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Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot
 
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Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot (Broschiert)

von Sibylle Berg (Autor)
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (29 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 192 Seiten
  • Verlag: Reclam, Ditzingen; Auflage: Neuauflage. (Januar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3150215773
  • ISBN-13: 978-3150215777
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (29 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 8.396 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Voller Kühlschrank, leeres Herz

Sibylle Bergs Episodenroman aus einer frostigen Zeit

Sie leben im Herzen der Finsternis, im Siechenhaus der westlichen Hemisphäre: die deutschen Schriftsteller Jahrgang 60. Leer ist ihr Herz und überfüttert ihr Hirn; in Kiton-Jacketts und Papas Mercedes jagen sie, wie Christian Kracht (1966 geboren) in seinem deutschen Roadmovie durch das öde «Faserland» – von Hamburg bis Zürich eine Konsum- und Party-Meile. Auch in Venedig, Marokko und Hongkong «ist es nie besser, nur eben anders». Sie sind die «beschissene Generation», unsere sorg- und illusionslose Jugend am Ende dieses Millenniums. Das wäre ein guter Grund, traurig zu sein – für sie ist es Anlass, sich kaputt zu lachen.

«Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot » heisst der erste Roman der 1962 geborenen Sibylle Berg, die sich laut Klappentext auch als «Lastwagenfahrerin, «Zeit»-Kolumnistin und Tierpräparatorin» hervorgetan hat; letzteres mag ihrem Hang zum Makabren Nahrung geliefert haben. – Ein paar Leute suchen das Glück und hängen rum; und rumhängen tun sie im Taunus ebenso wie in Venedig und in Berlin. Sie kennen keinen Hunger, sie sind magersüchtig, sie haben eine Fussbodenheizung und ein bibberndes Herz. Mit «Warhol und mit Mapplethorpe gross geworden», aufgewachsen ohne Geldsorgen, Religion oder Ideologien, bleibt ihnen nicht einmal mehr der Kampf gegen etwas; statt dessen gehen sie «Junkies angucken» (Kracht) oder stopfen die Hotel-Minibar mit Kopfkissen voll und den Einkaufskorb mit Gebissreinigern. «Sie haben uns alle Sorgen genommen, bis nur noch wir übriggeblieben sind», klagen diese Eingeborenen der Einkaufspassagen. «Es müsste etwas geben. Irgendwas, das uns von uns ablenkt.» Was sollte das sein? Etwa das Glück?

Und wie müsste es aussehen, das Glück in den späten neunziger Jahren? Etwa so? «Meine Wohnung ist teuer. Sie hat viele Zimmer, in denen nichts steht. Ich liege immer nur in einem kleinen Raum auf einer Matratze. Wenn mein Kühlschrank voll ist mit Essenssachen, sehe ich mir das immer wieder an. Manchmal mache ich auch ein Polaroid von dem vollen Kühlschrank. Gerne sehe ich fern und esse dabei Kartoffelbrei.» Oder so? «Vera hat auf einmal keinen Job mehr und keine Familie, und eigentlich sind das gute Bedingungen, um alles anders zu machen. Sie geht ins Bad. Da steht eine eine Handwaschlotion. 400mal Händewaschen steht auf der Flasche. Vera schafft nur 345mal. Scheiss-Befehle denkt sie. Morgen wird sie sich einen neuen Job suchen. Und einfach dableiben.»

Sibylle Berg hat «ein paar Leuten» auf der Jagd nach dem Glück das Wort erteilt, Männern und Frauen, ziemlich durchgedreht und «beschissen jung», die sich vom Leben noch immer zuviel versprechen. Das wird ihnen gründlich ausgetrieben.

