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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Ode an den Menschen,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Against the Day (Taschenbuch)
Am 20. November 2006 hat das schreibende Mysterium namens Thomas Pynchon seinen neuen Roman "Against the Day" veröffentlicht. Dies ist erst der sechste Roman des Autors, der vor gut 40 Jahren die literarische Weltbühne betrat. Verwirrend, chaotisch, unverständlich; Pynchon sprengte und sprengt alle Maßstäbe. Konsequent verweigert er sich den Konventionen des hergebrachten Erzählens und katapultiert den willigen Leser in eine Welt bestehend aus unzähligen Charakteren samt deren Schicksalen, die mal mehr, meist aber weniger miteinander verknüpft sind, verwirrt mit seitenlangen Diskussionen diverser mathematischer Problematiken auf Doktorandenniveau sowie drogengeschwängerten Gesprächen über die Möglichkeiten einer vierten Dimension samt deren Auswirkungen auf unsere als natürlich empfundene Raum-Zeit-Struktur. Mit 1085 Seiten ist "Against the Day" Pynchons bisher längster Roman, deren Inhalt und Charakter kaum im Rahmen einer Rezension adäquat repräsentiert werden kann. Kein Grund natürlich, es nicht trotzdem zu versuchen.Es gibt sogar so etwas wie einen Plot, der viele der im Roman auftauchenden Figuren, sei es auch noch so periphär, miteinander verbindet. Im Auftrag des grundbösen Großkapitalisten Scarsdale Vibe wird der Anarchist Webb Traverse von den beiden Auftragskillern Deuce Kindred und Sloat Fresno ermordet. Webbs Söhne schwören Rache, was sie im Laufe der Handlung aus unterschiedlichsten Gründen in alle Ecken der Welt und darüber hinaus verschlägt. Kit studiert, auf Kosten von Scarsdale Vibe, Mathematik in Göttingen, bis Vibe sich eines besseren besinnt und Kit auf seine persönliche Abschussliste setzt. Reef gerät auf vielen Wegen und über seinen Bruder Kit in die Gesellschaft der schönen Mathematikerin Yashmeen Halfcourt sowie des Strichers Cyprian Latewood und bereist im Auftrag der geheimen TWIT Organisation die halbe Welt. Zur Entspannung zelebrieren die drei die wildesten Sexorgien. Frank, dem dritten Bruder, gelingt es recht schnell, einen der beiden Killer zu töten, muss dann aber selbst um sein Leben fürchten. Lake, Webbs einzige Tochter, heiratet einen der beiden Mörder ihres Vaters und wird deren beider Sexsklavin. Das Rachemotiv kommt auch im Titel des Romans zum Ausdruck. Im fünften Buch Mose heißt es: "Is not this preserved in my treausury, Against the day of vengeance and requital, against the time they lose their footing. Close at is the day of their disaster and their fate is rushing upon them" (Deut. 32, 34-5). Doch die Rachestory ist, wie gesagt, nur eines von vielen Thematiken des Romans. Daneben bilden Zeit und unserer Sinn für Geschichte weitere Schwerpunkte: "Your whole history has been one religious war, secret crusades, disguised under false names" belehrt der Engländer Prance den Amerikaner Kit. "You tried to exterminate African shamanism by kidnapping half the continent into slavery, giving them Christian names, and shoving your particular version of the Bible down their throats, and look what happened" (777). Da sich der Roman zwischen den Jahren 1893 und der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg abspielt, spielt sie "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", so die Bezeichnung des Historikers George Kennan, die Rolle des unfassbaren, unabwendbaren Unglücks im Leben der Charaktere. Nur einige Zeitreisende, die den Horror bereits erlebt haben, wissen ob der Zukunft und fungieren als Propheten des Untergangs der Welt, so wie sie im Roman noch ist: "This world you take to be 'the' world will die, and descend into Hell, and all history after that will belong properly to the history of Hell [...] Flanders will be the mass grave of History" (554). Und auch Cyprian wird auf dem Balkan eines besseren belehrt, was den Sinn der Geschichte angeht: "What North Europe thinks of as its history is actually quite provincial and of limited interest. Different sorts of Christian killing each other, and that's about it. The northern powers are more like administrators, who manipulate other people's history but produce none of