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4.0 von 5 Sternen Interessante Studie über die Bausteine europäischer Mythen, 2. März 2005
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Rezension bezieht sich auf: The Hero: A Study in Tradition, Myth and Drama (Dover Books on Literature & Drama) (Taschenbuch)
Dieses Buch wurde bereits 1936 veröffentlicht. Robert Segal (Myth - a very short introduction) erwähnt dieses Buch kurz im Abschnitt 'Myth and Ritual' (der König, der bereitwillig für die Gemeinschaft stirbt, repräsentiert ein Ritual des archetypischen Helden: den durch sein Opfer die Gemeinschaft sichernden Retter-König) und gibt eine recht ausführliche Zusammenfassung von entscheidenden Passagen aus Raglans Buch im Abschnitt 'Myth and Literature'. Hier werden dann auch die 22 Punkte zitiert, aus denen sich das Leben eines archetypischen Helden der Literatur zusammengesetzt ist. Dean Miller (The epic hero) sagt neben allen kritischen Anmerkungen zu dem Rest der Studie, dass der mittlere Teil des Buches von dauerndem Wert für die Theorien über Mythenbildung ist, was auch durch den Reprint dieses zweiten Teils in Otto Ranks 'In quest of the hero' belegt wird.
Raglan hat anhand von ausführlichen Vergleichen aus einer Vielzahl von Heldengeschichten 22 Lebensabschnitte herausgefiltert und in seinem Buch beschrieben (zweiter Teil des Buches: Myth). Dieses Muster des Heldenlebens stellt den König als exemplarischen mythischen Retter dar, der als Vorbild für die realen Führungspersönlichkeiten dienen soll. Die Selbstopferung des Königs gehört ebenso zu diesem Skript wie die einsamen Heldenkämpfe in seiner Jugendzeit und die durch Mordanschläge gefährdete Kindheit.
Auszugweise: (1) seine Mutter ist eine Jungfrau, (4) die Umstände seiner Zeugung sind ungewöhnlich, (5) er wird als Sohn eines Gottes angesehen, (6) bei seiner Geburt wird ein Anschlag auf sein Leben ausgeführt, (9) wir erfahren nichts aus seiner Kindheit, (10) beim Erreichen des Erwachsenenalters begibt er sich zu seinem künftigen Königreich, (12) er heiratet eine Prinzessin, oft die Tochter seines Vorgängers, (13) wird König, (18) findet einen mysteriösen Tod, (20) seine Kinder, wenn er überhaupt welche hatte, folgen ihm nicht auf den Thron, (21) sein Körper wird nicht begraben, (22) er hat eine oder mehrere heilige Grabstätten.
Für mich war das ganze Buch sehr interessant und spannend zu lesen. Auch war es für mich wichtig nachvollziehen zu können, wie wenig historische Wahrheit in den Mythen zu finden ist (erster Teil des Buches: Tradition). Allerdings erwähnt Raglan nicht Schliemanns Entdeckungen, die Schliemann im Vertrauen auf den Wahrheitsgehalt von Homers Ilias gemacht hat (über diesen geschichtlichen Inhalt siehe Latacz 'Troja und Homer'). Dieses Beispiel würde Raglans Schlüsse aus seinem Kompendium von Beispielen doch wieder etwas in Frage stellen. Dennoch, nirgendwo anders habe ich bisher eine solche Sammlung von überzeugenden Beispielen gelesen, wie aus Geschichte durch Hinzufügen von archetypischen Elementen Mythos wird. Eine sehr gute wissenschaftliche Abhandlung zu einem speziellen Mythos ist zu finden in N. Highams Buch über den Artus-Mythos 'King Arthur - Myth-making and history'. Bei Artus wie auch bei Raglans Beispiel Robin Hood geht die Mythenbildung soweit, dass eine Identifikationsfigur anhand eines Kristallisationspunktes erfunden wird.
Auf der anderen Seite werden erfundene Geschichten über historische Persönlichkeiten erzählt, die unser Bedürfnis nach beispielhaften Heldenbeschreibungen so sehr befriedigen, dass sie in unseren Köpfen die historische Persönlichkeit definieren und oft auch überlagern (ein Beispiel Raglans hierfür ist die Jugend von Henry V, dessen Bild u.a. von Shakespeare umgeformt wurde). Als Warnung, Mythen nur mit grosser Vorsicht zum Herausfiltern von Geschichte zu verwenden, war dieses Buch sicherlich einmal sehr aktuell gewesen, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Mythos sogar in den frühen Geschichtssammlungen steckt.
Im dritten Teil des Buches (Drama) finden sich dann noch sehr interessante Beobachtungen (welche sich auch auf Filme übertragen lassen) dazu wie ein Drama funktioniert: z.B. keinerlei alltägliche Verrichtungen und nur eine Sprache, selbst wenn es sich um Protagonisten verschiedener Völker handelt, das Ende muss 'gerecht' sein (poetic justice), die Historizität der Ereignisse wird dem Drama untergeordnet, erfundene Dialoge ersetzen die Geschichte.
Das Buch enthält eine Bibliographie und einen umfangreichen Index.
Wegen des nachhaltigen Einflusses auf die Theorien über literarische Mythen, den dieses Buch hat, gebe ich 5 Sterne, ebenso wegen des klaren Stils und des nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswertes. Nur wegen der eingeschränkten Wissenschaftlichkeit gebe ich einen Punkt Abzug.
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The Hero: A Study in Tradition, Myth and Drama (Dover Books on Literature & Drama)
The Hero: A Study in Tradition, Myth and Drama (Dover Books on Literature & Drama) von Fitzroy Richard Somerset Raglan (Taschenbuch - 23. Juni 2003)
EUR 10,72
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