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80 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniestreich
Im Zentrum von Lems Roman "Solaris" steht der gleichnamige, von einem vermutlich intelligenten Ozean bedeckte Planet, der sich seit Jahrzehnten der Erforschung widersetzt. Kris Kelvin, ein Psychologe und Erzähler der Geschichte, findet bei seinem Eintreffen auf der Station die Mannschaft, die mit schmerzhaften Erinnerungen und verdrängten Bildern ihres...
Veröffentlicht am 12. August 2006 von Andreas Reich

versus
88 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerträgliche Übersetzung
Mag auch der Inhalt des Buches zu Recht als Klassiker gelten: sprachlich ist jedenfalls die deutsche Fassung geradezu unterträglich. Durchweg finden sich merkwürdige Satzstellungen ("Ich blieb stehen wie angewurzelt."), schiefe Übersetzungen ("- Nichts. - sagte er und klapperte schnell mit den Liddeckeln." - gemeint sind Augenlider, mit denen hier...
Veröffentlicht am 31. März 2008 von B. Stemmer


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80 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniestreich, 12. August 2006
Von 
Andreas Reich (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Im Zentrum von Lems Roman "Solaris" steht der gleichnamige, von einem vermutlich intelligenten Ozean bedeckte Planet, der sich seit Jahrzehnten der Erforschung widersetzt. Kris Kelvin, ein Psychologe und Erzähler der Geschichte, findet bei seinem Eintreffen auf der Station die Mannschaft, die mit schmerzhaften Erinnerungen und verdrängten Bildern ihres Unbewussten konfrontiert wird, in entsprechend desolater Verfassung vor. Auch Kelvin hat nach kurzer Zeit Erscheinungen in Form seiner Geliebten Harey, die sich vor Jahren das Leben nahm, als er sie verlassen wollte. Obwohl er die Künstlichkeit dieser "Harey" erkennt, empfindet Kelvin etwas für sie und versucht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, die letztlich genauso wenig Erfolg hat wie der Versuch, in Kontakt mit dem Ozean zu treten.

Lems zu recht weltberühmter Roman ist heute quasi ein Synonym für Science Fiction und stellt die Möglichkeiten dieser Literaturgattung eindrucksvoll unter Beweis. Philosophisches Kernstück ist die Frage, wie der Mensch mit Dingen umgeht, die zu begreifen er nicht im Stande ist bzw. die sich seinem Verständnis bewusst entziehen. Die Reaktionen, von denen berichtet wird, reichen von Flucht über Rückführung auf vermeintlich Bekanntes bis zum Versuch der Vernichtung. Interessanterweise scheint diese Fragestellung einigen Interpreten entgangen zu sein: Wenn etwa Theweleit unter dem Ozean eine Metapher "weiblicher Sexualität" verstanden wissen will und darüber Rückschlüsse über den Autor zieht, folgt er genau dem Muster, dass einige der Forscher in Bezug auf den geheimnisvollen Planeten praktizierten. Der psychologisierende Versuch, dass Fremde auf Allbekanntes zu reduzieren, schlägt jedoch fehl und offenbart etwas über den Interpreten, weniger über den Gegenstand.

In ihren Versuchen, ein nicht begreifbares Gegenüber zu verstehen, wird die Mannschaft auf sich selbst zurück geworfen. In diesem Punkt befördert die Handlung eine doppelte Reflexion: Der in seinen Phänomenen unverständliche Ozean konfrontiert die Menschen mit einzelnen Aspekten ihres Selbst, die ihnen ebenso rätselhaft bleiben. Der Versuch, im Ozean ein in irgend einer Weise dem Menschen ähnelndes Wesen zu erkennen und zu begreifen, verkehrt sich hier ins Gegenteil: Der Mensch spiegelt sich im Ozean und findet das in sich selbst liegende Unverständliche.