Dumm ist das Herz und unbelehrbar die Sehnsucht nach einem «eigenen Menschen» – lieber Gott, betet Bettina, schenk mir einen eigenen Menschen. Aber Gott ist gemein und setzt einen sabbernden Tattergreis vor sie hin, der «hat definitiv einen Dachschaden» und gehört jetzt ihr. Oh sorry, sagt sie, nimm den weg. Und der liebe Gott nimmt ihn weg und sagt: «Jetzt kriegst du gar keinen mehr.» So erzählt man heute die Fabel von Adam und Eva.

Stur ist das Herz und trotzig die Sehnsucht, und der eigene Mensch und die blöde Sehnsucht sehen für Männer und Frauen immer ganz anders aus. Da passt nichts zusammen. Ob bei Nora und Tom oder Vera und Pit oder Ruth und Karl, immer liebt das dumme pochende Herz gerade eins, das es nicht zurückliebt. Und während sie sich verlieben, Nora oder Bettina, denken sie schon, «eigentlich habe ich da gar keine Lust drauf».

Nein, Glückspilze sind sie nicht, diese spätgeborenen Idioten der Therapiegesellschaft, da hilft kein Guru und keine «Uterusatmung». Vor allem die Frauen. Die Frauen wollen immer reden und so, und dann auch noch über Gefühle. Wo es doch gar nichts zu sagen gibt in einem hässlichen kleinen Leben voller Muss-man- und Kann-man-nicht-Sätze. Tarantino muss man gesehen haben, Grass kann man nicht lesen und dazwischen Wörter wie tschüssikowsky und geilomat oder nullproblemo. Oder man sitzt in der Sitzung, die jetzt meeting heisst, und quatscht protziges Zweireiherdeutsch, irgend etwas von wordings, locations und motivationaler Schubkraft. Wie soll nicht die Sprache verhunzt sein, wenn die Welt nur aus Markenartikeln besteht und das Leben aus Surrogaten: im Schlafzimmer hängt die Phototapete mit einer «Bergsituation», und in Venedig fahren aufgemotzte Gondeln durch die Kulisse.

Der grossmäulige Ton, mit dem Sibylle Berg ihre Helden ausstattet, wird souffliert von einem Lebensgefühl, das sich von aussen fürchterlich cool und von innen furchtbar frostig anfühlt. Schliesslich kann man nicht gar nichts sagen, obwohl diese Leute, deren Kopfgequassel die Autorin hier zu Papier bringt, vor allem eines zu suchen scheinen – das Glück der wortlosen Zweisamkeit. Sie suchen es immer da, wo es nicht ist – in der Wüste, in fremden Betten oder bei einem pulverschwenkenden Wahrsager. Und – Macht der Gewohnheit, Fluch der Biologie? – manchmal passiert es dann doch, dass man sich verliebt, obschon man gar keine Lust da drauf hat. Und manchmal, ganz selten, kommt es auch vor, dass sich beide verlieben. Dann «sind beide ein bisschen froh. Und traurig, weil Liebe oder die Sache hinter dem blöden Wort so schwer ist.»

Ja, schwer ist das Glück in sorglosen Zeiten, aber schwer ist es auch, ein leichtes trauriges Buch zu einem glücklichen Ende zu bringen. Sibylle Berg hat es sich damit zu einfach gemacht; sie bringt ihre Unglücksraben am Schluss kurzerhand um. Diesen Turbo-Aktionismus in Comicmanier haben sie nicht verdient, und das Buch hat es auch nicht. Mag der kaltschnäuzige Ton zuweilen auch reichlich forciert sein – es ist der trostlos-trotzige Sound der neunziger Jahre. Man nimmt ihn ernst, weil das Buch so unbeugsam, mehr noch: dickköpfig, mit dem Gewicht einer Welt spielt, die glückloser wird mit jedem Tag.

Andrea Köhler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.



