Die Autoren Thilo Spahl und Thomas Deichmann wenden sich mit ihrem populären Lexikon der Gentechnik einem Thema zu, dessen Aktualität und Bedeutung für Politik, Gesellschaft sowie Wissenschaft in den kommenden Jahren ganz gewiß zunehmen werden. Leider steht die Tragweite der wissenschaftlichen Entwicklung, welche von den Lebenswissenschaften ausgeht, im Gegensatz zu der kläglich dürftigen Kenntnis, die die Öffentlichkeit von der Gentechnik hat. Dabei sollten in einer demokratisch und freiheitlich verfaßten Gesellschaft die Bürger wissen, worum es geht, wenn Politiker im Hinblick auf die Gentechnik zum Beispiel die Reproduktionsmedizin oder neue Methoden der Landwirtschaft regulieren. Der Vorteil dieses Buches: es behandelt alle wesentlichen Anwendungsgebiete der Gentechnik sehr ausführlich, ohne in einem professoralen Kauderwelsch zu versinken; der Aufbau der Texte ist ohne Gedankensprünge, die Sprache klar. Was das Buch aber vor allem und gerade für den intelligenten Laien interessant macht, ist seine unmißverständliche politische Positionierung, die sich von allen maßgeblichen Parteien abhebt: ein Plädoyer für Experimente, für das Nutzen der phantastischen Chancen, die dem Menschen die Möglichkeit geben, in der Erzeugung von Nachwuchs, in der Heilung von Krankheiten und in der Produktion von Nahrung Berge zu versetzen! Die im "Populären Lexikon der Gentechnik" ausgedrückte fortschrittsbejahende Geisteshaltung ist dem ängstlichen und kleinbürgerlichen Zeitgeist, den nicht nur bedauernswerte Kulturpessimisten in greisen Tageszeitungen immer wieder offenbaren, haushoch überlegen. Gerade die Skeptiker der Gentechnik, die diese nur aus dem Blickwinkel ihrer vorgeblichen Mißbrauchsmöglichkeiten betrachten wollen, sollten dieses Buch lesen, auch wenn dessen Ansichten zum Beispiel zum reproduktiven Klonen ihnen zunächst gehörig vor den Kopf stoßen werden.