Das Buch enthält selbstverständlich noch andere Aspekte und erschöpft sich nicht in einer einzelnen Lesweise. Sowohl Tarkowski als auch Soderbergh verfilmten die Geschichte und zeigten dabei unterschiedliche schwerpunktmäßige Gewichtungen. Die Filme können die Lektüre daher auch nicht ersetzen; sie sind aber insofern interessant, als sie einem verschiedene Arten der Interpretation aufzeigen, die man mit der eigenen Wahrnehmung vergleichen kann. Das Werk ist, obgleich alles andere als langweilig geschrieben, sicher keine leichte Unterhaltung, nebenbei bewältigt werden kann, doch die Auseinandersetzung lohnt sich in jedem Fall.
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39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Science Fiction als Kammerspiel, 3. November 2005
Allen Kinogängern sei es vorweg gesagt: weder Soderberghs Verfilmung von 2002 noch die Tarkowskijs von 1970 schaffen es, das Buch zu bewältigen. (Tarkowskij gelang immerhin noch eine eigenständige und sehenswerte Bearbeitung des Themas.) Das Buch entspricht in seinem Aufbau einem Theaterstück. Es lebt ganz von den Personen und ihren Monologen und Dialogen. Die Schwierigkeit des Menschen, Unbekanntes zu interpretieren und die Unlösbarkeit mancher Rätsel hinzunehmen, ist das eigentliche Thema des Buches. Wer lieber Abenteuer und Action in der Science Fiction sucht, sollte die Finger davon lassen.
Stanislaw Lem ist eine detaillierte und vielschichtige Parabel gelungen; eine Parabel darüber, dass der Mensch immerfort nach Wissen strebt und Neues erkundet, sich aber niemals sicher sein kann, dass er auch v e r s t e h t , was er findet. Selbst der Wissenschaftler schafft es nie, objektiv zu sein; seine unbewussten Sehnsüchte und psychischen Wunden mischen sich immer in seine Interpretation mit ein.
Das Buch bietet keine „Auflösung" der Rätsel (zum Glück!); der Planet Solaris bleibt mysteriös. Die Forscher in der Raumstation haben statt dessen etwas über sich selbst erfahren; über ihre eigenen Grenzen, über die Grenzen der Wissenschaft und über die nötige Ethik des Wissenschaftlers.
Fazit: ein spannender psychologischer Roman, der nachdenklich macht und auch einige unbequeme Fragen aufwirft (z.B.: kann man in einer unmenschlichen Situation noch nach den erlernten „menschlichen" Normen handeln?).
Ich lege das Buch vor allem Naturwissenschaftlern und Theologen ans Herz.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fast ein mit Gebrechen behafteter Gott, 8. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
ZUR ÜBERSETZUNG:
Mir fielen schon die vielen gedeichselten Wortwendungen und etwas kuriosen Stilblüten auf. Auch der manchmal ein wenig seltsame Satzbau. Ich führte das bei der Lektüre von "Solaris" auf den Versuch der Übersetzerin, Irmgard Zimmermann-Göllheim, zurück, ein altmodisches Polnisch ganz besonders präzise zu übertragen. Wäre das nicht der Fall, läge eine fehlerhafte deutsche Version vor, müsste eine Neuübersetzung erfolgen.

Die zum Teil abgehackten Dialoge sind eindeutig ein Stilmittel von Stanislaw Lem, um Ratlosigkeit, Entsetzen, Angst und die Verzweiflung der Sprechenden auszudrücken. Dass Lem auf Anführungszeichen bei der wörtlichen Rede verzichtet, hat den gleichen Grund. Die Sätze der Protagonisten erschallen wie von weit her, wie unter Wasser vernommen. Hilflosigkeit ausdrückende Gespräche, wie von einem tiefen Ozean begraben...

INHALT / THEMA / HANDLUNG / STIL
Einige Rezensenten in diesem Amazon-Forum haben anscheinend das Kernthema von "Solaris" nicht richtig erfasst. In dem Roman geht es nicht um eine Liebesgeschichte, einen Thriller à la "Alien", eine Space Opera für die Fans von Star Trek, Star Wars, Heinlein & Co. Elemente davon sind durchaus enthalten, besonders die bizarre Liebesgeschichte und die bedrohliche Atmosphäre von James Camerons Kinoklassiker. Doch das Kernthema von "Solaris" ist ein anderes.

Es geht um den gallertartigen Ozean, der einen Planeten umschließt, der um zwei unterschiedliche Sonnen kreist. Die Gallerte könnte eine Art Organismus sein, eine völlig fremdartige Lebensform, deren Funktionen seit vielen Jahrzehnten beobachtet werden. Die Funktionen sind Gegenstand der wildesten, aber auch der wissenschaftlich seriösesten Spekulationen. Das brodelnde Plasma-Meer und die Vermutungen der Menschen darüber, darum geht es in "Solaris".

Ist der Ozean einfach nur eine auf die Physik reagierende Masse? Oder ein intelligentes Lebewesen, welches mit seinen aus dem Schaum des Meeres geborenen Formen allerhöchste Mathematik interpretiert? Oder eine Art Gott? Eine verhinderte Gottheit, die auf dem Weg zur handelnden Superkreatur stecken geblieben ist? Die farbigen Spekulationen darüber füllen die Romanseiten von "Solaris" aus.