Pressestimmen

"Sibylle Berg schildert die neunziger Jahre als die Stunde der schwachen Empfindungen und dürren Worte. Liebe und Leidenschaft, Verzweiflung und Unglück haben nur noch als klägliches Echo früherer Zeiten überdauert. Waren die achtziger Jahre das Jahrzehnt der Gier, das Emotionen als begehrtes, aber knappes Handelsgut entdeckte, so erscheinen die neunziger Jahre als Ära der Gleichgültigkeit, in der alle Ideale zerstört, alle Illusionen geplatzt sind. Und auch von der Sprache ist nicht mehr viel übrig." -- Frankfurter Allgemeine Zeitung "Ein paar Leute ... is a novel which sees tragedy as well as beauty in the banalities of everyday life. True feeling is never very far from tackiness, prompting a German reviewer to bill Berg s writing as 'German Trash'. This it is not, though, for" -- Ein paar Leute is carried by the author s sympathy for her characters and their predicament. Not, though, by her sentimentality: of her ten protagonists, Berg dispatches all but one, with no shortage of gruesome detail, the description of which she seems positively to enjoy." -- Times Literary Supplement, 25.5.1998

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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Man liebt oder haßt sie, 27. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Sibylle Berg schreibt sarkastisch und sehr unterhaltsam von einer handvoll Menschen um die dreißig und ihren Beziehungen zueinander. Sie berichtet aus der jeweiligen Subjektive und so erfährt man nicht nur, wie sich jeder einzelne fühlt, sondern auch was er von den anderen Personen hält. Ihr Erzählstil ist bitterböse und hat in meinem Freundeskreis für sehr auseinandergehende Meinungen gesorgt. Mir aber gefällt das Buch, ich konnte darüber lachen und so ist es glaube ich auch gedacht. Es beschreibt stark negativ überzeichnete Charaktere, Egoisten sondergleichen, die doch alle nur nach ihrem "eigenen Menschen" suchen, um etwas Halt zu finden, der ihnen in ihrem Leben fehlt. Die Autorin karikiert die bestimmenden Trends unserer Gesellschaft (z.B. die "glücklichen" Singles) und zeigt Menschen, die versuchen dem zu entsprechen und nicht verstehen, warum sie trotzdem nicht glücklich sind. Meiner Meinung nach enthält dieses Buch viele Kritikpunkte der gesellschaftlichen Entwicklung und jeder wird sich ansatzweise in einer der Personen wiederfinden. Mein Fazit dieses Buches ist die Aufforderung, sich unabhängig von Trends zu bewegen und seine eigenen Lebensillusionen zu hinterfragen.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Liebe zu Armprothesen und gelben Häusern, 7. September 2001
"Ich lebe so ein bißchen wie ein Tier. Ich weiß nicht, ob das so verkehrt ist. Obwohl es auch unglückliche Tiere gibt, die zu Tierpsychologen gehen, denke ich mal, die meisten Tiere fragen sich nicht andauernd, was sie mit ihrem Leben anstellen sollen. Vielleicht sind sie glücklich. Ich würde sehr gerne mal mit einigen befreundeten Tieren über dieses Thema rede."

"Ein paar junge Leute suchen das Glück und lachen sich tot", so heißt Sibylle Bergs Nachfolgeroman zu "Sex II", der im gleichen Stil geschrieben wurde. Hier dokumentiert sie wieder die Härte des Lebens und dem Leser ist zu Anfang des Buches schon klar, daß nur sehr weniges überleben werden. Frau Bergs Stil ist einfach grandios. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und lebt fernab der Zensur. Ihre Geschichten sind krass, derbe, wahnsinnig witzig, unterhaltsam und lebensnah. Sie zeigen dem Leser, wie verrückt das Leben wirklich ist, wie die Menschen sich an Dingen hochziehen, die eigentlich mehr als nur banal sind. Dieser Roman ist auch wieder als Episodenroman geschrieben. Verschiedene Protagonisten werden vorgestellt, finden sich im Ablauf der Handlungen in sich selbst und in den Folgegeschichten wieder. Alles einfach krass und unbeschreiblich. Dises Buch ist so depressiv, aber auch teilweise lustig geschrieben, daß man sich wirklich über sein eigenes Leben Gedanken macht.

