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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beginnen wo die wenigsten starten, 3. April 2006
Es wurden bereits etliche Bücher über die Geschichte des HipHop geschrieben, doch all diesen ist gemein, dass sie nur einen Teilaspekt und hierbei zumeist den rein künstlerischen oder stilistischen betrachteten. Dabei hat gerade HipHop wie keine andere Jugendkultur den Anspruch, eine sozial-politische Bewegung zu sein. Zumindest wurde es des öfteren so in den Feuilletons dieser Welt gehandhabt - mit Grandmaster Flashs »The Message«, Public Enemys Anspruch des Black CNN zu eben Afrika Bambaataas Zulu Nation, mittels der dieTheoreme der Nation of Islam und den Black Panthers für eine Jugendkultur anwendbar wurden, auch nicht immer ohne Grund.
Politik & Jugendkultur
Bislang fehlte ein Werk, das es schaffte, rückblickend den viel größeren Bogen zu spannen, der nicht erst bei den Blockpartys der 1970er Jahre ansetzt, sondern zum einen im fernen Jamaica der 1960er und 70er Jahre - wo nach Aussage des HipHop DJ-Vaters Kool Herc eigentlich HipHop entstanden war -, als auch in der US-Amerikanischen Post Civil Rights Ära der 1960er, während der Präsidenten wie Richard Nixon und Jimmy Carter oder städtische Bürgermeister eine Innenpolitik in den Armenvierteln der Stadtkerne etablierten, die gemeinhin als Benign Neglect (Sanfte Vernachlässigung) bezeichnet wurde und sich auf dubiosen Sozialtheorien wie der »Broken Window Theory« begründeten. Beide Titulierungen zielten darauf, die Armenviertel in den Citys langsam ausbluten zu lassen, indem Services wie Feuerwehr, Schulen und Gesundheitswesen langsam aber sicher aus Gegenden wie der South Bronx und South Central Los Angeles abgezogen wurden.
Die Geschichte geht viel weiter
Jeff Changs über 500 Seiten starkes Geschichtswerk startet daher nicht bei Afrika Bambaataa, dem mystifizierten HipHop Godfather. Der Anfang der HipHop-Geschichte gebührt Robert Moses' Urban Renewal Program und der daran gekoppelten Politik der sanften Vernachlässigung, in dessen Verlauf in den späten 1960ern ganze Straßenblöcke der South Bronx abgerissen wurden, um einen Freeway aus den Vorstädten New Yorks direkt nach Manhattan zu realisieren. Der nächste Schritt führt Chang vorerst in Jamaicas Trenchtown, den dort explodierenden Gangkriegen, der dortigen Vermischung von Musik und Politik, der auch Bob Marley und Lee Scratch Perry zum Opfer fielen, um anschließend den Loop zurück in die South Bronx zu spannen, Analogien zu Jamaica aufzuweisen und die komplexe Geschichte der Gangs im New Yorker Armenviertel zu rekonstruieren. Er lässt sich einhundert Seiten Zeit, bevor er den Großmeister Afrika Bambaataa erstmals vorstellt.
Gewusst wie
Jeff Chang weiß seinen Vorteil, selbst ein Teil der HipHop-Geschichte zu sein, zu nutzen. Als Gründer des Labels Soulside Records (jetzt Quannum Projects), das großartige Künstler wie DJ Shadow, Blackalicious und Lyrics Born hervorbrachte, und langjähriger Journalist für etablierte Magazine wie Spin, Vibe, The Village Voice und Washington Post, kennt er sein Steckenpferd HipHop wie seine Westentasche und kann auf eine Unmenge guter Kontakte zurückgreifen, die maßgeblich diese Kultur des HipHop beeinflussten und aufbauten. Neben der umfangreichen Recherche in verschiedensten Medien, ergänzt und untermauert Jeff Chang seine Überlegungen zur Verknüpfung von HipHop, Politik und Sozialwesen immer wieder auflockernd mit ungehörten Anekdoten und frischen O-Tönen von alten, fast in Vergessenheit geratenen Herren wie Charlie Ahearn (Regisseur des Kutlfilms »Wild Style«), Crazy Legs (Mastermind der erfolgreichen Breakdance Formation Rock Steady Crew) oder Führern der 1970er South Bronx Gangs. An einigen Stellen mutet sein Buch dadurch zwar wie eine Aufzählung etlicher Namen an, ein Abarbeiten an deren Argumenten und historischen Einflüssen, zeigt aber gleichzeitig Changs Motivation der umfangreichen Darstellung ohne Simplizitäten.
