Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Über den Redner
OT De Oratore OA 55 v.Chr.Form Philosophischer Dialog Epoche Römische Antike
Dem Dialog Über den Redner von Marcus Tullius Cicero kommt der große Verdienst zu, der Redekunst, die immer unter dem Verdacht stand, Demagogie und Überredung an die Stelle von Sachargumenten und Überzeugung zu setzen, ihren Platz als maßvolle Kunst der anziehenden und wohl geordneten Rede zugewiesen zu haben.
Inhalt: In den drei Büchern des philosophischen Dialogs finden sich zwar reichhaltige Ausführungen über die Gestaltung einer überzeugenden Rede, doch ist das Werk nicht in erster Linie ein Lehrbuch wie etwa die Rhetorik des R Aristoteles. Im Zentrum steht der perfekte Redner als Bildungsideal, der verantwortungsbewusste, sachkundige Gelehrte, der sich der Rede zur Vermittlung seines Wissens und Standpunkts zu bedienen weiß. Der ideale Redner müsse nicht nur ein Wortkünstler sein, sondern habe sich vor allem auch durch Sachverstand auszuzeichnen. Die Redekunst sei eine Sache, von der der Redner Bescheid wissen müsse, über die er nachgedacht, deren Möglichkeiten und Gefahren er kennen muss. Ciceros Buch besteht aus kunstvollen Reden von Personen, die selbst mehr oder minder gewandte Redner waren. Die Ausübung der Rhetorik ist an Philosophie und Rechtskenntnis geknüpft, da sie nicht bloße Technik sein soll, sondern eine klare Darstellung zum Ziel hat, um dem Zuhörer ein ausgewogenes Urteil zu erlauben. Ciceros Redekunst beschränkt sich nicht allein auf die Gestaltung der Rede, sondern bezieht den ganzen Menschen ein, sein Sprechen, sein Denken, seinen Körper, seine Verantwortung für die Hörerschaft und das Thema, über das er sich verbreitet.
Struktur: Cicero erzählt Gespräche nach, die an zwei Tagen des Jahres 91 v. Chr. in Tusculum stattgefunden haben sollen. Der Hausherr Crassus und Marcus Antonius sind die Hauptpersonen der Unterredung, die den ersten Tag (Erstes Buch) fast allein bestreiten. Für Crassus ist der ideale Redner der Garant eines jeden Glücks, des privaten wie des öffentlich-staatlichen. Antonius vertritt dagegen eine eher realistisch-pragmatische Position, stellt das von Crassus geschilderte Redner-Ideal als zwar erstrebenswert aber unrealistisch dar. Wahrhaft umfassende Bildung zu erwerben trägt Crassus dem idealen Redner auf, Antonius dagegen will den Rede-Schülern zwar ebenfalls Bildung und Urteilsfähigkeit vermitteln, ihnen aber keine umfassende wissenschaftliche Ausbildung vorschreiben. Den ersten Teil des zweiten Tags (Zweites Buch) bestreitet Antonius mit seiner Schilderung der Ausbildung des Redners, die in erster Linie auf der Nachahmung klassischer Vorbilder, in zweiter Linie in theoretischen Studien besteht. Die Ausführungen des Crassus im zweiten Teil des zweiten Tags (Drittes Buch) stellen die universale Gelehrsamkeit des Redners in den Mittelpunkt. Beide schildern ihr Verständnis von Zielen und Aufgaben des Redners und die jeweils geeignete Ausbildung.
Wirkung: Durch seine Reden, seine Ausführungen über die Redekunst und seine philosophisch-politischen Schriften ist Cicero das Idealbild der Beredsamkeit geworden. Die Beschäftigung mit der Rede als Kunst und Methode kam und kommt an Cicero nicht vorbei. U. S.
Pressestimmen
"Wer nur ein einziges Buch zur Rhetorik lesen will, der sollte dieses wählen; keiner der modernen Autoren bringt zu Redepraxis und Stilistik entscheidend Neues und niemand schreibt so elegant und gebildet wie Cicero." -- Westdeutscher Rundfunk