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Warhols Erinnerungen an die 60er Jahre, 5. Februar 2002
Warhols 60er-Jahre-Erinnerungsbuch "Popism" erschien 1980, also zu Beginn der Reagan-Ära und der Rückkehr der Popkultur in die damals aktuelle Mode, Musik ("Duran Duran", "Blondie"...) oder im TV ("MTV" startete nur ein Jahr später). Doch nicht nur Pop ansich, sondern auch Warhol selbst erlebte eine Renaissance seiner Kunst und so begann er, der ja zum damaligen Zeitpunkt fast ausschliesslich im "Studio 54" feierte und als Herausgeber der Nobelklatschzeitung "Interview" tätig war, mit seiner Sekretärin Pat Hackett die Arbeit an "Popism", welches den Siegeszug des Pop in den USA und in Analogie seine eigenen Erinnerungen zum Thema hat. Er schildert zunächst recht anschaulich das Lebensgefühl des Pop in Amerika, dann den Aufstieg der "Pop Art" Ende der 50er Jahre als Gegenbewegung zu den "abstract expressionists" in der zeitgenössischen Kunst (z.B. Willem de Kooning) und deren Übertragung in die Musik- und Modewelt und der Etablierung der Popkultur überhaupt. Personen wie Bob Dylan, Mick Jagger, John Lennon, Dennis Hopper und viele andere Protagonisten der 60er werden von Warhol geschildert, wie sie in seiner "Factory" ein und ausgehen, ebenso die vielen "Warhol Superstars" wie Candy Darling, Nico, Edie Segdwick, Baby Jane Holzer oder die legendären "Velvet Underground". Diese wilde Zeit, in welcher Warhol ja meist als Undergroundfilmer tätig war, wird durch das Attentat der Feministin Valerie Solanis auf ihn 1969 jäh unterbrochen und steht gleichzeitig für eine Zäsur im Selbstverständnis der Zeit: Der Übergang vom friedlichen Protest und der Hoffnung auf eine bessere Welt hin zu politisch motivierter Gewalt und schwerster Drogendepressionen. Dies ist für ihn das Ende des Traums der 60er Jahre. Es ist ein sehr persönlicher Rückblick und deshalb sehr interessant. Man wird sich wundern, wie genau Warhol seine Zeit beobachtet hat und welches Gespür er für Strömungen hatte. Journalistisch jedenfalls ein sehr gutes Buch.
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