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am 1. Februar 2016
Erst einmal vorweg: das ist ein ausgezeichnetes Buch in einer Art, die in Deutschland seit langem aus der Mode gekommen ist, nämlich der 'klassischen', operativen Militärgeschichte. Es ist wohl kein Zufall, dass Citino bis in die 1930er Jahre ausgiebig aus deutschen militärhistorischen Texten zitiert, danach eigentlich nur noch aus angelsächsischer Literatur. Es liegt schon eine gewisse Ironie darin, dass man Jünger von Clausewitz heute vor allem in den USA findet, die wesentlich dazu beigetragen haben, seinen Staat auszulöschen. Wer sich für Literatur zur operativen Militärgeschichte Deutschlands bis 1945 interessiert, wird kaum auf aktuelle deutsche, aber auf etliche US-amerikanische Autoren stoßen, nicht zuletzt eben Citino, der sich vor allem mit der Zwischenkriegszeit und dem Zweiten Weltkrieg befasst hat.

Der Professor der University of North Texas steht auch insofern in der Tradition der klassischen deutschen Geschichtsforschung und Militärhistoriografie des 19. Jahrhunderts, als er Preußen mit Deutschland gleichsetzt. Hierzulande ist man von dieser Perspektive schon lange abgekommen, da sie der Vielfältigkeit deutscher Staaten bis 1871 in keinster Weise gerecht wird. Österreich (das bis 1866 zu Deutschland rechnete), Bayern, Hannover, Württemberg, Baden und die vielen andere Staaten hatten eigene, oft komplett andere militärische Traditionen. Der 'German way of war' ist tatsächlich der 'Prussian way of war'. Diese "preußische Art des Kriegs" kann erst ab 1866 und 1871 mit einer gewissen Berechtigung auf ganz Deutschland übertragen werden.

Citino arbeitet sehr überzeugend heraus, dass es eine spezifisch preußische Art der Kriegsführung gab, die aus den begrenzten Ressourcen des Staates resultierte. Eine 'Ermattungsstrategie' konnte sich Preußen nicht leisten, deshalb mussten seine Kriege 'kurtz und vives' (kurz und lebhaft) sein. Preußische Feldherren agierten aggressiv und risikobereit, bevorzugten die Offensive und suchten die schnelle Entscheidungsschlacht, die idealerweise durch Flankieren oder sogar Einkesseln des Gegners und nicht durch frontales Anrennen gewonnen wurde ('maneuver warfare', dt. 'Bewegungskrieg'). Um dies zu erreichen, räumte man den Offizieren ein hohes Maß an Selbstständigkeit ein - sie sollten sich ergebende Gelegenheiten nutzen, statt lange irgendwelche Vorgesetzten zu fragen, was sie tun sollen (die berühmte 'Auftragstaktik'). Auch die ganze militärische Logistik war auf kurze, schnelle Kriege ausgerichtet. Diese Grundzüge der preußischen Kriegsführung verdeutlicht Citino anhand verschiedener Feldzüge und Schlachten vom 17. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg. Allerdings beginnt er nicht im Dreißigjährigen Krieg, wie der Buchtitel fälschlicherweise suggeriert, sondern mit dem 'Großen Kurfürsten' Friedrich Wilhelm I.. Dessen Kämpfe gegen Polen und Schweden, angefangen mit der Schlacht bei Warschau 1655, bilden den Auftakt. Hierbei versucht Citino, die Akteure und ihre Handlungen aus der Zeit heraus zu verstehen und zu analysieren, anstatt - wie heute offensichtlich teilweise noch üblich - Zensuren zu verteilen und im nachhinein zu erklären, 'wie man es hätte machen müssen'. Die Line führt über Friedrich II. den Großen, der als 'roi connetable' (König-Oberbefehlshaber) eine zentrale Rolle bei der Herausbildung der preußischen Kriegsführung spielte, den Niedergang und Wiederaufstieg in den Revolutions- und Napoleonischen Kriegen über Moltkes Kriege gegen Österreich und Frankreich, Schlieffen und den Ersten Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit (wo ein Abschnitt dem deutschen Lesern kaum mehr bekannten Kampf deutscher Freikorps gegen polnische Aufständische um den schlesischen Annaberg 1921 gewidmet ist) bis zur Anfangsphase des Zweiten Weltkriegs, wobei 1941 als Endpunkt etwas willkürlich gewählt zu sein scheint. Dass die charakteristische preußisch-deutscher Kriegsführung mit diesem Jahr endete, möchte man bei Betrachtung von Männern wie Manstein oder Rommel (letzterer natürlich kein Preuße, sondern ein Schwabe) dann doch nachdrücklich bezweifeln.

Eine Stärke des des Autors ist die Art, Schlüsselfiguren wie den Großen Kurfürsten, Derfflinger, Friedrich den Großen, Blücher, Clausewitz, Moltke oder Schlieffen knapp aber prägnant zu skizzieren und in die Kriegsführung ihrer Zeit einzuordnen. Dabei wird sehr deutlich, dass es keineswegs 'den' preußischen Offizier gab; neben Intellektuellen wie Moltke oder Clausewitz sind auch Charaktere wie Blücher oder Steinmetz typisch, die den Gegner schlicht und einfach wie eine Bulldogge angriffen, wo er sich zeigte, ohne Rücksicht auf irgendwelche Strategien und ohne Rücksicht auf Verluste. Auch wenn Citinos Respekt für einige der Akteure, vor allem Moltke - in dessen Kriegskunst er den Kulminationspunkt des 'German way of war' sieht - offensichtlich ist, so ist er keineswegs blind für die Schattenseiten dieser Kriegsführung und hebt hervor, dass zu ihr in interschiedlichen Graden immer auch eine ungewöhnliche Härte und Rücksichtslosigkeit gegenüber der Zivilbevölkerung gehörten. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Citino eine komplexe Entwicklung wie die des preußisch-deutschen Militärwesens über 400 Jahre hinweg etwas über Gebühr vereinfacht, um seine Grundthesen deutlicher hervortreten zu lassen. Man wird zweifellos auch etliche preußische Generäle finden, die lethargisch statt aggressiv waren, die Defensive bevorzugten oder selbstständige Aktionen von Untergebenen verabscheuten. Vielleicht weil sie nicht in die Argumentation passt, wird auch die Frage umgangen, warum das deutsche Heer so hervorragende Qualitäten in der Defensive zeigte, wenn es angeblich so einseitig auf die Offensive fixiert war. Ein wenig Differenzierung und Verbreiterung der Argumentation hätte da gut getan. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass hier ein ausgewiesener Experte spricht, der darüber hinaus die typisch angelsächsische Fähigkeit zeigt, fundiertes Wissen mit einer anschaulichen und - man möge mir angesichts des Themas verzeihen - unterhaltsamen Erzählweise zu verbinden. Trotz der gemachten Einschränkungen ein sehr empfehlenswertes Werk zur Geschichte der preußisch-deutschen Kriegsführung.
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am 18. Februar 2013
Hier hat ein Fachmann für interessierte Laien geschrieben. Das Buch ist spannend und anschaulich.
Citino behandelt das Thema "Warum haben deutsche Armeen seit ca. Friedrich dem Großen so überdurchschnittlich gut gekämpft?"
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