Fast alle Personen des Buches sind mitte 30 und kommen mit ihrem Leben nicht klar. Sie suchen die Liebe, das Leben, das Glück. Natürlich lacht sich niemand wirklich tot, aber sie sterben trotzdem. Sei es nun durch tückische Unfälle, Selbstmord oder einfach so. Sie laufen den ganzen Tag herum, verstümmeln ihre Körper und jagen der Liebe hinterher, bis sie sehen, daß sie in ihrem Leben alles vertan haben. Menschen, die nicht mehr essen wollen, einfach aufhören und sich gehenlassen. Menschen, die durch die Welt reisen, das Glück suchen und in der Einöde einer Wüste enden, während Wüstenbewohner deren Augen essen.

Sibylle Berg hat einen unvergleichbaren Stil. Am Anfang fällt es als "Neuling" etwas schwer, sich in ihre Welt des Schreibens zu versetzen, aber man kommt sehr schnell hinein und kann sich nicht mehr losreissen. So ansteckend kann das Leben und Sterben fremder Figuren sein.

Dieses Buch ist allen Freunden des krassen Humors und Episodengeschichten gerade recht. Auch alle anderen Verrückten dieser Welt wird es spaß machen, es zu lesen. Ein wahnsinnig tolles Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Man sollte jdeoch aufpassen, wo man es liest, da man sehr eigenartige Erfahrungen machen kann. Ich habe z.B. einen Lachflash im Bus bekommen und seitdem hält mich sicher die halbe Menscheit verrückt. Aber es wirkt auch sehr beängstigend, wenn ein junger Mann sich in die dunkelste Ecke sitzt und plötzlich zu schreien beginnt. Aber das ist eine andere Geschichte...

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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen ein verdammt guter Zeitgeistroman, 25. Juni 1999
Von Ein Kunde
Aufmerksam geworden auf Sibylle Berg bin ich durch ihre Kurzgeschichten, die im Zeitmagazin veröffentlicht wurden, noch bevor sie ihr erstes Buch "Ein paar Menschen suchen das Glück und lachen sich tot" veröffentlicht hatte. Ihre Geschichten waren mir ins Auge gefallen durch die völlig respektlose, ausgefallene und lustige Art und Weise, mit der sie mit Sprache umgeht und durch den besonderen Blickwinkel, den sie gegenüber den Auswirkungen der Lebenswelt der 90er Jahre auf die jungen Allerweltsmenschen einnimmt. Und genau diese Punkte finden sich auch in ihrem ersten Buch wieder. Ein Haufen meist junger Menschen findet sich in den typischen Problemen des Lebens wieder: Liebeskummer, Jobprobleme, Pubertätswahnsinn und Angst vor dem Älterwerden. So unterschiedlich die konkreten Probleme auch sein mögen, so vereint die Protagonisten doch der Meta-Wunsch nach einem speziellen Leben, das sich von der Masse der Leute abhebt, sie befinden sich auf der Suche nach ihrem Glück. Das Besondere an den Figuren ist, daß sie ihre Suche radikalisieren und kompromislos bis zum Ende durchhalten, bis zum Tod, der von der Autorin sehr schön grauenhaft in allen Einzelheiten beschrieben wird. Das Buch lebt von diesen Extremen. In einer hedonistischen Zeit lebend sind die Figuren vor Selbstbespiegelung wie gelähmt und die Gewalt der Situationen, die über sie hereinbrechen sind anscheinend die einzige Möglichkeit, ihnen ein Stück Selbsterkenntnis zu ermöglichen, auch wenn es meistens zu spät kommt. Sibylle Berg bietet in der doch stark verkopften Landschaft der deutschen AutorInnen ein willkommenes Gegengewicht, indem sie es schafft den Geist der Zeit nicht nur aufzufangen, sondern durch ihren unverwechselbaren Stil auch noch einen adäquaten Ausdruck zu verschaffen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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und schonungslos.
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