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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufstieg, Glanz und Niedergang der klassischen Welt, 24. Februar 2011
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: The Classical World: An Epic History of Greece and Rome (Taschenbuch)
Durch seine Biografie Alexander des Großen hat sich Robin Lane Fox einen exzellenten Ruf als Kenner der klassischen Welt erworben. In seiner voluminösen Weltgeschichte von Homer bis Hadrian spielt der makedonische Eroberer jedoch nur eine untergeordnete Rolle, es ist vielmehr die Welt der Alexander entstammte und die er bis nach Indien ausdehnte, deren Geschichte Fox nachzeichnet. Die Geschichte der Welt der griechisch-römischen Antike. Abgegrenzt hat Fox diese vor allem durch den noch präklassischen Homer und Hadrian eben deshalb, weil Homer den Beginn und Hadrians Regierungszeit das Ende der klassischen griechisch-römischen Literatur bestimmen. Gerade der hellenophile Kaiser Hadrian, der das ganze Imperium bereiste und große Pläne für Athen schmiedete ist der ideale Schlusspunkt für eine Darstellung der Geschichte der Antike.

Grundsätzlich lässt sich sagen dass Fox Werk in zwei Abschnitte zu unterteilen, einen zur griechischen Geschichte und den daran knüpfenden Aufstieg Roms. Sehr gelungen ist daran dass Fox Geschichtsschreibung keinerlei Brüche aufzuweisen scheint und sich sehr harmonisch ineinander fügt. Das einzige was einem "Bruch" nahe kommt ist eine zeitweilige Überlappung der beiden Erzählstränge während der Kriege mit Karthago um Sizilien. Dass das Werk aus der Perspektive Kaiser Hadrians verfasst sein soll merkt man kaum, nur einige seltene Male verweist Fox pflichtschuldig darauf wie Hadrian wohl dieses oder jenes Ereignis gesehen hätte. Viel prägender und wichtiger für das Werk ist jedoch Fox Talent gerade die sehr turbulente Geschichte der Griechen und ihrer zahlreichen innergriechischen Kriege verständlich darzustellen. Dazu bedient er sich eines kleinen Tricks, denn Athen nimmt in seinen Ausführungen eine sehr exponierte Stellung ein, wenngleich Fox auch Athens Gegenspieler wie Persien oder auch Sparta sehr genau unter die Lupe nimmt. Athens Rolle nimmt im Verlauf der Geschichte schließlich Philipps und Alexanders Makedonien ein, ehe die Ära der Diadochenreiche folgt. Auch diese hat Fox gekonnt inszeniert und lässt den Leser nie den Überblick über die Ereignisse verlieren. Und danach kam Rom.

Gerade der römische Abschnitt von Fox griechisch-römischer Weltgeschichte ist allerdings weit geradliniger und durch die häufigeren Einschübe zu Gesellschaft, Kultur, Heer und Religion etwas technischer geraten. Ein Eindruck der dadurch noch verstärkt wird indem Fox gerade die Protagonisten ihrer Zeit möglichst neutral auf ihre Karriere und Kontroversen reduziert, also die Persönlichkeit weitgehend heraushält. Unter Umständen mag die Geschichte Roms in Fox Darstellung also "trockener" klingen. Dennoch bei einem Geschichtswerk dass 900 Jahre umspannt ein Makel den man durchaus in Kauf nimmt, ist Fox Erzählstil doch stets flüssig. Dass übrigens Karthago in Fox Darstellung nur eine Nebenrolle einnimmt liegt daran dass sich sein Werk vor allem an den Quellen orientiert und gewissermaßen diesen folgt, da karthagische Dichter und Literaten kaum Zeugnisse ihrer Zeit hinterlassen und so die antike Literatur und Quellen mitgeprägt haben, muss ihre Rolle eine geringere bleiben. Wer sich vielleicht im speziellen für Karthagos Geschichte interessieren würde, dem sei Klaus Zimmermanns KARTHAGO: AUFSTIEG UND FALL EINER GROSSMACHT empfohlen. Ebenso wie zum Thema Karthago gibt es auch zu den vielleicht etwas zu kurz gekommenen Kapiteln der römischen nicht wenige sehr aufschlussreiche Werke.

