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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufregend - im guten und im schlechten Sinne, 12. Februar 2010
Von 
Ralf Raths "Raths" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society (Taschenbuch)
Wer sich mit Themen wie Militärgeschichte und Militärsoziologie mittels der Instrumente des wissenschaftlichen Handwerks deutscher Ausprägung befasst, der ist durch den ersten Eindruck von Grossmans Buch ersteinmal verwirrt oder gereizt - je nach Gemütslage: Eine extrem knappe Bibliographie und die ist weder besonders eklektisch noch aktuell. Keine Belegarbeit - Fußnoten tauchen zwar vereinzelt auf, sind aber nur Anker für Exkurse. Die Struktur des Buches ist so untergliedert, dass die einzelenen Fließtexte praktisch auf jeder zweiten Seite von einer Unterunterüberschrift durchbrochen sind - lange, kontemplative Texte auf der Basis wissenschaftlicher Forschung mit präziser Belegarbeit sind hier also Fehlanzeige.

Steigt man dann in das Buch selber ein, so verstärkt sich dieser Eindruck noch: Ein für deutsche Begriffe stilistisch flapsiger Schreibstil, der eine Argumentation darlegt, die nicht zwischen Pros und Contras mändert, sondern definitiv formulierte Aussage an definitiv formulierte Aussage reiht - hier liest der kritische Leser in Stil und Argumentation deutlich Grossmans militärische Provenienz heraus. Dazu kommen mehr als kühzne Generalisierungen, die mehr als einmal nicht nur für den historischen Bereich fragwürdig erscheinen, sondern gleich noch andere Disziplinen mit ankratzen. Das Buch erhält durch diese Kombination einen beinahe stammtischartigen Beigeschmack.

Warum ist es dann dennoch zu empfehlen? Weil Grossman in diesem aufreizenden Stil ein Buch vorlegt, das eine so faszinierende These durchdekliniert, dass man das Buch einfach nicht weglegen will. Der Untertitel des Buches grenzt die Frage ein: "The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society".

Grossmann, der unter anderem Psychologie in West Point lehrte an der Arkansas State University Professor für Military Science war, argumentiert, dass die psychologische Tötungshemmung des Menschen bis in das 20. Jahrhundert hinein so stark war, dass Soldaten der Neuzeit (nur hier liegen Daten vor) zu über 80% alles getan haben, um das Töten des Gegners zu vermeiden - wohlgemerkt das Töten, nicht die Schlacht als solche, es geht hier nicht um "Feigheit" im altmodischen Sinne. Grossman legt ein ganzes Panoptikum von Aspekten dar, die diese Tötungshemmung begründen und verstärken und stellt gleichzeitig dar, welche Faktoren diese Hemmungen wieder aufweichen können. Die beiden Punkte umfassen Angst, Erschöpfung, Schuld, Hass, Grenzen der Wahrnehmung, Distanzen des Tötungsvorganges, mechanische Filter, Befehlszwänge, Gruppenvergebung, Kosten-Nutzen-Rechnungen, psychopathische Prädsipositionen, rassistische Perspektiven und noch mehr. Dieses Kapitel lässt den Leser geradezu atemlos zurück: Jeder einzelne Punkte ist anregend und überraschend einerseits - fühlt sich aber auch jedes mal ob der oben genannten Kritik vollkommen unfertig an und fordert nach einem drastischen "Mehr" an Informationen und Belegarbeit.

Nach einem kurzen Exkurs zum Thema Atrocities geht Grossman dann zum zweiten Teil über: Nachdem das US-Militär nach dem Zweiten Weltkrieg die Tötungshemmung erkannt hatte und einen nicht geringen Teil der von Grossman referierten Aspekte als Gründe dafür erforscht hatte, war die naheliegende Frage aus Sicht der Militärs angesichts von 80% Nichtkämpfern natürlich: "Was tun wir dagegen?" Grossman stellt die Methoden dar, mit denen das US-Militär die Rate von Nichtkämpfern in Vietnam auf unter 5% drückte - hier geht es vor allem um Konditionierung und Automatisierung von Abläufen. Dieser Teil mündet in eine Darstellung der Kosten dieses Prozesses: Wenn gezielt eine tief verwurzelte und weit verbreitete psychologische Sperre eingerissen wird, muss dies Konsequenzen haben. Diese maniferstieren sich in der explosionsartigen Zunahme von posttraumatische Belastungsstörungen bei US-Soldaten seit Vietnam.

In einem letzten und schwächsten Teil geht Grossman dann auf Parallelen dieser Konditionierung beim Militär einerseits und den Auswirkungen von Computerspielen und Actionfilmen auf die junge Generation Amerikas andererseits ein. Dieses besonders kühne und generalisierende Kapitel war es, das Grossmann in der Diskussion um Amokläufe, Computerspiele und Hollywood in Amerika relativ bekannt machte.

