe symbolisieren.

Bei weiteren Karten ist das eigentliche Symbol (Kelch usw.) überhaupt nicht erkennbar; da lässt sich anhand der abgebildeten Elemente höchstens die Zahl herausfinden. So sind z.B. bei der 8 der Stäbe acht Vögel und bei der 9 der Schwerter neun Düsenjets abgebildet. Was Vögel oder Düsenjets aber mit Stäben bzw. Schwertern zu tun haben, ist mir unklar. Das Gleiche gilt für die drei Regenschirme auf der 3 der Schwerter oder für die vier Stühle auf der 4 der Schwerter. Dass auf der 7 der Schwerter sieben Umschläge abgebildet sind, ist auf aufgrund der Farbgestaltung auf den ersten Blick nicht ganz eindeutig zu erkennen, aber immerhin trägt der skateboardende Briefträger eine römische VII auf der kurzen Hose.

Bei anderen Karten wiederum lässt sich anhand des abgebildeten Motivs überhaupt nicht mehr feststellen, um welche Karte es geht. So ist auf vielen Karten weder das Motiv (Kelch, Stab, Schwert, Münze) noch eine Zahl zu erkennen, wie z.B. bei 8/9/10 der Kelche, der 2/3/6/10 der Münzen, der 6/10 der Stäbe, der 2/5/6/8 der Schwerter. Hier lässt sich (abgesehen vom Titel der Karte) teilweise nur anhand der Originalbedeutung der Karten herausfinden, um welche Karte es sich konkret handeln könnte. So ist auf der 8 der Kelche beispielsweise ein junger Mann abgebildet, der in ein Flugzeug steigt. Dies entspricht der eigentlichen Bedeutung der Karte, auch wenn weder das Symbol "Kelch" noch die Zahl 8 im Bild erkennbar ist. Bei der 6 der Münzen ist ein Banker zu sehen, der - ähnlich wie auf der Originalkarte - Geld verteilt.

Einige Abbildungen schließlich sind einfach irritierend. Auf der 10 der Münzen sind SIEBEN Männer in bzw. hinter einem Auto zu sehen, auf der 4 der Kelche sind FÜNF Männer abgebildet - von denen zwar nur vier ein Manuskript in der Hand halten, aber da fragt man sich, was ein Manuskript mit einem Kelch zu tun haben, zumal der Kelch auf vielen anderen Karten als Wasser abgebildet wird. Auf der 6 der Kelche sind auf der Bettdecke zwar tatsächlich Kelche abgebildet - aber es sind keine sechs, sondern insgesamt zehneinhalb. Der Jüngling der Stäbe hält eine runde Linse in der Hand - da ähnliche Linsen auch auf der 4 der Münzen abgebildet wurden, fragt man sich zu Recht, warum die Linse sowohl die Münzen als auch die Stäbe symbolisieren soll. Auf der 7 der Kelche ist nur ein einziger Kelch sichtbar, und zwar auf dem Einband eines Buches im Schaufenster eines Buchladens - allerdings befinden sich in demselben Schaufenster noch 26 weitere Bücher.

Fazit: Dieses Set ist wirklich erfrischend, originell, frech, spaßig, schön anzusehen und für manch Schwulen sicherlich auch durchaus anregend - aber wirklich damit "arbeiten" kann man damit meiner Meinung nach kaum. In dieser Hinsicht schließe ich mich meinem Kollegenrezensenten an, der das Ganze eher als Gag für eine Schwulenparty betrachtet. Die knappen zehn Seiten Anleitung im Begleitheftchen dürften dafür gerade ausreichen. Aufgrund der Idee und der Ausarbeitung trotzdem vier dicke Sterne.
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Gay Tarot
Gay Tarot von Lee Bursten (Karten - 30. November 2004)
EUR 21,66
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