Fox beginnt seine Reise durch die griechisch-römische Antike bei Homer, dessen Odyssee und Ilias ein archaisches Griechenland beschreiben, das zu den Zeiten ihrer Niederschrift längst nicht mehr existierte. Seine beiden Werke können jedoch zu Recht als die Meilensteine und der Anbruch der Antike bezeichnet werden. Fox beginnt nach dieser kurzen Einführung zu Homer mit einer grundsätzlichen Analyse des frühantiken Griechenlands und der Entstehung der Polis. Dabei spürt er vor allem der sozialen Entwicklung nach, von Kolonien als Ventil gegen Nahrungsmittelknappheit und Überbevölkerung bis zur Rolle der Aristokratie. Man darf durchaus feststellen dass Fox gerade was konservative Aristokraten und ihre "erhabene" Sichtweise auf die Welt betrifft etwas zu Polemik neigt, wie später noch am Beispiel Ciceros sichtbar wird. Im Fall der frühen Aristokraten beschreibt er diese jedoch so, dass die Vorstellung von den Göttern vor allem durch die lokale Aristokratie geprägt wurde, denn so wie diese auf das einfache Volk hinabblickten, so blickten wohl auch die Götter auf die Menschen und ähnliche Dramen dürften sich auch innerhalb der Aristokratenfamilien ereignet haben.

Während Fox am Beispiel Athens die Geburt der Demokratie aus dem Aufstand gegen die weit verbreitete Tyrannis nachzeichnet, erlaubt er auch einen sehr erhellenden Blick auf das Königreich Sparta und dessen etwas andere Alternative zur Tyrannis. Das Reich das von gleich zwei Königen regiert wurde und von einer unvergleichlichen Kriegerkultur geprägt war, besaß mit Tarent nur eine einzige Kolonie, entwickelte sich jedoch zeitweise zur führenden Macht in Griechenland, die sogar die nach Westen strebenden Perser davor warnte auch nur einen Schritt nach Griechenland zu setzen. Spartas Führungsrolle im Kampf gegen die Perser, sowie die spartanische Griechenlandpolitik gehören zweifellos zu den faszinierendsten Beschreibungen Fox. Schon fast schade ist es dass Fox das gleiche Engagement für eine detailreiche Darstellung Spartas nicht auch auf die Ostgriechen angewandt hat. Zu diesen konstatiert er zwar dass sie nicht Nachahmer sondern Vorreiter waren, lässt aber kaum Argumente folgen warum. Die Kleinasien prägenden Ostgriechen welche schließlich als erste Opfer der persischen Expansion werden sollten treten ohnehin schnell gegenüber Athen und dessen Konflikte in den Hintergrund. Auch hier wird wieder einmal deutlich dass sich Fox THE CLASSICAL WORLD: AN EPIC HISTORY OF GREECE AND ROME eben am Gesamtbild orientiert und nicht wie vielleicht manch anderes Geschichtswerk Nebenschauplätzen mehr Platz zu Lasten des größeren Ganzen einräumt.

Sehr wichtig ist Fox in seiner Darstellung der griechischen Antike Athens Vorreiterrolle im Kampf für die Demokratie gewesen. Fox wagt dabei auch einmal die Spekulation was denn geschehen wenn etwa die Perser Athen unterjocht hätten. In diesem Fall, so Fox, hätten viele der großen Entwicklungen und Errungenschaften der griechischen Antike wohl verzögert stattgefunden, wären schließlich stets persische Marionetten an die Macht gelangt. Ebenso regt Fox die Überlegung an was geschehen hätte können wäre es Sparta gelungen Athen zu besetzen. Anhand der zahlreichen kleineren Stadtstaaten die von den Spartanern erobert wurden lässt sich da durchaus ein Bild zeichnen und es ist kein schönes, immerhin setzten Spartaner nicht bloß auf Marionetten sondern gezielt antidemokratische spartafreundliche Cliquen. So verworren die zahllosen Konflikte Griechenlands im Geschichtsunterricht auch geklungen haben mögen, Robin Lane Fox schafft es sie so zu erklären dass man wirklich versteht worum es damals ging. Und das ist zumindest für mich der größte Pluspunkt des Buchs.

