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4.0 von 5 Sternen Referenzwerk für ein Nischenthema, zäh zu lesen, 19. September 2012
Nach dem Lesen dieses Buches war ich unschlüssig. Ist es ein historisches Meisterwerk oder fehlt dem Buch das Gewisse Etwas?

Das Buch ist sehr umfangreich, es werden kaum Dinge ausgespart, die die Osmanen betreffen. Die Anfänge der Türkischen Kultur werden ebenso beschrieben wie die seldschukische Zeit von Ende des 10.Jahrhunderts bis zu den Mongolen. Ab 1300 beginnt das Osmanische Reich an Fahrt aufzunehmen, nicht zuletzt durch zahlreiche Überläufer/Konvertiten aus den christlichen Ländern und expandiert stark nach Europa und im Nahen Osten bis hin zum Weltmachtstatus.

Im Folgenden werden die nächsten Jahrhunderte sehr detailliert porträtiert, die Erbfolge, die Machtbalance, das Rekrutierungssystem, das Millajet System der Steuern, die Entwicklung Istanbuls und der außenpolitische Kontext des Reiches, die Religiöse Zusammensetzung etc. Es ist SEHR detailliert geschrieben, ein positiver Punkt und zugleich die Hauptschwäche des Buches. Gefühlt beschäftigt sich die Hälfte des Buches mit der osmanischen Erbfolge und ihrer endlosen Intrigen. Wer des Türkischen nicht mächtig ist, verliert hier schnell den Überblick über die handelnden Charaktere. Die Erbstreitigkeiten ziehen sich über 600 Jahre...involviert der Harem, die Janitscharen, die Wesire etc. etc. pp.

Wer denkt, dass die Osmanen unkultivierte Barbaren waren, der wird in diesem Buch eines Besseren belehrt. Vieles wurde von der beseitigten griechisch-byzantinischen Kultur absorbiert, die imperialen Traditionen und das Selbstverständnis als Zentrum der Welt beispielsweise. Ob die Brutalität der Eroberungen größer war als bei anderen vergleichbaren Expansionen der Westeuropäer sei mal dahingestellt. Gegen Ende seiner Zeit war das Osmanische Reich ein recht toleranter Staat.

Was nicht in meine Beurteilung einfliesst, denn das ist Ansichtssache, ist Finkels euphemisierung mancher Sachverhalte. So wird z.B. der Genozid an den Armeniern, den Assyrern/Aramäern und Pontos Griechen angeschnitten, aber zugleich mit dem Kontext der Zeit relativiert. Die Autorin kann und will hier keine Neutralität walten lassen.

Fazit:
Ein Referenzwerk, schwer zu lesen da detailversessen stellenweise "leblos" geschrieben, hervorragend recherchiert, gutes Auge für den gesamten Kontext der Welt, das Englisch im Buch auch für nicht-Muttersprachler verständlich. Ist nur für historisch Interessierte, da sehr trocken
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Osman's Dream: The Story of the Ottoman Empire, 1300-1923: The History of the Ottoman Empire
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