In dieses Kernthema integriert ist die Geschichte um die drei Besatzungsmitglieder der Solaris-Station. Und ihres Neuzugangs von der Erde. Vier unterschiedliche Charaktere, einer davon schon zu Beginn der Handlung verstorben (Selbstmord, also nur noch in der Rückschau dabei). Jene vier Solaris-Forscher haben vier 'Gäste' zu Besuch. Zu ihren 'Gästen' haben die Forscher, so weit Stanislaw Lem uns daran teilhaben lässt, traurig-romantisch-abstruse Beziehungen. Die müssen sie auch haben. Man wird sie nämlich nicht los...

Immer wieder beschreibt Lem den Ozean im Schein der beiden Sonnen. Er entwickelt dabei eine Sprachgewalt (durch Frau Zimmermann-Göllheim gebremst oder gefördert?), die außerordentlich beeindruckend ist. Dann kommen wieder Passagen, in denen der neue Mann auf der Solaris-Station von den vielen Interpretationen über die Beschaffenheit des (vielleicht) lebenden Meeres liest. Diese Bilder des Ozeans und seiner ihm entsteigenden Gebilde und die Bibliotheks-Passagen, wie das so manche Rezensenten hier sehen, als Beiwerk abzutun, ist eine Fehleinschätzung des Romans.

Der 'Gast' des Neuzugangs der Station, Kelvin, ist eine Frau. Seine Geliebte, die vor zehn Jahren Selbstmord begangen hat. Sie kann demnach unmöglich echt sein, entpricht aber trotzdem bis zu den Grübchen im Gesicht und der intimsten Mimikry der verstorbenen Liebsten. Sie loszuwerden, ist Kelvin, genauso wie allen anderen Solaris-Forschern, zuerst eine Verpflichtung, da er sie für eine Manipulation des den Planeten einnehmenden Plasmas hält. Später bekommt er Skrupel...

Aber sind die 'Gäste' wirklich der Versuch einer Manipulation? Wenn man sie, wie auch immer (meist mit akuter Gewalt), losgeworden ist, kehren sie zurück, sobald der Gastgeber geschlafen hat. Könnte es sich um eine Art Kontaktaufnahme handeln? Oder eine Überwachung der Menschen auf dem Planeten Solaris? Bei ihrer Rückkehr können sich die 'Gäste' nicht daran erinnern, dass man sich von ihnen trennen wollte (auf Trennungen reagieren sie sowieso außerordentlich allergisch...). Es kommt, wie es kommen muss. Kelvin verliebt sich in seinen 'Gast'.

Über die 'Gäste' der anderen Solaris-Forscher erfahren wir nicht viel. Einer könnte ein Kind sein. Skurril ist der 'Besucher' des Verstorbenen, Gibarian. Gibarians Erscheinung bleibt, bis auf einige Streifzüge durch die Station, beim Leichnam seines Gastgebers in der Kühlkammer. Keine Farbige aus den USA oder Zentralafrika, sondern eine archaische Schwarze, wie man sie von alten afrikanischen Skulpturen her kennt, starkhüftig und vollbusig und nackt; von Lem politisch unkorrekt, aber treffend als Negerin umschrieben. Es ist nicht anzunehmen, dass Gibarian ein Farbiger gewesen ist. Warum also ist ihm diese animalische Erscheinung so wichtig gewesen wie Kelvin seine durch Selbstmord ums Leben gekommene Geliebte? Meines Erachtens haben wir es hier mit einem Beispiel des berühmt-berüchtigten Lem'schen Humors zu tun.