Nach den Westgriechen widmet sich Fox auch den Westgriechen und insbesonders der bewegten Geschichte des "Nordamerikas der Antike" wie Giusepe Tomasi di Lampedusa Sizilien einst sehr treffend bezeichnet hat. In ihren Kolonialisierungsbemühungen um Sizilien sollten die Griechen schließlich mit Karthago in Konflikt geraten, das schlussendlich aber zum bedeutendsten Antagonisten der Römischen Republik werden sollte.

Wie bereits erwähnt hätte Fox durchaus wie manch anderer Autor in seiner Weltgeschichte der antiken Welt Alexander den Großen zum Dreh- und Angelpunkt machen können. Er hat es jedoch sehr eindrucksvoll unterlassen. Anstatt Alexander und dessen Feldzügen möglichst wortreich wiederzugeben und dabei ein knappes Exposee seiner Alexander-Biografie zu geben hat Fox dem Begründer des Hellenismus nur ein einziges Kapitel gewidmet und das genau nach dem Kapitel über seinen Vater Philipp und wie dieser Makedonien zur neuen Großmacht Griechenlands aufbaute, zur Hüterin der griechischen Freiheit. Nach dem relativ knappen Kapitel über Philipps Sohn Alexander widmet sich Fox schon etwas ausführlicher der Geschichte der Diadochenreiche (Ptolomaios gründete in Ägypten eine Dynastie, Antigonos kehrte nach Makedonien zurück, Seleukos schuf in Vorderasien die Seleukiden) und ihrer Nachfolgekriege. Auch hier beweist Fox wieder einmal seine wunderbare Gabe den Überblick über dieses Chaos behalten zu haben und so wird auch der Leser nicht überfordert sondern von Fox eine klare Sicht auf die Ereignisse gewährt.

Der Wechsel von Griechenland nach Rom geschieht schließlich im Konflikt um Tarent. Roms Angriff auf die griechische Kolonie markiert den Wendepunkt in Fox Erzählung, von der griechischen zur römischen Antike. Dort trafen die Römer dann wirklich zum ersten Mal auf Kriegselefanten und nicht erst zu Zeiten Hannibals. Denn der griechische Kriegsherr Pyrrhos konnte damals bereits an die 20 Kriegselefanten aufbieten. Roms Ausweitung seiner Einflusssphäre führte schließlich auch zu den Punischen Kriegen. Gerade die römische Geschichte wartet allerdings mit weit weniger Überraschungen auf, kennt man die Geschichten der großen Kriege Roms und seiner einflussreichsten Persönlichkeiten wie Cäsar oder Cicero ja meist bereits. Dass Fox hier nicht mit Überraschungen aufwarten kann liegt in der Natur seiner Weltgeschichte die ja nur eine Überblicksdarstellung ist.

Was am Ende bleibt ein sehr stimmiges und vor allem lebendiges Gesamtbild der griechisch-römischen Antike das Robin Lane Fox mit THE CLASSICAL WORLD: AN EPIC HISTORY OF GREECE AND ROME geschaffen hat. Das Buch schafft es hervorragend die oft turbulenten und komplexen Konflikte der antiken Welt Roms und Griechenlands in klare Worte zu kleiden und so verständlich zu vermitteln. Trotz der sehr allgemeinen Orientierung hat Fox auch einige Schwerpunkte gesetzt und so manches Kapitel ist auch ein Exkurs in die damaligen Lebenswelten. Manche Straffungen wie wohl in Hinsicht auf Alexander den Großen sind zwar irgendwie auch schade doch durchaus von Vorteil für das Gesamtbild, das so sehr gelungen ist.

Fazit:
Eine sehr stimmige und vor allem sehr klar strukturierte antike Weltgeschichte.
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The Classical World: An Epic History of Greece and Rome
The Classical World: An Epic History of Greece and Rome von Robin Lane Fox (Taschenbuch - 6. Juli 2006)
EUR 13,95
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