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Boombustology: Spotting Financial Bubbles Before They Burst
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Mai 2011
Dieses Buch möchte bei Investments helfen. Jedoch geht es hier nicht um konkrete Empfehlungen, welche Aktie man nächste Woche kaufen soll. Vielmehr soll eine Art Seismograph entwickelt werden, mit dem man die Vorbeben der nächsten Finanzkrise erkennen kann.

Die Indikatoren werden in fünf Kategorien eingeteilt:

1. Mikroökonomie: Die reine Lehre sagt, dass Märkte immer effizient arbeiten; dafür ist jedoch Voraussetzung, dass Menschen rational handeln. Der Erzspekulant Soros vertritt die Auffassung, dass es bei den Sozialwissenschaften im Gegensatz zu den Naturwissenschaften keine strengen Gesetzmäßigkeiten gibt. Das liegt daran, dass die Entscheidungen eines Menschen sich auf ihn selbst und auf andere auswirken; das nennt man Reflexivität. (Ein Beispiel konnte man in den letzten Jahren in den USA beobachten: Steigende Immobilienpreise bedeuten höhere Sicherheiten und damit höhere Kredite, womit die Nachfrage nach Immobilien steigt und die Preise sich erhöhen usw. usf.)

2. Makroökonomie: Kredite verstärken Konjunkturzyklen. Es gibt mehrere einander ergänzende makroökonomische Theorien. Fisher zeigte, dass Deflation die Schulden relativ erhöht, was die Deflation verstärkt. (Das ist z. B. beim Bilanzeffekt der Fall, wenn Banken zwecks Erhaltung des Eigenkapitals Sicherheiten unter Wert verkaufen müssen und so die Bilanzen anderer Banken schädigen.) Minsky teilte Kredite entsprechend ihrer Nachhaltigkeit ein (können Tilgung und Zinsen überhaupt bezahlt werden?) In der Hochkonjunktur verbreiten sich demnach Schneeballsysteme, wobei man immer höhere Kredite braucht, um die alten bedienen zu können. Die so genannten Österreicher haben gezeigt, dass die Zentralbank die Konjunkturzyklen selbst verursacht, indem billiges Geld und niedrige Zinsen nicht nachhaltige Muster von Verschuldung, Konsum und Investitionen verursachen.

3. Psychologie: Die Wahrnehmung des Menschen ist verzerrt; so berücksichtigt man oft nur Personen oder Ereignisse, die man selbst kennt. Diese sind aber nicht repräsentativ. Die Marktteilnehmer glauben gern, dass eine neue Ära angebrochen ist (z. B. die New Economy) oder dass die Preise (Immobilien, Kunst usw.) immer nur steigen werden...

4. Politik: Der Staat kann zunächst einmal festlegen, was Eigentum ist und was nicht. Das wirkt sich natürlich darauf aus, was bei Krediten als Sicherheit benutzt werden kann. Besonders gern wird am Preissystem herum gepfuscht, u. a. durch Höchstmieten, Mindestlöhne, Kreditkontrollen, Zinsen und Steuern. Da Eigentum und freie Preise Voraussetzungen für Konjunkturzyklen sind, kann es diese früher in der Sowjetunion nicht gegeben haben. Jedoch sind sozialdemokratische Länder möglicher Weise wegen des unbezahlbaren Sozialstaats (auch) von Konjunkturzyklen betroffen. Jedenfalls sind Kapitalkontrollen und Verbote keine Maßnahmen gegen Spekulation; bestenfalls wird diese lediglich umgelenkt.

5. Biologie: Aus der Tierwelt (u. a. Bienen und Ameisen) ist das Verhalten von Schwärmen und Herden genau bekannt. Beim Menschen waren entsprechende Versuche auch erfolgreich. Besonders Harmonie betonende Gesellschaften wie die asiatischen sind dafür anfällig. Hier kommt es auf bekannte Persönlichkeiten an, die den Massen als Vorbilder dienen können. Wenn man schon fast jeden zum Spekulieren gebracht hat, ist der Markt gesättigt und die Krise nah.

Diese Indikatoren werden danach an einigen bekannten Krisen veranschaulicht:

1. "Tulpenmanie" im Holland des 17. Jahrhunderts
2. Florida und Weltwirtschaftskrise
3. Asiatische Finanzkrisen
4. Japan
5. die aktuelle Bankenkrise

Danach werden die Indikatoren in einem Übersichtskapitel systematisiert und man kann sehen, welche Faktoren jeder Krise gemein sind (u. a. billiges Geld) und welche eher unwichtig sind (z. B. so genanntes "heißes Geld" aus dem Ausland).

Um die Nützlichkeit des Seismographen zu testen, wird zum Schluss noch China untersucht. Hier deutet alles auf eine nahende Krise hin: Jeder spekuliert (auch Kellner und Hausmädchen); es werden viele Wolkenkratzer gebaut; die Kapazitäten der überdimensionierten Stahlindustrie werden weiter ausgebaut; die Immobilienpreise steigen; viele Immobilien stehen leer; branchenfremde Unternehmen drängen in den Immobilienmarkt; staatliche Eingriffe bringen die (wenigen vorhandenen) Märkte durcheinander; viele Kredite sind "faul".

Das Buch schließt mit einer alten griechischen Fabel: Man soll ein Fuchs sein und kein Igel. Füchse wissen von vielem etwas, Igel sind "Fachidioten". Eine Untersuchung von Vorhersagen insbesondere von Wirtschaftswissenschaftlern hat dies bestätigt.

***

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es bringt verschiedene Disziplinen zusammen, um so ein besseres Bild zu erhalten. Die vielen Grafiken, Tabellen und Kästen waren sehr hilfreich. Vor allem die Einbeziehung weniger bekannter Zweige der Volkswirtschaftslehre war erhellend.

Man kann gut erkennen, wo die Widersprüche der modernen Volkswirtschaftslehre liegen. So wird Alan Greenspan als Vertreter der freien Marktwirtschaft dargestellt, der als Vorsitzender der amerikanischen Notenbank wie bei einer staatlichen Plankommission Zinsen und Geldmenge fest legt. Das passt nicht zusammen. Warum der Autor Greenspan in einem Nebensatz als Anhänger der libertären Schriftstellerin Ayn Rand vorstellt, ist mir schleierhaft (dort galt er als sozialer Trittbrettfahrer).

Das Buch kann jedem Studenten der Volkswirtschaftslehre empfohlen werden und ist sicher auch für Leser von Finanznachrichten von Nutzen.
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am 8. Januar 2014
The author is presenting a resumee of alternative theories challenging classical economics (he admits they are Not his ideas). In so far the Book is Not very original, but it makes for a good introduction into these alternative ways of thinking.

The chapter on China is not new neither, but summarizes well the critical arguments that are missing in many newspaper articles on the subject or in many adds promising that this time is different.
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