Das Buch lässt den kritischen Leser angeregt gereizt gleichermaßen zurück. Angeregt, weil das Buch enorm viele neue und faszinierende Facetten präsentiert, die auch alle eine innrere Logik haben und deshalb nicht einfach verworfen werden können. Gereitz deshalb, weil diese faszinierenden Facetten zu kurz, zu platt, zu generalisierend und vor allem zu schlecht belegt präsentiert werden.

Das Buch ist damit vor allem eines: Eine gute Startbasis für das Eintauchen in Militärsoziologie und Kriegspsychologie. Das Problem ist nur, dass dieses Eintauchen sehr vorsichtig geschehen muss, da das Becken nicht sehr tief ist - dieser Bereich steht erst am Anfang der breiten wissenschaftlichen Ausarbeitung. Das macht Grossmans Buch noch wichtiger. Und noch reizender.
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4.0 von 5 Sternen Umfassende Abhandlung über das Töten im Krieg und im Alltag, 26. September 2009
Rezension bezieht sich auf: On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society (Taschenbuch)
Der Militärpsychologe Dave Grossman befasst sich in diesem Buch mit der Psychologie des Tötens. Zunächst bespricht er den menschlichen Widerstand gegen die Tötung eines Mitmenschen. Diese Hemmung führte bis vor dem Vietnamkrieg dazu, dass die große Mehrheit aller Soldaten ihre Waffe nie auf einen feindlichen Soldaten richtete. Er erklärt, wie moderne Armeen die "firing rate" ihrer Soldaten erhöhen, also mehr Soldaten dazu bringen, ihre Waffe auch tatsächlich einzusetzen, und welche Faktoren entscheiden, ob die natürliche Tötungshemmung tatsächlich zum Tragen kommt. Je größer die (soziale, kulturelle, räumliche ...) Distanz zum Opfer, je stärker die Tötungshemmung durch Konditionierung und Desensitisierung (Reduzierung der Empfindlichkeit gegen das Töten) im Training abgeschwächt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand tatsächlich tötet. Dieses Modell überträgt der Autor im letzten Kapitel auch auf die amerikanische Gesellschaft, in der das Training in Form von Computerspielen und Fernsehen stattfindet.
Auch für die Entstehung von Kriegsverbrechen und die Wahrscheinlichkeit einer Kriegstraumatisierung liefert Grossman nachvollziehbare psychologische Modelle.
Das Buch ist gut lesbar und spannend geschrieben. Meine anfängliche Befürchtung, ein Militärpsychologe müsse zwangsläufig ein "Lehrbuch" zum erfolgreichen Töten im Krieg schreiben, hat sich nicht bestätigt. Lediglich die Inhalte sind etwas redundant, so dass das Buch auch kürzer hätte ausfallen können.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch über das Töten, das mir den Glauben an die Menschheit wieder gegeben hat., 20. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society (Taschenbuch)
Die Menschen als blutrünstige Raubtiere, die man nur mit List und Tücke davon abhalten kann, sich gegenseitig zu zerfleischen? Alles falsch! In Wirklichkeit - so die Aussage von "On Killing" - ist es verdammt schwer, einen Menschen dazu zu bringen, einen anderen zu töten.

Der Ausgangspunkt des Buches ist eine Studie aus dem 2. Weltkrieg von General Marshall, der heraus fand, dass in einem Gefecht nur 15-20% der Soldaten auf den Feind schießen. 80-85% der Soldaten (die Non-Firers) hatten Besseres zu tun: Nachschub organisieren, Nachrichten weiterleiten oder - unter Einsatz ihres Lebens - Verwundete bergen. Was für die Generäle der Welt ein Riesen-Problem ist, ist für mich ein Anlass zur Hoffnung: Menschen wollen nicht töten.

Grossman zeigt, wie die Armeen der Welt (leider) aus der Marshall-Studie gelernt haben und es mit "verbesserten" Trainingsmethoden geschafft haben, die Quote der Non-Firers zu senken. Er zeigt, was es für die Psyche der Soldaten bedeutet, gegen ihre Urinstinkte zu verstoßen. Für uns Zivilisten zeigt das Buch, was es bedeutet, wenn Filme und Bücher uns ständig vorgaukeln, es wäre einfach zu töten - insbesondere "böse" Menschen zu töten. Und wie gefährlich es für unsere Gesellschaft ist, dass unsere Kinder in Video-Spielen spielerisch lernen, ihre Abneigung gegen das Töten von Menschen zu überwinden.

Aber die Kernaussage des Buches bleibt: Menschen wollen nicht töten. Und das ist doch mal eine hoffnungsvolle Aussage.
Hoffentlich wird dieses wichtige Buch bald ins Deutsche übersetzt, um noch mehr Leser zu finden.
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On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society
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