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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Stiche und Narben,
Von
Rezension bezieht sich auf: Stitches (Gebundene Ausgabe)
In «Stitches» beschreibt David Small, wie er im Detroit der 50er und 60er-Jahre aufwuchs. Über seiner Geschichte lastet die Wut seiner ständig gereizten Mutter, während der Vater, ein Radiologe, weitgehend abwesend ist.Als kränkliches Kind mit Atem- und Verdauungsproblemen wurde David immer wieder von seinem Vater bestrahlt, damals eine gebräuchliche Therapiemethode bei Atemproblemen aller Art. Als der Junge elf Jahre alt war, entdeckte ein Gast an einer Party eine Wucherung an seinem Hals. Ein Freund der Familie untersuchte ihn und diagnostizierte eine gutartige Zyste. Mit 14 Jahren wurde David endlich operiert. Dabei stellte sich heraus, dass er Schilddrüsenkrebs hatte, was seine Eltern ihm aber zu verheimlichen versuchten... «Stitches» ist voll von Geheimnissen, unausgesprochenen Gefühlen und wortlosem Zuknallen von Türen. Small erzählt seine Geschichte aus der Perspektive des Kindes und Jugendlichen David und gestaltet sie wie einen Schwarzweissfilm. Immer wieder werden auch Bezüge zu «Alice in Wonderland» geschaffen. Small präsentiert uns ein erschütterndes Stück Vergangenheitsbewältigung, eine Geschichte vom Aufwachsen in einer von Lieblosigkeit geprägten Umgebung. Gleichzeitig ist «Stitches» aber auch eine hervorragend erzählte Erfolgsgeschichte, die von Emanzipation, dem Finden der eigenen Stimme, der Flucht in innere Welten und dem Nutzen einer gelungenen Psychotherapie handelt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Stiche am Hals und die Lügen, mit denen Kinder aufwachsen,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Stitches (Gebundene Ausgabe)
In Oliver Stones Film "Nixon" sagt Henry Kissinger über den gescheiterten, lachhaft misstrauischen Präsidenten, dass dieser, wenn er in seiner Kindheit mehr Liebe erfahren hätte, zu Großem fähig gewesen wäre. Aus David Small ist zwar nicht der "mächtigste Mann der Welt", immerhin aber ein angesehener Kinderbuchillustrator geworden. Seine Eltern haben ihm noch nicht einmal indifferente Zuneigung spüren lassen. Geschlagen wurde er nicht, weder eingesperrt noch psychisch drangsaliert, doch die garstige Mutter (unzufrieden, weil sie ihre Sexualität nicht ausleben kann) und der stummgeschaltete Vater (unzufrieden, weil er bei der Partnerwahl so daneben gegriffen hat) geben keinen emotionalen Halt, sind abgekoppelt von ihren Kindern, lassen sie das auch spüren. Dass David keinen psychischen Defekt davon getragen hat, liegt vor allem in seinem zeichnerischen Talent, mit dem man schließlich auch manche Frauen beeindrucken kann. Und an einem feinfühligen Therapeuten, der in "Stitches" als kluger Hase in seinem Sessel sitzt. Bis es dazu kommt, erleben wir die Stille im Haus, die nicht ausgesprochenen Fragen, die Hemmschranken, die eine Familie schleichend und subkutan zerstören. Wo keine Liebe ist, kann nichts wachsen, oder wenn doch, dann nur weil andere externe Faktoren heilend wirken. Dem kleinen David wird seine Krebserkrankung verheimlicht. Das ist kein Spoiler, sondern entscheidend ist, wie dies getan wird, wie die Eltern in ihrer rücksichtslosen Hilflosigkeit porträtiert werden. Zum Ende hin lädt der Vater seinen mittlerweile adoleszenten Sohn in ein Restaurant ein, was er vormals nie getan hat. Er spricht nicht. Man trinkt, man isst, der Vater raucht, David ist misstrauisch. Sie gehen am Kai entlang. Und endlich erfährt der Sohn, was ihm der Vater eigentlich mitteilen will. Zwanzig Panels lang kein Wort, keine Sprechblase, keine Lautmalerei. David Small gelingt es mit nicht geringer Eleganz, den Leser durch dieses familiäre Vakuum zu führen, das Geheimnis der Kindheit und auch ganz normale Ängste (vor langen, leeren Gängen zum Beispiel) in schwarz-weiß-graue Bilder zu setzen. Dass David ausgerechnet "Lolita" liest - mit elf Jahren - ist recht unglaubwürdig, aber es wird schon stimmen.Auffallend ist der hohe Anteil wortloser Panels, von Seite 256 unten bis 267 sind es beispielsweise 29 hintereinander, in denen sich David ins Kissen weint und draußen der Regen die Erde benässt - kein Kapitel von stupender Poesie, auch habe ich zuweilen den Eindruck, dass Small wenig Interesse hat, bildliche Variationen zu finden (z. B. als er auf den Seiten 204/205 den Brief liest, der alles ans Licht bringt, sehen wir in neun Panels immer nur seine Augen und die Rückseite des Papiers). Ihm geht es augenfällig nicht in erster Linie darum, ein Kunstwerk zu schaffen, sondern um eine Aufarbeitung, in der nicht jedes Bild und jede Geste genauestens durchkomponiert ist. Wie David sich aus dieser Enge befreit und seinen eigenen Weg findet, lässt sich kaum unpathetischer inszenieren, gleichfalls erkenne ich nicht, dass "it breaks new ground for graphic novels" (Francoise Mouly), denn die grafische Semantik zeichnet sich nicht durch singuläre Ideen aus, die Dialoge sind nicht arty (was hier auch deplatziert wäre), die Gesichter haben nicht genügend Ausdruck und zeichnerische Finesse, um für sich alleine eine Geschichte zu erzählen und über sich hinaus zu weisen (all das hat "Die heilige Krankheit" bzw. "Epileptic" von David B.). Braucht es auch nicht. Die Dramaturgie funktioniert trotzdem, auch ohne diese Ingredienzen. Die Lektüre dauert ohne jede Hetze nicht länger als 60 Minuten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Stitches von David Small (Gebundene Ausgabe - 3. November 2009)
EUR 20,45
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