Vor allen Dingen räumt der chinesisch-hawaiianische Autor und Mitbegründer der US National HipHop Political Convention mit einigen Klischees auf, die noch immer die HipHop-Kultur grundlegend prägen. Afrika Bambaataas Idee der vier Elemente ist beispielsweise ein Konstrukt, welches frühestens in den Anfängen der 1980er Jahre entstand, als HipHop bereits eine Trockenphase durchlebt hatte, von einigen Seiten für tot erklärt wurde und erst im Zuge der Wiederentdeckung durch weiße und schwarze Mittelstands-Boheme wie Fab 5 Freddy (Yo! MTV Raps), Henry Chalfant (Regisseur von »Style Wars«) oder auch den berühmt-berüchtigten Produzenten und Managern Trevor Horn (Frankie Goes To Hollywood, Grace Jones) und McLaren (Sex Pistols) ein Revival und seinen Ausbruch aus dem Sieben-Meilen-Radius der South Bronx erlebte. Jeff Chang arbeitet die Popularität der Rap-Aktivisten Anfang der 1980er unter dem bisher verschwiegenen Aspekt der Drogensucht auf, wobei Marihuana neben den Chic-Drogen Kokain und Crack (Freebase) das geringste Übel darstellte. Public Enemys Politisierung der Rap Musik wird genauso diskutiert wie der Umbruch der Kultur mit der Entwicklung des Gangster Rap an der Westküste. Die Rassismusfrage in dieser Politisierung zeichnet Jeff Chang zudem nicht nur schwarz-weiß, sondern hebt Mitteltöne hervor. Die Geschichte der 1992er Ausschreitungen nach dem Urteilsspruch der Polizisten, die den Schwarzen Rodney King zusammengeschlagen hatten, entpuppt sich somit plötzlich als Explosion der Spannungen zwischen Afro-Amerikanern und Koreanern.
Musik als Nebensache
»Can't Stop Won't Stop« funktioniert aufgrund dieser tiefgründigen Betrachtung einer Jugendkultur, die längst weltweit gelebt, verkauft und bastardisiert wird, trotz der zeitlichen Stringenz der Erzählung weniger als rein chronologische Zuordnung verschiedener Phänomene in eine Musikgeschichte. Vielmehr ist das Buch eine Dokumentation und Veränderungsanalyse einer Kultur nach strukturellen, intentions-bezogenen und sozio-politischen Parametern. Interessanterweise lässt Jeff Chang dabei die HipHop-Geschichte der Neuzeit zwischen 1995 und 2006 fast gänzlich außen vor. Möglicherweise ist hier eine konkrete Zuweisung der Zeichen noch nicht möglich, da die Geschichte noch geschrieben wird. Vielleicht empfindet Jeff Chang diesen Geschichtsabschnitt des HipHop auch als vernachlässigbar, da dieser nichts mehr mit der eigentlichen Kultur zu tun hat, sondern nur noch ein reines Marktsegment darstellt. Die letzten zehn Jahre werden auf gerade mal fünfzig Seiten abgerissen, auf denen fast keine Künstlernamen auftauchen. Die 1990er handeln daher vor allem von der Kommerzialisierung durch Magazine wie The Source und Veröffentlichungen wie »The Chronic« von Dr. Dre.
Am Ende des Buches lässt Jeff Chang dennoch einen Hoffnungsschimmer aufflackern, kehrt in die Civil Rights Ära zurück und zeigt, dass die HipHop-Bewegung nach wie vor eine stark politisierte ist. Denn letztlich hat sich seit den 1960ern nicht allzu viel geändert. Die Rassensegregation in den Wohngebieten ist noch immer signifikant, seit zwei Dekaden wird in den Städten eine Policy of Zero Tolerance geführt, die nichts anderes darstellt, als eine sozial verschärfte Form der alten Rassenpolitik - eine Politik des Fatalismus, der Intoleranz, Vorurteile und Angst.
Rezension zuerst veröffentlicht beim goon magazine.
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5.0 von 5 Sternen Sehr genau, umfasssend, spannend, 23. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Can't Stop Won't Stop: A History of the Hip-Hop Generation (Taschenbuch)
Von allen Büchern über Hip-Hop die ich kenne das genaueste und umfassendste. Auch gut und spannend zu lesen und immer mal wieder ein paar sehr eindrucksvolle Fotos dazwischen. Schade, dass es keine deutsche Übersetzung davon gibt.
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Can't Stop Won't Stop: A History of the Hip-Hop Generation
Can't Stop Won't Stop: A History of the Hip-Hop Generation von Jeff Chang (Taschenbuch - 2. August 2007)
EUR 13,13
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