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3,6 von 5 Sternen
Vanished Kingdoms: The History of Half-Forgotten Europe
Format: TaschenbuchÄndern
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Historiker Norman Davies erzählt hier die Geschichte von 15 untergegangenes Ländern. Dabei beginnt jedes Kapitel mit einer Standortbestimmung: Wo befand sich das Land? Wie sieht es heute dort aus? Es folgt eine sehr detaillierte Geschichtsstunde, in der die Historie des Landes sehr ausführlich von den Anfängen bis zum Ende dargestellt wird. Jedes Kapitel schließt mit allgemeineren Betrachtungen ab.
Das Thema ist natürlich hochinteressant und zudem sehr originell: Wer möchte nicht gerne etwas über Burgund, Aragon oder die Eintagesrepublik Rusyn erfahren? Allerdings ist das Buch nicht ohne Fehl und Tadel: Ohnehin ist Vanished Kingdoms kein populärwissenschaftliches Buch, sondern kommt eher im Lehrwerk-stil daher, doch Davies neigt zudem dazu einige Sachverhalte etwas überlang darzustellen - so vergleicht er etwa 5 Seiten lang was verschiedene Lexika über Burgund zu sagen haben. Zweitens schwankt die Qualität der Kapitel stark. Extrembeispiel ist Byzanz, bei dem sehr wenig Geschichtliches erzählt wird, sondern es eher um die Historiker geht, die Byzanz beschrieben haben. Auch drängt sich die Frage auf, warum er Montegnegros Geschichte unter "Tsernagora" zusammenfasst (dem russischen Namen von Montenegro), wenn er im Text selbst "Montenegro" verwendet - gleiches gilt für Ostpreußen/Borussia.
Spätestens wenn man beim Kapitel Irland angelangt ist - dass ja bekanntlich nicht untergegangen ist und daher eigentlich auch nicht in dieses Buch gehört - fragt man sich, on Davies nicht eigentlich die Geschichte Europas über die Königreiche erzählen will (das wird im Kapitel über die UdSSR sogar noch deutlicher, deren Text sich zu 3/4 mit den Baltikstaaten auseinandersetzt). Sollte das der Fall sein war dies eine falsche Entscheidung: So fehlt stellenweise der Fokus- man erfährt weniger über das Land, als über historische Kontexte, die dann etwas ausufernd geraten sind. Und die Geschichte Europas wird durch die Kapitel etwas zu auseinandergezogen um sinnvoll zu sein.

Das ist jetzt negativer und ausführlicher geworden, als geplant. Tatsache ist, dass Vanished Kingdoms wirklich infomrativ ist und für historisch interessierte sowohl eine gelungene Lektüre als auch ein gutes Nachschlagewerk darstellt. Als Lesebuch kommt es aber nicht an zugänglichere Werke wie "German Genius" (das natürlich ein anderes Thema hat) heran.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Februar 2013
Das ganz andere Europa

(Diese Rezension bezieht sich auf die Ausgabe bei Penguin Books, 2011)

Der Verfasser, Norman Davies, hat gegenüber vielen seiner Kollegen den großen Vorteil, dass er sich nicht nur in einem – mehr oder weniger sprachlich definierten – Kulturkreis bewegt, sondern den europäischen Teil der Welt von verschiedenen konkreten Blickwinkeln aus betrachtet. Dadurch erlangt er eine Unabhängigkeit im Urteil, um die man ihn beneiden muss. Darüberhinaus erweist er sich nicht nur als irgendwie gearteter Fachmann für bestimmte historische Bereiche, sondern geht über die Grenzen der Historiographie hinaus in den Bereich der Philosophie. Er versucht, ähnlich wie dies ein Psychiater bei Individuen tut, allgemeine Verhaltensmuster für ganze Völker herauszuarbeiten, indem er sozusagen die Völker als kohärente Wesen betrachtet, genauso, wie ein Astronom die Bewegungen von Himmelskörpern der verschiedensten Art anhand einiger weniger Gesetze beschreibt.

Das vorliegende Buch befasst sich mit einer Mandel von Reichen, die in den zwei Jahrtausenden nach Christi Geburt in Europa entstanden, Europas Geschicke entscheidend beeinflussten und dann wieder von den Landkarten – nicht jedoch aus den Herzen und Hirnen ihrer Bewohner – verschwanden. Manche kennt auch heute noch jedes Schulkind – Irland, die Sowjetunion, Litauen – verbindet mit ihnen jedoch vielleicht auch Ideen, die nur zum Teil, wenn überhaupt, zutreffen, andere klingen in Sagen nach – Burgund, Tolosa, Aragon – auch wenn sie viele konkrete Spuren hinterlassen haben, wieder andere – Byzanz oder Galizien – sind fast völlig aus dem heutigen politischen Weltbild verschwunden, während einige, wie das merkwürdige Borussia, den Führenden der westlichen Welt so quer in der Kehle lagen, dass man sie politisch liquidieren, ihre materiellen Spuren zerstören, ihre Geschichte umschreiben und ihre Menschen in alle Welt zerstreuen musste, um endlich so herrschen zu können, wie man wollte.