Die Solaris und ihr einziger Ureinwohner. Ist ein Kontakt zu ihm möglich? Ein Kontakt mit einer Daseinsform, deren Fremdartigkeit sie zur Projektionsfläche der geballten menschlichen Fantasie und Wissenschaft macht, ohne dass etwas Entschlüsselndes dabei herauskäme. Eine Kommunikation mit dem vollkommen Unbekannten? Ein Informationsaustausch mit Gott? Formal lässt Stanislaw Lem die Frage offen, aber nach dem Lesen des Buches steht fest, dass Menschen bei der Begegnung mit etwas, das ihren Horizont übersteigt, immer nur sich selbst vorfinden, ihrer eigenen Spiegelung begegnen.
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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was haben Menschen und Meere sich zu sagen?, 29. August 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Sondereinband)
Mit "Solaris" hat Stanislaw Lem ein düsteres Science-Fiction-Scenario entworfen, dass nicht nur in Genre-Kreisen als Meisterwerk gilt: Eine Raumstation schwebt im Orbit eines Planeten und untersucht die dort ansässige Lebensform, die als eine Art Meer grosse Teile des Planeten umspannt. Doch anders als in Büchern mit ähnlichem Thema, die vom Zusammentreffen von Menschen und fremden Lebensformen handeln, scheitert die Menschheit hier schon an der Kontaktaufnahme, da die Verschiedenheit der beiden Spezies eine Kommunikation unmöglich zu machen scheint. - Diese Sichtweise macht Lem's Buch für mich äusserst interessant und ist somit eine wohltuende Abwechselung zu der romatisierenden Art und Weise in der der "first contact" sonst behandelt wird. Darüber hinaus ist das Buch intelligent und hervorragend geschrieben, so dass das Lesen schon aufgrund von Lem's Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit eine Freude ist. Wer sich für das Thema interessiert, sollte vielleicht auch mal Lem's "Der Unbesigbare" lesen oder einen Blick in die "Ender-Reihe" von Orson Scott Card werfen..
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solaris: Glaube, Liebe Hoffnung, 21. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
** spoiler alert **

Über Solaris werden wir kaum etwas erfahren, aber vielleicht etwas über uns...

1961 veröffentlicht der 40-jährige Sohn einer polnisch-jüdischen Arztfamilie den Roman Solaris", der die Genregrenzen der Science Fiction sprengt. Schon zu Beginn des Buches präsentiert sich dieses als Wissenschaftssatire, wenn die zahlreichen und dickleibigen Werke der Solaristik - der fiktiven Forschung über den Planeten Solaris - trotz des Gebrauchs abenteuerlichster Begriffe (präbiologische Formation; plasmatische Maschine; homöostatischer Ozean; Gravitations-Gallerte etc.) nicht darüber hinwegtäuschen können, dass auch nach langer Forschung nichts über das Wesen dieses sonderbaren Planeten gesagt werden kann. Selbst die Frage, ob der Ozean, der den Planeten fast flächendeckend umschließt, lebendig oder gar intelligent ist, wird kontrovers behandelt.

Über vierzig Jahre lang näherte sich ihm kein Raumschiff, die Gamov-Shapleysche Theorie über die Unmöglichkeit der Entstehung von Leben auf Planeten von Doppelsternen galt damals für erwiesen." (22)
(Dazu als kleiner Einschub am Rande folgende Nachricht aus 2012:
Das US-Weltraumteleskop "Kepler" hat ein Planetensystem mit zwei Sonnen aufgespürt. In dem System Kepler-47 umkreisen demnach mindestens zwei Planeten einen Doppelstern. Einer davon befindet sich sogar in der sogenannten bewohnbaren Zone, schreiben die Forscher um Jerome Orosz von der San Diego State University im US-Fachjournal "Science". Leben dürfte es dort zwar nicht geben. Die Entdeckung belege jedoch, dass sich auch um Doppelsterne komplette Planetensysteme wie unser eigenes bilden könnten.)

Zwei Sonnen, eine orange, eine blaue, werfen sehr unterschiedliches Licht und unterschiedliche Schatten auf die Dinge. Solaris ein dialektischer Roman? Auf jeden Fall!

Die Probleme der Solaristik, der Versuch, das Wesen des riesigen Ozeans zu ergründen, beschreibt Lem so allgemeingültig, dass die Aussage heute mehr denn je zutreffend ist:
Im Übrigen, was war schon diese ganze um Kontaktanknüpfung" bemühte Fachrichtung, gegen andere Zweige der Solaristik, in denen, insbesondere während des letzten Vierteljahrhunderts, die Spezialisierung so vorangeschritten war, dass unter den Solaristen der Kybernetiker sich kaum mit dem Symmetriadologen verständigen konnte. Wie könnt ihr euch mit dem Ozean verständigen, wenn ihr es nicht einmal mehr untereinander fertig bringt?" (S. 30/31)
Und: Um uns selbst wird gespielt, um die Grenzen der menschlichen Erkenntnis." (32)

Die Forschungsstation Solaris, die sich im Orbit des Planeten befindet, ist der Schauplatz des Romans, der von den drei Protagonisten bevölkert wird: Der Ich-Erzähler Kelvin, ein Psychologe, der nach einem sechswöchigen Vortraining in einer Nachbildung der Station und einer 16-monatigen Reise auf Solaris ankommt, von dessen Mission wir aber einstweilen nichts erfahren; Snaut, der lethargische Kybernetiker und Stellvertreter des kürzlich verstorbenen Gibarian; und Dr. Sartorius, mit dem den Erzähler von Anfang an eine herzliche Feindschaft verbindet. In dieses kammerspielartige Setting dringen die Besucher ein, die den Roman um das Element des Schauerromans bereichern. Das Wesen der Besucher ist nicht minder unklar als die Beschaffenheit des Planeten, jedoch geht man von einem Zusammenhang zwischen Solaris und den Besuchern aus.