their own [...] Lives as they are lived, deaths as they are died, all that is made of flesh, blood, semen, bone, fire, pain, shit, madness, intoxication, visions, everything that has been passing down here forever, is real history" (828). Doch was hat das alles nun zu bedeuten? Vielleicht, dass der einzelne Mensch mit seinem eigenen Leben, von denen es im Roman so viele gibt, hilflos ist gegenüber den großen historischen Entwicklungen, die aber wiederum vom Menschen erst möglich gemacht wurden. So ist der Erste Weltkrieg ohne den menschgemachten technischen Fortschritt nicht zu erklären. Es bedarf schon einiges, sich auf diesen Roman einzulassen. Bei einigen Kapiteln wusste ich weder, wo und zu welchem Zeitpunkt die Handlung spielt und wer eigentlich die Beteiligten sind. Und irgendwann taucht dann ein Name auf, der vor hunderten von Seiten schon einmal in einem Nebensatz erwähnt wurde. Und wenn plötzlich Hunde anfangen, in alten slavischen Sprachen zu sprechen (vgl. S.784) oder Romane von Henry James zu lesen (vgl. S.5), muss man das auch zuerst einmal sacken lassen. Zentrum der Handlung ist eben nicht der Plot, sondern die Lebensgeschichten der einzelnen Menschen mit ihren Schicksalen, Tragödien, Ängsten, Obsessionen, Sehnsüchten, Mordgelüsten, Geldgier usw. Sie befinden sich in einer Welt, in der Geschichte und Zeit sich dermaßen beschleunigt haben, dass der Einzelne die Kontrolle über sein persönliches Schicksal nicht mehr in den eigenen Händen hält. Die Katastrophe, der Krieg, lauert am zeitlichen Horizont und im Angesicht des industrialisierten Massenmordes erscheint es zunehmend seltsam, was allein der Tod eines einzelnen Menschen, Webb Traverse, für Entwicklungen auslöst. Mehr als 1000 Seiten für einen Toten. Was für ein Buch wäre denn dann zu schreiben, um die Schicksale der Millionen Toten des 20. Jahrhunderts darzustellen? So ein Buch kann es gar nicht geben! Vielleicht liegt allein dieser genuin humanistischer Gedanke dem Roman zu Grunde. "On this island [...] no one ever speaks plainly [...] - all English, spoken or written, is looked down on as no more than strings of text cleverly encrypted. Nothing beyond. Any who may come to feel betrayed by them, insulted, even hurt, even grievously, are simply 'taking it too seriously'" (224). Es ist, als ob Thomas Pynchon höchst selbst hier auf die Reaktionen auf seine Romane in den vergangenen vierzig Jahren reagiert und der Welt zuruft: "Grämt euch nicht, erfreut euch einfach an meiner Sprache, meinen Charakteren und deren aberwitzigen Abenteuer. Spart euch eure geradezu krankhafte Sinnsuche in jedem Nebensatz." Und in der Tat bietet "Against the Day" zahllose Einzelepisoden, die das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten abdecken. Was bleibt ist ein Leseerlebnis der besonderen Art, auch wenn man "den Sinn" nicht zu entdecken vermag. Einen Stern Abzug gibt es, weil Pynchon sein Meisterwerk "Gravity's Rainbow" von 1974 nicht überbieten kann und nun wohl damit leben muss, immer daran gemessen zu werden. Trotzdem natürlich ist auch "Against the Day" nichts weniger als ein magnus opum der englischsprachigen Literatur. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Take it or Leave It,
Von
Rezension bezieht sich auf: Against the Day (Gebundene Ausgabe)
Telling you that this is a whale of a book containing numerous subplots as well as plots to gain power over the whole planet; a book where laws of physics and mathematics are tested; a book full of funny songs, weird sexual encounters, drug use, and goofy names might sound somewhat familiar if you have read Pynchon before.But Pynchon has topped himself - even if it is just the length of the book, which is, however, quite an accomplishment ;-). But rest assured, as long as your journey with Pynchon might be, it never gets boring as you take an extremely funny trip through the diverse genres of the historical novel, the western, the epic, the picaresque novel etc. which brings the whole world together - quite literally - and ends on a seemingly sentimental note, which, on a closer look, turns out to be the end with a bang, not a whimper. While Pynchon's last two novels ('Mason & Dixon' and 'Vineland') were somewhat letdowns, 'Against the Day' gets close to Pynchon's masterpiece 'Gravity's Rainbow', but something is missing; I can't quite tell whether the book simply seems too 1960-ish, or I simply don't get so hooked on metafictional plays any longer, or all of it just seems too real ... Pynchon is correct in the final line of his press release: 'Let the reader decide, let the reader beware,' or, as Raymond Federman once programmatically named one of his novels: 'Take It or Leave It'. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
