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5.0 von 5 Sternen Was wäre gewesen, wenn..., 17. November 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: 1862: A Novel (Taschenbuch)
Was wäre gewesen, wenn...? Das ist die Frage mit der sich alle Alternativgeschichten beschäftigen. Wie hätte sich der Lauf der Geschichte entwickelt, wenn bestimmte Ereignisse andes verlaufen wären. Um solch eine alternative Geschichte plausibel erzählen zu können, muss sich der Autor gut in der realen Historie auskennen. Robert Conroy kennt sich aus und er hat mit Geschick ein historisches Ereignis ausgewählt, welches tatsächlich den Lauf der Geschichte hätte verändern können.

Die von der Union abgespaltenen Konfoderierten Staaten von Amerika fühlten sich mit dem ehemaligen Mutterland Großbritannien stets stärker verbunden als die Nordstaaten. Umgekehrt fühlte sich auch Großbritannien der Lebensweise und Kultur stets den Südstaaten näher als den als unzivilisiert verschrienen Yankees. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs gab es daher zahlreiche diplomatische Initiativen der Südstaaten, Großbritannien als Kriegsverbündeten zu gewinnen oder zumindest eine völerrechtliche Anerkennung durch die damals einzige Weltmacht zu erreichen. Eine dieser Initiativen gipfelte im Frühjahr 1862 im sog. "Trent-Zwischenfall" bei dem ein US-Kriegsschiff ein britisches Postschiff stoppte und mit Waffengewalt dort an Bord befindliche Diplomaten der Südstaaten, die auf dem Weg nach London waren, festnahm.

Conroy lässt ab diesem realen Ereignis die Geschichte anders verlaufen, als es tatsächlich geschah. In seinem Roman nutzt die britische Regierung die Empörung über den Übergriff der US-Marine, um sich in den Bürgerkrieg auf Seiten der Südstaaten einzumischen. Motiv: man will die industriell starken Nordstaaten als Konkurrenten auf den Weltmärkten eleminieren und evtl. sogar die früheren US-Kolonien wieder unter die Herrschaft der britischen Krone bringen.
Das Eingreifen der technisch und zahlenmäßig überlegenen britischen Armee bringt tatsächlich die Nordstaaten an den Rand der Kapitulation. Während von Kanada her britische Streitkräfte eine Landinvasion versuchen, blockiert und zerstört die britische Navy die Häfen an der Ostküste der USA.
Doch nach den ersten Rückschlägen ändern Präsident Lincoln und seine mitärischen Berater ihre Taktik und besinnen sich auf die Stärken der industrialisierten Nordstaaten. Technische Entwicklungen wie z.B. Panzerschiffe werden vorangetrieben und man ändert die Kriegstaktik. Die entscheidenden Schlachten über die Zukunft der USA stehen bevor...

Conroy versteht es geschickt, die realen Akteure und auch die tatsächlichen technischen Entwicklungen in seine Alternativwelt einzubauen. Man hat nie das Gefühl, dass die Handlung unrealistisch wird. Gleichzetig zeigt Conroy aber auch, dass bestimmte historische Abläufe gleich geblieben wären: Die ungeheure industrielle Kapazität der Nordstaaten und die dort vorhande Kapazität zur Weiterentwicklung der Waffentechnik hätte diesen erfundenen Konflikt genauso entschieden wie den realen US-Bürgerkrieg.
Und so erfüllt Alternativgeschichte auch den Zweck, dass der Leser etwas über die reale Geschichte lernt.

In der Realität entschärfte Lincoln den Konflikt mit Großbritannien übrigens diplomatisch geschickt, indem er die gefangenen Diplomaten umgehend freiließ, den Kapitän des US-Kriegsschiffs maßregelte und er sich formell bei der britischen regieung entschuldigte. Die britische Regierung, die tatsächlich gerne in den Konflikt in Amerika eingegriffen hätte, war so um einen Vorwand gebracht. Später im Jahr 1862 nutzte Lincoln dann den US-Sieg in der Schlacht von Antietam um die Befreiung der Sklaven als Kriegsziel der Nordstaaten definieren. Damit schloss er endgültig ein Eingreifens der Briten in den US-Bürgerkrieg aus, da diese sich nicht als Unterstützer der sklavenhaltenden Südstaaten zeigen wollten.

Sicher braucht es, um solch eine Alternativgeschichte wirklich genießen zu können, einiger Kenntnisse über die reale Historie. Nur dann erschließt sich einem die Kunst des Autors wirklich. Aber auch "Nichthistorikern" wird das Buch Spaß machen. Es ist spannend geschrieben, die Schlachtbeschreibungen sind fesselnd und man lernt eine Menge über die Zeit. Und vielleicht regt es manchen Leser ja sogar an, etwas mehr über die reale Geschichte zu erfahren.
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1862: A Novel
1862: A Novel von Robert Conroy (Taschenbuch - 28. Februar 2006)
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