Kelvin hofft, nachdem er mit diesem Phänomen konfrontiert worden ist, den Verstand verloren zu haben oder zu träumen, da die Realität" auf Solaris ansonsten unerklärlich und wiederum verstandraubend wäre. Wie aber kann man wissen, ob etwas real ist, noch pointierter, ob etwas außerhalb unserer selbst existiert (All that we see or seem. Is but a dream within a dream"; Edgar Allan Poe)? Als Wissenschaftler gelingt es Kelvin, einen Test zu erdenken, der diese Frage mit einiger Schlüssigkeit beantwortet.
Doch kaum hat er das Selbstexperiment beendet, nimmt der Roman richtig Fahrt auf und es folgt das Kapitel Harey", das das Zeug zum Horrorthriller hat. Kelvin wird nun erstmals selbst mit einem Besucher konfrontiert; es handelt sich um einen Widergänger seiner Geliebten Harey, für deren Freitod er sich die Schuld gibt. Ist Harey gemäß des Widergänger-Mythologems zurückgekehrt in die Welt der Lebenden, um sich für das erlittene Unrecht an Kelvin zu rächen? Es sieht nicht so aus, aber was könnte furchtbarer sein, als einem Verstorbenen leibhaftig zu begegnen? Zudem gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass Harey einerseits eine exakte körperliche Kopie der Geliebten ist, andererseits aber auf schwer fassbare Weise nicht real ist. Kelvin entschließt sich zu einer drastischen Maßnahme, die seine Schuldgefühle nur steigern kann. In diesem Kapitel vermengen sich Horror und Psychothriller perfekt.

Spätestens jetzt drängt sich die Frage auf, wer hier eigentlich Experimente an wem vornimmt: der Mensch am Ozean oder umgekehrt? Die Expeditionsteilnehmer werden zum Objekt, der Ozean konfrontiert sie mit ihren Schuldgefühlen. Snout über die menschliche Hybris: "Wir brauchen keine anderen Welten. Wir brauchen Spiegel." (97) Solaris aber zeigt nicht den idealisierten Menschen als heroisches Standbild:
"Wir sind so hierhergeflogen, wie wir wirklich sind, und wenn die andere Seite uns diese Wahrheit zeigt, den Aspekt, den wir verschweigen, dann können wir das nicht hinnehmen." (97)

Es folgt Andre Bertons Bericht, der im Kern klassische SF ist. In die Apokryphen verbannt finden sich hier der erste vollständige Bericht, der Aufschluss über wesentliche Eigenschaften des Ozeans gibt. Aber wie so oft in der Geschichte der Wissenschaft wird die Information unterdrückt, weil sie nicht genehm ist (und vielleicht dachte Lem ja nicht nur an den Wissenschaftsbereich).

Für Kelvin setzt sich der Alptraum fort, als Harey III zu ihm kommt, denn der Umgang mit dem Besucher verdoppelt seine Schuld: Während der Besucher keine Kenntnis über sein tieferes Wesen zu haben scheint, lastet auf Kelvin die Schuld des Wissens und des Misstrauens, gepaart mit den ursprünglichen Schuldgefühlen, er sei verantwortlich für Hareys Tod. Eindrucksvolles Bild hierfür: wenn Harey III seine Brandwunden verarztet, die er sich bei der Zerstörung Harey IIs zugezogen hat. Am schrecklichsten aber ist das zweite weiße Kleid, dass nun neben dem von Harey II liegt. Zwei Kleider, identisch und doch nicht identisch. In konzentrischen Kreisen hat der Roman sich auf diesen Punkt zubewegt, der die Kernfrage aufwirft: Was ist Identität?
Und während Snaut die philosophische Frage aufwirft, ob es eine Instanz jenseits der Moral gibt, fragt sich Kelvin, inwieweit der Mensch für seine unterbewußten Wünsche zur Verantwortung gezogen werden kann.