Davies, der aus einem kleinen und eigentlich völlig unbedeutenden Land stammt, aus Wales, aber vielleicht gerade deswegen einen unvoreingenommenen Standpunkt einnehmen kann und kein Land vertritt, das er irgendwie rechtfertigen muss, ergänzt diesen Vorteil noch durch einen quasi stereoskopischen Blick auf sein Gebiet, den er der Tatsache vedankt, dass er es materiell und gefühlsmäßig auch noch von einer zweiten Warte aus betrachten kann, aus dem Gebiet, das man im Englischen mit Central Europe bezeichnet und dessen Schwerpunkt durchaus weiter östlich liegt als das Zentrum von Mitteleuropa.

Für den deutschen Leser sind natürlich nicht alle Kapitel von gleicher Bedeutung, Byzanz wird ihn nur am Rande interessieren, Alt Clud sagt vielleicht nur dem gebildeten Whisky-Trinker etwas, aber mit dem kleinen Exkurs über Rosenau sollte er sich schon befassen, denn aus diesem Text kann er erfahren, warum eine große Hochzeit, die 1947 in England gefeiert wurde und die Verbindung der Windsors und der Mountbattens betraf, historisch genau genommen eigentlich die Familien Sachsen-Coburg-Gotha und Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg vereinte und eine ganze Latte von politischen Entscheidungen, Umbenennungen und Tricksereien voraussetzte.

Besonders aber ist für Deutsche natürlich die von Davies im Kapitel Borsussia geschilderte Geschichte des preußischen Reiches lehrreich, denn Davies beweist dort nicht nur seine profunde Kenntnis der historischen und dynastischen Verhältnisse, sondern enthält sich vor allem jeglicher politischen Verbiegungen, wie sie im 20. Jahrhundert besonders im angelsächsischen Bereich so beliebt waren, etwa in der Schriften von Robert Vansittert, und deren Folgen dort immer noch zu spüren sind.

Interessant ist für Davies hier auch die Tatsache, dass, besonders in Berlin, seit der deutschen Wiedervereinigung die Erinnerung an das Preußentum eine ständig wachsende Bedeutung gewinnt, die nicht zuletzt in der ganz bewussten Wiederherstellung preußischer kultureller Werte, etwa des Stadtschlosses oder der preußischen Museen an den Tag tritt.

Besonders wohltuend ist auch das Mitgefühl, das Davies für die Menschen an den Tag legt, an denen sich in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der bösartige Hass auf alles Deutsche ausgetobt hat, der aus machtpolitischen Gründen in London nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 ganz bewusst geschürt wurde. Kennzeichnend für dieses Mitgefühl sind die Verse von Agnes Miegel, die Davies ans Ende von “Borussia” stellt, in der deutschen Fassung und einer von ihm selbst stammenden, vorzüglichen Übersetzung: “O kalt weht der Wind über leeres Land…” / “Oh cold blows the wind o’er the empty land”.

Inzwischen sind einzelne Kapitel des Buches schon als Sonderausgaben erschienen, es wäre äußerst wünschenswert, wenn auch das Kapitel Borussia auf diese Weise dem deutschen Publikum nahegebracht würde. Bis dahin ist jedoch schon die englische Fassung des Buches für jeden Leser eine Bereicherung.
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am 6. Mai 2014
Norman Davies ist nicht nur ein ernst zu nehmender Historiker, er versucht auch noch den Text dem Leser
Auf eine sehr unterhaltsame Weise zu bieten. Er ist zudem ein Kenner Osteuropas (Litva,Polen, Borussia).
Offenbar war ihm die Geschichte der östrreich-ungarischen Monarchie zu riskant. Ich habe vermisst, dass er die
Sudetenfrage der tschechischen Republik nicht behandelt hat. Wenn er nicht will, sollte das jemand tun, als Brite
Wäre er aber trotz Chamberlain bestens geeignet.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. März 2015
You will find everything, that you wouldn't expect to find in the decent book: numerous factual errors (which are present in all parts of book); concepts that not only contradict established gold standard of the particular narratives, but also to the author himself; dubious and unreliable sources, etc. It is hard to believe that author of this "academic" book is the same Norman Davies, who delivered to the world such comprehensive studies like Europe:History; God's Playground etc.

This book is in such poor shape, that you start asking yourself, is it truly professor rather then a first year student who wrote it. Even to non professionals, factual mistakes in the book poke the eyes. And let me stress it: not the minor or stylistic ones, but the major ones. Likewise inaccurate Independence dates for some EE countries (while surviving contemporary documents states opposite to author) are the most obvious. Author went one step forward and exposed his imaginative nature: he started inventing various fictional tribes and even place names!

"Sources" of this book deserves a separate passage. N. Davies heavy really on web pages. Let me stress: not those established and sound academic ones, data bases, but mostly web pages, which are maintained and expanded by private (!) and amateur (!) persons. Those not only are lacking academic integrity but also full of mistakes. And this is why the book is full of the same fictional concepts and factual errors. Even more, N. Davies cunningly avoids sources (including primary ones), which are in direct contradiction to his theses, making this book way below any accepted standard.

And finally, last word to the tutors: you should not recommend this book to your students, except for illustrative purposes for how books shouldn't be written.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Mai 2014
interessanter Ansatz, aber über die Auswahl liese sich trefflich streiten
schade auch das er sich etwas in osteuropa verliert
und meint mit Byzanz und der UdSSR zwei zu grosse Brocken für das Buch abhandeln zu müssen
und warum irland?
denn es hätte ja auch in Westeuropa noch interessante in den Nationalstaaten untergegangene Länder gegeben
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