historiographic metafiction or science fiction?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Against the Day (Taschenbuch)
Elusive Pynchon's newest novel is certainly a tour-de-force.Spanning over roughly a quarter century and more than a thousand pages, the reader finds himself literally overwhelmed by both, thinkess and precision. The spiderweb of correlating plotlines rolls over your mind boulder-like, but paradoxically maintains a lofty grandeur: Against the day is a rock with gems lingering on the inside. We follow the Traverse family, with patriarch Webb, deeply influenced by Anarchist beliefs, as he lives his rebellious life towards a better America. Upon his assassination by Webb's nemesis Scarsdale Vibe, the plotlines around the rest of the "Dalton's" diverge into a myriad of different destinies, travelling to every part of the world. Pynchon's extraordinary language that grasps not only landscapes, but also characters and scientifical notions, depicts the modern world of the fin-de-siecle to the pre-WWII period in a dazzling accuracy and deep-reaching sadness. Stately, bright Pynchon interweaves, it seems compulsory these times, fact and fiction. Yet, may his novel be affilliated to the Postmodern characteristic of historiographic metafiction, as it self-reflexively displays an "other" world as we know it, or should we go for the "change one (or more) variable and see what happens"-definition of science fiction? A much more fundamental question: Does it matter? Enjoy the read, and brace yourself for an eternal time. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
29 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Flug wider die Gesetze der Thermodynamik. Ein wunderbar leichtfüssiges und komisches Buch.,
Von H. Gebauer (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Against the Day (Gebundene Ausgabe)
Das neue Buch von Thomas Pynchon gehört zu den leichtfüssigsten und komischsten Büchern, das er geschrieben hat. Deshalb keine Angst vor den 1100 Seiten. Es ist die Geschichte von fünf Aeronauten - samt dem Hund Pugnax, der schon im ersten Kapitel ein Buch von "Mr. Henry James" liest aber auch Büchern über die Luftfahrt nicht abgeneigt ist. Geschickt lässt Pynchon den Eindruck entstehen, dass dieses Buch ein gigantischer Fortsetzungsroman ist, indem er in Klammern auf andere Abenteuer der Aeronauten verweist. Die Aeronauten machen eine Weltreise die in Chicago beginnt und viele Ort umfasst. Sie besuchen auch Göttingen u.a. Kurse des Mathematikers Hilbert.Gleich zu Beginn wird gesagt, dass die Reise mit dem Luftschiff den Gesetzen der Thermodynamik widerspricht und das wir einem Zeitalter der Anarchie entgegenreisen. Der Schlussatz schließlich läßt sie der Gnade (grace) etngegensteuern. Nach der schweren und bleiernden Textur von "Mason and Dixon" hat der offenbar ewig junge siebzigjährige Autor einen wunderbaren Abenteuerroman vorgelegt. Jules Verne und Hergé treffen auf den größten Autor dieses und des kommenden Jahrhunderts. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3.0 von 5 Sternen
etwas gewöhnungsbedürftig,
Von Blaubär (Ried) - Alle meine Rezensionen ansehen
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Against the Day (MP3 CD)
Das Hörbuch ist auf zwei CDs mit MP3-Dateien verteilt. Die einzelnen Dateien umfassen etwa jeweils 5 min. Der Ton ist gewöhnungsbedürftig - entweder der Vorleser hat eine außergewöhnliche Stimmlage, oder mit der technischen Qualität stimmt etwas nicht. Das könnte natürlich auch an meiner Abspieltechnik liegen, das scheint aber eher unwahrscheinlich.
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Against the Day von Thomas Pynchon (Taschenbuch - 30. Oktober 2007)
EUR 12,90
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