Schließlich aber ist es die Liebe zu Harey, die dazu führt, dass Kelvin seine Bedenken und Ängste zurückstellt. Doch ein gemeinsames Leben ist nicht möglich und auch die Kontaktaufnahme zum Ozean misslingt.

Was aber bleibt am Ende? Vielleicht dies: Egal, wie weit der Mensch in unbekannte Ferne vordringt, nimmt er doch immer sein Bedürfnis mit nach Glaube, Liebe, Hoffnung.
Und neben allem anderen (Philosophie, Science Fiction, Religion, Wissenschaft, Psychologie) entpuppt sich Solaris auch als ein großer Liebesroman.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz andere Arten von Leben.., 2. Februar 2007
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
..sind auf fremden Planeten in anderen Galaxien möglich. In diesem Klassiker der Science-Fiction geht es nicht um den typischen Marsmenschen, sondern um die philosophische Frage nach dem Leben überhaupt.

Irgendwann in der Zukunft: Der Psychologe Kris bricht zum Solaris auf. Solaris ist ein Planet, der großteilig von einer Art lebendigem Ozean bedeckt ist. Hier auf der Forschungsstation treten offenbar eigenartige Phänomene auf. Angekommen, wird er merkwürdig empfangen und sieht sich bald selbst mit Besuchern konfrontiert, die seinem Unterbewußtsein entsprungen zu sein scheinen..

Solaris ist wirkliche Science-Fiction und nicht nur Weltraumabenteuer, da hier tatsächlich ein fiktiver wissenschaftlicher Diskurs skizziert wird, der nämlich der Solarisitk. Lem hat hier sehr gelungen die Frage nach Sinn oder gar Unsinn von Wissenschaft aufgeworfen.

Ich fand am Anfang die Übersetzung etwas hölzern, aber sie verleiht dem Buch einen eigenen Charme, wenn man sich daran gewöhnt hat. Die Dialoge wirken etwas ungelenk, aber dadurch auch letztenendes wieder authentisch. Die Beschreibung der Phänomene auf Solaris ist für meinen Geschmack manchmal etwas zu ausführlich geraten, andererseits gehts es hier auch um das Vorbild der "Wissenschaftlichkeit".

Die Frage, ob sich alles im Universum mit menschlichen Maßstäben greifbar machen lässt, steht ganz klar im Mittelpunkt und regt auch über das Buch hinaus zum Nachdenken an.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Konfrontation mit dem Anderen, 30. Juli 2010
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris: Roman (Taschenbuch)
Solaris ist ein fantastischer Roman. Den Begriff Science-Fiction" hat Stanis³aw Lem für seine Bücher stets abgelehnt, da er sie allein nach literarischen Maßstäben beurteilt sehen wollte. Die Geschichte kreist im Wesentlichen um eine Frage: Wie würde sich der Mensch verhalten, wenn er mit einer Lebensform konfrontiert wäre, die sich seinen gewohnten Wahrnehmungs- und Beurteilungskriterien vollständig entzieht - und die doch eindeutige Zeichen von Intelligenz aufweist? Die Atmosphäre in der Forschungsstation auf dem fernen Planeten Solaris ist beklemmend, der drohende Wahnsinn mit Händen zu greifen; ohne billige Effekte gelingt es Lem, die Handlung voranzutreiben und trotzdem immer wieder, wie nebenbei, philosophische Aspekte aufzugreifen. Souverän vermeidet er es außerdem, sich allzu sehr auf eines der klassischen Genres festzulegen - das Buch lässt sich weder der Science-Fiction noch dem Thriller eindeutig zuordnen und ist ebenso eine Liebesgeschichte wie ein philosophischer Roman. Bei Lem gibt es keine Technikbegeisterung ohne die zugehörige Skepsis, keinen Fortschritt ohne Pessimismus, keine Menschlichkeit ohne deren ständige Bedrohung. Dank der spannenden Story und der philosophischen Fragen, die der Roman aufwirft, ist er nach wie vor sehr lesenswert.
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88 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unerträgliche Übersetzung, 31. März 2008
Von 
B. Stemmer (Lübeck) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Mag auch der Inhalt des Buches zu Recht als Klassiker gelten: sprachlich ist jedenfalls die deutsche Fassung geradezu unterträglich. Durchweg finden sich merkwürdige Satzstellungen ("Ich blieb stehen wie angewurzelt."), schiefe Übersetzungen ("- Nichts. - sagte er und klapperte schnell mit den Liddeckeln." - gemeint sind Augenlider, mit denen hier 'geklappert' wird; "Ich wartete einigemal zehn Sekunden Stille ab..."; "Sie war von rückwärts beleuchtet."; "Harey fand sich auch ein Buch."), die falsche Verwendung von Verben ("Wo der Korridor umbog, wandte sie sich seitwärts..."), Rechtschreibfehler ("Reagentien" statt 'Reagenzien'), Substantivierungen ("...ich fühlte noch die weiche Tastempfindung in den Fingerspitzen verfließen."; "Kann eine solche Vorspiegelung einen solchen Grad von Wahrhaftigkeit erreichen?"), orthographische Inkonsistenz (S. 31: "Eine Zeit lang roch..."; S. 49: "Eine Zeitlang aßen wir...") u.s.w. Es entsteht oft der Eindruck, als habe die Übersetzerin nur die Kompaktausgabe eines Sprachlexikons zur Hand genommen und dabei Wort für Wort übersetzt ("...einer fast _unausgesetzt_ von Nebelstreifen überlagerten wogenden Wüste") und keinerlei Sprachgefühl gehabt, so dass Sätze entstehen wie: "Die Reihe kam an Berichte über die bereits durchgeführten Experimente." Von einer 'Übersetzung' kann man da wirklich kaum noch sprechen! Und diese Mängel muss man nicht erst mühsam suchen, das Buch strotzt nur so davon. Es ist mir ein Rätsel, wie man das Buch angesichts dieser Unzulänglichkeiten noch als 'gut' bezeichnen kann. Das geht wohl nur mit einem Höchstmaß an sprachlicher Leidensfähigkeit.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Grenzen der Erkenntnis, 19. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Trotz der zugegebenermaßen teils erschreckend schwachen Übersetzung, die andere Rezensenten bereits angeführt haben, ist dieses wohl bekannteste Werk des polnischen Autors Stanislaw Lem heute ein Klassiker - aber nicht nur der Science Fiction, das wäre eindeutig zu kurz gegriffen, sondern auch der Philosophie und Psychologie.

