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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wundersame Reise in eine fremde Welt,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der pensionierte General: Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Wie fremd diese Welt Vietnams ist, wird mir als deutschem Leser durch diesen Sammelband nahegebracht. Es ist eben die erzählerische Nähe zu den Menschen, zu ihrem Alltag mit seiner Enge, seinen Reibereien, die mich staunen lassen, wie anders die Welt sein kann.Zu verdanken ist dies auch Marianne Ngo und Günter Giesenfeld, den beiden ÜbersetzerInnen, deren Liebe und Gewissenhaftigkeit auf jeder Seite spürbar ist (sie haben den Autor und andere vietnamesische Muttersprachler konsultiert, um jede Formulierung abzusichern, und kaum übersetzbare Zweifelsfälle in Fußnoten vermerkt bzw. in einer angehängten editorischen Notiz erläutert). Außerdem ist sehr hilfreich, dass Günter Giesenfeld im Nachwort die erste Geschichte interpretiert und die Hintergründe vietnamesischer Literatur erklärt. Diese intellektuelle Unterstützung, die man eher als Vorwort lesen sollte, erleichtert es, weiter in die Geschichten einzutauchen, die in variantenreichen Formen dargeboten werden und auch im Inhalt manche Überraschung bereit halten: Beispielsweise erhält Lam, ein Teenager, von seinem Vater drei Peitschenhiebe, weil er beim Pflügen des Ackers gepfuscht hat; dagegen sein Kamerad, der bei ihm auf dem Land zu Besuch weilt, erhält von seinem Vater aus der Stadt einen Brief: "Mein Lieber Sohn, ich bin sehr erzürnt darüber, dass deine Mutter meine Abwesenheit ausgenutzt und sich die Freiheit genommen hat, Dich aufs Land zu schicken. Ich lege Wert darauf, dich wissen zu lassen, du Trottel, dass die Stadt der dir gemäße Handlungsraum ist." der Sohn wird angewiesen, unverzüglich heimzukehren. Daraufhin kommentiert Lam: "Geh, kehr nach Hause zurück. Dein Vater wird dir keine drei Peitschenhiebe geben wie meiner, das nicht. Wenn man seinen Brief liest, glaubt man eher, dass er dich umbringen wird." Ich lache, wie hier die Arroganz des intellektuellen Städters gegen die ländliche Kultur so einfach beiseite gefegt wird. In einer anderen Erzählung wird liebevoll der Charakter eines Mannes beschrieben, dessen Leidenschaft es ist, den Handel mit Wirtschaftsdünger zu beaufsichtigen, genauer gesagt: mit Menschenkot aus öffentlichen Aborten, dessen Güte er professionell durch Geruchsproben ermittelt. Der Autor hütet sich, diese Kuriosität satirisch zu verwenden, sondern er schildert sie als eine Facette des mannigfaltigen Lebens, die zwar absonderlich erscheint, die sich aber in der Nähe zu seiner Figur als eine Erfüllung des Seins erweist, die ernst, aber nicht schwer zu nehmen ist. So enthält dieser Band viele Geschichten, Photos von vietnamesischen Zeitgenossen und auch manche Legenden, die abwechslungsreiche Eindrücke aus einem fernen Land vermitteln, das einem menschlich immer vertrauter wird. 19 Euro für so eine Reise sind wirklich wohlfeil! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Vietnam: Geschichten über den Spagat zwischen Moral und Kommerz,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der pensionierte General: Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Viele kennen Vietnam als exotisches Touristenland; manche noch als Land des Kriegs und der Zerstörung. Wie die Menschen in Vietnam heute ihr Leben gestalten und was sie fühlen, erzählt der 1950 geborene in Hanoi lebende Schriftsteller Nguyen Huy Thiep in seinen Kurzgeschichten.Die Menschen in Thieps Geschichten sind keine Helden aber auch nicht die bloßen Looser, sondern Charaktere mit vielschichtigen Eigenheiten. Vor allem die Alten und die im Dorf Lebenden sind oftmals noch tief verwurzelt in den Traditionen einer hohen Moral und dem Aberglauben der Vorfahren. Sie werden heute konfrontiert mit dem Kommerzdenken und der modernem Lebenswelt, welche die Städte immer mehr beherrscht. In den Familien prallen diese Linien offen aufeinander. So zum Beispiel in der Titelgeschichte vom pensionierten General, der zurückkehrt in seine Familien und dabei feststellen muss, dass diese vollauf beschäftigt ist, mit vielerlei Jobs und Nebenjobs den gehobenen Lebensstandard zu sichern. Die dem Alter eigentlich gebührende Hochachtung findet dabei kaum noch Platz. Und als er dann auch noch feststellen muss, dass seine Schwiegertochter, die in der Entbindungsstation der Stadt arbeitet, abgetriebene Föten in der eigenen Hundzucht an die Hunde verfüttert, bleibt ihm nur noch der wütende Aufschrei Verdammt! Ich brauche diese Art von Reichtum nicht!". Thiep schildert diese Menschen als Individuen ohne dabei den Daumen des Richters über ihnen zu heben oder zu senken. Dies macht die Geschichten besonders authentisch. 11 seiner Kurzgeschichten hat der Mitteldeutsche Verlag aus Halle in einem Band zusammengestellt und erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht. Die Lebensnähe, die diese Geschichten vermitteln, wird nicht nur durch den Autor selbst, sondern auch durch die hervorragende Übersetzung von Günter Giesenfeld und Marianne Ngo getragen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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