Wer bereits andere Bücher des Schriftstellers kennt, wird über das verkrampfte Deutsch des Buches sicherlich hinwegsehen können und sich am eigenwilligen Stil des Autors erfreuen. Die Schreibweise von Lem ist teilweise derart realistisch und (pseudo-) wissenschaftlich angelegt, dass man ab und an versucht ist, sich zu versichern, ob das Wort "Roman" überhaupt irgendwo auf dem Umschlag steht. Er zitiert oft aus seinen (fiktiven) Quellen und skizziert dabei ein in sich stimmiges Bild der 100jährigen Erforschung eines fremden Planeten und der verschiedenen "wissenschaftlichen Schulen", die dieses Forschen hervorgebracht hat. Diese Richtungen, die sich teils völlig widersprechen, haben eigentlich nur eines gemeinsam: den Mangel an "wirklichen" Erkenntnissen über den vermutlich intelligenten Ozean. Dabei wimmelt es von Namen und Quellenangaben, die aber seltsamerweise zu keiner Zeit störend wirken, sondern den Leser tief in dieses Universum eintauchen lassen. Dieser Stil ist den mir bekannten Werken von Lem gemein und zeichnet schon für sich genommen einen außergewöhnlichen Autor aus. Ähnliches habe ich bisher nur bei Frank Herbert ("Ein Cyborg fällt aus") gesehen, wenngleich sich Lem vergleichsweise angenehmer liest. Die technischen Seiten mancher Zukunftsromane findet man in "Solaris" so gut wie gar nicht - wie es die Menschen schaffen, den Weltraum zu durchqueren bleibt beispielsweise völlig offen. Auch politische Fragen, die in vielen Geschichten dieser Art eine Rolle spielen, bleiben außen vor. Dafür werden während der Erforschung des völlig fremden Lebewesens tiefe Einblicke in die menschliche Psychologie und Philosophie geboten. Neueinsteiger dürften sich damit eventuell schwer tun, allerdings ist die Eingewöhnungsphase erstaunlich kurz. "Leichte" Science-Fiction-Lektüre sieht dennoch anders aus und somit ist klar, dass Lem'sche Bücher sicher nicht jedermanns Sache sind.

Wer eine actionorientierte Handlung mit Kämpfen, Laserstrahlen usw. erwartet, ist bei Lem sowieso an der falschen Adresse. Die Geschichte lebt von den ruhigen Nuancen, ist deshalb aber nicht weniger spannend. Wobei man bei aller Liebe zu Klassikern des Genres dennoch einen Kritikpunkt anführen kann: das Ende wirkt, als ob dem Autor einfach das Papier ausgegangen wäre, das Buch schließt einfach im Nirgendwo. Ein offener Schluss an sich ist ja kein Problem, aber die Art und Weise wie das hier gemacht wurde, widerlegt den behutsamen und gründlichen Aufbau des Werkes und ist für mich Grund genug, einen Stern abzuziehen.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Mensch und seine Grenzen, 13. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Solaris (Taschenbuch)
Ich halte "Solaris" für den besten Roman von Stanislaw Lem. Dem Genre "Science Fiction" ist er allerdings nur bedingt zuzuordnen, denn im Vordergrund stehen nicht zukünftige technische Möglichkeiten, sondern Lem versucht eine Situation herzustellen,in welcher der Mensch an die Grenzen seiner psychischen Leistungsfähigkeit geführt wird. Das geschieht in der Konfrontation mit einem Wesen, das ganz anders als menschlich ist und das über ganz andere Fähigkeiten verfügt als der Mensch.
Dieses Wesen ist der Ozean des weit entfernten Planeten Solaris, der von den Menschen, die ihn von einer Raumstation im Orbital beobachten, als organisches aufgefasst wird.
Kris Kelvin, der Held dieses Romans wird als Psychologe auf diese Raumstation geschickt, weil sich dort seltsame Dinge ereignen. Doch bald ist er selbst mit einer Situation konfrontiert, die das emotional und intellektuell Fassbare an seine Grenzen treibt.
Doch eine Inhaltsangabe wird nicht dem gerecht, was der Roman dem willigen Leser bieten kann. Daher sei sie auch weggelassen und an ihrer Stelle seien einige Überlegungen über die inneren Werte des Romans angestellt.
Im Zentrum stehen lange und sehr episch ausgeführte Passagen über die Geschichte der "Solaristik", der Wissenschaft von Solaris. Diese stehen als Beispiel für die Leistungsfähigkeit der empirischen Wissenschaften. Unter diesem Aspekt verliert die Lektüre dieser Seiten ihre Langatmigkeit und kann tatsächlich packend werden. Das geschieht insbesondere dann, wenn man die hier skizzierten Grenzen gegen die emotionalen Anforderungen hält, denen die Crew der Raumstation ausgesetzt ist. Im Hintergrund dieser Gegenüberstellung stellt sich die Frage nicht nur nach den Grenzen der Wissenschaft, sondern auch nach den Grenzen allen menschlichen Wissens, beziehungsweise menschlichen Wissen-Könnens.
Jedes der drei Crew-Mitglieder reagiert anders auf die schon angesprochene Situation höchster emotionaler Anspannung, die sich einer vollständigen wissenschaftlichen Erklärung entzieht. Sartorius ist der perfekte Wissenschaftler, der sich Emotionen möglichst nicht stellt, da sie sich nicht in sein exaktes Weltbild fügen. Aus der Unausweichlichkeit emotionaler Belastung sieht er nur einen Ausweg -- die Vernichtung dessen, was die Emotionen auslöst. Snaug hingegen versucht keine Bewältigung. Obwohl er ein wenig zur Haltlosigkeit zu neigen scheint, hat er sich am besten von allen dreien mit den Belastungen arrangiert. Er nimmt sie als gegeben hin. Kelvin hingegen zerbricht an der Situation. Das bedeutet nicht unbedingt seinen physischen Tod, sondern einen kompletten Verlust seiner Identität. Kelvin ist am Ende des Romans ist nicht mehr der, der anfangs auf die Raumstation gekommen ist. Seine Wünsche, seine Hoffnungen und seine Perspektiven sind von den Erlebnissen auf der Raumstation von Grund auf verändert worden.
Dieses Buch ist dem zu empfehlen, der nicht in erster Linie Action erwartet, sondern der bereit ist, sich einer Stimmung auszusetzen, welche die Anwesenheit der Fremdheit schlechthin auszulösen vermag und die der Autor den Leser meisterlich nachempfinden lässt. Es ist auch für den geschrieben, der den hohen Wert von Fragen zu schätzen weiß, die keine Antworten erfahren, aber dennoch gestellt werden müssen.
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Solaris (Faber Fiction Classics)
Solaris (Faber Fiction Classics) von Stanislaw Lem (Taschenbuch - 9. April 2001)
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